David Holbrook, M.D.: LIEBE, ARBEIT UND WISSEN UND DER CORONAVIRUS

29. März 2020

David Holbrook, M.D.

 

Liebe, Arbeit und Wissen stammen aus dem Kern. Alles, was eine dieser Funktionen stört, stört auch die beiden anderen Funktionen. Sie alle interagieren und sind voneinander abhängig. Zum Beispiel wird etwas, das die Arbeitsfunktion behindert, auch die Liebes- und Wissensfunktion behindern, weil die Gesamtfähigkeit des Organismus zur Erregung und Wahrnehmung (Kontakt) beeinträchtigt wird.

Reich beschrieb im Grunde genommen die gesamte Psychologie, Physiologie und Soziologie als eine Funktion des Grades der freien Bewegung bzw. des Mangels an freier Bewegung der Orgonenergie. Wenn wir also über Liebe, Arbeit, Wissen, Psychologie, Physiologie, Soziologie oder Politik sprechen, sprechen wir tatsächlich über Orgonenergie-Funktionen.

In dieser Passage zeigt Reich die Verbindung zwischen genitaler Liebe und Wissen:

Die Menschen weichen der Wahrheit aus, weil schon das erste bißchen Wahrheit, das ausgesprochen und gelebt würde, weitere Wahrheit hervorriefe; und dies würde sich unberechenbar fortsetzen (S. 309) … DIE WAHRHEIT ZU BERÜHREN IST DAS GLEICHE, WIE DIE GENITALIEN ZU BERÜHREN. Daher stammt das „Nicht berühren!“ in Bezug auf alles, was ernst, entscheidend und lebensrettend ist, was zu echtem Selbstvertrauen führt. (Reich W 1953: Christusmord. Freiburg: Walter, 1978, S. 339, Hervorhebungen im Original.)

Hier ein Beispiel dafür, wie Reich soziologische Prozesse als biologisch betrachtete, die mit der freien Bewegung der Orgonenergie verbunden sind:

Gemeint ist die echte Freiheit der persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, die Freiheit von Lebensangst, von ökonomischer Unterdrückung welcher Form immer, die Freiheit von reaktionären Hemmungen der Entwicklung, kurz, die freiheitliche Selbstverwaltung des Lebens. Befreien wir uns von allen Illusionen. In der Menschenmasse selbst wirkt eine reaktionäre, mörderische, entwicklungshemmende Macht, die alle Anstrengungen der Freiheitskämpfer immer wieder zuschanden macht. Diese reaktionäre Macht in den Menschenmassen erscheint als allgemeine Angst vor Verantwortung und als Angst vor Freiheit. Dies sind keine moralischen Werturteile. Diese Angst wurzelt tief in der biologischen Konstitution des heutigen Menschen. (Reich W 1946. Die Massenpsychologie des Faschismus. Frankfurt: Fischer TB, 1974, S. 294, Hervorhebungen im Original)

Im folgenden zeigt Reich den Zusammenhang zwischen der Befähigung zur genitalen Liebe und der allgemeinen Fähigkeit des Organismus, erregt zu werden, generell Lust zu empfinden und sogar wahrnehmen zu können:

Wird die sexuelle Erregung gebremst, so entsteht ein fortschreitender Widerspruch: Die Bremsung steigert die Erregungsstauung; die gesteigert Erregungsstauung schwächt die Fähigkeit des Organismus, sie abzubauen. Dadurch erwirbt der Organismus eine Angst vor Erregung, mit anderen Worten, die Sexualangst. Sie ist somit durch äußere Versagung der Triebbefriedigung veranlaßt und durch die Angst vor der gestauten Sexualerregung innerlich verankert. Daraus leitet sich die Orgasmusangst ab. Sie ist die Angst des dem Lusterlebnis entfremdeten Ichs vor der überwältigenden Erregung des Genitalsystems. Orgasmusangst bildet den Kern der allgemeinen strukturellen Lustangst (1934). Sie äußert sich gewöhnlich als allgemeine Angst vor jeder Art vegetativer Empfindungen und Erregung oder der Wahrnehmung solcher Erregungen und Empfindungen. Lebenslust und Orgasmuslust sind identisch. Die äußerste Erscheinung der Orgasmusangst bildet die allgemeine Lebensangst. (Reich W 1942: Die Funktion des Orgasmus, Frankfurt: Fischer TB, 1972, S. 124)

