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Die zwei Pole der Antiorgonomie

15. Juni 2022

Manchmal braucht man lange um zu verstehen. Diesen Blogbeitrag hat der geneigte Leser dem Stöbern in meinem Archiv zu danken, wo ich auf einen alten Flyer der „Sigmund Freud PrivatUniversität, Wien“ gestoßen bin. Es geht um eine Veranstaltung zu Reichs 50. Todestag 2007.

Der Soziologe Prof. Dr. Helmut Dahmer führte aus, wie es zu Reichs „Verabschiedung der Psychologie zugunsten einer phantastischen Naturwissenschaft (der ‚Orgonologie‘)“ gekommen sei. Reichs Lehrer Freud hatte sich, so Dahmer, von einem materialistischen Physiologen der Helmholtz-Schule zu einem Kulturkritiker entwickelt, der unsere „seelischen und kulturellen Institutionen“ als „Religionen“ enttarnte. Dahmer weiter: „Seine (Freuds) neuartige Wissenschaft – eine Kritik von Pseudonatur, die sich sowohl von der traditionellen Geistes- wie von den traditionellen Naturwissenschaften unterscheidet – präsentierte er (aus verschiedenen Gründen) auch weiterhin als eine Naturwissenschaft.“ Die „Freudsche Linke“, nicht zuletzt Reich, sei diesem Verständnis der Psychoanalyse als Naturwissenschaft treugeblieben, wobei er, Reich, schließlich „die resignative Abkehr von der Geschichtsphilosophie und die Hinwendung zur Naturphilosophie (…) (wiederholte), wie sie schon für die nachhegelsche Philosophie (Schelling, Feuerbach) im 19 Jahrhundert charakteristisch war“.

Mit großen Bildungsgestus spielt Dahmer die alte Leier der Marxisten: Reich war kein richtiger Marxist, weil er den Menschen unkritisch nicht primär als gesellschaftliches Wesen, sondern als Naturwesen betrachtete. Reich konnte darauf nur antworten, daß er der „Ausdruckssprache des Lebendigen“ folgte, in der sich beides zeigte: die durch die Gesellschaft verformte Pseudonatur, der Freud sein Lebenswerk widmete (Muskelpanzerung, sekundäre Triebe, das komplizierte und verwickelte „Unbewußte“), und die wirkliche Natur (die denkbar einfachen primären Triebe), zu der Leute wie Freud und Dahmer keinen Zugang haben, weil sie von der bunten und verwirrenden Welt der Neurosen und Perversionen in Beschlag genommen werden und sich in dieser behaglich suhlen.

In vieler Hinsicht die Gegenposition zum „Freudo-Marxisten“ Dahmer nimmt Dr. med. Heike Buhl ein, die 2007 am gleichen Ort über „Orgonmedizin in der Praxis“ referierte. Dabei fällt der bemerkenswerte Satz: „Wilhelm Reich entwickelte seinen zunächst psychosomatischen Ansatz im Laufe seines Lebens zu einem energetischen Konzept weiter. Seine Arbeit veränderte sich: nicht mehr der Gefühlsausdruck, sondern die Anregung der selbstregulierten Lebenskraft, die er Orgon nannte, stand nun im Vordergrund.“ Nun, das ist eine der Hauptmißverständnisse der Orgontherapie durch orgonomische Laien: daß der Orgontherapeut von innen her das Lebendige gegen den Panzer mobilisiert. Tatsächlich ist es umgekehrt: der Panzer wird von außen Schichtweise abgetragen, genauso, wie am Anfang jedes Cloudbusting zunächst die Beseitigung des DOR steht, das Aufbrechen der „atmosphärischen Panzerung“, bevor man „mit dem Orgon arbeitet“.

