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Orgontherapie 2026 (Teil 2)

17. Januar 2026

Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.

Man begegnet immer wieder Leuten, die sich der „Selbstbefreiung“ verschrieben haben und sich deshalb niemals einem (Orgon-) Therapeuten aussetzen würden. Wie Münchhausen wollen sie sich selbst am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen. Ihr Denkfehler liegt darin, daß, wenn sie sich selbst aus ihrer Neurose befreien könnten, sie gar nicht neurotisch wären!

Immerhin kommen sie der Wahrheit ziemlich nahe, denn es gäbe für ihre langfristige seelische Gesundheit kaum etwas verheerenderes als aktionistische Therapeuten, die sie mit allen möglichen Techniken, insbesondere „körpertherapeutischen“ Interventionen, von außen befreien wollen. Derartige „Erziehungsdiktaturen“ mögen oberflächlich betrachtet zu einer Verbesserung führen, doch tatsächlich wird so die Unfähigkeit zur Selbstregulation nur noch tiefer verankert. Deshalb sind „Orgontherapeuten“, die an ihren Patienten eine „körpertherapeutische“ Intervention nach der anderen ausführen, ihnen eine Vorgabe nach der anderen machen, in Wirklichkeit das Gegenteil von Orgontherapeuten: es sind pestilente Charaktere, die auf sadistische Weise das Lebendige drangsalieren und narzißtisch ihre angemaßte „Autorität“ genießen.

Ein richtiger Orgontherapeut macht dem Patienten klar, daß er ihn nicht „gesund machen“ kann. Oder wie mir mein erster Orgontherapeut sagte: „Die Patienten wollen immer, daß ich sie von ihrer Neurose befreie. Wie soll ich das machen? Ich bin doch kein Magier!“ Der Orgontherapeut ist kein „Führer“, der schon alle Antworten kennt und dem man nur zu folgen braucht, sondern ein, wie Reich ihn in Christusmord nannte, „Neuer Führer“, der jede Verführung „ein Führer“ zu sein, zurückweist, vielmehr nimmt er die Menschen ernst und läßt sie sich selbst retten, indem er ihnen die Verantwortung für ihr eigenes Leben auferlegt. Das macht er, indem er verhindert, daß sie ständig dem Wesentlichen ausweichen.

Ein Orgontherapie-Patient übernimmt selbst die Verantwortung für seine Gesundung – oder er ist gar kein Orgontherapie-Patient.

Man kann immer wieder beobachten, daß „Reichsche Therapie“ bei vielen einfach keine Wirkung zu zeitigen scheint. Sie bleiben irrational, werden teilweise sogar pestilent (Emotionelle Pest). Es fehlt ihnen an „Magnetismus“, vielmehr wirken sie „hohl“ und „leer“. Statt sich wohler und integrierter zu fühlen, werden sie entweder immer wehleidiger und „sensibler“. Oder sie verwandeln sich in narzißtische, blasierte Kotzbrocken, die sich einbilden „umstrukturiert“ zu sein.

Therapie macht nur Sinn, wenn man sich der Panzerung bewußt wird und sich entsprechend von innen her verändert. Solange die grundlegenden Verhaltensmuster, etwa eine alles erstickende Indifferenz, nicht bewußtgemacht werden, wird jedwede „bioenergetische“ Intervention verpuffen oder diesen Widerstand sogar noch weiter verstärken.

Heutzutage, wo der Charakterpanzer in der Struktur der Menschen immer wichtiger wird, auf die Charakteranalyse zu verzichten, d.h. es zu unterlassen, die okulare Panzerung aufzulösen, ist ein Kunstfehler. Was „Körpertherapeuten“, sogenannte „originale Reich-Therapeuten“, „Bioenergetiker“, etc. treiben, ist zutiefst reaktionär, weil sie die pathologische Tendenz der Gesellschaft zur Oberflächlichkeit nur noch weiter verstärken. „Nur nicht den Kern des Problems berühren!“

In der Orgontherapie muß Kontakt hergestellt werden und der Patient von seinen Ersatzkontakten entfremdet werden. Stattdessen bieten die „Neoreichianischen Körpertherapeuten“ Ersatzkontakt in Form von mechanischen Übungen und Massagen. Diese Therapien sind nur ein Spiegel dieser Gesellschaft: „action“ und „event“ bei Vermeidung von wirklichem bioenergetischen Kontakt.

Genauso wie der Sozialist alles von „der Gesellschaft“, d.h. dem Staat, erwartet und von der Eigenverantwortung entlastet werden will, soll der Therapeut den Patienten von außen her durch „Körperübungen“ und „Muskelmassage“ oder gar durch das „Bewegen der Lebensenergie“ heilen.

Das ist imgrunde eine mechanistische Einstellung, die sich kaum von der der „Schulmedizin“ unterscheidet. Wirkliche Veränderung kann nur Frucht von Eigenverantwortung sein. Aufgabe des Therapeuten ist es, die Selbststeuerung wieder in Gang zu bringen, d.h. den Patienten mit Verantwortung zu belasten, statt ihn zu entlasten.

Das orgonomisch-konservative Manifest (Teil 2)

1. Januar 2026

Orgontherapie ist nichts anderes als der Kampf gegen eine bestimmte Infektion, die sich im Patienten ausbreitet, die Emotionelle Pest. Es ist ein „Hör auf, meinem Kumpel wehzutun, du Mistkerl!“ Dazu muß eine „freundschaftliche Allianz“ zwischen Therapeut und Patient aufgebaut werden, ein Bündnis gegen die Infektion. Das ist so, als würde die freie Welt Freunde in der ganzen Welt suchen, um die Ausbreitung des Islamo- und Roten Faschismus zu stoppen. Aber das bedeutet nicht, daß „der Westen sich ausbreitet“, sondern nur, daß er die zerstörerische Ausbreitung des Faschismus aufhält. Das Prinzip der Ausbreitung selbst ist unser Gegner. Man nehme die Kreuzzüge: daß war keine Ausbreitung, sondern das Errichten einer Mauer gegen die Ausbreitung der Pest! Wenn ich mich gegen die Antifa stelle, ist das etwas grundlegend anderes als umgekehrt!

Es ist wie die Sache mit den Äpfeln. Faule Äpfel infizieren gesunde Äpfel. Die Fäulnis breitet sich aus. Aber gesunde Äpfel verbreiten ihre Gesundheit nicht. Das geht gar nicht! Alles, was man tun kann, ist, die Ausbreitung der Fäulnis zu stoppen, indem man ihr Hindernisse in den Weg stellt und dann darauf zu warten, daß sie förmlich „austrocknet“. Zur Enttäuschung aller wohlmeinenden Menschen ist Liebe und Gesundheit leider nicht ansteckend. Das Gute kann nur arbeitsdemokratisch nach Verbündeten Ausschau halten, um sich gemeinsam der Ausbreitung des Bösen entgegenzustämmen. Alles andere ist liberale Verblendung! Die Liberalen fangen immer erneut mit „Laßt uns die Botschaft der Liebe und des Verständnisses verbreiten!“ an, aber weil sie keine Ahnung von dem grundlegenden Unterschied zwischen Gut und Böse haben, werden sie letztlich selbst zu Roten Faschisten, d.h. dem schlimmsten vorstellbaren Übel. Der Liberale ist dem Untergang geweiht, gerade weil er so „liebevoll“ ist. Nur der Konservative hat eine Chance, seine Seele nicht an den Teufel zu verkaufen!