Hier verbindet Reich die Orgasmusangst mit der Fähigkeit zum Kontakt selbst, was buchstäblich das verursacht, was er als „Kontaktangst“ bezeichnet:

Je mehr Energie den Rigiditäten, der Muskelpanzerung, den Symptomen entzogen wurde, desto lebendiger und mobiler wurde der Organismus, bis die „Kontaktangst“ in der Genitalsphäre, die „Orgasmusangst“ als letztes Haupthindernis für die Wiederherstellung des Gleichgewichts im organismischen Energiehaushalt auftauchte. (Reich W 1956: „Die emotionale Wüste“, In: Ausgewählte Schriften, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1976, S. 464f)

Alle biologischen Funktionen beinhalten nicht nur psychischen (psychologischen) Kontakt, sondern auch somatischen Kontakt, der für das reibungslose Funktionieren des Immunsystems notwendig ist.

Der Angriff auf die Arbeitsfunktion, ein Nebeneffekt der scheinbar rationalen Notwendigkeit, die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus zu verringern, verursacht eine sehr große Kontraktion, die die Menschen in jeder Hinsicht betrifft und meiner Meinung nach höchstwahrscheinlich auch ihre Fähigkeit beinhaltet, eine ordnungsgemäße Immunantwort (Erstrahlung) auf das Virus aufzurichten!

Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 4)

28. März 2020

Ein weiterer Faktor, der das ganze Elend der bisherigen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zeigt, ist, daß man dessen „klassenkämpferische“ Elemente nie ernst genommen hat bzw. als bloßen Propagandatrick abgetan hat. Das wird insbesondere anhand der drei Eckpunkte des nationalsozialistischen Regimes deutlich: der vermeintliche „Röhm-Putsch“, 1938 die „Blomberg-Affäre“, die deutlich machte, worum es beim „Röhm-Putsch“ wirklich ging, und, genau 10 Jahre später, der tatsächliche Stauffenberg-Putsch.

Was es mit Ernst Röhm, der Reichswehr und dem Putsch auf sich hat, wird durch folgendes absolut bemerkenswertes Dokumentarspiel aus dem Jahre 1967 deutlich:

Es stammt von Axel Eggebrecht, der einst, wie Reich, zum roten Berlin gehört hatte (siehe Der Rote Faden und hier). Trotzdem, oder gerade deshalb, geht er hier vollkommen fair mit Röhm und seinem Umfeld um. Röhm wird als Mensch dargestellt, nicht als blutrünstiges Monstrum, und seine Homosexualität wird nicht auf billige Weise in den Vordergrund gestellt. Diese wurde von seinen sozialdemokratischen und kommunistischen Gegnern skandalisiert, als ginge es um eine Frage der „Moral“. Der gleichen widerwärtigen Taktik bedienten sich die ach so moralischen Saubermänner innerhalb der NSDAP, um Röhm loszuwerden. Tatsächlich war die SA nicht mehr „homosexuell“ als jede andere Organisation zu dieser Zeit. Es ist absolut bemerkenswert, daß ausgerechnet ein Ernst Röhm ein Opfer der Emotionellen Pest war. Ja, so manches vermeintlich „antifaschistisches“ (welch ein Hohn!) Spatzenhirn wird jetzt explodieren!

Worum es Röhm ging, wird durch ein zweites sehr gutes Dokumentarspiel deutlich, „Geheime Reichssache“ aus dem Jahre 1987:

Hier geht es um die „Affäre Blomberg“, wo wieder Göring, die SS und die Führung der Reichswehr (bzw. Wehrmacht) sich eines Menschen entledigten, der genau das infrage gestellt hatte, was bereits Röhm bekämpft hatte, den Standesdünkel und „die Reaktion“. Und genau wie bei Röhm stand auch hier wieder „illigitime Sexualität“ im Mittelpunkt. Reichswehrminister von Blomberg (der übrigens 1934 Hitler mit Verweis auf Hindenburg und die Reichswehr geradezu zur Beseitigung Röhms gezwungen hatte!) hatte ganz im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie eine weitaus jüngere Frau gegen alle Klassenschranken geheiratet, um kurz danach mit einem Polizeidossier über seine Frau konfrontiert zu werden, die einmal wegen Diebstahlverdachts in Haft gewesen, sowie als Model für Pornobilder aktenkundig geworden war. Vom Offizierskorps geächtet, hielt er zu seiner Frau, mußte abdanken und als Resultat unterstand die Wehrmacht nun Hitler unmittelbar.

