Posts Tagged ‘David Bohm’

Orgonomie und Metaphysik (Teil 25)

17. Januar 2022

Was Nikolai Levashovs und Richard Blasbands „Fernheilungen“ betrifft, paßt dies an sich sehr gut zu Überlegungen über die Nichtlokalität des Orgons. Vielleicht erfolgt die Heilung ja über Synchronizität: der Heiler stellt sich auf den Kranken ein, was dann eine energetische Wirkung hervorruft ohne eine direkte energetische Überlagerung, ohne einen energetischen Strom. In der Quantenmechanik ist diese „magische“ Nichtlokalität schon lange nachgewiesen. Und David Bohm bringt dies eng mit dem Bewußtsein in Zusammenhang, das untrennbar mit dem Beobachteten zusammenhängt (Die implizite Ordnung).

Ich sehe darin nur das organische Wachstum einer Wissenschaft. Schließlich hat auch die Quantenphysik die Galilei-Newtonsche Physik nicht ungültig gemacht, aber es wäre wohl kaum zu einer vernünftigen Physik gekommen, wenn man sich zu früh mit der geisterhaften Quantenwelt befaßt hätte. Irgendwie haben die Mystiker durch die Quantenphysik gegenüber den Mechanisten recht behalten, aber dies heißt noch lange nicht, daß die Mystiker damals recht hatten. Wahrheit ist eine Funktion der Zeit.

Blasband wird allen derartigen Argumentationen entgegenhalten, daß der „mind“ das orgonomische Paradigma sprengt und man deshalb zu einer umfassenderen funktionellen Wissenschaft vordringen muß, die auch solche geistigen Phänomene mit in sich schließt. Aber dies ist nicht ohne, denn von Anfang an hat zuerst die Psychoanalyse, dann die Sexualökonomie und schließlich die Orgonomie praktisch nichts anderes getan als vorgeblich „überweltliche“ Phänomene zu erklären. Und ausgerechnet jenes Buch Die kosmische Überlagerung, von dem Blasband behauptet, in ihm sei Reich an die äußere Grenze des orgonomischen Paradigmas angestoßen – ausgerechnet dieses Buch ist der krönende Abschluß dieser binnenweltlichen Erklärung. Es ist ein eklatanter Mißbrauch ausgerechnet daran die Arbeit von Jahrzehnten an Aufklärung sprengen zu wollen. Das ist ungefähr so, wie wenn man aus Nietzsches abschließendem Buch Der Antichrist ableitet, Nietzsche sei ein Christ gewesen – was wirklich ständig passiert; oder aus Freuds Moses-Buch, daß Freud doch an Jahwe geglaubt hat.

Was ich mit „Geist“ meine, verkörpert nichts besser als die Musik. Schopenhauer hat einmal gesagt, der Musiker spräche die höchste Wahrheit in einer Sprache, die seine Vernunft nicht versteht, ähnliches sagt auch Robert Harman (R.A. Harman: „Perception and Consciousness“, Journal of Orgonomy, 26(2), 1992). Aber spricht dieses spontane und doch „vernünftige“ Handeln für oder gegen Blasbands „primordiales Bewußtsein“? Bei (absoluter) Musik, etwa einem indischen Raga, kann man sich schlichtweg gar nichts vorstellen: es ist hörbare Mathematik. Trotzdem, oder grade deshalb, ist es der unmittelbarste Ausdruck von Stimmungen, Emotionen und Sexualität (= Überlagerung).

Blasband hat ja recht, wenn er daran erinnert, daß auch Reich gesagt habe, daß in der Orgonenergie so etwas wie ein zielstrebiges Bewußtsein enthalten sei. Aber andererseits war dies ja auch Nietzsches Punkt, daß so etwas wie „Willen“ in jeder Kraft sei – und trotzdem kann sich Harman mit vollem Recht gerade auf Nietzsche berufen.

Es ging Nietzsche darum die Dualität von äußerer („Energie“) und innerer („Bewußtsein“) Welt im Begriff des „Willen zur Macht“ aufzuheben. Harman beruft sich ganz zu Recht auf Nietzsche, um das Bewußtsein in seiner Bedeutung herabzudrücken – einem Nietzsche, der das Bewußtsein, bzw. den „Willen“ zum Kern der Natur erklärt hat.

