Posts Tagged ‘Orgasmus’

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 14)

18. April 2024

Wie ungeeignet und oberflächlich die (Neue) Phänomenologie ist, zeigt sich in der Beschreibung des „vitalen Antriebs“:

Der vitale Antrieb, die Achse der spürbaren leiblichen Dynamik, besteht in der antagonistischen Verschränkung der fundamentalen leiblichen Impulse Engung und Weitung, die ich in dieser Verschränkung als Spannung bzw. Schwellung bezeichne. Übergewicht der Spannung findet sich z.B. bei Angst, Schmerz, Beklommenheit, ungefähres Gleichgewicht bei körperlicher Kraftanstrengung, Übergewicht der Schwellung bei Wollust. (S. 306)

Hier gerät aus bioenergetischer Sicht soviel durcheinander, daß nichts als Wirrnis übrigbleibt. Das ganze ist vollkommen indiskutabel. „Phänomenologisch“ wäre der Orgasmus beispielsweise eine Expansion, bioenergetisch ist er jedoch das genaue Gegenteil!

Wie oberflächlich und abwegig Schmitz ist, sieht man auch daran, daß er die moderne Verwahrlosung der Sexualität als weniger gewichtig erachtet als die der – Musik (S. 315). Was er in dem betreffenden Brief über Sexualität und etwa über den Krieg schreibt, ist derartig verstiegen…:

…das heute merkwürdig starke und zunehmende Liebäugeln mit dem Sadismus. Ich bin durchaus dagegen, nach Verboten zu rufen, abgesehen von Verbrechen, wobei Menschen gegen Ihren Willen gequält werden. Ich rechne nämlich damit, daß auf diese Weise ein wichtiges Bedürfnis menschlicher Lebensgestaltung sich seinen Weg sucht. Im letzten Aufsatz meiner Sammlung „Höhlengänge“ (Berlin 1997) habe ich unter dem mir auferlegten Titel „Die ethische Bedeutung der Atombombe“ auf die Not hingewiesen, in die die Menschen durch den Entzug der Möglichkeit des Sichauslebens in der Form der Kriege geraten, weil damit eine einzigartige Chance der Integration von personaler Emanzipation und personaler Regression verlorengeht, der Vereinigung von gespannter Erregung, erschütterndem Betroffensein mit kühler Wachsamkeit und besonnenem Handeln. Diese Integration ist aber für personale Selbstbehauptung unentbehrlich, wofür das Bild des Wellenreiters steht; andernfalls droht Steuerlosigkeit oder steife Verstiegenheit. Die Menschheit braucht einen Ersatz für den Krieg, sofern dieser bei gesteigerter Zivilisation und unter dem Druck moderner Waffen nicht mehr als Leitbild taugt, und ich könnte mir denken, daß sich an dieser Stelle einmal eine Kultur des leiblichen Schmerzes herausbilden wird, nicht so, daß man wie Dutroux Leute gegen ihren Willen zu Tode quält; aber vielleicht wie bei den Indianern oder nach Wellhausen „Reste arabischen Heidentums“ oder auf andere Weise. Das Liebäugeln mit dem Sadismus bereitet vielleicht eine solche Entwicklung vor. (S. 317)

Reich, der tatsächlich durch die Hölle des Krieges gegangen ist, hat das Notwendige über solche „Analysen“ gesagt. Die von Schmitz erinnert fatal an die Freuds… Nichtig! Trotzdem, man mag es kaum glauben, ist Schmitz interessant, denn seine Phänomenologie stellt eine nicht-psychologische Herangehensweise an das Phänomen des Erlebens, des „subjektiven Erlebens“, wie man so schön sagt, dar. Die Psychologie ist nämlich mit einem „metaphysischen“ Ballast befrachtet, beispielsweise der Vorstellung, daß man „ein Gefühl hat“, d.h. ein „Ding“ ein anderes „Ding“ „produziert“.

