Posts Tagged ‘Psychoanalyse’

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 12)

17. April 2023

Im November 1932 hielt Leo Trotzki seine berühmte „Kopenhagener Rede“ unter dem Titel „Die russische Revolution“. Sie endete mit den folgenden drei Absätzen:

Zwar hat die Menschheit mehr als einmal Giganten des Gedankens und der Tat hervorgebracht, die die Zeitgenossen wie Gipfel einer Bergkette überragten. Das Menschengeschlecht hat ein Recht auf Aristoteles, Shakespeare, Darwin, Beethoven, Goethe, Marx, Edison, Lenin stolz zu sein. Warum sind diese aber so selten? Vor allem darum, weil sie fast ausnahmslos aus höheren und mittleren Klassen hervorgegangen sind. Von seltenen Ausnahmen abgesehen, sind die Funken der Genialität in den niedergehaltenen Tiefen des Volkes, ehe sie noch auflodern konnten, erstickt. Aber auch deshalb, weil der Prozeß der Zeugung, der Entwicklung und Erziehung des Menschen im Wesen eine Sache des Zufalls blieb und bleibt: nicht durchleuchtet von Theorie und Praxis, nicht dem Bewußtsein und dem Willen untergeordnet.

Die Anthropologie, Biologie, Physiologie, Psychologie haben Berge von Material gesammelt, um vor dem Menschen in vollem Umfange die Aufgaben seiner eigenen körperlichen und geistigen Vervollkommnung und weiteren Entwicklung aufzurichten. Die Psychoanalyse hob mit Sigmund Freuds genialer Hand den Deckel vom Brunnen, der poetisch die „Seele“ des Menschen genannt wird. Und was hat sich erwiesen? Unser bewußtes Denken bildet nur ein Teilchen in der Arbeit der finsteren psychischen Kräfte. Gelehrte Taucher steigen auf den Boden des Ozeans und fotografieren dort geheimnisvolle Fische. Indem der menschliche Gedanke auf den Boden seines eigenen seelischen Brunnens hinabsteigt, muß er die geheimnisvollsten Triebkräfte der Psyche beleuchten und sie der Vernunft und dem Willen unterwerfen.

Ist er einmal mit den anarchischen Kräften der eigenen Gesellschaft fertiggeworden, wird der Mensch sich selbst in Arbeit nehmen, in den Mörser, in die Retorte des Chemikers. Die Menschheit wird zum ersten Male sich selbst als Rohmaterial, bestenfalls als physisches und psychisches Halbfabrikat betrachten. Der Sozialismus wird ein Sprung aus dem Reiche der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit auch in dem Sinne bedeuten, daß der gegenwärtige, widerspruchsvolle und unharmonische Mensch einer neuen und glücklicheren Rasse den Weg ebnen wird.

Reich hat im Oktober 1933 diese Aussagen Trotzkis in seiner kurzen Korrespondenz mit ihm in einen – Reich‘schen Zusammenhang gestellt.

Die kommunistische Partei kann als wirtschaftspolitische Organisation die sexualpolitische Arbeit nicht leisten, hierzu ist eine eigene Massenorganisation notwendig, doch kann diese ohne Anlehnung an eine politische Partei ebensowenig zur vollen Entwicklung kommen. Ich bitte Sie nun, mir mitzuteilen, wie Sie zu einer Zusammenarbeit stehen. Dazu wäre natürlich notwendig, daß sich die Führung der politischen Organisation ausreichend über die Grundprobleme der Sexualpolitik orientiert und im Falle des grundsätzlichen Einverständnisses die Organisation unterstützt. Ich glaube bei Ihnen für die Bedeutung der Sexualpolitik für den Klassenkampf mehr Verständnis, als sonst der Fall ist, zu finden und gründe diese Ansicht auf den Schluß Ihrer Kopenhagener Rede; sowie auf Ihre Schrift „Fragen des Alltagslebens“, ich glaube aus dem Jahre 1924, in der Sie im Anhang mit vollem Verständnis die Fragen der Funktionäre dieses Gebiet betreffend abdruckten. Ich darf, ohne es hier zu beweisen, anfügen, daß der Rückgang der Kulturrevolution in der SU zentral mit der Tatsache innigst zusammenhängt, daß die sexuelle Revolution im Jahre 1923 abgestoppt und nicht ins Klare weiterentwickelt wurde.

Reich verkannte vollkommen, daß er und Trotzki (und mit ihm praktisch das gesamte damalige „progressive Lager“) auf zwei vollkommen unterschiedlichen Seiten standen. Marx, Engels, Lenin, Trotzki, Stalin ging es um die Beherrschung der „anarchischen“ Natur, und zwar im Sinn sowohl der äußeren als auch der inneren. „Planwirtschaft!“ Freudianisch ausgedrückt: wo Es war sollte Ich herrschen. Reich ging es ganz im Gegenteil um die Beendigung dieser Art von Herrschaft per se: wo Über-ich war, sollte Ich sein. Das Menschentier sollte „entdomestiziert“ werden und auf gesellschaftlicher Ebene die „natürliche Arbeitsdemokratie“ freigelegt werden.