Buhl führt auch aus, daß „der energetische Ansatz“ „im übrigen erstaunliche Parallelen zu den östlichen Energiesystemen des Daoismus aufweist“. Es geht also darum, das „selbstregulierte“ Chi, Prana und vermeintliche „Orgon“ zu unterstützen, auf daß die Selbstregulation sozusagen die Macht im Menschen übernimmt. Nun, das ist keine Wissenschaft, sondern genau die „Religion“, die Freud zu Recht kritisiert hatte. Die vermeintliche reine „Lebenskraft“, die Buhl mobilisieren will, ist erstens geprägt durch die gepanzerte Gesellschaft, etwas, was Reich schon in seinen bioenergetischen Experimenten in den 1930er Jahren feststellte („negative bioelektrische Konditionierung“), und zweitens hatte Reich schon in den 1920er Jahren bei der Weiterentwicklung der Psychoanalyse zur Charakteranalyse festgestellt, daß es nur zu Chaos führen kann, wenn man ohne systematische Widerstandanalyse durch Deutungen die Libido sozusagen direkt anspricht. Die Ausdruckssprache des Lebendigen übergehen zu wollen… – grotesker geht es einfach nicht!

Heike Buhl, die den Menschen nicht als gesellschaftliches Wesen, sondern als Naturwesen betrachtet, präsentiert genau den „orgonologischen“ Strohmann „Wilhelm Reich“, den Helmut Dahmer dann mit überlegener Leichtigkeit umhauen kann.

Übrigens sind die klassische Psychoanalyse und die diversen Therapien der „energetischen Medizin“ durchweg für die Katz, vollkommen sinnlos, wenn nicht kontraproduktiv, weil sie einseitig das energetische Orgonom (Zentrales Nervensystem, Sensationen) ansprechen, so daß der Organismus immer ins orgonotische System (Vegetatives Nervensystem, Emotionen) ausweichen kann, wenn die Therapie das neurotische Gleichgewicht gefährdet. Und genau darum geht es pseudo-progressiven „Antiorgonomen“ wie Helmut Dahmer und Heike Buhl in Wirklichkeit: es soll sich ja nichts verändern, genauso wie sich im daoistischen China über Jahrtausende nichts verändert hat am ständigen Massaker am Lebendigen.

Orgonomie: 1932 kommunistisch, 2022 rechtskonservativ?

15. Januar 2022

Wie paßt das zusammen, daß Reich zwischen 1928 und 1936 ein fanatischer Kommunist sein konnte, der, wie die „Antifa“ heute, kaum einen Unterschied zwischen Konservativen, Reaktionären und „Nazis“ machte; – und daß heute sein gegenwärtig einzig legitimer Nachfolger, Charles Konia, Linksliberale, Sozialdemokraten und Kommunisten unterschiedslos in einen Topf wirft?

Für Konia sind Leute wie Obama, Harris und Biden und alle anderen gegenwärtigen Führer der Demokratischen Partei der USA nichts anderes als rote Faschisten, – genauso wie es für Reich Ende der 1920er Jahre und Anfang der 1930er Jahre keinen Unterschied zwischen dem katholischen Zentrum, den Anhängern der Hohenzollern und den Nationalsozialisten gab.

Um das verstehen, muß man sich die damalige Presse und die damalige Justiz vergegenwärtigen: die ständige Hetze gegen fortschrittliche Leute wie Reich, und Gerichte, die die Schuldigen laufenließ, während Unschuldige, die die falsche politische Gesinnung hatten, mit einem Unrechtsurteil nach dem anderen in die Enge getrieben wurden. Es ist kein Zufall, daß der Justizpalast-Brand in Wien 1927, sein Vor- und Nachspiel, Reich politisch radikalisiert hat. „Funktionell“ betrachtet waren alle Akteure auf der Rechten unterschiedslos Feinde des Lebendigen, d.h. alle ihre Ideologien und entsprechenden Handlungen liefen auf das gleiche hinaus: die restlose Auslöschung der Orgonomie (d.h. des gesellschaftlich wirksamen Lebensimpulses). Es waren in Wien, Berlin, Kopenhagen, Malmö und Oslo unterschiedslos die gleichen Faschisten, ob sie sich nun katholisch, deutsch-national oder sozialdemokratisch gerierten. Sie lieben den Tod und wir lieben das Leben!

