Warum hat sich Laska nie erklärt? Nie den Kern seines LSR-Projekts mundgerecht und für alle nachvollziehbar in wenigen programmatischen Sätzen zusammengefaßt und seiner Netzseite vorangestellt?
Meines Erachtens ist das so, weil die Geschichte der Stirnerianer und Reichianer gezeigt hat, daß dabei nur Trivialitäten herauskommen würden, die das ganze ins Gegenteil verkehren. Bei Stirner war das der „Egoismus“, dem doch ohnehin jeder frönt, bei Reich, und auch LaMettrie, die Lust, die doch ohnehin jeder anstrebt. Und selbst, wenn man alles ganz im Sinne Laskas formulieren würde, von wegen „Kinder der Zukunft“. „Über-Ich“ etc. Die Antwort seriöser Menschen auf „LSR in 10 Punkten“ wäre ein: „Bitte belästigen Sie mich nicht mit derartig pubertärem Zeugs!“
Aus einem ähnlichen Grund hat Reich die Psychoanalyse zur Charakteranalyse und dann zur Orgontherapie weiterentwickelt: weil inhaltliche Deutungen wie „Sie haben Ihre Mutter geliebt und Ihren Vater als Konkurrenten angesehen!“ verpuffen und mit einem müden Achselzucken goutiert werden: „Bitte belästigen Sie mich nicht mit derartigem Kinderkram!“
Laskas Projekt entspricht eindeutig dem Vorgehen des Orgontherapeuten. Anders als in der Psychoanalyse werden nicht Ideationen („freie Assoziation“, spontane Erinnerungen) benutzt, um Affekte auszulösen, sondern umgekehrt: die Lockerung der Panzerung und die mit ihnen einhergehenden Affekte produzieren spontan Ideationen (Erinnerungen), oder auch nicht, und die sind dann auch reliabel, bringen den Patienten tatsächlich weiter und erzeugen ihrerseits Affekte. Genauso mit dem LSR-Projekt: Laska wollte nicht „herumphilosophieren“, die Welt mit irgendwelchen letztendlich willkürlichen Theorien beglücken (durch Verwirrung noch mehr ins Unglück stürzen), sondern er wollte zu zwingenden Einsichten führen. Also nicht „Einsichten“ präsentieren, denen man sich anschließen kann, sondern zeigen, wie eine bestimmte, nicht genannte Einsicht bisher systematisch verdrängt wurde. Laska wies dabei auf ganz bestimmte historische Vorkommnisse hin.
Seine These war, daß die Aufklärung gescheitert ist und daß es drei, und zwar ausschließlich diese drei, hochspezifischen Schlüsselereignisse gegeben hat, die dieses Scheitern nicht nur exemplifizieren, sondern auch zeigen, wie man die Aufklärung doch noch retten könnte: LaMettries Verdrängung durch die Enzyklopädisten und deren Umfeld, insbesondere Rousseau, Stirners Verdrängung durch Marx und Nietzsche, und Reichs Verdrängung durch Freud und die Freudo-Marxisten. Es ging jeweils um das Über-Ich als unhinterfragbare Instanz und vor allem als eine Instanz, die sich hinter allen möglichen „aufklärerischen“ Masken verbirgt.
LSR ist an die besagten drei Ereignisse gebunden, deren Durchdringung die Aufklärung (d.h. die Aufhebung induzierter Unmündigkeit = die Auflösung des Über-Ich) wieder in Gang setzen könnte. Die Orgonomie hingingen ist weniger eingeschränkt, hat es einfacher, da sie durch Reichs Charakteranalyse über ein Strukturmodell verfügt, das jedem vermittelbar ist. Die Orgonomie kann auf jeder Ebene, zu jeder Zeit, bei jedem Ereignis ansetzen. Dem LSR-Projekt fehlt es vom Grundansatz her an einer solchen „Schablone“. Und überhaupt: wie einem Bäcker, Schreiner, Spezialisten für Quantenchromodynamik, der noch nie von Stirner gehört hat und der nur eine vage Vorstellung von Rousseau hat, – wie dem das LSR-Projekt nahebringen? Laskas Zielgruppe sind die heutigen Entsprechungen zu den „Enzyklopädisten“, „Junghegelianern“, „kritischen Theoretikern“. Die Zielgruppe der Orgonomie hingegen ist eher der „Laie“ als der Spezialist. Das sieht man schon daran, daß sich ab etwa 1928 Reichs Schreibstil drastisch veränderte: von einem mit Fremdworten gespickten „Psychoanalysesprech“ zu einer einfachen Sprache, die wirklich jeder ohne Anstrengung verstehen kann. Bezeichnenderweise ist er zu dieser Zeit auch nie dem typischen „Marxismussprech“ verfallen, den kein Mensch nachvollziehen kann – und der sich in nichts auflöst, wenn man ihn in einfache Sprache überträgt. (Man mache sich mal den Spaß und „übersetze“ auf diese Weise eine Rede Rudi Dutschkes!)
