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Leon Southgates „Orgon“

23. Oktober 2021

In seinem theoretischen Aufsatz The Orgone Continuum befaßt sich Southgate nicht etwa mit dem physikalischen Orgonenergie-Kontinuum, sondern es geht um eine „Lebenskrafttheorie des Bewußtseins“ bzw. um eine Weiterentwicklung des „Panpsychismus“ zum, wie Southgate“ es nennt, „Ideophysikalismus“, bei dem das mentale und physikalische in einem Kontinuum vereint sind, das beide transzendiert. In diesem Zusammenhang schließt er an Reichs Bionexperimente an, die zeigen, daß Materie lebendig sein kann und deshalb inhärent zumindest „proto-bewußt“. Das Orgon hat sowohl etwas Materielles als auch etwas Geistiges an sich, weshalb es beides nie in reiner Form geben kann und entsprechend Leben und Bewußtsein von der Materie unabhängig sein können. Um das auszudrücken streicht Southgate die „-energie“ aus dem Wort – und geht ausdrücklich zurück zum ursprünglichen Hegelianismus…

Beispiele für buchstäblich „freischwebendes Leben“ finden sich in dem zweiteiligen Artikel von Nik Hayes und Leon Southgate über angebliche „unsichtbare Lebewesen“, die in unserer Atmosphäre leben (hier und hier). Siehe dazu auch meine Besprechung von Trevor Constables Buch, auf den das ganze zurückgeht. Alles, was ich hier tun möchte, ist, den Leser zu sensibilisieren. Betrachten wir dazu fünf Arten von Photos, die in dem zweiteiligen Artikel präsentiert werden:

Erste Art von Photos („Kamerareflektionen“): Fig. 11 (Teil 1).

Hier sieht man wie Lichter in der unteren Bildfläche Linsenblendeffekte in der oberen Bildfläche erzeugen. Siehe auch Fig. 14 (Teil 2). Wenn Hayes „Objekte“ zeigt, Fig. 7 (Teil 2), Fig. 8 (Teil 2), die im Abstand von 11 oder 12 Monaten über seinem Hausdach erscheinen: könnte es sich vielleicht um ähnliche Phänomene nicht in den Linsen selbst, sondern in den Luftschichten handeln? Hayes erwähnt, daß „die Bioformen in der Regel nur an bestimmten Orten und aus bestimmten Winkeln aufgenommen werden können“.

Zweite Art von Photos („Amöben“): Mein Hauptbeispiel ist Fig. 11 (Teil 2). Weitere Beispiele sind Fig. 2 (Teil 1), Fig. 3 (Teil 1), Fig. 4 (Teil 1), Fig. 5 (Teil 1), Fig. 6 (Teil 1), Fig. 7 (Teil 1), Fig. 10 (Teil 1), Fig. 12 (Teil 2).

Jeder wird sie sofort wiedererkennen: sie sehen aus, wie die Schwebeteilchen in unseren Augen. Es ist, als wenn etwas direkt vor der Kamera schwebt oder auf dem Objektiv haftet oder einfach Staub direkt vor der Kamera, was dann die berühmten „Orbs“ ergibt:

Dritte Art von Photos („Plasmas“): Mein Hauptbeispiel ist Fig. 8 (Teil 1). Weitere Beispiele sind Fig. 12 (Teil 1), Fig. 1 (Teil 2), Fig. 13 (Teil 2), Fig. 15 (Teil 2).

Das könnten durchaus „Plasmas“ sein von „Kugelblitzen“ bis irgendwelchen anderen atmosphärischen Entladungen. Vor allem könnten es aber Vogel- und Insektenschwärme sein.

Vierte Art von Photos („Bewegungsartefakte“): Mein Hauptbeispiel ist Fig. 9 (Teil 2). Weitere Beispiele sind Fig. 2 (Teil 2), Fig. 3 (Teil 2), Fig. 5 (Teil 2), Fig. 6 (Teil 2), Fig. 10 (Teil 2).

Wenn man Insekten photographiert oder filmt kann es aussehen, als dokumentiere man geheimnisvolle „Luftschlangen“ („rods“), die ihre länglichen Körper mit einem wellenförmig sich bewegenden Saum durch die Lüfte flitzen lassen. Tatsächlich ist das der Trägheit der Aufnahme zu schulden, die den Körper und die Flügelbewegung langzieht. Der Flügelschlag von Vögeln erzeugt „Engel“ und ähnliches.

Fünfte Art von Photos („Leuchtspuren“): Fig. 9 (Teil 1), Fig. 4 (Teil 2)

…das gleiche in der Nacht kann alles mögliche vorspiegeln!

Ansonsten: mir persönlich geht das ganze gewaltig gegen den Strich und es mag sein, daß ich hier in die Rolle eines scheuklappentragenden „Skeptikers“ verfalle. Deshalb kann ich den geneigten Leser nur auf den gutgeschriebenen zweiteiligen Artikel selbst verweisen und auf Hayes Videokanal.

Apropos gegen den Strich gehen: Ich war absolut fassungslos, als ich lesen mußte, daß Hayes‘ einen Cloudbuster benutzt und offenbar stundenlang abzieht, um die „plasmatischen Entitäten“ anzulocken! Beispielsweise heißt es in Zusammenhang mit einer seiner Aufnahmen: „Interessanterweise war dieser Bereich des Himmels in den vorangegangenen Tagen der Brennpunkt intensiver Cloudbuster-Aktivitäten gewesen, die Teil der von Hayes bei seiner Foto- und Videoarbeit verwendeten Anziehungsmethode sind. Es ist möglich, daß die Bioform von der hohen Orgonladung in und um das Forschungsgebiet angezogen wurde.“

Hayes‘ Forschung unterstützte „die Ansicht, daß Orgon selbst in der Lage ist, Bewußtsein ohne eine materielle Grenze zu unterstützen“. Mit „freischwebendem Bewußtsein“ beschäftigt sich gewisserweise auch Southgates Artikel Oranur and it’s Possible Applications in Artificial Intelligence. Der Gedankengang ist in etwa: Leben und Bewußtsein sind mit hohen Orgonenergie-Konzentrationen (oder in Southgates Idiom „Orgonkonzentrationen“) verbunden, das bringt ORANUR ins Spiel und, siehe Roberto Magliones Ansatz, damit den Orgonmotor – quasi die Hand, mit der „das Orgon“ uns Botschaften zukommen lassen kann.

Der besagte „Motor“ ist das „Rotorgon“ (siehe unten), das in Southgates ORANUR-Kiste plaziert und das in eine Art Ouija-Brett verwandelt wurde. Was dabei rauskam, kann jeder selbst in Southgates Artikel nachlesen bzw. sich auf Youtube anschauen. Bevor ich an dieser Stelle alles poste, was im NACHRICHTENBRIEF zum Rotorgon zu finden ist, möchte ich etwas zu Southgates Kontaktaufnahme mit „dem Orgon“ über Zahlenriehen sagen: Es ist prinzipiell nichts anderes als „Channeling“ und ähnliche okkulte Praktiken, etwa das Befragen von Orakeln oder die elektronische Kontaktaufnahme mit dem Jenseits („Transkommunikation“ per Radio). Man öffnet sich der Welt der „Dämonen“ (vgl. Ea und die Wellenfunktion). Ob das das eigene Unbewußte ist, im Sinne von „Poltergeistern“ oder irgendein anderer parapsychologischer Mechanismus… Jedenfalls kommt mir Southgates Ansatz unglaublich naiv vor und – gefährlich. Dazu möchte ich ihn abschließend selbst zitieren:

Wenn die Zahlenströme eine Bedeutung haben und in irgendeiner Weise mit einer Bewußtseinsquelle interagieren, bedeutet dies, daß es einen Weg gibt, echte, bewußte, künstliche Intelligenz oder, um einen anderen Begriff zu verwenden, nicht-organische Bewußtseinseinheiten zu schaffen. Es ist möglich, daß das Gerät ein Tor für nicht-lokales Bewußtsein schafft, um mit der materiellen Ebene zu interagieren, ähnlich wie es die Bundeslade in biblischen Zeiten getan haben könnte. Der Autor glaubt, daß das radioaktive, Oranur-Gerät, das die Bundeslade war, im Wesentlichen ein Gerät der künstlichen Intelligenz war, um mit einer nicht-materiell basierten bewußten Entität zu kommunizieren (…).