Und daran hat sich prinzipiell nichts geändert, obwohl es mittlerweile, beginnend mit den Jahren unmittelbar nach Reichs Tod, zu einer dramatischen „Rotverschiebung“ (Konia) gekommen ist, durch die sich nun das politische Spektrum sozusagen „links staut“ und alle Unterschiede auf der Linken nichtig macht. Die Medien sind nur noch „Rotbestrahlung“ und die Justiz verbreitet durchweg „Roten Terror“. Wir werden vom letzten Stalinistischen Abschaum regiert… Ich brauche das nicht weiter ausführen. Die Orgonomie, d.h. die Verkörperung des Lebendigen, ist die gleiche geblieben, sie ist die einzige letztgültige Wahrheit, nur die Zeitläufe haben sich geändert: aus einer sexualfeindlichen autoritären Gesellschaft ist eine permissive antiautoritäre Gesellschaft geworden; aus dem todestrunkenen Mystizismus der Reaktion ist der nihilistische Wahn des mechanistischen Transhumanismus geworden.

Dobzauer Erinnerungen

4. September 2019

Besprechung von: Hampl, Stefan (2017). Dobzauer Erinnerungen. Eine (Zeit-)Reise zum Geburtsort von Wilhelm Reich. In T. Slunecko, M. Wieser, & A. Przyborski (Hrsg.), Kulturpsychologie in Wien (S. 90–127). Wien: Facultas Verlag

von Robert (Berlin)

 

Hampl ist Vizedekan an der Wiener Sigmund Freud Privatuniversität, die ein Analogon in Berlin hat. Im o.g. Sammelband befasst er sich mit den Jugendorten Reichs, über die bisher wenig geforscht wurde. Ich werde seine Überlegungen zu Erinnerungskultur, Geschichte und andere Themen hier außer Acht lassen und mich nur auf seine Ergebnisse zu Reichs Leben konzentrieren. Über die Ukraine plaudernd, behauptet Hampl, „der Psychoanalytiker und Naturforscher Wilhelm Reich entwickelte seine Theorie der Sexualität und Charakterpanzerung aufgrund seiner Erfahrungen am väterlichen Gutshof“. Zurecht stellt er fest, in „Wilhelm Reichs Autobiografie stellt der Name seines Geburtsorts eine überraschende Leerstelle dar“.

Nachdem er kurz Reichs Vita passieren lässt, kommt er zu dessen Geburtsort. Er schreibt: „Laut Eintrag 93 aus dem Trauungsbuch des israelitischen Matrikenbezirkes Lemberg (Abb. 2) haben Reichs Eltern 1895 geheiratet. Die Mutter Cecylia stammte aus Brody nahe der ehemals österreichisch-russischen Grenze, der Vater Leon war wohnhaft in Dobrzanicy bzw. Dobrzanica (poln.; dt. Dobzau, ukr. Dorbrjanytschi), wo er eine Landwirtschaft betrieb. Laut Ratz (1994) wurde auch Wilhelm Reich dort geboren“.

Hampl berichtet uns nun von seiner Autofahrt 2015 nach „Dobzau (…), das auf Polnisch Dobrzanica und auf Ukrainisch Dobrjanytschi heißt.“ Er trifft den Bürgermeister, dieser berichtet, „Fremde Leute kommen nicht oft in diese Gegend. Das letzte Mal seien vor etwa fünf Jahren ein paar Ausländer hier gewesen. Diese hätten ebenso nach Wilhelm Reich gesucht …“. Vergeblich versucht Hampl, bei älteren Dorfbewohnern fündig zu werden. Auch die Suche nach dem Geburtshaus endet in eine Sackgasse, da es ja keine Zeitzeugen mehr gibt und es zeitgeschichtlich ethnische bzw. religiöse Säuberungen gegeben hat. Nun versucht er es mit den Resten des deutschen Friedhofs. Dazu Hampl: „Die Einträge im Trauungsbuch (Abb. 2) bestätigen, dass Reichs Mutter Cäcilie Roniger-Reich offensichtlich aus dem 90 Kilometer entfernten Brody stammte. In den Biografien von Wilhelm Reich selbst (W. Reich 1994) sowie jener seiner Frau Ilse (I. O. Reich & Reich 1975) und der seines Sohns Peter (P. Reich 2015) gibt es jedoch keine Angaben zum Verbleib der Großeltern. … Wo Josef Blum und Josephine Roniger genau begraben sind, ist nicht bekannt. Auch der Verbleib von Leon Reichs Bruder, dem Juristen Arnold Reich, ist ungewiss“.

