Der Generalfeldzug gegen die Genitalität

6. März 2019

Münster ist der roteste Flecken in Deutschland. Der einzige Wahlkreis, wo die AfD bei den letzten Bundestagswahlen unter 5% geblieben ist. DER EINZIGE! Das ist so bemerkenswert, weil, wenn man hier als Hamburger hinkommt, einem der Mief der letzten tausend Jahre entgegenschlägt. Über der Stadt liegt eine Wolke des Konservatismus. Nicht nur mir, sondern auch einem Orgonomen ist aufgefallen, wie im Vergleich zu Hamburg, die Leute gedrückt durch die Straßen schleichen. Für mich ein echter Kulturschock! Überall Pinguine, das passende Glockengeläut aus bedrohlichen papistischen Tempeln und stets hat man das Gefühl, Prof. Boerne würde einem über den Weg laufen, ganz zu schweigen von den Westfälischen Bollerköppen überall, als kämen sie gerade von ihrem Bauernhof. Psychiatrieprofessoren sagen einem gerne, hier gäbe es noch richtige Neurotiker, nicht nur frühgestörte Freaks wie in Köln, Frankfurt, Berlin und Hamburg. In Münster ist die Welt noch in Ordnung!

Daß gerade eine solche Stadt vollständig, wirklich zu 100% in rotgrüner Hand ist, eine Hochburg des „Antifaschismus“ und die Hölle auf Erden für jeden aufrechten Deutschen macht die Lage so dramatisch. „Der Russe“ steht nicht etwa an der Oder – er steht bei dir mitten in der Küche!

Um was es geht, zeigen zwei Ereignisse dieser Tage. Heute in Münster, das eine Hochburg der CDU und der Normalität sein sollte, saß ich zur Mittagspause im Imbiß, am Nachbartisch zwei junge Frauen, eine hochschwanger:

Wie soll denn dein Kind heißen?
Das ist wirklich ein Problem, denn wir wollen es nicht von Anfang an auf ein Geschlecht festlegen. Es soll selbst die Wahl haben.
Ja, aber der Standesbeamte wird doch ein Geschlecht eintragen.
Nein, man hat heute das Recht das offenzulassen, „unentschieden“. Unser Kind soll frei heranwachsen und später dann selbst die Entscheidung treffen.

Im Namen der „Freiheit“ und der „Wahrheit“ (schließlich sagt „die Wissenschaft“, daß es Frauen mit einem Penis und Männer mit einer Vagina gibt) wird hier ein Kind in einer emotionalen Wüste ausgesetzt. Noch vor wenigen Jahren hätte man dieser Psychopathin angesichts ihrer schweren Geisteserkrankung direkt nach der Geburt das Sorgerecht entzogen! Jetzt ist diese Geisteshaltung das Normalste der Welt. Kein CDUler würde sich trauen, auch nur eine Augenbraue zu heben.

Oder man schaue zur Schwesterpartei im Süden, zur ÖVP:

Der schiere Wahnsinn greift um sich. Der festliche Tanz, diese öffentliche Feier der Genitalität, die es weltweit in keiner anderen Kultur gibt, demonstrativ entwertet – von den angeblichen „Konservativen“. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt sich schon daran, daß niemand aufschreit. Die Emotionelle Pest radiert die allerletzten Refugien der Genitalität im Namen von Freiheit und Wahrheit aus. Die Kinder der Zukunft, die Liebe zwischen Mann und Frau verlieren auch noch den letzten Halt in der Gesellschaft und die Emotionelle Pest schließt ihren Generalfeldzug gegen das Lebendige mit einem Triumphzug ab.

P.S. Im obigen Video setzt Martin Sellner die heutige Dekadenz mit der Dekadenz in der Antike gleich. Das gemahnt an Reichs entsprechende Ausführungen in Christusmord!

Gott schütze Deutschland, Gott schütze Österreich!

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 7

5. März 2019

orgonometrieteil12

7. Orgonomie 4.0

Donna Reid in Frankfurt

4. März 2019

von David Holbrook, M.D.

Das ist meine Freundin, Donna. In den 1990er Jahren lebte und sang sie in Italien, Deutschland und Frankreich. Nach ihrer Rückkehr in die USA studierte sie mit Cornelius Reid, einem bekannten Gesangslehrer (siehe seinen Wikipedia-Eintrag: https://en.wikipedia.org/wiki/Cornelius_L._Reid), der 2008 verstarb. Cornelius hatte eine Therapie bei Reichs wichtigstem Schüler Ellsworth Baker, mit dem er nach seiner Therapie persönlich befreundet blieb. Cornelius entdeckte, daß der „funktionelle“ Ansatz der orgonomischen Therapie sehr dem glich, wie er sich bereits der Stimme annäherte: die Hindernisse der natürlichen Stimme zu beseitigen. Cornelius und Donna haben darauf hingewiesen, daß die Muskeln, die die Stimmbänder kontrollieren, vom autonomen Nervensystem innerviert werden und daher fast völlig außerhalb jeglicher Art von sinnvoller bewußter Kontrolle liegen, was die Gesangstechnik betrifft. Daher entwickelten sie individuelle Stimmübungen, die die Stimme der gegebenen Person auf der Grundlage dessen befreien, was sie in der Stimme des Schülers hören. Die Ergebnisse sind oft wunderbar, und obwohl es sich um keine Therapieform handelt, stellen ihre Schüler oft fest, daß sie nicht nur als Sänger, sondern auch in ihrem emotionalen Kontakt zu sich selbst wachsen können, was häufig zu plötzlichen emotionalen Durchbrüchen als Folge des Gesangsunterrichts führt. Cornelius schrieb vier Bücher, darunter The Free Voice und Voice: Psyche and Soma. Außerdem veröffentlichte er einen zweiteiligen Artikel über funktionelles Stimmtraining im Journal of Orgonomy. Er führte regelmäßig Meisterkurse in Europa durch, oft auch in Deutschland, so wie es nun auch Donna jedes Jahr tut. Hauptsächlich werden Musicaltheater-Schüler unterrichtet. Drei oder mehr ihrer Schüler haben die beiden Hauptrollen im Broadway-Musical „Wicked“ gespielt, und sie hatte viele andere Schüler, die am Broadway gespielt haben. Sie unterrichtete lange Zeit an einem der führenden Ausbildungsprogramme für Musicaltheater-Künstler, der American Musical and Dramatic Academy in New York City. Donna hat die Website (http://www.donnasreid.com/) und lehrt an der Upper West Side von Manhattan. Sie hat auch Seminare beim American College of Orgonomy geleitet. Außerdem ist sie der wunderbarste Mensch, dem ich je begegnet bin.

 

Dieser Text wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

David Holbrook, M.D.: EMOTIONEN UND POLITISCHE DISKUSSION (Teil 3)

3. März 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Emotionen und politische Diskussion (Teil 3)

 

David Holbrook, M.D.: EMOTIONEN UND POLITISCHE DISKUSSION

2. März 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Emotionen und politische Diskussion

 

Die Begegnung Wilhelm Reich – Albert Einstein (Teil 3)

1. März 2019

von Bernd Laska

 

Reich war sich lange Zeit nicht im Klaren, warum sich Einstein auf solche Art und Weise zurückgezogen haben mag, wo er doch anfangs großes Verständnis und Interesse gezeigt und auch kooperiert habe. Im Kreise seiner Mitarbeiter gab es eine Reihe von Theorien darüber, die natürlich alle nicht überprüfbar waren. Als dann am 17.3.1950 in der New York Times eine Meldung erschien, nach der Einsteins früherer Assistent Leopold Infeld – aus Polen gebürtig und 1936 emigriert – in seine Heimat zurückkehrte, glaubte Reich das Rätsel um Einsteins Verhalten gelöst: als Teil einer kommunistisch gelenkten Kampagne gegen ihn. Das war nun keineswegs eine Wahnidee aus heiterem Himmel. Wer Reichs Dokumentensammlung /3/ zu diesem Komplex gelesen hat und sich bewußt ist, daß das Dokumentierbare nur die Spitze eines Eisbergs sein mag, findet diese Einordnung des Falles Infeld nicht so absonderlich. Daß Infeld Marxist war, geht schon aus der Tatsache hervor, daß er in das stalinistische Polen ging; aber auch in seiner Autobiographie /4/ bezeichnet er sich als „undogmatischen Marxisten“, der von den Taten der Stalin-Ära erst nach dem XX. Kongreß der KPdSU erfuhr (S. 194 und 170). Allerdings hat er, nachdem er von 1936-38 Einsteins Assistent war, bis zum Ende des 2. Weltkrieges an der Universität Toronto Mathematik gelehrt und Einstein in dieser Zeit („soweit ich mich erinnere“) nicht gesehen.

Die Sache ist nie weiter aufgeklärt worden. Man sollte vielleicht auch mal versuchen, sich die Atmosphäre unter Amerikas Physikern (davon viele deutsche Emigranten) vorzustellen, als in Deutschland Otto Hahn die erste Uran-Atomkernspaltung gelang. Auch Einstein, der zwar nicht zur engeren Kreis der Physiker des (Atombomben-) Projektes „Manhattan“ gehörte, war hier sehr engagiert. Außerdem war er von der jungen Physikergeneration theoretisch isoliert, weil er sich weigerte, die von Heisenberg und anderen begründete Quantenmechanik voll anzuerkennen („Gott würfelt nicht!“). Er arbeitete an einer Theorie, die auf seiner ursprünglichen aufbaute und der Quantenmechanik überlegen werden sollte. In dieser Situation kam ihm die Reich-Sache sicher nicht gelegen, zumal Reichs Theorie, wie sich später herausstellte, die Annahme eines Äthers erforderte. Einstein mag diese Konsequenz geahnt und sich deshalb zurückgezogen haben, denn sein Lebenswerk ruhte nun mal auf der Abschaffung des Ätherkonzeptes. (/5/)

Wie dem auch gewesen sein mag: ob kommunistisch gelenkte Kampagne, ob ein einzelner marxistisch oder sonst feindselig gesinnter Assistent, ob Gerüchte aus Psychoanalytikerkreisen oder ob Einsteins eigener Entschluß es war, für uns bleibt wichtig:

  1. Einstein hat die Temperaturdifferenz zwischen Akku und umgebender Luft als „Bombe“ für die Physik bezeichnet.
  2. Einstein hat die Temperaturdifferenz durch eigene Messungen bestätigt, sie dann aber auf konventionelle Art gedeutet.
  3. Reich hat weitere Experimente unter Ausschaltung der Möglichkeit von Konvektion gemacht und den gleichen, im Freien noch deutlicher auftretenden Effekt erzielt und dies Einstein mitgeteilt.
  4. Einstein hat sich auf merkwürdige Art aus der Affäre gezogen.

Die Temperaturdifferenz wurde später von Reich und anderen ungezählte Male bestätigt und war Grundlage für Reichs weitere Arbeit. Von der etablierten Wissenschaft sind Reichs Arbeiten aber nie mehr ernst genommen und überprüft worden.

 

Literatur:

/3/ Conspiracy – An Emotional Chain Reaction, Rangeley USA 1954
/4/ Leopold Infeld, Leben mit Einstein, Zürich 1969
/5/ Ronald Clark, Einstein – Leben und Werk, Essligen 1974

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 2/76N.

Die Begegnung Wilhelm Reich – Albert Einstein (Teil 2)

28. Februar 2019

von Bernd Laska

 

Die Kontaktaufnahme mit Einstein als weltberühmter Autorität ist unbedingt auf dem Hintergrund obiger Überlegungen zu sehen. Es spielt natürlich auch eine Rolle, daß Reich kein Physiker war, und die Fülle seiner Entdeckungen ihm allein über den Kopf gewachsen war. Im wesentlichen war es aber ein erneuter Versuch, sein „Einzelkämpferdasein“ zu durchbrechen.

Was in /2/ über die „Einsteins-Affäre“ gesagt ist, will ich hier nicht im einzelnen wiederholen, sondern mehr auf die sachlichen Einzelheiten, wie sie aus /1/ hervorgehen zu sprechen kommen.

Reichs Treffen mit Einstein fand am 13.1.1941 statt und dauerte fünf Stunden. Einstein war sehr beeindruckt und bezeichnete das Phänomen der Temperaturdifferenz zwischen Akku und umgebener Luft als „Bombe“ für die Physik, wenn es einwandfrei gesichert werden könnte. Er führte selbst Messungen durch und kam zu ähnlichen Ergebnissen wie Reich. In seinem Brief vom 7.2.1941 /1/ stellte er jedoch fest: „…einer meiner Assistenten machte mich nun darauf aufmerksam, daß in Räumen…stets die Bodentemperatur niedriger ist als die Temperatur an der Decke. Wenn nun eine horizontale feste Platte (die Tischplatte, auf der der Akku beim Experiment stand, B.L.) vorhanden ist, so kommuniziert die Unterseite der Platte durch Konvektion mehr mit dem Boden, die Oberseite mehr mit der Decke…Dieser Umstand hat sich schließlich als der maßgebende herausgestellt…Durch diese Experimente halte ich die Sache für völlig aufgeklart.“

Obwohl Reich das Problem der Konvektion schon von seinen früheren Versuchen her kannte und diesen Einfluß bereits eliminiert hatte, führte er eine Reihe unterschiedlicher Experimente durch, bevor er Einstein am 20.2.1941 einen langen Antwortbrief schrieb. Der erste Teil des Briefes besteht aus einer Beschreibung der Versuche sowie Angabe der Meßergebnisse und einer zusammenfassenden Abhandlung. Reich hatte folgende Experimente durchgeführt:

1. im Raum
1.1 Anordnung des Raumthermometers ebenfalls über der Tischplatte (bei Einstein hing es neben der Tischplatte frei im Raum).
1.2 Anbringung einer zweiten Holzplatte ca. 1m über der Tischplatte, auf der der Akku stand, zur Unterbrechung der Konvektionswirkung von der Decke.
1.3 Ersatz der Holztischplatte durch eine Metallplatte (besserer Wärmeleiter).
1.4 Akku frei im Raum hangend ohne Tisch.

In allen Fällen ergab sich die Temperaturdifferenz zwischen dem Akkuinnern und der umgebenden Luft.

2. im Freien
Hier ergab sich eine noch stärkere Temperaturdifferenz, weil die Einflüsse von Wanden, Tischen usw. entfielen.

Der zweite Teil des Briefes bestand aus einer ausführlichen Beschreibung des biophysikalischen Kontextes zum Temperaturphänomen, um dem Eindruck entgegenzuwirken, dieses stünde isoliert und mehr zufällig zur Debatte.

Auf diesen sehr sachlichen Brief Reichs antwortete Einstein nicht mehr. Anfangs glaubte Reich, Einstein würde noch weitere Kontrollexperimente machen, um ganz sicher zu gehen. Am 23.9.41 berichtete Reich in einem Brief an Einstein ergänzend von Messungen, die er im Sommer bezüglich der Entladungsgeschwindigkeit des Elektroskops in Abhängigkeit von Wetteränderungen durchgeführt habe. Am Schluß deutete er dezent an, daß er auf eine Nachricht Einsteins wegen der Temperaturdifferenz warte. Immerhin war er bereits seit mehr als einem halben Jahr ohne Antwort. Aber Einstein reagierte nicht mehr.

Es ergab sich nur noch ein Schriftwechsel der Sekretärinnen der beiden über die Abwicklung der Rückgabe von Orgongeräten, die noch bei Einstein waren. Erst im Februar 1944 schrieb der Herausgeber von Reichs International Journal of Sex-Economy and Orgone Research, Dr. Wolfe, an Einstein, daß aufgrund von Gerüchten, Einstein könne die experimentellen Ergebnisse nicht bestätigen, er es für nötig halte, den Vorgang zu publizieren. Daraufhin drohte Einstein rechtliche Schritte für den Fall an, daß sein Name in irgendeinen Zusammenhang mit der Orgonsache gebracht werde. Er wolle seinen Namen nicht für Reklamezwecke verwendet sehen, besonders nicht für eine Sache, die er nicht gutheißen könne. Auf diese beleidigende Unterstellung schrieb Reich, auch im Namen aller seiner Mitarbeiter, einen Protestbrief an Einstein. Daraufhin antwortete Einstein noch einmal kurz. Erst jetzt schrieb er, daß er vor drei Jahren auf mehrere Briefe von Reich nicht reagiert habe, weil er sich, so gut er konnte, ein Urteil gebildet hatte und keine Zeit mehr für die Angelegenheit verwenden wollte. Er bat Reich noch, alle seine mündlichen und schriftlichen Äußerungen von ihm diskret zu behandeln, was umgekehrt er auch immer getan habe. Damit endete die „Einstein-Äffäre“ /1/!

 

Literatur:

/1/ The Einstein Affair, Rangeley USA 1953
/2/ Ilse Ollendorff-Reich, Wilhelm Reich, München 1975

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 2/76N.

Die Begegnung Wilhelm Reich – Albert Einstein (Teil 1)

27. Februar 2019

von Bernd Laska

Vorbemerkung über die Anerkennungsproblematik

Reich stieß mit seinen Theorien von Anfang an auf erbitterte Gegnerschaft; ob es bei den ‚aufgeklärten‘ Psychoanalytikern war; ob es bei den Kommunisten und Sozialisten mit ihrer ‚wissenschaftlichen Weltanschauung‘ war; oder ob es bei den ‚nüchternen und sachlichen‘ Naturwissenschaftlern war; von anderen Gruppen ganz zu schweigen. Jede von diesen dreien sich auf ihre Rationalität etwas zugute haltenden Gruppen ‚liquidierte‘ Reich auf ihre Art, aber keine setzte sich ernsthaft mit seinen Argumenten auseinander.

Nun ist Reich aber nie ein im eigentlichen Sinne unpolitischer Mensch geworden, der mit seiner Forschung und einer kleinen Anhängerschaft zufrieden gewesen wäre. Er war nur zu der Ansicht gekommen, daß die Veränderung der Welt zum Besseren hin nicht länger durch relativ ungerichtete Aktivität und Agitation erreicht werden kann, auch wenn diese unter den (inhaltlich nie klar ausgefüllten) Schlagwörtern „Fortschritt“, „Freiheit“, „Emanzipation“ usw. läuft; ein Problem, das heute leider noch so aktuell ist wie vor vierzig Jahren, als Reich sich vom organisierten Marxismus löste.

Und gemäß dieser Einsicht, die Reich nicht aufgrund philosophischer Spekulationen und von Wunschdenken gelenkt, sondern durch praktische und theoretische Arbeit an Mensch und Gesellschaft erlangte, arbeitete Reich an einem wissenschaftlichen Menschenbild, das den ganzen Menschen und seine Stellung in Natur und Gesellschaft erfassen sollte und den obenerwähnten Schlagworten einen konkreten Sinn geben konnte.

Ich glaube, daß die Entstehung der oft als unpolitisch bezeichneten Orgonforschung ohne diesen Gesichtspunkt nicht voll verständlich ist. Nach dem Fiasko in der Sowjetunion resignierte Reich nicht wie so viele ehemalige Sympathisanten und ‚fellow travellers‘ aus dem Westen, sondern er suchte und fand die Ursache, die allerdings sehr viel tiefer liegt als der gewöhnliche Intellektuelle akzeptieren möchte.

Das Thema verlockt zur weiteren Ausführung; ich muß aber im Rahmen dieser Vorbemerkung hier abbrechen. Nur noch soviel: Wenn Reich sich später z.B. um die Entwicklung eines Orgonmotors bemühte, so sicher nicht, um den herkömmlichen Motoren Konkurrenz zu machen. Er wollte damit sowohl das wissenschaftliche Fundament seiner Entdeckungen (also auch der Funktion des Orgasmus) verbreitern, als auch die Menschen dazu bringen, daß sie sich damit auseinandersetzen. Gerade er wird sich dabei voll bewußt gewesen sein, daß dies noch lange nicht genügt hätte; aber es hätte ein Anfang sein können.

Ähnliche Motivationen kann man vielen seiner Aktivitäten in der Orgonforschung unterstellen, ob es nun die Experimente zum Krebsproblem, zur Immunisierung gegenüber der Radioaktivität (Oranur) oder zur Wetterbeeinflussung waren. Die Orgonforschung war in einem höheren (oder tieferen) Sinn immer hochpolitisch (zumindest intentional), weil sie nie zu trennen war von Reichs Person und seinem Menschenbild, das vielen „linken“ Idealen erst eine wissenschaftliche Grundlage liefern und sie damit ihres illusionistischen Charakters entledigen könnte.

 

Literatur:

/1/ The Einstein Affair, Rangeley USA 1953
/2/ Ilse Ollendorff-Reich, Wilhelm Reich, München 1975

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 2/76N.

nachrichtenbrief127

26. Februar 2019

David Holbrook, M.D.: ÜBER DIE GEGENWAHRHEIT

25. Februar 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Über die Gegenwahrheit