Buchbesprechung: REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz (Teil 2)

14. September 2020

von Paul N. Mathews

 

Letzteres würde auch für die „Kritik Nr. 2“ des Autors gelten, die sich mit Reichs „Widersprüchen“ in Bezug auf seine Haltung gegenüber der militärischen Autorität und der Disziplin seiner eigenen Kinder befasst. Die Frage ist, ob diese angeblichen Ungereimtheiten tatsächlich bestanden oder ein Missverstehen von Reichs Beharren auf der Unterscheidung zwischen Freiheit und Zügellosigkeit waren. Es war auch klar, dass Reich starke Gefühle für die Unterstützung rationaler militärischer Autorität und Maßnahmen gegen eine bedrohliche „bewaffnete, organisierte emotionale Pest“, wie er es nannte, hegte. Die Tatsache, wie gesagt, dass sein Sohn Peter diesen Aspekt des Denkens seines Vaters bedauerte, gibt Peter nicht notwendigerweise recht und Reich unrecht.

In der letzteren Kritik offenbart der Autor etwas von seiner eigenen Ideologie, d.h. antimilitärisch, gegen das Establishment, pro-vietnamesisch („Peter, der für die US-Militärmaschinerie gegen das Volk von Indochina kämpfte . . .“). In der folgenden „Kritik Nr. 3“ offenbart er weiter seine politische und ideologische Neigung. Hier zeigt er seine Unzufriedenheit über Reichs Ablehnung eines politischen Wegs zur Veränderung und erhebt den Vorwurf: „Einige seiner götzendienerischen Jünger – darunter die Herausgeber seines Nachlasses – behaupten gar, ‚er ist nie politisch eingestellt gewesen‘. Als ob das ein so schreckliches Stigma wäre!“

Natürlich hat Reich selbst seine Politik geleugnet – und erklärt, er sei nie ein „politischer Kommunist“ gewesen, womit er einen ideologischen, nicht funktionellen gemeint habe. Reich – und „seine götzendienerischen Jünger“ – haben es nie abgelehnt, den politischen Prozess funktionell zu nutzen, d.h. zu funktionellen, orgonomischen Zwecken im Vergleich zu mystischen, mechanistischen. Es ist wie der Unterschied zwischen neurotischer und rationaler Aggression im Dienste der Selbstverteidigung oder der gesunden Leistung. In diesen Kritiken offenbart der Autor seinen schwerwiegendsten Mangel – eine Unfähigkeit zum funktionellen Denken.

Wenn sich der Autor in das Feld von Reichs späteren Entdeckungen begibt – die Bione, die Orgonenergie, das DOR, die Überlagerung, das Cloudbusting – stellt er sie auf ziemlich klare, wenn auch rudimentäre Weise dar. Er stellt jedoch diese Periode von Reichs Leben und Werk in Frage, indem er betont, dass an diesem Punkt seine „Paranoia und Obsessionen zunehmen“. Außerdem stellt er fest: „Entweder seine [Reichs] Entdeckungen stimmen und 99 Prozent der früheren Wissenschaft ist Schrott, oder WR bereitet seine Wahl auf den Thron Gottes vor.“ Hier lässt der Autor einem – so wie er es präsentiert – keine größere Wahl als Letzteres.

Dann wird der Autor zunehmend ironisch und ein wenig sarkastisch über Reichs Einreise in die Vereinigten Staaten und seine Begeisterung für sie. Er stellt die Einstein-Affäre in einer verzerrten Weise dar, so dass Reich verblendet und gegen Rote hetzend erscheint. Der Autor stellt fest: „Reich wendet sich jetzt nach innen“ und die „Arbeitsdemokratie ist eine Art Charakterpanzer“. Weiter stellt er missbilligend fest: „Bedauerlich für zukünftige Zeiten ist, daß er sie [seine Bücher in englischer Übersetzung] ‚durchsieht‘ und so überarbeitet, daß sie mit seiner Entdeckung des Orgons übereinstimmen.“ Offensichtlich zieht Mairowitz die „politische“ Orientierung vor.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 20 (1986), Nr. 2, S. 293-296.
Übersetzt von Robert (Berlin)

nachrichtenbrief170

13. September 2020

David Holbrook, M.D.: PSYCHIATER SEIN VERSUS DAS DEBATTIEREN POLITISCHER THEMEN / DER TON / ZUM FASCHISMUS, RECHTS UND LINKS!