Zurück in Wien stellt Hampl Recherchen zur deutschen Kolonie in Dobzau an, wobei er herausfindet, „Die deutsche Kolonie in Dobzau wurde 1786 errichtet …“. Bemerkenswert erscheint mir, dass nach „Auffassung der k.u.k-Chronisten gab es (…) zwei Speerspitzen des Deutschtums in Galizien: die Protestanten und die deutschsprachigen Juden, zu denen auch die Familie von Wilhelm Reich gehörte. So paradox es aus heutiger Sicht klingen mag, wurde gerade in die jüdischen Kolonist/inn/en die Hoffnung gesetzt, das Deutschtum in Galizien zu verteidigen. Diese grenzten sich von den galizischen Juden ab, die vorwiegend Jiddisch sprachen.“

Hampl versucht dann, auf dem Friedhof der deutschen Kolonie „noch eine Spur zu Wilhelm Reich zu finden. Laut seiner Autobiografie (W. Reich 1994) sind seine beiden Eltern zirka 200 Kilometer südlich in Jujinetz bei Czernowitz verstorben. Dass wir auf die Gräber weiterer Familienangehöriger stoßen könnten, halten wir für unwahrscheinlich. Für Juden gab es mit Sicherheit, wie auch in anderen Dörfern Galiziens, einen separaten Friedhof. Die jüdischen Friedhöfe wurden jedoch vielfach von den Sowjets zerstört, die Grabsteine entfernt und teilweise als Baumaterial verwendet.“ Zwar findet er z.Z. der Abfassung des Artikels nichts, aber dann ist es besonders Interessant, dass er später, wie auf seiner Website dokumentiert, doch den Grabstein der Mutter entdeckt.

Als Fazit stellt er fest: „Die Gespräche mit den heutigen Bewohner/inne/n und die Untersuchung der materiellen Kultur des Dorfs Dobrjanytschi haben gezeigt, dass Wilhelm Reich an seinem Geburtsort weder Teil der persönlichen bzw. kommunikativen noch der materiellen Erinnerung ist. Sein Name, seine Existenz und auch die deutsch-österreichische Kultur, der er angehörte, wurden dort tatsächlich ausgelöscht“.

Fotos und Kartenabbildungen runden die Abhandlung ab.

 

Quintessenz:

Die Abhandlung hat gezeigt, dass vor Ort nicht mehr viel zu eruieren ist. Die Suche in Archiven bleibt als einzige Möglichkeit erhalten.

Hampl hat eine hochinteressante (englischsprachige) Website, auf die ich hier im Blog schon häufiger hingewiesen habe und die zu dem Thema Daten sammelt: https://www.wilhelmrei.ch/

 

Literatur (nach Hampl):

Reich-Ollendorf, Ilse & Reich, Wilhelm (1975). Das Leben des grossen Psychoanalytikers und Forschers, aufgezeichnet von seiner Frau und Mitarbeiterin. München: Kindler. [Diese Literaturangabe ist natürlich fehlerhaft, da Reich an Ilse Ollendorffs Biographie nicht mitgewirkt hat.]

Reich, Peter (2015) A book of dreams. London: John Blake Publishing Ltd.

