An sich sollte es unmöglich sein, die Geschichte des „nonverbalen“ Gefühlslebens der Menschen über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg zu verfolgen. Schließlich können wir in andere Menschen nicht hineinschauen! Zum Glück gibt es die Musik, die das Innere zum Klingen bringt. Man höre sich etwa die Barockmusik von Bach oder Telemann an: alles ist auf Pomp, Effekt und Affekt ausgerichtet. Es gibt nur Kontraste: schnell und langsam, laut und leise. Erst mit der Mannheimer Schule wurde das Crescendo als Stilmittel eingeführt und aus der verwickelten Polyphonie, die ähnlich wie die barocken Bauwerke die Sensation, den Rausch der Sinne, anregen sollte, trat die eingängige monophone Melodie, die durch Akkorde unterstützend begleitet wurde. Das dynamische an- und abschwellen des Melodiebogens stand nicht für die eher statische Sensation, die den Barock kennzeichnete, sondern für die Bewegung der Emotionen – die Bewegung der Lebensenergie selbst. In der anschließenden romantischen Musik war dann alles nur noch formlose Emotion und die Musik entartete zu einer Art sentimentaler „Programmusik“, so als illustriere sie einen Film (ein „Melodram“), um dann, andeutungsweise schon bei Wagner, in Atonalität und Klangfarbenmusik umzukippen. Das mündete schließlich in einer Art Neobarock (man denke an die strengen mathematischen Regeln der Zwölftonmusik!), d.h. es wurde erneut die bloße Sensation angeregt, insbesondere (in krassem Gegensatz zum lebensbejahenden Original-Barock) Anspannung, Unwohlsein, Unsicherheit, Beklemmung, Irritation, bloße Kognition.
Orgonometrisch läßt sich diese Entwicklung durch zwei Gleichungen beschreiben:
Der erste Umbruch wurde begleitet von entsprechenden sozialen und „psychologischen“ Umwälzungen. Man denke nur an Mozarts Die Hochzeit des Figaro! Die Menschen wurden freier und „seelenvoller“, man denke an Rousseau und Goethe, und es ist kein Zufall, daß Max Stirner mit dem Höhepunkt der romantischen Bewegung in Erscheinung trat: das Ich löste sich aus der gesellschaftlichen und individuellen Panzerung. Genauso ist es kein Zufall, daß es zu einer Gegenreaktion kam, einer zweiten Umwälzung, die in den neo-feudalistischen und neo-absolutistischen Erscheinungen wie Faschismus/Nationalsozialismus, Realsozialismus und Unserer Demokratie kulminierte.
Was das konkret bedeutet, kann man an den Auswirkungen von Cannabis tagtäglich selbst beobachten. Wie wirklich nichts anderes induziert es die Umwandlung von Emotionen in Sensationen. Es geht nicht mehr um tiefe „radiale“ Gefühle wie Lust, Angst, Wut, Sehnsucht und Trauer, sondern um flache „longitudinale“ Gefühle wie Empfindungen, körperliche Wahrnehmungen und Reize von der Art „Das fasziniert mich!“ oder „Es läuft mir eiskalt über den Rücken!“ Das Ziel ist ja explizit, keine Angst mehr zu haben, keine Trauer zu empfinden, frei zu sein vom Stachel der Lust, der Sehnsucht und der Aggression. Man will locker „chillen“. Statt um den bioenergetischen Kern dreht sich alles um die Peripherie, ist verkopft. Von daher die „Head Shops“, in denen man Cannabis-Utensilien kaufen kann. Minuten werden zu Stunden und ein bloßes Rautapetenmuster kann ungeheuerliche Bedeutung annehmen. Sowohl die Tiefenwahrnehmung nach außen (dreidimensionales Sehen) als auch nach innen (Emotionen) ist stark eingeschränkt. Und was die Musik betrifft: spätestens seit Pink Floyd ist offensichtlich, daß auffällig viele „Nutzer“ elektronische und „Ambient“-Klänge mit ihren Klangspektren bevorzugen. Null Prozent Emotion, 100 Prozent Sensation.
