Posts Tagged ‘Dopamin’

David Holbrook, M.D.: TEXT AN DIE MUTTER EINER 20JÄHRIGEN PATIENTIN / BORDERLINE-ZUSTÄNDE / ZU POSITIVITÄT UND NEGATIVITÄT / ÜBER SCHLAFLOSIGKEIT, EMDR UND KVT

20. August 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Text an die Mutter einer 20jährigen Patientin

 

Borderline-Zustände: Textaustausch mit der Mutter einer Borderline-Patientin

 

Zu Positivität und Negativität. Hysterie, Wut und die dunkle Seite: Brief an eine Hysterikerin

 

Über Schlaflosigkeit, EMDR und KVT (Brief an einen Patienten)

 

David Holbrook, M.D.: MEDIZINISCHE ORGONTHERAPIE IN DER KONVENTIONELLEN PSYCHIATRISCHEN PRAXIS (Teil 1)

12. April 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Medizinische Orgontherapie in der konventionellen psychiatrischen Praxis

 

DRD4, Franziskus und Putin

11. Februar 2015

Die Proteste gegen die Äußerungen des Papstes über das Schlagen eines Kindes; daß man es nicht ins Gesicht schlagen darf, um seine Würde zu wahren, sind ein typisches Beispiel für gepanzertes „linkes Denken“. Oberflächlich sind diese Proteste der antiautoritär geprägten Gesellschaft gegen diese Äußerungen sehr sympathisch. Doch verbirgt sich hier die viel wichtigere Gegenwahrheit: daß „intellektuelle“ Gewalt weitaus zerstörerischer sein kann als jede körperliche Gewalt (etwa ein Kind zur Strafe ignorieren oder es zu „psychoanalysieren“, etc.) und daß ein Klaps einfach eine spontane emotionale (bioenergetische) Reaktion sein kann und er wirklich nichts schadet – vorausgesetzt das Kind kann furchtlos zurückschlagen. Im Tierreich ist das alltäglich. Dem liberalen Aufschrei gegen den Papst liegt eine charakterologische Entartung zugrunde: die panische Angst davor, daß die intellektuelle Abwehr durch „Muskelaktivität“ in Gefahr gerät. Hinter der „Kinderliebe“ der linksliberalen Öffentlichkeit verbirgt sich eine tiefsitzende Angst vor natürlicher Aggression.

Die seltsame Liebe kritischer Konservativer für Putin; daß die Amerikaner und die NATO die Aggressoren sind, ein faschistischer Putsch gegen einen demokratisch gewählten Präsidenten stattfand, etc., entspricht einem gepanzerten Denken anderer Art. Oberflächlich klingt das alles sehr gut und hat zweifellos auch einen Wahrheitskern. Doch wenn man schlichtweg betrachtet, wer da eigentlich gegeneinander steht und wo das ganze zwangsläufig hinführt… Pressefreiheit, Rechtstaatlichkeit, die Freiheit des Wirtschaftens, die Frage nach einem Führerkult und einem mystischen Nationalismus und schlichtweg der Blick auf die Landkarte… Ausgerechnet das imperiale Rußland wird bedrängt? Ausgerechnet ein Land, dessen Institutionen von vorne bis hinten eine Karikatur sind, soll für „Freiheit“ stehen? Man schaue sich an, wie die Olympischen Winterspiele durchgeboxt wurden, wie die moskauhörigen mittelasiatischen Länder regiert werden. – Es ist vollkommen bizarr, was rechtskonservative Denker heute so an Putin-Lobhudeleien abliefern. Eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dieser Idiotie erübrigt sich! Ihre charakterologische Entartung äußert sich in einer Todesangst vor den „westlichen Freiheiten“, vor dem Neuen und Unvorhersehbaren, d.h. letztendlich vor der sexuellen Freiheit. Aus diesen unbewußten Motiven heraus fühlen sie sich magisch zu autoritären „Führern“ hingezogen.

Angefangen mit der 1933 erstmals erschienenen Massenpsychologie des Faschismus hat Reich dargelegt, daß man individualpsychologische Probleme nicht losgelöst von der gesellschaftlichen Entwicklung betrachten kann und daß diese wiederum von der bioenergetischen („biologischen“) Struktur des Menschen abhängt. Im Laufe der Jahre haben sich dergestalt die Grundlagen einer sozio-politischen Charakterologie herausgeschält, die dann 1967 von Elsworth F. Baker in seinem Buch Man in the Trap ausformuliert wurden: die Linke beruht auf „intellektueller Abwehr“, die Rechte auf „muskulärer Abwehr“.

„Politik“ ist in erster Linie ein biologisches Phänomen. Das wird aus vier Blickwinkeln deutlich:

  1. Verhaltensforscher konnten aufzeigen, daß sich ein Gutteil politischen Verhaltens, teilweise bis ins Detail, bruchlos auf das Verhalten innerhalb von Affenhorden zurückverfolgen läßt.
  2. Reich konnte zeigen, daß der politische Irrationalismus auf unverarbeiteter sexueller Energie beruht, was beim Nationalsozialismus nur allzu augenfällig war. Hier ist der Kern der Hilflosigkeit der Massen, der Kern ihrer „sozialistischen Sehnsucht“ zu finden. (Wie das mit dem ersten Punkt zusammenhängt, habe ich in Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht aufgezeigt.
  3. Baker hat gezeigt, daß politische Gegensätze nicht etwa auf irgendwelchen rational begründbaren sozio-ökonomischen Faktoren beruhen, sondern auf grundsätzlich unterschiedlichen Panzerungsstrukturen. Gleichzeitig äußerte er die Vermutung, daß diese Unterschiede unveränderlich im Protoplasma selbst angelegt sind.
  4. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, beruht der Gegensatz zwischen (links-) liberal und konservativ, der, wie weltweit praktisch jede Parlamentswahl zeigt, die Bevölkerung in zwei fast gleichgroße Gruppen teilt, auf genetisch verankerten, neurologischen und bio-chemischen Unterschieden, die angeboren und deshalb nur bedingt beeinflußbar sind.

James H. Fowler und weitere Forscher der University of California und der Harvard University haben ein Gen dingfest gemacht, das die politische Einstellung bestimmt.

„DRD4” kann Menschen liberal machen („liberal” im amerikanischen Sinne!), wenn sie als Teenager viele Freunde hatte. (Und bevor „logische“ Einwände kommen: Ist man kein Träger dieser speziellen Genvariante, kann man in seiner Jugend denkbar viele Freunde gehabt haben, ohne daß dies einen liberal machen konnte. Und wenn man diese Genvariante besaß, aber keine Freunde hatte, konnte die genetische Veranlagung nicht zum tragen kommen.)

DRD4 enthält die Kodierung für die Herstellung von Rezeptoren, die die Übertragung des Botenstoffes Dopamin zwischen den Gehirnzellen erleichtern. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der Vorgänge beeinflußt, die mit Bewegungskontrolle, Gefühlsäußerungen und dem Empfinden von Lust und Schmerz zusammenhängen. Vorausgegangene Forschungen hatten bereits eine Verbindung zwischen einer Variante von DRD4 und einem Verhalten, das für Neues offen ist, hergestellt. Dieses Verhalten war zuvor mit Persönlichkeitsmerkmalen korreliert worden, die mit politischem Liberalismus („Liberalismus“ im amerikanischen Sinne!) verknüpft sind.

Fickende Gehirne

28. Mai 2014

Reich beschreibt, wie ihn 1919, beim ersten Kontakt mit der Psychoanalyse, deren Umgang mit der Sexualität abstieß.

Die Art, wie das Thema (…) behandelt wurde, klang mir sonderbar, naturfremd. Ich spürte eine Ablehnung in mir. (…) Ich hatte das Geschlechtliche anders erlebt, als ich es damals vorgetragen bekam. Das Sexuelle hatte in diesen ersten Vorträgen etwas Bizarres, Fremdartiges an sich. Eine natürliche Sexualität schien es nicht zu geben. Das Unbewußte war erfüllt von perversen Trieben allein. Die psychoanalytische Lehre leugnete zum Beispiel die Existenz einer primären vaginalen Erotik des kleinen Mädchens und ließ die weibliche Sexualität aus komplizierten Zusammensetzungen anderer Triebe hervorgehen. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 26f)

Fast ein Jahrhundert später sind die Fronten noch immer dieselben. Nichts hat sich verändert. Man lese nur den Band Der „Fall“ Wilhelm Reich, mit dem Suhrkamp Reich zu dessen hundertstem Geburtstag „ehrte“. Unter anderen Tat sich Ulrike Körbitz vom „Grazer Arbeitskreis für Psychoanalyse“ hervor. Hier die Einladung zu ihrem Vortrag „Ohne Mord kein Vergnügen – Psychoanalytische Gedanken zum Orgasmus bei der Frau“:

Wie können wir uns aus Perspektive moderner psychoanalytischer und sexualwissenschaftlicher Konzepte dem Geschehen rund um den Orgasmus bei der Frau annähern? Für dieses „Abenteuer im Kopf“ wird die phasenweise heftig geführte Debatte über die hierfür „richtigeren“ körpergeographischen Orte – Klitoris oder Vagina – eine höchstens historische Rolle spielen; ebenso die der Orgasmusfähigkeit häufig zugeordneten Paradigmen einer gesunden, reifen, heterosexuell ausgerichteten Genitalität. Mein Vortrag führt statt dessen zu der Frage: Wer mordet hier wen oder was? Klärungen auf Basis von Indizien einer „erotischen Kette“ (A. Green) werden versucht und hoffentlich in der Diskussion gemeinsam vorangetrieben.

Siehe dazu das Martyrium von Marilyn Monroe, die von ihrem Psychoanalytiker Ralph Greenson, einem Schüler von Otto Fenichel, systematisch zerstört wurde. 2003 hat der Autor Mathew Smith erstmals die Tonbänder veröffentlicht, die Marilyn Monroe kurz vor ihrem Tod für Greenson besprach: „Ich hatte nie einen Orgasmus. Ich erinnere mich, wie Sie zu mir sagten: Ein Orgasmus passiert im Kopf, nicht im Becken.“ Das „Sexsymbol“ schlechthin und der verkopfte Psychiater….

In der März 2009-Ausgabe von Info Neurologie & Psychiatrie erschien ein kurzes Interview über „Erotik im Kernspin“. Was sagt die funktionelle Magnetresonanztomographie über „das Hirn beim Sex“? Interessant an dem Interview mit Prof. Dr. med. Michael Forsting vom Universitätsklinikum Essen ist zweierlei. Erstens druckt die Redaktion in der Printausgabe am Rande als Blickfänger ein Zitat, das gar nicht im Interview auftaucht: „Lust und Erregung finden nicht im Becken, sondern zwischen den Ohren statt.“ Zweitens kann Prof. Forsting die entscheidende Frage, was sich nämlich während des Orgasmus im Hirn abspielt, nur mit Verweis auf eine niederländische Studie beantworten. Mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie wurde festgestellt, „daß das zentrale Merkmal des Orgasmus die Verminderung der kortikalen Aktivität – präfrontaler Kortex/linker Temporallappen – ist. Diese ist verantwortlich für die Enthemmung – den sogenannten Kontrollverlust und die Auflösung bzw. Aufweichung der Körpergrenzen.“

Mit anderen Worten: während des Orgasmus werden die „oberen“ Funktionen des Hirns abgeschaltet! Von wegen: „Lust findet im Kopf statt“!

Und auch in anderer Hinsicht findet Reichs Orgasmustheorie Bestätigung. Prof. Forsting verweist auf die Daten anderer Arbeitsgruppen, die gezeigt hätten, „daß die zerebrale Aktivierung bei Frauen während eines vaginal induzierten Orgasmus intensiver ist als bei klitoral induziertem Orgasmus“.

Wenden wir uns dem Übersichtsartikel „Kommandozentrale Gehirn: Wo die Liebe wohnt“ in der Frankfurter Rundschau über die (2009) letzten Forschungsergebnisse in Sachen Liebe und Sexualität zu:

Bisher hätten Hirnforscher zum Thema Liebe wenig sagen können, da es nicht einfach ist, Versuchspersonen in einen entsprechenden Zustand zu versetzen. Immerhin meinen sie zu wissen, daß Emotionen im Gehirn entstehen und danach Veränderungen im Körper erzeugen. Der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer:

Wir spüren die Liebe im Herzen, trotzdem spielt sie sich im Gehirn ab. Das Gehirn ist das Organ der Liebe.

Die Londoner Forscher Andreas Bartels und Semir Zeki fanden bei MRT-Untersuchungen (Magnetresonanz-Tomographie) von Verliebten, daß nur vier engbegrenzte Hirnareale das Gefühl der Liebe „hervorrufen“. Der „vordere cinguläre Kortex“ und der „Insellappen“ dienen dem Erkennen eigener und fremder Emotionen und der Verarbeitung von Sinneseindrücken. Für die erotischen Elemente des Verliebtseins seien der „Nucleus caudatus“ und der „Putamen“ verantwortlich.

Entsprechend meint die New Yorker Anthropologin Helen Fisher, die etlichen Verliebten mit Hilfe der MRT „in den Kopf geschaut hat“:

Die romantische Liebe ist eine Sucht erzeugende Droge.

Man könne, so Spitzer, romantische Liebe medikamentös mit Dopamin-Antagonisten ähnlich bekämpfen wie eine Manie oder eine Sucht. Aber natürlich sei Liebe keine Krankheit. Spitzer:

Wir können opiumsüchtig werden, weil unser Gehirn selbst opiumähnliche Stoffe herstellt und nicht umgekehrt.

Seit etwa fünf Jahren wisse man, daß Lernen und Liebe mit den gleichen Hirnarealen und mit der Ausschüttung von Dopamin verbunden sind. Spitzer:

Verliebtheit, Lernen und Glück sind sozusagen verschiedene Seiten des gleichen Funktionszusammenhangs.

Hormonell steht bei Liebe und Sexualität das Testosteron im Mittelpunkt. Es regelt nicht nur bei Männern, sondern auch bei Frauen das sexuelle Verlangen.

Erst seit kurzem weiß man, daß umgekehrt Sex auch den Testosteronspiegel erhöht.

Die biologische Basis für die längerfristige Bindung insbesondere des Mannes an die Frau sei Oxytocin, daß auch für die Mutter-Kind-Bindung sorgt. Es werde infolge von Zärtlichkeit und beim Geschlechtsakt ausgeschüttet. Deshalb habe Sex, so Spitzer, nicht nur eine reproduktive Funktion, sondern auch eine soziale Funktion: es schafft die Voraussetzung für den Familienzusammenhalt.

Soweit das, was „die moderne Naturwissenschaft“ zum Thema zu sagen hat. Auffallend ist die Fixierung auf das Gehirn. Der Körper erscheint nur als eine Art Anhängsel des Gehirns. Die Empfindungen der sich bewegenden Orgonenergie im Körper wird zur bloßen Illusion. Kein Wunder, daß diesen Leuten die eigentliche Funktion des Orgasmus unzugänglich bleibt.

For the record: Wir spüren Liebe im Herzen, weil der Solar plexus das energetische Zentrum des Organismus ist. Das Gehirn ist nur ein Koordinationsorgan.

Die Einzelergebnisse der modernen Forschung, insbesondere die Verbindung von Lernen und Liebe (d.h. die Offenheit für neue Erfahrungen), sowie die Bedeutung regelmäßigen Geschlechtsverkehrs für die hormonelle Ausgeglichenheit, sind natürlich sehr wichtig und bestätigen Reichs Orgasmustheorie, aber ohne Reichs Forschungsansatz hängen diese Forschungsergebnisse zusammenhanglos in der Luft.

Warum wird beispielsweise nicht erwähnt, daß der schulische Erfolg untrennbar mit einem erfüllten Liebesleben zusammenhängt. Man mag auf pickelige Streber verweisen, die es akademisch weit gebracht haben, aber genau sie sind für die mechano-mystische sterile Wissenschaft verantwortlich! Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Leben, sie sollten es auch regieren!

Es ist beängstigend, daß Reich mit seiner Arbeit über „die elektrische Funktion von Sexualität und Angst“ uns heutigen weit voraus ist. Es ist, als wäre die Arbeit nicht 1937 erschienen, sondern würde im Jahre 2037 auf uns warten.

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The Journal of Orgonomy (Vol. 17, No. 1, May 1983)

25. Januar 2012

In „Orgonotic Functions of the Brain (Part 3)“ führt Charles Konia aus, daß Parkinson möglicherweise eine biopathische Erkrankung ist. Zunächst fällt natürlich die Störung der einheitlichen pulsatorischen Bewegungen, etwa der Gang, der Tremor, etc. ins Auge. Die Krankheit scheint mit einer tiefreichenden okularen und auch oralen Panzerung, die das Gehirn selbst erfassen kann, einherzugehen. Die unaufhaltsame Zerstörung der Substantia nigra im Mittelhirn und eine Senkung des Dopamin-Pegels hat sicherlich etwas mit der chronischen Anorgonie von tiefliegenden Hirnarealen zu tun. Insgesamt deutet das äußere Erscheinungsbild des Parkinson-Kranken auf eine schwere Kontraktion hin und einen Ladungsabfall des gesamten Organismus.

Die Häufigkeit mit der Parkinson mit depressiven Zuständen verbunden ist, d.h. mit Individuen, die eine orale Panzerung vorweisen, und die Ähnlichkeit der klinischen Bilder dieser beiden Störungen ist ein weiterer Hinweis darauf, daß Parkinson eine biopathische Störung kein könnte. Wenn die Anorgonie tiefer vordringt, als es bei einfacher Depression der Fall ist, also bis zu den Basalganglien, kann Parkinson die Folge sein.

Man denke nur an die geradezu gruselige Starre und Unbeweglichkeit, die von Schwerdepressiven ausgeht!

Die typische Schüttellähmung geht darauf zurück, daß es im subthalamischen Kern zu einer Überaktivität von Nervenzellen kommt (als verzweifelte „Erstickungsreaktion“ auf die Anorgonie?), die wiederum die Bewegungszentren in der Hirnrinde bremsen. Darauf beruht auch die Behandlung von Parkinson mit „Tiefer Hirnstimulation“, die seit den 1980er Jahren entwickelt wurde und die beispielsweise auch zur Behandlung von Major Depression angewendet wird. Dabei werden die genannten Neuronen mit hochfrequenten elektrischen Impulsen sozusagen ausgeschaltet (weshalb auch der Begriff „tiefe Hirnstimulation“ irreführend ist).

Ich finde schon, daß das ganze frappant an Reichs Vorstellung von der Sympathikotonie erinnert: sympathische Überstimulation im Kern (Kontraktion), Erstarrung an der Peripherie. Hört bei Krebs, ganz entsprechend einer „tiefen Hirnstimulation“, der bioenergetische Kern auf zu „feuern“, kommt es zu einer wundersamen Entspannung des Körpers, die Körperpanzerung löst sich auf, der Orgasmusreflex ist leicht herstellbar.

Wahnsinn Psychiatrie

4. Oktober 2011

Das erste Psychopharmakon, das weite Verbreitung fand, war der 1955 auf den Markt gekommene Tranquilizer „Miltown“. Dieses Datum hat eine tiefere Bedeutung, denn spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte die American Psychiatric Association (APA) im Verbund mit dem Amt für Arzneimittelsicherheit (FDA) und der Pharmaindustrie den (nicht nur) damals einzig gangbaren Weg der Psychiatrie, die Reichsche Orgontherapie, endgültig ins Abseits gestellt. Innerhalb eines Jahrzehnts war dann auch die ohnehin wirkungslose psychoanalytische Therapie aus den psychiatrischen Kliniken verdrängt. (Die Psychoanalyse war, wenn sie denn mehr sein wollte als „Hören mit dem Dritten Ohr“, bloße Verballhornung der Charakteranalyse!)

Heute sind Psychiater kaum mehr als „Pillenverteiler“. Psychiatrische Kliniken sind berüchtigt dafür, daß sie Patienten mit absurd hohen Dosen und exotischen Pillenkombinationen als „gebessert“ entlassen. Tatsächlich sind die „geheilten“ Patienten einfach nur „high“. Hauptsache die Statistik stimmt! Die „adjuvante“ Psychotherapie wird zunehmend auf Psychologen abgeschoben. Diese Zusammenarbeit von Ärzten und Psychologen ist ein perfektes Gleichnis für den psycho-physischen Parallelismus, der als Kernideologie hinter dem ganzen Zauber der modernen Medizin steht. Es wird einfach nicht begriffen, daß angeblich „psychische“ Störungen in Wirklichkeit emotionale Störungen sind und Emotionen ein bioenergetisches Phänomen darstellen.

Reich konnte „psychische“ Krankheiten heilen, weil er eine bahnbrechende Entdeckung gemacht hatte. Die kranke „Psyche“ schlägt sich in chronischen, der willentlichen Kontrolle und dem Bewußtsein weitgehend unzugänglichen Muskelkontraktionen nieder. Damit stand erstmalig Medizinern ein Weg offen, die „Psyche“ quasi „chirurgisch“ zu behandeln. (Reich bezeichnete die Orgontherapie als „biophysische Chirurgie“, die deshalb Ärzten vorbehalten sein sollte.)

Bezeichnenderweise lautete der Werbeslogan des eingangs erwähnten Tranquilizers „Miltown relaxes both mind and muscles“. Das Mittel entspanne sowohl die „Psyche“ als auch die Muskeln! Heute wird der Wirkstoff ausschließlich als „Muskelrelaxans“ vermarktet. (Übrigens kann das Zeugs einen körperlich abhängig machen!)

Die Sache mit der angeblich gestörten „Hirnchemie“ kam später auf. Man ging daran, „gezielt“ in den Serotonin-, Dopamin-, Melatonin- etc. Haushalt einzugreifen. Und auch hier ist ein Fünkchen Wahrheit auszumachen, denn tatsächlich ist unser Gehirn (genauer gesagt das „retikuläre Aktivierungssystem“) der Schnittpunkt zwischen der objektiven Welt und der subjektiven Welt. Hier fließen alle separaten Wahrnehmungen und Impulse, die außerhalb unseres Kopfes nichts miteinander zu tun haben, zu einer Einheit zusammen, nehmen miteinander Kontakt auf und erzeugen dadurch das, was man „Bewußtsein“ nennt. So kommt das zustande, was Hans Hass als „inneren Projektionsschirm“ bezeichnet hat.

Das ändert jedoch nichts daran, daß irgendwelche Auffälligkeiten in der „Psyche“ Ausdruck des Körpers in seiner Gesamtheit sind, d.h. des bioenergetischen Feldes, das uns durchdringt und umgibt. Man setze sich beispielsweise im Schneidersitz hin und ahme die indischen Handstellungen, die Mudras, nach, etwa die Hände auf die Knie legen. Es ist ein dramatischer Unterschied für unser Bewußtsein bzw. unsere „Stimmung“, ob die Handinnenflächen nach oben oder nach unten gerichtet sind. Oder man halte die Hände wie in der Zen-Meditation, etc.pp.

