Posts Tagged ‘Ödipus-Komplex’

Frank-Reich (Teil 1)

9. September 2026

1953 wurde ein Vortrag von Jean Mallet und eine Diskussion über Reich und den Todestrieb der Zeitschrift der Société Psychanalytique de Paris veröffentlicht: „L’évolution de W. Reich ou l’analyste et l’instinct de mort“ (Revue française de psychanalyse). Der Vortragende und ein Kommentator meinten, Reich habe später den Verstand verloren: „seine Abwehrkräfte seien zusammengebrochen“ bzw. er habe zu starke Abwehrkräfte gehabt. Aber es gab einen anständigen kurzen Kommentar von Marie Bonaparte, die damals Chefin der Société Psychanalytique de Paris war zusammen mit Sacha Nacht. Sie sagte nur, sie habe in Wien ausführliche Gespräche mit Reich geführt und daß er ihr von der Bedeutung des Orgasmus erzählt habe. Kein Urteil von Seiten Bonapartes, nur ein Bericht. Sie fügte eigene kritische Anmerkungen über den Todestrieb hinzu! Interessanterweise schrieb Freud ihr einmal, sie solle seiner Todestriebtheorie keine große Aufmerksamkeit schenken, sie sei nicht wichtig.

Von Interesse ist auch, daß in der gleichen Nummer der Zeitschrift Béla Grunberger einen Artikel über „Conflit oral et hystérie“ veröffentlichte. Jener Grunberger, der 1976 zusammen mit Janine Chasseguet-Smirguel das Buch Freud ou Reich. Psychanalyse et illusion (deutsch 1979) veröffentlichten sollte, das den wohl schärfsten (und selbstentlarvendsten) Angriff der Freudisten auf Reich darstellt. Die aberwitzigen Deutungen, die aus Freuds Psychoanalyse eine Karikatur ihrer selbst machen! Alles nur, um vom Wesentlichen abzulenken: der Bedeutung des Über-Ich.

Das Über-Ich ist, so Reich, „Vertreter der versagenden Person bzw. der Forderungen der Gesellschaft im Ich“ (Charakteranalyse, KiWi, S. 284). Es ist „ein fremder, der drängenden und drohenden Außenwelt entlehnter Bestandteil“ (S. 219). In diesem Sinne, d.h. weil beide eine Verarbeitung des Ödipus-Komplexes sind, ist, wie Elsworth F. Baker in Der Mensch in der Falle geschrieben hat, das Über-Ich funktionell identisch mit dem Panzer. Reich:

Dieser Charakter des Ichs baut sich aus Elementen der Außenwelt, aus Verboten, Triebeinschränkungen und Identifizierungen verschiedenster Art auf. Die inhaltlichen Elemente des charakterlichen Panzers sind also äußerer, gesellschaftlicher Herkunft. (ebd., S. 220)

Oder wie Reich in dem von Freud so sehr inkriminierten Aufsatz über den Masochismus schrieb: das Leiden kommt „aus der Außenwelt, aus der Gesellschaft“ (S. 289).

Freud konnte das nicht akzeptieren, schob Reichs damaligen „Kommunismus“ vor, um seine Ablehnung zu rechtfertigen, doch tatsächlich ging es Freud einzig darum, daß das Leiden von Innen kommt, durch den biologisch bedingten und unabwendbaren Ödipus-Komplex und durch den Todestrieb oder zumindest durch eine Triebstruktur, die dem friedlichen Zusammenleben und dem Glück des Menschen entgegenstehen. Beispielsweise sei das Über-Ich nichts anderes als vom Todestrieb gespeister Selbsthaß, während der Gegenspieler des Todestriebes, also der Eros (sic!), den antisozialen Narzißmus speise (siehe Freuds Das Ich und das Es). Das Leben, ein mörderischer Alptraum! Die beiden Psychoanalytiker Bela Grunberger und Janine Chasseguet-Smirgel bringen dieses psychoanalytische Lebensgefühl wie folgt zum Ausdruck: „Die Existenz eines natürlichen Sozialtriebs biologischer Natur erscheint uns äußerst hypothetisch“ (Freud oder Reich?, Frankfurt 1979, S. 181).