Der neusten Ausgabe der NeuroDepesche für Neurologen und Psychiater (4/1926) zufolge hat der Cannabis-Konsum weltweit zugenommen. In Deutschland sind acht Prozent aller 12- bis 17-Jährigen Konsumenten: die Prävalenz über 30 Tage liegt bei 3,5 Prozent, über 12 Monate bei 8 Prozent und über die gesamte bisherige Lebenszeit 10,4 Prozent. Während nur 1,5 Prozent der Erwachsenen unter ausgesprochenen Störungen aufgrund des Cannabiskonsums leiden, sind es bei den 12- bis 18-Jährigen 2,5 Prozent. Von den regelmäßig Konsumierenden entwickeln 33 Prozent eine Abhängigkeit. Vollstationäre Therapien cannabisbezogener Störungen haben sich seit der Jahrtausendwende vervierfacht.
Die mechanistische Wissenschaft kann das nur konstatieren, aber die Zusammenhänge mit der orgonotischen Pulsation bzw. dem orgonotischen System (Emotion mit dem Zentrum im Solar plexus) und der Kreiselwelle bzw. dem energetischen Orgonom (Sensation mit dem Zentrum in Kopf) wird ihr wohl ewig verborgen bleiben. Ohne die Entdeckung der kosmischen Lebensenergie ist alles nichts.
Ich möchte nur mal zwischenzeitlich Danke sagen für die m.E. UNBESCHREIBLICH WICHTIGE Arbeit, die Du in der Orgonometrie-Reihe leistest – auch wenn dazu in der Regel wenig kommentiert wird.
Ich bin immer wieder beeindruckt!
Sebastian:
Ich kann das gar nicht beurteilen, aber finde alleine die Bemühung hervorragend und möchte mich daher anschließen.
Oliver Gerlach:
Auch ich möchte mich hier unbedingt anschliessen. Neben der unglaublich umfassenden „Chronik der Orgonomie“ stellen „Orgonometrie 1 + 2“ die m.M. nach tiefgehendste zeitgenössische orgonomische Literatur dar!
Robert (Berlin) hat hinsichtlich „Orgonometrie (Teil 1): Kapitel II.1.d.“ eine Frage:
Mir wird aus dem Ganzen nicht ganz klar, was mit Sensation gemeint wird (hier mal als Kitzeln gesehen) und warum diese als Gegensatz zur Emotion steht.
Darauf meine Antwort:
Emotion sind „aufwallende“ Gefühle wie Traurigkeit, Wut, Liebe, etc. Sensationen entsprechen dem, was man hört, ertastet, sieht, etc. Man denke nur an den religiösen Glauben: die einen lieben Gott und fürchten Gott, die anderen „wollen erst sehen“.
Claus:
Dafür gibt es ja einen guten Grund: Dafür, dass es das-und-das tatsächlich gibt, sprechen eher ‚Sensationen‘, zum Beispiel Anblicke (je nachdem, wie theoretisch die betreffende Sache ist, mehr oder weniger direkt oder eher über gedeutete Anzeichen). Gefühle kann man hingegen auch gegenüber Nichtexistentem haben (wohl jedenfalls dann, wenn man es für existent hält).
Einschub 2025: Schöne Illustrationen von Emotion und Sensation ist die bildende Kunst und die Musik. In der klassischen Malerei ging es vor allem um das Hervorrufen von Emotionen. Von der Tendenz her angefangen mit dem Impressionismus und dann radikal in der sowohl abstrakten als auch hyperrealistischen Kunst des 20 Jahrhunderts geht es praktisch nur noch um Sensationen. Man starrt stundenlang eine Rauhfasertapete an und ist fasziniert. Ähnliches ereignete sich in der Musik. Die Klassik und frühe Romantik war kaum etwas anderes als „vertonte Emotion“, was sich dann im Laufe der Zeit zu einer reinen Geräuschkulisse verflüchtigte. Selbst im Jazz und in den verschiedenen Bereichen der Populärmusik gab es ähnliche Entwicklungen. Man nehme etwa Miles Davis‘ Album In a Silent Way von 1969, wo es weniger um Melodie und den Spannungsbogen geht, sondern um die „Atmosphäre“, die erzeugt wird und um die „Textur“ – buchstäblich die besagte „Rauhfasertapete“!