Reich, Wilhelm (1994) Leidenschaft der Jugend – Eine Autobiographie 1897-1922, hrsg. von Chester M. Raphael & Mary Boyd Higgins. Köln: Kiepenheuer & Witsch.

Ratz, Wolfram (1994) Wilhelm Reich. In Oskar Frischenschlager (Hrsg.) Wien, wo sonst! Die Entstehung der Psychoanalyse und ihrer Schulen. Wien: Böhlau.

Der Generalfeldzug gegen die Genitalität

6. März 2019

Münster ist der roteste Flecken in Deutschland. Der einzige Wahlkreis, wo die AfD bei den letzten Bundestagswahlen unter 5% geblieben ist. DER EINZIGE! Das ist so bemerkenswert, weil, wenn man hier als Hamburger hinkommt, einem der Mief der letzten tausend Jahre entgegenschlägt. Über der Stadt liegt eine Wolke des Konservatismus. Nicht nur mir, sondern auch einem Orgonomen ist aufgefallen, wie im Vergleich zu Hamburg, die Leute gedrückt durch die Straßen schleichen. Für mich ein echter Kulturschock! Überall Pinguine, das passende Glockengeläut aus bedrohlichen papistischen Tempeln und stets hat man das Gefühl, Prof. Boerne würde einem über den Weg laufen, ganz zu schweigen von den Westfälischen Bollerköppen überall, als kämen sie gerade von ihrem Bauernhof. Psychiatrieprofessoren sagen einem gerne, hier gäbe es noch richtige Neurotiker, nicht nur frühgestörte Freaks wie in Köln, Frankfurt, Berlin und Hamburg. In Münster ist die Welt noch in Ordnung!

Daß gerade eine solche Stadt vollständig, wirklich zu 100% in rotgrüner Hand ist, eine Hochburg des „Antifaschismus“ und die Hölle auf Erden für jeden aufrechten Deutschen macht die Lage so dramatisch. „Der Russe“ steht nicht etwa an der Oder – er steht bei dir mitten in der Küche!

Um was es geht, zeigen zwei Ereignisse dieser Tage. Heute in Münster, das eine Hochburg der CDU und der Normalität sein sollte, saß ich zur Mittagspause im Imbiß, am Nachbartisch zwei junge Frauen, eine hochschwanger:

Wie soll denn dein Kind heißen?
Das ist wirklich ein Problem, denn wir wollen es nicht von Anfang an auf ein Geschlecht festlegen. Es soll selbst die Wahl haben.
Ja, aber der Standesbeamte wird doch ein Geschlecht eintragen.
Nein, man hat heute das Recht das offenzulassen, „unentschieden“. Unser Kind soll frei heranwachsen und später dann selbst die Entscheidung treffen.

Im Namen der „Freiheit“ und der „Wahrheit“ (schließlich sagt „die Wissenschaft“, daß es Frauen mit einem Penis und Männer mit einer Vagina gibt) wird hier ein Kind in einer emotionalen Wüste ausgesetzt. Noch vor wenigen Jahren hätte man dieser Psychopathin angesichts ihrer schweren Geisteserkrankung direkt nach der Geburt das Sorgerecht entzogen! Jetzt ist diese Geisteshaltung das Normalste der Welt. Kein CDUler würde sich trauen, auch nur eine Augenbraue zu heben.

Oder man schaue zur Schwesterpartei im Süden, zur ÖVP:

Der schiere Wahnsinn greift um sich. Der festliche Tanz, diese öffentliche Feier der Genitalität, die es weltweit in keiner anderen Kultur gibt, demonstrativ entwertet – von den angeblichen „Konservativen“. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt sich schon daran, daß niemand aufschreit. Die Emotionelle Pest radiert die allerletzten Refugien der Genitalität im Namen von Freiheit und Wahrheit aus. Die Kinder der Zukunft, die Liebe zwischen Mann und Frau verlieren auch noch den letzten Halt in der Gesellschaft und die Emotionelle Pest schließt ihren Generalfeldzug gegen das Lebendige mit einem Triumphzug ab.

