Archive for the ‘Sozialpsychologie’ Category

Charles Konia in der Diskussion (Teil 3)

21. September 2025

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia erhebt Einspruch gegen die Drogenpolitik, sei sie libertär oder restriktiv: Ein Musterbeispiel für die Emotionelle Pest: Der Krieg gegen die Drogen

Robert (Berlin) kommentierte 2014:

Ein faszinierender Artikel im SPIEGEL. Ein Forscher bestätigt, dass die Charakterstruktur wichtiger ist als die süchtig machende Wirkung von Drogen.

US-Suchtforscher: Die Mär von der Horrordroge Crystal Meth

Wie gefährlich ist Crystal Meth wirklich? Der US-Forscher Carl Hart lädt Süchtige in sein Labor und untersucht ihren Konsum. Er findet: Die Risiken vieler Drogen werden bizarr übertrieben.

Dagegen wandte ich ein:

Das Problem mit dem Drogen und der restlos überzogenen Anti-Drogen-Propaganda. Beispielsweise würde es kaum etwas schaden, wenn man regelmäßig reines (!) Heroin zu sich nimmt. Es ist nur immer die Frage, was die Drogen ENERGETISCH anrichten. Bei Heroin ist es langfristig die restlose Zerstörung der Sexualfunktion. Über das ach so „harmlose“ Cannabis habe ich mich bereits genug ausgelassen. Die übertriebenen Horrordarstellungen sind zwar nicht wahr, aber wahrhaftig, d.h. sie treffen den FUNKTIONELLEN Kern des Problems.

In Der Zerfall der autoritären Gesellschaftsordnung beschäftigt sich Dr. Konia mit dem Hintergrund des Jugendwahns:

Robert (Berlin):

Worauf Konia in seinen Artikeln nicht eingeht, ist der sichtbare Ausdruck dieser Umwandlung in den Künsten und im Film. In den Siebzigern häuften sich destruktive, sadistische Filme als Ausdruck der sekundären Triebe und heutzutage gibt es überhaupt keine Trennung mehr zwischen primären und sekundären Trieben.

Jonas frägt:

Handelt es sich eigentlich hierbei um einen historisch erstmaligen Vorgang, oder haben sich ähnliche Entwicklungen in der Menschheitsgeschichte schon einmal zugetragten?

Das konservative Lager (Spengler etc.) hat sich ja ausführlich mit Zivilisationsniedergängen beschäftigt. Lassen sich da irgendwelche Parallelen ziehen?

Darauf ich:

Natürlich hat es immer Erscheinungen gegeben, die Konia für heute beschreibt. In der Antike, bei Villon, bei dem was Reich in DER TRIEBHAFTE CHARAKTER beschreibt. Es gab immer Perioden der Dekadenz, des Zerfalls und der Anarchie. Aber gleichzeitig hat sich nichts verändert: in der Masse (!) der Menschen blieb die Panzerstruktur einigermaßen konstant gleich. Das änderte sich drastisch seit etwa 1960 als im Gefolge der sexuellen Revolution der Panzer wegbrach und sich neu organisierte. Psychotherapeuten schauen heute nostalgisch auf die Zeit Freuds zurück, denn statt klassischer Neurosen müssen sie mit Frühstörungen, Impulskontrollverlust und immer bizarreren Dingen ringen. Man frägt sich beispielsweise schließlich, ob es noch junge Frauen gibt, die sich nicht ritzen. Gibt es natürlich, aber die Wirklichkeit nähert sich immer mehr dem Eindruck.

BTW: das erklärt auch meine abgrundtiefe Verachtung für Leute wie Erich Fromm unter deren Nase sich die radikalste Wandlung der Menschheitsgeschichte seit dem „Einbruch der sexuellen Zwangsmoral“ abspielte, die aber die Bedeutung der Sexualität vehement leugneten – und die Reich „Aggressivität“ vorwarfen, als er auf seinem Standpunkt beharrte. Was für ein Haufen! Grrrrrrrrrrrrr!

O.:

Konia und Fromm scheinen hier einen Konsens gefunden zu haben, der „triebhafte“ sei der „antiautoritäre Charakter“. Fromm wünscht sich diesen und Konia – nach historischer Rückschau – kritisiert ihn als falsche Entwicklung – auch auf politischer und soziologischer Ebene.

Und weiter:

Wo das Schlagwort Erich Fromm schon gefallen ist und mir auch seit gestern durch den Kopf spukt: War es nicht Erich Fromm, der den „autoritären Charakter“ als Terminus formulierte – natürlich in nicht benannter Inspiration von Reich. Er übernahm das in der Charakteranalyse vorgestellte Konzept des triebgehemmten (!) Charakters, des gepanzerten Menschen, der unfähig ist, sich gegen die Obrigkeiten und falschen „Autoritäten“ aufzulehnen. Seine stupide Analyse wäre als Lösung nicht der genitale Mensch, dann hätte er ja Reich angeben müssen, sondern der „antiautoritäre Mensch“, derjenige, der nicht mehr mit Angst vor Autoritäten lebt. Natürlich empfiehlt er auf dem Weg dahin nicht die Orgontherapie/Charakteranalyse.

Seine „soziologische“ Lösung ist die Befreiung aus dem Sadismus-Masochismus Verhältnis. Wie das gehen soll, weiß ich nicht, er vermutlich auch nicht richtig.

Nun, ob er den „antiautoritären Charakter“, den der sich von Psychopathen nicht verwickeln läßt, formuliert hat, kann ich nicht belegen – auf die Schnelle.

Aber Bakers und Konias Modell erscheint mir in dieser Hinsicht auch mehr Fromms Ideenplagiat zu folgen, denn Reichs. Nur die Emotionelle Pest läßt Baker et al. über diese Ableitung von Fromm erhaben zu sein. Für mich entwickelt es sich einmal mehr zum „Frommplagiat“, wobei es nicht um die Originalität geht, sondern eine vergleichbare schwache Argumentation, die nicht auf Reichs Charakteranalyse fusst – zumindest nicht stabil steht!
Als „zwanghafter“ Theoretiker hätte Baker genauer, detaillierter und stichhaltiger seine Ausführungen ins Gebäude von Reich stellen müssen. Konia nimmt die Diskussion mit der „antiautoritären Erziehung und Gesellschaft“ auf und postuliert (plausibel) einen Gesellschafts- und Charakterwandel. Er sagt zwar das genaue Gegenteil von Fromm, aber mit letztlich gleicher Frommscher Sicht als quasi „marxistische“ Gesellschaftsentwicklungstheorie vom Wandel durch äußere Umstände …

Nun ist mein Gedanke noch nicht formvollendet und sicher argumentativ umstürzbar.

Es sei auch an Fromms Werk für Pubertierende erinnert: „Die Kunst des Liebens“ ohne ein Wort über Sexualität (Funktion des Orgasmus) zu verlieren, in dem er vorschlägt sich zuerst lieben können zu müssen, um dann den (christlich) Nächsten zu lieben, rein platonisch natürlich. Und quasi erst dann könne eine Liebesbeziehung reif und erfüllt zu einer Lebenspartnerschaft führen – so oder ähnlich verklärt. Ein Traummodell für „Weicheier“ und postfeministische Zicken, die sich zuerst immer als Sexualobjekt verstehen, weil ein Mann auf ihre laszessiven Angebote eingegangen ist.

– Upps, Das habe ich doch mal wieder schön gesagt

https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter zur schnelleren Orientierung.

Darauf Jonas:

Aus meiner (oberflächlichen) Beschäftigung mit Fromm meine ich mich zu erinnern, dass er irgendwo vom „biophilen“ Charakter als positivem Ideal spricht – als Gegensatz zum nekrophilen Charakter.

