Posts Tagged ‘sexueller Kindesmißbrauch’

Peter Töpfer (Teil 18)

8. Januar 2026

In Töpfers Tiefenwahrheit kulminiert das Thema infantile Sexualität und Juden im Kapitel über Freud und warum der seine „Verführungstheorie“ (die Neurotiker waren Opfer von sexuellen Übergriffen in ihrer Kindheit) durch den Ödipus-Komplex ersetzt hat (das Kind begehrt den gegengeschlechtlichen Elternteil). Töpfers These ist, daß Freud auf dem Weg zu einem „Radikalaufklärer“ war, das dann aber aufgegeben habe, weil er damit das Geheimnis des talmudischen Judentums offengelegt hätte, denn dort sei der infantile Kindesmißbrauch weitverbreitet. Oder so ähnlich… – ich konnte Töpfers Ausführungen kaum folgen, weil sie so abgedroschen sind. Mit seinem Freud-Bashing läuft er überall offene Türen ein, während ich, obwohl kein Therapeut, mit geradezu ermüdender Regelmäßigkeit wieder und wieder auf den Ödipus-Komplex gestoßen bin. Man muß blind sein oder mit der Materie nicht in Berührung kommen, um das übersehen zu können. Im übrigen war es Reich, der unter allen Psychoanalytikern sich wohl noch am meisten mit sexuellem Kindesmißbrauch (im Zusammenhang mit seiner Untersuchung des triebhaften Charakters) beschäftigt hat. Aber er ist nie auf den Gedanken verfallen, deshalb die Libidotheorie in Frage zu stellen.

Irgendwann ist mal Schluß. Ich zitiere Töpfer:

Bei weitem nicht so schlimm wie bei Freud, aber dennoch ähnlich verwunderlich ist der „überspitzte jüdische Intellektualismus“,* die Abgehobenheit in reine Theorie noch bei Freuds Schüler Reich in den 1950 Jahren, wobei sich Reich in feinster rabulistischer Art gerade als besonders bodenständig-realistisch geriert: „Das Wort ‚Katze‘ und das besondere orgononotische Plasmasystem, das sich da bewegt, haben in Wirklichkeit nichts miteinander zu tun. Es sind bloß, wie die vielen verschiedenen Bezeichnungen für das Phänomen ‚Katze‘ bezeugen, lockere, beliebig auswechselbare Begriffe, die an reale Erscheinungen, Bewegungen, Emotionen etc. geknüpft werden. Diese Überlegungen klingen nach ‚hoher‘ oder ‚tiefer‘ Naturphilosophie. Der Laie ist der Naturphilosophie abgeneigt und wird daher dieses Buch beiseitelegen, weil es ‚nicht auf dem harten Boden der Realität steht‘.“ – Das klingt nicht nur nach, das ist Naturphilosophie, und zwar von der nichtssagendsten Sorte, und jeder Normale („Laie“) ist dieser gegenüber „abgeneigt“. Daß Reich so etwas absolut Banales – daß das Wort nicht mit der Sache überein stimmt – von sich geben kann, zeugt von seiner Abgelöstheit und Ich-Schwäche. Wenn man eine Katze nicht als lebendiges Wesen fühlen kann, muß man auf solch höhere Gedanken kommen. (Tiefenwahrheit, S. 435)

* Joseph Goebbels, „Tag des Buches“, 10. Mai 1933: https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/268884/tag-des-bu ches-erinnerung-an-die-ns-buecherverbrennungen-vor-85-jahren/

Reich war halt auch nur Jude! – OK, bleiben wir ernst:

Der Psychiater Harrison Pope hat seit Jahrzehnten in Zweifel gezogen, ob man sexuellen Kindesmißbrauch überhaupt verdrängen kann. Alles deutet darauf hin, daß das schlichtweg Unsinn ist, was Freuds ursprüngliche „Verführungstheorie“ die Grundlage entzieht. Erst recht aber natürlich die daran anschließende Theorie von der Verdrängung infantiler sexueller Strebungen. Seit vielen Jahren wird Freud und die Psychoanalyse auf diese Weise grundlegend in Frage gestellt.

Ein von Harrison Pope zusammengestelltes Forschungsteam aus Psychologen und Literaturwissenschaftlern hat vor der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert kein einziges Indiz dafür gefunden, daß es so etwas wie „ins Unbewußte abgeschobene Traumata“ gab. Dazu wurde sowohl die Fach- und Sachliteratur als auch Romane, Erzählungen und Gedichte untersucht. Tatsächlich findet sich eines der frühsten Beispiele erst 1859 in einem Roman von Charles Dickens. Das Verdrängen von Erinnerungen sei, so vermutet Pope, kein biologisch-neuropsychologischer Mechanismus, sondern ein Produkt der modernen westlichen Kultur.

Wie soll man dann Reichs Entdeckung erklären, daß mit Auflösung der Panzerung typischerweise (aber nicht notwendigerweise) verdrängte Erinnerungen ins Bewußtsein treten, die mit der Genese der Panzerung in Zusammenhang stehen?

Beispielsweise könnte man spekulieren, daß seit der Aufklärung des 18. Jahrhunderts die „gesellschaftliche Panzerung“ immer brüchiger wurde, was dann in den entsprechenden „revolutionären“ Theorien, beispielsweise jenen Freuds, zum Ausdruck gekommen ist. Diese These hat Reich ansatzweise bereits 1929 in seinem Aufsatz Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse formuliert. Die Gesellschaft war vor 1800 schlicht zu gepanzert, als daß der Verdrängungs-Mechanismus hätte erfaßt werden können.

Ohnehin ging es Reich primär um die Verdrängung im Zusammenhang von Gefühlen.

James Gross (Stanford University, California) und Jane Richards (University of Texas, Austin) zeigten anhand von 57 Freiwilligen, denen ein aufregender Film über eine OP vorgeführt wurde, daß sich diejenigen am besten erinnern, die während eines besonderen Erlebnisses mit ihren Gefühlen dabei sind und sie nicht unterdrücken.

Aus Sicht der Orgonomie kann man davon ausgehen, daß bei den „Gefühllosen“ die Bilder zurückkehren, wenn sich der Krampf löst, der die Gefühle zurückhält.

Doch wirklich überzeugend sind diese Argumente kaum. In einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung von 2007 hieß es beispielsweise:

Tatsächlich gibt es für die Theorie der Verdrängung keine stichhaltigen Belege. So müßte Freud zufolge das Ausmaß des Vergessens bei jenen Menschen besonders groß sein, die Schlimmes erlebt haben und deshalb gewillt sind, das Erlebte aus ihrem Gedächtnis zu tilgen. Das Gegenteil ist der Fall: Sogar jene Erwachsene, die in ihrer Kindheit sexuell mißbraucht wurden, können sich gedanklich nicht von den Inhalten lösen, die an das Trauma erinnern (Behaviour Research and Therapy, Bd. 44, S. 1129, 006). Das Problem ist nicht das Verdrängen, sondern das Nicht-Verdrängen-Können.

Aus eigener Erfahrung mit der Orgontherapie kann ich sagen, daß es gar nicht um die Erinnerung per se geht, sondern um Einsichten hinsichtlich der eigenen Entwicklung. Ob und an welche „Geschichten“ (angebliche „Erinnerungen“) diese sich festmachen, bzw. sozusagen „illustriert werden“, ist sekundär. Ob diese „Erinnerungen“ irgendeiner Realität entsprechen ist gleichgültig, solange mit ihrer Hilfe, die entscheidende therapeutisch wirksame Einsicht vermittelt wird.