Das Leben ist durch drei Funktionsbereiche gekennzeichnet:

1. Sexualökonomie: Liebe gegen die Emotionelle Pest (beispielsweise Pornographie und LGBTQ+)

2. Wirtschaft: Arbeit gegen die Emotionelle Pest (beispielsweise Friedrich Merz und BlackRock)

3. Weisheit: Wissen gegen die Emotionelle Pest (beispielsweise Ursula von der Leyen und die Internetzensur)

Wenn diese drei Bereiche (Liebe, Arbeit und Wissen) relativ frei sind, funktionieren sie einfach und kümmern sich nicht um die Außenwelt. Werden sie von Perversen und Lobbyisten angegriffen setzen sie einfach ihre Aufklärungsarbeit fort und suchen verbündete in der Trump-Administration, wie es gegenwärtig unsere AfD tut. Wobei die AfD nach der Machtübernahme niemals so handeln wird wie die gegenwärtigen linken Pestratten, die roten Nazis: Debanking, aus öffentlichen Dienst entlassen, flächendeckende Linkspropaganda, Gleichschaltung der gesamten Akademie, antiweißer Rassismus, Christophobie, die Jugendorganisation blockiert die Parteitage anderer Parteien, der militärisch durchstrukturierte Antifa-Terror, etc. ES IST UNDENKBAR, DASS DAS LEBENDIGE LEBEN (die AfD) JEMALS SO PESTILENT HANDELN WÜRDE! Leipzigs Antifa zieht gegen die Bürger von Schwarzenberg. Der umgekehrte Fall ist jenseits allen Vorstellungsvermögens, so absolut grotesk wäre er. In nichts ähnelt unser Verhalten dem der Emotionellen Pest. Das „Wie“ ist das „Was“!

So arbeitsdemokratisch waren im Wesentlichen die USA in der Zeit zwischen General Washington und Teddy Roosevelt. Es war der pseudoliberale pestilente Charakter Woodrow Wilson, der die irrsinnige Idee der „Verbreitung der Demokratie“ auf der ganzen Welt einführte. Das ist nicht die Art und Weise, wie Liebe, Arbeit und Wissen mit dem Pest umgehen. Wahre Konservative wie Senator Robert A. Taft zur Zeit Reichs Anfang der 1950er Jahre haben immer versucht, den gesunden Menschenverstand und Rationalität nach Amerika zurückzubringen. Trump ist die jüngste Inkarnation dieser Vernunft. Kein einziger amerikanischer Steuerdollar, kein einziger amerikanischer Blutstropfen für die Ukraine und anderen destruktiven Blödsinn!

Stattdessen sollten sich die USA all dieser wahnsinnigen pseudoliberalen, neokonservativen, krypto-Trotzkistischen Pestbeulen entledigen, die ständig „Demokratie“ in der Welt verbreiten wollen. Das ist nicht die Art des lebendigen Lebens! Lebendiges Leben ist friedlich und wehrt sich nur gegen die Ausbreitung der Pest, indem es Barrieren aufrichtet. Es ist nie und nimmer mit der Freiheit hausieren gegangen. Pornographie und Perversion (LGBTQ) verbreiten sich, während die Genitalität sich nur vor Pornographie ekelt und nicht im geringsten an Perversion interessiert ist. Die Genitalität ignoriert diese Dinge einfach! In dieser Hinsicht ist Genitalität konservativ und „isolationistisch“. Die Liberalen wollen „die Welt verändern“, während die Konservativen einfach in Ruhe gelassen werden wollen!

Also würde die Genitalität immer durch die Pest dominiert werden? Keineswegs, denn „Ausbreitung“ ist der Modus Operandi der Pest. Wenn sie sich nicht ausbreiten kann, schrumpft sie einfach und stirbt. Das Gegenteil ist bei der Genitalität der Fall: Wenn sie sich ausbreitet, wird sie verwässert und von der Pest infiziert. Dies geschah mit Amerika nach Woodrow Wilson. Wie viele schreckliche Dinge wurden im „Namen der Demokratie“ verübt? Wie viele Menschen wurden völlig sinnlos getötet? LASST DIE WELT IN RUHE!! So wie Trump es tut: Verbündete in fremden Ländern finden, Deals machen, aber aufhören, „Demokratie zu verbreiten“. Mit potentiellen Freunden in Kontakt treten und andererseits „eine Mauer bauen“, aber nichts „verbreiten“. Reich operierte auf ähnliche Weise: „Keine Propaganda ist die beste Propaganda.“ Mache einfach deine Arbeit und das war’s.

Du sagst, daß es mir an Optimismus mangelt und daß ich irgendwie DOR erliege, weil ich sage, daß sich die Genitalität nicht ausbreitet, sondern einfach auf dem Boden bleibt. Was ich eigentlich ausdrücken will, ist doch offensichtlich. Die pestigen Comanchen terrorisierten die Prärie und verbreiteten sich wie ein Lauffeuer. Es ist absolut unvorstellbar, daß ein genitaler Stamm etwas ähnliches getan hätte. Die Pest breitet sich aus, während die Genitalität einfach ihr Leben lebt und sich verteidigt. Wenn sie den Comanchen nacheifern würde, würde es bald selbst zur Pest werden!

Ein schönes Beispiel ist der Zweite Weltkrieg. Ich habe mich hier schon breit genug über das atlantische Theater ausgelassen, nehmen wird deshalb das pazifische: Nachdem Japan 1905 den Krieg gegen Rußland gewonnen hatte, beschloß es, den westlichen Weg einzuschlagen und ebenso wie Großbritannien und andere Länder expansionistisch bzw. imperialistisch zu werden, anstatt einfach nur Handelspartner zu sein. Als Amerika mit lähmenden Sanktionen gegen Japan reagierte, war der japanisch-amerikanische Krieg unvermeidlich. Die Dynamik der Emotionellen Pest begann also schon lange vorher, z.B. mit Großbritanniens irrsinnig verbrecherischer Politik wie dem Opiumkrieg in China. Wie auch immer, Amerikas angebliche „Befreiung“ Ostasiens führte zur Ausbreitung des Roten Faschismus, was wiederum eine militärische Intervention der USA erforderlich machte. Nichts an dieser Kette von Ereignissen war in irgendeiner Form „genital“ oder „rational“. Trump, hätte es ihn damals gegeben, hätte einen Deal gemacht, so wie er jetzt die Situation in der Ukraine handhabt: auf eine rational konservative Weise, nicht mit dem halbirren liberalen Ansatz seiner „neokonservativen“ Gegenspieler.

Es ist der charakteranalytische Ansatz. Man geht nicht mit der Brechzange vor, sondern systematisch und angepaßt von außen nach innen, von der Oberfläche aus zum Kern und dämmt so langsam aber sicher die Pest ein. Was man nicht tut, ist, den Lebenskern zu einem Putsch gegen die Pest anzustacheln, sondern diese gemeinsam immer mehr einzugrenzen und zu „sequestrieren“. Das mechanistisch-mystische Denken stellt den Kampf zwischen Gut und Böse so dar, als sei es eine manichäische Auseinandersetzung zwischen irgendwie zwei gleichen Kräften. Nein, der Unterschied ist fundamental und zeigt sich vor allem im WIE der Auseinandersetzung auf der jeweiligen Seite.

THE JOURNAL OF ORGONOMY: chronological index vols. 1-57 (1967-2025)

7. Dezember 2025

THE JOURNAL OF ORGONOMY: chronological index vols. 1-57 (1967-2025)

Peter Töpfer (Teil 5)

24. November 2025

Zur Illustration der „tiefen Identität“, von der Dugin in Eurasische Mission spricht, beruft sich Töpfer in seinem Vorwort offensichtlich zustimmend auf Richard Wagner, der „Gefühl und Wirklichkeit (gleichsetzt)“ (S. XIV). Hier paßt, was Reich über das nationalsozialistische „Blutwallen“ geschrieben hat:

Was verbirgt sich also hinter dem Mystizismus der Faschisten (…)? Die Antwort darauf gibt die Analyse der von Rosenberg im Mythus des 20. Jahrhunderts geführten „Beweise“ für die Gültigkeit der faschistischen Rassentheorie. Rosenberg schreibt gleich im Beginne: „Die Werte der Rassenseele, die als treibende Mächte hinter dem neuen Weltbild stehen, sind noch nicht lebendiges Bewußtsein geworden. Seele aber bedeutet Rasse von innen gesehen. Und umgekehrt ist Rasse die Außenwelt der Seele.“ Hier haben wir eine der unendlich vielen, typisch nationalsozialistischen Phrasen vor uns, Sätze, die auf den ersten Blick keinen Sinn verraten, ja ihn wie absichtlich zu verhüllen scheinen, auch vor dem Schreiber dieser Sätze selbst. Man muß die massenpsychologische Wirkung gerade solcher mystischen Sätze kennen und gebührend einschätzen, um auch ihre politisch-irrationale Wirkung zu begreifen. Weiter: „Rassengeschichte ist deshalb Naturgeschichte und Seelenmystik zugleich, die Geschichte der Religion des Blutes aber ist umgekehrt die große Welterzählung vom Aufstieg und Untergang der Völker, ihrer Helden und Denker, ihrer Erfinder und Künstler.“ Die Anerkennung dieser Tatsache ziehe die Erkenntnis nach sich, daß das „Kämpfen des Blutes“ und die „geahnte Mystik des Lebensgeschehens“ nicht zwei verschiedene Dinge seien, sondern ein und dasselbe auf verschiedene Weise darstellen. „Kämpfen des Blutes“ … „geahnte Mystik des Lebensgeschehens“ … „Aufstieg und Untergang der Völker“ … „Blutsvergiftung“ … „jüdische Weltpest“ …, dies alles liegt auf einer Linie, die beim „Kämpfen des Blutes“ beginnt und weltanschaulich bei blutigem Terror gegen den „jüdischen Materialismus“ von Marx und beim Judenmord endet. Man tut der Sache der menschlichen Freiheit nichts Gutes an, wenn man diese Mystik nur verlacht, statt sie zu entlarven und auf den ihr zugrundeliegenden irrationalen Gehalt zu reduzieren. Das meiste und praktisch wichtigste daran ist irrational und mystisch aufgefaßter biologischer Energieprozeß, extremer Ausdruck reaktionärer Sexualideologie. Die Weltanschauung von der „Seele“ und ihrer „Reinheit“ ist die Weltanschauung der Asexualität, der „sexuellen Reinheit“, also im Grunde eine Erscheinung der durch die patriarchalische autoritäre Gesellschaft bedingten Sexualverdrängung und Sexualscheu. (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 91f)

Töpfer ist bekennender Reichianer und der „Eurasier“ Dugin ist nun wirklich so ungefähr das Gegenteil eines Verfechters einer „reinen“ Rasse, was bleibt ist aber der Appell ans Gefühl und an die „Tiefe“. Nicht, daß irgendetwas gegen „Gefühle“ und „Tiefe“ spricht! Der Unterschied ist trotzdem ein fundamentaler: Wagner, Heidegger und Konsorten verlieren sich im Ungefähren und Ambivalenten, nicht klar Formulierbaren: die Wirklichkeit wird zu einer Sache bloßen „Empfindens“… Während für Reich klare Gedanken der Ausdruck klarer Gefühle und Emotionen sind, die sich orgonometrisch („dialektisch“) ausformulieren lassen, verkörpern diese Leute das Pathos des im Unklaren Lassens: das „Ahnen“.

Töpfer beruft sich bei seinen Querfrontbestrebungen, Dugin fortspinnend, nicht zuletzt ausgerechnet auf Reich (sowie Fritz Perls und Arthur Janov…). In Gestalt des frühen linken und des späten konservativen Reich biete sich ein Schnittstelle zwischen linken und rechten Antiglobalisten an (S. XVI). So, als wenn wir das ganze nicht schon hatten, etwa in Gestalt des bekennenden Sozialisten Joseph Goebbels. Jede Querfront, wie sie etwa im Begriff „Nationalsozialismus“ zum Ausdruck kommt, vereinigt den Mystizismus der Rechten, der biophysisch im Solar Plexus zentriert ist (verkörpert im Duginschen Symbol der acht Pfeile, die von einem Zentrum ausgehen) und den kopfzentrierten Mystizismus der Linken, mit ihren „Visionen“ einer besseren Welt. Letztendlich bestimmt hier nicht das Orgon („die Sexualität“) die Agenda, sondern die Panzerung („die Sexualabwehr“), weshalb das „offensichtlich deplazierte“ obige Zitat aus der Massenpsychologie eben doch trifft. In diesem Zusammenhang sei auch auf das „theistisch-agnostische Bündnis“, das Töpfer ein Jahr später in seinem Buch Pan-Agnostik anvisiert, mit dem wir uns im nächsten Teil beschäftigen werden. Ich habe diese ganze Syndrom als Blauen Verschißmus bezeichnet.

In Harmonie mit der soziopolitischen Orgonomie, Töpfer zitiert dazu ausdrücklich Elsworth F. Baker (S. XVI), wendet sich Dugin gegen die anti-autoritären („liberalen“) unipolaren (zentralistischen) „Atlantiker“ und setzt dagegen die kontinentalen autoritären („konservativen“) multipolaren „Eurasier“. Künstliche zentrale Autorität („Washington“) gegen gewachsene lokale Autoritäten. Energetisches Orgonom (weitausgreifende Kreiselwellen-Bewegung, Gehirn) gegen „konservative“ stationäre Pulsation (orgonotisches System, Solar plexus). „Die alte, zentralisiert unipolare Welt mit ihrem einzigen, satanischen Hirten zur reinen Versklavung aller Völker mittels Atomisierung – der verwüstenste aller Wüstenstürme, inakzeptabel, unerträglich –, sie geht unter“ (S. XXVI). Töpfer spricht im Zusammenhang mit DeMeos Saharasia-Theorie von der „Geopolitik des seelischen Elends“ und will das „neolithische Matriarchat“ mit der unserer Natur entsprechenden „Mikrogesellschaft“ wiederherstellen (S. XXV).

Klingt doch alles sehr gut! Nun ja, was die uns hier nicht weiter interessierenden geopolitischen Ausführungen von Dugin selbst betrifft: auf weltpolitischer Ebene ist die „Geopolitik“ eine exakte Entsprechung der „Gesellschaftspolitik“ auf nationaler (und mittlerweile europäischer und UN-) Ebene – sie ist Emotionelle Pest. Politik sollte einfach nur Staatskunst sein, wie sie beispielsweise die CDU bis Ende der 1960er Jahre betrieben hat, und sonst nichts. Es ging schlicht darum, der Wirtschaft und Gesellschaft eine effiziente Verwaltung zur Verfügung zu stellen, ohne großen Anspruch auf die Gesellschaft einzuwirken. Das änderte sich mit dem schleichenden Einfluß des Kommunismus durch die sozialdemokratische Pest, die das Land mit „Reformen“ überzog und die „Lufthoheit über die Babykrippen“ erlangen wollte. Genauso ist es auf globaler Ebene mit den „Neocons“ in den USA und den Dugins in Rußland und China bestellt. Statt einfach nur Diplomatie im Sinne Bismarcks zu betreiben, werden „Großräume“ abgesteckt und von einer „vierten politischen Theorie“ schwadroniert! Man verschone uns mit „Gefühlen“ und „Visionen“. Wer sowas in die Politik trägt, sollte, frei nach Helmut Schmidt, zum Arzt gehen.

Die Massenpsychologie der antiautoritären Gesellschaft (Teil 2)

7. November 2025

1942 schrieb Reich einen seiner besten sozialpsychologischen Aufsätze, „Der biologische Rechenfehler im menschlichen Freiheitskampf“. Die damalige autoritäre Gesellschaft faßt er darin in den folgenden 11 Punkten zusammen:

  1. Die Menschheit ist biologisch krank.
  2. Die Politik ist irrationaler sozialer Ausdruck dieser Krankheit.
  3. Was immer im gesellschaftlichen Leben geschieht, ist aktiv oder passiv, gewollt oder ungewollt durch die Struktur der Menschenmassen bestimmt.
  4. Diese charakterliche Struktur ist durch sozialökonomische Prozesse entstanden und sie verankert, verewigt diesen Prozeß. Die biopathische Charakterstruktur der Menschen ist nichts anderes als erstarrter, autoritärer Geschichtsprozeß, biophysiologisch reproduzierte Massenunterdrückung.
  5. Die menschliche Struktur ist vom Widerspruch zwischen Freiheitssehnsucht und Freiheitsangst beseelt.
  6. Die Freiheitsangst der Menschenmasse ist bio-physisch in Versteifung des Organismus und in charakterlicher Starre verankert.
  7. Jede Art gesellschaftlicher Führung ist nur der soziale Ausdruck der einen oder der anderen Seite dieser Struktur der Menschenmassen.
  8. Es geht nicht um den Versailler Friedensvertrag oder die Ölquellen von Baku oder um 200-300 Jahre Kapitalismus, sondern um 4000-6000 Jahre autoritär-mechanistische Zivilisation, die das biologische Funktionieren der Menschen ruiniert hat.
  9. Geld- und Machtinteressen sind Ersatz unerfüllten Liebesglücks, getragen von der biologischen Erstarrung der Menschenmassen.
  10. Die Unterdrückung des natürlichen Geschlechtslebens der Kinder und Jugendlichen dient der Strukturalisierung williger Träger und Reproduzenten der mechanistisch-autoritären Zivilisation.
  11. Jahrtausende menschlicher Unterdrückung sind in den Fluß der Aufhebung geraten. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 286)

Offensichtlich sind diese 11 Punkte zu einem Gutteil noch heute gültig, jedoch begann sich etwa 20 Jahre nachdem Reich dies geschrieben hatte, die Welt grundlegend zu verändern. Etwas, was Reich im letzten Punkt ja auch vorausgesagt hat. Die antiautoritäre Gesellschaft entstand langsam aber sicher. Betrachten wir sie Punkt für Punkt

  1. Die Menschen der westlichen Welt sind nach wie vor biologisch krank. Vielleicht sogar kränker als jemals zuvor. In der autoritären Gesellschaft waren die Menschen größtenteils muskulär gepanzert. Das wird unmittelbar evident, wenn man sich militärisches Training anschaut und sich überlegt, daß die Kindererziehung nicht viel anders aussah. Nicht der Intellekt wurde angesprochen, sondernd Recht und Ordnung buchstäblich eingebleut. Heute sind die Menschen weitaus mehr okular gepanzert und benötigen deshalb nicht mehr die extreme Körperpanzerung, die früher üblich war. Dies wird mit einer weitaus größeren Kontaktlosigkeit erkauft. Alles wird „zerredet“ und rationale Diskussionen werden fast unmöglich.
  2. Politisch kommt das in etwas zum Ausdruck, was Charles Konia in augenzwinkernder Anlehnung an die Kosmologie als „Rotverschiebung“ bezeichnet hat. Was früher Mainstream war, gilt heute als rechtsradikal. Und was früher als linksextremes Gedankengut galt, wird heute in der Mitte der Gesellschaft verortet. Dies ist ein schlagendes Beispiel dafür, daß es in der Politik nicht um einen (mehr oder weniger) rationalen Streit um das Beste geht, was man für die Zukunft der Gesellschaft tun kann. Vielmehr ist Politik, um Reich zu paraphrasieren, irrationaler sozialer Ausdruck der Panzerung der Menschenmassen.
  3. Letztendlich ist das, „was die da oben machen“ in der vorherrschenden Charakterstruktur der Massen begründet. Die Skandale in Politik und Wirtschaft, wo es meist um Ichsucht, Pflichtvergessenheit und schlichte Kriminalität (Triebhaftigkeit) geht, setzt nur das in einen scharfen Fokus, was die meisten Glieder einer antiautoritären, zutiefst egozentrischen, verantwortungslosen und triebhaften Gesellschaft durchdringt.
  4. Die biopathische antiautoritäre Charakterstruktur ist nicht einfach „erstarrter, autoritärer Geschichtprozeß, biophysiologisch reproduzierte Massenunterdrückung“, sondern ganz im Gegenteil Resultat der chaotischen Auflösung dieser Erstarrung (siehe Reichs Punkt 11).
  5. Aufgrund der Freiheitsangst der Massen können Faschisten deren Freiheitssehnsucht kanalisieren, indem sie etwa an den Nationalismus oder die Fremdenfeindlichkeit appellieren. In der antiautoritären Gesellschaft wird die Freiheitssehnsucht typischerweise durch den Appell an rebellische Gefühle insbesondere gegen Amerika und Israel in beliebige Bahnen gelenkt.
  6. In der antiautoritären Gesellschaft ist die Freiheitsangst der Menschenmasse vor allem in der okularen Panzerung verankert, was insbesondere in überbordenden Verschwörungstheorien zum Ausdruck kommt.
  7. Mit der Freiheitssehnsucht spielen heutzutage typischerweise „Libertäre“ und „Anarchisten“. Bei allen Unterschieden und Gegensätzen haben beide keinerlei Sinn für die Freiheitsunfähigkeit der Massen. Ebenso zynisch wird von den „sozialdemokratischen Kräften“, also allen „Parteien der Mitte“, die Freiheitsangst der Massen ausgebeutet. Freiheitskrämerische Kräfte, etwa Die Linke, spielen abwechselnd mit beidem.
  8. Es geht nicht um den Euro oder die Situation im Nahen Osten oder um die globalisierte Welt, sondern um die jahrtausendealte Panzerung des Menschen („Saharasia“) im allgemeinen und die mechanistische Weltsicht im besonderen, die im antiautoritären Menschen (Charakter-) Struktur geworden ist.
  9. „Geld und Machtinteressen sind Ersatz unerfüllten Liebesglücks, getragen von der biologischen Erstarrung der Menschenmassen.“ In der triebhaften antiautoritären Gesellschaft ist dieser Satz aktueller denn je. Siehe dazu Punkt 3.
  10. Die antiautoritäre Gesellschaft wird zu einem Gutteil willentlich und geplant fortgesetzt und unumkehrbar gemacht. Die Erziehung zielt teilweise ganz offen darauf ab, aus den Kindern (Pseudo-) Individualisten zu machen, die, von ihrem bioenergetischen Kern entfremdet, Sprachrohre ideologischer Versatzstücke werden.
  11. Seit etwa 1960 sind „Jahrtausende menschlicher Unterdrückung in den Fluß der Aufhebung geraten“. Ergebnis ist die antiautoritäre Gesellschaft. Es mag sein, daß die Rückkehr zur autoritären Gesellschaft den endgültigen Kollaps aufhalten kann, doch das ist nur eine erneute Verschiebung der Panzerung. Eine wirkliche Lösung kann einzig und allein in der Beseitigung der Panzerung selbst liegen. Erste Voraussetzung dafür ist die Herstellung eines gesellschaftlichen Bewußtseins, daß es so etwas wie „Panzerung“ überhaupt gibt!

Die Massenpsychologie der antiautoritären Gesellschaft (Teil 1)

6. November 2025

Ich schreibe diesen Blogeintrag im IC auf dem Weg nach Hamburg. Neben mir an den mittleren Tischen im Großraumwagen sitzt ein Vater mit seinen beiden Söhnen im Vorschulalter. Der ältere „singt“ entnervend, der Vater bittet ihn immer wieder und wieder und nochmals, daß er doch endlich aufhören solle. Keinerlei Reaktion, wenn man von einem hämischen Gelächter des Jungen absieht. Desgleichen bittet der Vater, daß er sich doch nicht ständig weit über den Platz der jungen Frau, die neben ihm sitzt, lümmeln solle, ebenfalls keine Reaktion. So die ganze Fahrt über. Schließlich ist der Vater so genervt, daß er ihn wegen einer Nichtigkeit schmerzhaft anstubst – und sich wortreich rechtfertigen muß. Das ganze erinnert fatal an ein sadomasochistisches Spiel. Der kleine Bruder, eindeutig kein Säugling mehr, hat ständig einen Schnuller im Mund, auch während er spricht. Am Ende der Fahrt fängt er herzzerreißend zu schreien an. Seine Verzweiflung ist grenzenlos. Ich denke, er hat sich schwer verletzt, irgendwo eingeklemmt oder so, tatsächlich ist er mit seiner linken Hacke beim Anziehen nicht richtig in den Schuh gekommen. Eine für ihn scheinbar unaufhebbare mißliche Lage.

In meiner Kindheit wären der trottelig-gutmütige Vater, der sadistische ältere Bruder und der schnullernde kleine Bruder schlichtweg undenkbar gewesen, allein schon, weil niemand das jeweilige Verhalten der drei toleriert hätte. Das verpeilte Trio hat die Mutter besucht. Kaum eine Szene beschreibt besser das, was man treffend als „antiautoritäre Gesellschaft“ bezeichnen kann. Noch Anfang der 1970er Jahre hätten die drei wie Aliens aus dem Weltall gewirkt!

Gepanzerte Gesellschaften kann man wie folgt beschreiben:

Die obige Gleichung beschreibt die „ödipale“ Struktur der gepanzerten Gesellschaft, in der der von Rationalität und Kalkül geprägte Staat, dem man Gehorsam und Gefolgschaft schuldig ist, den Vater verkörpert („Recht und Ordnung“) und die damit nicht unbedingt identische Nation, die sich vor allem durch sentimentale Gefühlsbindungen konstituiert, die Mutter („Blut und Boden“).

Wie Reich in der Massenpsychologie des Faschismus ausgeführt hat, ist die alte autoritäre Gesellschaft von zwei Triebkräften geprägt:

  1. Angst vor dem Vater Staat
  2. Sehnsucht nach der Mutter Nation

Beides kommt im Nationalismus zum Ausdruck. In Deutschland zeigte sich das im Kampf gegen den „jüdischen Bolschewismus“, der sich rebellisch dem gefürchteten Vater entgegenstellt und die Mutter „nimmt“, – und im gleichzeitigen Kampf gegen den „jüdischen Kapitalismus“, der die geliebte Mutter „fickt“, sie mit seinem „Mammonismus“ „entehrt“. (Zu letzterem siehe meine Ausführungen über die sozusagen „nicht-völkischen“ und gleichzeitig „sexuellen Ursprünge“ des Kapitalismus.)

Natürlich war die Begründung für den besagten Kampf, d.h. „die Reaktion“, nicht ganz aus der Luft gegriffen, wenn man mal vom Antisemitismus absieht, denn zweifellos waren in den 1920er und 30er Jahren sowohl durch die antikapitalistischen als auch die kapitalistischen Kräfte die traditionellen Einrichtungen, angefangen bei der Familie, bedroht. Beide zerstörten die autoritäre Familie, den autoritären Staat, und machten die Nation bedeutungslos („Globalisierung“). Das mündete schließlich in der antiautoritären Gesellschaft, die das genaue Gegenteil der autoritären Gesellschaft ist:

  1. Sehnsucht nach dem Vater Staat
  2. Angst vor der Mutter Nation

Die logische Konsequenz dieser beiden Bestrebungen ist der Internationalismus, der heute jede Facette des gesellschaftlichen Denkens durchdringt.

Die ödipale Rebellion gegen alles, wofür der Vater steht, war auf allen Ebenen erfolgreich: der Vater wurde zum „Freund der Kinder“, eine im Grunde verachtete Witzfigur, die männlichen „Sekundärtugenden“ wurden durch weibliche Gefühlsduselei ersetzt und der Staat wurde der Inbegriff von impotenter Ineffizienz, weil er für alles und jedes zuständig wurde („Sozialpolitik“). Heute bestimmt fast ausschließlich die Mutter bzw. weibliche „Bezugspersonen“, „Betreuerinnen“ und Lehrerinnen das Leben der Kinder.

Früher führte die Angst vor dem Staat und die Sehnsucht nach der „Volksgemeinschaft“ tendenziell zu einer Art „Selbstorganisation“: die autoritäre Familie war selbst eine Art Kleinstaat und die gefürchtete Obrigkeit brauchte kaum einzugreifen. Heute ist es genau umgekehrt: die „Volksgemeinschaft“ wurde zum Horror schlechthin, zur alles verschlingenden bösen Mutter, und der „Idealstaat“ (man denke nur an den absurden Begriff „Verfassungspatriotismus“!) wurde zur alleinigen Orientierung. Der „Nazi“ wird folgerichtig zum Leibhaftigen, zur Verkörperung des apokalyptisch Bösen, zum „(Anti-) Juden“. Europakritiker, Patrioten, Konservative, „neoliberale Raubtierkapitalisten“, geistig gesunde Menschen – alles nichts als „Nazis“!

Der einzige Halt, der den Menschen bleibt, ist der Staat, der sich ineffizient, wie er gemacht wurde, immer mehr zu einer Art religiösen Utopie verflüchtigt und zusehends in ein imgrunde mystisches Jenseits versetzt wird: die „Überwindung der föderalen Kleinstaaterei“, Europa, die UN bringen das Heil. Die Nation wird hingegen erbarmungslos „dekonstruiert“. Waren früher die phantasmagorischen „Juden“ der Feind, sind es nun nicht minder phantasmagorische „Nazis“. Genauso wie die „Juden“ früher auf phantasmagorische Weise Mutter Germania „verkauften“, schänden heute die „Nazis“ die Idee des Internationalismus.

Früher führte die Angst vor dem Vater dazu, daß, wie gesagt, die Menschen sozusagen selbst „Vater spielten“: „Selbstdisziplin“. Heute führt die Angst vor der immer mehr dominierenden Mutter dazu, daß die Gesellschaft in lauter voneinander isolierte „Kleinnationen“ zerfällt: „Tribalismus“ (etwas grundsätzlich anderes als „Kleinstaaterei“!). Alles dreht sich um die „Identität“, die etwa durch die Perversion, der man zufällig frönt, definiert wird. Das größte Verbrechen ist es, die „Gefühle“ eines dieser bizarren Gestalten zu verletzen. Es ist eine Welt, die genauso irre ist, wie es die Welt des Nationalsozialismus war, als sich alles um die „Nationalehre“ drehte.

Zusammengefaßt haben wir:

Die von Reich beschriebene autoritäre Gesellschaft mit ihrer Unterdrückung der Sexualität durch den Vater, die den ödipalen Drang zur Mutter verstärkt (Mystizismus):

Angst vor Vater Staat → Sehnsucht nach Mutter Nation

Seit etwa 1960 tritt an Stelle der alten Gesellschaft die neue antiautoritäre Gesellschaft, die von Charles Konia in The Emotional Plague beschrieben wurde. Hier führt die Vereinnahmung durch die Mutter zur ressentiment-besetzten Ablehnung aller natürlich gewachsenen „mütterlichen“ Strukturen, zur Flucht in künstlich konstruierte „väterliche“ Strukturen, d.h. zum Multikulturalismus, der eigentlich „Exokulturalismus“ heißen sollte (Mechanismus):

Angst vor Mutter Nation → Sehnsucht nach Vater Staat

Selbstverständlich gilt das hier gesagte ausschließlich für „Biodeutsche“. Türken und andere „Migranten“ leben weiterhin in autoritären Parallelgesellschaften – die mit der antiautoritären Gesellschaft nach Belieben spielen, da sie durch den erwähnten „Tribalismus“ geschützt werden, sakrosankt sind.

Warum der Kleine Mann (Anti-) Faschist wird

25. Oktober 2025

Woran erkennt man den heutigen Faschismus? Daran, daß in einer Gesellschaft es als „Zivilcourage“ gilt, wenn man fanatisch die Meinung aller teilt, und als „Volksverhetzung“, wenn man eine Meinung vertritt, die von 75% der Bevölkerung abgelehnt wird. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob die Minderheit, gegen die sich die couragierte Mehrheit „erhebt“, unappetitlich und pestilent ist. Es gibt keine Sekte und Politsekte, die ich nicht zutiefst verachte: Psychopathen; aber die wahre Pest kristallisiert sich am „Widerstand“ gegen derartige einflußlosen Randerscheinungen: Zensur, Machtmißbrauch, Willkür.

Man irre sich nicht! Es geht nicht um Antifaschismus (sozusagen „Anti-Emotionelle-Pest“), sondern ganz im Gegenteil um das Kontrollieren von bioenergetischer Bewegung, die der vermeintliche „Antifaschist“ nicht ertragen kann. Heute kämpft er „gegen Rechts“, morgen gegen „provozierendes Essen“ während des Ramadan und übermorgen sollen wir aus „Solidarität“ ebenfalls unsere Bauchspeicheldrüse schädigen! Man denke nur an den um sich greifenden Verhaltensterror der Grünen Bewegung („Umwelt-Knigge“)! „Werte“ wie „Vielfalt“ und „die Umwelt“ sind nur vorgeschoben, tatsächlich geht es darum die Autonomie, die freie Bewegung zu kontrollieren.

Wehe der gepanzerte Mensch wähnt sich auf „der richtigen Seite der Geschichte“! Plötzlich wird die Jagd auf „Abweichler“ und „Antidemokraten“ zur Bürgerpflicht! Erst geht es um „soziale Gerechtigkeit“ – und wenige Jahrzehnte später sind 100 000 000 Opfer des Kommunismus zu beklagen. Der Kleine Mann zieht daraus messerscharf den Schluß, daß man irgendwelche versprengten harmlosen Maoisten mit staatlicher Repression bekämpfen müsse. Wirklich zu bekämpfen ist jedoch, daß pestilente Charaktere, die etwa einen armen Irren wie Horst Mahler zu einem Märtyrer gemacht haben, Zugang zu solchen Machtinstrumenten haben. Ich spüre schon jetzt die „antifaschistische“ Hysterie in so manchem aufkochen, der das lesen wird! (Du miese kleine Ratte! Ja, du bist gemeint! Früher hättest du dich mit Begeisterung als IM angedient.)

Unser Ziel ist nicht etwa schrankenlose Anarchie voller kleiner „Horst Mahlers“, sondern eine Republik (oder konstitutionelle Monarchie), in der eine Macht die andere kontrolliert und wo vor allem das freie Wort heilig ist. Und was wird im Verlauf beispielsweise der gegenwärtigen „antifaschistischen“ Hysterie getan? Die föderative Ordnung und die Abschottung zwischen Polizei und Geheimdiensten wird aufgehoben, die Akademie und die Massenmedien gleichgeschaltet. Am Ende der „antifaschistischen“ Hysterie steht – die Gestapo! Nichts zeigt eindeutiger, daß der ganze angebliche „Antifaschismus“ nur vorgeschoben ist. Heute gilt man bereits als „Rechtsextremist“, wenn man sich auf die unveräußerlichen Grundrechte beruft, etwa daß es laut Grundgesetz keine Zensur geben darf.

Noch nie waren Demokratie, die Souveränität des Volkes, Gewaltenteilung, Marktwirtschaft und freie Meinungsäußerung gefährdeter als heute. Das ist so, weil heute diese Gefährdung im Namen der inhaltsleer gewordenen Phrase von „Demokratie“ erfolgt – die zusehends in eine neofeudalistische „UNSERE Demokratie“ mutiert. Was vorgeht, kann man nur bioenergetisch wirklich verstehen. Der sympathikotone Kleine Mann fühlt sich zum parasympathikotonen pestilenten Charakter hingezogen, der ihn seinerseits hemmungslos ausnutzt. Es ist ein übles Spiel.

Diese Entwicklung ist möglich, weil sich der Kleine Mann (der typische willensschwache Neurotiker, du und ich!) vom Lebenswandel, dem schnellen Metabolismus des „Großen Mannes“ angezogen fühlt. Der letztere spiegelt ihm die Chimäre von „Expansion und Leben“ vor. Wir wären (so dieser Wahn) alle befreit, wenn es nicht mehr die Nationalstaaten, die Bundesländer und Gemeinden, voneinander getrennte Legislative, Exekutive, Judikative und eine freie Wirtschaft sowie vor allem das freie Wort gäbe. Vor allem wäre alles besser, wenn die Störenfriede, heute die AfD, nicht ständig Sand ins Getriebe streuen würden. Hitler hat von diesem „Befreiungsangebot“ gelebt („Endlich greift mal einer durch!“), die Kommunisten, die die „kapitalistische Anarchie“ aufgehoben haben, sowieso und nicht zuletzt die Leute, die gegenwärtig immer hysterischer „gegen Hitler kämpfen“, als stehe er unmittelbar vor der Machtergreifung. Die abgrundtiefe Pestilenz dieser Halbirren zeigt sich darin, daß ausgerechnet sie stets vor der Einschränkung der „Zivilgesellschaft“ und der „Bürgerrechte“ warnen.

Ich habe hier im Blog 2012 die Begegnung zwischen dem Kleinen Mann und einem der Mächtigen beschrieben. Man verzeihe mir, daß ich mich selbst zitiere:

Vor knapp 40 Minuten stand ich hier auf der Straße grade mal zwei Meter von Merkel und Norbert Röttgen entfernt. Ich kann diese Menschen kaum anschauen, genauso wie die berühmten Schauspieler, denen ich begegnet bin: leere Charaktermasken. Inhaltsleer und deprimierend. So als wenn sie gar nicht richtig da wären. Merkel: ich glaube es war nicht nur Suggestion, diese Aura der Macht, die die Szene umgab. Nach dieser „Energiedichte“, halt dieser Aura, kann man sicherlich süchtig werden – gleichzeitig wirkt es merkwürdig DORig, wie ein „Miasma“.

Die oben orgonometrisch dargestellte Beziehung ist wie eine Drogensucht – an ihr geht die Demokratie zugrunde. Die Mächtigen berauschen sich an der Macht (beispielsweise am „Großraum Europa“, der gegenwärtig militärisch von „unseren Demokraten“ in den Fußstapfen Hitlers bis in die asiatische Steppe und weiter nach Sibirien ausgeweitet werden soll, und hebeln zunehmend die Gewaltenteilung aus und der Souverän (das Volk) träumt von einer „besseren Welt“, die von oben auf sie herabkommt.

Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte!

NIE WIEDER FASCHISMUS, NIE WIEDER KRIEG!

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 15)

17. Oktober 2025

Wie Reich 1933 in Massenpsychologie des Faschismus dargelegt hat, war der Nationalsozialismus immer gezielt das, was ihn für die angesprochene Gruppe attraktiv machte. Für das gesicherte Bürgertum repräsentierte er die alte Ordnung („Potsdam“), während er für das vom sozialen Abstieg gefährdete Kleinbürgertum und teilweise sogar für das Proletariat eine „national-sozialistische“ Volksgemeinschaft vertrat, die Sicherheit, Schutz und die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg bot. Für die durch und durch heterogenen Parteigänger des Nationalsozialismus selbst war der Nationalsozialismus vor allem eins: Antisemitismus. Das war der Kitt, der das ansonsten an allen Ecken und Enden auseinanderfließende Gebilde „Nationalsozialismus“ zusammenhielt und ihm seine unverwechselbare Identität gab.

Der nationalsozialistische Antisemitismus war dadurch gekennzeichnet, daß er einen zutiefst religiösen Aspekt hatte. Die Juden repräsentierten eine Art „Gegengott“, den Teufel. „Der Jude“ selbst ist dieser (Gegen-) „Gott“: er ist allgegenwärtig und allmächtig. Sekundär wurde der „Jude“ dann zum „Dämon der bolschewistischen Zersetzung“ und gleichzeitig zum „Finanzkapitalisten“, der die Verantwortung für alle Mißstände trüge.

Der Schritt zum Holocaust war dergestalt fast zwangsläufig. Fast, denn ohne Krieg mußte er, aus Sicht eines gläubigen Nationalsozialisten, eine chiliastische Utopie bleiben. Der Krieg bot Hitler die Möglichkeit alle Juden aus seinem Herrschaftsbereich in Konzentrationslager im Osten zu verbringen. Mit einer verqueren, aber nachvollziehbaren psychotischen „Logik“ wollte er potentielle Agenten und Saboteure unschädlich machen. Dieser Wahnsinn hatte Methode, denn rein formal ist in Amerika das gleiche passiert: Roosevelt ließ zumindest an der Westküste ein Gutteil der Japaner mit amerikanischer Staatsbürgerschaft internieren, um so potentielle Agenten und Saboteure unschädlich zu machen. Wären sie nicht auch alle ermordet worden, hätte Roosevelt dazu die Order gegeben? Das wäre nicht der erste Völkermord-Befehl eines US-Präsidenten gewesen! (Ich spreche natürlich von den Indianerkriegen mit ihren „Todesmärschen“.) Siehe auch die rassistische Mentalität, die Truman dazu brachte, zwei japanische Städte auszuradieren als wären es Rattennester!

Ich schreibe das, um deutlich zu machen, daß die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht einfach mit Verweis auf Hitlers Charakter und eine angebliche „Massenpsychose“ erklärt werden können, sondern sich alles in rationalen Begriffen verstehen läßt. Reich hat dazu ein Jahrzehnt vor dem Holocaust geschrieben:

Die nationalsozialistischen Versammlungsreden zeichneten sich (…) durch sehr geschickte Maßnahmen aus, mit den Gefühlen der Massenindividuen zu operieren und sachliche Argumentation tunlichst zu vermeiden. (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 53)

Es ist (…) irreführend, wenn man den Hitlerschen Erfolg allein aus der Demagogie der Nationalsozialisten, mit der „Vernebelung der Massen“, ihrer „Irreführung“ oder gar mit dem vagen, nichtssagenden Begriff der „Nazipsychose“ zu erklären versuchte, wie die Kommunisten und später andere Politiker es taten. Kommt es doch gerade darauf an zu begreifen, weshalb sich die Massen der Irreführung, Vernebelung und psychotischen Situation zugänglich erwiesen. Ohne die genaue Kenntnis dessen, was in den Massen vorgeht, kann man das Problem nicht lösen. Die Angabe der reaktionären Rolle der Hitler-Bewegung genügt nicht. Denn der Massenerfolg der NSDAP widersprach dieser ihrer reaktionären Rolle. Millionenmassen bejahten ihre eigene Unterdrückung, ein Widerspruch, der nur massenpsychologisch, und nicht politisch oder ökonomisch, zu lösen ist. (ebd., S. 53)

Leider gibt es gerade unter Reichianern die Tendenz, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus unnötig zu emotionalisieren. Das schimpft sich dann „Antifaschismus“, wobei die ständig wütenden und moralisch aufgebrachten sogenannten „Antifaschisten“ überhaupt kein Gefühl dafür haben, wie sehr sie doch in ihrer ganzen Herangehensweise, die keine Grautöne kennt, den Nationalsozialisten ähneln: Fanatismus, der jede Diskussion ausschließt, nachdem Schlüsselbegriffe gefallen sind! Und wenn der Nationalsozialismus auch noch zur Inkarnation des Bösen schlechthin stilisiert wird, dann wird es wirklich unheimlich. Gar wenn das ganze eindeutig paranoide Züge annimmt und praktisch überall „Nazis“ vermutet werden. „Antifaschisten“ ahnen nicht mal, daß sich ihre „Weltanschauung“ formal in nichts von der der Nationalsozialisten unterscheidet.

Vollends gruselig wird es, wenn der „Antifaschismus“ mit althergebrachten „humanistischen Werten“ kommt, die gegen diesen allgegenwärtigen und offenbar allmächtigen subversiven Feind zu verteidigen sind. Die Abrundung bringt schließlich der Antikapitalismus, dessen Grundthese lautet, daß der Kapitalismus zwangsläufig in den Faschismus münden müsse, der uns auch unserer letzten Rechte und unseres letzten Halts beraube.

Dazu paßt, daß „Antifaschisten“ fanatische „Hitleristen“ sind: der Zweite Weltkrieg, der Holocaust, alles sei vorher bis ins Detail von Hitler geplant und von ihm mikrogemanagt worden. Es dreht sich alles um Intentionen, nicht um Strukturen, auf die die Linke doch sonst immer insistiert („strukturelle Gewalt“, etc.). Das ist Ausdruck eines tiefsitzenden Mystizismus, der, wie stets, mit einem extremen Mechanismus verbandelt ist („Hitler an den Schalthebeln einer gigantischen Maschinerie“). Daß die Nationalsozialisten die Welt bzw. ihre Feinde („der Jude“) exakt genauso betrachtet haben, scheint niemanden weiter zu kümmern. Desgleichen nicht, daß die „Antifaschisten“ genau wie die Nationalsozialisten mit Fälschungen arbeiten. Weist man sie darauf hin, steht man unvermittelt als „Nazi“ da, der Hitler verteidigt. Es ist ein geschlossenes, brutal (moralische Entrüstung und blanker Haß) verteidigtes Wahnsystem, das nicht mal vor Mordaufrufen zurückschreckt.

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: selbstverständlich hätte es ohne Hitler keinen Holocaust gegeben, aber der Holocaust war vor allem eins, eine sich ausbreitende pestilente Reaktion (Emotionelle Pest).

Wilhelm Reich, DIE SEXUELLE REVOLUTION, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt, DM 25,80 [ca. 1966]

27. September 2025

Wilhelm Reich, DIE SEXUELLE REVOLUTION, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt, DM 25,80 [ca. 1966]

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 8)

26. September 2025

Die Geschichte des Antisemitismus in Europa war wesentlich komplexer, als sie Daniel Goldhagen dargestellt hat. Seine Theorie ist zu einseitig und grobschlächtig und hat zu Recht sowohl formale als auch inhaltliche Kritik namhafter Historiker auf sich gezogen. Goldhagen vernachlässigt beispielsweise, daß virulenter Antisemitismus nur ein Ausdruck der Emotionellen Pest unter vielen ist und auch in den Nachbarländern Deutschlands weit verbreitet war und das kurioserweise fast immer mit einem antideutschen Unterton. Man denke nur an die Dreyfus-Affäre! Reich hat, wie in Teil 3 bereits erwähnt, betont, daß der Faschismus kein spezifisch deutsches oder italienisches Phänomen war, sondern als pestilenter Zug in der Charakterstruktur nahezu aller Menschen in gepanzerten Gesellschaften vorhanden ist. So schreibt er in Massenpsychologie des Faschismus, daß „es heute keinen einzigen lebenden Menschen gibt, der nicht in seiner Struktur die Elemente des faschistischen Denkens und Fühlens trüge“.

Weiten Teilen der deutschen Bevölkerung muß es ziemlich sauer aufgestoßen sein und zu wilden Verschwörungstheorien Anlaß gegeben haben, daß die Juden (die nie mehr als 1 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachten) so über alle Maßen erfolgreich und einflußreich waren, etwa im Handel, bei den Banken, an der Börse, bei Versicherungen, an den Universitäten (sowohl als Studenten als auch im Lehrkörper), bei den Rechtsanwälten und Ärzten und nicht zuletzt im Kulturbetrieb. Andererseits wird gerne behauptet, daß die Kriminalstatistik jener Jahre zeige, daß ein deutlich überproportionaler Prozentsatz krimineller Handlungen (Raub, Mord, Vergewaltigung, Dokumentenfälschung, Kindesmißbrauch, Erpressung, Entführung, Unterschlagung, Betrug) von Juden begangen wurde. Solche Behauptungen werden von Antisemiten bis heute verbreitet. Daß sie totaler Schwachsinn sind, die Juden hier sogar eher unterrepräsentiert waren, wurde im Detail nachgewiesen. Daß Deutsche in jüdischen Armenvierteln, insbesondere im Berliner Scheunenviertel, ganz andere Eindrücke gewinnen mußten, ist natürlich von keiner Statistik erfaßbar.

Jedenfalls zeigt die Fälschung der Statistik das ganze Wesen des Antisemitismus: Die Juden waren den nicht-jüdischen Deutschen in jeder Beziehung überlegen. Aber ihr Erfolg wurde mit irgendwelchen „jüdischen Verschwörungen“ erklärt und entsprechend auch noch so getan, als seien „die Juden“ besonders große Schufte und würden ihre Positionen entsprechend ausnutzen. Wie sollten sie sonst die doch angeblich so überlegenen Arier überflügeln?! Daß „die Juden“ durch ihren Arbeitsethos und ihre überkommene Kultur, die so viel Wert auf Gelehrsamkeit legte, so erfolgreich waren und daß sie entsprechend gar nicht zur Kriminalität prädestiniert waren – dem antisemitischen Kleinen Mann will das nicht in den Schädel.

Natürlich sollte man auch nichts romantisieren und beschönigen, denn ohne Zweifel standen „die Juden“ an der Vorfront des Kapitalismus. Reich selbst war von seiner geschäftstüchtigen Verwandtschaft angewidert. Gleichzeitig waren in Rußland und Deutschland überproportional viele der kommunistischen Führer Juden. Einfachen Gemütern muß es um 1920 herum tief beunruhigt haben, daß auf der einen Seite so unverhältnismäßig viele der „Kapitalisten“ Juden waren und auf der anderen Seite so viele namhafte Kommunisten ebenfalls Juden waren.

Subjektiv glaubten viele Deutsche tatsächlich, daß sie sich „gegen die Juden wehren mußten“. Als dann 1933 in Deutschland eine durch und durch widersprüchliche Massenbewegung an die Macht kam, die ideologisch einzig und allein durch ihren Antisemitismus zusammengehalten wurde (der es erlaubte, gleichzeitig gegen den Kapitalismus und gegen den Kommunismus, d.h. eben „Nationalsozialist“ zu sein!), reagierten Juden in Europa und Amerika verständlicherweise extrem alarmiert und riefen öffentlich zum Boykott auf. In London, New York, Paris und Warschau vereinigten sich jüdische Geschäftsleute zu einem umfassenden „wirtschaftlichen Kreuzzug“. So fühlte sich die Hitler-Regierung moralisch vollkommen im Recht, d.h. fühlte sich als Opfer, als sie verkündete, es werde im Gegenzug in Deutschland einen eintägigen Boykott jüdische Geschäfte geben, wenn die Kampagne nicht aufhöre. Noch heute behaupten Neonazis, Hitlers Rede vom 28. März 1933, in der er einen Boykott gegen jüdische Geschäfte forderte, sei eine direkte Reaktion auf die „Kriegserklärung an Deutschland“ von Seiten des „internationalen Judentums“ gewesen. Objektiv war das von vornherein der pure Schwachsinn, aber subjektiv… Beispielsweise zeigen alle Dokumente und berichten Zeitzeugen, daß der tumbe Himmler, ein paranoid-schizophrener Charakter wie Hitler selbst, bis zum bitteren Ende fest von der „jüdischen Weltverschwörung“ überzeugt war.

Man kann sich über die Dummheit der damaligen und heutigen „Nazis“ aufregen, sollte aber zumindest einmal versuchen sich in das subjektive Empfinden dieser Leute hineinzuversetzen. Man muß also etwas tun, was keiner der Protagonisten jemals auch nur im Ansatz versucht hat: Gerechtigkeit walten lassen. Die Juden haben keinerlei Schuld auf sich geladen, „aber“ aufgrund ihrer unglücklichen Geschichte standen sie dort, wo Menschen verletzt wurden: an der vordersten Front von Kapitalismus und Kommunismus. Es war, im Vergleich mit ihrem geringen Anteil an der Gesamtbevölkerung, unverhältnismäßig wahrscheinlich, daß der „kalte Kapitalist“, der einen kleinen Handwerker in den Ruin trieb, etwa weil ein Kredit nicht verlängert wurde, ein Jude war. Jedenfalls machte es sofort die Runde, wenn er ein Jude war. Und wenn ein „roter Kommissar“, der zufällig jüdischer Abstammung war, ein Massaker zu verantworten hatte, waren im Bewußtsein der Beobachter sofort „die Juden“ schuld.

Geradezu alptraumhaft absurd wird das Bild dadurch, daß, kaum waren die Nazis an der Macht, eine Phase der inoffiziellen Zusammenarbeit zwischen der deutschen Regierung und der zionistischen Bewegung in Deutschland und weltweit begann. So bizarr diese seltsame „Interessengemeinschaft“ heute auch anmuten mag, so verfolgten in den darauffolgenden Jahren die SS und die Zionisten doch tatsächlich das gemeinsame Ziel, den Strom an deutsch-jüdischen Einwanderern nach Palästina zu erhöhen. Der wachsende Antisemitismus in Deutschland spielte in diesem Sinne sogar in die Hände der Führer der zionistischen Bewegung. (Das änderte sich drastisch nach dem Beschluß der „Endlösung“ und nachdem die Nazis sich der „palästinensischen Sache“ angenommen hatten. Gewisserweise ist die PLO eine Nachfolgeorganisation der NSDAP!)

Vor der Eskalation des Antisemitismus als Folge des obenerwähnten Boykotts hegte die Mehrheit der deutschen Juden wenig Sympathie für zionistische Bestrebungen. Auch Reich, der ohnehin 1922 offiziell die jüdische Gemeinde verlassen hatte, wollte mit dem Zionismus nichts zu tun haben und sah zu dieser Zeit das Heil der Juden einzig und allein in der weltweiten sozialistischen Befreiungsbewegung.

Daß die Geschichte manchmal merkwürdige (und für uns Nachgeborene schwer nachvollziehbare) Blüten schlägt, zeigt sich in diesem Zusammenhang z.B. auch dadurch, daß die spätere Magda Goebbels zuvor eine Liebschaft mit dem zionistischen Aktivisten Viktor Chaim Arlosoroff hatte, den Davidstern an einer Kette um den Hals trug (sic!) und mit ihrem Partner gemeinsam nach Palästina auswandern wollte. Wer hätte das von der nachmaligen Ehefrau des antisemitischen NS-Propagandaministers Dr. Joseph Goebbels gedacht?

Ähnlich bizarr erscheint, daß ausgerechnet der Sicherheitsdienst der SS dem späteren Protokollführer der Wannsee-Konferenz, Adolf Eichmann, (zusammen mit seinem SS-Kameraden Herbert Hagen) 1937 eine kostspielige Reise spendierte, „um die zionistische Arbeit in Palästina durch Besichtigungen persönlich kennenzulernen“ und die Zusammenarbeit mit den Führern des Zionismus zu intensivieren, damit das gemeinsame Ziel der forcierten Umsiedlung deutscher Juden nach Palästina befördert werde.

Was für ein nihilistischer Alptraum die Zeit des Nationalsozialismus war, wird auch daran deutlich, daß die SS am Ende des Krieges gewisserweise diese Verhandlungen wiederaufnahm.

Man wiederholt ständig, „daß Geschichte von Menschen“ gemacht wird, – um dann mit ellenlangen Statistiken und drögen Dokumentationen aufzuwarten. Beispielsweise läßt sich darüber trefflich streiten, ob die Rede vom „jüdischen Bolschewismus“ statistisch wirklich durch Fakten gedeckt wird. So kann man meinetwegen volkspädagogisch Leute aufklären, die zu neonazistischem Gedankengut neigen, aber um die Geschichte zu begreifen, bringen solche Darstellungen wenig. Wichtig ist allein, was damals massenwirksam war, d.h. geglaubt wurde, unabhängig von seinem Wahrheitsgehalt. Man muß in der Geschichte den „subjektiven Faktor“ wirklich ernstnehmen, ansonsten begreift man nämlich gar nichts. Reich hat das getan, als er damals etwas für Linke unerhörtes tat, nämlich indem er bei der Vorbereitung auf seine Massenpsychologie des Faschismus Hitler und Rosenberg wirklich las und sich in ihre Gedankenwelt einfühlte, statt nur nach Zitaten zu suchen, die man polemisch verwursten konnte. Erschreckenderweise wird das letztere noch heute getan in einer volkspädagogischen Schmonzette nach der anderen, die die historische Wissenschaft nachhaltig zerstören.