In seinen obigen Ausführungen dachte Trotzki an etwas grundlegend anderes; etwas, was dem heutigen „Transhumanismus“ nahekommt: „Bewußtsein“, „Wille“, „körperliche und geistige Vervollkommnung und weitere Entwicklung“, „Triebkräfte der Psyche beleuchten und der Vernunft und dem Willen unterwerfen“, „mit den anarchischen Kräften der eigenen Gesellschaft fertigwerden“, „der Mensch in den Mörser, in die Retorte des Chemikers stecken“. Transhumanismus: „Die Menschheit wird zum ersten Male sich selbst als Rohmaterial, bestenfalls als physisches und psychisches Halbfabrikat betrachten.“

Dahinter steckt der eine welthistorische Konflikt zwischen LSR und DMF, zwischen LaMatrie, Stirner, Reich auf der einen und Diderot (Rousseau sowie weitere Menschenbändiger und -züchter), Marx (Nietzsche sowie weitere Menschenbändiger und -züchter) und Freud (Marcuse sowie weitere Menschenbändiger und -züchter) auf der anderen Seite. Bernd Laska hat gezeigt, daß ein Teil von Reichs Tragödie darin bestand, diesen grundlegenden anthropologischen Unterschied zwischen sich und Leuten wie Trotzki, nicht zu sehen bzw. nie deutlich genug wahrzunehmen und eindeutig auszuformulieren. Bereits ins der Deutschen Ideologie hatte Marx gegen Stirner dargelegt, daß der Weg zur Emanzipation nichts Abstraktes sei, blablabla, sondern nur über die Veränderung der Umwelt möglich sei, wobei sich der Mensch selbst verändere…

DER ROTE FADEN (Band 2): 6. Mildred Bradys Rede- und Pressefreiheit

30. März 2023

DER ROTE FADEN (Band 2): 6. Mildred Bradys Rede- und Pressefreiheit

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 5)

24. März 2023

Die autoritäre Gesellschaft beruhte im Wesentlichen darauf, daß die Menschen „nicht aus der Reihe tanzen“. Die Gesellschaft war bei allen Klassenkämpfen und Kriegen doch eine einheitliche Formation. Genau das hat Reich 1934 in Was ist Klassenbewußtsein? beklagt und Wege beschrieben, wie dieses Gebilde aufzuspalten ist.

Was die einheitliche Formation betrifft verweise ich auf den nach oben gerichteten einheitlichen Pfeil in der Abbildung in Teil 4. Wie kam es „1960“ zur in Teil 4 beschriebenen Aufspaltung dieses einheitlichen Impulses, d.h. zur Transformation von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft?

Es war die „sexuelle Revolution“, vor der Reich bereits 1953 in Christusmord gewarnt hatte, sie könnte zum Untergang der Menschheit führen. Man nehme etwa die „Bewegung für freie Meinungsäußerung“, Stichwort Woodstock, die die autoritäre Gesellschaft tatsächlich zerstörte. Und wie? Indem man alles und jeden „psychoanalysierte“. Das war krank und zerstörte jeden Kontakt, machte die Menschen ahnungslos bis hin zur Psychose. Das Ergebnis ist, daß sich heute niemand mehr traut, etwas zu sagen, weil buchstäblich ein bloßes „Hallo“ einen als „Rassisten, „Misogynsten“, „Transphobiker“ oder was auch immer dastehen lassen kann. In einer dialektischen Verdrehung zerstört entsprechend heute die freie Rede die antiautoritäre Gesellschaft. Die Gesellschaft ist auf jeder Ebene gespalten und jeder steht gegen jeden. Ich verweise nochmals auf die Illustration in Teil 4!

Ich glaube tatsächlich, daß die Psychoanalyse die westliche Gesellschaft zerstört hat, so wie Kinder reihenweise von ihren „psychoanalytischen“ Eltern zerstört wurden. Alles und jedes wird „hinterfragt“. „Du hast also Hunger? Was willst du mir damit eigentlich wirklich sagen? Was bedeutet ‚Hunger‘, meine Liebe? Was verbindest du mit diesem Begriff?“ usw. In gewisser Weise hat auch die Charakteranalyse die Gesellschaft zerstört: heutzutage wird jeder als „Rassist“ oder was auch immer „diagnostiziert“. Die Menschen sehen keine Individuen mehr, sondern „Typen“. Seit den 1960er Jahren wollten alle möglichen Linken den Menschen die „Charaktermasken“ (ein Begriff, der seit Ulrike Meinhofs Zeiten zum festen Vokabular der Linken gehört) vom Gesicht reißen, um sie zu entlarven („Hinter dem Lächeln des scheiß Liberalen verbirgt sich die Fratze des Nazis!“). Dies wurde bei Trump ständig getan. Es scheint, als seien Amerika und Deutschland zu großen Höllenlöchern geworden, in denen jeder jeden analysiert!

Aus dem Akt der Befreiung „im Jahre 1960“, der der ganzen Verlogenheit der autoritären Gesellschaft ein Ende setzen sollte, wurde ein Sprengsatz, der jede Möglichkeit eines menschlichen Zusammenlebens zerreißt!

Wie mit Verschwörungstheorien umgehen?

10. März 2023

Willkürlich greife ich drei heraus, die alle um das Wesen des Christentums und des Heidentums kreisen und die in den letzten Jahren eine größere massenwirksame Verbreitung gefunden haben:

1) Die Juden befinden sich in „heidnischer“ Rebellion gegen ihren eigenen Messias, Jesus Christus, und würden alles tun, um die göttliche Ordnung zu zerstören, etwa durch den Marxismus und die Psychoanalyse und durch deren heutige Ausläufer: Multikulti bis Transgender.

2) Das Christentum ist eine jüdische Erfindung, um die jüdische Weltherrschaft voranzubringen, würden wir doch einen Juden und seinen Gott anbeten und das freie Heidentum endgültig auslöschen.

3) Der Vatikan und seine Stoßspitze, die Jesuiten (die wiederum die CIA etc.pp. kontrollieren!), wären nur formell christlich, tatsächlich aber ein Instrument der alten heidnischen Priesterschaft Ägyptens, Babylons und schließlich Roms, um das Heidentum letztendlich doch noch zum Triumph zu führen.

Es ist naiv, derartige Verschwörungstheorien als naiv abzutun, denn deren Vertreter werden dich jeweils mit Tonnen von „Evidenz“ überschütten. Willst du bestreiten, daß praktisch alle führenden Bolschewisten, Psychoanalytiker und die Apostel der heutigen Kulturrevolution praktisch durchweg Juden waren? Wie viele Aussagen von Rabbinern brauchst du eigentlich noch, die offen sagen, daß Jesus, Petrus und Paulus sich bewußt geopfert haben, um langfristig der jüdischen Agenda zu dienen? Siehst du nicht das offensichtliche, nämlich, daß der gesamte Katholizismus kaum verdecktes klassisches Heidentum ist?

Mit rationalen Gegenargumenten kommt man nicht weiter, weil die Argumente der Verschwörungstheoretiker, sozusagen „im Rahmen des Wahnsinns“, durchweg durchaus stichhaltig sind, auch wenn sich die daraus abgeleiteten Theorien gegenseitig schlichtweg ausschließen. Oder nehmen wir jene, die dir beweisen, daß die USA ein „zionistisch besetztes Land“ ist, während andere mit entsprechenden Beweisen dir zeigen, die USA seien tatsächlich das Vierte Reich, das schrittweise nach 1945 von Nazis etabliert wurde.

Es sei auch daran erinnert, daß die Orgonomie selbst Verschwörungstheorien nicht abhold ist. Man denke nur daran, daß Myron Sharaf zufolge Reichs frühe Sexpol-Theorie über die Sexualunterdrückung durch ausbeuterische Kapitalisten imgrunde eine Verschwörungstheorie war. Reich selbst hat am Ende mit dem „Rockefeller-Moskau-Komplex“ eine Verschwörungstheorie vertreten und dazu einen dicken Band voller Dokumente hinterlassen, den er Conspiracy überschrieb.

Wie also damit umgehen? Erstmal ist es eine Selbstverständlichkeit, daß es Gruppeninteressen gibt. Man denke nur an die Türken in Deutschland und wie Erdogan wiederholt ganz offen davon gesprochen hat, daß er diesen Machtblock für die Interessen des Mutterlandes instrumentalisieren wird. Bitte, versuch mal eine offizielle Gedenkstätte für den Völkermord an den Armeniern zu initiieren! Oder Saudi-Arabien: Moscheevereine in Deutschland schwimmen im Geld.

Wichtiger ist aber ein ganz anderer Faktor, der nur dem Studenten der Orgonomie zugänglich ist:

Ich werde jetzt einen Teufel tun und die genannten drei Verschwörungstheorien einzeln aufdröseln und deren verborgene rationalen Elemente aufzeigen und wie diese verzerrt wurden. Es sei nur soviel gesagt, daß jede Verschwörungstheorie, die einigen Widerhall findet, dies nicht ohne Grund tut. Sowohl der Produzent als auch der Rezipient der Verschwörungstheorie hat eine vage Ahnung von orgonotischen Prozessen, die in der Gesellschaft wirksam sind. Dazu gehören insbesondere die von Reich in seiner Studie über die ultimative Verschwörung, den Christusmord, angeschnittenen Konzepte, die dann teilweise in der von Elsworth F. Baker und Charles Konia ausgearbeiteten soziopolitischen Charakterologie aufgegangen sind, insbesondere was den pestilenten, den pseudoliberalen und den konservativen Charakter betrifft.

Wie kann es dann sein, daß etwa Konia ziemlich häufig zu eindeutigen Fehleinschätzungen gelangt, während tumbe Verschwörungstheoretiker recht behalten? Erst einmal, die Rechnung kommt immer zuletzt, will sagen, erst die Zeit wird zeigen, welche Einschätzung beispielsweise des Putinschen Rußland die richtige ist. Zweitens leben wir alle in einer Informationsblase, ob wir wollen oder nicht. Freunde von mir wundern sich, wie sehr ich doch in den letzten Jahren meine manchmal recht apodiktischen Meinungen geändert habe. Das liegt nicht etwa daran, daß sich meine „Orgonometrie“ verändert hätte, sondern schlicht daran, daß ich grundsätzlich sämtliche Mainstream-Medien ignoriere: ich schaue kein Fernsehen mehr, höre kein Radio mehr, lese weder Zeitungen noch Zeitschriften, selbst Youtube meide ich tunlichst. Meine Welt sind jetzt die alternativen Medien, so gut wie ausschließlich die amerikanischen.

Man könnte mir nun vorhalten, ich würde nunmehr erstrecht in einer hermetisch abgeschotteten Medienblase leben. Nun ja, es sind die Massenmedien, die eine Einheitsmeinung vertreten (bis auf wenige Feigenblätter sind alle ihre Macher pseudoliberale Charaktere!) und zweitens: ich habe mich lebenslang mit Sekten beschäftigt, kann „medial“ induzierte Augenpanzerung von daher besonders gut einschätzen: Jahrzehnte Tagesschau haben meinem Augensegment nicht gutgetan.

Aber zurück zu Fehleinschätzungen: Auch der beste Physiker wird Mist bauen, etwa eine falsche Kosmologie entwerfen, wenn er lückenhafte, gar falsche Daten vor sich hat, während irgendein Spinner zufällig genau richtig liegen mag. Trotzdem ist die wissenschaftliche Methode eben das: Wissenschaft, d.h. frei von subjektiver Willkür. Wenn ich in einen Computer falsche Daten eingebe und er infolge ziemlichen Mist ausspuckt, bedeutet das nicht, daß mit dem Computer bzw. den verwendeten Algorithmen etwas nicht stimmt! Gleichzeitig kann es sein, daß ein Mensch, der daneben sitzt, instinktiv das richtige Ergebnis „ausspuckt“!

Das erinnert mich etwas an Vorurteile. Die allermeisten treffen den Nagel auf den Kopf! Doch manchmal sind sie dermaßen daneben, dermaßen ungerecht und schlichtweg krank… Was sind Verschwörungstheorien anderes als Vorurteile, die sich ein rationales Gewand geben? Es bedarf immer eines wissenschaftlichen Korrektivs. Ohne wissenschaftliche Methode wären wir bald verloren, d.h. würden wieder Hexen verbrennen!

Anhang zu „Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 8)“

26. Februar 2023

Reich sagte, Freud sei „jüdisch“ gewesen, während er (Reich) „nicht-jüdisch“ sei. Was soll das heißen? Was macht Freuds „Jüdischsein“ aus? Wir kommen hier zum Grundkonflikt zwischen Freud und Reich! Was ist der Unterschied zwischen der „jüdischen“ Freudschen Psychoanalyse und der „nicht-jüdischen“ Reichschen Orgonomie? Nun, es ist der Unterschied zwischen dem hochintellektuellen Stubenhocker Jakob und dem vierschrötigen Naturburschen Esau aus dem Ersten Buch Mose. Jakob war kalkulierend und konnte seine Triebe kontrollieren („sublimieren“) und wurde so zum Stammvater aller Juden, während Esau seine Geburtsrechte unüberlegt wegwarf, weil er emotional („ausa-GIEREND“) war und von seinen tierischen Instinkten getrieben nach dem Linseneintopf griff. Freud war Jakob (Kontrolle der Libido), während Reich Esau war (Orgasmus-Theorie).

Aus Genesis 25:

27. Die Jungen wuchsen heran, und Esau wurde ein geschickter Jäger, ein Mann des offenen Landes, während Jakob sich damit begnügte, zu Hause in den Zelten zu bleiben. (…)

29. Einmal, als Jakob gerade einen Eintopf kochte, kam Esau vom Lande und hatte Hunger.

30. Er sagte zu Jakob: „Schnell, gib mir etwas von dem roten Eintopf! Ich bin am Verhungern!“ (…)

31. Jakob antwortete: „Verkaufe mir zuerst dein Erstgeburtsrecht.“

32. „Sieh mal, ich sterbe vor Hunger“, sagte Esau. „Was nützt mir da das Erstgeburtsrecht?“

33. Jakob aber sagte: „Schwöre mir zuerst!“ Da schwor er ihm einen Eid und verkaufte sein Erstgeburtsrecht an Jakob.

34. Dann gab Jakob Esau etwas Brot und einen Linseneintopf. Er aß und trank, dann stand er auf und ging weg. Da verschmähte Esau sein Erstgeburtsrecht.

Nicht ähnliches, sondern genau dasselbe schreibt Reich über die Nationalsozialisten. Hier in der Zusammenfassung von Peglau:

[D]er „nationalistische Faschismus [verlege, so Reich,] das Sexualsinnliche in die ‚fremde Rasse‘“. „Nordisch“ werde „gleichbedeutend mit licht, hehr, himmelhaft, rein“, asiatisch oder jüdisch hingegen mit „triebhaft, dämonisch, geschlechtlich, ekstatisch“. Der Nationalsozialist bekämpfe also im Feindbild des Juden auch seine eigene verleugnete Sexualität (S. 81, 84, 92, 94). (S. 259)

Durchgeknallte suprematistische Juden unterscheiden sich in dieser Hinsicht in nichts von „Nazis“! Der zionistische Faschismus verlegt das Sexualsinnliche in die „Goyim“. „Jüdisch“ wird gleichbedeutend mit licht, hehr, himmelhaft, rein, Nicht-jüdisch hingegen mit triebhaft, dämonisch, geschlechtlich, ekstatisch. Der jüdische Fanatiker bekämpft also im Feindbild des Goyim auch seine eigene verleugnete Sexualität. Ich könnte in diesem Zusammenhang auch etwas über die Sexualsymbolik des Davidsterns sagen, dieses Symbol jüdischer Reinheit… Oder darüber, daß Israel ein stinknormales Land ist – voller Rassisten.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 48)

12. Februar 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Das Problem liegt im Grundwesen der Psychoanalyse (das in den diversen „Weiterentwicklungen“ der Reichschen Therapie wieder durchgebrochen ist): die innere Natur steht vor Gericht, sie wird mit diversen psychischen und körperlichen Methoden hinterhältig und sadistisch überlistet (z.B. den bioenergetischen „Streßpositionen“ bei Alexander Lowen) und schließlich unterworfen. Während Reich ihr zum Durchbruch verhelfen will. – Daraus folgt alles: der Vorwurf ein triebenthemmter Psychopath zu sein, ein Psychotiker, und ein Mensch, den man Todschweigen muß, weil er eine tödliche Gefahr darstellt. Über den Teufel spricht man nicht!

Mein Blick fällt gerade auf Myron Sharafs Fury on Earth (frei übersetzt „Die Leidenschaft wütet auf Erden“). Statt all dieser Psycho-Analyse mit Reichs Mutter und dem ganzen Psychologieren…. Warum hat Sharaf nicht klar und deutlich ausgesprochen, was wirklich in Reich gebrannt hat, worin wirklich dieses „Wüten auf Erden“ bestand?! Der Buchtitel wirkt fast so, als wollte Sharaf sich zu etwas zwingen, wozu er dann doch nicht den Mut fand: den obenerwähnten „Teufel“ zu entfesseln.

Statt alles auf die letztendlich vollkommen unwichtige Episode Selbstmord der Mutter zurückzuführen, hätte Sharaf lieber darstellen sollen, wie das Wunder möglich war, daß Reich die Entfremdung von der Gesellschaft, die jedes Kind durchmachen muß, bis ins Mannesalter ausgehalten und erhalten hat: daß diese Gesellschaft im Mark krank und lebensfeindlich ist und keine Legitimation besitzt! – Aber wer in solchen Kategorien denkt, ist ja ein Fanatiker, während Leute wie Sharaf „objektiv“ bleiben wollen….

Man denke auch an Gunnar Heinsohns Antisemitismus-These? Hitler wollte, so Heinsohn, das europäische Judentum ausradieren, um (sozusagen die „ethnischen“) Grundlagen der Ethik zu beseitigen, auf daß der Germane wieder zur blonden über-ich-freien Bestie werden kann. – Der perfekte Ansatz um LaMettrie, Stirner und Reich auf die gleiche Stufe mit Hitler zu stellen: „Gegner des Über-Ich sind Judenmörder!“ (natürlich kein Zitat!).

Das wäre auch die Grundlage für eine mögliche politische Seite des Problems: auf der einen Seite der bürgerliche Freud, der unter allen Umständen den wildgewordenen Marxisten eindämmen will – und auf der anderen Seite der sozialistische Org’ler (Neu Beginnen) Siegfried Bernfeld, der die Linke von ihren sektiererischen Entartungen am rechten und linken Rand reinigen will und für eine zukünftige Sozialistische Einheitspartei intrigiert.