Dies wird wohl auch die Grundlage der ja zweifellos vorhandenen Heilungserfolge durch das Freudsche „Bewußtmachen des Verdrängten“ sein. Es geht um die Veränderung stereotyper Sicht-, Denk- und Verhaltensweisen. Es geht um das Wegbrechen von okularer Panzerung durch Gespräche, die zu neuen „Einsichten“ führen. Die „Erinnerungen“, die dabei aus der „Verdrängung“ auftauchen, sind nur eine mehr oder weniger poetische Einkleidung der bioenergetischen Veränderungen im Körper. Sie ähneln darin den Träumen.

Das Tragische bei der ganzen Angelegenheit ist, daß durch den „Freudianischen“ Kult unzählige Leben kaputtgemacht worden sind. All die Familien, die zerstört wurden, weil sich jemand in der Therapie urplötzlich an sexuellen Mißbrauch „erinnert“ hat. Aufgrund dieses Schwachsinns sind vollkommen unschuldige Menschen für viele Jahre ins Gefängnis gewandert!

Es stimmt, daß in seiner Arbeit in der psychoanalytischen Ambulanz für die Armen Reich einer der ersten Psychoanalytiker war, der die Wahrhaftigkeit des sexuellen Kindesmißbrauchs bestätigte. Man siehe die beiden letzten Kapitel von Frühe Schriften und seinen Aufsatz „Eltern als Erzieher“ (Zeitschrift für Psychoanalytische Pädagogik, 1926 und 1927). Aber trotzdem hat er sich stets die Freudsche Vorstellung verteidigt, daß Kinder sexuelle Wesen sind, die an ihren Eltern sexuelles Interesse zeigen (solange man ihnen kein kindsgerechtes Sexualleben mit Gleichaltrigen ermöglicht). Und was angebliche Erinnerungen an sexuellen Mißbrauch betrifft, verweise auf Reichs Charakteranalyse, wo er sich vehement gegen die Ansicht wendet, der Therapeut ginge in die Zeit zurück, als ob unser Geist wie eine Diskette funktioniere, auf der etwas unveränderlich und abrufbereit gebrannt ist. Es ist alles Panzerung im Hier und Jetzt.

Wenn bestimmte Körperregionen entpanzert werden, scheint so etwas wie ein „plasmatisches Gedächtnis“ aktiviert zu werden. Erinnerungen an die Geburt oder gar das intrauterine Leben bedeuten nicht, daß es damals bereits ein „Ich“ gab, das sich nun erinnert (die besagte „Diskette“). Nicht mein „Ich“, sondern mein Selbst, d.h. mein Körper war dabei, als ich geboren wurde. Es ist naiv zu glauben, damals wäre etwas abgespeichert worden, was sich später wieder abrufen läßt. Erinnerungen sind, streng orgonomisch betrachtet, nur eine aktuelle Folgeerscheinung der Art, wie in der Vergangenheit sich die bioenergetische und physische Grundlage des aktuellen Ich formierte. Die Erinnerungen sind in der Muskelpanzerung eingeschlossen, weshalb es Sinn macht, wenn sich „ungepanzerte“ Schizophrene verhältnismäßig gut erinnern, diese Gabe aber verlorengeht, wenn sie sich im Verlauf der Therapie abpanzern.

Als Medizinstudent wurde Reich von Richard Semon (1959-1918) beeinflußt, nach dem Sinneseindrücke zu permanenten Veränderungen in den Nerven führen. Diese Engramme (Spuren) ermöglichen nach Semon die Assoziation und Erinnerung und sie gehen ins Erbgut ein. Alle Engramme zusammen bilden die Mneme, d.h. das biologische Gedächtnis. Später glaubte Reich im Anschluß an Freud, daß der „Wiederholungszwang“, Lust immer wieder erfahren zu wollen, „ein wesentliches Stück des Problems des Gedächtnisses ausmachen (dürfte)“ (Charakteranalyse, Fischer TB, S. 288). Schließlich, 1950, mußte er nach dem Gedächtnis gefragt jedoch kleinmütig einräumen: „Ich muß ehrlich zugeben, daß ich nichts darüber weiß“ („Processes of Integration in the Newborn and the Schizophrenic”, Orgonomic Functionalism, Vol. 6, 1996, S. 63).

Charles Konia geht davon aus, daß die Wahrnehmungsfunktion entsteht, wenn sich die organismische Orgonenergie vom kosmischen Orgonenergie-Ozean mittels einer Membran trennt. Die „Innenwelt“ nimmt Kontakt mit der „Außenwelt“ auf, wobei sich die Wahrnehmung (und die mit ihr verbundene Erregung) bionartig in subzellularen Gebilden organisiert, die Zentren „plasmatischer ‚Erinnerung’“ bilden. Das Protoplasma kann sich dann auf der einen Seite zu Genen organisieren (DNA), auf der anderen Seite zum Gehirn (Nervenzellen) („The Perceptual Function“, Journal of Orgonomy, 18(1), 1984, S. 80-98), primär ist jedoch das „plasmatische Gedächtnis“.

Peter Töpfer (Teil 17)

5. Januar 2026

Töpfer unterscheidet zwischen „präsexuellen“ und sexuellen Bedürfnissen. Die ersteren könnten zwar etwas „Lustvolles“ haben, aber nichts Geschlechtliches, Sexuelles (Tiefenwahrheit, S. 292-298). Nun, das ist identisch mit Freuds und Reichs Unterscheidung von prägenital und genital! Die sexuellen Perversionen von Erwachsenen kann man lückenlos auf deren prägenitale Sexualität zurückführen. Allein von daher ist die Leugnung einer kindlichen Sexualität widersinnig. Reich definiert „sexuell“ als „lustvolle Expansion“! Im übrigen ist es nicht Reich, der Kinder „sexualisiert“, sondern eine Gesellschaft, die milliardenfach Penisse von Kindern (teilweise schon von Säuglingen!) verstümmelt:

Die sexualverneinende Gesellschaft macht aus praktisch jedem kleinen Mädchen eine Hysterikerin, die schon vor der Pubertät mit x-Beinen und nach innen weisenden Füßen rumläuft, weil das Patriarchat in keinster Weise mit der Sexualität von weiblichen Kindern umgehen kann. Ich erinnere nur an das „berüchtigte“ „Beckenschlagen“ von jungen Mädchen! Was ist mit den unzähligen kleinen Jungs, die schlaflose Nächte haben, wenn sie voller Horror sehen, daß ihre Spielkameradin, die statt männlicher Genitalien eine Wunde hat , offensichtlich kastriert wurde? Nicht wir „Reichianer“ sind die Perversen, sondern die antisexuelle (antigenitale) Drecksgesellschaft, der der vermeintliche „Anarchist“ Töpfer derartig fanatisch verteidigt!

Es ist wie mit Töpfers lächerlichem „Agnostizismus“: sein Angriff auf den „Maschinenmenschen“, der von vegetativen Strömungen durchflossen wird, die sich entladen müssen, entstammt einer tiefsitzenden erzreaktionären Loyalität gegenüber der überkommenen durch und durch verkommenen gepanzerten Gesellschaft.

Daran schließen sich dann 150 Seiten über den pädosexuellen Juden Reich an, dessen ganze Sexualität „schmutzig“ war (S. 315):

Wir können dieses große Thema im Rahmen dieses Buches natürlich nicht erschöpfend behandeln. Hatten Freud und Reich eine Mitschuld an der Verbreitung dieser verbrecherischen Erscheinung in der 68er Bewegung („sexuelle Revolution“) und ganz besonders in der Post-68er Bewegung (Alternative Liste, Partei Die Grünen, bei denen es von Reichianern wimmelte)? Wenn ja, würde das Reichs Gegenwart in einem dem intakten Individuum gewidmeten Projekt LSR schwer in Frage stellen. (S. 299)

Immerhin hatten Freud und Reich erfolgreich die „Lustzonen“ zu sexuellen Zonen umdeklariert, also Nichtsexuelles sexualisiert. Das war ein erster Schritt in Richtung Pädokriminalität. (S. 300)

(…) so ist wohl Reichs Verbleib in der illustren Runde der Radikalen Aufklärer neben Stirner und La Mettrie allein aufgrund der Überschneidungen mit der normalen, wissenschaftlich unapologisierten Pädokriminalität kompromittiert. Es ist – zumal nach der definitiven Enttarnung Reichs als ich-feindlicher Mechanist und dessen Therapie als „ineffizient“ (Laska) – endgültig „an der Zeit“ (Laska), Reich durch Janov und LSR durch LSJ oder am besten gleich durch LST zu ersetzen. (S. 302)

Und wer genau hat Reich letztendlich durch Töpfer ersetzt? Bingo!

Inzwischen scheint Nasselstein aber auch bezüglich der „orthodoxen“, also der unmittelbar von Reich autorisierten Orgonomie desillusioniert zu sein. Er glaubt einerseits immer noch an das Gute in der Orgonomie: „Andererseits wachsen die eigenen Kinder der Orgonomen unter denkbar optimalen Bedingungen auf, doch“, so fährt Nasselstein andererseits fort, „immer wieder gibt es dort neurotische Wracks, Schizophrene, Perverse – und kein Mensch weiß, was passiert ist.“ Das schrieb Nasselstein am 1. August 2024 – da hatte er zwei Monate zuvor schon seine Rezension des ihn erschütternden Buches von Paki S. Wright geschrieben! Da „wußte“ er also schon längst, „was passiert ist“. (S. 306)

Nein, Nasselstein denkt nicht an sexuellen Kindesmißbrauch. Nicht alles Leid der Welt geht auf diesen einen Faktor zurück! Aber weiter in Text:

Man kann aber Nasselstein überhaupt nicht vorwerfen, die Augen vor diesen Verbrechen verschlossen zu haben. Einerseits ist das das mindeste und selbstverständlichste, aber andererseits rechne ich ihm als Orgonomen das trotzdem hoch an, weil ich weiß, was ihm die Orgonomie bedeutet. Aber hier hören der Spaß und die Bedenken wegen „Nestbeschmutzung“ allerspätestens wirklich auf. Das ist Nasselstein absolut klar; dafür will er sicherlich keinen Orden. Wofür ich ihn eigentlich lobe, ist, wie schonungslos und ausführlich er hier die Orgonomie im Grunde auseinandernimmt und zerstört. (S. 306)

Man sieht, daß ich Töpfer verwirrt habe: einerseits, andererseits. Alles geschenkt, aber wie er dann daraus eine Anklage ausgerechnet gegen LASKA schmiedet…

Bei Laska habe ich noch nie eine Andeutung darüber gelesen. Ist Laska das alles vollständig entgangen? Die Bücher von Paki S. Wright und Malcolm J. Brenner sind zwar erst 2002 bzw. 2015 veröffentlicht worden, doch bis zum 14.02.15 hat Laska noch an den 307 Webseiten des LSR-Projektes gearbeitet. Im Jahre 2002 ist immerhin noch etliches an Aktivität auf der Seite feststellbar, aber nichts wird davon erwähnt. Sollte Laska wirklich nichts von „The All Souls‘ Waiting Room“ mitbekommen haben? Oder war ihm – einem der am meisten an Reich Interessierten der Welt – dieses bedeutende Buch keinen kleinen Text wert? Laska hätte doch auch noch nach dem Februar 2015 zur Feder greifen müssen, um das andere Buch – das von Brenner – irgendwie zu erwähnen, so bedeutend für die Reich-Thematik ist auch dieses. (S. 306f)

Unvermittelt wird aus einem Fall Reich ein Fall Laska!

Doch unabhängig von diesen beiden Autoren muß Laska – nicht so ein vergleichsweise eher oberflächlicher Reich-Interessent wie ich – doch mal etwas zu Ohren gekommen sein. – Ist er nie entsprechenden Hinweisen nachgegangen? Selbst Gerüchte, wenn sie solch schwere Anschuldigungen vortrugen, sollte man doch als sonst so überaus akribischer Reich-Forscher ernst nehmen und prüfen – ganz zu schweigen davon, daß auch er – wie ich – darauf hätte kommen können, daß in einer „aktiven Unterstützung der Sexualität von Kindern“ nicht nur etwa eine riesige Gefahr lag, sondern bereits eindeutig kriminelles Handeln. (S. 307)

Der neumodische Whataboutism, d.h. jeder kann Laska alle möglichen Versäumnisse an den Kopf werfen – vom Leid der Palästinenser bis hin zum Klimanotstand, vom Leben nach dem Tode bis hin zur karnivoren Ernährung. Töpfer hat das LSR-Projekt schlichtweg nicht verstanden: an L und S und R war Laska so gut wie alles gleichgültig bis auf den einen Punkt, der sie jeweils zu Parias der Geistesgeschichte gemacht hat. Und was nun spezifisch Reich und den sexuellen Kindesmißbrauch anbelangt: Laska war hier nur an einem Text interessiert, Reichs Aufsatz „Eltern als Erzieher“ von 1926. Dort geht es um den neurotischen „Erziehungszwang“ der Eltern, gegen den Reich auf die „Enthaltsamkeit in der Erziehung“, d.h. äußerste Zurückhaltung bei den Erziehungsmaßnahmen setzt.

Bei Töpfers Anschuldigungen gegen Reich und die Orgonomie in Sachen Kindersex, für die ich, Peter Nasselstein, einzige Quelle bin, wird ständig Laska dazwischengeschoben.

Laska hat sich 1981 explizit in die Diskussion über die „infantile Sexualität“ eingemischt. Wenn jemand – in diesem Falle Hansjörg Hemminger (…) – die Frage „Sexualität beim Kind: ja oder nein?“ mit „nein“ beantwortet, wird er von Laska lächerlich gemacht – „Hemminger glaubt dies entweder selbst“ –, oder Hemmingers Leser werden zu Idioten gemacht: „oder er setzt auf die Unwissenheit seines akademischen Fachpublikums“. (S. 317)

Laska beruft sich auf den Biologen Max Hartmann, einem Zeitgenossen Reichs, für den die Sexualität ein allgemeines Naturphänomen darstellte, das nicht mit Fortpflanzung identisch war. Allein schon dadurch macht sich Laska mitschuldig:

Warum Laska die beiden Fragen – „infantile Sexualität“ und Sex Reproduktions-Verkoppelung – vermischt, haben wir schon durchschaut: Es ist der billige „Alle-Lebewesen-auch-vorpubertäre-Menschen“-Trick, mit dem er die „infantile Sexualität“, eine folgenreiche Spinnerei seiner Helden Freud und Reich, retten will. (S. 319)

Von S. 317 bis S. 344 wird Laskas Haltung zur infantilen Sexualität ausgewalzt, was in folgendem kulminiert:

Ich will nicht abstreiten, daß Reich Beiträge zur Selbststeuerung des Menschen (…) geleistet hat. – Das mit dem „Gesundheitskriterium“ gehört aber schon mal nicht dazu. Aber erst recht ganz und gar nicht gehört die These von der „Sexualität vorpubertärer Menschen“ dazu, weil sie nicht nur Schwachsinn ist – das allein wäre die harmlose Spinnerei eines Verrückten –, sondern weil sie kriminell ist und im Zuge der Umerziehung eine enorme Wirkmächtigkeit gehabt hat und hat. Das Ziel (die orgastische Potenz), fährt Laska in seiner quintessentiellen Einführung fort, sei, so R, durch „Prophylaxe“ zu erreichen. Das heißt nichts anderes als die ekelhafteste und verbrecherischste Propaganda, die tatsächlich heutzutage fanatisch bis in die Kindergärten hineingezwungen wird und schon längst keine bloße Propaganda mehr ist. Eine Beteiligung Laskas, wie aller Reichianer, daran kann und darf – bei allen guten Leistungen Laskas – nicht weggewischt werden. (S. 343f)

Kurioserweise sagt Töpfer „abschließend“, daß in der „Tiefenwahrheit“ natürlich jeder an die infantile Sexualität glauben dürfe: „Hier zählt nur jedermanns eigene Wahrheit“ (S. 344).

Peter Töpfer (Teil 10)

5. Dezember 2025

In Tiefenwahrheit geht Töpfer von Laskas Aussage aus, die sich im kognitiv-rationalen Bereich erschöpfende Alte Aufklärung, sei durch eine neue, im affektiv-emotionalen Bereich operierende und damit „praktisch“ werdende zu ersetzen. Laska meinte damit schlicht das grundsätzliche Infragestellen des irrationalen Über-Ichs und davon ausgehend das Verhindern, daß sich ein solches in zukünftigen Generationen ausbildet und diese zu den gleichen Gefühlskrüppeln macht, wie wir es sind. Töpfer hingegen meint das Auffüllen der „existentiellen Leere“ durch „Immanenz“ (nicht etwa Transzendenz in der Voraufklärung). Praktisch hätte Laska sozusagen zum den „Urschmerz“ verwindenden „Urschrei“, zur Existenz selbst, vordringen müssen. Laska selbst, als Person!

Töpfers zweiter Punkt kreist darum, daß, so Töpfer, die Sexualität erst mit der Pubertät anfängt, die Menschen aber schon vorher „enteignet“ wurden und zwar eben nicht durch sexuelle, sondern durch „existentielle“ Schuldgefühle bzw. noch früher durch körperliche Traumata. Das würde nicht nur durch die Freudsche/Reichsche/Laskasche These von der infantilen Sexualität verdrängt, sondern diese Traumatisierungen würden, durch den dadurch angeregten Pädosex, verstärkt, wenn nicht erst verursacht werden, womit Reich und Laska ihre eigenen Theorien, die Rede von der Neurosenprophylaxe und von den „Kindern der Zukunft“, ad absurdum führten. (Daß entgegen Töpfers Theorie im Normalfall weniger laute Traumata, sondern die stille Kontaktlosigkeit der Eltern bei der Panzerbildung eine Rolle spielt, sei nur nebenbei erwähnt.)

Da ich (Peter Nasselstein) Töpfers Quelle für diese Anschuldigungen bin, rennt er bei mir offene Türen ein. Ja, es sind im Umfeld Reichs unverzeihliche Dinge geschehen, Malinowski (und damit Reich) hat sich beim Alter der Trobriander geirrt, d.h. den Beginn sexueller Aktivitäten zu früh angesetzt und in unserer Gesellschaft ist „früher Sex“ fast immer die verzweifelte Suche nach körperlicher Nähe und Wärme, d.h. nach einem Ersatz für die schmerzlich vermißte frühkindliche mütterliche und väterliche Nähe. Womit sich der Kreis schließt, denn heute kann kaum ein Vater vollkommen entspannt die Windel seiner Tochter wechseln oder sie zärtlich umarmen. Das ganze Thema ist zum Verzweifeln. Daß es aber keine infantile Sexualität gibt… War Töpfer denn selbst nie Kind? Hat er in der Badeanstalt nie beobachtet, wie der Fünfjährige plötzlich wie Arnold Schwarzenegger daher stolziert, wenn die Blicke seiner Kameradinnen auf ihn fallen, während das fünfjährige Mädchen gegenüber unserem kleinen Rambo kokettiert und „weibliche Signale aussendet“? Hat er nie in der Ersten Klasse mit einer Spielkameradin konkrete „Heiratspläne“ geschmiedet? Ich habe IHR sogar den größten materiellen Schatz geschenkt, den ich je auf Erde besessen habe, eine exotisch-orientalische Keksdose bis oben mit Glassplittern gefüllt, die ich gefühlt „über die die Jahre“ auf dem Bahndamm aufgelesen hatte. Einem Spielkameraden hätte ich diesen unfaßbaren Reichtum in tausend Jahren nie gegeben. SIE brauchte mich nur anlächeln und ihr langes blondes Haar im Wind wehen lassen und ich war ein willenloser Haufen Wackelpudding.

Ich fühle mich mißbraucht. Ich bespreche Bücher, egal, ob das der Orgonomie nützt oder schadet, weil ich ausschließlich der objektiven Wahrheit verpflichtet bin. Töpfer benutzt das, um… Ich schicke Töpfer als freundliche Geste Material zu Bert Brecht aus dem LSR-Archiv zu, da ihn das als gelernten DDR-Bürger doch sicherlich interessiert. Er preßt es wie eine Zitrone aus und dichtet Laska aus hingeworfenen Brief-Stellen „Ich-Schwäche“ an. Töpfer:

Selbst bei der philosophischen Herangehensweise zur Eigner-Stärkung kommt es bei großer Ich-Schwäche zu Schwierigkeiten. Laska vorbildlich in der prinzipiellen Herangehensweise – doch (…) Laska selbst eigentlich nur bedingt als Aufklärer im Sinne einer Neuen Aufklärung gelten kann. Er hat zwar „Gott von der Weltbühne vertrieben“ (Erste Aufklärung), aber Laska „entlarvt“ sich tatsächlich selbst als „Naturerscheinung“ und anerkennt sich fast als solche. (…) Zumindest zweifelt Laska die „Phänomene“ als „auf sich als Selbstsüchtigen beziehend“ an. Es sind keine selbstigen, zu seinem Ich gehörigen, es sind nicht seine eigenen Phänomene. Er räumt ziemlich deutlich der Wissenschaft die Deutungshoheit über seine eigene Person ein: Er fragt nämlich, „ob das oft beschworene ‚Eigene‘ nicht sowieso nur – wie die ‚Gene‘ – eine einzigartige Mixtur aus ‚Fremden‘ ist.“ Der Zusammenhang, in dem Laska diese Frage stellt, ist der einer anderen Frage, nämlich der, „ob man überhaupt [etwas Bestimmtes] ‚will‘“. Was ist dieses Bestimmte? – Die Antwort darauf findet sich in diesem Satz Laskas: „Sie (sic! PN) werfen die Frage auf, wie man […] ‚das Fremde‘ aus sich wieder herausbekommt, um so nur ‚das Eigene‘ übrig zu behalten, ja, ob oder ggf. in welchem Maße man (bei sich) darüber verfügen kann.“ Es geht hier also präzise um die Frage, ob LSR – das ist in diesem Falle Laska selbst – tatsächlich überhaupt bereit ist, „im Affektiv emotionalen zu operieren“ (Zweite Aufklärung), sprich: sich praktisch einem Verfahren der „Selbstermächtigung“ (Laska) zu unterziehen, oder ob er nicht er selbst und mit ihm die Alte Aufklärung „in eine Sackgasse geraten“ sei. Aber wir diskutieren diese Frage und Laskas Ich-Schwäche nicht hier (…). (S. 52f)

Bevor ich auf diese Zusammenhänge im nächsten Teil genauer eingehe, muß und möchte ich bei dieser Gelegenheit etwas weiter ausholen:

Ganz im Sinne Stirners (und übrigens auch Nietzsches) ist das Ich des Egoisten nichts vom Himmel Gefallenes, nichts sozusagen überweltlich „Selbstisches“, sondern primär Fremdes (die Mutter-, Familien- und Stammesbindung), aus dem wir uns emanzipieren und zum Eigner werden. Von Biologie und Stammesgeschichte, will ich erst gar nicht anfangen. Töpfer hingegen scheint von einer Art „autonomen Seelenfunken“ auszugehen, der in dieser „fremden Welt“ gefangen wird und sich im „Urschrei“ aus dieser schmerzlichen Gefangenschaft wieder befreien muß: Gnosis, versponnen in der „inneren Wahrheit“!

Wie ist das nun mit dem Eigenen „aus orgonomischer Sicht“? Zunächst einmal ist es so, daß je fundamentaler wir die Natur betrachten, also auf Quantenebene, desto mehr verschwindet jedwede Individualität. Beispielsweise sind alle Elementarteilchen, etwa Elektronen, voneinander prinzipiell vollkommen ununterscheidbar. Wenn ich doch das eine Elektron vom anderen dadurch unterscheide, einfach indem ich es verorte, etwa in der Blasenkammer oder im Doppelspaltexperiment, geht die quasi „kollektivistische“ Quantenwelt in unsere „individualistische“ Alltagswelt über. Beim Doppelspaltversuch werden durch diese „Individualisierung“ aus Wellen, die sich überlagern und dergestalt Interferenzmuster erzeugen, ganz normale Partikel, so als handele es sich um Pistolenkugeln oder dergleichen. Nun ist es so, daß nicht nur durch Verortung, sondern prinzipiell keine zwei Pistolenkugeln, keine zwei Sandkörner oder andere beliebige Objekte der Makrosphäre identisch sind. Genauso ist es mit jedem Menschen ab dem Moment der Empfängnis. Der Unterschied ist, daß wir im Gegensatz zum Sandkorn empfinden können (wie auch jede Amöbe!) und schließlich darüber hinaus ein Bewußtsein unserer Individualität entwickeln (wir empfinden, daß wir empfinden). An diesem „Geistigen“, dem Bewußtsein bzw. dem Empfinden, machen Leute wie Töpfer das Individuum fest. Nun ist es aber so, daß dieses „Geistige“ selbst zum „Quantenbereich“ gehört, d.h. hier fällt das Individuelle weg. Das sieht man schon an der (notwendigerweise kollektivistischen) Sprache: es gibt keine zwei identischen konkreten Bäume, aber der abstrakte Begriff „Baum“ ist universell. Oder mit anderen Worten: es gibt keine „individuellen Seelenfunken“, vielmehr ist unser Innenleben gewissermaßen „kollektiv“. Wir sind zwar unverwechselbare Individuen und „eigen“, aber diese Eigenheit ist etwas in jeder Hinsicht Sekundäres, das nur durch den Kontakt mit der Außenwelt entsteht und durch diesen Kontakt aufrechterhalten wird. Wie das Elektron in der Doppelspaltanordnung, „muß ich gesehen werden“, um zum Individuum und zum Eigner meiner selbst werden zu können.

Das Kind kristallisiert sich wie ein Salzkorn aus dem Meer (Mutter-, Familien- und Sippenbindung). Man kann nur hoffen, daß dieses „Meer“ sich aus den richtigen Bestandteilen zusammensetzt und durch seine Bewegung, etwa sexuellen Mißbrauch, diese „Kristallisation“ nicht stört.

In der Tat, wir sind nur „Naturerscheinung“, tatsächlich nur „Sozialerscheinung“! Alles andere ist Kontaktlosigkeit und – Entfremdung! Ich weiß, daß viele Stirner auf Töpfers vollkommen abstruse, selbstwidersprüchliche, da entfremdende „existentielle“ Weise lesen (Depersonalisation, Derealisation), aber genau deshalb sind wir ja Laskaianer: uns interessiert einzig und allein die Herausarbeitung der Funktion des irrationalen Über-Ichs. Andere Stirnerianer können sich meinetwegen ins Knie ficken!

Ödipuskomplex gegen sexuelle Revolution

1. Oktober 2024

Die folgenden drei Kurzvideos wirken harmlos und sogar „lustig“. Es geht jeweils darum, daß zweijährige Mädchen davon sprechen, daß sie nun einen gleichaltrigen Freund, bzw. Liebsten haben und der Vater sich darüber lustig macht und ihnen sogar „spielerisch“ droht.

Wir haben hier den Kern der neurotischen Entwicklung vor uns, den Ödipuskomplex, d.h. die widernatürliche, abartige, perverse „sexuelle“ Fixierung des Mädchens auf den Vater (des Jungen auf die Mutter) bzw. das Hintertreiben einer gesunden Entwicklung, bei der sich eine derartige Fixierung nicht ausformen kann. Natürlicherweise wendet sich die Libido nämlich Gleichaltrigen zu, was aber systematisch hintertrieben wird. Es ist schlichtweg ungeheuerlich, was hier passiert. Solange man es zuläßt, daß sich der Ödipuskomplex ausbildet, sollte man, was sexuellen Kindesmißbrauch betrifft, einmal innehalten, denn er ist exakt das!

Um dem Wahnsinn die Krone aufzusetzen, dreht sich das Drama in der Pubertät um, denn wenn zu dieser Zeit der Vater gegenüber seiner Tochter körperliche Nähe und väterliche Zärtlichkeit zeigt, wird insbesondere von sogenannter verbiesterter „feministischer“ und woker Seite neuerdings das Gezeter laut, dies sei übergriffig, unangebracht und sogar „ekelhaft“: im Grunde sexueller Kindesmißbrauch.

Im folgenden Video wird das anhand eines aktuellen Beispiels thematisiert:

Beides, die traditionelle „ödipale Sexualfeindlichkeit“ der Konservativen, der den Ödipuskomplex hervorruft, als auch der moderne linke Puritanismus, der allenfalls prägenitales „trans“ und „gay“ und „queer“ ertragen kann, bei jedem Anzeichen von Genitalität und genuiner Lebensfreude aber ausrastet, haben ein gemeinsames Funktionsprinzip: die Angst vor der Lust, die zu Lustfeindlichkeit führt – zur Unterdrückung jedweder echter Glücksempfindungen (Emotionelle Pest)

Haben derartig junge Kinder schon sexuelle Empfindungen? Jein! Beispielsweise schenkte ich als vielleicht Fünfjähriger einem gleichaltrigen Mädchen aus der Nachbarschaft meinen unfaßbar wertvollen Schatz aus winzigen bunten Glassplittern, den ich im Laufe der Zeit mühevoll aus dem nahen Bahngleis gesammelt hatte und in der magisch wunderbaren metallenen Keksdose aufbewahrte. Das war mein Verlobungsgeschenk, die Heirat war anvisiert. Die dumme Nuß habe ich danach nie wiedergesehen, auch nicht die, die mir mit ihrem weiblichen Charme das Poesiealbum meiner großen Schwester abschwatzte. Ich wurde, gerade mal vielleicht fünf Jahre alt, das Opfer zweier gewissenloser Heiratsschwindelerinnen, die mich um ein vermögen betrogen haben! Daß die sexualfeindliche Gesellschaft derartige Gefühle zwischen Kleinkindern auf Erwachsene abdrängt bzw. umlenkt („Ödipuskomplex“), ist eine denkbar perverse Ungeheuerlichkeit. Daß Erwachsene sich überhaupt in solche Kinder-Affären zwischen Gleichaltrigen einmischen, ist eine nicht zu tolerierende Übergriffigkeit. Dazu gehören auch „Sexualkundeunterricht“ und das, was man zu Recht als Frühsexualisierung anprangert. Kindern wird die erwachsene Sexualität aufgedrängt, was nichts anderes als sexueller Kindesmißbrauch ist! DAS IST NICHT SEXUALPOSITIV, SONDERN DAS GEGENTEIL: DIE FORTFÜHRUNG DES ÖDIPUSKOMPLEXES.

Was das Verhältnis der Mutter zum Knaben betrifft, fällt immer wieder die laszive Neugier auf, die dem Geschlechtsorgan des Kindes gilt. Ständig wird darauf bezug genommen, werden Witze gerissen und später geradezu ein weiblicher Sport daraus gemacht, den Jungen beim Onanieren zu ertappen. Was für eine Gaudi… Alles unglaublich „witzig“… Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die TV-Kultserie Eine schrecklich nette Familie, wo die Bloßstellung des Intimlebens des Sohnes ein Running Gag war. Diese Übergriffigkeit ist Kindesmißbrauch der übelsten Sorte – und er ist ubiquitär.

Und um zum Verhältnis des Vaters zur Tochter zurückzukehren: Wenn die oben diskutierte väterliche zärtliche Zuwendung fehlt, fangen etwa 12jährige Mädchen, unter dem lebenslangen Banne des Ödipus-Komplexes stehend, damit an, sich auffällig sexuell provokant zu kleiden, um (natürlich alles unbewußt) männliche Aufmerksamkeit, d.h. letztendlich die Aufmerksamkeit des Vaters auf sich zu ziehen. Es ist grotesk und unbeschreiblich traurig, was sich in dieser Beziehung alltäglich auf Schulwegen abspielt.

Es ist alles so verkorkst, diese Gesellschaft ist im Kern so krank und ekelerregend PERVERS, weil Reichs Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral aktueller ist denn je, desgleichen Die sexuelle Revolution und Massenpsychologie des Faschismus, vor allem aber die Schriften, die man in Kinder der Zukunft findet. Leute, lest WILHELM REICH!!!

Paki S. Wright’s THE ALL SOULS‘ WAITING ROOM (Teil 1)

25. Juni 2024

The All Souls‘ Waiting Room : Wright, Paki S.: Amazon.de: Bücher

Dieser „Roman“ ist die extrem verfremdete Autobiographie der Tochter („Johnnine“) der zeitweisen Lebensgefährtin („Dinah Hapgood“) des Orgonomen Michael Silvert („Daniel Pahlser“) von Mitte der 1940er bis Anfang der 1960er Jahre. Dinah war eine Krankenschwester, eine unabhängige, resolute Frau, die dem Alkohol nicht abgeneigt war, Bars besuchte, dort Männerbekanntschaften machte und imgrunde kalt war. Jedenfalls fühlte sich Johnnine von ihrer alleinerziehenden Mutter „verängstigt, verraten, ungeliebt und ungeschützt“ – aber sie wuchs „sexuell frei“ auf…

Von Anfang an war die Orgonomie von schlichtweg „verrückten Leuten“ durchsetzt. Zunächst war da die zutiefst gestörte Hexe Felicia Saxe, die ich vor kurzem in einer anderen Buchbesprechung beschrieben habe. Im hier zu besprechenden Buch betritt zunächst der Orgontherapeut „Ernesto Febrillo“ das Horrorkabinett. Während der Orgontherapie von Johnnine zieht Dr. Febrillo unvermittelt einen kleinen Dildo (sic!) aus einer Tasche seines Kittels, fragt Johnnine, was das ist, und fordert die Vierjährige auf den Dildo kräftig zu beißen, um ihre Wut rauszulassen. Wer war „Ernesto Febrillo“? Trotz aller Verfremdung habe ich eine Idee angesichts der Erinnerungen eines weiteren der damaligen „Kinder der Zukunft“: Malcolm J. Brenner in seinem Buch Growing Up in the Orgone Box.

Es folgt der Auftritt von Daniel Pahlser, also Silvert: Nachdem er und Johnnines Mutter mitbekommen hatten, daß die kleine Johnnine und ihr kleiner katholischer Spielkamerad Brian am Strand Geschlechtsverkehr spielen wollten, Brian aber gar nicht wußte, was das ist, mußten sie zur sexualökonomischen Tat schreiten. Johnnine, 4 Jahre, kommt nach Hause und findet ihre Mutter weinend und völlig aufgelöst im Wohnzimmer vor. Das Kind solle ins Schlafzimmer gehen, wo ihr quasi Stiefvater (und Orgontherapeut ihrer Mutter) auf sie warte. Der nackte und halberigierte Silvert fordert das Mädchen auf sich auszuziehen und den Geschlechtsverkehr mit ihm auszuüben. Sie solle ihn streicheln, er kann mit seinem „riesigen Penis“ nicht in sie eindringen, Ejakulation.

Sie reagierte wie jedes kindliche Opfer derartiger sexueller Übergriffe reagiert: „Ich weiß noch, daß ich damals wußte, daß meine Mutter mich hassen mußte, daß sie mich bestrafen wollte. Die einzige Möglichkeit weiterzuleben, bestand darin, mein Herz zu versteinern, so zu tun, als wäre es mir egal, als wäre ich nicht in dem Zimmer mit [Silvert], als wäre ich in Wirklichkeit ganz woanders, eine Million Kilometer weit weg“ (S. 63).

Weil sie durch eine entscheidende Prüfung am College durchgefallen ist, verübt Johnnine mit 18 einen Selbstmordversuch, um den diese „Novelle“ kreist. In diesem Zusammenhang fällt eine Bemerkung, die mich zusätzlich innerlich aufgewühlt hat: „Du hast einen großen Teil deiner Seele aus deinem Körper verbannt, den Teil, der sich verängstigt, verraten, ungeliebt und ungeschützt fühlte. Selbstmord ist manchmal ein letzter Versuch, sich wieder mit den verbannten Teilen der Seele zu vereinen” (ebd.)

Es sollte erwähnt sein, daß die Autorin Reich bis heute keinerlei Vorwürfe macht! Meine Erachtens war Reich Opfer zweier Dynamiken: Erstens stand er vorbehaltlos für eine sexualpositive Einstellung, was schnell entgleiten kann. Beispielsweise bin ich vorbehaltlos für den privaten Waffenbesitz, da das unveräußerliche Recht auf Leben, Unversehrtheit und Eigentum das grundlegende Menschenrecht ist, wenn „Menschenrechte“ überhaupt irgendeinen Sinn haben sollen. Über die Gegenwahrheit zum privaten Waffenbesitz brauchen wir nicht zu diskutieren… Zweitens: nehmen wir das Beispiel der Hare Krishna-Sekte. Als deren stockbürgerlicher Begründer im fortgeschrittenen Alter und einem Leben mit Beruf und Ehefrau nach seinem Mönchsgelübte nach Amerika kam und von einem süßen kleinen kuhäugigen Jungen namens „Krishna“ schwärmte, konnte er sich nicht im Entferntesten ausmalen, daß er damit vor allem heimliche Homosexuelle und Päderasten anzog und daß der Horror, den Kinder später in dieser Sekte durchmachten, damit unausweichlich vorprogrammiert war. Ähnlich bei Reich. Wie soll man als einigermaßen gesunder Mensch die von Steig und Wright und anderen beschriebenen Abgründe und schiere IDIOTIE auch nur ansatzweise antizipieren! Es ist weit außerhalb jedes Horizonts!

ZUKUNFTSKINDER: 6. Das sexuelle Elend der Jugend, f. Die sexuelle Revolution

12. April 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

6. Das sexuelle Elend der Jugend, f. Die sexuelle Revolution

KINDER DER ZUKUNFT: Gesundheit und sexuelle Lebensfreude (Teil 3)

18. März 2018

Unter die gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen bei der Onanie nennt Reich „bei Mädels Onanie in der Scheide mit scharfen und spitzen Gegenständen (was sehr häufig vorkommt)“. Ausführlich beschrieben wird das in Der triebhafte Charakter (1925) und Die Funktion des Orgasmus (1927). Dazu folgender interessanter Kommentar:

Die Tatsache, daß Mädchen bei der Onanie spitze Gegenstände verwenden, weist in neueren Untersuchungen daraufhin, daß dies ein Indikator über sexuellen Mißbrauch innerhalb der Familie sein kann. Diese Möglichkeit läßt Reich völlig außer acht. (Christina Weber: Wie Reich die Frauen sah, Egelsbach 1995, S. 195)

Ich bin froh, daß die Herausgeber folgendes „eingekringelt“ und gestrichen haben:

Wir anerkennen nur ein moralisches Prinzip, welches lautet: Wir brauchen deine Kräfte für die großen Aufgaben, die wir alle leisten müssen, um die Befreiung des Menschen von jeder Art von Knechtschaft durchzusetzen; befreie dich daher, so gut du kannst, von der [unleserliche Korrektur für „bürgerlichen“] Moral und bring so gut du kannst, deine Sexualität in Ordnung.

Ab und an wird deutlich, daß Reich mit seinen Revisionen alter Manuskripte ein unheilvolles Durcheinander erzeugt hat bzw. verlieren seine Ausführungen unnötigerweise an logischer Kohärenz. Etwa hier:

Original 1932: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, ihrer Sexualordnung und der Art und Weise, in der sie die Geschlechtlichkeit der Jugend behandelt?“

Revision 1938: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der heutigen Sexualordnung, ihrer Sexualordnung und der Art und Weise, in der sie die Geschlechtlichkeit der Jugend behandelt?“ (sic!).

Übersetzung 1983 bzw. Rückübersetzung 2018: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der gegenwärtigen Sexualordnung und der Art und Weise, in der sie die Geschlechtlichkeit der Jugend behandelt?“ (Kinder der Zukunft, S. 188).

Oder mit anderen Worten: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der Sexualordnung und der – Sexualordnung.“

Äußerungen, wie die folgende sind heute vielleicht noch revolutionärer als damals:

(…) hätte die Jugend rechtzeitig die Wahrheit erfahren, daß die sexuelle Befriedigung nicht nur eine Bedürfnisbefriedigung, wie das Essen und das Aufs-Klosett-Gehen ist, sondern daß von der Art ihres Sexuallebens (…) ihre seelische Entwicklung, ihre Lebensfrische, Arbeitsfähigkeit und Kampfesfreude restlos bestimmt werden (…)

Das spätere Buch Christusmord wirft seine Schatten voraus. So wird aus „Gott“ der „rächende Gott“, der „rächende Gott der alten Juden“, wie es in einer von Reich oder den Herausgebern durchgekreuzten Passage heißt. „Gott“ wird also nicht per se abgelehnt. (Übrigens, dafür, daß die besagte Passage doch von Raphael und Higgins „durchkreuzt“ wurde, spricht, daß sie sowohl mit einem Haken = veröffentlichen und verwirrenderweise gleichzeitig mit einem Kringel = nicht veröffentlichen versehen wurde.)

Wie rudimentär Reichs Kenntnisse des organisierten Christentums waren, zeigt sich daran, daß er von der „Konfirmation“ in der Katholischen Kirche schreibt. In der deutschen (Rück-) Übersetzung wurde daraus stillschweigend korrekterweise „Firmung“ (Kinder der Zukunft, S. 191). In der amerikanischen Übersetzung „confirmation“.

„Zusammenprall mit der emotionalen Pest“, ein Kapitel von KINDER DER ZUKUNFT

1. Februar 2018

Zunächst einmal wieder die Probleme mit der Übersetzung, die auffälligerweise Reich immer wieder in einem Licht zeichnet, das eher an „Aleister Crowley“ gemahnt. Reich will Kinder aufwachsen lassen, wie Gott sie geschaffen hat, während der Übersetzer sie „als Gott“ aufwachsen läßt. In diesem Kapitel hat die Protagonistin „moralische Haltungen, die sie häufig einzuschränken versuchten, tapfer bekämpft“ (S. 79). Im Original ist jedoch von „moralistic mire“ die Rede. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen „moral“ und „moralistic“. Und wo ist überhaupt das „mire“ gebieben? Es geht um den „moralistischen Morast“, den auch jeder gläubige Christ bekämpfen wird, nicht um „moralische Haltungen“?

Das Kapitel setzt sich aus drei Teilen zusammen: eine kurze Beschreibung der in der Charakterstruktur der Menschen verankerten „emotionalen Pest“ (S. 73-76), welche Prinzipien die Menschen beherzigen sollten, die in der Orgonomie aktiv sind (S. 77) und schließlich eine Fallgeschichte, die zweite nach der Fallgeschichte „David“ (= Peter Reich), bzw. die Beschreibung einer entsprechenden abendlichen Zusammenkunft des Orgonomic Infant Research Center (OIRC), die Reich zum Anlaß nimmt, über seine Isolation und Verfolgung zu klagen.