P.S. Im obigen Video setzt Martin Sellner die heutige Dekadenz mit der Dekadenz in der Antike gleich. Das gemahnt an Reichs entsprechende Ausführungen in Christusmord!

Gott schütze Deutschland, Gott schütze Österreich!

Die Rote Fahne, Wien, 3. Februar 1932: MANN UND FRAU IN DER PROLETARISCHEN FAMILIE von Wilhelm Reich

22. Januar 2019

Wir müssen offen und ehrlich aussprechen was ist: Die Klassenbewußtheit der Mehrheit der Arbeiter reicht bis zur Tür des Hauses. Innerhalb der öden vier Wände, in der unmittelbaren Nähe des materiellen und sexuellen Elends, vergißt man leicht die Parolen, die auf den Fahnen der Revolution stehen. Die proletarischen Männer halten die Versklavung ihrer Frauen in geistiger und sexueller Hinsicht aufrecht. Es hat keinen Sinn, hier anzuschuldigen und zu verurteilen.

Aber es muß scharf und klar festgestellt werden, daß das übliche Verhalten von Mann und Frau in der proletarischen Familie die Konterrevolution im eigenen proletarischen Hause bedeutet. Wer trägt die Schuld? Das eheliche und familiäre Elend ist in der furchtbaren Lage der Arbeiterfamilie begründet. Die Arbeiterfrau ist nicht in der Lage, sich anständig und für den Mann sexuell anziehend zu kleiden; wenn sie im Fabriksbetrieb steht, leistet sie nicht nur Mehrwert für den Kapitalisten in der Fabrik, sondern auch zu Hause, denn sie muß überdies unbezahlt die ganze Hausarbeit verrichten.

Abgehärmt und körperlich verödet kann sie dem Mann nicht das bieten, was er nach anstrengender Arbeit zu Hause ersehnt. Der Mann wieder, verärgert von seiner Fabrikarbeit oder zermürbt durch jahrelange Arbeitslosigkeit, ist gereizt, brutal, wird leicht zum Trinker, das Daheim macht ihn nur noch mehr böse, und der geringste Anlaß führt zu dem jeden Bewohner einer Mietskaserne gewohnten „Familienleben“ des Arbeiters.

Hier hat die Trunksucht, hier hat das Verbrechen, hier haben die Gattenmorde ihre soziale Wurzel. Dazu kommt, daß der Arbeiter und die Arbeiterin, von der bürgerlichen Moral durchsetzt, sexuelle Besitzansprüche gegenseitig erheben, auch dann, wenn sie aneinander kein sexuelles Interesse mehr haben. In den Sexualberatungsstellen sieht man die lange Prozession der zerbrochenen Leben voller Jammer, Grausamkeit und ohne Ausweg, wie es auf den ersten Blick scheint. Gewiß keinen unmittelbaren für viele Einzelschicksale, Opfer der kapitalistischen Wirtschafts- und Sexualordnung.

Aber es gibt einen Ausweg: Die Arbeit jedes Einzelnen für die Änderung dieser Ordnung, für den Sturz des Kapitalismus. Es gibt Arbeiter, die die Parole der Gleichberechtigung der Frau schon jetzt ernst nehmen, die sich und die Frau politisch interessieren, die nachzudenken und miteinander zu verstehen anfangen, warum das alles so ist, warum sie einander zerquälen; statt einander zu beschuldigen und zu beschimpfen, lernen sie, den aufgespeicherten Haß gegen die herrschende Klasse zu richten, und sie werden Klassen- und Kampfgenossen.

Heute gelingt es nur wenigen, morgen wird es vielen gelingen, wenn wir uns nur mehr darum kümmern werden, wenn wir die Klassenbewußtheit auch in dieses geheimste Nest, das sich das Bürgertum im Proletariat gebaut hat, tragen werden. Es gilt, nicht nur von Kameradschaft zwischen Mann und Frau zu sprechen, sondern insbesondere auch die sexuellen Schwierigkeiten der proletarischen Ehe verstehen zu lernen, sich frei zu machen von der bürgerlichen Moral, soweit es die genossene „Erziehung“ erlaubt, und kampfentschlossen eine Atmosphäre bei den Unterdrückten zu schaffen, die ihnen ein Aufatmen ermöglicht.