Zur Judenfrage (Teil 3)

30. Dezember 2022

Anläßlich der Massenirrationalität der 1930er Jahre in Deutschland und Italien stellte Reich fest, daß der „Faschismus das Resultat jahrtausenderalter Verunstaltung der Menschen (ist). Er hätte in jedem Lande, in jeder Nation zur Entwicklung kommen können“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 284). In diesem Sinne war der Nationalsozialismus nur die konsequenteste Ausprägung des Patriarchats, dessen Doktrin im Alten Testament archetypisch niedergelegt ist.

Rassistisches (wenn auch sicherlich nicht im modernen biologistischen Sinne) kann man auch im Alten Testament finden. Unter den Neubegründern (bzw. den eigentlichen Begründern) des Judentums, Esra und Nehemia, herrschte nach dem babylonischen Exil ganz offener Rassismus. So „schalt und verwünschte“ Nehemia jene Juden, die Mischehen geschlossen hatten und „ließ auch einige von ihnen schlagen und ihnen die Haare ausraufen“ (Neh 13,25). Esra meinte, Mischehen würden das Land mit Unreinheit von einem Ende zum anderen erfüllen (Esra 9.10). Fremde Frauen und ihre Kinder sollten verstoßen werden.

Nicht vergessen sei aber auch, daß bis zu David Israel ohne zentralen König war und auch später nie einen wirklichen „orientalischen Tyrannen“ geduldet hat. Für die despotischen Zustände im antiken Orient ist es ohne Beispiel wie etwa Judas König Joschija (638-609), nachdem er sich von der assyrischen Tyrannei befreit hatte, den aufgefundenen Text des Deuteroniums vor dem Volk verlas. Michael Grant zufolge scheint Joschijas Regierungsstil demokratischer als der der anderen Herrscher seiner Zeit gewesen zu sein.

Seine öffentliche Verlesung des heiligen Textes weist darauf hin, daß er offensichtlich davon überzeugt war, daß die Bevölkerung ein Recht habe, über Dokumente von nationaler Bedeutung informiert zu werden, und der Prophet Jeremia [22,15f], der gewiß nicht leicht zufriedenzustellen war, erklärte, der König habe recht gehandelt, indem er sich den Niedrigen und Armen zugewandt habe. (Grant: Das Heilige Land, Bergisch Gladbach 1988, S. 224f)

Wie Ernst E. Vardiman schreibt, gab es in Israel im Gegensatz zu Hellas keine unterdrückte Urbevölkerung und keine Massensklaverei (Vardiman: Die Frau in der Antike, Düsseldorf 1982). Außerdem war die Unterdrückung der Frau weit geringer.

Es läßt sich eine gerade Linie ausmachen, die vom alten Israel, über das Christentum (man denke etwa an die Kreuzzüge) bis zum heutigen Westen ausmachen und seinem Bemühen, die Welt zu „demokratisieren“. Hier zieht sich wie eine Leitlinie das Gefühl hindurch, man sei von Gott ausgewählt „das Licht der Welt zu sein“. Genau hier beginnt das Problem, das Sendungsbewußtsein.

Über das Sendungsbewußtsein Amerikas und des Christentums brauchen wir nichts weiter sagen. Problematisch wird es bei den Juden. Man schaue sich nur die Geschichte de Orgonomie selbst an: Marxismus, Bolschewismus, Psychoanalyse, die Sexpol, Reich in Skandinavien und New York: das waren durch und durch jüdische Veranstaltungen. Wogegen haben sie sich gewendet? Gegen die Produktionsverhältnisse (ökonomische Revolution) und gegen die, wenn man so will, „Reproduktionsverhältnisse“ (sexuelle Revolution). Frankfurter Schule, die westliche Kulturrevolution seit den 1960er Jahren, heute vor allem rassische und sexuelle „Diversity“, was nichts anderes bedeutet als weißer Genozid.

Es gibt zwar keine Rassen aber „BPoCs“ (Black and People of Color)! Es gibt zwar Dutzende Geschlechter, aber merkwürdigerweise kann man sich nur an zwei von ihnen medikamentös und chirurgisch anpassen lassen!

Hier, in diesem widersprüchlichen und bösartigen Mumpitz, scheint die ganze Dialektik auf, die von Anfang an unsere christliche Kultur geprägt hat. Man denke nur daran, wie Jesus gegen die Pharisäer gewettert hat, die weitgehend identisch mit den späteren Talmud-Juden sind. Er hat sie nicht etwa angegriffen, weil sie von Natur aus böse waren, d.h. ihr Grundimpuls in irgendeiner Weise falsch war, schließlich war ja auch er in mancher Beziehung einer von ihnen, sondern er griff sie an, weil sie eben diesen Grundimpuls verraten und verkauft hatten; hochmütig, weltfremd und niederträchtig auftraten. Nichts wurde logisch zuendegedacht – d.h. es wurde nicht funktionell gedacht. Der humanistische Grundimpuls des Judentums wurde zu einer subversiv-suprematistischen Scheußlichkeit.

Genau das war auch Reichs Problem mit den Juden: daß der Grundimpuls der Befreiung der „Arbeitsenergie“ in einen elenden Marx-Talmudismus entartete, der dazu führte, daß Leute wie Erich Fromm und andere Stubengelehrte dem Straßenkämpfer Reich den „Marxismus“ absprachen; der Bolschewismus entartete zu etwas, was der krypto-religiöse Franz Kafka hätte entwerfen können; der Grundimpuls der Psychoanalyse, nämlich die Befreiung der Sexualenergie, wurde zu einem „Befreien Sie mich von Reich!“; die Entartung von Reichs eigener Lehre durch seine Schüler beschreibt er in seiner Rede an den Kleinen Mann. Beschränkte und bösartige Pharisäer!

Zur Judenfrage (Teil 2)

28. Dezember 2022

Am Beispiel des Antisemitismus kann man die gesamte orgonomische Sozialwissenschaft revuepassieren lassen.

Zunächst einmal ist der Antisemitismus bzw. der heutige „Antizionismus“ in seiner ganzen Widerwärtigkeit vielleicht das naheliegendste Beispiel für den Christusmord:

Im Ghetto von Wilna gab es einen Juden, den die SS-Wachmannschaft zum Spott „Jud Jesus“ nannte. Eines Tages ergriffen sie ihn, zerschunden ihm sein Haupt mit einer Krone aus Stacheldraht und kreuzigten ihn dann am Lagertor. (Dekan Rudolf Pfisterer z.n. Pinchas Lapide: Wer war schuld an Jesu Tod? , Gütersloh 1987)

Spezifischer kann man dem Haß gegen Juden mit der von Elsworth F. Baker entwickelten soziopolitischen Charakterologie auf den Grund gehen. In der Vergangenheit hatten Juden vor allem eine liberale Charakterstruktur mit verhältnismäßig vielen pseudo-liberalen Charakteren. Man siehe dazu die Ausführungen von Bakers Schüler Charles Konia: „Why Are Jews Liberal?“, The Journal of Orgonomy, Vol. 43(2), Fall 2009/Winter 2010, S. 68f. Deshalb wurden sie von den Rechten dermaßen gehaßt. Mit der Gründung Israels ist es zu einer dramatischen Umkehr gekommen und der Haß gegen Juden („Zionisten“) kommt mittlerweile vor allem von der Linken. In ihrer verzerrten Wahrnehmung sehen Linke „amerikanische Siedler“ („Zionisten“), die erneut die Indianer („Palästinenser“) unterdrücken und massakrieren. Der typische Linksintellektuelle ist heute besessen vom „Israelproblem“, wie es früher der typische Rechtsintellektuelle vom „Judenproblem“ war. Gemäß ihrer Charakterstruktur sehen die ersteren ihr besagtes „Problem“ als sozio-ökonomisch bzw. politisch bedingt, während die letzteren das ihre „biologisch“ (rassistisch) und „moralisch“ („Feinde Christi“) sehen.

In Der verdrängte Christus. Orgonomie und Christentum habe ich gezeigt, wie in der religiösen Mystik die Sexualität transzendiert wird bei gleichzeitiger Erniedrigung der realen Sexualität – wie die irreale Frau vergöttlicht wird bei gleichzeitiger Erniedrigung der realen Frau. Erinnert sei hier an die kitschige Mutterverehrung (eine Art „Jungianisches Matriarchat“) der extrem patriarchalisch eingestellten Nationalsozialisten, wie Reich sie in der Massenpsychologie des Faschismus (Fischer TB, S. 70-73) darstellt:

Durch die patriarchale Sexualunterdrückung wird „die ursprüngliche biologische Bindung des Kindes an die Mutter und auch der Mutter an die Kinder zur unlösbaren sexuellen Fixierung“. Um diese Mutterbindung, dem Kern der Familienbindung, gruppieren sich dann, so Reich, die reaktionären Vorstellungen von Heimat und Nation. „Das nationalistische Empfinden ist demnach die direkte Fortsetzung der familiären Bindung und wurzelt wie diese zuletzt in der fixierten Mutterbindung.“

Als Beispiel zitiert Reich Aussagen von Goebbels wie die folgenden:

Die Heimat ist die Mutter Deines Lebens, vergiß das nie.<br>Mit dem Begriff „Mutter“ ist „Deutschsein“ ewig verbunden – kann uns etwas enger zusammenführen als der Gedanke gemeinsamer Mutterehrung?<br>Wenn jemand deiner Mutter mit der Peitsche mitten durchs Gesicht schlägt, sagst du dann auch: Danke schön! Er ist auch ein Mensch!? Das ist kein Mensch, das ist ein Unmensch! Wieviel Schlimmeres hat der Jude unserer Mutter Deutschland (von WR gesperrt) angetan und tut es heute noch an! Er (der Jude) hat unsere Rasse verdorben, unsere Kraft angefault, unsere Sitten unterhöhlt und unsere Kraft gebrochen (…) Der Jude ist der plastische Dämon des Verfalls (…) beginnt sein verbrecherisches Schächtwerk an den Völkern.

Das letzte Zitat kommentiert Reich folgendermaßen:

Man muß die Bedeutung der Vorstellung von der Kastration als der Strafe für sexuelles Begehren kennen, man muß den sexualpsychologischen Hintergrund der Ritualmordphantasien wie des Antisemitismus überhaupt erfassen und zudem das sexuelle Schuldgefühl und die sexuelle Angst des reaktionären Menschen richtig einschätzen, um beurteilen zu können, wie solche vom Schreiber unbewußt abgefaßten Sätze auf das unbewußte Gemütsleben der Leser einwirken. Hier liegt die psychologische Wurzel des Antisemitismus der Nationalsozialisten.

Es ist bezeichnend, daß der Antisemitismus in Hitlers österreich-ungarischer Heimat 1882 anläßlich eines Ritualmordprozesses den entscheidenden Aufschwung nahm. Der Jude Joseph Scharf wurde angeklagt, die 14jährige Esther Solymossy zu rituellen Zwecken ermordet zu haben. Es folgten pogromartige Ausschreitungen. In Dresden wurde daraufhin noch im gleichen Jahr der erste antisemitische Kongreß abgehalten. Über dem Rednerpult hing das Bild des Mädchens. Außerdem wurde die erste antisemitische Zeitung ins Leben gerufen, der Österreichische Volksfreund. Ritualmordanschuldigungen waren in Folge eines der Hauptthemen der 1890er Jahre. Von da an war es ein grader konsequenter Weg in die Gaskammern. 1943 führte Himmler vor SS-Schergen aus: „Wir hatten das moralische Recht, wir hatten die Pflicht gegenüber unserem Volk, dieses Volk, das uns umbringen wollte, umzubringen.“

Im Antisemitismus klingen gleichzeitig auch Elemente an, die gegen das „Mütterliche“, „Dunkle“ und „Chthonische“ gerichtet sind. Reich hat in seiner Massenpsychologie des Faschismus dargestellt, wie die Sexualität verteufelt und zusammen mit „niederen“ Bevölkerungsgruppen, den „Untermenschen“, in die Unterwelt verdrängt wird („Übermenschen gegen Untermenschen = Unterleibsmenschen, ebd., S. 304).

Am klarsten tritt uns dies im deutschen Faschismus entgegen, wo die „Herrenmoral“ des „nordischen“ (kalten) Menschen für das Lichte, Hehre, Himmelhafte, Asexuelle, Reine steht; während „der Jude“ triebhaft, dämonisch, geschlechtlich, ekstatisch, orgastisch ist – und in besonders kranken Phantasien bringt er sogar Menschenopfer dar. Wie Hitler es in Mein Kampf so schön plastisch ausdrückt: „Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blut schändet.“ „Der Jude“ ziehe die „nordische Rasse“ auf sein sexuelles Niveau hinab. Ausgerechnet „die Juden“ empfand man als sexuell haltlos. So schrieb Walter Schubart in seinem Buch Religion und Eros, das 1941 in München veröffentlicht wurde:

Dionysischer Art ist das biblische Gebot: „Seid fruchtbar und mehret euch“, anklingend an die den Naturreligionen eigene Vergottung des unermüdlichen gebärenden Muttertums. Im [apokryphen] Buch Henoch 10,17 freut sich der Apokalyptiker darauf, daß die Gerechten nach dem Gericht über die Gottlosen bis zu 1000 Kinder zeugen werden; man träumt davon, daß zur Zeit des Messias die Weiber täglich gebären. (…) Der Same ist heilig (Esra 9,2). Kinderreichtum gilt als Segen, Unfruchtbarkeit als göttliche Strafe (4 Makk 18,9; Henoch 96,5) (…) Die Vielweiberei ist gestattet (Dtn 21,15-17). Viele Kinder zu haben ist Pflicht, viele Frauen zu haben keine Schande. Salomo ergötzte sich an 700 Weibern und 300 Kebsen (1 Kön 11,3). Jungvermählte werden vom Heeresdienst befreit, um sich des Geschlechts zu erfreuen (Dtn 20,7 und 24,5). (…) Im ganzen läßt sich sagen, daß sich das vorchristliche Judentum einige Vorstellungen und Gepflogenheiten der Naturreligion bewahrt hat. Nur in der Gottesfrage gilt kraß und einseitig das männliche Prinzip. (z.n. Czech/Loth/Trzaskalik/Tworuschka: Judentum, Dieserweg/Kösel 1978, S. 66)

Die Generation der Nationalsozialisten entstammt einer Periode in der Entwicklung des westlichen Patriarchats, Mitte des 19. Jahrhunderts, als „die Einschätzung der Sexualität ihren absoluten Tiefpunkt erreichte“ (Herbert Haag und Katharina Elliger: Stört nicht die Liebe, Olten und Freiburg 1986, S. 46).

Von Anfang an konzentriert sich (…) die Behandlung sexueller Fragen auf das 6. Gebot. Während jedoch die ältesten Katechismen sich in der Formulierung an die biblische Überlieferung halten und eine sachgemäße, offene Sprache sprechen, verändert und verengt sich die Redeweise immer mehr, bis in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Geschlechtliche völlig tabuisiert wird. (ebd., S. 44)

Hier, aus diesem Pfuhl abgestandener Sexualenergie, aus dem stickigen Schoß der Kirche ist die buchstäblich braune Bewegung hervorgekrochen.

Die antisemitischen Tiraden der Nationalsozialisten gegen den Einbruch des „Triebhaften, Gestaltlosen, Dämonischen, Geschlechtlichen, Ekstatischen, Chthonischen und der Mutterverehrung“ (vgl. Reichs Ausführungen in der Massenpsychologie über die Rolle von „Rassereinheit, Blutvergiftung und Mystizismus“ bei Alfred Rosenberg) sind keine Ausnahmeerscheinung in der Kulturentwicklung, sondern sozusagen die Speerspitze unserer gepanzerten „Kultur“. Es ist nichts spezifisch Deutsches, wie es manche Rassisten gerne hinstellen.

Reichs Fetischisierung der Genitalität

3. Dezember 2022

Man übertrage das auf die Genitalität, die Gesundheit, wie sie von Reich, Ola Rakner und Elsworth F. Baker beschrieben wurde! Nur noch die ultrakranke Neurose ist akzeptabel! Leidbilder der Gesundheit sind des kapitalistischen, faschistischen, patriarchialischen, nationalistischen und rassistischen Teufels:

Ein Diplom-Psychologe schrieb im Juli 1979 in Warum! in einem Artikel über „Sexuelle Befreiung. Anleitungen, Spiele, Übungen“ über seine Lektüre in Sachen Sexualität:

Einige Bücher und Theorien haben mich sogar daran gehindert, freier zu werden. So beispielsweise die Beschreibung des idealen und gesunden Orgasmus nach Wilhelm Reich, wie ihn ein Mensch erlebt, der sich durch Therapie von seinen Muskelspannungen und psychischen Blockaden befreit hat. Nicht etwa, daß Wilhelm Reich nicht recht hätte. Wahrscheinlich wußte er wirklich, wovon er sprach. (…) So habe ich, wie viele Freunde und Bekannte von mir, im Schweiße meines Angesichts bioenergetische Übungen getrieben, um endlich den „totalen“ Orgasmus zu erleben. Ich will damit nicht sagen, daß solche Übungen nicht hilfreich sind – aber ich sehe die Gefahr, irgendeinem Idealbild von Sexualität nachzulaufen und darüber die Akzeptierung und Gestaltung der individuellen Sexualität, wie sie sich in einem selbst im Moment darstellt, zu vernachlässigen.

Seit Ende der 1960er Jahre, imgrunde seit Mitte der 1920er Jahre, ist eines der Hauptargumente gegen Reich, dieser mache aus der Genitalität einen „Fetisch“ und falle hinter Freuds aufklärerische Tat zurück. Freud habe gezeigt, daß die Genitalität nichts Ursprüngliches sei, sondern auf die Prägenitalität zurückgehe.

Charakteristischerweise verharren diese Argumente stets im inhaltsleeren Jargon. Soweit ich es überblicken kann, werden die Kritiker nie konkret. Wovon, um alles in der Welt, reden diese Herrschaften eigentlich?!

Man kann sich kaum intensiver mit Prägenitalität beschäftigen als Reich und seine Schüler! Elsworth Baker ist sogar so weit gegangen, eine bisher unbekannte „okulare“ Stufe noch vor der oralen Stufe zu postulieren. Die gesamte Charakteranalyse Reichs beruht geradezu auf dem Konzept der Prägenitalität!

Geht es den Kritikern vielleicht gar nicht so sehr um die psychotherapeutische Theorie und Praxis, sondern vielmehr um den Geschlechtsakt selbst? Stellen sich die Kritiker vor, es wäre im Sinne Reichs die geschlechtliche Erregung auf die Genitalien zu beschränken? Das wäre schlichtweg die Negation dessen, was sich Reich unter „Genitalität“ (orgastischer Potenz) vorgestellt hat! Oder glauben die Kritiker allen Ernstes, daß Reich die Ansicht vertreten habe, Küssen (Oralität) und Geruchserotik (Analität) dürften libidinös nicht besetzt sein und man es grundsätzlich nur im Finsteren in der Missionarsstellung machen dürfe, wenn man „genital“ sein wolle?

Oder geht es diesen Kritikern um die Verteidigung von Perversionen wie Sadomaso, Homosexualität und, – vielmehr fällt einem auch kaum spontan ein, ähh, – die lebenslange Beschränkung auf „Oralsex“? Was gäbe es da zu verteidigen, denn es ist allzu offensichtlich, daß es eine genuin „prägenitale Sexualität“ gar nicht gibt! Sadomaso ist nichts anderes als die Karikatur von genitaler Betätigung. Homosexuelle Paare tun nichts anderes als heterosexuelle Beziehungen nachzuspielen. Und alle Spielarten, die sich ein pornographischer Geist mit einiger Mühe auszudenken vermag, schöpfen ihre Energie ausschließlich aus der Genitalität.

Das Gerede von „Reichs Fetischisierung der Genitalität“ trägt nicht. Es ist eine sinnleere Folge von Lauten. Und es zeugt von der ganzen Irrationalität der Massen, die letztendlich auf deren Genitalangst zurückgeht, daß dieser Unsinn überhaupt in Erwägung gezogen wurde!

Manchmal drücken sich die Kritiker des Reichschen Fetischismus auch etwas verdeckter aus. Dann ist davon die Rede, Reich habe eine „idealistische Pseudonatur“ postuliert. Diese Kritik mag zwar hochintellektuell klingen, ist in Wirklichkeit aber dermaßen dumm… Ich meine, wer idealisiert hier eigentlich die Sexualität? Alle anderen Körperfunktionen haben einen ziemlich schmalen Bereich, in dem man von „gesundem Funktionieren“ sprechen würde. Das reicht von den unterschiedlichsten Reflexen bis zur Art des Gehens. Kann mir jemand erklären, warum es ausgerechnet im Bereich der Sexualität keine Pathologie geben soll?!

Und man komme mir nicht mit der welterschütternden Erkenntnis, daß die menschliche Sexualität nicht auf Biologie reduzierbar sei! Genau das ist nämlich das zentrale Argument Reichs und seiner Schüler. Genauso, wie sich bei ihnen alles um die Prägenitalität dreht, ist bei ihnen auch die Beeinflussung der schier unendlich formbaren Sexualität durch die Gesellschaft das alles überragende Thema.

Es ist vollständig sinnlos hier weiterargumentieren zu wollen, schlichtweg weil die psychophysiologische Forschung eindeutig zeigt, was gesunde und was ungesunde Sexualität ist.

Die orgonomische Soziologie, Teil 2: Zwischen Fassade und bioenergetischem Kern

11. November 2022

Angefangen bei der Psychologie drang Reich ab 1919 immer tiefer in die Struktur des Menschen ein. Wobei man die „Tiefen“-Psychologie und das psychoanalytische Gerede von der „Libido“ nicht allzu ernstnehmen sollte. Alles bewegte sich noch im Bereich bloßer Worte, der menschlichen Vorstellungen, und war entsprechend von kulturellen Prägungen bestimmt. Zwar kann man „Psychologie“ mit „Wissenschaft von der Lebenskraft (psyche)“ übersetzen, doch diese „Lebenskraft“ ist nicht wirklich greifbar; es ist trotz aller „biologischen“ Rhetorik doch alles nur Fassade und Oberfläche.

Reich überwand dies, als er Freuds „Unbewußtes“ (also weite Bereiche des Über-Ich, Ich und Es) als gesellschaftlich bedingt entlarvte. Aus der Psychoanalyse entwickelte auf diese Weise die Charakteranalyse und, da so die Biologie zugänglich wurde, daraus schließlich die charakteranalytische Vegetotherapie, d.h. unmittelbarer Umgang mit der tatsächlichen Lebenskraft. Dieser Zugang zur Biologie bot ausschließlich die Soziologie (von socius, der Gefährte), die den Ursprung des „bösen Irrationalismus“, den Freud kurzschlußartig aus der (vermeintlichen) Biologie ableitete (ein schwaches, den Trieben wehrlos ausgesetztes Ich, der Todestrieb). Reich führte hingegen das Unbewußte auf gesellschaftliche Konflikte zurück, die als „sekundäre Schicht“ bzw. „mittlere Schicht“ verinnerlicht wurden. Wobei diese gesellschaftlichen Konflikte letztendlich natürlich auf die ödipalen Konflikte in der Kernfamilie zurückgehen.