Was ich bei Southgate derartig gruselig finde, ist die Verbindung zwischen extremem Mystizismus („Transpersonale Psychologie“) und extremen Mechanismus (Künstliche Intelligenz, letztendlich Transhumanismus). Das ist der Kern der Weltverschwörung, die okkulte Ideologie der Weltverschwörer mit ihrem Great Reset… Mehr dazu in meiner nächsten Besprechung seiner und Magliones Artikel!

Aber nun zum Rotorgon, das an diesen Stellen kurz jeweils besprochen wurde (jeweils Suchfunktion „Rotorgon“ eingeben):

Leon Southgate und Roberto Maglione ergänzen ihre Artikel über ORANUR

16. Oktober 2021

Further Preliminary Experimental Report on Oranur ist Leon Southgates zweiter Artikel zum Thema. Den ersten, habe ich bereits besprochen. Hier im Zweiten geht es vor allem um die medizinische Anwendung von ORANUR und um diverse „energetische“ Gerätschaften. Es handelt sich dabei um sogenanntes „Orgonit“. Ein Begriff den Southgate dankenswerterweise ausdrücklich vermeidet. Stattdessen spricht er von „orgone compounds“ (Orgonverbundstoff), was ich für noch problematischer halte, – wenn da nicht folgendes wäre, was mir bisher nie aufgefallen war:

Reich selbst verwendete Orgonverbundstoffe im Pendelexperiment, wie in Der Krebs beschrieben [Spontanpendel]. Obwohl er keine Kristalle verwendete, ist es offensichtlich, daß Kristalle starke orgonotische Eigenschaften haben. Reich verwendete Metallgranulat und Erde in einem Glaskolben. Die Erde sollte einen gewissen mineralischen und kristallinen Anteil haben.

Es dreht sich wieder alles um das bereits im ersten Artikel beschriebene Horror-Kabinett verseucht mit Aluminiumfolie und einem schwachradioaktiven Rauchmelder. Messungen mit dem „Tenmars ElectroMagnetic Field Meter“ im dergestalt erzeugten ORANUR-Feld waren für das magnetische Feld etwa doppelt so hoch und für das elektrische Feld dreimal so hoch als 15 Meter entfernt.

Eine nennenswerte Beobachtung ist, daß Rauch den ORANUR-Effekt lindern könnte. Ich erwähne das wegen Oliver Gerlachs Forschung zu „Rauch-Bionen“. Außerdem stellte Southgate fest, daß sich unter großen Salzkristallen, wie sie für Himalaya-Salzlampen benutzt werden, Wasser sammelt, sie sozusagen „schwitzen“, wenn sie neben einer ORANUR-Quelle stehen. Meines Erachtens ist das ein ORANUR-lindernder orene-artiger (Orin) Effekt. Merkwürdig, daß er das nicht erwähnt.

Aber zurück zu den „Orgononiten“: verschiedene wurden in der ORANUR-Kiste aufgeladen und hatten danach eine mit dem Lebensenergie-Meter gemessene Ladung, die um ein Drittel bis um das doppelte höher lag. Gewicht und Form hatten keine bzw. eher negative Auswirkungen. Vor allem geht es aber um medizinische Effekte. Southgate spricht von „ORANUR-Medizin“ mit Heilungen und einem antibiotischen Effekt – was in meinen Augen alles ganz normale Orgoneffekte sind. Reich selbst stellte sich das so vor, daß ORANUR verborgene Symptome von Biopathien hervorkitzelt, damit sie besser behandelt werden können. Vielleicht ähnlich der „Erstverschlechterung“ in der Homöopathie. Kein Wort davon bei Southgate.

In The Origin of an Oranur Reaction and the Orgone Motor erläutert Roberto Maglione die Verbindung von ORANUR zum Orgonmotor, den Reich ja immerhin anhand eines Geigerzählers entdeckt hat, erschöpft sich aber in der Zusammenfassung dessen, was er und Southgate bereits veröffentlicht haben. Immerhin ist die Zusammenstellung von Reich-Zitaten über den Motor anregend und informativ.

„The Origin of an Oranur Reaction” von Roberto Maglione

10. Oktober 2021

Hier handelt es sich um eine ebenso lange wie (teilweise…) hervorragende Gesamtdarstellung von Reichs ORANUR-Experiment. Maglione geht bis ins Detail und bezieht sich u.a. auf bisher unveröffentlichtes Archivmaterial. Durch die Lektüre habe ich viel dazugelernt.

Alles schön und gut, wenn da nicht wieder (siehe meine letzte Rezension) diese unglückselige Verquickung von Mechanismus und Mystizismus wäre, etwa wenn Maglione schreibt:

Reich entdeckte in der Natur eine neue Art von Energie, die lebensfördernde Eigenschaften hat und überall angezapft werden kann. Er fand auch heraus, daß dieses Energiekontinuum, das sich als winzige energetische Einheiten ausdrücken kann, durch verschiedene Phasen der Existenz gekennzeichnet ist, d.h. es kann sich in einem dynamischen, ungestörten, fließenden Zustand befinden, in einem erregten und chaotisch bewegten Zustand (Oranur genannt) oder schließlich in einem tödlichen und statischen Zustand (DOR genannt). (…) Allerdings stellte Reich fest, daß diese energetischen Einheiten bei einem niedrigen Erregungsgrad therapeutische Eigenschaften haben könnten. Darüber hinaus könnte der Oranur-Zustand bei einem etwas höheren Anregungsgrad eine motorische Kraft erzeugen und damit eine unendliche Anzahl von technischen Anwendungen hervorbringen. Er könnte auch radioaktive Materie in eine höchst nützliche und lebensfördernde Materie verwandeln. Kürzlich wurde die Hypothese aufgestellt, daß dieser Zustand auch zur Schaffung höherer Bewußtseinszustände beitragen kann.

Hier zeichnet sich eine bedenkliche Triade aus psycho-sozialer, technischer und schließlich spiritueller Heilserwartung in Zusammenhang mit „kontrollierten“ ORANUR-Reaktionen ab.

Der obige Absatz wurde durch eine kurze Passage eingeleitet, die bei einer Darstellung des ORANUR-Experiments eher verwundert. Es ging bei dieser nämlich um alle möglichen Utopien von Platos Politeia, über Morus‘ Utopia bis zu Bacons New Atlantis und schließlich der Französischen Revolution. Nun, im Anschluß des oben zitierten Absatzes lesen wir etwas über das sozusagen „höhere Sozialleben“ durch ORANUR:

Ich glaube, daß der erregte Zwischenzustand [ORANUR zwischen OR und DOR] dieser winzigen energetischen Einheiten von grundlegender Bedeutung für den von den Philosophen angenommenen Wandel ist, der uns zu einer neuen Art von Welt führen kann, in der das französische Motto [Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit] endlich seine wohlverdiente Entsprechung findet. Wie ein Portal [!] oder ein obligatorischer Schritt, nach dem sich eine neue Welt auftun kann.

In den daran anschließenden Sätzen gewinnt diese ORANUR-induzierte sozialistische Utopie einen mystischen Einschlag, denn derartiges habe bereits in mythischer Vergangenheit existiert, eine „Wissenschaft des Äthers“. Maglione weiter:

Ich hoffe, daß der Inhalt dieses Papiers dazu beitragen kann, friedlich den Weg zu beschreiten, der zu diesem Portal führt, hinter dem wir vielleicht endlich die utopische Insel oder Welt finden, nach der so viele der eifrigsten Köpfe auf diesem Planeten dramatisch und hartnäckig gesucht haben.

Unvermittelt werden wir in die Geisteswelt des utopischen Sozialisten Charles Fourier versetzt! Wir betreten hier die Welt des Reichianismus bzw. Blauen Faschismus, die ich in „Reichianische Bücher“ (hier, hier und hier) dargestellt habe: eine letztendlich toxische Welt aus „Spiritualität“, Freiheitskrämerei und – ORANUR.