Ein „Ding“, in diesem Fall das „Ich“, stellt sich gegen andere „Dinge“, es kann in unterschiedliche „Dinge“ (Ichs) zerfallen, etc., wobei dieses „Ding“ so ungreifbar ist, wie das sprichwörtliche „Gespenst in der Maschine“. Tatsächlich gibt es aber kein Subjekt und kein Objekt, und das Subjekt besteht vor allem nicht aus „Teilen“. Alles ist ein orgon-energetisches Kontinuum. Wir sind orgonotische Erstrahlung, die ständig zwischen Assoziation („Einheit“) und Dissoziation („Vielheit“) wechselt. Wenn dieses Hin und Her aufhört, setzt der Wahnsinn (Panzerung) ein. „Wir“ sind nichts anderes als orgonotische Erstrahlung, Assoziation und Dissoziation. Wir sind Orgonenergie und nichts anderes. Das Bewußtsein ist orgonotische Erstrahlung.

Man betrachte dazu die gesamte orgonometrische Gleichung des Kontakts: mit koexistierender Wirkung, Erstrahlung (Weitung), Anziehung (Engung), Dissoziation (Weitung) und Assoziation (Engung) auf der einen Seite und KRW (Zentrales Nervensystem) und Pulsation (Vegetatives Nervensystem) auf der anderen Seite. Was all diese Funktionen vereint, ist die „elastische Kohäsion“ der Orgonenergie mit ihrem ständigen Wechsel von Weitung und Engung. Das sind wir! Es vereint die „subjektive Welt“ und die objektive Realität. Dies wird besonders deutlich in den Dämmerungszonen des Bewußtseins, wenn wir morgens erwachen und abends einschlafen und dabei diese Vorgänge unmittelbar erleben.

Man muß Schmitz zugute halten, daß er sich mit diesem Bereich beschäftigt, der selbst von der Psychologie, erst recht aber von den restlichen Naturwissenschaften auf eine grundsätzliche Weise verfehlt wird. Sie vermitteln dem Menschen ein Bild seiner selbst, das man einfach nur als grotesk (wahnsinnig, „gepanzert“) bezeichnen kann. Das dafür keinerlei Bewußtsein oder gar Sprache existiert, macht das ganze nur noch grotesker! So absonderlich, und aus gutem Grund, uns Schmitz manchmal vorkommen mag…

Email zu einer Ausstellung über Sexualität (2001)

17. April 2024

Email zu einer Ausstellung über Sexualität (2001)

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Blutkörperchensenkungsreaktion” und folgende

16. April 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Blutkörperchensenkungsreaktion“ und folgende

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 97)

8. Januar 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Warum wollten die Psychoanalytiker Reich vernichten? Wegen Reichs Orgasmustheorie, die doch nur eine logische Fortführung von Freuds eigener Theorie der „Aktualneurose“ war? Kaum! Wegen dem Orgon? Kaum:

Auch bezüglich des elan-vital-Konzeptes des Philosophen und Literaturnobelpreisträgers Henri Bergson gab es Übereinstimmungen. Reich war nicht der einzige Psychoanalytiker, der sich darauf berief. Schon der Gründungspräsident der US-amerikanischen Psychoanalytikerorganisation, der international anerkannte Neurologe James Putnam, hatte 1911 auf dem Weimarer IPV-Kongreß die Analytiker aufgefordert, das Wirken einer „selbsttätigen“, „sich selbst erneuernden“ „Lebensenergie“ zur Kenntnis zu nehmen. Dabei verwies er neben Hegel insbesondere auf Bergson. In einem Brief vom 8. Juli 1915 gestand Freud, erneut von Putnam auf Bergson angesprochen, ebenfalls zu: „Ich weiß, daß jeder einzelne ein Stück Lebensenergie repräsentiert.“ Auch das Libido-Verständnis C.G. Jungs, der Bergson ohnehin sehr schätzte, wies deutliche Verwandtschaft auf zum „elan vital“ – und damit eben auch zum „Orgon“. Doch was bei Freud oder Jung offenbar nicht einmal einer kritischen Erwähnung bedarf, dient bei Reich bis heute als Alibi zum Attestieren einer Geisteskrankheit. Der Umgang der Analytiker mit Reich ist voll mit solcherart Absurditäten (Andreas Peglau: Unpolitische Wissenschaft?, S. 302-311, 416).