Daß Blasband nicht ganz in der Wahrheit ist, sieht man allein schon daran, daß er so tut, als hätte Reich das, was er an ihm so liebt, nämlich Die kosmische Überlagerung („The Rooting of Reason in Nature“), am Ende seiner Laufbahn geschrieben, sozusagen als Reichs Lebenswerk krönenden Vorverweis auf Blasband, vielmehr hat Reich es aber schon 1951 veröffentlicht und verfaßt hatte er es schon Mitte der 1940er Jahre. Auf außerkörperliche Bewußtseinsphänomene ist Reich aber auch schon 1941-42 bei seinem Schizophrenie-Fall und gar schon in den 1930er Jahren bei seinen bioelektrischen Experimenten gestoßen. Es ist nicht gerade etwas Neues oder etwas was wie ein in die Zukunft weisender Leuchtturm isoliert im Reichschen Werk steht! Und auch Elsworth F. Baker hatte schon gesagt, es käme zwischen ihm und dem Patienten zu einem telepathischen Kontakt und auch er würde eine Bewußtseinsqualität im Orgon wahrnehmen.

Besonders wenn man durch die Nacht wandert und der Wind durch die Baumwipfel streicht, merkt man, daß etwas Lebendiges in der Luft ist, von dem auch Reich sprach und daß er besonders dramatisch im ORANUR-Experiment beobachtet hat. Verglichen mit diesem lebendigen Seufzen des Windes (das in den letzten Jahren abgestorben ist, wie E.F. Baker behauptet hat) ist Blasbands „universales Bewußtsein“ tot. Und auch Blasbands „Essenz“ ist, wie alle derartigen Konzepte, etwas zutiefst Geschlechtsloses, ein blutleeres, geschlechtsloses Abstraktum.

Blasband beruft sich auf folgende Äußerungen Reichs: „Da das ‚Selbst‘ nur eine kleine Einheit organisierter kosmischer Orgonenergie ist, ist diese volle Selbstwahrnehmung – tiefer gesehen – ein Schritt in der funktionellen Entwicklung der kosmischen Orgonenergie an sich“ (Die kosmische Überlagerung, S. 126f, Übersetzung verbessert). „Die Entdeckung kosmischer Orgonenergiefunktionen im Menschentier kann durchaus ein entscheidender evolutionärer Schritt vorwärts sein in Richtung auf eine funktionelle Einheit im Strom der kosmischen und intellektuellen Entwicklungen, in der alle Widersprüche aufgehoben sind“ (ebd., S. 134). Auch Konia gibt dies zu: „Reich drückt die Idee aus, daß eine subjektive, wahrnehmende Funktion irgendwie in der kosmischen Orgonenergie selbst existieren muß.“ Dem hält Konia dann aber entgegen: „Die Interaktion zwischen unbelebten Systemen (z.B. zwischen zwei Bionen oder zwischen einer Wolke und einem Cloudbuster) kann auf der Grundlage rein physikalischer Prozesse verstanden werden, wie z.B. gegenseitige Anziehung und Abstoßung oder orgonotische Erregung mit Energiefluß vom niedrigeren zum höheren Potential. Wir können nicht davon ausgehen, daß die Wahrnehmung, wie wir sie verstehen, auf diesen primitiven Organisationsebenen existiert“ (Konia: „The Perceptual Function“, Journal of Orgonomy, 18(1), 1984, S. 87). Das Problem ist nun aber, daß „mutual attraction, repulsion, and orgonotic excitation“ psycho-biologische Begriffe sind und exakt auf das verweisen, was Reich vom das Bewußtsein im kosmischen Orgonenergie-Ozean behauptet!