Themenwechsel. Sebastian schrieb 2015:
Ähm, ich muss mal etwas loswerden. „Bei Anwesenheit von Panzer […].“Das ist einfach grausam zu lesen. Bin ich schon öfter drüber gestolpert. Warum nicht Panzerung?
Meine Antwort:
Ganz heikles Thema. Früher habe ich wie selbstverständlich immer von „Panzerung“ gesprochen. Doch jetzt, wo ich mich intensiv mit Konia beschäftigt habe: der hat meistens „Panzer“ geschrieben („armor“ statt „armoring“), was in mir einige Panik hervorrief. Reich selbst schreibt, wenn ich das jetzt richtig überblicke, meistens von „Panzerung“, ab und zu aber auch von „Panzer“. Etwa hier in der Charakteranalyse, wo er grammatikalisch richtig schreibt:
„Der Bewegungsausdruck des vierten Segments ist im Falle des Fehlens eines chronischen Panzers der der ‚Gefühlsbewegtheit‘ (…). Im Falle der Panzerung ist der Ausdruck der der ‚Unbewegtheit‘ oder ‚Unberührtheit‘“ (KiWi, S. 493).
Robert (Berlin) geht auf die Reich-Marx-Frage ein:
Man muss den Marxismus und Reichs entsprechende „Sexpol-Beiträge“ von der Arbeitsdemokratie her verstehen. Das erstere, der „Reichianische“ Ansatz, ist bloßes Sektierertum, in dem die zufällige, bzw. durch die Zeitläufe bestimmte Entwicklung eines einzelnen Mannes zum Maßstab wird, mit dem man eine ganze Wissenschaft verstehen will. Tatsächlich wichtig ist aber nur die Entdeckung der Arbeitsdemokratie, von der aus entschieden werden kann, was an Reichs frühen Theorien von mehr als historischem Interesse ist.
Ähnlich bei Giordano Bruno. Heute interessiert uns überhaupt nicht mehr, mit welchen Philosophen er sich damals auseinandersetzte, sondern das er das geozentrische Weltbild überwand.
Angeregt durch ein zufällig gesehenes Photo bin ich grundsätzlich geworden:
Worum es in der Orgonomie geht auf einem Photo: der schmutzig-braune DOR-Panzer des Planeten und darüber das frische Orgon, wie von Reich in CONTACT WITH SPACE beschrieben.
Der Begriff Orgontechnik wird meines Erachtens ausschließlich von Leuten benutzt, die keinerlei Ahnung von Orgonomie haben, aber ORACs bauen von ungewisser Zusammensetzung und dies als den „originalsten“ verkaufen. Weiterhin subsummieren sie irgendwelche Dorbuster-Konstruktion und dergleichen mehr.
Hier wird sich ausschließlich auf den Orgonmotor bezogen. Alternativ wäre und damit abgrenzend zum Sprachvandalismus der Orgonesoterik der neue Begriff „Orgonmotortechnik“ einzuführen.
Peter:
Danke, ich weiß Deinen Einwand zu würdigen, aber ich lasse mir doch nicht von „Reichianern“ und Esoterikern meinen Sprachgebrauch diktieren!
Es geht um Vogelschwärme:
Manuel:
Man beachte das Flugmuster der Bienen ab ca. 4:10:
Sebastian und ich verwiesen jeweils auf ein Video mit Vogelschwärmen. Diese Videos existieren nicht mehr im Netz, daher dies: