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Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

19. Mai 2019

 

Paul Mathews:
Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

 

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 5)

11. Mai 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Die Bereitschaft, einem faschistischen Führer und seiner Bewegung zu folgen und daran zu glauben, ist so tief verwurzelt, daß es selbst nach den tragischen Ereignissen in Jonestown diejenigen gab, die ihn lobten und unterstützten. Das Time Magazine (9, S. 21) erklärt: „Guy Young, 43, sagte, daß er im People’s Temple ‚einen Sohn und einen Schwiegersohn hat, von dem ich weiß, daß er lebt‘. Dann schluchzte er und ein anderes Mitglied erklärte: ‚Seine Frau, vier Töchter, ein Sohn und zwei Enkelkinder wurden als tot gemeldet.‘ Young fing sich und fügte hinzu: ‚Ich bedauere nicht, daß sie dort waren. Das waren die glücklichste und lohnendste Zeit ihres Lebens.‘“

Der vorangegangene Abschnitt erklärt kurz und knapp, warum es denjenigen, die die Schwarzen oder Roten Faschismen unserer Zeit unterstützen, sich mit ihnen identifizieren oder ideologisch in sie eingewilligt haben, so schwer fällt ihre Fehler anzuerkennen. Irgendwie müssen sogar offensichtliche, schreckliche Übel als notwendige Schritte rationalisiert werden oder als vom ideologischen Gegner herbeigeführt. So sind, gemäß der Propagandarichtlinie, nicht Rußland, China, Kuba, Vietnam und Kambodscha für die schrecklichen Ereignisse, die beständig aus ihren Ländern berichtet und verifiziert werden, verantwortlich, sondern die USA und andere westliche Demokratien. Nicht der inhärent strukturierte Totalitarismus völlig zentralisierter kommunistischer Nationen und deren Massen, die sich nach dem Führer und dem Kommissar sehnen, sondern der „kapitalistisch-imperialistisch-militärisch-industrielle Komplex“ ist verantwortlich für die Gulags, Holocausts, „Boatpeople“ [die vietnamesischen Bootsflüchtlinge] und den aggressiven militärischen Expansionismus dieser kommunistischen Utopien. Offensichtlich ist das, was von etwas Freiheit und Gesundheit in dieser Welt übrigbleibt, beängstigender als die Aussicht auf die rotfaschistische Barbarei. Um Kunstlers Ermahnung zu wiederholen: „man sollte niemals einen kommunistischen Staat öffentlich kritisieren“.

Der bereits zitierte Autor von Inside Cuba Today, Fred Ward, berichtet folgendermaßen über die Reaktion des kubanischen Volkes auf die Unterdrückung durch die Kommunisten: „Wie akzeptieren die Kubaner all die Einschränkungen? Sie sind weitgehend enthusiastische Unterstützer der Regierung. Zweifellos wünschen sich viele mehr Freiheit, aber sie würden Fidel überallhin folgen, da sie ihn bereits während einer totalen sozialen Revolution unterstützt haben.“ Auch Jonestown hatte begeisterte Anhänger unter seinen Opfern, selbst Repräsentant Ryan und seine Reisegruppe ließen sich zunächst von den Bekundungen dieses Enthusiasmus täuschen, denn es war eine Kombination aus einer Minderheit von furchtbar eingeschüchterten Dissidenten und einer Mehrheit von mystischen Bewunderern.

Charakteristisch für die paranoide Schizophrenie ist, daß sich eine potentielle Bedrohung, gleichgültig wie weithergeholt sie auch ist, in eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung verwandelt. Der Mechanismus dieses Zustands wird von Reich und Baker in den zuvor genannten Werken beschrieben (4, 12). So flohen Jones und seine Kultanhänger nach Ukiah in Brasilien und nach Jonestown, um dem „Atomtod und/oder Verfolgung und Folter durch die CIA“ zu entgehen. Diese weitere Entwurzelung und Desorientierung von Individuen, die bereits schwach in ihrer Ich-Struktur und charakterologisch desorientiert waren, führte zu einer noch stärkeren Abhängigkeit von Führern und Gleichgesinnten. In Anbetracht der Tatsache, daß sie weit weg von zu Hause und einer vertrauten Umgebung waren, weit entfernt von jeder anderen Quelle von Kontakt, umgeben von Dschungel und in nationale und kosmische Kräfte eingetaucht, an die sie nicht gewöhnt waren, ist es nicht schwer, ihr Gefühl zu verstehen im Himmel zu sein („Es war das Paradies auf Erden“, sagte der Anwalt Charles Garry) und gleichzeitig in der Hölle, und es ist auch nicht allzu schwierig, die Hilflosigkeit und sogar die Bereitschaft zu verstehen, der „Endlösung“ von Führer Jones in seine eigene „Götterdämmerung“ blindlings zu folgen.