Mit dieser Fallgeschichte habe ich mich bereits in meiner Besprechung von Christopher Turners Buch Adventures in the Orgasmatron (S. 49) beschäftigt: Der Modju Michael Silvert war Geliebter der Hebamme des OIRC, deren vierjährige Tochter Silvert in Behandlung nahm und die hier vorgestellt wird. Dieses Mädchen, Paki Wright (Jahrgang 1945) verfaßte über ihr Martyrium ein Buch (Wright 2002). Sie wurde kurz vor oder nach dem von Reich beschriebenen OIRC-Treffen, d.h. 1950, von Silvert sexuell mißbraucht. 1962 versuchte sich die 16jährige Paki das Leben zu nehmen – seelisch zerstört von der „Orgonomie“. Bei der Zusammenkunft waren die Orgonomen von Silverts sexuell extrem freizügiger Partnerin und ihren Beschreibungen, die diese Sitzung des OIRC ausfüllten, schlichtweg angeekelt. Reich interpretierte diese viszerale Ablehnung von Silverts Gespielin durch die anwesenden Orgonomen als „Emotionelle Pest“ und Modju Silvert konnte sich weiter bei Reich einschleimen…

Bezeichnenderweise sagt Reich wenig bis nichts über den eigentlichen Inhalt der Sitzung. Ihm fiel nur auf, daß das kleine Mädchen sich an die Mutter klammerte, kaum Kontakt zu ihr herzustellen war und sie sich weigerte sich zu entkleiden (S. 79). Er führte diese Weigerung zu kooperieren darauf zurück, daß die Atmosphäre im Raum eiskalt und feindselig gewesen sei (S. 84). Gut möglich, daß Modju Silvert ihm eingeflüstert hatte, daß sei darauf zurückzuführen, weil die anwesenden Orgonomen die kindliche Genitalität und die Freizügigkeit der Mutter nicht ertragen konnten! „Das Auditorium war vor der Direktheit der Mutter erschrocken“ (S. 84).

Das bedeutet natürlich nicht, daß die einzelnen Aussagen Reichs, so wie sie jetzt in diesem Kapitel dastehen, in irgendeiner Weise falsch wären. Es zeigt nur, daß Reich ab und an Opfer seiner eigenen eklatanten Fehleinschätzungen war.

Daß sich die Lektüre wirklich lohnt, zeigt etwa folgender bemerkenswerter Satz:

Meine erbittersten Feinde waren stets diejenigen gewesen, die von meinem Werk und dem, was es für die Menschheit beinhaltet, begeistert waren, die aber die Geduld, die Ausdauer, das Wissen oder den Geist nicht besaßen, es zu leben und weiterzutragen. (S. 83)

ZUKUNFTSKINDER: 1. „Rousseauismus“? b. Alice Miller und der sexuelle Kindesmißbrauch

25. Januar 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

1. „Rousseauismus“? b. Alice Miller und der sexuelle Kindesmißbrauch

Peters Lektüre von KINDER DER ZUKUNFT (Teil 3)

7. Januar 2018

Was mich wirklich geärgert hat, und das schon 1983 bei der amerikanischen Originalausgabe von Kinder der Zukunft, ist eine sehr fragwürdige Fußnote von Wilhelm Reich (sic!) zu dem Kapitel „Über kindliche Masturbation“ aus dem Jahre 1928. Dort heißt es im Zusammenhang mit der sexuellen Entwicklung von Mädchen: „Allerdings könnte es angebracht sein, die Aufmerksamkeit kleiner Mädchen auf ihre Vagina zu lenken.“ Was für ein Unsinn, der in der deutschen Ausgabe sogar noch verschärft wird, weil es hier, im Gegensatz zur amerikanischen Originalausgabe, wahrheitswidrig heißt, diese Fußnote stamme aus dem Jahre 1949!

Der Orgonomin (nicht „Orgonomistin“) Louisa Lance war 1984 diese Fußnote aufgestoßen, wobei sie sie kurioserweise doch tatsächlich den Herausgebern Higgins und Raphael zuschrieb, derartig abwegig kam ihr offensichtlich die Fußnote vor. Lance: „Wenn die biologische Entwicklung ohne Panzerung stattfindet, ist dies nicht notwendig, da die in die Genitalien investierte Energie die Vagina zu einem Bereich von natürlichem Interesse und Neugier macht“ (Louisa Lance: „Children of the Future“, Offshoots of Orgonomy, No. 8, Spring 1984). In der deutschen Ausgabe sieht es jetzt so aus, daß Reich diese Selbstverständlichkeit 1949 nicht gewußt hätte und Eltern (gar „Erzieher“!) aus dieser reifen Position heraus dazu auffordert, kleine Mädchen, die nur von irgendwelchen äußeren Hautfalten wissen, auf ihre Vagina als Lustquelle hinzuweisen. Wirklich in jeder Beziehung gruselig, insbesondere angesichts der heutigen übergriffigen „Sexualerziehung“, die durchweg nichts anderes ist als sexueller Kindesmißbrauch.

Nochmal: Wenn die biologische Entwicklung ohne Panzerung stattfindet, ist es nicht notwendig, die Aufmerksamkeit kleiner Mädchen auf ihre Vagina zu lenken, da die in die Genitalien investierte Energie von ganz allein die Vagina zu einem Bereich von natürlichem Interesse und Neugier macht. Wenn aber die Entwicklung mit Panzerung, also neurotisch verläuft, kann das Lenken der Aufmerksamkeit auf die Vagina, vom Mädchen nur auf verheerende Weise als übergriffig empfunden werden, d.h. die psychosexuelle Entwicklung nur noch zusätzlich stören. Wie soll sich denn bitte dieses Aufmerksam machen praktisch vollziehen? Und es würde ja wohl durch genau jene neurotischen Personen erfolgen, die durch ihre sexualablehnende Grundeinstellung die Panzerung beim Mädchen erst hervorgerufen haben. – Wie ich es auch wende: die betreffende Fußnote macht orgonomisch keinen Sinn! Wie kontaktlos kann man eigentlich sein?!

Kann mir irgendjemand erzählen, warum es unser verpeiltes Herausgeber-Pärchen nicht für nötig befand, darauf hinzuweisen, daß Reich selbst 1950 eine Übersetzung des betreffenden Artikels von 1928 im Orgone Energy Bulletin veröffentlicht hat?! („About Genital Self-satisfaction in Children (1927)“, Orgone Energy Bulletin, Vol. 2(2), April 1950, S. 63-67). Dort ist also explizit nicht von „Masturbation“ oder „Onanie“ die Rede, abwertende Begriffe, sondern von GENITALER SELBSTBEFRIEDIGUNG. Aber Reichs Expertise scheint ja irgendwie keine Rolle mehr zu spielen… Warum wurde Reichs Einleitung aus dem Jahre 1950 weggelassen, die diesen Aufsatz in den bio-historischen Kontext stellt? Weil dieses Vorwort unser Pärchen bei der Vorspiegelung eines Buches mit dem Titel „Kinder der Zukunft“ gestört hätte? Wie das Buch jetzt ist, stehen Reichs orgonomische Aussagen über die „Kinder der Zukunft“ auf der gleichen Ebene wie seine psychoanalytischen Texte, insbesondere jene fatale Fußnote.