Wenn sich Blasband auf Reich beruft, daß ja schon im Orgon (im Unterbau schlechthin) Bewußtsein sei, kann ich nur sagen, daß dies auf einem grundlegenden Mißverständnis beruht, der dadurch entsteht, daß er im englischen Sprachraum großgeworden ist: während im idealistischen deutschen Sprachraum der Begriff „Wille“ (und selbst der „Geist“, also Blasbands „mind“ und „consciousness“!) eher mit den „irrationalen“ Trieben gleichgesetzt, sozusagen vom Solar plexus her interpretiert wurde (z.B. Schopenhauer und selbst Hegel, die ja beide zur Romantik gehörten), wird das gleiche Begriffsfeld im rationalistischen franko-englischen Sprachraum ganz hirnzentriert im Sinne von „willentlicher, gedanklicher Steuerung“ gebraucht. Wie deutsch doch die Orgonomie ist…

Die deutsche Bedeutung von „Wille“ erstreckt sich auch auf Hegels „Geist“, der dem „Orgon“ näher steht als dem englischen „mind“ oder selbst „spirit“. Wenn Reich also dem Orgon „Bewußtsein“ zuspricht, impliziert dies für Reich selbst etwas ganz anderes als für den englisch denkenden Blasband. Für Reich gehört es noch ganz zum triebhaften Unterbau in Übereinstimmung mit Freud und Marx. Nix mit „Neuem Bewußtsein“!

In „Zur Trieb-Energetik“ führte Reich 1923 aus, wie im Trieb Geistiges (Engramme) und Körperliches (Motorfunktion) untrennbar miteinander verbunden sind (Frühe Schriften, Köln 1977). Und in seinem Artikel „Orgonotic Pulsation“ von 1944 (Orgonomic Functionalism Summer 1991, S. 40f) widerspricht Reich der Meinung, daß man nur dem Menschen „Seelisches“ und die „Wahrnehmung“ zusprechen könne, vielmehr kann man aus biophysikalischer Sicht keine Grenze finden, bei der Wahrnehmung zur Pulsation hinzutreten würde. Da die Quantität einer biologischen Erregung mit der Qualität der Wahrnehmung korreliere, seien biologische Erregung und psychische Wahrnehmung funktionell identisch. Deshalb tauche mit der ersten plasmatischen Expansion und Kontraktion schon die Wahrnehmung auf. Auf der anderen Seite gäbe es keinen Hinweis darauf, daß auch die nichtpulsatile, nichtlebende Materie wahrnehme, ohne Pulsation gebe es keine Wahrnehmung – und umgekehrt.

Nach Konia („The Perceptual Function“, Journal of Orgonomy, 18(1), 1984) sind die beiden folgenden orgonotischen Formationen funktionell identisch:

  1. Entgegen der mechanistischen „Neuronenlehre“, in der das Neuron als „Schaltelement“ die kleinste funktionelle Einheit des Zentralen Nervensystems ist, gibt es in der Nervenzelle bestimmte „neuroplasmatische Flecken“, die Zentren orgonotischen Funktionierens sind. Dies entspricht den Bionen, die in der Orgonomie die Zellen als kleinste funktionelle Einheiten ersetzen. Spontan erzeugen diese „Flecken“ orgonotische Impulse und sind so die erste Stufe der Strukturalisierung der Wahrnehmungsfunktion der Orgonenergie, die in der Formation des Zentralen Nervensystems endet. Ebenso strukturieren sich auch Sinnesreize die zu energetischen Engrammen führen durch Änderungen in der neuronalen Eiweißsynthese und bestimmter Eigenschaften der neuronalen Zellmembranen und Synapsen.
  2. Der Medizinstudent Reich wurde von R.W. Semon beeinflußt, demzufolge Sinneseindrücke zu permanenten Veränderungen in den Nerven führen würden. Diese Engramme (Spuren) ermöglichen nach Semon die Assoziation und Erinnerung und sie gehen ins Erbgut ein. Alle Engramme zusammen bilden die Mneme, d.h. das biologische Gedächtnis. Konia geht nun davon aus, daß in den Zellen die Gene den „neuroplasmatischen Flecken“ entsprechende Zentren „plasmatischer ‚Erinnerung’“ bilden. Sie sind auch, auf einer primitiveren Ebene, Strukturalisierungen der orgonotischen Wahrnehmungsfunktion.