Um zu verstehen, welche Art von Extremismus zu diesem Massenselbstmord führen kann, müssen wir zu Reichs Definitionen zurückkehren. In Die Massenpsychologie des Faschismus stellt Reich fest (1, S. 159): „Welche Inhalte immer mystisches Erleben haben mag, es ist im wesentlichen das Negativ des genitalen Strebens, im wesentlichen Sexualabwehr; aber sie erfolgt mit Hilfe nichtgenitaler sexueller Erregungen.“ Reich erklärt weiter (19, S. 97f): „Die Existenz einer trennenden Mauer (der Panzer) zwischen Erregung und Empfindung begründet also das mystische Erlebnis. … Der Mystizismus beruht demnach auf einer Sperre der unmittelbaren Organempfindungen und auf dem Wiederauftreten dieser Empfindungen in der pathologischen Wahrnehmung ‚übernatürlicher Kräfte‘.“

Jim Jones war bekannt dafür, daß er sowohl die sexuelle Erregung seiner Anhänger anstachelte als auch zur selben Zeit unterdrückte. Einerseits befahl er Männern und Frauen seines Kultes, öffentlich über ihre sexuellen Beziehungen mit ihm zu berichten, auf der anderen Seite demütigte er eine Anhängerin, die sexuelle Beziehungen ohne seine Erlaubnis hatte, indem er sie zwang, mit einem zweiten Mann vor versammelter Mannschaft Geschlechtsverkehr zu haben (10, S. 65). Diese Art der verzerrten Sexualerregung in Verbindung mit der Umgebung und den Charakterstrukturen seiner Anhänger förderte die Art der Abspaltung von Erregung und Empfindung, die sowohl zur Hilflosigkeit als auch zur pathologischen Wahrnehmung bei Führer und Geführten führte. Reich schreibt (1, S. 142f):

Der religiöse Mensch ist in Wirklichkeit völlig hilflos geworden, da ihm die Glückfähigkeit und die Aggressivität Schwierigkeiten des Lebens gegenüber durch Unterdrückung seiner Sexualenergie verlorengingen. In Wirklichkeit hilflos, muß er mehr an übernatürliche Kräfte glauben, die ihn stützen und beschirmen. Wir verstehen daher, daß er in manchen Situationen auch eine unglaubliche Kraft der Überzeugung, ja des passiven Todesmuts entwickeln kann. (kursiv von mir – P.M.)

Die Makro- und Mikro-Jonestowns finden sich in der Geschichte des gepanzerten Menschen zu Hauf und werden dies auch weiterhin tun, wenn die Grundlagen dieser Bedürfnisse nicht beseitigt sind: die mystische, faschistische Struktur der Massen und die Emotionelle Pest der Menschheit. Diese Ziele können nur durch die Bejahung der natürlichen Sexualität und Lebensfreude in der Kindheit erreicht werden durch selbstregulierende, sexualökonomische Herangehensweisen bei der Kindererziehung und durch das Erlernen, wie man mit den Mechanismen der organisierten und unorganisierten Emotionellen Pest effektiver umgehen kann. In dieser Hinsicht warnte Reich die stärkste Bastion der in der Welt verbleibenden Freiheit und Gesundheit wie folgt (1):

Wir übersehen … nicht die vielen Fehlschläge und traditionellen Bremsungen, aber die Erneuerungen echt demokratischer Versuche hatten jedenfalls in Amerika, und nicht in Rußland, eine Zuflucht gefunden. Es bleibt zu hoffen, daß die amerikanische Demokratie gründlich einsehen wird, daß der Faschismus keine nationale oder parteiliche Angelegenheit ist; und daß es ihr gelingen wird, die Diktaturneigung in den Menschenmassen selbst zu bewältigen.

 

Literatur

1. Reich, W.: Die Massenpsychologie des Faschismus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1974
4. Reich, W.: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989
9. „Cult of Death“, Titelgeschichte, Time Magazine, 4. Dez. 1978
10. „The Cult of Death“, Titelgeschichte, Newsweek Magazine, 4. Dez. 1978
12. Baker, E. F.: Der Mensch in der Falle, München: Kösel, 1980
19. Reich, W.: Äther, Gott und Teufel, Frankfurt: Nexus Verlag, 1983

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 13 (1979), Nr. 2, S. 249-260.

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 2)

6. Mai 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Faschismus und die Emotionelle Pest sind untrennbar miteinander verbunden. Beide entspringen biologischer Krankheit und dem Panzer (wobei es gerade die Emotionelle Pest ist, die diesen Panzer aufrechterhält und verewigt) und im schlimmsten Fall dienen sie dazu ein brutales totalitäres System organisierter Unterdrückung und Aggression aufrechtzuerhalten und zu unterstützen, das jeden Aspekt des Lebens erfaßt, um es zu zerschmettern. Beide sind Manifestationen der sekundären Schicht des Menschen und sind symbiotisch mit jedem erdenklichen Ausdruck dieser Schicht verbunden – ob offen oder verdeckt. Sie pflegen eine biologische „Volksfront“ mit Verhaltensweisen, die der sekundären Schicht entstammen, sowohl als verzerrtes Mittel zur Entladung aufgestauter Energie als auch als Abwehr gegen den Kern und die Genitalität. Sie funktionieren also unter einem „strukturellen Zwang“ (4, S. 341).

Faschistische Regierungen wie das nationalsozialistische Deutschland, das faschistische Italien, das Peronistische Argentinien, das kommunistische Rußland, China, Kuba, Vietnam, Kambodscha usw. sind in Wirklichkeit vergrößerte, schwerbewaffnete und organisierte Sekten der Emotionellen Pest. Es ist daher nicht schwer zu verstehen, warum Nazideutschland und Sowjetrußland einen Nichtangriffspakt unterzeichnen konnten, beiderseits in Polen einmarschierten und den Weg für den Zweiten Weltkrieg ebneten. Es ist auch nicht schwer zu begreifen, daß sie sich, ausgerichtet an Macht und Pest, danach gegeneinander wenden konnten. Jüngste derartige Manifestationen sind Rußland gegen China, China gegen Vietnam und Vietnam gegen Kambodscha. Ihr gemeinsames Funktionsprinzip ist die Zerstörung der freien Welt, insbesondere der USA. Sie sind, abgesehen von ihren unterschiedlichen Kulturen und Geschichten, wegen der Frage uneins, wem die oberste Kontrolle und Entscheidungsrolle bei der Erreichung ihrer pestilenten Ziele zukommen soll.

Die Makro-Kulte werden von einem oder mehreren mächtigen und oft charismatischen Anführern geleitet. Als Elite, die der Menschheit Weisheit und Führung angedeihen läßt, beanspruchen sie einen unfehlbaren Corpus von Lehren und Wissen. Mittels eines hochentwickelten Systems des Schreckens und der Einschüchterung (Gestapo, KGB, Castros CDR usw.) missionieren sie, unterwandern sie und erzwingen sie blinden Gehorsam gegenüber ihrer Sache (5, S. 50-52). Ihre mystischen Anhänger und Lobhudler sind ihre Verfechter und Unterstützer, die durch Identifikation mit dem Anführer, „der Sache“ und der Herde eine illusorische Potenz erreichen. Diese Anhänger geben jede persönliche Verantwortung für ihr eigenes Leben und für ihre Familien ab, im Gegenzug für das Versprechen von Erlösung, das die Führer-Gottheit hier oder im Jenseits bietet. Die Anführer sind erfüllt mit Angst und Haß, ob der Reaktion der Anhänger auf Zweifel, Opposition und Meinungsverschiedenheiten. Diese werden als tödliche Bedrohung für die Anführer empfunden, d.h. Todesangst aufgrund der Furcht vor dem Zusammenbruch ihrer Struktur. Sie existieren in einem Morast sadomasochistischer Ausdrucksformen, in dem sie zwischen mörderischem und selbstmörderischem Verhalten schwanken, das häufig durch humanitäre oder nationalistische Heuchelei maskiert wird. Nur über das Begreifen der biologischen Grundlagen dieser Massenneurosen und -psychosen können wir verstehen, wie es möglich war, daß Hitler, Mussolini und der Tojo so viele Millionen ihrer Bürger in die Irre führen konnten, die sie mit mystischer Verehrung anbeteten2 und wie es immer noch möglich ist, daß so viele Millionen und Milliarden ihre eigene Versklavung in den heutigen rot-faschistischen Gesellschaften unterstützen.