Als Teile dieser Wehrmacht gegen einen Hitler putschten, in dessen Gegenwart es absolut verboten war sich abfällig über Röhm zu äußern, sah sich dieser tatsächlich von „rechts“ und „Reaktion“ bedroht – oder wie es, historisch korrekt, im Film Der Untergang heißt: „Ich hätte gut daran getan vor Jahren alle höheren Offiziere liquidieren zu lassen wie Stalin.“

Dem typischen „antifaschistischen“ Intellektuellen, der nur in rigiden „mechanischen“ Schablonen denken kann, nicht in „energetischen“ Funktionen, die sich stets im Fluß befinden und sich „materiell“ auf (oberflächlich betrachtet) unterschiedlichste Weise äußern können, entgehen diese Zusammenhänge. Das „naive“ Publikum ist nicht so beschränkt wie das besagte Gesindel und hat zumindest ein vages Gespür dafür, was wieder das „Faszinosum Nationalsozialismus“ erklärt.

Eine Ergänzung zu „Lore Rubin Reich: ERINNERUNGEN AN EINE CHAOTISCHE WELT“

27. März 2020

Die erwähnte schlichtweg SCHWACHSINNIGE Interpretation/Zurückweisung der Reichschen Orgasmustheorie, kann man auch auf Max Stirners Anthropologie ausweiten. Der wird entgegengehalten, daß die Menschen zu „Egomanen“ werden, zu ichsüchtigen Soziopathen. Hallo! Der gesamte Ansatz Stirners beruht ja darauf, daß das „Ich“ eine Lüge ist, d.h. eine vollkommen vergesellschaftete, bzw. gesellschaftlich verformte Instanz. Ebensogut könnte man Handpuppen „Egoismus“ vorwerfen!

Es geht eben nicht um das „freie Ausleben“, denn die Menschen sind ja gar nicht frei. Um was es geht, hat Reich verdeutlicht, als er erstmals in der Menschheitsgeschichte zwischen primären und sekundären Trieben unterschieden hat. Wenn man die ersteren unterdrückt, verwandelt man sie in sekundäre Triebe. Wenn man die letzteren NICHT unterdrückt, verhindert man jede Chance, daß sich die primären Triebe jemals entfalten können.

Fast alle Menschen, insbesondere aber wirklich alle „Intellektuellen“, sind schlichtweg zu dumm, um die Sexualökonomie zu begreifen. Das hat natürlich NICHTS mit dem IQ zu tun, sondern diese Dummheit, oder besser Dumpfheit, ist unmittelbarer Ausdruck der Panzerung, insbesondere der Augenpanzerung. Diese „Menschen“, die nicht mal die allerprimitivsten Zusammenhänge durchschauen, sind gar nicht sie selbst, sondern bloße Roboter, die von der Emotionellen Pest gesteuert werden. Oder ein vielleicht passenderes Bild: es ist so, als stünden sie unter Drogen. Kein Wunder, daß sie REICH für verrückt halten und in den Orgonomen nur irre Sektierer sehen können…

Lore Rubin Reich: ERINNERUNGEN AN EINE CHAOTISCHE WELT

26. März 2020

Dieses Buch ist eine Übersetzung des unveröffentlichten Originalmanuskripts. Obwohl die Autorin diese Übersetzung ausdrücklich lobt (S. 9), ist sie holprig und voller Fehler. Sätze wie: „Es gab kein Bedürfnis nach einer Revolution und auch kein Verlangen danach“ (S. 218). Es gab keinen Bedarf! Fast alle unterschätzen, wie schwer das Übersetzen vom Englischen ins Deutsche ist. Außerdem sollte der Übersetzer sich im Sujet auskennen. Wie kann man etwa von „Kamerad Thomas“ sprechen, statt „Genosse Thomas“! Und dann Reichs Tochter Lore selbst: wie, äh, aaarghhhh muß man sein, um Reichs Theorie damit zu „erklären“, daß nur der Orgasmus Neurosen auflösen könne (S. 30)?! Das macht ebensoviel Sinn, als behauptete man, nur Geschlechtsverkehr könne erektive Impotenz heilen oder nur das Gehen einen Querschnittgelähmten. Oder etwa zu schreiben: „Ich bin mir sicher, daß er seine Patienten dazu brachte, ihre Hemmungen soweit fallen zu lassen, daß sie vor ihm einen Orgasmus hatten“ (S. 155). Sic! Aus dem ganzen spricht einfach nur Böswilligkeit und Verachtung! Und dann sich fragen, warum Reich so „aggressiv“ gewesen sei!