Man frägt sich unwillkürlich, in was für einer Welt solche Leute leben! Während der Aggressionstrieb, Feindschaft und Ambivalenz für sie den Kern der menschlichen Natur ausmachen, erscheint ihnen Freundschaft, Kameradschaft, Liebe als etwas dem Menschen zutiefst Fremdes und den Kindern Aufgezwungenes. Entsprechend steht die genitale Umarmung für Grunberger und Chasseguet-Smirgel auf der gleichen qualitativen Ebene wie eine Diarrhö, nur daß sie etwas komplexer ist:

Wir glauben in der Tat, daß der Orgasmus an sich noch keine besondere Bedeutung hat. Es handelt sich bei ihm um eine einfache Abfuhr von Spannungen, welche in Wirklichkeit nichts anderes ist als eine Entleerung (Alexander spricht von einer „Entwässerung“), selbst wenn die betreffenden Spannungen weitaus komplexerer Natur sind als die rein analen Spannungen. Wenn es infolgedessen beim Orgasmus vor allem darum geht, sich aus der Umklammerung des Feindes zu lösen [den Autoren zufolge ist der Paranoiker, also Reich, psychoanalytisch betrachtet, „im Rektum seines Verfolgers gefangen“, PN], so scheint es ein Fehler zu sein, ihm in der Genitaltheorie eine solch entscheidende Rolle zu übertragen, besonders dann, wenn diese Theorie von der Vollendung der psychosexuellen Entwicklung auf allen Ebenen [also nicht nur der analen, PN] handelt. (Grunberger und Chasseguet-Smirgel, ebd., S. 125f)

Was bei Reich die Funktion des Orgasmus ist, ist bei diesen Freudisten das Gehirn, in das sie sich flüchten. Freud:

Es ist unsere beste Zukunftshoffnung, daß der Intellekt – der wissenschaftliche Geist, die Vernunft – mit der Zeit die Diktatur im menschlichen Seelenleben erringen wird. (z.n. ebd., S. 146)

Wo Es war, soll Ich sein! Grunberger und Chasseguet-Smirgel fahren fort:

Auf diesem Hintergrund erscheint nun das Werk von Reich als Einbruch des Irrationalen in die Psychoanalyse und – in gewisser Hinsicht – in den Marxismus. Gleichzeitig ist es aber, gewiß unbewußt, ein Werk der Destruktion beider Systeme. (ebd.)

Was bei Grunberger und Chasseguet-Smirgel bleibt, ist Resignation, Zynismus, ein Leben ohne jede Freude und das Gefühl intellektueller Überlegenheit – was verdammt an das erinnert, was bisher stets am Ende der Marxistischen Theorie stand: eine tote, „wertlose“ Welt – und die Illusion, die Welt (den „Warenfetisch“) durchschaut zu haben. Das Motiv ist jeweils die tiefsitzende Lebensangst und der Lebenshaß des typischen „Intellektuellen“. Reich sprach von „intellektueller Abwehr“.

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Inzest”

16. Oktober 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Inzest“

Der Ödipus-Komplex und die Reichianer

8. März 2019

Elsworth F. Baker zufolge gibt es zwei Arten von Menschen: diejenigen, die frei sind vom Ödipus-Komplex, und diejenigen, deren gesamte Existenz von ihm geprägt ist. Zu den ersteren gehören jene, die die genitale (bzw. phallische) Phase nicht durchgemacht haben und die deshalb weitgehend lebensunfähig sind („orale Charaktere“), und jene, die unergründlicherweise die genitale Libidophase unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen unbeschadet durchstanden haben und entsprechend gesunde genitale Charaktere sind. Zur zweiten Gruppe gehören effektiv fast 100% der Bevölkerung! Entsprechend beherrscht der Ödipus-Komplex wirklich alles.

Nach Baker gibt es zwei Möglichkeiten, wie der Neurotiker den Ödipus-Komplex bewältigt: entweder tritt er in offene Konkurrenz zum Vater bzw. zur „Vater-Imago“ (das konservative Syndrom) oder er rebelliert gegen ihn auf subversive Weise (das liberale, „linke“ Syndrom). Diese beiden Bewältigungsformen des Ödipus-Komplexes bzw. deren Widerstreit bestimmt unser gesamtes politisches und gesellschaftliches Leben. Das zeigt sich besonders schön am „Reichianismus“ selbst.