Es kommt auch häufig vor, daß diese großen Makro-Kulte die Mikro-Kulte entwickeln, fördern und für den Ausbau ihrer eigenen Macht einsetzen. Hitler hatte seine „fünfte Kolonne“, und die Kommunisten haben ihre „Front-“ und „Volksfront“-Organisationen. Diese „Fronten“ stellen sich als unpolitische oder politisch unabhängige Gruppen dar. Sie können vorübergehend eingerichtet werden, wie die „Dringlichkeitskomitees“ für irgendeine „Sache“, die manipuliert wird, um kommunistischen Interessen zu dienen, oder dauerhaft eingerichtet, wie die „Freundschafts“-Organisationen, die behaupten, nur ein rein unpolitisches Interesse an Amerikas Feinden zu haben. Es gibt auch die kleineren kommunistischen Nationen, die sich zuerst als Nationalisten oder „Agrarreformer“ (zum Beispiel Kuba) formierten, um an die Macht zu kommen. Kuba wurde bekanntlich von der UdSSR für Stellvertreterkriege in Afrika, zur Subversion in Lateinamerika eingesetzt und als Bereitstellungsraum für Tausende sowjetischer Truppen, wie kürzlich bekannt wurde. In verschiedenen Teilen der Welt fördern die kommunistischen Makro-Sekten Rebellionen und terroristische Aktivitäten – dazu gehören die Ausbildung und Ausrüstung der PLO, der IRA und der FALN. Afghanistan, Panama und Nicaragua sowie viele Länder der sogenannten Dritten Welt sind unter kommunistischem Einfluß geraten. Die iranische Revolution wurde von den Sowjets unterstützt in der Hoffnung, daß der Übergang vom religiösen Fanatismus zum Roten Faschismus leichter sei als der vom Schah-Regime. Beim Verfassen dieses Aufsatzes steht noch nicht fest, ob sie Erfolg haben werden. Jim Jones‘ Kult stand unter dem Einfluß des Roten Faschismus Rußlands.

 

Anmerkungen

(2) Vgl. den Film von Leni Riefenstahl, „Triumph des Willens“, der deutlich die Verehrung Hitlers und der Nazi-Führer durch die deutschen Massen zeigt. In der kommunistischen Welt gibt es heute viele Parallelen.

 

Literatur

4. Reich, W.: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989
5. Ward, F.: „Cuba Today“, Book Digest Magazine, May 1979

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 13 (1979), Nr. 2, S. 249-260.

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 1)*

3. Mai 2019

von Paul Mathews, M.A.**

 

Am 18. November 1978 wurden in Jonestown, der Parlamentarier Guyana, Leo J. Ryan, ein Kongreßabgeordneter aus San Francisco, drei Journalisten und eine Frau niedergemetzelt, und mehrere andere Personen wurden von Angehörigen eines Kultes namens People’s Temple [Volkstempel] schwerverletzt. Am selben Abend nahmen in Jonestown mehr als 900 Mitglieder dieses Kultes an einem rituellen Massenselbstmord teil, der in unserer Zeit einzigartig und in der Geschichte selten ist. 73 n. Chr. wählten die jüdischen Eiferer von Masada (960 Männer, Frauen und Kinder) den Suizid, anstatt sich den metzelnden römischen Legionen zu unterwerfen und sich versklaven zu lassen. Hunderte von Japanern sprangen von den Klippen von Saipan in den Tod, als sich während des Zweiten Weltkriegs die amerikanischen Truppen näherten, da ihnen von ihren Führern erklärt worden war, daß sie gefoltert werden würden; Kamikaze-Selbstmordpiloten waren ein weiteres Merkmal der japanischen Kultur. Diese und andere Beispiele wurzelten jedoch im tatsächlichen Streß des Krieges, rationalen Ängsten und einer Wahl zwischen Leben und Tod. Die Vorfälle in Jonestown wurden dagegen durch die Identifikation mit einem charismatischen, wenn auch paranoiden Führer ausgelöst.

Besonders interessant und bedeutsam an der Jonestown-Katastrophe sind die Parallelen, die zwischen diesem Ereignis und dem orgonomischen Verständnis des Faschismus und der Emotionellen Pest, wie sie von Wilhelm Reich (1) beschrieben wurden, gezogen werden können. Jonestown und der People’s Temple repräsentieren im Wesentlichen einen Mikrokosmos der makrokosmischen Faschismen des zwanzigsten Jahrhunderts:1 der Schwarze Faschismus der Nazis und der Rote Faschismus der Kommunisten. Ideologisch war es natürlich eine Variante des letzteren (2). Untersuchen wir diese Parallelen.

Der Faschismus ist nicht nur ein totalitäres oder äußerst autoritäres Regierungssystem, wie Reich überzeugend dargelegt hat. Vielmehr ist es der spezifische Charakter der Menschenmassen in unserer mystisch-mechanistischen Welt, der sich nach Freiheit sehnt und gleichzeitig unfähig zu ihr ist. Der Faschismus stellt die Summe der Irrationalität des Menschen dar (wie die Ereignisse in Jonestown besser beschreiben!).

In Die Massenpsychologie des Faschismus (1, S. 206ff) definiert Reich die „sozialistische Sehnsucht“ als Sehnsucht nach Freiheit von Unterdrückung jeglicher Art. Reich erklärt, daß diese Sehnsucht nach Freiheit „in Form eines Kompromisses mit der Angst vor Verantwortung“ aufgetreten ist, und sagt: „Die Angst vor gesellschaftlicher Verantwortung in den Menschenmassen brachte die sozialistische Bewegung in staatliches Fahrwasser.“ Friedrich Hayek, ein Nobelpreisträger, hat über den unaufhaltsamen und unvermeidlichen Trend sozialistischer Systeme geschrieben, totalitäre Diktaturen zu werden (3). Reich hinwieder machte den Mechanismus dieser Transformation mit seiner Definition des Faschismus deutlich. Laut Reich brachten die Begriffe „sozial“ und „sozialistisch“ (wie sie beispielsweise von den primitiven Christen praktiziert wurde) ursprünglich die Ideale von Freiheit, Unabhängigkeit, internationalem Good Will und Zusammenarbeit zum Ausdruck, aber sie wurden von sogenannten National-Sozialisten aller Art – Hitler, Mussolini, Stalin usw. – verdreht und ausgenutzt. Reich vergleicht sie mit Wucherern, die aus der Krankheit der Menschen Kapital schlagen, ein Gift erfinden, das die Sehnsucht nach Besserung schafft, und es „Medizin“ nennen. „Der Wucherer“, sagt Reich, „der an Krankheiten reich werden will, sollte sein Gift korrekterweise ‚Krankheitin‘ nennen. Er nennt es aber ‚Heilserum‘, weil er genau weiß, daß er Krankheitin nicht verkaufen könnte. Genauso geht es dem Worte ‚sozial‘ und ‚sozialistisch‘“ (1, S. 207). Des weiteren sagt Reich: „Die politische Reaktion lebt und wirkt innerhalb der Struktur des Denkens und Handelns der unterdrückten Menschenmassen in Form von charakterlicher Panzerung, Angst vor Verantwortung, Freiheitsunfähigkeit und, last, but not least, als endemische Verkrüppelung des biologischen Funktionierens“ (1, S. 209f). Wenn wir die beiden letztgenannten Begriffe – den Ausbeuter (sozialistischen „Medizinmann“) und die Ausgebeuteten (gepanzerten Massen) – zusammenbringen, haben wir die Basis des faschistischen Staates und des People’s Temple.

 

Anmerkungen

* Basierend auf einem Vortrag, der im Frühjahr 1979 an der New York University gehalten wurde.

** Adjunct Associate Professor (Lehrbeauftragter) an der New York University. Orgonomischer Berater. Mitglied des American College of Orgonomy.

(1) Vgl. das Diagramm zu Makro- und Mikrokulten in diesem Artikel.

 

Literatur

1. Reich, W.: Die Massenpsychologie des Faschismus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1974
2. „The Concealed Confessions of Jim Jones“, AIM Report, Vol. VIll, No. 4, February 11, 1979
3. Hayek, F.: The Road to Serfdom. Chicago: University of Chicago Press, 1962

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 13 (1979), Nr. 2, S. 249-260.

Paul Mathews: Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters

22. März 2019

 

Paul Mathews:
Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters

 

Der Ödipus-Komplex und die Reichianer

8. März 2019

Elsworth F. Baker zufolge gibt es zwei Arten von Menschen: diejenigen, die frei sind vom Ödipus-Komplex, und diejenigen, deren gesamte Existenz von ihm geprägt ist. Zu den ersteren gehören jene, die die genitale (bzw. phallische) Phase nicht durchgemacht haben und die deshalb weitgehend lebensunfähig sind („orale Charaktere“), und jene, die unergründlicherweise die genitale Libidophase unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen unbeschadet durchstanden haben und entsprechend gesunde genitale Charaktere sind. Zur zweiten Gruppe gehören effektiv fast 100% der Bevölkerung! Entsprechend beherrscht der Ödipus-Komplex wirklich alles.

Nach Baker gibt es zwei Möglichkeiten, wie der Neurotiker den Ödipus-Komplex bewältigt: entweder tritt er in offene Konkurrenz zum Vater bzw. zur „Vater-Imago“ (das konservative Syndrom) oder er rebelliert gegen ihn auf subversive Weise (das liberale, „linke“ Syndrom). Diese beiden Bewältigungsformen des Ödipus-Komplexes bzw. deren Widerstreit bestimmt unser gesamtes politisches und gesellschaftliches Leben. Das zeigt sich besonders schön am „Reichianismus“ selbst.

Beispiel Amerika: dort besteht, wie zuvor in der Psychoanalyse und im Marxismus, ein Gutteil der „Reich-Anhänger“ aus „Juden“. Davon leidet wiederum ein Großteil unter dem „liberalen“ Bewältigungsmodus des Ödipus-Komplexes. Obwohl sie ganz offensichtlich nichts mit dem Judentum verbindet, kehren sie dieses plakativ nach außen, weil sie, fast durchweg der Oberschicht entstammend oder zumindest aktuell dazugehörend, sich in der Rolle des „Opfers“ gefallen – des Opfers im ödipalen Drama, das gegen den Vater rebelliert. Entsprechend ist die „Israel-Kritik“ ihr großes Thema. Ganz offen betreiben sie Boykotthetze gegen Israel, solidarisieren sich mit den „Palästinensern“ (fast durchweg Hitler-Verehrer!) und stellen Israel als DIE Bedrohung des Weltfriedens hin. Unter keinen Umständen wollen sie angesichts des so „unjüdischen“ Judenstaates Israel ihres Opferstatus verlustig werden und vor allem leben sie die Rebellion gegen das Vater-Imago aus.

Das zeigt sich auch in ihrer Haltung zu Amerika: auf der einen Seite können sie sich gar nicht wieder einkriegen in ihrem Haß gegen Trump, weil der (warum auch immer) den amerikanischen Traum und die amerikanische Demokratie zerstöre – und auf der anderen Seite delegitimieren sie die Vereinigten Staaten erbarmungslos. Der aufgeblasene Militärhaushalt, die Erinnerung an Vietnam, die Sklaverei, die Indianerkriege, etc.pp. Selbst die Gründung der USA sei eine einzige Lüge, da die Engländer die Steuern nur erhoben, weil sie bei der Verteidigung der Kolonisten gegen die Franzosen und deren indianische Verbündete sich finanziell verausgabt haben und im Westen aufwendige Militärposten ausrechterhalten mußten, um die Indianer vor den nach Westen drängenden weißen Siedlern zu schützen. Sie lassen kein gutes Haar an ihrem eigenen Land. Das nennt man Subversion! IN IHREN AUGEN WÄRE ES BESSER, WENN ES DIE USA GAR NICHT GEBEN WÜRDE. Das gleiche gilt für Israel, das sie offensichtlich ausradiert sehen wollen. Der Ödipus-Komplex ist derartig wirksam, daß sie selbst einen zweiten Holocaust freudig beklatschen würden!

Diese Geistesart prägt weltweit (wenn natürlich auch jeweils unter anderen Vorzeichen!) den gesamten „Reichianismus“, dem so gut wie ausschließlich Linke angehören. Man vertue sich nicht: diese Leute werden erst Ruhe geben, wenn das Erbe Reichs endgültig vernichtet und die Orgonomie endgültig zerstört ist. Man mache doch bitte mal die Augen auf! Diese linken Charaktere haben es geschafft ein Land wie Schweden, ein Paradies auf Erden ohne wirklich tiefgehende Probleme, in eine veritable Hölle zu verwandeln und dem sicheren Untergang auszuliefern. DEN GESAMTEN WESTEN HABEN SIE ZERSTÖRT. Und genau das gleiche machen sie mit der Orgonomie in ihrer nunmehr viele Jahrzehnte andauernden Verschwörung gegen Wilhelm Reich und das American College of Orgonomy. Belege finden sich u.a. in meinen „Besprechungen Reichianischer Bücher“ hier, hier und hier.

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 6)

29. Juni 2018

 

Paul Mathews: Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 5)

25. Juni 2018

 

Paul Mathews: Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 2)

17. Juni 2018

 

Paul Mathews: Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 4)

1. April 2018

 

Paul Mathews: Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters York: Macmillan Co., 1967