Trotzdem verlohnt es „Mein Leben als Tochter von Annie Reich und Wilhelm Reich“ zu lesen, einfach weil es die Reich-Biographie plastischer macht. Da wäre die graue Kindheit der beiden Reich-Töchter und die Knappheit der Mittel, die es zum Problem machte eine vernünftige Hauskraft/Kindermädchen anzustellen. Die Familie war imgrunde arm, weil Reich nur genausoviel zur Familienkasse beitrug wie Annie, die als Mutter und psychoanalytische Anfängerin nur wenig verdiente. Wo erfährt man sonst, daß Annie sieben Abtreibungen hatte oder daß Lore dem armen Reich aufgedrängt wurde, um die Ehe zu einer Zeit zu retten, als Reich „politisch“ aktiv wurde. Entsprechend betrachtete er Lore stets als Annies Kind. Die ungemütlichen Wohnverhältnisse, da, wie damals bei Psychoanalytikern üblich, zuhause gearbeitet wurde; Reichs aufbrausendes und manchmal verstörendes Temperament; dazu das Kontrastprogramm: der dickliche und kleine Genosse Thomas als „Hausfrau“ (S. 140); bis hin zur Beschreibung von Reichs Beerdigung, bei der die Familie an den Rand gedrängt wurde. Lore hatte große Probleme im trüben November zum abgelegenen Orgonon zu gelangen, nur um auf der Beerdigung zu erfahren, daß gleich drei ihrer Kollegen an der psychiatrischen Klinik, in der sie zu der Zeit tätig war, führende Orgonomen waren und einen Flug nach Orgonon organisiert hatten. Sie hatten sich ihr nie zu erkennen gegeben und ignorierten sie auch auf der Beerdigung demonstrativ (S. 247f).

Die ganze Dynamik von Reichs erster Ehe wird in einer Szene deutlich, die gleichzeitig das definitive Ende der Beziehung zwischen Annie und Wilhelm beschreibt. Reich floh nach dem Reichstagsbrand sofort mit seiner Frau Richtung Österreich und zwar als Bergtouristen getarnt, um Grenzkontrollen zu entgehen. „Meine Mutter berichtete, daß mein Vater voller Angst war. Auf einmal verspürte sie eine enorme Verachtung ihm und seiner Angst gegenüber. In diesem Moment konnte sie sich endlich von der Knechtschaft, in der er sie gefangenhielt, befreien. Deswegen konnte sie umkehren und ihn auf dem Berggipfel alleine lassen. Sie kehrte nach Berlin zurück und organisierte den Umzug der Möbel aus der Wohnung“ (S. 38). Offensichtlich war bei einer Hysterikerin die Übertragung zerbrochen, als sich der angebetete Held selbst „hysterisch“ benahm.

Oder wie inflationär und laienhaft der Begriff „verrückt“ von Psychoanalytikern benutzt wurde, um das Renommee „abtrünniger“ Psychoanalytiker nachhaltig zu zerstören. Nicht nur Reich war Opfer dieser Taktik, sondern auch Rado, Rank, Jung, Adler, Tausk, Ferenczi, Melanie Klein und deren Tochter Melitta Schmiedeberg (S. 67). „Mein Vater war ein naiver und vertrauensvoller Mann“, der die psychotherapeutische Behandlung seiner Tochter Eva zwei Frauen überließ, nämlich Berta Bornstein und Anna Freud, welche Bornstein supervidierte, „die voller Haß ihm gegenüber waren“ (S. 77). Beide lebten „ihre Neurose wie bösartige Geister unter dem Deckmantel der psychoanalytischen Rechtschaffenheit aus“ (S. 80).

Lores Buch bietet einige Ergänzungen zu Der Rote Faden etwa, daß viele fanatische Trotzkisten später Neokonservative wurden. Lore selbst war von den späten 1940er bis zu den frühen 1960er Jahren in einer Trotzkistischen „Partei“ (Sekte!) aktiv. Oder etwa, wenn sie beschreibt, unter welcher Daueranspannung ihr Schwiegervater Genosse Thomas litt: „Eines Tages sah er in unserem Wohnhaus einen Psychoanalytiker in Begleitung eines Agenten der sowjetischen Geheimpolizei, den Thomas kannte. Aus Angst entdeckt zu werden, eilte er zurück in den Aufzug; er war schockiert von diesem Vorfall“ (S. 140). Dieser Vorfall habe, so Lore, auch gezeigt, welchen Zuspruch Stalins KP noch in den USA genoß. So hätten auch Psychoanalytiker Umgang mit der KP gepflegt, trotz all der Greueltaten.