In Äther, Gott und Teufel (1949) stellt Reich den mechanistischen Materialismus mit dem Mystizimus auf die gleiche Stufe. Beide gehen von einem unveränderlichen Absoluten aus, das jeweils einer Fehldeutung der kosmischen Orgonenergie aufgrund von Panzerung entspricht. Was beim Mystizismus Gott (der schließlich zum „absoluten Geist“, einer bloßen mathematischen Abstraktion mutierte) ist, ist beim gängigen Szientismus der Äther. „Äther“, wurde der nicht von Einstein überwunden? Ja, gerade darauf will Reich hinaus: weil der Äther als starr betrachtet wurde und die orgonotische Erstrahlung nicht berücksichtigt wurde, war seine Ersetzung durch den „leeren Raum“ unausweichlich. Ein „leerer Raum“, der dann mit mathematischen Abstraktionen gefüllt wurde. Tatsächlich ist auch die Quantenmechanik, gegenüber der Einstein eher fremdelte, nichts anderes als das: mathematische Abstraktion.
Wie gesagt, es geht um „das Absolute“, das nichts anderes ist als die „ideologische“ Widerspiegelung der unbeweglichen Panzerung, die uns zu lebenden Automaten macht, die lächeln, wenn sie wütend sein sollten, und wüten, wenn sie glücklich sein sollten. Wir leben nicht mit, sondern gegen das Leben, weil wir nicht frei pulsieren und fließen können. Entsprechend haben wir eine Naturwissenschaft entwickelt, die wie blind und taub und gefühllos gegenüber der Lebensenergie ist, die unseren Körper, unsere Atmosphäre und den gesamten Kosmos durchfließt.
Das hat Reich bereits bei seinen ersten Gehversuchen in der experimentellen Naturforschung erfahren, als er sich 1935 daran machte das Gefühlsleben des Menschen „bioelektrisch“ zu vermessen. Die Leute von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (der heutigen Max-Planck-Gesellschaft), die ihm mit ihrer technischen Expertise zur Seite stehen sollten, hätten das Projekt zerstört, hätte er sie gewähren lassen, denn ihnen ging es nicht ums Wesentliche (die Entfaltung von Gefühlsregungen unter störenden, technizistischen Laborbedingungen), sondern um Meßfehler, mechanische Wiederholbarkeit, Kalibrierung etc., so als hätte man es mit der technischen Überprüfung von Maschinen zu tun und nicht mit hochsensiblen Menschen.
Ähnlich sah es mit den Bionversuchen aus und Reichs daran anschließende erste Schritte in der Orgonbiophysik. Zellen können, so die Experten, nur aus Zellen entstehen und Pleomorphismus ist nur ein Scheinphänomen aufgrund mangelnder Sterilität. Visuelle Eindrücke sind „subjektiv“, elektrische und thermische Messungen beruhen auf elektrostatischen Phänomenen und einer Fehldeutung der ehernen Gesetze der Thermodynamik. Kurzum alles, was Reich an Beobachtungen und Messungen vorbrachte, wurde wegerklärt. Und selbst, wenn seine Versuche nachvollzogen wurden, dann so, daß die Phänomene durch den Versuchsaufbau zerstört wurden – womit wir wieder bei Reichs Problemen mit den bioelektrischen Versuchen wären.
Es ist prinzipiell das gleiche Phänomen, dem Reich in den 1920er und 1930er Jahren in der Psychoanalyse und in der „praktischen Soziologie“ (linke, antifaschistische Politik) begegnet war: daß das Denken und Fühlen der Menschen nicht den gesellschaftlichen Erfordernissen entspricht und sie deshalb als „unpolitische Menschen“ blind in ihr Unglück laufen. Das ist so, weil die Herrschaft des Unrechts und der Ausbeutung nicht nur von oben herab die Menschen bedrückt, sondern sie sich in jedem einzelnen Individuum der Menschenmasse verankert hat. In Gestalt des Über-Ichs tragen wir den verblödenden Pfaffen, den strengen Lehrer, der uns die herrschende Ideologie einbleut, und den diese Ideologie mit Gewalt durchsetzenden Polizisten in uns selbst herum. Wir sind sozusagen „besetztes Land“ – „besessene Menschen“, die fremden Mächten dienen, so wie LaMettrie, Stirner und Reich (LSR) es dargelegt haben.
In der „unpolitischen Naturwissenschaft“ ist das genauso: Maschinenmenschen haben keinerlei Sinn für das Lebendige und blenden es deshalb auf vollautomatische Weise systematisch aus. Auch sie sind vom Über-Ich „Besessene“, die nicht ihrer Natur, ihrem ureigensten Wesen gemäß leben, sondern sozusagen, man verzeihe mir den Ausdruck, „mechaniken“. Entsprechend ist ihre Naturwissenschaft unlebendig, mechanisch, nur für das Maschinenhafte geeignet. Fremdbestimmte Roboter haben sich ein entsprechendes Weltbild geschaffen!
Nachbemerkung: Ansatzweise findet sich das Gegenmodell zum Mystizismus und Mechanismus schon lange vor Reichs Orgonbiophysik bei LaMettrie im 18. Jahrhundert. Ursula Pia Jauch hätte das beinahe in ihrem LaMettrie-Buch Jenseits der Maschine (!) herausgearbeitet, hätte sie sich nicht im Gedankenfeld von der „Wiederverzauberung der Natur“ verfangen.