So sind neuroplasmatisches und genetisches Funktionieren in der Orgonenergie konfundiert. Dies zeigt sich auch darin, daß beide von ihr geordnet werden. Panzert sich z.B. das okulare Segent zu stark (z.B. bei Schizophrenie), wird der Orgonenergie-Metabolismus so schwer geschädigt, daß sich sowohl die psychischen Funktionen, als auch die Anatomie der Neuronen auflösen und Unordnung entsteht. Im Drogenrausch, der Meditation und in Reichianischen Therapien wird dies verbrecherischerweise hervorgerufen.

So werden unser „Geist“, unsere „neuroplasmatische Erinnerung“ und unsere Gene von der Orgonenergie erzeugt und bestimmt. Das Gehirn und das Erbrezept sind nicht die „Zentralregierung“, sondern das Protoplasma und die orgonotischen Funktionen sind das Bestimmende.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 23)

9. Januar 2022

Auf meiner Seite über Orgonenergie-Kontinuum und atomare Struktur wird der mechano-mystische Charakter der quantenmechanischen Theorien David Bohms freigelegt. In „esoterischen“ Kreisen wird er geradezu als Prophet des neuen Zeitalters vergöttert.

Worum es geht, zeigt folgende Stelle aus einer mittlerweile aus dem Netz verschwundenen Website:

Bohm meinte, daß ein wichtiger Grund, warum sich die Menschen dieses Planeten, hinsichtlich Rasse, Nationalität, Religion und all dem anderen, feindlich gegenüberstehen, in ihrer Tendenz begründet liegt, alles in Bruchstücken zu sehen. Weil der Mensch sich selbst und alles um ihn herum als unabhängig und sich selbst genügend betrachtet, wird er ich-zentriert und abwehrend; „… (…) Er ist unfähig, die Menschheit wirklich als die grundlegende Realität zu betrachten, deren Ansprüche an erster Stelle stehen.“ Bohm zufolge beginnt dieses Problem der Fragmentierung auf der Ebene des Eigeninteresses (…). Bohm errichtete seine kommunistische Utopie auf der unhaltbaren Annahme, daß das Universum eine perfekt geordnete mystische Ganzheit ist (…). Die meisten Wissenschaftler sind unbeeindruckt von Bohms Verweis auf eine primordiale universelle Harmonie, die sich abwechselnd verbirgt und offenbart. Sie sind sich der chaotischen Zufälligkeit vollkommen bewußt, die Bohm, in seiner Liebe für perfekte Ordnung, nicht wahrhaben wollte. Sie sehen in der Natur, wie Bohr und Heisenberg es getan haben, das Unscharfe und Unsichere; nicht das Werk eines (…) Gottes, der, wie in der mittelalterlichen Theologie, ein Schweizer Uhrmacher ist.

Ein hervorragendes Beispiel für die gängige Mischung aus faschistischem Mystizismus und kommunistischen „Mechanismus“, die eine Karikatur der Orgonomie darstellt.

Das „Neue Zeitalter“ ist ein klaustrophobischer Alptraum, in dem alles mit allem verbunden ist, alles Bedeutung hat und man buchstäblich nicht frei atmen kann. Kaum entdeckt der Mensch in der Quantenphysik, daß die Natur nicht mechanisch ist, sondern Freiheit herrscht, deutet er alles so, daß der Mechanismus noch getoppt wird. Und kaum wird die Orgonenergie entdeckt, um nicht nur dem Mechanismus, sondern auch dem Mystizismus den garauszumachen kommt – folgendes:

Vor mir liegt ein Werbeartikel aus einer Esoterikpostille. Es dreht sich um „Elektrosmog“ und „Chemtrails“, also um die Leiden hysterischer Frauen und paranoider Männer. Statt einen Psychiater zu konsultieren, sollen sie sich mit „Orgonite“ wappnen. „Pranakristalle“, das „Orgonschild“ und das „Pranalicht“ (bzw. die „Orgonlampe“) soll vor Elektrosmog schützen. Für großräumige Bereiche wurde die „Akasha-Säule“ entwickelt. Statt in Metern wird ihr Wirkradius in Kilometern angegeben, so daß auch „Chemtrails“ aufgelöst werden können.

Ebenfalls auf der Grundlage des Orgonites funktionieren die „Pranatropfen“, die in ihren unterschiedlichen Ausführungen bestimmten „Erzengeln“ zugeordnet werden: Uriel, Jophiel, Raphael, Chamuel, Michael, Zadkiel und Metatron sowie Elohim höchstpersönlich. Er spricht alle „Chakren“ gleichzeitig an! Daneben gibt es noch den Pranakristall Brahman, der ebenfalls alle Chakren betrifft. Die Pranakristalle sollen einen mit Orgonenergie erfüllten Raum erschaffen, „welcher Schutz vor Elektrosmog und negativen Gedanken schafft“. Das bereits erwähnte Orgonschild eignet sich speziell für Notebooks und neutralisiert das von ihnen ausgehende DOR. Es werde dabei vollständig in Orgon umgewandelt.

Im Vergleich dazu wirkt jeder katholische Sektierer vom Opus Dei aufgeklärt, frei und rational!

Trevor Constable war einer der Ersten, der diese Gedankenwelt vertreten hat, dieses okkult verstellte Lebensgefühl, in dem Reich mit dem verbunden wird, was Europäer für Hinduismus und Taoismus halten, und nicht zuletzt mit Rudolf Steiners Anthroposophie. Es wäre durchaus möglich gewesen, daß das heute die Orgonomie ist! Siehe dazu meine Besprechung von Constables Buch The Cosmic Pulse of Life. Wie vollkommen absurd das alles ist, wird deutlich, wenn man an Reichs Massenpsychologie des Faschismus erinnert.

Constable war Co-Autor u.a. der beiden folgenden militaristischen Bücher und ein großer Verherrlicher der Deutschen Luftwaffe: Das waren die deutschen Jagdfliegerasse 1939–1945 (Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1972) und Holt Hartmann vom Himmel! Die Geschichte des erfolgreichsten Jagdfliegers der Welt (Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1971). Was für eine merkwürdige Synthese von Schwärmereien über Rudel und Hartmann mit…

Der Wikipedia-Eintrag zu Constable meint dazu:

Die beiden Historiker Ronald M. Smelser und Edward J. Davies rechnen die kontextlose und heroisierende Darstellung Hartmanns durch Constable und Toliver zu den Versuchen der Romantisierung und nachträglichen Verbrüderung mit den „Helden“ der „Sauberen Wehrmacht“, die nun im Kontext des Kalten Krieges an der Seite ihrer westlichen Waffenbrüder erneut gegen die Gefahr aus dem Osten stünden. Durch die fehlenden Quellenangaben und den Einfluß der dargestellten Offiziere auf die Präsentation seien diese Werke keine geschichtswissenschaftlichen Darstellungen, sondern Ausdruck von Popkultur.

Weiter im Gruselkabinett:

Das erste Mal traf ich auf den angeblichen „UFO-Kontakler“ Billy Meier über eine Bekannte, die mir ganz begeistert erzählte, daß 1963 bei Jerusalem ein verschollenes Evangelium von Jesus entdeckt worden sei, das ganz mit Reichs Auffassung der Jesus-Geschichte harmoniere, der Talmud Jmmanuel. Demnach habe, so meine Bekannte, Jesus nicht gesagt, daß den geistig Armen das Himmelreich gehöre, sondern den Wissenden. Ich wußte sofort, daß es sich nur um eine plumpe Fälschung handeln könne, denn in der revidierten Fassung macht Jesus‘ Aussage überhaupt keinen Sinn mehr. „Die Ersten werden die Ersten sein!“ – Meier, der diesen „Talmud“ veröffentlicht hatte, war für mich innerhalb von Sekunden erledigt. Übrigens ist dieses Machwerk antisemitisch: man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte.

Später sah ich dann Meiers dilettantisch gemachten UFO-Photos und -Filme. Das einzige, was mich kurz pausieren ließ, waren Photos über seine angebliche Zeitreise 65 Millionen Jahre zurück zu den Dinosauriern, die seine außerirdischen Freunde mit ihm unternommen hatten. Insbesondere ein Flugsaurier sah erstaunlich realistisch aus. Wie sollte er das gefälscht haben? Noch überzeugender war ein Photo einer Raumfahrerin von den Plejaden. Die Frau war wirklich von überirdischer Schönheit und sah merkwürdig „humanoid“ aus. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man so ein Photo als Schweizer Bergbauer herstellen kann!