Sie beschreibt die kommunistische Unterwanderung Amerikas sehr gut: Während sie in Europa nur Menschen getroffen hatte, die von der KP desillusioniert waren, traf sie in Amerika viele Erwachsene, die Kommunisten waren. New York sei voller genauso idealistischer wie ignoranter Leute gewesen, die die UdSSR verherrlichten. „Jahrelang, sogar nach dem Krieg, bis Mitte der 1950er Jahre, folgten diese Leute der kommunistischen Parteilinie ohne zu wissen, daß diese von Moskau aus diktiert wurde, marschierten in Maiparaden und hielten sich für ‚die Guten‘.“ Sie hielten sich stets an die jeweilige Linie der Partei, selbst wenn die, wie zu Anfang des Krieges, die Unterstützung Hitlers vorsah. „Heute sind Menschen der Meinung, daß man damals ‚unter jedem Bett einen Kommunisten sah‘ und verleugnen, wie groß die Anhängerschaft, zumindest in New York, war. Natürlich waren diese Menschen keine Spitzel, da sie diese Überzeugungen offen zur Schau stellten. Stattdessen übten sie enormen Druck auf die öffentliche Meinung, die Kunst und die Medien aus“ (S. 145f).

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Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 3)

25. März 2020

In seinem vor wenigen Wochen erschienen Buch über Reichs Massenpsychologie des Faschismus sagt Stefan Blankertz auf S. 11, daß es nur graduelle Unterschiede in der unrechtmäßigen faschistischen Staatsgewalt (Willkürherrschaft) und der staatlichen Gewalt gäbe, die vom Souverän, dem Volk, gerechtfertigt sei („Gewaltmonopol des Staates“, das es gegen die Extreme zu verteidigen gilt). Und was den Souverän betrifft: es gäbe auch nur graduelle Unterschiede zwischen Masse (der „formbaren Masse“ der Faschisten) und Volk (der „Demos“, die Siedlungsgemeinschaft, der Demokraten).

Nein, es gibt grundsätzliche Unterschiede! Zunächst einmal entspricht „das Volk“ und seine Identität der äußeren Schicht der Charakterstruktur, der „Fassade“. Wir sehen unmittelbar welchem Volk jemand zugehört und auch er selbst identifiziert sich mit diesem seinem Spiegelbild. Bei der „Masse“ ist das anders: sie ist buchstäblich eine „graue Masse“, ohne Farbe und Unterschiede, beliebig formbar und ohne Identität. Das ist so, weil sie aus Zeit und Raum herausgefallen ist, d.h. nur das Volk hat eine Vergangenheit und eine Zukunft, die aus der Vergangenheit erwächst – ein „Schicksal“ und nur das Volk hat Wurzeln in einer Region. Entsprechend sprachen die völkische Bewegung und die Nationalsozialisten von „Blut und Boden“.

Und was die Gewalt, genauer gesagt die Staatsgewalt betrifft: die sekundäre Schicht bzw. mittlere Schicht der Charakterstruktur kann man durchaus mit der mittleren der drei Keimblätter in Zusammenhang bringen. Dazu zitiere ich mich ausnahmsweise selbst:

Neben seiner Rolle als koordinierender Vermittlung zwischen Außen (Ektoderm) und Innen (Entoderm) bereitet das Mesoderm, aus dem sich sowohl die innere als auch die äußere Muskulatur entwickelt, gleichzeitig die „phallische Aggression“ vor, da „Aggression die Lebensäußerung der Muskulatur ist“ (Die Entdeckung des Orgons, Bd. 1, S. 120). Ursprünglich gibt es nur Lust und Angst. Reich schreibt dazu: „Die Sexualökonomie leugnet (…) den ursprünglichen Charakter der destruktiven Antriebe und läßt sie (…) aus den Funktionen der Sexual-Versagung einerseits, der Angst-Vermeidung andererseits phylogenetisch hervorgehen. Daß die Muskulatur, der Apparat der Destruktion, aus dem Mesoderm der Gastrula, also einer sekundären embryonalen Anlage hervorgeht, die Apparate der Sexual- und Angstfunktion dagegen schon im Einzeller gegeben sind, mag diese Auffassung entwicklungsgeschichtlich stützen“ (Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 43f).

Es gibt eine Gewalt, die willkürlich und letztendlich pestilent („faschistisch“) ist, weil sie auf sexueller Frustration beruht: angestaute Energie bricht ohne Sinn und Verstand aus der Panzerung heraus („faschistische Irrationalität“). Dem steht eine Gewalt entgegen, die auf dem Naturrecht beruht, d.h. dem Kontakt zum bioenergetische Kern, ein Kern, der seine Interessen durchsetzt und sich gegen die Emotionelle Pest wehrt. Genau darauf berief sich Hitler, wenn er sich über alles hinwegsetzend für die „Interessen des deutschen Volkes“ einsetzte und dabei vorgab einer höheren Macht zu folgen bzw. eine höhere Legitimation zu haben.

Ganz ähnlich wie im zweiten Teil dieser Serie von Blogeinträgen: genau das macht die verwirrende Faszination des Nationalsozialismus aus. Einerseits hat er wie erläutert, die „natürliche Ordnung“ (Kern, sekundäre Schicht, Fassade) vertreten, um sie andererseits wie keine andere Ideologie vor ihm und nach ihm zu verneinen, indem er das identitätslose willfährige Massenindividuum schuf, eine graue Masse, wo jeder Farbtupfer BUCHSTÄBLICH totgeschlagen wurde, – also die absolute Willkürherrschaft, die blanke Gewalt herrschte, ein Unrecht und eine Niedertracht, das einem den Atem verschlagen.

Die Massen kommen vom Thema „Nationalsozialismus“ nicht los, weil hier der Kern ihrer gesamten Malaise zu finden ist. Insbesondere in Zeiten, wo sich die Völker auflösen und die letzten Demokratien dem Globalismus geopfert werden, denn mit dem Nationalstaat und dem Staatsvolk verschwindet jede Grundlage einer „Volksherrschaft“ (Demokratie!) und Identitätslosigkeit; Unrecht und Willkür breiten sich aus.

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David Holbrook, M.D.: ÜBER WUT

24. März 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Über Wut

 

Der pestilente Dreisatz der Corona-Krise

23. März 2020

Bei der Corona-Krise geht es mitnichten um einen Virus, der aus China eingeschleppt wurde, sondern um eine Krankheit, die seit etwa 6000 Jahren die Menschheit plagt: die Emotionelle Pest.

  1. Die Medien („Mildred Brady“) werden jeden Politiker kreuzigen, der die Geschäfte offen-, das Wirtschaftsleben in Gang hält.
  2. Die Politiker selbst brauchen einen Sündenbock, weil das Finanzsystem und damit die Wirtschaft sowieso zusammenbrechen wird. Jetzt können sie immer von sich weg auf Corona zeigen.
  3. Aber letztendlich sind es natürlich die Massen, die die Hysterie der Medien und das „freie Geld“ der Zentralbanken angestachelt, gefordert und genossen haben. Es geht um die Massenpsychologie des Faschismus!

Diese verlangt nach einem starken Führer, einen „handlungsfähigen Staat“, auch wenn dieser mit seinem sinnlosen „Heilaktionismus“ den Patienten, die Gesellschaft, abwürgt, tötet. Die Massen haben von jeher Wunder erwartet, ein sorgloses Leben ohne Gefahren, bei dem gebratene Truthähne in dein Maul fliegen und es Champagner regnet. Ihre „Führer“ haben es ihnen zu schenken versucht, es wurde folglich wie wild Geld gedruckt, bis es nur noch wertloses Papier war. Jetzt platzt die Blase, genauso wie zuvor die Träume des Hitlerismus und Stalinismus an der Realität zerplatzt sind.

Nationen sind bio-soziale Systeme

22. März 2020


Die Bioenergetik der Coronavirus-Krise.

Nationen sind bio-soziale Systeme

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Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 2)

21. März 2020

Kaum ein Tag geht vorbei, nein, KEIN Tag geht vorbei, ohne daß sich die breite Öffentlichkeit mit dem Nationalsozialismus beschäftigt. Kaum etwas scheint die Menschen mehr zu faszinieren. Leute wie etwa Rudolf Bahro bringen das dann mit „raunenden Tiefen“ in Zusammenhang, die in Resonanz geraten. Mit anderen Worten geht es um den verzerrten Kontakt zum bioenergetischen Kern, der jedem rechten Syndrom zu eigen ist. Ich verweise auf meine ausführlichen Ausführungen zum Thema in Der Blaue Faschismus:

Ulrike Meinhof und andere führen das besagte Faszinosum auf einen ganz anderen Faktor zurück, nämlich darauf, daß die Nationalsozialisten etwas bekämpften, das uns, die Guten, unterdrückt, das Böse schlechthin, nämlich den Kapitalismus, den bereits der junge Marx mit dem Judentum gleichgesetzt (sic!) hatte. Meinhof 1972: „Auschwitz heißt, daß sechs Millionen Juden ermordet und auf die Müllkippe Europas gekarrt wurden als das, als was man sie ausgab – als Geldjuden. Der Antisemitismus war seinem Wesen nach antikapitalistisch. Mit der Vernichtung von sechs Millionen Juden wurde die Sehnsucht der Deutschen nach Freiheit von Geld und Ausbeutung mit ermordet… Ohne daß wir das deutsche Volk vom Faschismus freisprechen – denn die Leute haben ja wirklich nicht gewußt, was in den Konzentrationslagern vorging –, können wir es nicht für unseren revolutionären Kampf mobilisieren.“ In orgonomischer Begrifflichkeit ging es den Nationalsozialisten um die Bekämpfung der Emotionellen Pest!

Ungefähr 1942 schrieb Reich:

(…) Die Träger der emotionellen Pest (…) haben die Enthüllung der emotionellen Pest in den stillen Arbeitsräumen der Charakteranalytiker und Vegetotherapeuten erraten und als Bedrohung empfunden. Sie haben, ohne selbst unmittelbar betroffen zu sein, darauf mit den Mitteln der Diffamierung und der spezifischen Pestreaktion geantwortet (…) Die Pest kam durch wohlverhüllte und rationalisierte Aktionen möglichen Enthüllungen zuvor. Sie benahm sich wie ein Mörder in vornehmer Kleidung, dem die Maske vom Gesicht gerissen wird. Die Pest hatte mehr als ein Jahrzehnt lang Erfolg; es wäre ihr fast gelungen, ihre Existenz für weitere Jahrhunderte ungestört zu sichern. Sie hätte auch Erfolg gehabt, wenn sie nicht in Form der Diktaturen und der Massenverseuchung allzu verheerend und allzu offenkundig aufgetreten wäre. Sie hat einen Krieg von ungeahnten Ausmaßen angezettelt und zum chronischen, alltäglichen Mord hinzugefügt. Sie versuchte sich hinter hohen „staatlichen Interessen“ und „neuen Ordnungen“, hinter „Tausendjährigen Reichen“ und „rassischen Ansprüchen“ zu verbergen. Jahrelang wurde ihr von einer [aus] psychiatrisch[er Sicht] kranken Welt Glauben geschenkt. Aber sie hat sich zu sehr verraten. Sie hat das natürliche Lebensgefühl aller Menschen gestreift; denn sie hat keine Familie und keinen Beruf unberührt gelassen. Was der Charakteranalytiker und Vegetotherapeut in seinem stillen Arbeitsraum so lange und so gut zu erforschen und zu bekämpfen gelernt hatte, floß mit einem Male in Eines mit den Erscheinungen der Weltkatastrophe. Die Grundzüge waren im kleinen wie im großen dieselben. (…) (Charakteranalyse, KiWi, S. 367f)

„Sie hat einen Krieg von ungeahnten Ausmaßen angezettelt…“ An wessen Rede erinnert uns das? In seiner Reichstagsrede vom 30. Januar 1939 zeigte sich Hitler entschlossen, die Juden „abzuschieben“. Europa könne „nicht mehr zur Ruhe kommen, bevor die jüdische Frage ausgeräumt ist“. Es müsse „endgültig mit der Meinung gebrochen werden, als sei das jüdische Volk vom lieben Gott eben dazu bestimmt, in einem gewissen Prozentsatz Nutznießer am Körper und an der produktiven Arbeit anderer Völker zu sein“. Und schließlich: „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.“

Es ist unverkennbar, daß die deutschen Nationalsozialisten die Juden als eine Art „emotionale Pest“ betrachteten und sogar ganz explizit mit „Pestratten“ gleichsetzten. Etwa Goebbels, der ganz in christlicher Tradition in den Juden die „menschgewordene Lüge“ sah, so wie Christus die Verkörperung der Wahrheit ist. Die Satansbrut schlechthin, die mit Diffamierung arbeitet und indem sie anderen das vorwirft, was sie selber tut, etwa rassistisch zu sein. Das alles wohlverhüllt unter dem Deckmantel ein normaler Europäer zu sein. Dank dieser Mimikry hätte diese Pest sich immer weiter ausbreiten können, hätte sie es nicht in Gestalt des „finanzkapitalistischen“ Ersten Weltkrieges und des bolschewistischen Terrors zu weit getrieben und in der Weimarer Republik das deutsche Lebensgefühl nicht zu „frech“ verletzt.