Beispiel Amerika: dort besteht, wie zuvor in der Psychoanalyse und im Marxismus, ein Gutteil der „Reich-Anhänger“ aus „Juden“. Davon leidet wiederum ein Großteil unter dem „liberalen“ Bewältigungsmodus des Ödipus-Komplexes. Obwohl sie ganz offensichtlich nichts mit dem Judentum verbindet, kehren sie dieses plakativ nach außen, weil sie, fast durchweg der Oberschicht entstammend oder zumindest aktuell dazugehörend, sich in der Rolle des „Opfers“ gefallen – des Opfers im ödipalen Drama, das gegen den Vater rebelliert. Entsprechend ist die „Israel-Kritik“ ihr großes Thema. Ganz offen betreiben sie Boykotthetze gegen Israel, solidarisieren sich mit den „Palästinensern“ (fast durchweg Hitler-Verehrer!) und stellen Israel als DIE Bedrohung des Weltfriedens hin. Unter keinen Umständen wollen sie angesichts des so „unjüdischen“ Judenstaates Israel ihres Opferstatus verlustig werden und vor allem leben sie die Rebellion gegen das Vater-Imago aus.

Das zeigt sich auch in ihrer Haltung zu Amerika: auf der einen Seite können sie sich gar nicht wieder einkriegen in ihrem Haß gegen Trump, weil der (warum auch immer) den amerikanischen Traum und die amerikanische Demokratie zerstöre – und auf der anderen Seite delegitimieren sie die Vereinigten Staaten erbarmungslos. Der aufgeblasene Militärhaushalt, die Erinnerung an Vietnam, die Sklaverei, die Indianerkriege, etc.pp. Selbst die Gründung der USA sei eine einzige Lüge, da die Engländer die Steuern nur erhoben, weil sie bei der Verteidigung der Kolonisten gegen die Franzosen und deren indianische Verbündete sich finanziell verausgabt haben und im Westen aufwendige Militärposten ausrechterhalten mußten, um die Indianer vor den nach Westen drängenden weißen Siedlern zu schützen. Sie lassen kein gutes Haar an ihrem eigenen Land. Das nennt man Subversion! IN IHREN AUGEN WÄRE ES BESSER, WENN ES DIE USA GAR NICHT GEBEN WÜRDE. Das gleiche gilt für Israel, das sie offensichtlich ausradiert sehen wollen. Der Ödipus-Komplex ist derartig wirksam, daß sie selbst einen zweiten Holocaust freudig beklatschen würden!

Diese Geistesart prägt weltweit (wenn natürlich auch jeweils unter anderen Vorzeichen!) den gesamten „Reichianismus“, dem so gut wie ausschließlich Linke angehören. Man vertue sich nicht: diese Leute werden erst Ruhe geben, wenn das Erbe Reichs endgültig vernichtet und die Orgonomie endgültig zerstört ist. Man mache doch bitte mal die Augen auf! Diese linken Charaktere haben es geschafft ein Land wie Schweden, ein Paradies auf Erden ohne wirklich tiefgehende Probleme, in eine veritable Hölle zu verwandeln und dem sicheren Untergang auszuliefern. DEN GESAMTEN WESTEN HABEN SIE ZERSTÖRT. Und genau das gleiche machen sie mit der Orgonomie in ihrer nunmehr viele Jahrzehnte andauernden Verschwörung gegen Wilhelm Reich und das American College of Orgonomy. Belege finden sich u.a. in meinen „Besprechungen Reichianischer Bücher“ hier, hier und hier.

Der verdrängte Christus: 9. Christus in der Geschichte

11. Juni 2018

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

9. Christus in der Geschichte

ZUKUNFTSKINDER: 1. „Rousseauismus“? b. Alice Miller und der sexuelle Kindesmißbrauch

25. Januar 2018

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ZUKUNFTSKINDER:

1. „Rousseauismus“? b. Alice Miller und der sexuelle Kindesmißbrauch