Es bleibt etwas, was mit den beiden genannten Faktoren unlösbar verknüpft ist, ohne das die ganze Sache aber unverständlich bleibt und sich ins Gegenteil kehrt (Stichwort C.G. Jung). Es geht um „LSR“, das nur unzureichend mit den Stichworten „Panzerung“ bzw. „Über-Ich“ umrissen wird: die Möglichkeit der Selbstregulierung. Jene, die den Konflikt zwischen Freud und Reich auf die Politik reduzieren wollen, tun dies, um genau diesen Kern zuzukleistern. Gleichzeitig geht es natürlich in der Tat um „Politik“, d.h. die Frage nach der individuellen und gesellschaftlichen Selbststeuerung.

Um mit LaMettrie zu reden: „Machen wir diese häuslichen Feinde [unsere Selbstanklagen] doch endlich nieder; seien wir nicht länger im Krieg mit uns selbst“ (z.n. Ursula Jauch: Jenseits der Maschine, S. 559). Ursprünglich glaubte Reich, komplementär dazu müßten auch sozusagen die „außerhäuslichen“ Feinde, die Ausbeuter niedergemacht werden. Deshalb seine Hinwendung zum Marxismus. Im Laufe der 1930er Jahre erkannte er, daß es tatsächlich um den Kampf gegen die Emotionelle Pest geht, konkret die Auseinandersetzung zwischen der ihrem Wesen nach unaufhebbar rationalen Arbeitsdemokratie und der irrationalen Politik.

Email [Reich und das große Ausweichen] (2008)

6. Januar 2024

Email [Reich und das große Ausweichen] (2008)

Das Problem der Falsifikation in der Orgonomie

15. Dezember 2023

Reich hat Muster erkannt, wo andere nur einen glatten bzw. chaotischen Kurvenverlauf sahen. Beispiele sind die Auseinandersetzung mit Freud über die Widerstands- und Charakteranalyse sowie die Orgasmustheorie (es gäbe doch, so Reichs Kollegen, jede Menge Gesunde „ohne Orgasmus“), die Einordnung des Faschismus, die Interpretation der bioelektrischen Experimente (großer Streit mit den ebenfalls exilierten „Experten“ vom Kaiser-Wilhelm-Institut), die Interpretation der „Bion-Erscheinungen“, die Entdeckung des Orgons und nicht zuletzt das Pendelexperiment 1944, wie Reich es in Contact with Space beschrieben hat. Courtney F. Baker hat diesen Versuch mit genaueren Meßverfahren wiederholt und nichts gefunden (bzw. Anomalien unabhängig von Reich, die einer weiteren Untersuchung wert wären). Danach hat Robert A. Harman es genau nach Reichs funktionellen Vorgaben nochmals wiederholt und kam zu Reichs Ergebnissen.

In diesem Zusammenhang bedeutet „funktionell“, daß man nicht abstrakt Bruchteile einer Pendelbewegung mißt bzw. zählt, sondern nur ganze, vollständige Pendelbewegungen, genauso, wie man bei einer Schafherde nur „ganze Schafe“ zählt und nicht irgendwelche abgenagten Kadaverteile von Schafen, die nach einer Wolfsattacke vielleicht ebenfalls auf der Weide liegen.

Das Problem ist, daß Reichs Ansatz aller Wissenschaftstheorie ins Gesicht schlägt: Reich versucht die Muster „erscheinen zu lassen“ („Verifikation“), während Physiker spätestens seit Kant den erkenntnistheoretischen Anspruch haben, Phänomene so lange zu widerlegen bis es nichts mehr zu widerlegen gibt („Falsifikation“).

Andererseits: auch Reich hat stets dazu aufgefordert, ihn zu „falsifizieren“ und ist regelmäßig weitergekommen, weil die Realität seine Hypothesen falsifiziert hat. Man denke nur mal daran, daß er die atmosphärische Orgonenergie nur dadurch entdeckt hat, weil sich seine Vorstellung, er könne SAPA-Strahlung mit einem Faradaysche Käfig abschirmen, als unsinnig erwiesen hatte. Die besagten kritischen Physiker werden einwenden, daß etwas, was man nicht „eingrenzen“, also nicht definieren (Lateinisch für „abgrenzen“) kann, schlichtweg nicht existiert.

Für einen normalen Physiker wäre die Sache erledigt gewesen, doch für Reich fing damit („die Strahlung ist überall!“) seine eigentliche Forschungsarbeit erst an. Als er kurze Zeit später Einstein seine entsprechenden ersten Forschungsergebnisse vorstellte, waren dessen Einwende entsprechend. Bei den visuellen Beobachtungen sei, so Einstein, der Faktor Subjektivität störend, d.h. im Akt der Beobachtung steckt schon die „Verifikation“ – will sagen, man muß es sozusagen „sehen wollen“. Und bei den thermischen Messungen kann man den Versuchsaufbau solange variieren, bis der objektiv gemessene Temperaturgradient verschwindet und sich so als Scheinphänomen erweist. Reichs funktionelle Gegenargumente konnten nicht bei einer „nihilistischen“ Geisteshaltung verfangen, die darauf ausgerichtet ist, die Natur buchstäblich solange zu foltern, bis sie „falsifiziert“ ist und nichts übrigbleibt als tote Mechanik bzw. „tote Thermodynamik“.

Was den ersten Einwand betraf lautete Reichs Vorschlag mit dem „subjektiven“ Beobachten nicht aufzuhören, sondern es unter allen möglichen äußeren Bedingungen auf systemtische Weise fortzuführen, um Muster erkennen zu können. Zweitens wollte er, daß die Experimente bzw. Messungen solange variiert werden, bis sich seine Theorie bestätigt… Und das ist nicht so unwissenschaftlich, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, denn Elementarteilchen-Forscher gehen ähnlich vor. Milliarden werden aufgewendet, ganze Berge bewegt, um schließlich doch noch Higgs-Bosonen, Sonnen-Neutrinos und dergleichen nachweisen zu können.

Der Witz dabei ist, daß Einstein, wären in seinen Gleichungen sowas wie „Higgs-Bosonen“ oder eben die Orgonenergie aufgetaucht, ebenfalls alles getan hätte, um diese auf Teufel komm raus nachzuweisen – nach dem bekannten Motto: „Um so schlimmer für die Tatsachen, wenn sie nicht meinen Theorien entsprechen!“ Nichts da mit „Falsifikation“!

Der letztendliche Beweis liegt in der Fruchtbarkeit der Theorien, d.h. ob etwa die gemessenen Sonnen-Neutrinos mit dem Einblick, den sie ins Innere der Sonne gewähren, die Astrophysik weiterbringen und etwa Phänomene auf der Sonne besser vorhersehbar machen, Supernovae besser erklären etc. Reich nutzte seine Beobachtungen und Messungen der atmosphärischen Orgonenergie zur Wettervorhersage und machte später die Entdeckung der atmosphärischen Orgonenergie für die Wettermodifikation nutzbar („Cloudbuster“). Eine vermeintliche „Entdeckung“ verschwindet aus den Annalen der Wissenschaft, wenn sie zu nichts führt.

Imgrunde funktioniert hier die Wissenschaft kaum anders als die Marktwirtschaft: unbrauchbare Produkte verschwinden sang- und klanglos vom Markt. Man kann in diesem Zusammenhang durchaus an Mildred Brady (gewisserweise eine Vertreterin der amerikanischen Entsprechung von „Stiftung Warentest“) und das Vorgehen der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA gegen Reich denken, die einfach nicht das letztendlich arbeitsdemokratische und einzig wissenschaftliche „Wer heilt hat recht!“ zulassen, sondern die Orgontheorie partout „falsifizieren“ wollten.

DER ROTE FADEN (Band 2): 33. Sigmund Freud, Constantin Vlad, Wilhelm Reich

1. Oktober 2023

DER ROTE FADEN (Band 2): 33. Sigmund Freud, Constantin Vlad, Wilhelm Reich

Ergänzung zu „Das Reich des Teufels (Teil 5): Die Bestien der Hölle“

18. August 2023

Es gibt keine Wissenschaft mehr im Sinne des Ergründens der Welt, sondern nur noch erstens als Erhalt des gesellschaftlichen und materiellen Status jener, die sich Wissenschaftler nennen. Aber das ist nur die psychologistische, soziologistische und ökonomistische Oberfläche, denn tatsächlich geht es um die CHARAKTEROLOGISCHEN Antriebe der Wissenschaftler und ihrer Auftraggeber. Wer glaubt, heutzutage würde an Universitäten und Forschungseinrichtungen Wissenschaft betrieben, ist ein naiver Idiot. Muß ich wirklich die Stichworte „Gender“, „Klimawandel“ und „Covid“ nennen?

Wissenschaft heute dient der Verhinderung von Erkenntnis. Dies betrifft insbesondere drei Teilbereiche:

1. soll mit allen denkbaren Mitteln verhindert werden, daß die Grundlagen der gepanzerten Gesellschaft unterminiert werden. Es gilt unsere Kultur zu retten. Worum es geht, hat in unübertroffener Klarheit Bernd A. Laska in seinem Aufsatz über Otto Gross wir folgt zum Ausdruck gebracht: „Wenn ‘fachwissenschaftlich’ feststünde, daß die frühkindliche Introjektion des ‘Fremden’ (die Errichtung eines irrationalen Über-Ichs) einen ‘inneren Konflikt’ mit dem ‘Eigenen’ verursacht, der Quell dauerhaften Krankseins und Leidens ist, dann folgte aus diesem ‘Sein’ – es sei denn, man wünscht dem Kind das Leiden – ein ‘Sollen’: nämlich, daß solche Introjektion minimiert werde – und daß die Wissenschaft die Mittel dazu erarbeiten möge. Obwohl die (…) Psychoanalyse diesen Zusammenhang noch keineswegs bewiesen oder gar etabliert hatte, hielt [einer der Gründerväter der Soziologie, Max] Weber ein solches Ergebnis (‘vielleicht in 2-3 Jahrzehnten’) offenbar für möglich und fürchtete um die Fortexistenz jener ihm heiligen, nicht genauer benennbaren ‘ganz andren, jeder „Wissenschaft“ entzogenen Ebene des Geistes’, auf der bisher ‘um Werte gestritten’ wurde. – Hier wird die nach wie vor bestehende Aktualität der Gross’schen Provokation greifbar: ist doch das Postulat der ‘Wertfreiheit der Wissenschaft’ der vielleicht heiligste Bestand auch der meisten gegenwärtigen Philosophien.“

2. darf es unter keinen Umständen eine wirkliche Sexualwissenschaft geben. Ganze Bibliotheken sind mit der Dokumentation aller denk- und undenkbaren Sexualpraktiken gefüllt, nur zwei Dinge werden umgangen und damit die eigentliche Sexualität: die Genitalität und die Funktion des Orgasmus. Man aalt sich im eigenen Elend und glorifiziert es. Imgrunde ist das die Aufgabe aller Wissenschaften: vom Wesentlichen abzulenken und darüber hinaus das Elend als alternativlose Normalität hinzustellen. Dafür werden die Wissenschaftler schließlich ausgebildet und fürstlich bezahlt! Es sind nichts weiter als demokratische Hofnarren, Nutten!

3. soll also mit allen denkbaren Mitteln das Wesentliche an der Wirklichkeit ausgeblendet werden. Sektenmitglieder können die Zusammenhänge, die vor ihren Augen sind, buchstäblich nicht sehen, weil ihnen das dreidimensionale Sehen abtrainiert wurde. Sie sehen nur noch Flächen, ohne erfassen zu können, in welcher Beziehung die Dinge zueinander stehen. Der mechanistische Geist, also die Sekte, dem die heutige Wissenschaft ausschließlich dient, sieht die Gegenstände, blendet aber systematisch die „Atmosphäre“ aus, in der diese Gegenstände sich befinden. Das „atmosphärische Orgon“ wird nicht gesehen und jedweder Verweis auf es wird als pseudowissenschaftliche Gespensterseherei abgetan. Wer den Raum zwischen den Dingen untersuchen will, stellt sich außerhalb der Wissenschaft!

Funktionelle Topik und Aufklärung

6. August 2023

Zwischen 1920 und 1940 zeigte die Orgasmustheorie, daß die Libido physikalisch real ist: das Orgon. Parallel zeigte die Charakteranalyse, daß die Verdrängung (aus Freuds erstem topischen Modell) und das Über-Ich (aus seinem zweiten topischen Modell) nicht nur „psychische“ Mechanismen bzw. Instanzen sind, sondern somatische Realität: die Muskelpanzerung. Das, was abgewehrt wird, und das, was abwehrt, sind also keine bloßen dichterischen Metaphern bzw. wissenschaftliche Konzepte, sondern handfeste Wirklichkeiten, jenseits jedes Meinungsstreits und jeder Ideologie – und damit Jenseits von Verdrängung und Moral (Über-Ich).