Dabei darf man nicht aus den Augen verlieren, daß die Nationalsozialisten bei ihren Anschuldigungen gegen „die Juden“ stets explizit einen wissenschaftlichen und insbesondere einen ärztlichen Anspruch hatten als Aufklärer, Humanisten (sic!), Eugeniker und „Rassenhygieniker“ in vermeintlicher Nachfolge von Charles Darwin und Ernst Haeckel.

Der Nationalsozialismus wird solange ein Faszinosum bleiben, und zwar ein sehr ungesundes und abstoßendes, solange die Massen nicht erkennen, worum es ihnen bei diesem ihrem denkbar schmutzigen Hobby unbewußt wirklich geht: die Verbindung zum bioenergetischen Kern (Genitalität, Arbeitsdemokratie) durch Sequestration der sekundären Charakterschicht, d.h. der Emotionellen Pest.

Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 1)

20. März 2020

Was könnte „rechter“ sein, als zunächst einmal Hitler Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, indem man darstellt, was er wirklich wollte – jenseits von gut und böse! Er betrachtete sich selbst als „Künstler mit soldatischer Haltung“.

Was die meisten „Antifaschisten“ nicht sehen, ist, daß Hitler (laut Reich „der Generalpsychopath“ schlechthin) alles getan hat, um den Staat zu zerschlagen (den er als „jüdische“ Institution betrachtete). Das fast unglaubliche Chaos und das Zuständigkeitswirrwarr im nationalsozialistischen Staat waren gewollt. Die Starken sollten sich durchsetzen, ohne daß sich die Schwachen hinter „Recht und Ordnung“ verstecken können. Der „verschlagene Jude“ „David“ sollte keine Chance haben gegen den „gradlinigen Arier“ „Goliath“. In gewisser Weise war Hitler „antiautoritär“, d.h. die (sekundären) Triebe sollten frei walten können. Er war ein politischer Ökologe, d.h. der Mensch sollte zur Natur zurückkehren – und nach Hitler ist die Natur ein ewiger Kampf und vom Überleben der Stärksten geprägt. Eine absurd verkürzte Primitivversion des Darwinismus

Hitlers Weltbild war aber nicht nur soziopathisch und äußerst trostlos, er war auch ein „Künstler“, ein „Ästhet“. Über Wagner wurde er von Schopenhauers Vorstellung von der „Welt als Wille und Vorstellung“ beeinflußt – jedenfalls einer ebenfalls absurd verkürzte Primitivversion derselben. Der brutale Wille kommt in der Kunst zur Ruhe und erlebt seine Apotheose. Daher die Besessenheit der Nazis Kunstwerke zu stehlen; Wagner, klassische Musik usw. und vor allem Architektur. Dies war auch der zweite Grund für den Haß auf „den Juden“. Nicht nur, daß der schwache „David“ durch Tricks die Natur umging und den starken „Goliath“ tötete, der Jude zerstörte auch Kunst, Musik, alle Schönheit und damit das einzige, was das Leben, das an sich brutal und schmerzhaft ist, lebenswert macht und dem ganzen Kampf Sinn verleiht. (Orgonometrisch betrachtet sind Träume, und damit auch Phantasien, der Orgasmus im Bereich des koexistierenden Wirkung!)

Hitler war ein Alptraum von orgastischer Impotenz, sekundären Trieben und Ersatzkontakt. Reich war in jeder Hinsicht der „Gegenhitler“. Dies erklärt auch, warum Menschen Hitler folgten und warum Hitler bis heute die am meisten diskutierte Person der Weltgeschichte ist. Ein nicht abklingen wollendes Faszinosum! Die Leute können nicht genug von Hitler bekommen. Sie suchen nach Reich und landen aufgrund ihrer Orgasmusangst beim „Gegenreich“.