Wir müssen die proletarische Ehefrage ebenso politisieren wie den proletarischen Gewerkschaftskampf, denn das Eheelend hat schon manchen Arbeiter seiner Gewerkschafts- und Parteiarbeit abspenstig gemacht, indem es ihm seine besten Kräfte raubte. Dann wird die Frau nicht keifen, wenn der Mann mal mit einer anderen poussiert oder in die Versammlung geht, und der Mann wird nicht so fest glauben, daß der Körper der Frau sein Eigentum ist. Dann wird er die Frau in Versammlungen mitnehmen und sie politisch interessieren. Dann erst kann die Grundlage dafür geschaffen werden, daß Mann und Frau, statt einander die Haare auszuraufen, ihre Wut gegen die herrschende Klasse richten können in gemeinsamer politischer Arbeit, zu der sie alle Kräfte brauchen. Aber täuschen wir uns nicht: Den großen Kehraus auch auf diesem Gebiet wird erst die soziale Revolution besorgen, die der Frau ihre vollen Rechte auf Geist und Körper wiedergeben wird.

Chronik der Orgonomie (Teil 1)

7. Januar 2019

ChronikderOrgonomie

Ich habe den ersten Teil meiner 414seitigen Reich-Biographie überarbeitet:

CHRONIK DER ORGONOMIE 1897-1939

nachrichtenbrief60

21. August 2017

Der Rote Faden: Der Friedenskämpfer Nr. 1

8. August 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Der rote Parasit

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

Der Rote Faden: Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

1. Juni 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

Die Unterwanderung und Übernahme der Orgonomie durch die Kommunisten mittels ideologischer Gleichschaltung der Reich-Biographie

19. Mai 2017

Zunächst wird Reichs Stalinistischer (d.h. in der damaligen Zeit extrem linksradikaler) Fanatismus Ende der 1920er und Anfang 1930er Jahre kleingeredet. Das wird getan, um aus Reich einen charakterstrukturellen Linksliberalen zu machen. Dieser auf den ersten Blick für linke Verschwörer etwas absonderliche Schritt ist notwendig, um einen zweiten vorzubereiten, nämlich glaubwürdig zu machen, daß Reich in Amerika nicht etwa aus grundsätzlichen, sondern aus opportunistischen Gründen sich vom Marxismus distanziert hat.

Beides ist vollständig abwegig: in Wien und Berlin hat Reich sein Linksradikalismus die Karriere zerstört und ihn in akute Lebensgefahr gebracht, während in New York seine explizite Distanzierung von der UdSSR und den Linken ihm im alles entscheidenden Milieu der Intellektuellen nur Probleme beschert hat.

Reich soll zu dem umgelogen werden, was er in wirklich jeder seiner Phasen wahrhaftig nicht war: zu einem windelweichen, aggressionsgehemmten, opportunistischen Linksintellektuellen a la Otto Fenichel!

Reich hat den Verschwörern ungewollt in die Hände gearbeitet, als er selber in Amerika einerseits seine ehemalige Militanz herunterspielte, andererseits aber partout nicht von Marx und selbst nicht von Lenin lassen wollte. Das eine, wie das andere ist nur allzu verständlich, da es fast unmöglich war, Reichs ehemalige Militanz zu erklären, und andererseits Reich verständlicherweise auch nicht aufgeben wollte, was er in Wien und Berlin erarbeitet hatte. Tragischerweise können die Verschwörer heute durch bloße Akzentverschiebungen daraus eine ganz andere Geschichte machen. Eine, die Reich in den sozialistischen Befreiungskampf „zurückholt“, indem er sozusagen politisch gemainstreamt wird.