Jetzt überlege man sich, was es für das Bewußtsein bedeuten muß, wenn eine Körperhaltung, etwa hochgezogene Schultern, über Jahre, Jahrzehnte, festgehalten wird. Nicht nur eine Hand einige Sekunden, sondern ganze Körperpartien über Jahrzehnte hinweg! Hier sind die „psychischen“ Leiden verankert und nirgendwo sonst. (Daß sich das gleichzeitig auch in der „Hirnchemie“ niederschlägt, – wie sollte es anders sein?!)

Ein rigider Körper spiegelt sich in einem rigiden, „mechanischen“ Bewußtsein wider. Das Leben des Neurotikers ist unendlich kompliziert und alles ist „sinnlos“ – und so verhält er sich auch. Ihm dann in der Psychotherapie mit der „Sinnfrage“ zu kommen, versöhnt ihn vielleicht mit dem Elend, doch dieses bleibt bestehen. Gleichzeitig nimmt er begierig die absurde, imgrunde mystischen, Vorstellung auf, Ort der „Psyche“ sei das Hirngewebe und Störungen der „Hirnchemie“ seien für sein Unglück verantwortlich. Er verändere sich mit entsprechenden Glückspillen, – ohne sich und seine Umgebung verändern zu müssen.

Die „Psyche“ spiegelt nicht nur den Körper wider, sondern ist auch untrennbar mit dem „sozialen Raum“ verbunden. Wir können uns beispielsweise den anderen nur öffnen, wenn wir auch unsere Körperhaltung öffnen. Neurotiker laufen ihr ganzes Leben mit einer „abweisenden“ Körperhaltung herum. Wir panzern uns nicht in erster Linie wegen der Umwelt, sondern wegen unserer Mitmenschen ab. Nicht nur die Sprache, das Bewußtsein an sich, sind ein soziales Phänomen. Wären wir keine Herdentiere, gäbe es beides gar nicht, da Sprache und Bewußtsein vollkommen überflüssig wären.

Es ist offensichtlich, Reich hat seit 1928 immer wieder vehement darauf hingewiesen, daß die Charakteranalyse bzw. später die Orgontherapie stets auch eine soziale, soziologische, „politische“ Komponente hat (Stichwort „Arbeitsdemokratie“), die, wie er sukzessive herausfand, wiederum in der Biologie und weiter in der Biophysik und Kosmologie fußt.

Manche Psychiater erfassen das intuitiv, engagieren sich sozial, landen gar in der sozialistischen Politik. Manche entwickeln sich weiter und wenden sich schließlich der „Spiritualität“ und „Esoterik“ zu. Da sie aber im mechano-mystischen Denken gefangen bleiben, trägt das alles nur zum allgemeinen Chaos bei.

Die an Patienten gerichteten Ratgeberbroschüren der Pharmakonzerne, mit denen sie ihre Glückspillen im Markt langfristig verankern wollen, machen typischerweise für Selbsthilfegruppen, „Atemübungen“, Meditation und Yoga Werbung. Selbst die schlimmsten Mechanisten vertreten heute einen „integrativen Ansatz“. Hier und da werden sogar „körpertherapeutische“ Maßnahmen für Patienten angeboten. Alles wirr und ohne Verstand, da das funktionelle Denken fehlt.

Übrigens werden auch in einer zukünftigen funktionellen Psychiatrie Psychopharmaka ihren Platz in besonderen Fällen haben, – nachdem man die „hirnchemischen“ Zusammenhänge wirklich verstanden hat, ähnlich wie Reich es Anfang der 1930er Jahre für das Autonome Nervensystem geleistet hat.