12. September 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Psychiater sein versus das Debattieren politischer Themen auf Facebook

 

Der Ton

 

Zum Faschismus, rechts und links!

 

Buchbesprechung: REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz (Teil 1)

11. September 2020

Reich – for Beginners. Von David Zane Mairowitz. Writers and Readers Publishing, Inc., New York, 1986, 174 Seiten, 6,95 $
[Wilhelm Reich kurz und knapp, Zweitausendeins, Frankfurt/M, 1995, 167 Seiten]

von Paul N. Mathews, M.A., Brooklyn, NY

 

Ich nehme an, es war unvermeidlich, dass jemand ein Buch über Reich mit dem Titel Reich – for Beginners1 schreiben würde. Ehrgeizig durchläuft der Autor das gesamte Spektrum von Reichs Leben und Werk von der Kindheit bis zum Tod, von der Psychoanalyse bis zum Cloudbusting. Wie erfolgreich er ist, ist eine andere Sache. Nicht unpassend für den Titel ist das Comic-Format. David Mairowitz, der Autor, zeigt dennoch mehr als Anfängerwissen über Reich und manchmal sogar ein Verstehen. Es ist offensichtlich, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat und einen ironischen und satirischen Sinn für Humor hat. Es ist auch offensichtlich, dass dieser 174-seitige Band viele Unklarheiten und Zweideutigkeiten sowie einige Fehler und Verzerrungen enthält.

Letztere manifestieren sich in mehreren „Kritiken“ und „Zwischenbemerkungen“, in denen der Autor seine eigenen Vorstellungen und Interpretationen von Reich zu mehreren entscheidenden Fragen darlegt. Die erste dieser „Kritiken“ wirft Reich vor, „genital besessen“ zu sein, und in der der Autor seine eigene These darlegt, dass es eine Unterscheidung zwischen männlicher und weiblicher Sexualität gibt, „die oft erbringt, daß sexuelle Lust nicht unbedingt vollständig auf der genitalen Hingabe beruhen muss“. Er stellt fest, dass die Stimulation der Klitoris auch eine Funktion der sexuellen Befriedigung bei Frauen ist … „wobei ein männlicher Partner nicht einmal nötig ist“. Offensichtlich hat der Autor bei all seinen Lektüren und Studien über Reich den häufig gemachten Standpunkt von Reich und seinen Mitarbeitern übersehen, dass prägenitale Funktionen sehr wohl eine Rolle für die sexuelle Lust spielen und nur dann pathologisch werden, wenn sie das Endziel der genitalen orgastischen Befriedigung ersetzen.

Der Autor geißelt Reich auch wegen seiner angeblich „lebenslangen Haltung zur männlichen Homosexualität“ als „Neandertaler“. Er stellt fest, dass Reich Homosexualität als „Abweichung, die geheilt werden sollte“, betrachtete, dass er nie einen homosexuellen Patienten aufgenommen habe und dass er, einmal darum gebeten, geantwortet habe: „Ich will mit solchen Schweinereien nichts zu tun haben.“a Wiederum irrt er sich, was die Behandlung homosexueller Patienten durch Reich betrifft. Es nicht getan zu haben, wäre eine Unwahrscheinlichkeit für jemanden, der die Struktur des passiv-femininen Charakters klar verstanden und der den Artikel Das Problem der Homosexualität (J. of Orgonomy, 20(1), 1986) geschrieben hat, in dem er unmissverständlich seine Missbilligung der moralistischen, nichtklinischen Geringschätzung und Verfolgung von Homosexuellen zum Ausdruck bringt. Reich ist sich über die Pathologie der Homosexualität im Klaren und hier unmissverständlich, warnt aber vor einer moralischen und rechtlichen Verurteilung eines opferlosen, pathologischen Musters des sexuellen Ausdrucks. Der Autor hat seine Informationen offensichtlich aus dem Buch von Reichs ehemaliger Frau Ilse Ollendorff. Es ist weithin anerkannt, dass ehemalige Ehepartner häufig keine glaubwürdigen Quellen für genaue Informationen übereinander sind.