Mit dem Konzept des „autoritären Charakters“ ist ja besonders Adorno hervorgetreten und hat sich dabei wohl direkt an Reich orientiert, was er aber nur in privaten Briefwechseln zugegeben hat. An Fromm wollte er sich nicht halten, da dieser die psychoanalytischen Kriterien zu sehr mit soziologischen vermische, während Reich die Bereiche getrennt habe.

(Beides aus dem Gedächtnis paraphrasiert, Quellen müsste ich heraussuchen.)

Ich warf ein:

Das mit der Biophilie und Nekrophilie findet sich in ANATOMIE DER MENSCHLICHEN DESTRUKTIVITÄT. Ist m.E. Erachtens, wie fast alles bei Fromm ein Reich-Plagiat: OR gegen DOR.

Jonas:

Der wichtige Unterschied zu Reich ist wohl, dass bei Fromm alles hübsch folgenlos formuliert ist. Ein Ideal, gegen das kein Mensch etwas haben wird – da kein konkreter Weg beschrieben ist, wie es zu erreichen wäre.

Daraufhin Klaus:

Eben. Fromm ist der Peace-Friedensheini schlechthin: Wer argumentiert und etwas vertritt, ist ‚aggressiv‘.

Jonas:

Die Unterscheidung biophil vs. nekrophil kenne ich aus folgender Dissertation, in der Reich und Fromm aber nur ganz am Rande erwähnt sind:

Dort wird referenziert auf:

Fromm, E. (2000). Die Seele des Menschen. Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen. (Übers. E. Mickel u. L. Mickel). München: Deutscher Taschenbuch Verlag.

Die Adorno-Geschichte müsste sich in den Briefwechseln von Adorno und Horkheimer finden. Ich hatte die Episode vor Jahren in einer Adorno-Biographie entdeckt, weiß allerdings nicht mehr, in welcher.

Falls es wichtig ist, würde ich der Quelle nächste Woche in der Bibliothek nachspüren.

O.:

Fromms Autoritärer Charakter (A.Ch). beschreibt den Sadisten, der seine Macht vom Masochisten (Maso) – und den Maso-Massen (Triebgehemmten) erhält.

Für Konia sind die A.Ch.-Typen positiv besetzt, existieren aber nach dem „antiautoritären Wandel“ nicht mehr. Die Masos (als Anti-Autoritäre-Typen) sind zur sadistischen EP geworden mit einer netten Maske.

Meine These ist eher konservativ nach Reich: Nothing has changed, neither character nor societey. Maybe the mask has changed. (dt.: Die soziale Maske ist wohl eine andere)

Abschließend ich:

Hier ein Beispiel wie die antiautoritäre Gesellschaft wirklich alles erfaßt:

„Ob Söders vier Kinder ihn nach diesem ‚Hingucker‘ noch erst nehmen können?“ Wer wählt bloß diese Clowns aus der sozialistischen Einheitspartei CDUCSUFDPSPDGRÜNELINKE?!

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 5)

20. September 2025

Das Problem der Rolle (und Schuld) Deutschlands in den beiden Weltkriegen hat für unser „Selbstverständnis als Deutsche in dieser Welt“ eine große Bedeutung. Deshalb versuche ich im Folgenden so objektiv wie möglich zu sein. Für uns Deutsche ist es wirklich schwer, objektiv über diese Angelegenheiten zu sprechen, weil sich in jeder Familie Täter und Opfer finden, so daß die meisten Deutschen gemischte und widerstreitende Empfindungen haben, die zwischen Nationalstolz und Schuldgefühlen changieren.

Auch wenn man die Werke der Fachhistoriker liest und sich dabei nicht nur auf den Mainstream beschränkt, konstatiert man verwundert, wie völlig unterschiedlich geschichtliche Ereignisse gesehen werden können. Beispielsweise war für die einen das Deutsche Reich Opfer eines erschreckenden Vernichtungswillens Englands, das ja auch tatsächlich explizit gegen Deutschland und nicht nur gegen „Hitler-Deutschland“ in den Krieg zog. (Genau wie jetzt, zu diesem Zeitpunkt explizit gegen Rußland als Nation!) Die anderen hingegen verweisen auf Deutschlands Großmachtstreben, das bereits „den guten Europäer“ Nietzsche Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg beunruhigte.

Apropos Nietzsche: Ich selbst betrachte mich durchaus als „stolzen Deutschen“, aber wie Nietzsche, der so stolz auf das biologische Erbe seiner angeblich polnischen Vorfahren war, sehe ich Deutschland in erster Linie als Kulturnation (einen Begriff, den es in anderen Sprachen gar nicht gibt!), nicht als ein „glorreiches“ staatliches Gebilde wie Frankreich und schon gar nicht als „Blutsgemeinschaft“. Wie soll die auch möglich sein, denn Deutschland ist von jeher ein Flickenteppich unterschiedlichster Stämme (was haben etwa Niederbayern und Ostfriesen groß gemeinsam?), wurde ständig von fremden Völkerschaften, darunter sogar Mongolen, überrannt, ein Drittel seiner Bevölkerung ist, anders als Nietzsche, tatsächlich „polenstämmig“, etc. „Reinrassige Germanen“ (was immer das auch sein soll!) findet man vielleicht in Norwegen, aber kaum in „Germanien“!

Die meisten unserer Väter oder (bei den Jüngeren) Großväter waren keine Freiwilligen, wurden aber oft schon im Alter von 16 oder 17 Jahren eingezogen – und das zu einer Zeit, als man erst mit 21 Jahren volljährig wurde. Und wenn sie gegen Ende des Krieges an die Front geschickt wurden, war ihr subjektives Empfinden so, daß sie ihre Heimat und ihr Volk gegenüber „ausländischen Aggressoren“ verteidigten, die nach Deutschland eindringen und das Land und seine Bewohner mit Megatonnen von Bomben zerstören. Auch hatten sie meist Familienangehörige, die im Kriegseinsatz oder an der „Heimatfront“ umgekommen waren. Ohnehin ist es für normal empfindende Menschen fast unmöglich sich vom Heimatland zu distanzieren, selbst wenn man weiß, daß man nicht unbedingt auf der „guten Seite“ steht. Wie der Engländer sagt: Right or wrong, my country! (Recht oder Unrecht, es ist mein Vaterland!). Höchstens Intellektuelle, wie etwa Hermann Hesse im Ersten Weltkrieg, können sich dem Druck der Masse entziehen. Es vom einfachen Soldaten, gar halben Kindern zu verlangen, spricht von Arroganz und Ignoranz!

Diese jungen Soldaten und ihre Kameraden waren kaum in der Lage, die historischen Entwicklungen zu überblicken, die zum Zweiten Weltkrieg geführt hatten. Sie konnten keine ausländischen Zeitungen lesen, und alles, was sie von ihren Eltern, Lehrern und Politikern über den Krieg erfahren hatten, entsprach ausschließlich der deutschen Sichtweise bzw. der Propaganda von Goebbels. Wenn sie Mitte der 1920er Jahre geboren worden waren, hatten sie bereits ihre Grundschulzeit im „Dritten Reich“ durchlaufen und waren außerdem fast ausnahmslos in der Hitler-Jugend sozialisiert worden.

