Posts Tagged ‘Religion’

Der NACHRICHTENBRIEF: Eine Einordnung (Teil 2)

24. März 2026

Es gibt zwei Arten von „Orgonomie“, die kaum etwas mit Reichs Orgonomie zu tun haben. Die erste macht aus Reichs Beiträgen eine in sich geschlossene „Weltanschauung“, die zweite benutzt Reichs Lebenswerk als eine Art Steinbruch, wo man nach Belieben (d.h. nach den eigenen ideologischen Vorlieben) mal das und mal jenes herausklauben kann.

Dem aufmerksamen Leser dieses Blogs wird aufgefallen sein, daß die einzelnen Beiträge untereinander nicht immer harmonieren und ab und an „Widersprüche“ auftreten. Dazu ist zu sagen, daß der Student der Orgonomie die Welt immer wieder von neuem und möglichst unvoreingenommen betrachtet. Er hat keine in sich geschlossene „Weltanschauung“, d.h. er hat kein Brett vor dem Kopf. Er ist offen für alles und im guten und echten Sinne liberal.

Man nehme etwa die drei Grundtabus, auf denen die gepanzerte Gesellschaft aufgebaut ist: Sexualität, Politik und Religion. In der gegenwärtigen anti-autoritären Gesellschaft ist es nur allzu verständlich, wenn der Student der Orgonomie dem Uneingeweihten als „puritanisch“, „konservativ“ und sogar als „christlich“ erscheinen mag. Wenn sich die Umstände geändert haben, könnten wir uns durchaus im entgegengesetzten Lager wiederfinden. Außerdem entwickelt sich die Orgonomie im allgemeinen und die orgonomische Soziologie im besonderen beständig fort.

Das Mißverständnis, daß es sich bei der Orgonomie um eine „in sich geschlossene Weltanschauung“ handelt, entsteht auch dadurch, daß es etwa undenkbar ist, daß sich ein Cloudbuster-Operateur (Meteorologie, Ingenieurwesen) nicht mit Reichs sexualökonomischen Theorien auseinandersetzt (Medizin, Psychologie, Soziologie) und sich nicht fortwährend in orgontherapeutischer Behandlung befindet. Wie überall in der Wissenschaft geht es darum, die Instrumente und Geräte intakt zu halten. In der Orgonomie ist das wichtigste Instrument der menschliche Geist und Körper sowie das soziale Gefüge zwischen den Arbeitenden (Arbeitsdemokratie).

Ab und an hatte ich wirklich genug von der Orgonomie. Es waren „WTF“-Momente. Da war beispielsweise der Augenblick, als ich über die Rolle des Augenkontakts bei Menschenaffen sprach, die ihn als extrem aggressiven Akt wahrnehmen. Mein „orgonomisches“ Gegenüber reagierte heftigst: das müßten die Verhaltensforscher falsch interpretiert haben! – Es paßt nicht zur „orgonomischen“ Weltanschauung, in der beispielsweise der „tiefe Augenkontakt“ eine wesentliche Rolle spielt. Bei solchen Reaktionen denke ich mir dann: „Scheiße! In was für eine Sekte grenzdebiler Irrer bin ich hier bloß reingeraten?“ Andere Beispiele sind irrationale Reaktionen auf meine faktisch begründeten Zweifel über Giordano Bruno oder die Hexenverfolgung oder die offensichtliche Beobachtung daß es, oh Schreck, Rassenunterschiede gibt.

Ähnlich die Reaktion, als ich erwähnte, daß Malinowski seinem posthum veröffentlichten Tagebuch zufolge Probleme mit dem Rassismus der Trobriander hatte, die einen Horror vor Körpergerüchen haben und jedes Körperhaar entfernen. Und dann kommt da so ein übelst vor sich hin müffelnder (generell ist Kleidung, diese Segnung des weißen Mannes, in den Tropen unhygienisch!), ständig schwitzender, blasser und wie ein Halbaffe über und über behaarter Untermensch (ein Mitteleuropäer) wie Malinowski daher! Malinowski hat sich gerächt, indem er von „Niggern“ und, was die jungen Trobrianderinnen betraf, „Huren“ sprach. Aber erwähne das mal gegenüber einem ganz in der „orgonomischen“ Weltanschauung aufgehenden Sektierer, für den Malinowski ein orgonomischer Heiliger ist! „Blödsinn!“ Da müßte ich was mißverstanden haben, blablabla.

Für diese Leute scheint es keine objektive Wirklichkeit zu geben. Alles wird mit einer vermeintlich „orgonomischen“ Brille gesehen, ohne daß sie sich bewußt sind, daß sie eine Brille tragen. Diese Brille ist fast durchgehend rosa gefärbt: Friede, Freude, Eierkuchen.

Reich ist nicht ganz unschuldig für das Aufkommen dieser Weltanschauung, mußte er sich doch zeitlebens mit Leuten auseinandersetzen, für die der Mensch ein „sadomasochistisches Tier“ war, die Welt ein von wachsender Entropie und dem „Todestrieb“ bestimmtes Jammertal; dauerhaftes Glück sei Illusion, der Stoizismus die angemessene Geistesverfassung. Noch heute sind die arroganten Hackfressen der Reich-Hasser von diesem Gedankengut durchfurcht.

Tatsächlich hat sich die Gesellschaft aber mittlerweile grundlegend geändert. Aus der autoritären Gesellschaft wurde die anti-autoritäre Gesellschaft und an die Stelle von Sigmund Freud ist Erich Fromm getreten. Zwar spreizen sich in pseudo-intellektuellen Schmierantenblättern noch immer die Zyniker, aber der Gutmensch dominiert zusehends die Szenerie. Er hat sich sogar seinen eigenen Reich-Film gedreht: ein weicher, verletzlicher, durch und durch anti-autoritärer Reich, der nahe am Wasser gebaut hat. Aussagen Reichs, die nicht in diese Weltanschauung passen, hat Reich, dieses Weichei, dann halt aus Angst vor „McCarthy“ getätigt!

Ähnlich sieht es im Bereich der Orgonbiophysik aus. Da haben wir ein perfektes Weltsystem vor uns: der Raum ist mit einer Art Sauce (dem Orgon) gefüllt, das durch das Universum, die Atmosphäre und den menschlichen Körper fließt, wie es die „alten Weisheiten“ der Völker und verschiedene moderne Esoteriker lehren. Mein Protest, daß man die Orgonenergie nicht einfach mit dem Äther, dem Od, dem Chi und all den anderen „feinstofflichen“ Essenzen gleichsetzen kann, wird jeweils verächtlich vom Tisch gewischt. Reichs Orgon wird mit den verzerrten Wahrnehmungen von gepanzerten Menschen gleichgesetzt!

Reich war ein Wissenschaftler, kein Begründer von etwas, was die Welt nun wirklich als allerletztes braucht: eine neue Weltanschauung. Tatsächlich ist diese vermeintlich „orgonomische“ Weltanschauung derartig beschränkt, klaustrophobisch und offensichtlich falsch und schlichtweg peinlich, daß man den Kritikern der Orgonomie manchmal nur aus vollem Herzen rechtgeben kann. Tatsächlich entspricht diese „orgonomische“ Weltanschauung dem Weltbild des kleinen Mannes, der nicht etwa nach Erkenntnis sucht, sondern nach Halt und Orientierung in dieser Welt.

downwithhim

Orgonomische Politik? (Teil 1)

2. März 2026

Ich kann es nicht lassen, die Facebook-Beiträge von Amerikanern, die außerhalb des American College of Orgonomy (ACO) stehen, über mich ergehen zu lassen. James DeMeo ist (bzw. ntürlich war) die einzige Ausnahme, der Rest ist einheitlich für Hillary, Obama, Bernie Sanders, den sogenannten „demokratischen Sozialismus“ und die Grüne Agenda. Das rechtfertigen sie mit ihrem Kampf gegen den „Faschismus“, den Trump angeblich verkörpert, vor allem aber „sexualökonomisch“, d.h. mit Themen wie Frauenrechte, Empfängnisverhütung und Abtreibung, Schwulenrechte, Mutterschutz, etc. Hinzu kommt der „Klimaschutz“ und allgemein der Schutz der Umwelt.

Diese Argumente zielen ins Leere, denn „rechte“ Orgonomen wie Baker, Mathews und Konia haben sich ausdrücklich und radikal von Konservativen distanziert, wenn es um die Bereiche Sexualität, Religion und Umweltschutz geht. Aber warum dann doch realiter immer konservative Politiker unterstützen? Weil es getreu des Reichschen Diktums darum geht Politik selbst als Krankheit zu sehen, d.h. Politik an und für sich in Frage zu stellen.

Von jeher haben Konservative Politik stets auf ihren rationalen Kern beschränken wollen, d.h. schlicht auf die „Staatskunst“: Sicherung der Grenzen, der Infrastruktur und das ständige Bemühen, die Gewaltenteilung aufrechtzuerhalten. Linke hingegen wollten stets weit mehr als reine Staatskunst, nämlich stets „Gesellschaftspolitik“, d.h. ideologische Gleichschaltung durch den Staat (etwa den „Kampf gegen Rechts“), die Sozialstaatsidee, etc. Mit anderen Worten die Durchdringung der gesamten Gesellschaft mit der Emotionellen Pest, die mit staatlicher Gewalt ihre Ziele durchsetzt. Plötzlich werden die Grenzen geöffnet, die Staatskassen für arbeitsscheues Gesindel geplündert, deine Kinder lernen in der Schule alles über „Analverkehr“ und du selbst stehst mit einem Bein im Gefängnis, wenn du eine Meinung kundtust, die vor wenigen Jahren noch Mainstream war. Und diese „orgonomischen“ Idioten unterstützen das alles, damit weiter Millionen Ungeborene zerhackt und abgesaugt werden dürfen, der Islam sich auf Kosten des Christentums ausbreiten kann und die Landschaft mit Vogelschreddern verschandelt wird … Und das alles im Namen von „Wilhelm Reich“!

Um der Idiotie die Krone aufzusetzen, sagen sie dir dann noch voll Entrüstung ins Gesicht, daß ja schließlich gerade doch das ACO politisch sei. Sie sind charakter-strukturell unfähig den Unterschied zu sehen, weil ihre Panzerstruktur zwanghaft nach „Gesellschaftspolitik“ verlangt. Sie brauchen sie, wie Konservative die Religion brauchen.

Reichs phänomenologische Naturwissenschaft (Teil 7)

21. Februar 2026

Reich war kein Philosoph, er war Naturwissenschaftler. Was ihn ausmacht ist 1. die Entdeckung des Orgons und 2. des Mechanismus, mit dem sich die Menschen gegen das Orgon „abpanzern“.

Was bei Max Stirner der „Panzerung“ entspricht, ist, wie bereits zitiert, offensichtlich: die Besessenheit mit dem „leeren, leblosen Begriff“, „wogegen die Eigenen das stämmige lebenvolle Einzelne vom Wust der Allgemeinheiten zu entlasten trachten“ (Stirner: Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 254, Hervorhebung von PN).

Reich hat gegen die willkürlichen, faktenfreien Begriffe, aus denen deduktiv zu erschließen ist, beispielsweise wie Kinder zu erziehen sind, das induktiv nachweisbare „lebenvolle“ Orgon gestellt. Diese „objektive Autorität“ des Orgons steht nicht im Gegensatz zur persönlichen „Eigenheit“, von der Stirner sprach, sondern ist sozusagen deren Substanz – die schlichtweg vorhandene Natur des Menschen, sein Kern. Das Orgon ist also keine externe Autorität, kein Über-Ich, sondern dessen Gegenteil: die Bedingung der Eigenheit. In diesem Sinne hat Naturwissenschaft die Funktion uns sozusagen zu erden.

Der Eigene bzw. der Einzige ist der Konkrete, Greifbare schlechthin. Genauso betrachtete Reich das Orgon: als das Konkrete, Greifbare schlechthin, das unmittelbar im freien Atmen, wenn man ganz man selbst ist, erfahren wird. In Reichs Orgontherapie gibt es nur ein „Gebot“: Atme!! Was nichts anderes ist als: laß dich gehen und sei das autonom funktionierende Lebensprinzip selbst.

Daß sich die Menschen dieser Identität von „Ich“ und „Pneuma“ nicht gewahr sind, ist für das mechanistische Weltbild verantwortlich, das Ahnen dieser Identität für das „spirituelle“ Weltbild.

Wie Reich 1941 schrieb, konnte der Mensch, der von jeher das Orgon in sich spürte, sich nur als Objekt und Werkzeug dieser Macht empfinden, – der er sich gerne unterwarf, da sie ihm orgastische Erfüllung verhieß. Dies erkläre, warum sich der Mensch so gerne und widerstandslos irrationalen, d.h. religiösen Gefühlen hingibt. Erst er, Reich, sei weitergegangen und habe diese Energie, die bisher als unerkennbarer Gott mystifiziert wurde, durch Induktion zugänglich und handhabbar gemacht. Erst er, Reich, habe die Angst vor dem Numinosen, dem Tabu, dem Heiligen überwunden (Die Funktion des Orgasmus, 1942). Orgon ist Aufklärung!

Das Orgon entspricht dem, was für Stirner Gott ist: der, der unnennbar und vollkommen autonom ist; der, der alles aus dem „Nichts“ erschaffen hat: der Einzige, den kein Begriff jemals erfassen kann, weil er autonom ist (Der Einzige und sein Eigentum, S. 412). „Gott“ verkörpert genau das, was Stirner für sich selbst, sein Ich in Anspruch nimmt, nämlich der Einzige zu sein. Verwirrenderweise ist aber auch die Panzerung „Gott“: der „Gott“ im Sinne eines Usurpators, Freuds „Über-Ich“, „Gott Vater“; das, was Stirner als „innere Hierarchien“ bezeichnet hat – die verinnerlichten Autoritäten, die den Eigner enteignen. Hier wieder Orgon gegen Panzerung.

Wenn Reich auf einen Philosophen zurückgeht, dann ist es Hegel, den er, so bin ich mir sicher, nie gelesen hat. Marx und Engels (insbesondere aber auch Lenin) hat er jedoch in extenso studiert und so die materialistisch gewendete Hegelsche Dialektik in Gestalt des Dialektischen Materialismus übernommen und zur Grundlage seiner Forschungsarbeit erkoren. Dialektik sieht die Einheit im Gegensatz und den Gegensatz in der Einheit, was nichts anderes bedeutet, als daß sich der Geist bzw. bei Engels die Natur spontan aus sich selbst entfaltet. Das ist jene „schöpferische Spontanität“, die Stirner für seinen Einzigen reklamierte.

Reich war, wie gesagt, kein Philosoph, hat also nicht über Umwege Hegels „absoluten Geist“ in sein Orgon uminterpretiert, vielmehr hat er zweierlei getan:

Erstens hat er im Dialektischen Materialismus bzw. in seinem orgonomischen Funktionalismus so gedacht und geforscht, wie die Natur funktioniert, nämlich nicht starr mechanisch auf Grund äußerer Zwänge, sondern spontan „flüssig“ aus ihrer eigenen Widersprüchlichkeit heraus.

Und zweitens war er weder ideologisch noch körperlich gepanzert, d.h. er war über-ich-frei, indem er weder der etablierten Wissenschaft gefolgt ist, noch verinnerlichte gesellschaftliche Normen auf sich wirken ließ. Beides wirkt sich körperlich und geistig so aus, daß man mit dem Lebendigen nicht mitschwingen kann. Sein Weg begann, ähnlich wie bei LaMettrie, mit einer radikalen Ablehnung jedweder sexuellen oder sagen wir lieber genitalen Hemmung. Ohne Panzerung tritt das zutage, was Reich als „Menschentier“ bezeichnete und Friedrich Kraus als „Tiefenperson“.

Reichs phänomenologische Naturwissenschaft (Teil 2)

16. Februar 2026

Friedrich Kraus‘ „Tiefenperson“ ist das, was das Leben an sich im jeweiligen Menschen ausmacht, wenn man alle Strukturen von den Organen des Körpers bis hinab zu den Zellorganellen wegdenkt. Es ist das in sich Dranghafte, das, was für den Turgor sorgt, und bei dessen Wegfall sofort die Strukturen des Körpers zerfallen. Für den Internisten Kraus war das einfach der Druck der Kochsalzlösung, die uns ausmacht und die durch Osmose, Ionenfluß etc. in Wallung kommt. Dieser Kern, der das Lebendige ausmacht, ist genau das, was Reich in den 1930er Jahren bei seiner „sexualökonomischen Lebensforschung“ mittel der erwähnten „Orgasmusformel“ ergründen wollte.

Die von Kraus aus der internistischen Praxis an der Berliner Charité heraus postulierte „vegetative Strömung“ wollte Reich zunächst „bio-elektrisch“ beschreiben, scheiterte daran jedoch und landete dabei beim Orgon. Zu dieser Zeit, d.h. ab etwa 1933 entwickelte Reich das, was er zunächst als „charakteranalytische Vegetotherapie“ bezeichnete. Sie sollte die Kraus‘sche vegetative Strömung freilegen, indem die Panzerung systematisch Schritt für Schritt aufgelöst wird. Systematisch bedeutet: von oben nach unten, von außen nach innen und von der Gegenwart in die Vergangenheit. Es ist nicht abwegig zu behaupten, daß das der Weg jeder authentischen Aufklärung ist. Man folgt nicht vorgefaßten Meinungen, sondern dringt Schicht für Schicht wie ein lege artis vorgehender Archäologe ins Unbekannte vor. Bei diesem Prozeß sät man im Patienten Zweifel und regt zum Selberdenken an. Man führt zum Kern der Sache hin. Für Reich bedeutete das hin zum Genital, hin zum „pneumatischen Zentrum“ und hin zur Sexualhemmung, d.h. dem Ursprung des Über-Ichs bzw. der Panzerung. Ein Hinführen zur Einsicht und zum „Einleben“!

Reich verkündete nicht deduktiv was verdrängt wurde, sondern zeigte induktiv erstens auf, daß überhaupt verdrängt wurde und wie sich diese Verdrängung im einzelnen und systematisch vollzog. Aufklärung, d.h. Wissen-Schaffen, ist in diesem Sinne buchstäblich das Beseitigen von zunächst oberflächlichen und danach schrittweise immer tieferen Panzerschichten bis schließlich die vegetative Strömung wieder freiliegt: die Kunst Wollust zu empfinden, das authentische Ich, die Jahrtausendentdeckung. Die „Jahrtausendentdeckung“ ist, daß die Beschneidung dieser Selbstregulation, künstliche Regulation notwendig macht, deren Produkte selbst wieder künstlich reguliert werden müssen, statt daß man von Anfang an schlichtweg der vegetativen Strömung vertraut, die sich ihre besten Daseinsbedingungen selbst schaffen wird (Reich: Die sexuelle Revolution). Secundum naturam! Die mechanistische Naturauffassung ist unmittelbarer Ausdruck der besagten „künstlichen Regulation“ (ich verweise zurück auf die „Legosteine“)!

Dem von Bernd A. Laska beeinflußten Philosophen Ronald Hinner zufolge geht es dem Hegel-Schüler Stirner um die Verflüssigung und Auflösung der „fixen Ideen“. Ähnliches konstatiert Hinner beim Positivismus Ernst Machs. Stirner endet beim endlichen Subjekt, dem leiblichen Ding an sich, Mach beim endlichen Objekt, dem sinnlich greifbaren Element, nachdem sie jeweils alle fixen Ideen und bloßen Begriffe negiert haben (Hinner 2016: Max Stirner und Ernst Mach. Elemente des modernen Gnostizismus).

Reich schreibt an einer quasi „positivistischen“ Stelle in Äther, Gott und Teufel gegen das „bloße Denken“ an, deren Ergebnisse „als sekundär gegenüber den beobachtbaren Naturfunktionen angesehen werden (müssen)“. Er hebt die Bedeutung des voraussetzungslosen Beobachtens hervor und fordert „die Funktion des Denkens selbst (…) logisch und konsistent aus den beobachtbaren Naturfunktionen im Beobachter selbst (abzuleiten)“ (S. 150f), wobei er insbesondere auf die Rolle der Panzerung abzielt, die den Zugang zum „Ding an sich“ verhindert.

Mit „bloßem“, von den tatsächlichen Naturvorgängen abweichendem Denken meint Reich offensichtlich zweierlei: erstens ein Denken, das indirekt und eines das direkt fremdbestimmt ist. Bei ersterem handelt es sich um eben „gepanzertes Denken“, d.h. ein Denken, das auf das durch die Erziehung gehemmte Funktionieren des Organismus zurückgeht. Beim direkt fremdbestimmten Denken geht es um die unhinterfragte Übernahme der Meinungen von Autoritäten. Man folgt dem „Über-Ich“, weil man die gesellschaftlichen Vorgaben verinnerlicht hat und durch diese charakterstrukturell umgeformt wurde. Das trifft nicht nur auf mystische Ideen in der Religion, sondern auch auf mechanistische Theorien in der Naturwissenschaft zu.

Wilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, c. Antifunktionalismus: Der Geist in der Maschine

6. Dezember 2025
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W:ilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, c. Antifunktionalismus: Der Geist in der Maschine

Wilhelm Reich, Physiker: Einleitung

16. Oktober 2025
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Wilhelm Reich, Physiker: Einleitung

Email [Reich und Freud] 2009

15. August 2025

Email [Reich und Freud] 2009

Bigfoot und der Übermensch

15. Juli 2025

Wie kann Leben aus Nichtleben entstehen? Reich entdeckte die Bione, die Übergangsformen zwischen dem Nichtlebenden und dem Lebenden darstellen, wobei das Lebendige durch drei Faktoren bestimmt wird: 1. eine charakteristische Abfolge von mechanischen und energetischen Abläufen (Spannung, Ladung, Entladung, Entspannung), 2. energetische Pulsation in einer Membran und 3. die auf die Kreiselwelle zurückgehende charakteristische „Bohnenform“ alles Lebendigen. Damit sind Funktionieren und Form des Lebendigen weitgehend vorgegeben. Es bleibt das grundsätzliche Problem der Entropie, d.h. der Tendenz zur Informationsvernichtung, die das spontane Entstehen eines derartig komplexen Phänomens wie Leben schlichtweg unmöglich macht. Hier kommt das orgonomische Potential ins Spiel, d.h. den spontanen Aufbau von Potentialunterschieden, wie er beispielsweise in der Gravitation zum Ausdruck kommt („Struktur wird zu Vorgängen“).

Wo die Information für die erste Proteinsynthese herkam? Aus dem grundsätzlich einheitlichen Funktionieren der Natur, wie es der orgonomische Funktionalismus beschreibt. Nicht nur Bewegung kann „aus dem Nichts“, d.h. spontan entstehen, sondern auch Information, wie sie etwa in unseren Genen codiert ist. Man denke nur an das Sonnenlicht und seine durch die Sonnen- und die Erdatmosphäre erzeugten „Frauenhoferlinien“, die verdächtig nach „DNA-Code“ aussehen („Vorgänge werden zu Struktur“). Reich selbst hat auf die enge Verbindung zwischen den Elementen der Erdatmosphäre und die chemische Zusammensetzung der lebenden Materie hingewiesen.

Neben der Urzeugung lautet die zweite große Frage, wie aus den Einzellern Mehrzeller werden konnten und sich überhaupt neue Arten entwickeln können. Beispielsweise kann man die Hundezucht soweit treiben, wie man will, es entsteht nicht mal annäherungsweise eine neue Spezies. Was sorgt für die „Sprünge“ zwischen den Arten? Diskontinuitäten, die ähnlich radikal sind wie die zwischen dem Nichtleben und dem Leben.

Es ist gut möglich, daß wir einen solchen Sprung gerade durchleben. Dazu möchte ich nochmal ausholen: Sowohl Ein- als auch Mehrzeller konstituieren sich durch den Gegensatz von freifließender Energie und materieller Membran, aus der die Energie ausbrechen will. Resultat ist die erwähnte Orgonom-Form und die phylo- und ontogenetische Entwicklung. Das kann man alles innerhalb des Funktionsbereichs der relativen Bewegung (Kreiselwelle und Pulsation) beschreiben. Anders ist das bei der Genetik im allgemeinen und der Makroevolution im besonderen. Die kann man nur im Rahmen des Funktionsbereichs koexistierende Wirkung erklären, wie wir sie unmittelbar insbesondere im Traum erleben.

Hier entwickeln sich, gemäß einer Art von „Platonismus“, die Dinge nicht, sondern sind unvermittelt da, so als würden sich „Ideen manifestieren“. Die besagten Dinge setzen sich nicht zusammen, sondern – sind unvermittelt da. Vielleicht spielt so etwas auch in die Evolution hinein. Was ist, wenn dieses Phänomen, der besagte „Platonismus“, sozusagen „jenseits von real und unreal“ wäre? Nämlich Ausdruck von bioenergetischen, genauer gesagt „ko-existenten“ Vorgängen, die wir konzeptionell gar nicht erfassen können! Mag sein, daß in der Platonistischen Vorstellung von überweltlichen Ideen ein Fünkchen Wahrheit steckt und wir gegenwärtig Zeugen werden, wie sich die „Idee einer neuen Spezies“ sozusagen zu materialisieren versucht. Entsprechend: – jetzt wird es wild…

Es gibt zwei vollkommen verwirrende Aspekte des UFO-Phänomens: erstens das „Ungreifbare“, so als gäbe es kaum einen Unterschied zwischen Aliens, „die auf der Erde Landen“, und Gespenstern, „die sich manifestieren“, und zweitens die Obsession mit Fortpflanzung. Wie viele Sperma- und Eiproben wollen die „Außerirdischen“ noch entnehmen? Von „intergalaktischen Sex“ wollen wir gar nicht erst anfangen. „Aliens“, die einerseits aussehen wie Embryos, während andere uns als „Übermenschen“ imponieren.

Interessanterweise können sich viele in der popkulturellen „Wissenschaft“ auch den Übergang vom Menschenaffen zum Menschen nur durch die Intervention von „Außerirdischen“ vorstellen. Anders kann unser Bewußtsein das „Eingreifen“ der koexistierenden Wirkung vielleicht gar nicht erfassen. Es mag sogar sein, daß Dinge wie Schamanismus und Religion im allgemeinen bis zurück auf die Zeit der Menschwerdung zurückgehen und mit dieser untrennbar verbunden sind. Tatsächlich ist die Weltsicht der „primitivsten“ Völker auffällig „Platonistisch“ – und wir erleben das als „UFO-Phänomen“, wo es um „Hybride“ aus „Außerirdischen“ und Menschen geht.

Endgültig über die Klippe des Wahnsinns reite ich diesen Blogeintrag, indem auf Bigfoot hinweise oder etwa auf den Yowie in Australien, – ein weltweites Phänomen: halb Menschenaffe, halb Mensch begleitet er uns, so daß seine Existenz schlichtweg nicht bestreitbar ist… Irgendwo im Niemandsland zwischen greifbarer Platonischer Idee und ungreifbarer physischer Wirklichkeit… Ähhh, ja. So als sei er ein Echo unserer Menschwerdung – und das schwer greifbar verbunden mit UFOs und Aliens, die exakt genauso geartet sind: Echos unserer Zukunft. Beides Funktionen des „Evolutionsvorgangs“…

Max Stirner, Soter (Teil 14)

7. Juli 2025

Die von Stirner gemeinte „Empörung“ hat natürlich nichts mit Revoluzzertum zu tun:

Sie ist kein Kampf gegen das Bestehende, da, wenn sie gedeiht, das Bestehende von selbst zusammenstürzt, sie ist nur ein Herausarbeiten Meiner aus dem Bestehenden. Verlasse Ich das Bestehende, so ist es tot und geht in Fäulnis über. Da nun nicht der Umsturz eines Bestehenden mein Zweck ist, sondern meine Erhebung darüber, so ist meine Absicht und Tat keine politische oder soziale, sondern, als allein auf Mich und meine Eigenheit gerichtet, eine egoistische. (Der Einzige, S. 354)

Heißt es nicht der Niederträchtigkeit das Wort reden, wenn alles „meinetwegen“ geschieht? Die gleichen, die diese Ängste äußern, würden ohne zu zögern jeden Meineid, jede Lüge, jede denkbare Niedertracht verüben. „Denn wurde nicht jede Niederträchtigkeit um Gottes willen verübt, alle Blutgerüste um seinetwillen erfüllt, alle Autodafés seinetwegen gehalten, alle Verdummung seinetwegen eingeführt, und bindet man nicht noch heute schon bei den zarten Kindern durch religiöse Erziehung den Geist um Gottes willen?“ (Der Einzige, S. 335). „Es ist verächtlich, ein Vertrauen, das Wir freiwillig hervorrufen, zu täuschen; aber jeden, der Uns durch einen Eid in seine Gewalt bekommen will, an der Erfolglosigkeit seiner zutrauenslosen List verbluten zu lassen, macht dem Egoismus keine Schande. Hast Du Mich binden wollen, so erfahre denn, daß Ich deine Bande zu sprengen weiß“ (Der Einzige, S. 337).

Hinter der Maske von Religion, Menschlichkeit, Sozialismus geht es eh nur darum an fremdes Eigentum zu gelangen, doch statt das Fremde direkt in Eigenes zu verwandeln, „spielt man den Unparteiischen und verlangt nur, daß alles Eigentum einem Dritten (z.B. der menschlichen Gesellschaft) überlassen werde. Man reklamiert das Fremde nicht im eigenen Namen, sondern in dem eines Dritten. Nun ist der ‚egoistische‘ Anstrich weggewischt und alles so rein und – menschlich!“ (Der Einzige, S. 353).

Sowohl der mitleidige Christ als auch der erbarmungslose „satanistische Thelemit“ (vgl. Der Einzige, S. 64.66) handeln willkürlich, wenn sie z.B. einen Verdurstenden „aus Prinzip“ laben bzw. „aus Prinzip“ verdursten lassen, da sie beide jenen Ideen von Sklaventum oder „Freiheit“ folgen (bzw. dagegen rebellieren), denen sie zufällig in Kindheit und Jugend ausgesetzt waren. In jedem Fall waren und bleiben sie Besessene, die nicht aus sich heraus leben, sondern auf die eine oder andere Weise von außen bestimmt sind.

In der religiösen, sittlichen und humanen „Liebe“ wird nicht die konkrete Person geliebt, sondern Gespenster wie „Jesus“ oder „der Mensch“, während der wirkliche, unwiederholbare Einzelne nur als „Dreck“ betrachtet wird (Der Einzige, S. 27), der mit, wie Stirner sich ausdrückt, „dumpfer Unbarmherzigkeit“ verfolgt wird. Der dergestalt „Liebende“ „findet es lobenswert und unerläßlich, die Erbarmungslosigkeit im herbsten Maße zu üben; denn die Liebe zum Spuk oder Allgemeinen gebietet ihm, den nicht Gespenstischen, d.h. den Egoisten oder Einzelnen, zu hassen; das ist der Sinn der berühmten Liebeserscheinung, die man ‘Gerechtigkeit’ nennt“ (Der Einzige, S. 321).

Ich liebe die Menschen auch, nicht bloß einzelne, sondern jeden. Aber Ich liebe sie mit dem Bewußtsein des Egoismus; Ich liebe sie, weil die Liebe Mich glücklich macht, Ich liebe, weil Mir das Lieben natürlich ist, weil Mir’s gefällt. Ich kenne kein „Gebot der Liebe“. Ich habe Mitgefühl mit jedem fühlenden Wesen, und ihre Qual quält, ihre Erquickung erquickt auch Mich: töten kann Ich sie, martern nicht. Dagegen sinnt der hochherzige, tugendhafte Philisterfürst in [dem zeitgenössischen Roman von Eugène Sue: Les mystères de Paris], weil ihn die Bösen „entrüsten“, auf ihre Marter. Jenes Mitgefühl beweist nur, daß das Gefühl der Fühlenden auch das meinige, mein Eigentum, ist, wogegen das erbarmungslose Verfahren des „Rechtlichen“ (z.B. gegen den Notar Ferrand) der Gefühllosigkeit jenes Räubers gleicht, welcher nach dem Maße seiner Bettstelle den Gefangenen die Beine abschnitt oder ausreckte: Rudolfs Bettstelle, wonach er die Menschen zuschneidet, ist der Begriff des „Guten“. Das Gefühl für recht, Tugend usw. macht hartherzig und intolerant. Rudolf fühlt nicht wie der Notar, sondern umgekehrt, er fühlt, daß „dem Bösewicht Recht geschieht“; das ist kein Mitgefühl. (Der Einzige, S. 324f)

„Wirklich lieben kann nur der „natürliche Mensch“ – durch das Dazwischengehen der „Bildung“ wird sie zum Gebot und damit zur Lüge. Aus dieser Verstrickung muß die Liebe zurückgefordert und „erlöst“ werden (Der Einzige, S. 323).

Max Stirner, Soter (Teil 11)

8. Juni 2025

Verbrecher von Geburt! Es existiert nichts über dem „leibhaftigen Menschen“, nicht „Menschlichkeit“, nicht „Freiheit“ oder irgendeine andere dieser „heiligen“ Ideen (Der Einzige, S. 400). Aus dem Leibhaftigen gehen alle Gedankengebilde hervor, z.B. die Religion. Sie ist ein Produkt des künstlerischen Schaffens. Der Künstler schafft ein Ideal des Menschen, das dann angebetet wird. Der Religiöse gerät in den Bann dieses Ideals – und richtet sich gegen, beschneidet die schöpferische Quelle, die das Ideal hervorgebracht hat. Der Künstler wiederum erhält zwar die Religion aufrecht, haucht ihr ständig neues Leben ein, aber er kann sie auch jederzeit sozusagen „wieder in sich zurückholen“, etwa indem er das Ideal in der Komödie der Lächerlichkeit preisgibt (Parerga, S. 99-110).

Ich, der Einzelne, der Endliche, der Einzige (Der Einzige, S. 271), der Wirkliche und Leibhaftige löse die substanzlosen allgemeinen Begriffe, den „Geist“ auf (Der Einzige, S. 189). Das „leibhaftige Ich“ (Der Einzige, S. 190), das „lebendige Ich“ pustet die toten Gespenster, d.h. ganze „Völker“ weg (Der Einzige, S. 184). Und da es nur gegen ein Heiliges „Verbrechen“ gibt (Der Einzige, S. 224), bin ich der geborene Verbrecher, d.h. das „zügellose Ich“, und in meinem „geheimen Inneren“ bleibe ich es stets (Der Einzige, S. 219). Ein „eigenes“, d.h. nicht von Wahnvorstellungen okkupiertes Ich, kann nicht davon ablassen, ein Verbrecher zu sein, denn das Verbrechen ist sein Leben (Der Einzige, S. 222). Er gehört zu den Menschen, „in denen die Totalität ihres Denkens und Handelns in steter Bewegung und Verjüngung wogt“, im Gegensatz zu jenen, „die ihren Überzeugungen treu sind: die Überzeugungen selbst bleiben unerschüttert, pulsieren nicht als stets erneuertes Arterienblut durch das Herz, erstarren gleichsam als feste Körper“ (Parerga, S. 92). Allein schon um einschlafen zu können, muß er alles aus dem Sinn schlagen können, d.h. ein egoistischer Verbrecher wider die Ideen sein (Der Einzige, S. 375). Ein „Verbrechertum“, bei dem es darum geht, sich zu „ergeben“: sich selbst zu ergeben und einer Welt zu ergeben, die zu unserem Eigentum geworden ist (Der Einzige, S. 341f).

Man wird nicht dadurch zum Egoisten, indem man ängstlich an sich hält, sondern durch Hingabe. „Wer nur besorgt ist, daß er lebe, vergißt über diese Ängstlichkeit leicht den Genuß des Lebens. Ist’s ihm nur ums Leben zu tun und denkt er, wenn Ich nur das liebe Leben habe, so verwendet er nicht seine volle Kraft darauf, das Leben zu nutzen, d.h. zu genießen. Wie aber nutzt man das Leben? Indem man’s verbraucht, gleich dem Lichte, das man nutzt, indem man’s verbrennt. Man nutzt das Leben und mithin sich, den Lebendigen, indem man es und sich verzehrt. Lebensgenuß ist Verbrauch des Lebens“ (Der Einzige, S. 358f). „Ich habe gegen Andere keine Pflicht, wie Ich auch nur so lange gegen Mich eine Pflicht habe (z.B. die der Selbsterhaltung, also nicht Selbstmord), als Ich Mich von Mir unterscheide (meine unsterbliche Seele von meinem Erdendasein usw.)“ (Der Einzige, S. 357).

Die Welt zu „vernichten“ ist unlösbar damit verbunden sich selbst zu vernichten, d.h. aufzulösen (Der Einzige, S. 330). Was soll das bedeuten? Da die Welt nicht mehr fremdes Eigentum, nämlich das Eigentum der Religion oder des Staates ist, sondern unser Eigentum sein soll, verbrauchen wir sie entsprechend. Wir versuchen die Gewalt, die sie gegen uns wendet, „dadurch zu vollenden und überflüssig zu machen, daß Wir ihr entgegenkommen, und Uns ihr, sobald sie Uns gehört, gleich Uns ‚ergeben‘“ (Der Einzige, S. 341f). Die ehrfurchtsvolle Distanz ist weg – denn der Verbrecher hat dafür keinen Sinn.

Der Einzige ist dabei nur in bezug auf die fixen Ideen a- wenn nicht sogar unmoralisch – aus Moral. Eine Moral, die im Sinne Nietzsches aristokratisch ist: „Ich fordere kein Recht, darum brauche Ich auch keins anzuerkennen“ (Der Einzige, S. 230). Stirner sagt nicht (wie die Satanisten es tun und die allgemeine Gesellschaft, die in pestilenter Projektion die Stirnerianer zu Satanisten stempeln will, es tut): „Ich fordere mein Recht und erkenne kein anderes an.“

Man mag einwenden, daß sich Stirner gegen jede Naturrechts-Argumente verwahrt hat (Der Einzige, S. 216f), aber natürlich ist auch der Eigner seiner selbst nur ein Menschentier mit ganz normalen Ehr- und Moralempfindungen („gesundes Volksempfinden“). Sie sind sogar eher stärker ausgeprägt als bei anderen: „Redet mit dem sogenannten Verbrecher als mit einem Egoisten, und er wird sich schämen, nicht, daß er gegen eure Gesetze und Güter sich verging, sondern daß er eure Gesetze des Umgehens, eure Güter des Verlangens wert hielt; wird sich schämen, daß er Euch mitsamt dem Eurigen nicht – verachtete, daß er zu wenig Egoist war“ (Der Einzige, S. 222).

„Was ist der gewöhnliche Verbrecher anders, als einer, der das verhängnisvolle Versehen begangen hat, nach dem zu streben, was des Volkes ist, statt nach dem Seinen zu suchen. Er hat das verächtliche, fremde Gut gesucht, hat getan, was die Gläubigen tun: die nach dem trachten, was Gottes ist“ (Der Einzige, S. 221f). Wenn der Kriminelle wirklich Egoist wäre, würde er sich schämen, sich über den Grad seiner Gesetzestreue zu definieren, d.h. das Gesetz zum Maßstab seines Treibens zu machen; sich gegen die bestehenden Gesetze nur aufzulehnen, statt gegen das Gesetz an sich zu sein (Der Einzige, S. 120f).