In seinem ersten Brief an die Korinther (1 Kor 6,15-20) hat Apostel Paulus das exakte Gegenteil dessen formuliert, wofür die Namen Reich, LaMettrie und Stirner stehen:
„15. Wißt ihr nicht, daß eure Leiber Glieder Christi sind?“
Dein Leib ist gar nicht dein Leib, sondern er gehört der Gemeinschaft (die in Gestalt des Über-Ichs in dir wohnt), ist ein Organ ihrer Moral!
„15. Soll ich denn die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Hure machen? Auf keinen Fall!“
Nach biblischer Lehre macht der Geschlechtsverkehr aus zwei Personen auf mystische Weise eine Person. („16. Oder wißt ihr nicht, daß, wer der Hure anhängt, ein Leib [mit ihr] ist? ‚Denn es werden‘, heißt es, ‚die zwei ein Fleisch sein.‘ 17. Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist [mit ihm].“) Auf diese Weise trage ich die Unmoral (Hurerei) in meine Gemeinschaft, wenn ich mich mit „Huren“ einlasse. Ich entfremde mich der Gemeinschaft.
„18. Flieht die Unzucht! Jede Sünde, die ein Mensch begehen mag, ist außerhalb des Leibes; wer aber Unzucht treibt, sündigt gegen den eigenen Leib.“
Das markiert die Sonderstellung der sexuellen Sünde, die deshalb schlimmer ist als selbst Mord! Das erklärt den gesamten Katholizismus und seine Lebensfeindlichkeit.
„19. Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euch selbst gehört?“
Selbst dein Leib ist nicht dein Eigentum! Was für ein sadomasochistischer Alptraum, der durch den anschließenden Vers noch verschärft wird:
„20. Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden. Verherrlicht nun Gott mit eurem Leib!“
Der Preis war der Foltertod Christi. Wir sollen uns schuldig fühlen und gegen unsere „teuflischen“ Triebe ankämpfen, um uns dieses Opfers als würdig zu erweisen.
2.
Hegel wollte zeigen, daß die objektive Welt nur die Entäußerung des Geistes (des Geistes „an sich“) ist und es gilt diese Entäußerung/Entfremdung zu überwinden, indem der Staat, sozusagen als wahrer „Corpus Christi“, alle individuelle subjektive Willkür beseitigt und die „objektive“ Vernunft herrscht. Das entspricht dem Traum von Klaus Schwab bzw. des WEF: Die KI wird alles regulieren, du wirst nichts besitzen und glücklich sein. Marx hat genau diese Weltanschauung vertreten (mit der Akzentverschiebung, daß sich der Mensch durch seine materielle Arbeit selbst erschaffen hat), während Stirner der diametrale Gegenentwurf ist.
Die innere Logik der epikureischen Lehre wird unter anderem in der Begründung der zentralen Stellung von Lust und Lebensfreude deutlich (…). Demnach gibt das noch durch keinerlei soziale Konditionierung geprägte frühkindliche Empfinden die natürliche Richtung menschlichen Strebens an: Lust suchen (…) – Unlust vermeiden. (…) Die starken Schwankungen, denen das kindliche Lust- und Glücksempfinden ausgesetzt ist, können in der Jugend durch das Hinzukommen vernunftgegründeter Einsicht (Phronesis) unter Kontrolle gebracht und allmählich in stetigere Bahnen gelenkt werden. Einsicht und stabile Daseinslust bedingen einander (…). Ohne diese Funktion und Ausrichtung aber wäre die Fähigkeit, vernünftig zu denken, aus der Sicht Epikurs nutzlos, wie er mit einer Spitze gegen die philosophische Konkurrenz in dem Brief an Menoikeus ausgeführt hat: „Daher ist die Einsicht sogar wertvoller als die Philosophie: ihr entstammen alle übrigen Tugenden, weil sie lehrt, daß es nicht möglich ist, lustvoll zu leben, ohne einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ebensowenig, einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ohne lustvoll zu leben.“
Tugend und Lust bedingen einander. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. LaMettrie war in dieser Hinsicht der moderne Epikur.
Epikur vertrat den Atomismus Demokrits, wenn auch mit einer entscheidenden Abweichung, denn nach Epikur läßt die Natur geringe willkürliche Bahnabweichungen der Seelenatome zu.
Diese geringen Abweichungen machen es den Lebewesen möglich, willentlich eine Bewegung in Gang zu setzen, sind aber so klein, daß sie die beobachtete Regelmäßigkeit der Natur nicht tangieren.
Dieses spontane Agieren entspricht der Orgonenergie. Ihre Spontanität ist die Grundlage von „freiem Willen“, Autonomie und der Eigenheit im Sinne Stirners.
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Ausgerechnet Edmund Burke hat, Murray Rothbard zufolge, „vielleicht als erster den modernen rationalistischen und individualistischen Anarchismus zum Ausdruck gebracht“, seine anonyme „Jugendsünde“ A Vindication of Natural Society, 1756. Das galt gemeinhin als eine „eindeutige“ Satire, doch es blieb immer ein Rest von Unsicherheit und Doppelbödigkeit, der jeden Interpreten verunsichert hat. Burke erinnert mich etwas an Nietzsche, aber ich kann mir nicht recht vorstellen, daß Burke LaMettrie kannte, bzw. dessen Bedeutung erkannt hat.
Bezieht sich Burke im folgenden (u.a.) auf LaMettrie?
Da der Kontroversgeist sehr leicht auf gewaltsame Mittel denkt, so fingen sie an, sich zu einer Korrespondenz mit fremden Fürsten zu drängen in der Hoffnung, daß sie durch das Ansehen derselben, welchem sie damals auf alle Weise schmeichelten, die Änderungen, mit denen sie umgingen, zustande bringen würden. Es war ihnen völlig gleichgültig, ob diese Änderungen durch den Donnerkeil des Despotismus oder durch das Erdbeben eines Volksaufruhrs bewirkt wurden. Der Briefwechsel dieser Sekte mit dem verstorbenen König von Preußen wirft kein geringes Licht auf den eigentlichen Geist aller ihrer Unternehmungen. (Ich möchte die Gefühle des moralisch empfindenden Lesers mit keinem Zitat aus ihrer niedrigen und vulgären Sprache sowie ihren Flüchen schockieren.) (Betrachtungen, Suhrkamp 1967, S. 182).
Im Zusammenhang diskutiert Burke „das Bündnis der Gelehrten in Frankreich mit den Geldbesitzern“, also wird er kaum auf LaMettrie anspielen. Erinnert irgendwie an den Reich der 1950er Jahre: „Wall Street und Moskau“. Das wird sich wohl auf Voltaire beziehen, dessen Briefwechsel mit Friedrich II damals schon veröffentlicht wurde.
Burke, dergestalt vorher eher als „Linker“ und „klassischer Aufklärer“ bekannt, benutzte den Begriff „Vorurteil“, um seine vorgeblichen „Mitaufklärer“ zu schocken. Um was es ihn dabei wirklich ging, war eine Art „Aufklärung über die Aufklärung“: der Mensch lebt nicht im Kopf allein, man darf die irrationale Seite des Menschen nicht vergessen. Alles ganz entsprechend zu Reichs Kritik am „Vulgärmarxismus“.
Im übrigen ist mir durchaus klar, daß Burke wenig mit Reich verbindet. BSA (siehe Teil 82) und LSR nicht nur in vielem „funktionell identisch“ sind, sondern gleichzeitig auch antagonistische Gegensätze. Man nehme etwa Burkes „anti-Stirnerschen“ Ausfälle in seinen Betrachtungen:
Einer der ersten Beweggründe, eine bürgerliche Gesellschaft zu errichten, und eine der ersten Fundamentalregeln einer solchen Gesellschaft ist, daß niemand Richter in seiner eigenen Sache sein soll. Vermöge dieses Grundgesetzes entsagt jeder einzelne unmittelbar dem ersten Fundamentalrecht des unverbündeten Menschen, für sich selbst zu entscheiden und seine Sache nach eigner Willkür durchzufechten. Er entsagt allen Ansprüchen auf die natürliche, unbeschränkte Souveränität über seine Handlungen. Er gibt sogar, wenn auch nicht gänzlich, doch im großen Maße, das Recht der Selbstverteidigung, das älteste Gesetz der Natur, auf. Der Mensch kann nicht die Rechte eines ungesellschaftlichen und eines gesellschaftlichen Zustandes zu gleicher Zeit genießen. Damit nur Rechte überhaupt gelte, tut er Verzicht auf seine Befugnis zu bestimmen, was gerade in den Punkten, die für ihn die allerwesentlichsten sind, Recht ist. Damit er nur über einen Teil seiner Freiheit wahrhaft disponieren könne, legt er die ganze Masse derselben in den gemeinschaftlichen Schatz der Gesellschaft. (ebd., S. 106f)
Nun gut, daß ist gerade noch tolerabel und entspricht sogar fast wörtlich vielem, was im Journal of Orgonomy zu soziologischen Fragen zu lesen ist, es entspricht vielleicht auch dem, was Laska als „rationales Über-Ich“ bezeichnet hat… Aber es geht weiter und Burkes pessimistische Anthropologie kommt zum Vorschein, die nun wirklich mit LSR unvereinbar ist: „… Der Mensch hat ein Recht zu verlangen, daß seinen Bedürfnissen durch menschliche Weisheit abgeholfen werde. Unter diesen Bedürfnissen ist eins der dringensten, daß es für menschliche Leidenschaften, die im außergesellschaftlichen Zustande schrankenlos wüten, einen Zügel gebe“ (ebd. S. 108).
Warum ich trotzdem für BSA eintrete? Man nehme einen Mann wie den Schriftsteller Walter Kempowski (1929-2007), der als typischer „BSAler“ sich in seiner publizistischen Tätigkeit nicht für hehre Geschichtstheorien interessierte, sondern für die unendlich kostbaren Alltagserfahrungen des Mannes von der Straße. Kempowski, der als ehemaliger Lehrer aus seinem Kontakt mit dem Leben heraus gegen die ach so grandiose Bildungsreform mit ihren Lernfabriken anging – die uns nach 50 Jahren eine Generation von Vollidioten beschert! Es ist die BSA-Empörung gegen die (pseudo-) intellektuelle Schweinerei, gegen die weltfremde Infamie, gegen die hochnäsige Dummheit. Ich hätte beinahe geschrieben: „der heilige Zorn des Lebendigen“. Tatsächlich heißt ein bekanntes Buch über Burke The Rage of Edmund Burke. Es ist der Haß auf jene, die weder dieses Land lieben, noch seine Menschen und schon gar nicht die Kinder, sondern nur stur und unmenschlich ihre verqueren abstrakten Ideen von „Chancengleichheit“, „Emanzipation“, „Gender“, etc. nachgehen.
Mir geht es darum, wie man um Himmels willen LSR „legitimieren“ kann, d.h. heimisch machen kann in einer Anti-LSR-Welt. – Will ich praktisch werden? Mir geht es bei meiner Beschäftigung mit BSA um die theoretische Möglichkeit einer praktischen Durchsetzung von LSR.
Anfang 1740er Jahre kam es bei dem bretonischen Arzt Julien Offray de La Mettrie zu einer wachsenden Entfremdung gegenüber medizinischen Lehrmeinungen, die sich, wie es weiter in dessen von Ursula Pia Jauch verfaßten Monumentalbiographie Jenseits der Maschine (S. 132f) heißt, in eine Distanz zu metaphysische Dogmen ausdehnen sollte. Ausgangspunkt war das Totalversagen der Medizin angesichts der damaligen Seuchen, die teilweise ganze Dörfer auslöschten.
Zuvor hatte er ein Jahrzehnt darum gerungen, durch medizinische Aufklärung der Kollegen und des breiten Publikums die Welt zu verbessern. Doch schließlich sieht La Mettrie keinen Sinn mehr darin, „weiterhin mit allen Mitteln um das Leben einzelner Patienten zu kämpfen, während doch die ‚hohe‘ Fakultätsmedizin aus ihrem Jahrhundertversagen angesichts der bretonischen Choleraepidemie keine besonderen Konsequenzen abzuleiten für nötig erachtet“.
LaMettries Desillusionierung angesichts einer körperlichen Seuche geht dergestalt unmittelbar in seine Registrierung der seelischen Seuche über. Es geht um die Emotionelle Pest, deren Bekämpfung ab nun in den Mittelpunkt von LaMettries aufklärerischen Arbeit tritt. Wie sich das gestaltete und zu welchen Schlußfolgerungen er gelangte, ist in den von Bernd A. Laska übersetzten und jeweils ausführlich eingeleiteten vier Hauptwerken LaMettries nachzulesen:
DER MENSCH ALS MASCHINE, XL+100 S., 12.00 EURO
ÜBER DAS GLÜCK oder DAS HÖCHSTE GUT („ANTI-SENECA“), XXIX+162 S., 18.00 Euro
PHILOSOPHIE UND POLITIK, XIV+118 S., 12.00 Euro
DIE KUNST, WOLLUST ZU EMPFINDEN, XXX+125 S., 15.00 Euro
Informationen zu Bestellungen und Nachfragen folgen demnächst.
Es sagt alles über den Zustand unserer verachtenswerten „Kultur“, daß DeSade bei den „Aufgeklärten“ immer beliebter war als LaMettrie. DeSade, der pornographische Schmierfink, wird sogar zunehmend zu der Schlüsselfigur der Aufklärung hochgejubelt. LaMettrie wird zum inkonsequenten blassen Vorläufer. Doch was zeichnet DeSade aus, wenn nicht das „konsequente“ Zuendedenken, dessen, was, gemäß dem katholischen Katechismus, geschehen würde, wenn Moral und Ethik, das Über-Ich, wegbrechen würde? Tatsächlich ist er ein zutiefst katholischer Schriftsteller:
Ähnlich ist das Verhältnis von Stirner und Nietzsche. Der letztere feierte stets genau das, was Stirner als den einen Unglücksfaktor bloßgelegt hatte: die „Zucht“, das Züchtigen, das Überwinden des Menschentiers, das Abpanzern. Aus den gequälten und gemarterten Kindern, wie Nietzsche eines war, sollte ab und an etwas entstehen, was die Apotheose des Lebens sei – und all der verquaste Nietzsche’sche Bombast, in dem unsere verkorksten „Intellektuellen“ sich suhlen wie Schweine in der Gülle.
Beide, De Sade und Nietzsche, flossen schließlich im „Überwinder“ Reichs zusammen, der nicht von ungefähr um Potenzen mehr Einfluß auf die 68er und das Grüne Gesindel hatte, als jemals Reich: der „Freudo-Marxist“ Herbert Marcuse, der sich streng gegen jeden „Revisionismus“ sowohl im Marxismus (Stichwort „parteiliche Toleranz“, d.h. beinharter Klassenkampf a la Stalin, Mao, Pol Pot) als auch im Freudismus wandte (beispielsweise vertrat Marcuse Freuds Todestriebtheorie). Am Anfang stand Marcuse für die präödipale Perversion gegen die „Tyrannei des genitalen Primats“. Seine Helden waren buchstäblich die Figuren aus Pasolinis 120 Tage von Sodom:
Aber Marcuse hat sich weiterentwickelt, denn später waren seine Helden, gemäß der ursprünglichen Freudschen Dichotomie Perverser vs. Neurotiker, die verklemmten Neurotiker, die, ähnlich wie die bis zur äußersten Entmenschung entfremdeten Marxschen Proletarier, schließlich raptusartig gegen ihre Unterdrückung rebellieren und, irgendwie, das Paradies auf Erden errichten… Ja, ich weiß, man fäßt sich an den Kopf!
Das ist der Gegensatz, der den Kern unserer verfluchten Kultur ausmacht: DeSade überwindet LaMettrie, Nietzsche überwindet Stirner, Marcuse überwindet Reich – indem sie jeweils ins Erzreaktionäre zurückfallen… Der Faschismus triumphiert, der schiere Irrsinn, die Unterdrückung, die Emotionelle Pest, der Tod triumphiert. Nichts anderes wird heute in den Hörsälen und Seminaren unserer Verblödungsanstalten („Universitäten“) toleriert. Die Agenda der Mächtigen, die uns ihre eigenen „Revolutionäre“ vor die Nase setzen, führt vom Transgenderismus und Transspeziesismus zum Transhumanismus:
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Der Kern dieser Reihe von Blogeinträgen läßt sich wie folgt zusammenfassen:
# ohne LaMettrie kein Rousseau, damit keine Französische Revolution und kein 19. Jahrhundert
# ohne Stirner weder Marx noch Nietzsche, d.h. keine Schrecknisse des 20. Jahrhunderts
# ohne Reich keine sexuelle Revolution, die etwa 1960 einsetzte, damit kein transgender, kein Transhumanismus und der Untergang der menschlichen Rasse
WAS?! WIE BITTE?! Bedeutet das nicht, daß LaMettrie, Stirner und Reich, kurz LSR, ein einziges Verhängnis sind? Bei dieser Frage muß ich an James DeMeos nur scheinbar widersinniges Diktum denken, daß es nichts Schlimmeres gäbe, als im Kern Saharasias zu cloudbusten und dort zumindest tendenziell das DOR durch OR, also die abgestorbene, wenn man so will, giftige „Todesenergie“ durch die Lebensenergie zu ersetzen. Durch diese zusätzliche frische Energie wird nämlich die Emotionelle Pest dort erst recht hochgepusht. Genauso ist es mit LSR: vermittelt durch LaMettries Schriften wurde Rousseau 1749 zu jener „Erleuchtung“ geführt, die unzähligen Menschen Tod und Leid bringen sollte, „daß der Mensch von Natur gut ist, und daß es lediglich von ihren Einrichtungen herrührt, wenn die Menschen böse werden“. Von dort führt eine gerade Linie zum Terror der Französischen Revolution und über Marx zum GULAG und den 100 000 000 Opfern des Kommunismus.
Marx war ein gläubiger Feuerbachianer bis ihn 1844/45 die Auseinandersetzung mit Stirner dazu brachte, den Historischen Materialismus auszuformulieren. „Hiernach sind“, so Friedrich Engels, „die letzten Ursachen aller gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Umwälzungen zu suchen nicht in den Köpfen der Menschen, in ihrer zunehmenden Einsicht in die ewige Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern in Veränderungen der Produktions- und Austauschweise; sie sind zu suchen nicht in der Philosophie, sondern in der Ökonomie der betreffenden Epoche.“ Das ist das Ende des selbstregulierten, autonomen, selbständigen Menschen – alles nur, um mit Stirner fertigzuwerden.
Nietzsche wurde mit Stirner anders fertig: alles wird gnadenlos zerredet, Behauptungen und Gegenbehauptungen aufgestellt, bis alles Denken blockiert ist. Am Ende steht nach allen vermeintlichen weltstürzenden Theorien, daß die alte reaktionäre Ordnung in verschärfter Form wiederhergestellt wird. Nietzsche…
Und schließlich Reich: die letzte Konsequenz der vollkommen verzerrten und pervertierten sexuellen Revolution, die die klassische Geschlechts- und damit auch Geschlechterordnung grundsätzlich in Frage stellte, ist transgender. Und transgender ist die unmittelbare Vorstufe zum vollendeten Transhumanismus. In der Vierten Industriellen Revolution werden, so Klaus Schwab, „die Grenzen zwischen der physikalischen, der digitalen und der biologischen Sphäre verschwimmen“, d.h. wir verändern nicht nur die Umwelt, sondern vor allem auch uns selbst. Die beliebige Auswahl des Geschlechts ist nur der Anfang des Horrors…
Am Ende der Menschheit steht eine Transformation, die im Kern eine Selbstveränderung ist – und damit eine grausame Karikatur derjenigen „Empörung“, die Stirner 1844 in Der Einzige und sein Eigentum angekündigt hatte:
Revolution und Empörung dürfen nicht für gleichbedeutend angesehen werden. Jene besteht in einer Umwälzung der Zustände, des bestehenden Zustandes oder Status, des Staats oder der Gesellschaft, ist mithin eine politische oder soziale Tat; diese hat zwar eine Umwandlung der Zustände zur unvermeidlichen Folge, geht aber nicht von ihr, sondern von der Unzufriedenheit der Menschen mit sich aus, ist nicht eine Schilderhebung, sondern eine Erhebung der Einzelnen, ein Emporkommen, ohne Rücksicht auf die Einrichtungen, welche daraus entspriessen. Die Revolution zielte auf neue Einrichtungen, die Empörung führt dahin, Uns nicht mehr einrichten zu lassen, sondern Uns selbst einzurichten, und setzt auf „Institutionen“ keine glänzende Hoffnung. Sie ist kein Kampf gegen das Bestehende, da, wenn sie gedeiht, das Bestehende von selbst zusammenstürzt, sie ist nur ein Herausarbeiten Meiner aus dem Bestehenden. (Hervorhebungen hinzugefügt)
Der grundsätzliche Fehler, den Rousseau, Marx und die Träumer vom Übermenschen begehen, ist offensichtlich: ohne das Über-Ich, die Panzerung, anzugehen, kann der LSR-Impuls (der ohne SYSTEMATISCHES Angehen des Über-Ich gar keiner ist, sondern das genaue Gegenteil) nur ins Verderben führen.
Es gilt nicht etwa LaMettrie von der Französische Aufklärung her zu verstehen, sondern umgekehrt sind die Aufklärer, insbesondere Rousseau, dessen Einfluß bis heute gar nicht überschätzt werden kann, nur von LaMettrie her einem Begreifen zugänglich. Rousseau verdankte LaMettrie seinen gesamten revolutionären Impuls. Dieser Kern hat die Massen bewegt und gleichzeitig wurde er von Rousseau ins Gegenteil verkehrt. „Der Mensch ist gut“ und „Folge der Natur“, wurde in einen Moralterror und eine Verlogenheit umgekehrt, der bzw. die heute etwa Die Grünen umtreibt. Kinder werden indoktriniert und „gemainstreamt“ (gleichgeschaltet) und die Natur im Namen der „Natürlichkeit“ auf allen denkbaren Ebenen und in jeder denkbaren Weise Gewalt angetan.
Ähnlich ist es mit Stirner und seinen beiden „Überwindern“ Marx und Nietzsche bestellt. Erstens kann man die beiden nur von Stirner her verstehen, statt umgekehrt – wie es bis heute zu 100% versucht wurde. Genauso wie Rousseau vor ihnen haben sie die befreiende Botschaft, die ihren Philosophien erst Leben und Massenwirksamkeit einflößte, jeweils in einem wohlklingenden Wortschwall mundgerecht gemacht, verwässert und schließlich erstickt. Und zweitens haben sie sie ins genaue Gegenteil verkehrt. Der Eigner seiner selbst wird bei ihnen zu etwas, was überwunden werden muß, weil er ein „Kleinbürger“ ist! Er ist, wie bei Rousseau und Marx zu „vergesellschaften“ bzw., wie bei Rousseau und Nietzsche, muß er einer „harten Zucht“ unterzogen werden.
Bei „Vergesellschaften“ und „harter Zucht“ ließe sich auch an Hegel denken. Auch den kann man nur von Stirner her verstehen, statt umgekehrt. Aber ist das nicht sachlicher und vor allem chronologischer Unsinn, ist doch Stirner von Hegel ausgegangen? Es geht hier darum, was Hegel aus dem aufklärerischen Grundimpuls („der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“) gemacht hat: züchtigt die Kinder, auf daß sie sich dem Weltgeist anpassen!
Und genau so ist auch das Verhältnis von Freud und Reich zu verstehen: Man kann Freud nur von Reich her verstehen, egal wie widersinnig das auch auf den ersten Blick erscheinen mag! Freud hatte an die Grundlagen der Sexualverdrängung gerührt, nur um im Anschluß jeden Psychoanalytiker, der es wagte, aus der Libidotheorie die logische Konsequenz zu ziehen, nämlich Sandor Ferenczi (der seinen Vorstoß zurücknahm und sich Freud anpaßte), Otto Gross und schließlich Wilhelm Reich, umgehend mundtot zu machen. Warum und wie Freud den aufklärerischen Impuls, der ihn erst berühmt gemacht hatte, verriet und ins Gegenteil kehrte, kann man nur von Reich her verstehen.
Die, die heute Reich zu vertreten vorgeben, entlarven sich selbst, wenn sie sich auf Geistesgrößen wie Marx, Nietzsche und Freud berufen. Der Marxismus entstand als verzweifelter Versuch, die Stimme der persönlichen und gesellschaftlichen Selbstregulation zum Schweigen zu bringen und schließlich ganz zu ersticken. Nietzsche wurde einzig und allein deshalb berühmt, weil er eine Möglichkeit anbot, den sich befreienden Lebensimpuls durch hochneurotisches Geschwafel zu ersticken. Anhand von Heidegger kann man heute ungefähr nachvollziehen, wie genau das aussah. Es ist ähnlich wie bei Freud, der es verstand die sich individuell und gesellschaftliche befreiende Genitalität in einem „prägenitalen“ Psychogelaber zu ersticken. Die heutige Entsprechung wären beispielsweise Figuren wie Derrida und Foucault. Schau dir konkret einen beliebigen Marxologen, Nietzscheaner, Psychoanalytiker oder heutigen „Geisteswissenschaftler“ an und du hast plastisch vor Augen, was ich hier zu sagen versuche! Das Lebendige wird diese mediokren Schwafler hinwegfegen wie ekelhafte schwarze Schlacke im Hamburger Hafen:
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Nimmt man die Darwinistische Biologie ernst, müßte die Welt ein Sade’scher Horroralptraum sein voller „militärisch“ mißgestalteter und übelriechender hochtoxischer Freßroboter, die sich gegenseitig massakrieren. In Teilbereichen ist es ja tatsächlich so und übertriebene Naturromantik ist unangebracht. In Bambi haben sich fiese Parasiten eingenistet und auf der nächsten Lichtung wird es von einem Wolfrudel zerfleischt werden. Selbst ein ach so romantischer lichter Wald beruht darauf, daß sich die Bäume gegenseitig das Licht nahmen und zum verdorren brachten und mit chemischen Waffen den Boden für Konkurrenten vergifteten. The suvival of the fittest!
Diese, for lack of a better term, „mechanische Biologie“ entspricht eins zu eins dem Kapitalismus. Ich kaufe eine Firma, zerschlage sie und verkaufe die Firmenkadaver mit Profit und kriege noch eine fette Provision von der Konkurrenz. Das gewonnene Geld investiere ich dann in Waffen-, Drogen- und Organhandel.
Tatsächlich sieht die Realität aber etwas differenzierter aus: der Wald, wirklich jedes einzelne Blatt und jedes einzelne Tier und seine Organe sind orgonomförmig („bohnenförmig“) und pulsieren orgonotisch. Synergien, Kooperation, Erstrahlung und orgonotische Anziehung bestimmen das Bild. Im gesellschaftlichen Bereich entspricht das der Arbeitsdemokratie. Genauso im menschlichen Sexualleben. Natürlich wird es von Darwinistischen, evolutionsbiologischen Mechanismen bestimmt. Frauen sind in dieser Hinsicht unerbittlich, ohne es bewußt zu wollen. Reine Marionetten ihrer egoistischen Gene.
Doch, wieder, so kann die Natur auf allen diesen Ebenen („Wald“, Ökonomie, Sexualleben) nicht wirklich funktionieren. Es käme, als Physiker gesprochen, zu einer „Ultraviolettkatastrophe“, d.h. nach den Gesetzen der Thermodynamik bzw. einfach nach der energetischen Effizienz, würde alles in Mord und Todschlag sozusagen „zerstrahlen“. Wie so etwas aussieht, sehen wir gerade am rapiden Zerfall des Westens. Bzw. würde alles „zerstrahlen“, gäbe es nicht die „Quanten“, d.h. die oronotischen Form- und Funktionsgesetze.
Die Sade’sche Evolutionsbiologie ruht auf einem orgon-biophysikalischen Unterbau, ist von diesem abhängig und kann nur mit den Bauelementen arbeiten, die dieser zur Verfügung stellt. Der mörderische Kapitalismus ist von der Arbeitsdemokratie abhängig, die fundamentaler ist und der brutale Dating-Markt ruht auf der Genitalität, dem Liebesglück. Diese ist die Grundlage von allem, denn ohne es gäbe es keine emotional gesunden Kinder, die von glücklichen Müttern in harmonischen, befriedigenden Zweierbeziehungen herangezogen werden. Ohne diesen Hintergrund wären wir alle Killerroboter und die Gesellschaft wäre dem Untergang geweiht. Wie gesagt: man betrachte den gegenwärtigen Untergang des Westens und spreche mit Kindergartenbetreuerinnen und Psychiatern!
Aus genau diesem Grund werden die „Nihilisten“ und Leute wie Laska ewig aneinander vorbeireden. Und genau das ist der Grund, warum Reich „zum Mikroskop griff“, als er an den beiden Sperrspitzen der Aufklärung: der mentalhygienischen und arbeiteremanzipierenden Seite so dramatisch scheiterte.
LaMettrie, Stirner und Reich hatten ein Grundvertrauen in „die Natur“ („freie Kindererziehung“), während für ihre Gegner die Natur gleichbedeutend mit der Hölle ist. Nicht von ungefähr warfen die Marx-Anhänger Reich immer „Biologismus“ vor, womit sie ihn untergründig in die Nähe Hitlers rückten. Was beide Parteien nicht sehen, ist, daß es um drei Bereiche geht: erstens den „funktionellen“ „bioenergetischen“, den Reich beschrieben hat und den die antiaufklärerischen Mystiker („Gott“) und die Aufklärer („Vernunft“) auf verzerrte und deshalb letztendlich destruktive Weise „anbeten“ – es ist das Über-Ich, das den zweiten, destruktiven Bereich erzeugt (all den individuellen und gesellschaftlichen Horror, gegen den das Über-Ich dann mobilisiert werden muß – in einem Circulus vitiosus). Daneben gibt es einen dritten Bereich, der LSR angreifbar macht und den die Gegner gerne als Waffe benutzen (Stichwort „Rousseauismus“): die unerbittliche „mechanische“ Natur (egoistische Gene, Empfängnisverhütung, Krankheit und Naturkatastrophen, natürliche Auslese).
Die drei Bereiche werden beispielsweise von Reich (1), Freud (2) und den Nationalsozialisten (3) verkörpert. Der Neonazi Michael Kühnen hat in etwa gesagt: „Wir Nationalsozialisten werden letztendlich siegen, weil wir die einzige Partei sind, die die Gesetze der Biologie vertreten!“ Deshalb hatte er in den 1980ern auch Sympathien für die Grünen, die „biologische Partei“ – doch die Grünen verkörpern den Bereich des Gutmenschen (2). Der „bioenergetische“ Bereich steht grundsätzlich außerhalb der Politik (1).