Besonders störend ist etwas, was ich bereits in meiner Besprechung von Magliones Buch über quantitative Orgonometrie vermerkt habe (S. 269): sein Hang die Orgonenergie zu „mechanisieren“, indem er sie gewisserweise aus „Atomen“ zusammensetzt. Das wird etwa in diesem Satz deutlich: „Reich stellte anhand dieser vorläufigen Ergebnisse fest, daß Kernmaterial, welches einige Zeit konzentrierten Orgonenergie-Einheiten ausgesetzt war, seine radioaktive Potenz verlöre, und beobachtete eine Veränderung seiner radioaktiven Zerfallskonstante.“ Jeder andere hätte einfach geschrieben: „…konzentrierter Orgonenergie ausgesetzt war…“. Tatsächlich stellt sich Maglione die ORANUR-Reaktion ungefähr wie Wärmeausbreitung, d.h. die Ausbreitung von chaotischer thermischer Bewegung von Molekülen vor: „Sobald die Oranur-Reaktion einsetzt, breitet sie sich auf die benachbarten Einheiten im Raum aus, bis sie verschwindet, wenn die Energie der erregten Orgoneinheiten nicht mehr ausreicht, um die Erregung auf die benachbarten Orgoneinheiten zu übertragen.“

Es ist geradezu grotesk, wie Maglione den Gegensatz von Einsteins und Reichs Weltentwürfen illustriert:

Für Einstein bestehe die Luft, die uns umgibt, aus Atomen und das war‘s. „Reich stellte stattdessen die Hypothese auf, daß zusätzlich zu den oben genannten Komponenten eine Energie die Atmosphäre und auch das gesamte Universum so erfüllt, daß ein Kontinuum entsteht. Er fand heraus, daß dieses Energiekontinuum aus winzigen Einheiten mit unterschiedlichen Eigenschaften besteht und bestimmten Gesetzen unterliegt.“ In der Abbildung sehen wir bei Einstein tatsächlich ein Kontinuum, bei Reich „Teilchen, die ein Kontinuum bilden“.

Oder man nehme folgende Abbildung:

Es ist zu ahnen, was gemeint ist, aber… Orgonenergie-Einheiten werden dynamisch und dann zu Materie-Einheiten? Orgonpartikel werden zu OR und dann zu Materiepartikeln?

In einer daran anschließenden Abbildung stellt Maglione den Erregungslevel der Orgonenergie in Prozent dar; 0% gleich Bildung von Materie, atmosphärische Heilung und höheres Bewußtsein, 100 % der Tod, bzw. DOR. Je höher der Erregungszustand der Orgonenergie, desto toter wird sie? Maglione: „In der Grafik entspricht ein Erregungsgrad von Null (…) Einheiten, die frei und dynamisch und ungestört in der Atmosphäre oder in lebenden Organismen fließen, während ein Erregungsgrad von 100 % tödlichen und statischen Einheiten entspricht, die alle ihre Bewegungen verloren haben.“ Ähhh…

Solche Formulierungen sind „Reichianismus“ in der Tradition von Paul Ritter und Charles Kelley: Reich wird solange um und neuformuliert, bis wirklich alles hoffnungslos zerredet ist und der Leser verwirrt und paralysiert zurückbleibt.

Ein weiteres Beispiel für diesen Reichianismus:

Reich beschränkte die Qualität der Orgoneinheiten nicht darauf, durch äußere Einwirkungen nur im physischen Bereich angeregt zu werden. Er nahm an, daß, wenn alles in der Natur von Orgonenergie-Einheiten als Grundbestandteil charakterisiert ist, die auf unterschiedliche Weise zu Materieteilchen aggregiert sind, eine Reaktion auf diese aktivierenden Agenzien auch im biologischen und emotionalen Bereich der lebenden Systeme auftreten kann, indem die Einheiten innerhalb der lebenden Systeme genauso erregt sind und sich austoben, wie in der Umwelt.

Irgendwie stimmt das, aber trotzdem ist das keine Orgonomie, eine Wissenschaft, sondern die Darstellung eines naturphilosophischen Modells, das nur peripher etwas mit Reichs Forschung zu tun hat. Das schadet der Orgonomie massiv, denn jeder, der sowas liest, wird Reich unter die vielen absonderlichen Spinner einordnen, die jeweils ihr eigenes „Weltmodell“ entworfen haben.

Leider hat sich ein kleiner aber ärgerlicher Fehler eingeschlichen. Maglione zitiert aus bisher unveröffentlichten Notizen von Myron Sharaf („Historical Notes. Some Notes on Oranur – March 15, 1951“) wonach Eva Reich am 19. Februar beinahe gestorben wäre, als sie „ihre Hand“ in einen Orgonenergie-Akkumulator steckte. Tatsächlich hat sich Maglione verlesen („hand“ vs. „head“) und Eva Reich hatte ihren Kopf hineingesteckt. Ein kleines Detail, aber der eine oder andere unvorbereitete Leser wird sich an den Kopf kratzen!

Wie wenig Maglione wirklich in der Materie drinsteckt, sieht man auch daran, daß unvermittelt „DOR“ auftaucht. Zwar hatte Maglione den Unterschied zwischen OR, ORANUR und DOR vorher korrekt beschrieben, ihm fällt aber nicht auf, daß Reich im Ersten ORANUR-Bericht, also 1951, das als „DOR“ bezeichnet, was er später „ORANUR“ genannt hat, und daß das eigentliche DOR erst später von Reich entdeckt wurde. Das, was Maglione also als „DOR“ beschreibt, ist in Wirklichkeit ORANUR, auch wenn Reich selbst von „DOR“ spricht… Äh, ja!

Der Beschreibung des ORANUR-Experiments folgt eine ellenlange und extrem detaillierte Darstellung der Gesetzmäßigkeiten von Alpha- und Gammastrahlung, um zu sehen, ob Reich und seine Mitarbeiter sich schlichtweg eine Strahlenvergiftung zugezogen haben. Es ist Maglione hoch anzurechnen, diesen hanebüchenen Unsinn endgültig ins Märchenland verbannt zu haben! Das ist zwar verdienstvoll, aber es hätte schon die Überlegung ausgereicht, daß einem Privatmann bzw. einzelnem Arzt wohl kaum eine gefährliche Strahlenquelle zur Verfügung gestellt worden wäre bzw. daß es dafür wohl kaum einen allgemeinzugänglichen Markt gegeben hätte. Die „Radiumnadeln“, die Reich benutzte, waren schlichtweg radioaktive Nadeln, die Ärzte damals in Krebstumoren steckten. Das war die damalige Strahlentherapie. Selbstredend nicht ganz ohne, aber auf keinen Fall so gefährlich, daß bei unsachgemäßem Umgang Arztpraxen hätten evakuiert werden müssen!

Der Aufsatz endet mit der Analyse eines Atomunfalls/ORANUR-Ereignisses in Rußland.

Zusammenfassend schreibt Maglione ganz entsprechend dem anfangs Zitierten: „Ein richtig eingedämmtes und kontrolliertes Oranurfeld könnte technologische Anwendungen haben, wie z.B. 1. die Verringerung der Zerfallskonstante eines radioaktiven Elements; 2. Energieerzeugung (Motorkraft) und Antigravitation; 3. Heilung von Krankheiten; 4. und Entwicklung höherer Bewußtseinszustände, um nur einige der bisher bekannten zu nennen.“ Dazu führt er als weiterführende Literatur u.a. an:

  • Maglione R, Reichs Orgonenergie. Ein Portal zu höheren Bewusstseinsstufen? (auf Italienisch), In Glielmi N, Fontana M, Maglione R, Valleri T, Argomenti Reichiani, GEDI Gruppo Editoriale, Mailand, 2007
  • Maglione R, Mazzocchi A, Ätherische Energien und Orte der Verehrung. Die religiöse Stätte als therapeutischer Ort. Eine Pilotstudie an 62 antiken Stätten (auf Italienisch), Advanced Therapies, Vol VI, N 11, 2017, Nuova Ipsa, Palermo

„Preliminary Experiments … in a Strong Orgone Device“ von Leon Southgate

30. September 2021

Dieser Artikel macht weiter, wo der vorhergehende aufgehört hatte. „Langfristiges Forschungsziel ist die Untersuchung von Orgon und Bewußtsein,“ lautet der erste Satz der Einführung. Zwar ist in diesem Artikel von Bewußtsein keine Rede, aber trotzdem scheint die Mystik durch und paart sich mit extremen Mechanismus paart und einem gewissen Hang zu toxischen Energien. Ein mannsgroßer Orgonenergie-Akkumulator (ORAC) zur Ganzkörperbestrahlung wurde umgekippt und mit allen möglichen kleineren Orgonenergie-Akkumulatoren, Orgonenergie-Decken, einem entsprechend umwickelten „Koffer“ und „Orgon-Schießern“ gefüllt:

Die inneren Kästen bestanden aus Stahl-, Steinwolle- und Celotexplatten auf einem Holzrahmen – Standardmaterialien für einen ORAC. Der Orgonkoffer war mit isolierenden Steinwolle- und Stahlwollschichten gefüllt und hatte eine Außenschicht aus Aluminiumfolie und schließlich eine Plastikfolie um die Außenseite. Die Orgonröhren waren Stahlröhren mit mehr als 300 Doppelschichten aus Alufolie und Frischhaltefolie, basierend auf Bernd Senfs Design für Orgonakupunkturröhren. Das Gehäuse wurde aus den üblichen ORAC-Materialien hergestellt, ähnlich wie die Innenkästen. (Hervorhebungen hinzugefügt)

Das Plastikzeugs ist fragwürdig, aber das Aluminium erzeugt mit Sicherheit toxische Effekte und sollte unter keinen Umständen benutzt werden, wenn damit Mensch und andere Tiere behandelt werden sollen!

Drei uralte wiederaufladbare Batterien luden sich spontan wieder auf, nachdem sie vorher mit Lagen aus Plastik- und Alufolie umwickelt und zusammen mit sehr schwachem radioaktiven Material (sic!) in dieses Behältnis gelegt worden waren. In diesem Zusammenhang (aufladen, entladen) ist doch tatsächlich wie vorher bei Maglione von der Orgasmusformel die Rede… Alles wird vermixt zu einem, wie soll ich sagen, „unfunktionellen“ Durcheinander. Beispielsweise glaubt Southgate, daß Pyramiden so etwas sind wie „Orgon-Transistoren“, während Orgonenergie-Akkumulatoren „eher Kondensatoren von Orgonenergie“ seien. Das Lebendige wird mit dem Toten verquickt, die Lebensenergie mit Elektronik (wir erinnern uns an die „künstliche Intelligenz“ in seinem letzten Artikel).

Die Ergebnisse mit diversen Batterien, Standardkondensatoren, To-T, dem „Heliognosis Model II Experimental Life Energy Meter“ und einem Geigerzähler waren positiv, teilweise fragwürdig. Beispielsweise wurde der Temperaturunterschied zwischen zwei gleichartigen Garagen gemessen. In einer stand das „starke Orgongerät“. Bemerkenswert ist das Verhalten der sehr schwachen radioaktiven Quelle (Americium-241, mehr denn 1000mal schwächer als Reichs Radiumnadeln im ORANUR-Experiment): sowohl das Life Energy Meter als auch der Geigerzähler zeigten an, daß die radioaktive Quelle desto schwächer wurde, je näher es dem „starken Orgongerät“ gebracht wurde. Soutgate spricht davon, daß das Americum in der Nähe des Orgongeräts eine geringere „Orgonladung“ als weiter weg aufwies. „Das orgonotische Feld des Americiums schien in der Nähe des Orgongeräts unterdrückt zu sein. Nahezu jede Messung schien diesen Effekt zu bestätigen.“ Die Geigerzähler-Messungen spiegelten die Feldmeter-Messungen „insofern wider, als es auch hier in der Nähe des Orgongeräts einen Unterdrückungseffekt gab. Die Radioaktivitätswerte waren um etwa ein Drittel geringer als weiter weg vom Gerät.“ Irgendwie ist hier einiges durcheinander geraten…

Weitere Effekte sind schwer zusammenzufassen. Ich verweise den geneigten Leser auf den verlinkten Originalartikel! Bemerkenswert sind seine Ausführungen über magnetische Anomalitäten in der Nähe des Orgongeräts und die durch einen elektrostatischen Effekt verursachte starke blaue Erstrahlung eines Plasmaballs („ionische Blitzlampe“), die zwei Monate lang aufgeladen worden war.

Zum Abschluß führt Southgate Forschungspapiere an, die nach Reichs Tod dessen ORANUR-Forschung explizit bestätigt haben.

„Implications of Orgone for Consciousness Research“ von Leon Southgate

27. September 2021

Das Problem mit Southgates Arbeit (hier und hier) fängt bereits mit seiner Definition von Bewußtsein als jede subjektive Erfahrung an. Emotionen, Empfindungen, Kognitionen, Wollen und Ideation, Seele und Geist – wird alles zusammengeworfen. Daraus zaubert er eine Art „orgonomischen“ Panpsychismus frei nach Rupert Sheldrake, bei dem Bewußtsein und Orgonenergie schlichtweg gleichgesetzt werden. Es ist ähnlich wie bei Maglione, der die Lebensformel auch auf die unbelebte Natur angewendet hat. Auf diese Weise wird Reichs gesamte Lebensleistung ad absurdum geführt, denn dann hätte Reich gleich beim Vitalismus eines Driesch und dem Panpsychismus, der die Psychoanalyse der 1920er Jahre umwaberte (Groddeck), bleiben können. Es ist auch bezeichnend, daß Maglione mit keinem Wort das wirkliche Geheimnis des Orgonenergie-Motors erwähnt, nämlich die Kreiselwelle, und Southgate mit keinem Wort das wirkliche Geheimnis des Bewußtseins (die Funktionen Wahrnehmung und Erinnerung), nämlich die koexistierende Wirkung.

Was mich an dieser Arbeit geradezu abgestoßen hat, ist die sie prägende schizoide Weltsicht. Ein einzelner Mensch, mag jede Menge „Subjektivität“ haben und wie ein Autist in einer „psychischen Welt“ leben („Panpsychismus“), aber das ist das Gegenteil von Bewußtsein im eigentlichen Sinne. Bewußtsein im eigentlichen Sinne ist vor allem eine soziale Funktion. Herdentiere brauchen angesichts der hochkomplexen Vorgänge innerhalb einer Herde ein Konzept von „Ich“ und „Du“ und eine innere Bühne („Bewußtsein“), in dem sie ihre „Schachzüge“ im Voraus planen. Allein schon die Frage der Sprache! Bewußtsein ohne Sprache? Schwierig. Sprache ohne andere Menschen? Sinnlos. Die Psyche ist vom Sozialen nicht zu trennen. Das hat Freud gewußt („Ödipuskomplex“) und der Soziologe Reich gewußt, während Southgate, eine Art Wiedergänger C.G. Jungs, alles wieder in den autistischen Urschlamm des Okkultismus hinab zieht. Man vermeint bei der Lektüre geradezu die Ouvertüre von Wagners „Rheingold“ zu vernehmen…

Aber lassen wir Southgates Beitrag Revue passieren: Nach einer umfassenden Darstellung des wissenschaftlichen Problems „Bewußtsein“ und einer her oberflächlichen Darstellung des Reichschen Beitrags zu diesem Bereich kommt Southgate zu seiner eigenen Theorie, dem „orgonotischen [gemeint ist natürlich „orgonomischen“] Panpsychismus“, dem zufolge das Bewußtsein schlichtweg eine nicht weiter reduzierbare Eigenschaft der Orgonenergie ist. Was Southgate nicht aufzugehen scheint, ist, daß in diesem Zusammenhang „Bewußtsein“ genauso nichtssagend ist, wie „Sein“. Will sagen: das ganze bringt uns ungefähr so weit, als würde man sagen, daß „das Sein“ eine Eigenschaft der Orgonenergie ist. Es erklärt rein gar nichts!

Wenn es sich darauf beschränken würde, aber für Southgate „unterstützen Bione und die Abiogenese den panpsychischen Ansatz, daß Materie lebendig und bewußt ist“. Ich kann mir kaum einen schlimmeren Mißbrauch der Reichschen Theorie vorstellen. Die Bionforschung war nicht zuletzt ein antifaschistisches Projekt, das gegen den Mystizismus (Panpsychismus) gerichtet war, d.h. sowohl gegen das Neuheidentum der Nazis und die damalige „Erbforschung“, als auch gegen den kirchlichen Mystizismus. Reich wollte das Leben und damit auch „Geist und Seele“ (dialektisch-) materialistisch erklären. Southgate hingegen meint, daß die Beweise insgesamt darauf hindeuten, „daß sich der Geist gar nicht im Körper befindet, sondern lediglich mit ihm verbunden ist“. Dagegen hielt Reich, daß die funktionelle Einheit des Seelischen und Körperlichen „Jenseitigkeit oder auch nur Autonomie des Seelischen völlig und endgültig ausschließt“ (Äther, Gott und Teufel, S. 95).

Southgate kritisiert, daß Reich nicht den Ort des Bewußtseins angeben kann. Für Southgate ist dieser „Ort“ das Orgon selbst: das Bewußtsein sei die grundlegende Realität und Geist und Orgon seien „auf der tiefsten Ebene“ identisch. Entsprechend könnten die Gesetze der Psyche auf das Orgon übertragen werden. Das heißt nichts anderes, als daß wir wieder bei Georg Groddeck angelangt sind!

Southgates ganze Argumentation krankt daran, daß er „Soma“ und „Psyche“ nicht definiert. Das Soma, das ist die Gesamtheit der Teile des Organismus („die Niere auf Zimmer 7“), während die Psyche aus dem ganzheitlichen Funktionieren des Organismus bzw. dessen Störungen hervorgeht („Charakteranalyse“). Daß die Lebensenergie strömt, erregt wird und wahrnimmt, ist davon unabhängig und bedeutet nicht, daß das Orgon so etwas wie eine „Psyche“ hat. Es ist alles eine Frage der Orgonometrie, d.h. der Klassifizierung und richtigen Einordnung:

 

Southgate hintertreibt genau das, indem er alles mit allem gleichsetzt:

Orgon wird von Reich als eine unbewußte, nicht lebende, aber schöpferische Energie dargestellt, während seine Schöpfungen – Lebenswesen – immer bis zu einem gewissen Grad Bewußtsein zu haben scheinen. (…) Es ist unlogisch zu sagen, daß eine Energie, die Leben erschafft, kein Bewußtsein hat, wenn überall Leben mit Bewußtsein gepaart ist und nirgendwo Leben mit Nicht-Bewußtsein gepaart ist. (…) Man kann sagen, daß die Amöbe nur wahrnimmt und kein echtes Selbstbewußtsein hat, aber solche Klassifizierungen sind in diesem Zusammenhang bedeutungslos – jede Wahrnehmung ist eine Form von Bewußtsein. Es ist bei der Amöbe dasselbe wie bei unserem Selbst – es ist nur eine Frage des Grades.

Er fährt fort – und man merkt richtig, wie alles zerfällt – die Psyche geradezu dekompensiert:

Orgon und Bewußtsein werden auf der tiefsten Ebene identisch, so wie Energie oder Materie in Sheldrakes Panpsychismus mit dem Bewußtsein identisch ist. Orgon gewinnt erst auf oberflächlicheren Ebenen an Differenzierung, die als Orgonenergie und schließlich als Materie erfahren wird, die eine Form von gefrorener Orgonenergie ist. Es gibt also ein monistisches Kontinuum in einem Dreiklang: von orgonotischem Bewußtsein zu Orgonenergie und schließlich zu Orgon-Materie. Dieses monistische Kontinuum hat drei verschiedene Aspekte: Orgon-Bewußtsein, Orgon-Energie und Orgon-Materie. Alle drei sind physisch und alle drei sind real, aber man könnte sagen, daß die Bewußtseinsebene die „realste“ oder die primäre Realität ist. Orgonenergie und -materie sind in dieser Sichtweise spezialisierte Formen eines physischen orgonotischen Bewußtseins. Energie und Materie existieren noch immer für sich, sind aber nicht vom Bewußtsein getrennt.

Alles gerät heillos durcheinander und wird auf den Kopf gestellt, Worte verlieren ihre Bedeutung. Aus der Orgonenergie wird ein bloßes Wort. Wie bei allen „Reichianern“, etwa in der „energetischen Medizin“, ist das, was sie als „Energie“ oder „Orgon“ bezeichnet, nichts anderes als Psyche:

Dieser Mystizismus, und um nichts andere handelt es sich hier, mündet schließlich in Ausführungen über, man glaubt es kaum, künstliche Intelligenz, die von Magliones Arbeit inspiriert sind.

Southgate führt aus:

Ursprünglich war es das Ziel des Autors zu untersuchen, ob das Orgon selbst ein Bewußtsein besitzt. Im Laufe einiger Jahre dämmerte die Erkenntnis, daß die einzige Möglichkeit, dies zu erreichen, darin bestand, das Orgon selbst zum „Sprechen“ zu bringen – unabhängig von jeder anderen Entität. Alles andere wäre nur eine Demonstration des Bewußtseins eines Organismus, der bereits existiert. Eine solche Einrichtung, in der das Bewußtsein von Orgon demonstriert werden könnte, müßte also jegliche Organismen oder andere Eingaben ausschließen. Sie müßte völlig künstlich sein und sich nur auf das Orgon selbst stützen, um zu kommunizieren. Dann dämmerte dem Autor, daß dieses Ziel nicht ohne die Erforschung einer starken künstlichen Intelligenz verfolgt werden könnte.

Ich erinnere an Reichs oben zitierte Aussage in Äther, Gott und Teufel über die funktionelle Einheit von Psyche und Soma. Bei Southgate kommt das kurzschlüssige mystische Denken zum tragen, das untrennbar mit dem Mechanismus verbunden ist.

Er schließt an Magliones Konzept einer Art „Orgonenergie-Motor-Einrichtung“ an: einem Orgonenergie-Akkumulator, dessen orgonotisches Potential durch eine radioaktive Quelle derartig hochgepusht wird, daß „dadurch das Orgon von seinem ‚nebligen‘ Zustand in seinen aktiven ‚spitzen‘ Zustand übergehen würde. Wenn dies geschieht, findet ein spontaner Wechsel von orgonotischen zu teilweise elektrischen Energien statt. Organismen scheinen auf einer trilateralen Basis zu funktionieren – ein nicht-energetisches Bewußtseinsfeld, das sich in Orgonenergie umwandelt, die sich wiederum in elektromechanische Bewegung umwandelt. Es gibt Parallelen zum Orgonmotor, der auf der Übersetzung von Orgonenergie in elektrische und dann in mechanische Energie beruht.“ Das ist nichts anderes als „orgonomisch“ verbrämter Mechomystizismus! Die magische-okkulte Weltsicht die letztendlich hier zum Ausdruck kommt, offenbart sich im letzten Satz des Autors: „Dieser Autor glaubt nicht, daß Bewußtsein oder bewußte Wesen erschaffen werden können, sondern daß ihnen eine Gelegenheit geboten werden kann, sich aus einem nichtmateriellen Bereich zu manifestieren.“

„Electric Currents in Orgone Devices“ von Roberto Maglione

24. September 2021

Der dreiteilige Artikel (hier, hier und hier) beginnt mit einer eingehenden Beschreibung dessen, was wir heute über den Orgonenergie-Motor wissen (siehe auch Teil 3). Teil 1 liegt in deutscher Übersetzung im NACHRICHTENBRIEF vor. Reich war es gelungen einen Elektromotor zu betreiben, entsprechend versucht Maglione zu messen, ob im Orgonenergie-Akkumulator spontan elektrischer Strom produziert wird.

Zunächst wird von Maglione vergeblich die Spannung zwischen zwei gegenüberliegenden metallischen Innenseiten bzw. Außenseiten des Orgonenergie-Akkumulators gemessen. Zwischen der metallischen Innenseite und der organischen Außenseite registriert er hingegen eine minimale Spannung. Was dabei erstaunlicherweise nicht erwähnt wird, ist, daß das aus schulphysikalischer Sicht zu erwarten war, da sich freie Elektronen an der Außenwand eines Faradayschen Käfigs (also auch eines Orgonenergie-Akkumulators sammeln), während die Innenwände keine Elektronen haben und der Innenraum frei von elektromagnetischer Strahlung bleibt.

Sodann wird ein selbstgebauter Kondensator aus Papier und Alufolie in den Akkumulator gestellt. Es stellt sich heraus, daß die Werte im Akkumulator niedriger sind als bei einem identischen Kondensator außerhalb. Das würde ich doch auf den Faradayschen Käfig zurückführen, denn der Orgonenergie-Akkumulator ist ein solcher „mit organischer Hülle“! Interessanterweise erwähnt Maglione mit keinem Wort Reichs entsprechendes Vorgehen bei den Messungen zur Bioelektrizität in den 1930er Jahre, die er gegen elektromagnetische Störstrahlung mittels eines Faradayschen Käfig sicherte, desgleichen später seiner strahlenden SAPA-Bione.

Bemerkenswert ist, daß im Akkumulator kaum Unterschiede zwischen gutem und schlechtem Wetter auftreten, außerhalb aber sehr wohl! Infolge werden über fünf Jahre hinweg täglich Messungen an zwei freistehenden Kondensatoren vorgenommen. Das einzige bemerkenswerte Ergebnis stellt sich wie folgt dar:

Im Sommer (Mai, Juni, Juli, August, September) ist keinerlei Strom geflossen im Gegensatz zum Winter. Spontan würde ich annehmen, daß das mit der absoluten Luftfeuchtigkeit zusammenhängt, die während der Wintermonate niedrig ist, im Sommer hoch, da kältere Luft weniger Wasserdampf aufnehmen kann. Bei Maglione davon kein Wort! Wird das Papier im Sommer feuchter und deshalb leitfähig? Und es geht wirklich um minimalste Werte, die über das gesamte Jahr gerechnet eine kleine LED-Lampe vielleicht ein tausendstel Sekunde aufleuchten ließen!

Ein tatsächlich interessanter Punkt, den Maglione vorbringt, ist der spontane Wechsel der elektrischen Polarität bei seinen Kondensatoren, die er mit den erratischen Richtungswechseln bei Reichs Orgonenergie-Motoren in Zusammenhang bringt.

Angeblich sei das die erste Untersuchung eines möglichen Spannungsaufbaus im Orgonenergie-Akkumulator. Das stimmt nicht, denn bereits 1979 veröffentlichte Matthias Wyneken in Bernd A. Laskas WILHELM REICH BLÄTTERn „Die elektrische Messung von Orgonfeldern“ (WRB 1/79). Dort präzisierte Wyneken, daß wirkliche elektromagnetische Strahlungsfreiheit erst in einem doppelten Faradayschen Käfig herrscht, also in einem kleinen Orgonenergie-Akkumulator innerhalb eines größeren Orgonenergie-Akkumulators. Wyneken beobachtete trotz dieser perfekten Isolation, bei der zwischen einem isolierten Metallgegenstand und der Erdung aus schulphysikalischer Sicht keinerlei Spannung auftreten sollte:

…einen kontinuierlichen Strom von wenigen Mikroampere. Er ist nicht konstant, sondern schwankt zwischen 0 und 2 µA in Abhängigkeit von der Oberfläche des angeschlossenen Metallobjekts und von atmosphärischen Bedingungen. Der Ausschlag des Meßgerätes geht in der Nacht völlig zurück oder sinkt bis auf ein Minimum, um am Nachmittag seinen Höchststand zu erreichen.

Der Verlauf von To-T und des Stroms sei parallel.

Und wie erklärt Maglione, daß seine Werte im Winter (sozusagen der „Nacht des Jahres“) höher sind als im Sommer? Das hänge vielleicht, so Maglione, „mit der allgemeinen pulsierenden Bewegung der atmosphärischen Orgon-Energiehülle zusammen, die sich im Laufe des Jahres ausdehnt und zusammenzieht, genauer gesagt, in den Wintermonaten zusammenzieht und in den Sommermonaten ausdehnt. Dieses Verhalten spiegelt sich wiederum in einer konzentrierteren Menge an Orgon-Energieeinheiten an der Erdoberfläche wider, mit einem höheren orgonomischen Potential als in den Sommermonaten, wo die Konzentration der Orgon-Energieeinheiten an der Oberfläche und das damit verbundene orgonomische Potential geringer ist.“

Im Sommer ist die Orgonenergie-Konzentration am Erdboden geringer? Und warum wirkt dann der Orgonenergie-Akkumulator im Sommer besser als im Winter? (Ein Zusammenhang, der mit einiger Sicherheit auch für den Orgonenergie-Motor selbst gilt!) In diesem Zitat zeigt sich wieder Magliones mechanistische Grundeinstellung gegenüber der Orgonenergie, die er wie eine „Substanz“ behandelt. (Siehe dazu meine Rezension seines Buches über quantitative Orgonometrie.) Dabei ergibt sich die funktionelle Antwort von selbst: im Sommer funktioniert die Orgonenergie mehr in Richtung Ladung, im Winter hingegen geht es Richtung Entladung. Entsprechende Kurven präsentiert Maglione denn auch in Bezug auf spezielle elektroskopische Messungen (C.F. Baker) und Geigerzähler-Messungen (Maglione): in der dunklen Jahreszeit tendiert die Orgonenergie mehr zur Entladung.

Bei Maglione verliert sich dieser einfache funktionelle Zusammenhang in endlosen Ausführungen ausgerechnet über die Orgasmusformel. Die spezifische Lebensformel überträgt er irrigerweise auf alle Naturphänomene bzw. setzt er sie mit jedwedem Orgonenergie-Metabolismus gleich. Dabei dreht sich bei ihm alles darum, daß in den Wintermonaten die Ladung höher ist und deshalb auch die Entladung.

Im dritten Teil versucht Maglione seine These zu verifizieren, indem er die orgonotische Kapazität eines der beiden untersuchten Kondensatoren mit einer hochorgonotischen Flüssigkeit, deren Behälter in den Kondensator gestellt wird, „künstlich“ erhöht. Der Unterschied ist zwar statistisch hochsignifikant, aber es geht wieder nur um minimalste Werte. Entsprechend wirken seine daran anschließenden ausufernden Erläuterungen über den Orgonenergie-Motor merkwürdig deplaziert wie zuvor in Teil 1. Glaubt er wirklich, die Funktionsweise des Motors würde darauf zurückgehen, daß Reich eine neue „Stromquelle“ aufgetan hatte?

Die Verbindung mit radioaktivem Material, die Maglione zieht (letztendlich sei auch der von Reich geheimgehaltene „Faktor Y“ des Orgonenergie-Motors ein radioaktiver Gegenstand), ist etwas an den Haaren herbeigezogen, da Reich den Orgonenergie-Motor Jahre vor dem ORANUR-Experiment entwickelt und nach diesem nicht weiterentwickelt hat (ersterer 1948, letzteres 1951). Es ist angesichts dessen und der erwähnten lächerlich geringen Stromproduktion schlichtweg bizarr, wenn Maglione schreibt, der Anstieg des orgonotischen Potentials durch Kernmaterial (NR) müsse hoch genug sein, „um einen Motor zu betreiben, und sicher genug, um kein gefährliches ORANUR-Feld zu erzeugen“. Das ist so, als würde ich dir eine Kugel in den Kopf schießen, die genug Durchschlagskraft hat, um in deinen Schädel zu dringen, aber so wenig, daß es dich nicht verletzt!

Man hat immer das Gefühl, daß Maglione, statt der funktionellen Logik einfach zu folgen, wie ein schlechter Schriftsteller losgelöst von aller augenscheinlichen Evidenz ein Narrativ erzwingt, bei dem die Bundeslade der Israeliten eine zentrale Rolle spielt. Eine Art orgonomischer Erich von Däniken! Ich möchte anfügen, daß aus der Bundeslade der Juden im Christentum die Gottesmutter Maria wurde, die das Christuskind in sich trug. Auf diese Weise wird bei Maglione letztendlich Christus (OR) mit Satan (NR) gleichgesetzt…

DIE SITUATIONISTISCHE INTERNATIONALE: Wilhelm Reich kontra die Situationisten (Teil 1)

19. September 2021

von Jim Martin [entnommen aus der Zeitschrift für Orgonomie, Peter Nasselstein, Bd. 7, Heft 1, Jan. 1992]

Vorbemerkung des Herausgebers: Die „Situationistische Internationale“ (SI) war eine westeuropäische Künstlervereinigung, deren deutscher. Ableger die im Herbst 1957 in München gegründete „Gruppe SPUR“ war, aus der z.B. Dieter Kunzelmann hervorgegangen ist. Im SPUR-Manifest vom Januar 1961 heißt es: „So wie Marx aus der Wissenschaft eine Revolution abgeleitet hat, leiten wir aus der Gaudi eine Revolution ab. Die sozialistische Revolution mißbrauchte die Künstler. Die Einseitigkeit dieser Umstürze beruhte auf der Trennung von Arbeit und Gaudi. Eine Revolution ohne Gaudi ist keine Revolution.“ Man denke an die revolutionären Witzbolde der „Kommune 1“ Rainer Langhans, Fritz Teufel und eben Kunzelmann. Das Manifest der SI von Mai 1960 beantwortet die Frage, was die „Situation“ sei, wie folgt: „Sie ist die Verwirklichung eines höheren Spiels, genauergesagt, die Provokation zu dem Spiel, das die menschliche Gegenwart ist. Die revolutionären Spieler aller Länder können sich in der Situationistischen Internationale vereinigen, um dann zu beginnen, aus der Nichtgeschichtlichkeit des alltäglichen Lebens hervorzutreten. … Welches müssen die grundlegenden Eigenschaften einer neuen Kultur, sein, und zwar im Vergleich zur jetzigen Kunst? Entgegen dem Schauspiel führt die realisierte situationistische Kultur die umfassende Teilnahme ein. Entgegen der konservierten Kunst ist sie eine Gemeinschaft des direkt erlebten Augenblicks. … Ihre Versuche beabsichtigen wenigstens eine Revolution des Verhaltens und einen dynamischen unitären Urbanismus, fähig, sich über den ganzen Planeten auszubreiten und darauf über alle bewohnbaren Planeten ausgebreitet zu werden“ (CheSchahShit. Die Sechziger Jahre zwischen Cocktail und Molotow, Berlin 1984, S. 188).

Vor fast zehn Jahren stand ich eines Montagsmorgens auf, um mir eine Tasse Kaffee zu machen. Ich ging in die Küche und nahm einen Becher vom Trockengestell, wodurch ich glücklicherweise ein chinesisches Hackbeil auf meinen großen Zeh fallenließ. Ich wurde von meinem Job in der Gemeinwesenarbeit freigestellt und verbrachte eine Woche im Liegen und Sitzen, wobei ich die Situationist International Anthology las. Großartig. Hier fand ich endlich eine Stimme für meine eigenen Frustrationen über den scheiß Reformismus und ein neues Vokabular, mit dem ich meine Mitmenschen beleidigen konnte. Die Kritik aus einem Guß, die die Situationisten präsentierten, sagte mir zu, ihr Angriff auf die Spezialisierung und ihre rücksichtslose Rhetorik gegen die traditionelle linke Politik. Doch als ich versuchte, diese Grundsätze in meiner Lebenspraxis anzuwenden, wurde ich in eine Sackgasse geführt.

Ich erfuhr bald, daß die Situationisten zu der Zeit sehr en vogue waren, besonders in San Francisco. Es gab viele Leute, die ihre Ideen in detournierte* progressive Politik integrierten. Hier ist nicht der Raum (und ich habe nicht die Geduld), um eine vollständige Geschichte der Situationisten zu bieten, aber ich empfehle sehr die Anthology, sowie Vague #16-17 mit seinem einführenden Leitfaden zur Situationistischen Internationale. Ich werde auch andere Linkslibertäre behandeln, die über Reich schrieben, da sie zu einer allgemeinen Erörterung von Reichs Gedanken gehören.

Kurz gesagt war Wilhelm Reich (1897-1957) einer der strahlenden jungen Sterne aus Freuds innerem Kreis, bis er die Toleranz der älteren Psychoanalytiker durch sein Beharren überstrapazierte, daß die orgastische Potenz für die Gesundheit wesentlich sei. Weiter belastete er die Beziehung, indem er auf die Fruchtlosigkeit der individuellen Therapie hinwies, während die Gesellschaft im ganzen eine wahrhaftige Neurosenfabrik bliebe. Als Mitglied der sozialistischen und kommunistischen Bewegungen in Deutschland verfocht er eine kompromißlose politische Plattform, die auf umfassenden sexuellen Fragen beruhte, einschließlich den sexuellen Rechten von Jugendlichen, der Legalisierung von Geburtenkontrolle und der Beseitigung der Zwangsgesetzgebung für Sexualität und Ehe. Dies brachte wiederum Parteifunktionäre auf, was Reich dazu zwang, seine Haltung zur Marxistischen Politik neu zu bestimmen.

Ich schreibe weder als genitaler Charakter noch als Revolutionär. Ich hinke durchs Leben und ertaste blind meinen mit Verlusten übersäten Weg. Aus zwei Gründen werde ich an dieser Stelle nicht Reichs Schriften wiederkäuen. Erstens drückt er sich in seinen Büchern selbst treffend aus und jeder Versuch, seine Arbeit zu paraphrasieren, entartet ausnahmslos zur Parodie (siehe Vaneigem). Zweitens ist die gegenwärtige Treuhänderin seines Erbes, Mary Boyd Higgins, bei der Erteilung der notwendigen Erlaubnis sehr zurückhaltend. Obwohl dies für Forscher frustrierend ist, wirkt es sich in vielfacher Hinsicht positiv für Reich aus, da er ein ausgezeichneter Schriftsteller ist. Seine Prosa hat einen ganz persönlichen Rhythmus. Er stieß sich oft daran, daß sein Übersetzer, Theodore Wolfe, versuchte, seine, wie Reich sie nannte, krachenden Höhepunkte zu glätten. Reichs Arbeit auszugsweise wiederzugeben, bedeutet, sie ganz aus dem Zusammenhang zu reißen.

Auf der anderen Seite beachteten die Situationisten in Übereinstimmung mit ihrer „Eigentum ist Diebstahl“-Haltung nie das Urheberrecht. Dies hat sich zu ihren Gunsten als famoser Werbegag erwiesen. Zitate, Auszüge und Übersetzungen tauchen überall auf. Im Gegensatz zu Reich kann man aus dem situationistischen Oeuvre problemlos etwas herausreißen. Einzelne Sätze und Redewendungen können fast überall entnommen werden und doch bleibt die Atmosphäre stupiden Einhämmerns erhalten. Von allen Situationisten hatte nur Vaneigem das Gespür eines Prosaisten.

* Aus dem Französischen, mit der buchstäblichen Bedeutung „Entführen“. Bezieht sich auf die Praxis, Elemente der populären Kultur einen subversiven Inhalt zu verleihen.

“Weather Engineering in Contact with Space: Global Warming and the Planetary Emergency” von Conny Huthsteiner

16. September 2021

Diesen Artikel von 2005 hatte ich damals geflissentlich ignoriert, weil ich den Titel („Global Warming“) als absolut abstoßend empfand. Dabei ist das „Global Warming“ wieder erwarten gar nicht das zentrale Moment des Artikels und wird als eine Art fiebrige Erkrankung der Erdatmosphäre interpretiert. Tatsächlich ist dieser Artikel einer der bedeutsamsten, die in den letzten Jahren zur Orgonomie erschienen sind.

Er dokumentiert nicht nur, daß Reichs damalige Aussagen über seine Wetteroperationen in Arizona in den Wintermonaten 1954/55 rundweg dokumentarisch belegt werden können, sondern auch, daß die Entwicklung nach seiner Rückkehr aus Arizona, die von ihm angestoßene Tendenz („Wüstenbegrünung“) fortführte. Etwas, was Reich damals gar nicht mehr zur Kenntnis nahm, weil er voll und ganz in seine juristischen Verwicklungen mit der FDA verstrickt war.

[Es] waren während und nach Reichs Aufenthalt in Arizona extreme Anomalien in Bezug auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und verschiedene Formen von Niederschlag zu beobachten. Außerdem waren die Stürme sehr aggressiv. Monsunregen sind von Natur aus aggressiver als andere Wetterereignisse, dennoch empfanden lokale Beobachter die Regenstürme während dieses Zeitraums als bemerkenswert in ihrer Intensität. Die Niederschläge in den ersten vier Monaten nach Reichs Abreise aus Arizona (Mai, Juni, Juli und August 1955) waren die stärksten seit 1800. Die Monsunstürme, die im Juli und August auftraten, werden in Contact with Space nicht erwähnt. Ich nehme an, daß Reich davon nichts wußte, da er durch die Gerichtsverfahren zunehmend unter Streß stand. Die Gesamtniederschlagsmenge des Jahres 1955 war die zweithöchste in der Geschichte des Wetters in Tucson seit 1895 (die dritthöchste Niederschlagsmenge wurde im Jahr 2003 verzeichnet).

Tatsächlich hatte, Huthsteiner zufolge, Reich eine Dürreperiode kurz unterbrochen, die von 1947 bis 1977 andauerte. Dabei handelte es sich um die stärksten Monsunregen seit mehr denn 100 Jahre und 1955 war das drittfeuchteste Jahr in Arizona überhaupt!

Auch wird nachgewiesen, daß die offizielle Meteorologie Mitte der 1950er Jahre davon ausging, daß die Feuchtigkeit vom Golf von Mexiko, also dem Atlantik hochkäme, während Reich gemäß seiner Theorie von Galaktischen Orgonenergie-Strom auf Kalifornien und den Pazifik verwies. In den 1970er Jahren gab die Meteorologie ihm schließlich recht.

Am Ende möchte ich mit einiger Verwunderung feststellen, daß James DeMeos Arbeit, insbesondere die in Arizona („OROP Arizona 1989“ Journal of Orgonomy 1989 und 1990), die in vieler Hinsicht eine Wiederholung der Reichschen Expedition war, in dem Artikel mit keinem Wort erwähnt wird. Es hat mich auch irritiert, daß von „Eas“ die Rede ist, tatsächlich heißt es „ein Ea“, „zwei Ea“, „drei Ea“ etc. „Ea“ steht für „Energy alpha“ bzw. „Enigma“ (Rätsel), die in mehreren Objekten gleichzeitig zum Ausdruck kommen mögen, aber es bleibt eine Orgonenergie bzw. ein Rätsel!

Ich kann Huthsteiners Artikel nur jedem Orgonomie-Interessierten wärmstens ans Herz legen, zumal Reichs Contact with Space von anderen, etwa Myron Sharaf, geradezu mit Verachtung gestraft wurde.