Man kann darauf einwenden, dies sei nichts besonderes, da es schon immer Konzepte einer „Energie“ gegeben habe. Die Antwort darauf lautet, daß diese Vorstellungen durchweg mystisch waren (Psyche –> Soma, die „Energie“ organisiert die „Materiebrocken“), genauso wie entsprechend die Konzepte von „Blockaden“ dieser „Energie“ durchweg mechanistisch waren (Soma –> Psyche, die „Materiebrocken“ behindern den freien Fluß der „Energie“). Hinter diesen proto- und pseudo-orgonomischen Auffassungen stecken die beiden Grundaxiome des Mechano-Mystizismus: die Materie wird vom Geist bestimmt („mind over matter“) bzw. der Geist ist in der Materie gefangen („fleischliche Lüste streiten wider die Seele“).

Zu derartigen Vorstellungen kommt es, weil die „Psyche“ die quasi „energetische“ Gesamtfunktion des Organismus ist („die Psyche Herrn Müllers“), während das „Soma“ die materiellen Teilfunktionen umfaßt („die Niere auf Zimmer 2.04“). Erst Reich und im Anschluß an ihn Charles Konia haben die Zusammenhänge geklärt, indem der „horizontale“ Bereich (Psyche – Soma) um den „vertikalen“, energetischen erweitert wurde (Panzerung – Orgon:

Das wirkliche Problem der menschlichen Existenz ist demnach nicht der quasi „horizontale“ Konflikt zwischen Psyche und Soma; ein Konflikt, der ohne Panzerung gar nicht existieren würde, sondern der quasi „vertikale“ Konflikt zwischen Panzerung und Orgonenergie. Es gilt schlichtweg die Panzerung zu beseitigen. Das Problem dabei ist, daß unsere gesamte geistige Kultur und materielle Zivilisation, die nichts weiter als Geschöpfe der Panzerung sind, uns davon abhalten wollen. Gemeinsam sind sie nichts weiter als ein allumfassender „horizontaler“ „Verblendungszusammenhang“, der uns von der „vertikalen“ Wirklichkeit nicht nur abhält, sondern immer weiter von ihr entfernt. Aus diesem Grund war die Entdeckung des Orgons auch ein revolutionärer Akt bzw. DER revolutionäre Akt schlechthin.

Die Kultur und die Zivilisation sind mittlerweile nichts anderes als Neurose, wenn nicht schlichtweg Emotionelle Pest. Das Denken wird immer weiter ein Instrument von Verdrängung und „Moral“ (Über-Ich). Einfachste Fragen wie „Was ist eine Frau?“ oder „Wer ist ein Deutscher?“ münden in Verwirrung und moralischer Indignation. Unsere materiellen Werkzeuge (natürlich inklusive der untrennbar mit ihnen verbundenen „immateriellen“ Algorithmen), die einst als Erweiterungen unseres Organismus gedacht waren, um dessen Freiheitsgrade zu erweitern, wirken zunehmend auf ihn zurück und schränken eben diese immer weiter ein, bis wir zu toten „Cyborgs“ werden.

Die Entdeckung des Orgons ist die einzige Chance, die der Menschheit bleibt, dieser Falle zu entkommen, weil sie erstens etwas physikalisch Greifbares ist, das nicht dem „kulturellen“ Streit der Meinungen unterworfen ist und die zweitens eine neue, der Organik gemäße, „zivilisatorische“ Technik ermöglicht. Diese Chance ist aber nur realisierbar, wenn das ebenfalls praktisch greifbare Faktum der Panzerung auf individueller und gesellschaftlicher Ebene sichtbar gemacht wird, um das Orgon befreien zu können. Aufklärung! Die EINZIGE Aufklärung! DIE Aufklärung!

David Holbrook, M.D.: Die Orgonomie zusammengefaßt in 15 Passagen aus den Schriften des Psychiaters und Naturwissenschaftlers Wilhelm Reich, von der Biologie über die Psychologie bis hin zur Soziologie und Politik: Die zentrale Bedeutung der Strömung

30. Juni 2023

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Die Orgonomie zusammengefaßt in 15 Passagen aus den Schriften des Psychiaters und Naturwissenschaftlers Wilhelm Reich, von der Biologie über die Psychologie bis hin zur Soziologie und Politik: Die zentrale Bedeutung der Strömung