Sie waren zu jung, um für die Politik der Nationalsozialisten und den Holocaust verantwortlich zu sein. Auf der anderen Seite müssen viele von ihnen auf dem Schlachtfeld junge Soldaten anderer Nationen getötet haben. (Was interessanterweise praktisch alle verneint haben, mit denen ich gesprochen habe. Offenbar hat die Wehrmacht grundsätzlich nur in die Luft geschossen…) Möglicherweise waren sie, etwa in Italien, sogar in die „Partisanenbekämpfung“ involviert. Waren demnach unsere Väter oder Großväter „Täter“? Und konnten auf der anderen Seite die amerikanischen GIs (also zu großen Teilen Bauernjungen aus dem Mittleren Westen oder Schwarze aus Alabama mit niedrigem Bildungsgrad) sicher sein, daß ihre Politiker sie richtig informiert hatten, was die deutsche Gesellschaft und die Gründe für den Ausbruch des Krieges betrifft?

Teilweise haben deutsche Soldaten im Krieg aberwitzige Dinge erlebt, wie etwa mein Vater, der auf dem Weg zur Front von der Bevölkerung des kleinen belgischen Ortes, durch den sie zogen, bejubelt wurde, so als gelte es die Belgier vor der „angloamerikanischen Soldateska“ zu schützen. Als sie dann wenig später als Gefangene dieser Angloamerikaner durch eben diesen Ort geführt wurden, wurden sie von den gleichen Leuten geschmäht und bespuckt, „Naziratten“. Ähnliches erzählte mir mein Biologielehrer über seine Zeit in der Tschechoslowakei: eben noch der von allen Tschechen umjubelte Held, doch kaum stand die Niederlage vor der Tür, wurde er zum abgrundtief gehaßten Freiwild. Wer nicht als restlos gebrochener (oder restlos verpanzerter) Mensch aus diesem Krieg heimkehrte, wurde zumindest Zyniker, der den Glauben an die Menschheit verloren hatte. In diesem Krieg triumphierte, wie jetzt auch in der Ukraine, nur eines: die Emotionelle Pest!

Max Stirner, Soter (Teil 28)

19. September 2025

Das über das „universelle Mobbing“ gesagte gilt auch bzw. gerade für „freiheitliche“ Demokratien und deren „Rechtsstaat“: „Die ‘Freiheit’ weckt euren Grimm gegen Alles, der ‘Egoismus’ [hingegen] ruft Euch zur Freude über Euch selbst, zum Selbstgenusse“ (Der Einzige, S. 180).

Der moralische Einfluß nimmt da seinen Anfang, wo die Demütigung beginnt, ja er ist nichts anderes, als diese Demütigung selbst, die Brechung und Beugung des Mutes zur Demut herab. Wenn Ich Jemand zurufe, bei Sprengung eines Felsens aus dessen Nähe zu gehen, so übe Ich keinen moralischen Einfluß durch diese Zumutung; wenn ich dem Kinde sage, Du wirst hungern, willst Du nicht essen, was aufgetischt wird, so ist dies kein moralischer Einfluß. Sage Ich ihm aber: Du wirst beten, die Eltern ehren, das Kruzifix respektieren, die Wahrheit reden usw., denn dies gehört zum Menschen und ist der Beruf des Menschen, oder gar, dies ist Gottes Wille, so ist der moralische Einfluß fertig; ein Mensch soll sich da beugen vor dem Beruf des Menschen, soll folgsam sein, demütig werden, soll seinen Willen aufgeben gegen einen fremden, der als Regel und Gesetz aufgestellt wird; er soll sich erniedrigen vor einem Höheren: Selbsterniedrigung. „Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöhet werden.“ Ja, ja, die Kinder müssen bei Zeiten zur Frömmigkeit, Gottseligkeit und Ehrbarkeit angehalten werden; ein Mensch von guter Erziehung ist Einer, der „gute Grundsätze“ beigebracht und eingeprägt, eingetrichtert, eingebleut und eingepredigt worden sind.

Zuckt man hierüber die Achseln, gleich ringen die Guten verzweiflungsvoll die Hände und rufen: „Aber um’s Himmels willen, wenn man den Kindern keine guten Lehren geben soll, so laufen sie ja gerades Weges der Sünde in den Rachen, und werden nichtsnutzige Rangen!“ Gemach, Ihr Unheilspropheten. Nichtsnutzige in eurem Sinne werden sie allerdings werden: aber Euer Sinn ist eben ein sehr nichtsnutziger Sinn. Die frechen Buben werden sich von Euch nichts mehr einschwatzen und vorgreinen lassen und kein Mitgefühl für all die Torheiten haben, für welche Ihr seit Menschengedenken schwärmt und faselt: sie werden das Erbrecht aufheben, d.h. sie werden Eure Dummheiten nicht erben wollen, wie Ihr sie von den Vätern geerbt habt; sie vertilgen die Erbsünde. Wenn Ihr ihnen befehlt: Beuge Dich vor dem Höchsten – so werden sie antworten: Wenn er Uns beugen will, so komme er selbst und tue es; Wir wenigstens wollen Uns nicht von freien Stücken beugen. Und wenn Ihr ihnen mit seinem Zorne und seinen Strafen droht, so werden sie’s nehmen, wie ein Drohen mit dem Wauwau. Glückt es Euch nicht mehr, ihnen Gespensterfurcht einzujagen, so ist die Herrschaft der Gespenster zu Ende, und die Ammenmärchen finden keinen – Glauben,

Und sind es nicht gerade wieder die Liberalen, die auf eine gute Erziehung und Verbesserung des Erziehungswesens dringen? Denn wie könnte auch ihr Liberalismus, ihre „Freiheit in den Grenzen des Gesetzes“ ohne Zucht zustande kommen? Erziehen sie auch nicht gerade zur Gottesfurcht, so fordern sie doch um so strenger Menschenfurcht, d.h. Furcht vor dem Menschen, und wecken durch Zucht die „Begeisterung für den wahrhaft menschlichen Beruf“. (Der Einzige, S. 88f)

Jedes Kind, jeder Wilde und jedes Tier, das sich derartigen „fixen Ideen“ (Der Einzige, S. 225) widersetzt, sich „rücksichtslos“ auslebt, gilt als Verbrecher. Tatsächlich wird, wie bereits erwähnt, jedes Kind als Verbrecher geboren (Der Einzige, S. 219), einfach weil es nicht weiß, was dem Volk und dem Staat, in das es hineingeboren wird, zufälligerweise als „heilig“ gilt – und „nur gegen ein Heiliges gibt es Verbrecher“ (Der Einzige, S. 224). Die wilde Natur muß gezügelt werden. Bei Tieren nennt man das „Dressur“, bei Kindern „Erziehung“.

Ihr armen Wesen, die Ihr so glücklich leben könntet, wenn Ihr nach eurem Sinne Sprünge machen dürftet, Ihr sollt nach der Pfeife der Schulmeister und Bärenführer tanzen, um Kunststücke zu machen, zu denen Ihr selbst Euch nimmermehr gebrauchen würdet. Und Ihr schlagt nicht endlich einmal dagegen aus, daß man Euch immer anders nimmt, als Ihr Euch geben wollt. Nein, Ihr sprecht Euch die vorgesprochene Frage mechanisch selber vor: „Wozu bin Ich berufen? Was soll Ich?“ (Der Einzige, S. 365)

Verschwörungstheorien in der antiautoritären Gesellschaft (Teil 2)

18. September 2025

Man kann zwischen vier Arten von okularer Panzerung unterscheiden:

  1. Die okulare Panzerung beim Neurotiker. Sie tritt zur restlichen Panzerung des Körpers hinzu, kann beliebig schwer sein, bestimmt aber nicht den Charakter der Person. Die okulare Panzerung färbt sozusagen die Persönlichkeit ein. Man denke nur an die Panzerung des Kleinen Mannes, der buchstäblich „ein Brett vor dem Kopf“ hat. Oder an die übliche Kontaktlosigkeit seiner Mitmenschen.
  2. Beim Schizophrenen bestimmt die okulare Panzerung den Charakter selbst. Hier ist sozusagen die restliche Panzerung „das Anhängsel“, das die Persönlichkeit färbt. Beispielsweise ist der kataton-schizophrene Charakter mit der Körperpanzerung des Zwangscharakters assoziiert, der paranoid-schizophrene Charakter mit der des phallisch-narzißtischen Charakters.
  3. Unabhängig davon tritt bei den soziopolitischen Charakteren die okulare Panzerung auf. Je weiter sie sich von der Mitte zu den beiden Rändern des soziopolitischen Spektrums entfernen, desto stärker ist sie ausgeprägt. Man könnte von „ideologischer Verblendung“ sprechen.
  4. Hinzu kommt, daß sich die gesamte gesellschaftliche Atmosphäre verändern kann. Beispielsweise kann allgemein die Unsicherheit so zunehmen, daß unabhängig von den ersten drei Faktoren, die gesamte Bevölkerung „in den Augen weggeht“, d.h. keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Auch spielen hier beispielsweise der fast flächendeckende Konsum legaler und illegaler Drogen und die verheerende Wirkung der Unterhaltungsindustrie und der Massenmedien hinein.

In der seit etwa 1960 sich entwickelnden antiautoritären Gesellschaft, die sich um uns herum zunehmend konsolidiert, spielen alle vier Elemente hinein. Die klassischen triebgehemmten Neurotiker verschwinden langsam aber sicher und werden von Kreaturen abgelöst, die nach Charles Konia in etwa wie folgt aufgebaut sind:

  1. chronische Parasympathikotonie (reaktive bioenergetische Expansion), als Reaktion auf die zugrundeliegende Sympathikotonie (bioenergetische Kontraktion), die die Menschen in der autoritären Welt bestimmt hat;
  2. muskuläre Erschlaffung im Gegensatz zur muskulären Verspannung, wie sie Reich zwischen den 1930er und 1950er Jahren beschrieben hat;
  3. statt dessen wird die überexpansive Energie vom okularen Segment gebunden, daß entsprechend stark gepanzert ist;
  4. dies geht wiederum mit einer extremen emotionalen Kontaktlosigkeit einher;
  5. weshalb die Panzerung heute ausgeprägter ist als jemals zuvor;
  6. das sieht man daran, daß die Orgontherapie weitaus länger dauert (aus dem „Homo novis“ der antiautoritären Welt muß zuerst ein normaler Neurotiker gemacht werden, der dann wie zu Reichs Zeiten geheilt wird);
  7. trotz der oberflächlichen „Entspanntheit“ und Überexpansion sind die bioenergetischen Kontraktionen weitaus stärker ausgeprägt als jemals zuvor: schwerste Depressionen, Selbstmorde, „Borderline-Symptomatik“ und vor allem eine extreme Intoleranz für wirkliche Expansion (wirkliche Lebensfreude) – nicht zufällig gehen so viele Menschen „in schwarz“;
  8. das alles führt zu einer ewigen Rebellion ohne Ziel und Grund. Hierher gehört nicht zuletzt die Vorstellung, daß „die da oben“ in finsterste Verschwörungen verwickelt sind.

Soziopolitisch verschiebt sich das gesamte politische Spektrum nach links („Rotverschiebung“) mit entsprechend drastischen Gegenreaktionen von einzelnen Segmenten der Gesellschaft, die immer weiter in den Rechtsradikalismus abdriften.

Die generelle Zunahme der okularen Panzerung sieht man daran, daß weite Kreise der Bevölkerung zu „denken“ anfangen, wie sonst nur paranoid-schizophrene Charaktere. Ich spreche von den überhandnehmenden Verschwörungstheorien von der Mondlandung als Fake, über „9/11“ bis hin zu den „Chemtrails“.

In ihrer Studie „Dead and Alive: Beliefs in Contradictory Conspiracy Theories“ haben Michael Wood, University of Kent, Canterbury, et al. aufgezeigt, daß Verschwörungstheoretiker offenbar kaum Probleme damit haben, gleichzeitig zwei Theorien zu vertreten, die sich wechselseitig unbedingt ausschließen. Beispielsweise neigen Menschen, die davon überzeugt sind, daß Lady Diana ihren eigenen Tod inszenierte, um unterzutauchen, und daß Osama Bin Laden schon seit Jahren tot war, gleichzeitig zu der Auffassung, daß Lady Diana im Pariser Autotunnel vom englischen Geheimdienst ermordet wurde und Osama sich noch immer in einem Geheimversteck seines Lebens freut. Oder anders ausgedrückt: sich wechselseitig ausschließende Verschwörungstheorien stehen sich nicht etwa feindlich gegenüber, sondern ganz im Gegenteil unterstützen sie einander – manchmal im gleich Kopf. Das ist möglich, weil diese konträren Theorien eines verbindet, was alle anderen Überlegungen außer Kraft setzt: die Vorstellung, daß es per se eine Verschwörung gibt.

Oder mit anderen Worten: die „Verschwörungskultur“ ist nichts anderes als Emotionelle Pest: die vermeintlichen „Schlußfolgerungen“ stehen lange vor der Denkarbeit fest. Verschwörungstheorien sind destruktiver Irrationalismus auf dem sozialen Schauplatz und nichts außerdem.

Es geht bei ihnen nicht um Logik, sondern um die Vorstellung einer Verschwörung an sich. Will sagen: „die da oben“ (die Autoritäten) haben immer Unrecht, egal wie wirr und inkonsistent die „alternativen Theorien“ auch immer sein mögen. Es ist also nicht eine Sache des rationalen Abwägens, sondern das Diktat vollkommen irrationaler Emotionen („Rebellion“).

Natürlich sind Spekulationen über Verschwörungen nicht in jedem Fall etwas Schlimmes oder „Krankhaftes“. Das Problem ist die mangelnde Distanz: ohne okularen Panzer kann man klar die Umwelt wahrnehmen und widerspruchsfrei unterschiedliche Informationen objektiv abwägen, während okular gepanzerte Verschwörungstheoretiker die Wirklichkeit verzerrt wahrnehmen und sich in einem Netz von Widersprüchen verfangen, die mit immer neuen Zusatzvermutungen gegen jede logische Herausforderung verteidigt werden, so als ginge es um ein religiöses Glaubenssystem. In der antiautoritären Welt dreht sich alles nur noch um Subjektivität, welchen Eindruck man hat und wie man sich fühlt. Klares Denken, Logik? Nein, es geht um angeblich authentische Gefühle.

Verschwörungstheorien in der antiautoritären Gesellschaft (Teil 1)

17. September 2025

Es gibt zwei Richtungen, die dem Denken „orgonometrisch“ zur Verfügung stehen: quasi „induktiv“ zurück zum „gemeinsamen Funktionsprinzip“ (common functioning principle, CFP) oder quasi deduktiv ausgehend vom CFP vorwärts zu den unendlich vielen potentiellen Variationen.

In jedem Kriminalfall geht man induktiv vor, d.h. am Anfang stehen die überwältigend vielen konkreten Erscheinungen, mit denen der Detektiv konfrontiert ist. Das verengt sich zusehends auf immer weniger signifikante Details und Indizienstränge und wird entsprechend immer abstrakter. Die möglichen Tatszenarien verengen sich zusehends auf wenige, die möglichen Täter auf immer weniger. Sagen wir, den Koch, den Gärtner und den Butler. Neue Beweise und die pure Logik lassen schließlich nur den Butler über, den einen, sagen wir, „Mr. Reginald Sweeny“. Das ist rationales Denken, das im Verlauf immer abstrakter wird, aber dann doch bei einer konkreten Person landet und den Täter so dingfest macht.

Anders ist das mit Verschwörungstheorien bestellt. Dort steht der Täter praktisch von Anfang an fest, wie etwa bei den Morden an J.F. Kennedy und jetzt Charlie Kirk. Aber dann kommen die vermeintlichen „Experten“, die typischerweise von nichts eine Ahnung haben, etwa was Eintritts- und Austrittswunden betrifft und wie sich angeschossene Gliedmaßen bzw. der ganze Rumpf jeweils bewegen. „Deduktiv“ bauen dann diese Leute aus diesem vermeintlichen „CFP“ eine ganze Welt aus fiktiven Szenarien auf, die zu immer neuen fiktiven „Tätern“ führen, bis das ganze sich in einem sich unendlich verzweigenden Labyrinth verliert.

Das heißt weder, daß die eine oder andere Verschwörungstheorie nicht doch recht behalten wird, noch, daß Detektive nicht vollkommen Unschuldige vermeintlich „dingfest“ machen. Es heißt nur, daß der induktive Ansatz tendenziell mit klarem Denken und einem entsprechend relativ panzerungsfreien okularen Segment einhergeht, ohne daß das Resultat in allen Fällen richtig sein muß. Der deduktive Ansatz hingegen weist alle Merkmale irrationalen, sozusagen „gepanzerten“ Denkens auf, was nicht ausschließt, „daß auch ein blindes Huhn ein Korn findet“.

Ich kann nur immer wieder auf den Gerichtsprozeß gegen Lee Harvey Oswald verweisen – zwar fiktiv und 20 Jahre später in England durchgeführt, aber doch so, als wäre Oswald noch am Leben gewesen und hätte einen fairen Prozeß erhalten. Der Ankläger hat gewonnen, weil er exakt so vorgegangen ist, wie oben kurz umrissen. Oswalds Verteidiger hat verloren, weil er sich in vagen Szenarien, Verschwörungstheorien und moralischen Appellen („Gerechtigkeit“) verlor und dabei sichtlich bemüht war, die Aufmerksamkeit der Geschworenen vom CFP abzubringen und in immer abstrusere Gefilde des Möglichen zu führen:

Beim Attentat auf Charlie Kirk zeichnet sich jetzt das gleiche ab! Wieder werden Jahrzehnte mit haltlosen Spekulationen über vermeintliche „Widersprüche“ vertan werden, weil die Menschen biophysisch schwer geschädigt sind, insbesondere in ihrem Augensegment. Leute, die dir dann drolligerweise sagen: „Ja SIEHST du das nicht!“ Und wieder mit vorsichtig verbrämten Anspielungen antisemitischer Natur:

Hier ein typischer Kommentar zu einem dieser lächerlichen Videos, die „beweisen“, daß Kirk von rechts erschossen wurde: „This Tyler Robinson guy is nothing more than a patsy a scapegoat Charlie Kirk got the JFK treatment. One more victim of Israel.“

An sich ist das alles ein Fall für die Psychiatrie…., aber trotzdem: Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.

Leserbrief zum Fall Breivik (2011)

16. September 2025

Leserbrief zum Fall Breivik (2011)

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 4)

15. September 2025

Im Leben des Einzelnen und in der Geschichte der Völker ereignet sich nichts „einfach so“. Genauso wie im neurotischen Individuum alle Strebungen jeweils Impuls und Gegenimpuls (Abwehr) entsprechen, kann man auch gesellschaftliche Ereignisse, insbesondere aber Kriege, einordnen. Stets entspricht die eine Kriegspartei dem Durchbruch von Trieben und die andere dem Versuch, diese Triebe in Schach zu halten. „Materielle“ Interessenkonflikte spielen hierbei nur eine untergeordnete, vernachlässigbare Rolle. Jene Auseinandersetzungen, bei denen es geschichtlich tatsächlich nur um Ressourcen ging, entsprechen selbstredend nicht dem erwähnten neurotischen Kräftespiel und gehören deshalb nicht in diese Ausführungen. (Keine Angst, in späteren Teilen werde ich noch zu genüge auf die materiellen Interessen in den beiden Weltkriegen eingehen!)

Hier eine Tabelle von Kriegen, die primär neurotischer Natur waren:

Das ganze geht natürlich auch umgekehrt:

Es ist immer so, daß die Kräfte des Lebens (OR) gegen die Kräfte des Todes (DOR) stehen. Einer der Kontrahenten kann dabei gleichzeitig zwei entgegengesetzte Funktionen einnehmen. England kann gegen die rationale amerikanische Revolution angehen und gleichzeitig gegen die irrationale französische Revolution. Es ist genauso wie in der Neurose, wo etwa Zwanghaftigkeit jede natürliche Lebensäußerung unmöglich macht, aber gleichzeitig auch anal-sadistische Triebe in Schach hält.

Ähnlich sieht es mit dem Gegensatz zwischen „die Alliierten (DOR)“ und „Faschismus (OR)“ aus. Beispielsweise stand in den 1930er Jahren ganz und gar nicht fest, daß Italien, das sich schließlich als Schutzmacht eines unabhängigen Österreich sah, mit Deutschland ein Bündnis eingehen würde. England hätte damals kein Problem damit gehabt, sich mit Italien zu verbünden. Es hatte ja auch keines bei Polen, das zu dieser Zeit alles andere als eine Demokratie war! Im Verlauf des Krieges wechselte die Sowjetunion die Fronten: von einem faktischen Bündnispartner Deutschlands zu einem offenen Bündnispartner Englands. England hatte damit kein Problem, obwohl die Sowjetunion in mancher Hinsicht schlimmer als Hitlerdeutschland war!

Nun, das sind abstrakte Überlegungen im Nachhinein vom bequemen Schreibtisch aus. Italien hatte sich nun mal auf Gedeih und Verderb mit Deutschland verbunden und schließlich sogar dessen „Rassengesetze“ übernommen. Rußland bot sich dem vollkommen isolierten England als Waffenbruder an, nachdem Hitler Rußland angegriffen hatte, explizit um England auch diese letzte Hoffnung eines möglichen Bündnispartners auf dem Kontinent zu nehmen. Churchill konnte da gar nicht anders, als sich mit der Sowjetunion zu verbünden, zumal deren Lage anfangs alles andere als rosig aussah und die Sowjetunion entsprechend nicht gerade bedrohlich wirkte!

Genauso wie in der Orgontherapie es nicht darum geht, Panzerung per se zu beseitigen, nur weil sie vorhanden ist, sondern systematisch vorzugehen, d.h. jeweils darauf zu achten, welche Funktion die Panzerung im gegebenen Augenblick hat, gilt auch in der Geschichte, daß eine gewisse Ehrfurcht vor der Macht des Faktischen geboten ist. Die freie Welt, die damals in Gefahr stand, auf die USA reduziert zu werden, konnte unmöglich gleichzeitig Hitler und Stalin angreifen. Die Umstände zwangen dazu, zuerst Hitler zu beseitigen und erst dann die Sowjetunion. General Patton wollte zusammen mit der Wehrmacht unter neuer Führung gleich weiter nach Moskau weitermarschieren. Dies war politisch unmöglich durchsetzbar. Doch wenige Jahre später wurde mit Wehrmachtsoffizieren die Bundeswehr gegründet und in einem Kalten Krieg schließlich auch die Sowjetunion besiegt. Wären durch die Atomspione und durch Playboy-Politiker a la Kennedy den Alliierten nicht ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen worden, wäre die Sowjetunion spätestens in den 1960er Jahren kollabiert, aber 1989, spätestens 1991, hat es dann doch geklappt.

Trotzdem bleibe doch die Tatsache, daß ich in meiner Gleichung ausgerechnet die Sowjetunion Stalins mit der pulsierenden Orgonenergie (OR) gleichgesetzt habe! Meine Antwort: Es handelt sich bei orgonometrischen Gleichungen nie um mechanische („logische“) Gleichsetzungen und Entgegensetzungen, sondern um funktionelle (lebendige) Beziehungen, d.h. um bewegliche Prozesse, die nicht vom Zusammenhang und der zeitlichen (bzw. funktionellen, was nicht unbedingt das gleiche sein muß) Entwicklung getrennt werden können. Ein und das gleiche Messer sind in den Händen eines Chirurgen und in den Händen Jack the Rippers funktionell vollkommen unterschiedliche Dinge. Das gleiche gilt auch, wenn Jack the Ripper tagsüber als Chirurg gearbeitet hätte! Am Tag wäre Jack ein Werkzeug des Lebendigen gewesen, nachts ein Werkzeug der Hölle.

Prinzipiell ist eine Beckenpanzerung etwas Schlimmes, sogar sozusagen das „ultimative Böse“. Für den Neurotiker, erst recht für Schizophrene, ist die Beckenpanzerung jedoch ein absoluter Segen, da sie den Organismus vor der Überflutung mit Energie und dem kompletten Zusammenbruch bewahrt. Wahrheiten sind wohlfeil, Gegenwahrheiten sind kostbar! Das Problem ist, daß Faschisten ähnlich wie „Reichianische“ „Bioenergetiker“ mit Wahrheiten nur so um sich werfen, als handele es sich um Konfetti. Das geht soweit, daß heute in der sehr populären „revisionistischen“ Literatur Churchill als Blutsgeselle Stalins verteufelt wird, während Hitler demgegenüber geradezu ein Glorienschein verliehen wird. (Keine Angst, auch in dieser Beziehung werde ich in den folgenden Teilen nicht einfach den konventionellen Standpunkt widerkauen!)

Max Stirner, Soter (Teil 27)

9. September 2025

Durch Freundschaften, Handelsaustausch und andere Formen des lustvollen „Verkehrs“ löst sich die ursprüngliche Gesellschaft auf und es entsteht der Verein. Betrachtet man, so Stirner, das alltägliche Leben, hat man hunderte von solchen teils schnell vorübergehenden, teils dauernden egoistischen Vereinen vor sich: Kinder die sich zum Spielen zusammenfinden, Freundschaften, Liebespaare, etc. (Parerga, S. 204). Im Verein findet man zusammen, um einander zu genießen, wobei keiner der Partner „zu kurz kommt“ (Parerga, S. 204). Aus diesen Vereinen kann wiederum aufgrund der Charakter-Deformationen ihrer Mitglieder eine (sekundäre) Gesellschaft hervorgehen: die berüchtigte „Vereinsmeierei“, Gilden, Parteien, der Staat und andere „heilige“ Gebilde. Sie sind abgestorbene Vereine, in denen das unaufhörliche Sich-Vereinigen zum Stillstand gekommen ist (Der Einzige, S. 342). Reich hat beschrieben, wie aus Lustangst die Menschen aus den „Vereinen“ in eine Ersatzfamilie flüchten, in der das Heimatland die Mutter verkörpert und der „Führer“ den strengen, gerechten und gütigen Vater. (Darauf beruht heute der Antikapitalismus der roten und schwarzen Faschisten.)

Mit der Unterdrückung des Vereins, also des freien „bioenergetischen und arbeitsdemokratischen“ Austausches zwischen den Menschen, wird auch die primäre Gesellschaft zerstört. Das sieht man z.B. daran, daß die Eltern der öffentlichen Schule immer größere Teile der Erziehungsaufgabe zuschanzen. Mit dem generellen Zerfall der Gesellschaft bricht auch die ursprüngliche, die organisch gewachsene Gesellschaft, also die Familie, sogar die Mutter-Kind-Bindung, und damit der unverzichtbare „Mutterboden“ des Einzigen und des Vereins, zunehmend weg. Es ist wie Bodenerosion: die Wüste wächst. Stirner konnte noch wie selbstverständlich aus dem „Nichts“, d.h. der „schaffenden Gedankenlosigkeit“ (Der Einzige, S. 380), der Körperlichkeit, der „Natur“ schöpfen, während die gegenwärtig heranwachsende Generation buchstäblich ins „Nichts“ fällt, in ein inneres Vakuum. Daher die Sucht nach Unterhaltung und Ablenkung – die innere Leere soll gefüllt werden. Stirner konnte noch davon ausgehen, daß es nur Vorteile hat, wenn sich die Kinder von ihren Eltern loskoppeln und in freien Austausch mit ihren Altersgenossen treten (Der Einzige, S. 342). Heute ist es so, daß der Einfluß der Altersgenossen derartig negativ ist, daß verantwortungsvolle Eltern sich weigern müßten, ihre Kinder auf öffentliche Schulen zu schicken. Daß die Grundlage des Vereins zunehmend verschwindet, insbesondere dadurch, daß Frauen „sich selbst verwirklichen wollen“, ist der ultimative Verrat an der Aufklärung.

Neben den angeborenen Instinkten fehlt ihnen auch das erworbene Wissen, das sich quasi in einen „Trieb“ verwandelt hat. Stirner spricht bei diesem „Trieb“ von „bewußtlosem Wissen“ und „Instinkt des Geistes“ und nennt etwa das Taktgefühl (Parerga, S. 93). Zum Beispiel ist unser Organismus seit wir uns von Insektenfressern zu Halbaffen entwickelt haben, auf „Süßigkeiten“ programmiert: süße Früchte, die praktisch nie im Überfluß vorhanden sind. Heute werden wir damit bombardiert. Da ist Selbstzucht gefragt und es gilt Stirners Diktum:

Ich nehme mit Dank auf, was die Jahrhunderte der Bildung Mir erworben haben; nichts davon will Ich wegwerfen und aufgeben: Ich habe nicht umsonst gelebt. Die Erfahrung, daß Ich Gewalt über meine Natur habe und nicht der Sklave meiner Begierden zu sein brauche, soll Mir nicht verlorengehen; die Erfahrung, daß Ich durch Bildungsmittel die Welt bezwingen kann, ist zu teuer erkauft, als daß Ich sie vergessen könnte. Aber Ich will noch mehr. (Der Einzige, S. 374)

Auch spricht Stirner nicht dem sozialen Chaos das Wort. Selbstverständlich ist es den Menschen unbenommen sich zu wehren und „asoziales“ Verhalten zu bestrafen. „Das ist keine Sündenstrafe, keine Strafe für ein Verbrechen.“ Es geht dabei nicht um die Verletzung irgendwelcher „heiligen Gesetze“, sondern um den freien Entschluß des Einzelnen die Folgen etwaiger Taten tragen zu wollen oder nicht (Der Einzige, S. 263f). Es geht darum, daß sich die Geschädigten an jenen gütlich tun, die ihnen Gewalt angetan haben, nicht darum, daß irgendein „heiliges Recht“ befriedigt wird (Der Einzige, S. 266). Oder mit anderen Worten: die Gruppen von Menschen geben sich Regeln, die das Verbrechen zu einer Dummheit machen – oder die Regeln setzen sich so im Einzelnen fest, daß das Verbrechen zu einer Sünde wird.

Jene Hingebung an das Heilige bewirkt denn auch, daß man, ohne lebendigen, eigenen Anteil, die Übeltäter nur in die Hände der Polizei und Gerichte liefert: ein teilnahmsloses Überantworten an die Obrigkeit, „die ja das Heilige aufs Beste verwalten wird“. Das Volk ist ganz toll darauf, gegen Alles die Polizei zu hetzen, was ihm unsittlich, oft nur unanständig zu sein scheint, und diese Volkswut für das Sittliche beschützt mehr das Polizeiinstitut, als die Regierung es nur irgend schützen könnte. (Der Einzige, S. 267)

Die seit Kindertagen zurechtgestutzten „unterdrückten Massen“ betreiben ein universelles Mobbing gegen den Einzelnen, „den seine Kühnheit, sein Wille, seine Rücksichtslosigkeit und Furchtlosigkeit leitet (…) Das Volk – ihr gutherzigen Leute, denkt Wunder, was Ihr an ihm habt – das Volk steckt durch und durch voll Polizeigesinnung. – Nur wer sein Ich verleugnet, wer ‘Selbstverleugnung’ übt, ist dem Volke angenehm“ (Der Einzige, S. 219f).

Trump in der Moorburg

8. September 2025

Reich schrieb 1942:

Es gibt in der Gesellschaft eine bestimmte Menschenschicht, die verstreut ohne Zusammenhang lebt und wirkt: die Schicht der mit natürlicher Sexualität ausgestatteten genitalen Charaktere. Man findet sie außerordentlich häufig im Industrieproletariat. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 151)

Trump ist sicher kein genitaler Charakter, aber er hat diese genitalen, bodenständigen Arbeiter-Qualitäten, wie man sie insbesondere bei amerikanischen Bauarbeitern findet; einem Umfeld, in dem Trump aufgrund der Baufirma seines Vaters aufwuchs und das er nie verlassen hat. Diese zupackende, hemdsärmelige Ausstrahlung treibt eine bestimmte Art von Menschen in den Wahnsinn. Das Trump Derangement Syndrome ist eindeutig eine Emotionelle Pest-Reaktion gegen Genitalität und Arbeit! Die orgastisch impotente Pest kann nicht lieben, nicht arbeiten, nichts aufbauen, sondern nur Dinge in die Luft jagen und die Arbeit von Generationen zerstören.

Der Konservative identifiziert sich mit seinem Vater, versucht allenfalls ihn zu übertrumpfen, entsprechend fühlt er sich als integraler Bestandteil der Welt, glaubt an „Gott Vater“, oder zumindest an „Mutter Natur“, und fühlt sich wohl und geborgen und kann entsprechend mit Schuldgefühlen umgehen, d.h. er sieht sich gerechtfertigt „vor dem Herrn“. Die Schuld diffundiert sozusagen in die Tiefe des Raumes. Bloße Naturverbundenheit reicht da vollständig aus.

Ganz anders der nicht nur in dieser Beziehung „oberflächliche“ Liberale. In der ödipalen Auseinandersetzung rebelliert er gegen den Vater, fühlt sich nicht als Teil von dessen Erbe (Generationenfolge) und nicht als Teil von dessen Welt (Umgebung). Tatsächlich ist der Liberale sozusagen aus der Welt gefallen. Da er es innerlich nicht verarbeiten kann, frißt ihn das Schuldgefühl auf, das deshalb ständig durch „Gutmenschentum“ kompensiert bzw. „ausgeglichen“ werden muß. Man denke nur an die Grüne Energiepolitik, mit der die Schuld durch Engagement für die Umwelt und für die „Armen und Enterbeten“ (mit denen sich der Liberale wegen seiner Rebellion identifiziert!) abgetragen, gleichzeitig dadurch aber der Vater und sein Erbe weiter gemordet wird. Sein Schuldabtragen beschert dem Liberalen also noch mehr Schuld! Ein Circulus vitiosus, der nur in der kommunistischen Katastrophe münden kann.

Trump wird deshalb dermaßen gehaßt, weil er als erfolgreicher Immobilienmogul, notorischer Womanizer und Patriarch über eine große Familie die ultimative Vaterfigur darstellt („Daddy the Pig“), sich ständig zum Vaterland bekennt und Amerika wieder groß machen will; weil er seine gesamte politische Laufbahn darauf aufbaute, sich „rücksichtslos“ über die liberale „Schuldökonomie“ und das Gutmenschentum lustig zu machen und schließlich weil er ständig den Liberalen als das darstellt, was dieser tatsächlich ist: ein kommunistischer Mörder. Hinzu kommt, daß der „Faschist“ Trump eine „Schuldverarbeitungsstelle“ nach der anderen schleift (Sozial- und Umweltschutzprogramme), – ähnlich wie der subversive Grüne, quasi als Mitglied einer neuen RAF, ein Kraftwerk nach dem anderen in die Luft sprengt. Hier Moorburg, Hamburg – einst das modernste Kohlekraftwerk der Welt. Wert: 1 Milliarde Euronen. Man muß Moorburg mit eigenen Augen gesehen haben, um es zu glauben! Das ist kein geregelter „Rückbau“, das ist blanker Roter Terror!

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 3)

6. September 2025

Es geht in dieser Serie von Blogeinträgen um den „Dreißigjährigen Krieg“ im 20. Jahrhundert (1914-1945), der das Deutsche Reich nach einer über eintausendjährigen, nach außen hin fast immer friedlichen Geschichte, für immer ausgelöscht hat.

Viele wird das alles befremden. Bin ich etwa ein „Rechter“? Deshalb hier einige weitere Vorbemerkungen:

Ich betrachte die Alliierten als „OR“ und die Nazis als „DOR“:

Diese Betrachtungsweise ist eine funktionelle, d.h. es handelt sich hier nicht um einen mechanischen Gegensatz, denn im Einzelfall kann das ganze geradezu gegensätzlich aussehen. Deshalb ist die obige Gleichung alles andere als überflüssig! Mir kann beispielsweise niemand weißmachen, daß die Bomber, die die Arbeiterviertel Hamburgs in die Hölle auf Erden verwandelten, „OR“ waren, während die deutschen Flakeinheiten für „DOR“ standen! Das gleiche gilt für die Wehrmachtseinheiten (meinetwegen auch SS-Einheiten), die deutsche Flüchtlingstrecks aus dem Osten Flankenschutz gewährten! Diese Beispiele lassen sich beliebig vermehren, ohne die obige Grundgleichung in Frage zu stellen. Mechanisten, d.h. Dummköpfe, werden das nie verstehen.

Man muß stets versuchen, so wie der Gegner zu denken; so zu denken, wie der Teufel höchstpersönlich. Man muß, um etwa den Zweiten Weltkrieg zu verstehen, die Welt mit den Augen Hitlers betrachten! „Warum?“ Warum wurden die Juden ermordet, und warum wurde die Sowjetunion überfallen? Hier finde ich beispielsweise folgende Gedanken, die ich in Anlehnung an Gunnar Heinsohn vortrage, ziemlich überzeugend:

Man kann Hitler nur verstehen, wenn man sich bewußt ist, daß er in erster Linie Rassist war. Er betrachtete alles aus „biologischer“ Warte, ausnahmslos alles. Hitlers „Analyse“ zufolge hatte Deutschland den Ersten Weltkrieg aus zwei Gründen verloren. Die Deutschen seien in ihrer Kriegsführung nicht brutal und konsequent genug vorgegangen, wegen ihrer „un-germanischen“ christlichen und vor allem humanistischen Gesinnung. Diese hatte in Hitlers Augen eine „rassische“ Basis“, die Juden, so daß diese verschwinden mußten, wollte man das Problem lösen. Die „Logik“ eines paranoid-schizophrenen Charakters!

Der zweite Grund für die Kriegsniederlage war, daß England durch die Seeblockade Deutschland förmlich zu Tode hungern ließ. 800 000 Deutsche starben in der Kriegszeit an Hunger und schwerer Fehlernährung, manche verhungerten buchstäblich. Es war praktisch unmöglich den Krieg unter diesen Umständen fortzuführen, zumal ständig „kommunistische“ Hungerrevolten drohten. Das ist der Grund für Hitlers Streben nach großen Territorien im Osten. Er wollte Deutschland für immer autark und damit kriegsfähig machen. Da er Rassist war, war sein Kolonialkrieg, und als nichts anderes betrachtete er ihn, ein ethnischer Ausrottungskrieg gegen Slaven.

Wenn ich versuche, die verquere „Rationalität“ der Nazis zu verstehen, die bei Kritik hämisch auf die Kolonialpolitik der Westmächte verwiesen, macht mich das noch lange nicht zu einem Nazisympathisanten. Aber viele Menschen sind einfach zu dumm, zu dumpf, um das zu verstehen.

Geschichtswissenschaft wird von der Fähigkeit getragen, sich in das Denken und Fühlen anderer Menschen einzutunen. Manche Menschen scheinen Angst zu haben, sich durch so ein Einfühlen irgendwie anzustecken, mit einer „emotionalen Pest“ anzustecken. Nun, niemand soll sich zum Beispiel in die Taten eines Kinderschänders hineinversetzen, aber man sollte schon versuchen, so wie ein Kinderschänder zu denken, wenn dieser auf der Suche nach seinen Opfern ist. Nur so kann man seine Kinder effektiv schützen!

Aber bleiben wir bei Hitler und dem, wie man damals sagte, „Hitler-Faschismus“: Zunächst einmal sollte sich jeder Leser stets folgende Grundaussage Reichs vor Augen halten:

(…) dazu hatten mich meine ärztlichen Erfahrungen mit Menschen vieler Schichten, Rassen, Nationen, Glaubensbekenntnissen etc. gelehrt, daß „Faschismus“ nur der politisch organisierte Ausdruck der durchschnittlichen menschlichen Charakterstruktur ist, eine Struktur, die weder an bestimmte Rassen oder Nationen noch an bestimmte Parteien gebunden ist, die allgemein und international ist. In diesem charakterlichen Sinne ist „Faschismus“ die emotionelle Grundhaltung des autoritär unterdrückten Menschen der maschinellen Zivilisation und ihrer mechanistisch-mystischen Lebensauffassung. (…) Der Faschismus wird auch heute noch, infolge des politischen Fehldenkens, als eine spezifische Nationaleigenschaft der Deutschen oder der Japaner aufgefaßt. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 13)

Charles Konia hat darauf hingewiesen, daß im Ersten Weltkrieg die Amerikaner in Europa nichts verloren hatten und daß der pseudo-liberale Charakter Woodrow Wilson persönlich die Verantwortung für alles trägt, was nach der Kapitulation Deutschlands geschehen ist (The Emotional Plague, S. 117f). Konia an anderer Stelle: „Der Zerfall der sozialen und wirtschaftlichen Ordnung in Deutschland ebnete den Weg für die Popularität des Kommunismus und Sozialismus und den genauso verzweifelten wie rücksichtslosen Versuch der Eindämmung durch Adolf Hitler und die Ideologie des Nationalsozialismus“ (Neither Left Nor Right, S. 305). Das ist Ernst Nolte! (Stichwort „Historikerstreit“.)

Und genau wie Ernst Nolte wollte auch Reich Hitler gerecht werden. Er schrieb über ihn: „Hitler hat alle moralischen Argumente, die innerhalb der jetzigen Welt gelten, auf seiner Seite. Ebenso Solidarität, Mut, Kraft” (Jenseits der Psychologie, S. 219). Dies ist nicht aus dem Zusammenhang gerissen, sondern es kommt sogar „noch schlimmer”, wenn man Reichs gesamten Tagebucheintrag vom 11. März 1938 liest, wo er dazu aufruft „Hitler recht zu geben“, d.h. die Welt aus dessen Augen zu sehen! Am 12. September des gleichen Jahres notierte sich Reich: „Heute hörte ich die Rede Hitlers – Wie recht der Mann im Rahmen der Schweinerei hat!! Kein vernünftiges Argument gegen ihn!” (ebd., S. 258). Ich habe Hitlers Rede gelesen. Hitler hatte die unglaubliche Verlogenheit der westlichen Kolonialmächte angegriffen, die es sich herausnahmen Italien und Deutschland zu kritisieren. Und schließlich: „Bevor die Morde Hitlers voll verstanden werden konnten, mußte die Wahrheit, die er über Marxisten, Juden, Liberale und die Weimarer Republik gesagt hatte, erkannt werden” (Christusmord, Freiburg 1978, S. 357).

Ich picke da bei Reich nicht irgendetwas raus, vielmehr steht das alles in einem Kontext. Reich betrachtete den Nationalsozialismus als einen Schritt in die richtige Richtung! Bevor der Leser eine Herzattacke bekommt – lesen hilft:

Im Neuheidentum des deutschen Nationalsozialismus brach sich das vegetative Leben abermals Bahn. Der vegetative Wellengang wurde von der faschistischen Ideologie besser erfaßt als von der Kirche und ins Irdische herabgeholt. Die nationalsozialistische Mystik der „Blutwallung“ und der „Verbundenheit mit Blut und Boden“ bedeutet somit gegenüber der altchristlichen Anschauung von der Erbsünde einen Fortschritt; er erstickt jedoch in neuerlicher Mystifizierung und in reaktionärer Wirtschaftspolitik. Die Lebensbejahung biegt neuerdings in Lebensverneinung um, wird zur Bremsung der Lebensentfaltung in der Ideologie der Askese, des Untertanentums, der Pflicht und der Rassengemeinschaft. Trotzdem kann man nicht die Sündenlehre gegen die Lehre von der „Blutwallung“ verteidigen; man muß die „Blutwallung“ vorwärtstreiben, sie zurechtbiegen. (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 267)

Es geht hier nicht darum, den Nationalsozialismus und seine Untaten zu relativieren, sondern darum, sowohl die Welt, aus der er erwuchs, als auch die weltweite Emotionelle Pest bloßzustellen! Beispielsweise waren die Juden nicht nur Opfer des deutschen, sondern auch des angloamerikanischen Antisemitismus. Muß ich den NSDAP-Finanzier Henry Ford erwähnen? Man betrachte einmal die Frage nach der Bombardierung von Auschwitz. Roosevelt wollte nichts davon wissen. Jedenfalls war sein Antisemitismus symptomatisch für die Führungseliten des Westens.

Was sind die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg? Erstens können sich Gruppen wie die Juden nur auf sich selbst verlassen. Die israelische Armee ist die Antwort auf den Holocaust! Und zweitens darf man Mächte nicht in die Enge treiben. Als Europa nach dem Fall von Byzanz endgültig vom Handel mit Asien abgeschlossen war, kolonisierte es die Welt und rottete dabei ganze Völker aus. Ähnlich sah sich Deutschland in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts von den westlichen Kolonialmächten in die Enge getrieben und suchte nach „Lebensraum“. Gnade uns Gott, wenn sich etwa China „hoffnungslos eingekreist“ fühlt! Man denke daran, wie man mit Japan umgegangen ist, als es 1941 den europäischen Kolonialismus in Indochina durch – asiatischen Kolonialismus ersetzen wollte: Wirtschaftssanktionen, vor allem aber ein Öl-Embargo, das 88% seiner Ölimporte betraf, was den Angriff auf Pearl Harbor unausweichlich machten.