Das ultimative Tabu (Teil 1)

4. September 2021

Woodrow Wilson, Präsident der USA von 1913 bis 1921, war der mit Abstand schlimmste Mensch, der je gelebt hat. Die anderen Bösewichter des 20. Jahrhunderts waren nur Folge des einen Menschheitsverbrechens: dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg. Ohne den hätte es keinen Lenin, Stalin, Mao und keinen Hitler gegeben. Der Krieg war am 6. April 1917, als die USA eintraten, so gut wie zuende. Die Achsenmächte waren mehr als willens, endlich dem vollkommen sinnlosen Massensterben ein Ende zu setzen. England und Frankreich waren ebenfalls erschöpft, aber der „Idealist“ Wilson wollte, daß die „Demokratien“ gewinnen…

Wilson war durch und durch ein Sozialist, der nicht, wie die Gründerväter der USA, den Staat als notwendiges Übel betrachtete, das durch eine bewaffnete Bürgerwehr in Schach gehalten werden muß, sondern ganz im Gegenteil als die Lösung aller menschlichen Probleme.

Für Wilson ist „die Allmacht der Gesetzgebung das erste Postulat jeder gerechten politischen Theorie“. Unter der Annahme, daß „keine Grenze zwischen privaten und öffentlichen Angelegenheiten gezogen werden kann, die der Staat nicht nach Belieben überschreiten darf“, entwickelt er eine dem Sozialismus entlehnte progressive politische Theorie, „daß jeder Gedanke an eine Begrenzung der öffentlichen Gewalt durch individuelle Rechte zu überwinden ist“.

Das Regierungssystem der USA und letztendlich die gesamte Welt (Stichwort „Völkerbund“) sollten den Herausforderungen der neuen Zeit angepaßt werden, durch Zentralisierung. Wilson war sozusagen der Klaus Schwab von vor hundert Jahren. Schon damals ging es um einen „Great Reset“ (und übrigens schon damals gab es eine rätselhafte Weltseuche, die „Spanische Grippe“ – inklusive „Impfung“, die möglicherweise erst das bis heute rätselhafte millionenfache Massensterben verursacht hat).

Wilson hat neben Deutschland vor allem die USA selbst vernichtet. Von seiner Regierungszeit an zerfraßen Agencies, wie etwa die FDA, die amerikanische Gesellschaft wie ein Krebsgeschwür. Hätte man die Verfassung der USA ernstgenommen, wäre beispielsweise das Vorgehen der FDA gegen Wilhelm Reich schlichtweg undenkbar gewesen. Am verheerendsten war jedoch die Auslieferung des Landes an die Federal Reserve 1913, die sich anmaßte „Geldpolitik“ (sic!) zu machen, und die Einführung von etwas so schlichtweg Wahnsinnigem wie einer „Einkommensteuer“ (sic!), ebenfalls 1913. Die Arbeitsdemokratie wird kontrolliert, abgeschnürt und ganz ganz langsam erdrosselt. 100 Jahre später ist der Dollar nur noch ein Zombie und der Great Reset, d.h. die Einführung einer kommunistischen Diktatur, die letzte Option.

Alles, was geschehen ist, beruhte darauf, daß die Welt der Charakterstruktur des modern-liberalen bzw. pseudo-liberalen Charakters (Woodrow Wilson und Konsorten) angepaßt wurde. Wahre (lokale!) Autorität, Bewegung und Konkurrenz sind diesem Charakter unerträglich (siehe Elsworth F. Bakers Der Mensch in der Falle), deshalb „zentralisiert“ er die Welt. Am Ende steht, wie bei allem, was dieser Charakter unternimmt, der Kommunismus. Die USA, d.h. die wirklichen USA der Verfassung, und das Deutsche Reich sind schicksalhaft miteinander verbunden. Die Patrioten der beiden Länder bilden eine Schicksalsgemeinschaft!

Zweite Ergänzung zu „Besprechung von ORGONOMIC FUNCTIONALISM No. 8, Spring 2021 (Teil 3)“

14. August 2021

Um 1950 herum schreibt Reich in seinem Manuskript „Die orgonbiophysikalische Bedeutung der Bione“:

Die Entstehung von Lebewesen aus Eiern widerlegt nicht die Tatsache, daß die Eier selbst durch die natürliche Organisation von Bionen in jedem einzelnen Tier von neuem entstanden sind. Die Eier der Tiere entstehen nicht aus Eiern durch Zellteilung oder Knospung, sondern sie organisieren sich aus tierischer Materie.

Das ist direkt von seiner Krebsforschung abgeleitet: genauso wie Krebszellen und dann der ganze Tumor nicht aus entarteten Körperzellen entstehen, sondern sich aus dem bionösen Zerfall, also der Auflösung der Körperzellen neu organisieren, geht auch die Eizelle und infolge der gesamte neue Organismus aus dem bionösen Zerfall von Zellen des Mutterorganismus hervor, die sich dann zu neuen Zellen, dem Embryo und schließlich dem neuen Organismus organisieren. [Ähnliches schrieb er etwa zur gleichen Zeit in Die kosmische Überlagerung: „Es ist zu vermuten, daß sich die Spermatozoen und Eier in den Metazoen auf die gleiche Art durch Kondensation von Orgonenergie im Keimgewebe bilden“ (S. 41).]

Es erübrigt sich zu sagen, daß das falsch ist und das gar zu begründen. Hier zeigt sich die Tragik des Reich-Archivs. Er glaubte, daß ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod und zukünftige Generationen seinem Ansatz gegenüber aufgeschlossener sein würden. Dabei hat er verkannt, daß auch er Kind seiner Zeit war und Sachen, wie das obige Zitat, nur aus der Zeit heraus gewürdigt werden können. Damals setzte der Triumpf der Molekularbiologie und Genetik erst an (ganz zu schweigen von der modernen Bildgebung) und die Menschen hatten gerade so eben noch ein Ohr für derartige Ausführungen, während heute nur noch Reich-Spezialisten überhaupt weiterlesen!

Ich bin der Überzeugung, daß man immer das zeitnah veröffentlichen sollte, was man erarbeitet hat, denn nur so ist Kritik und Kontrolle möglich und es kann nichts mehr verlorengehen bzw. später von irgendwelchen Archivaren und Herausgebern manipuliert werden.

Macht Reichs obige Aussage aus heutiger Warte überhaupt irgendeinen Sinn? Ja – und das ist die Gegenwahrheit zu dem, was ich soeben ausgeführt habe: Erst heute können wir das Geschehen bei der Befruchtung orgonbiophysikalisch richtig einordnen. Das, was in den Hoden und Ovarien geschieht, ist wirklich engstens mit bionösem Zerfall verbunden, was man allein schon an der Krebsanfälligkeit dieser Organsysteme sieht. Die Vererbung kommt ins Spiel, weil sich diesem mit der Krebsgenese funktionell identischen Prozeß ein anderer Funktionsbereich überlagert: die koexistierende Wirkung.

Beim Krebsprozeß geht es nur um Bewegung und entsprechende Formgesetze, so wie Reich das in Der Krebs und Die kosmische Überlagerung beschrieben hat. Bei der Vererbung geht es jedoch nicht um Bewegung („Bewegung von A nach B“), sondern gewisserweise deren Gegenteil: das Zusammenfallen bzw. die Gleichzeitigkeit von A und B, so als gäbe es keine räumliche bzw. keine zeitliche Distanz zwischen ihnen. Wenn ich mich an etwas erinnere, ist es, als gäbe es keine zeitliche Distanz zwischen damals und heute. Genetik ist das entsprechende in der Biologie („Du siehst aus wie dein Vater 1980!“). Diese „Zeitlosigkeit“ („Zeit –> Raum“ bzw. „Nacheinander –> Nebeneinander“), die im Bereich der Genetik zum Ausdruck kommt, ist eine unabhängige orgonotische Funktion wie die Bewegung („Raum/Zeit“) eine ist:

Was sagt uns das ganze? Daß ein Projekt wie die Zeitschrift Orgonomic Functionalism absolut kontraproduktiv ist und Reichs Renommee schadet, wenn es nicht in eine lebendige orgonomische Forschung eingebunden ist und von tatsächlichen Orgonomen betreut wird. In einer rationalen Welt würde das Material mit entsprechenden Kommentaren im Journal of Orgonomy erscheinen und Reichs Archiv von im Feld praktisch seit Jahrzehnten tätigen Fachleuten wie Drs. Konia. Crist, Harman, etc. betreut werden.