 

Anmerkungen

1 Vielleich sollte man darauf hinweisen, dass dieser Band zu einer Reihe von Büchern „für Anfänger“ gehört, die sich hauptsächlich mit linken Figuren wie Marx, Lenin und Engels beschäftigt haben – obwohl auch Einstein und Freud enthalten sind.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Zitat im Original in Deutsch.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 20 (1986), Nr. 2, S. 293-296.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Die Coronavirus-Pandemie und die Emotionelle Pest

10. September 2020


Putin und Xi.

Die Coronavirus-Pandemie und die Emotionelle Pest

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Jerome Eden auf Abwegen

9. September 2020

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Jerome Eden auf Abwegen

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 2)

8. September 2020

„Die Afrikaner sind so arm, weil wir so reich sind!“ An die Stelle der Afrikaner kann man jede beliebige Gruppe der „Armen und Entrechteten“ setzen und dieser eine Satz wird das zentrale Moment der linken Ideologie erfassen. Der Linke ist ein Mechanist, sein Universum ist eine Art Uhrwerk oder ein hydraulisches System kommunizierender Röhren. Wenn hier etwas geschieht, geschieht absolut zwangläufig seine spiegelverkehrte Entsprechung dort. Wenn hier etwas hinzugefügt wird, muß es dort entnommen werden. Der Erste Hauptsatz der Thermodynamik gilt absolut: es kann keine Energie aus dem Nichts erzeugt werden. Das wäre nämlich die Entsprechung mystischen („rechten“) Denkens, wo Gott durch bloße Postulierung Neues erschafft!

Reichtum muß für den in einem mechanischen Getriebe gefangenen Linken zwangsläufig Armut erzeugen. Die einzige Möglichkeit Gerechtigkeit in diesem mechanischen Folterkabinett, in dem die Lust des einen zwangsläufig das Leid des anderen hervorruft, Gerechtigkeit herzustellen, ist das Einebnen aller Unterschiede (sozusagen gemäß dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik).

Auf diese Weise steht der Sozialismus für die Negation alles Schöpferischen, der Schöpfung selbst! Alles Unternehmerische, Werteerschaffende wird zum Todfeind, weil dieses Licht in der mechanistischen Weltsicht immer genausoviel Schatten hervorruft. „Wenn du mit einer Unternehmung erfolgreich bist, verhungert in Afrika ein Kind!“

Der Sozialist haßt die orgonometrische „Schöpfungsfunktion“ selbst, bei der durch Überlagerung zweier primordialer Orgonenergie-Ströme prinzipiell Neues entsteht. Das ist so in der erfüllenden Sexualität (genitale Umarmung) als auch in der produktiven Arbeit. „Geteilte Freude ist doppelte Freude“ – gemäß dem orgonomischen Potential.

Während der Mechanist in einem unentrinnbaren Alptraum lebt, der nur dadurch erträglich wird, daß alle ihre Aktivitäten auf ein Minimum reduzieren und „keine Wellen“ schlagen, lebt der Funktionalist.

Die Amerikahasser

7. September 2020


Der kommunistische Staatsstreich (Teil 2).

Die Amerikahasser

nachrichtenbrief169

6. September 2020

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Jerome Eden über die Emotionelle Pest

5. September 2020

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Jerome Eden über die Emotionelle Pest