Schließlich stolperte ich im Internet über die denkbar einfache Lösung: die Dinosaurier hat er mit einer Polaroid-Kamera aus einem bekannten Bildband über die Urzeit aufgenommen.

flugenten

Und die Untertassen-Arierin „Asket“ war Tänzerin in einer amerikanischen Fernsehshow mit Dean Martin! Meier hatte sie vom Bildschirm abphotographiert!

asket

Wozu der ganze Betrug? Meier will seine krude New Age-Philosophie verbreiten, indem er sie Jesus und außerirdischen Blondinen in den Mund legt. Er möchte gerne, geltungssüchtig wie er ist, als Prophet einer Gemeinde vorstehen. Tatsächlich gehören zu seinen gläubigen Anhängern sogar renommierte Universitätsprofessoren, die den Talmud Jmmanuel zu ihrer neuen Bibel erkoren haben und ganze Abhandlungen darüber schreiben.

Ich erwähne Meier als Muster, um den Fall Nikolai Levashov besser einordnen zu können. Der russische „Geistheiler“ Levashov zählt sogar einst führende Orgonomen zu seiner Anhängerschaft. Ich habe bereits meiner positive Erfahrung mit der „Geistheilung“ erwähnt, die Levashov praktiziert und lehrt. Als ich dem Levashov-Schüler, Richard Blasband, damals vor 30 Jahren sagte, daß mich das, was er da mache, an den „Mesmerismus“ erinnert, wie ihn Jerome Eden praktiziert hat, reagierte er sichtlich verärgert. Es ginge gar nicht primär um die Beeinflussung des Energiefeldes des Patienten durch das Energiefeld des Therapeuten, sondern um the mind, den vom Körper unabhängigen „Geist“, der durch „gerichtete Intention“ wirksam wird. Überhaupt: durch Erzählungen erfuhr ich, daß Levashov-Anhänger extrem empfindlich reagierten, wenn man gegenüber dieser „Neuerung“ skeptisch blieb und die Orgonomie partout nicht „spirituell“ ergänzen wollte.

Es ging darum, den „orgonomischen Dogmatismus“ aufzugeben, offen und „wissenschaftlich“ zu sein – und die Philosophie von Levashov anzuerkennen, in der der körperlose „unsterbliche Geist“ des Menschen eine zentrale Rolle spielt. Die angebliche „Geistheilung“ war nur ein Vehikel für die Verbreitung eines obskurantistischen Weltbildes, das teilweise faschistoide Züge trägt.

Mir wurde erzählt, was Levashov doch für eine beeindruckende Persönlichkeit sei („beeindruckender als Reich!“); ein echtes Wunderwesen und wissenschaftliches Genie mit einer bezwingenden persönlichen Aura. Um so enttäuschter war ich, als ich schließlich auf seiner Website Photos von ihm sah. Eine ausgesprochen unförmige und unsympathische Erscheinung mit null Charisma. Seine geschmacklosen Gemälde. Und all der pseudo-esoterische Unsinn und die Verschwörungstheorien, wie die einstige spirituelle Weltmacht Rußland, im Laufe der Geschichte ihre Vorherrschaft verlor, weil der spirituelle Schutzschirm, der das Reich umgab, brüchig wurde.

Ein einheitliches Psi-Feld des Reiches, das durch hochstehende Volkhvs mittels Pyramiden aufrechterhalten wurde, wurde nach der Zerstörung der Tempelstadt Asgard-Iryisky von Horden von Dschungaren, die die „kleine“ Hilfe schwarzer Magier benutzten, deutlich geschwächt.

Das erinnert alles fatal an Tolkiens Der Herr der Ringe! Absolut gruselig. Etwa das gleich Niveau, auch inhaltlich, wie L. Ron Hubbard und seine „Scientology“. Schlimmer!

Den zweiten Teil seiner Autobiographie bewirbt er mit folgendem Auszug:

Geboren in der UdSSR und in diesem Land dreißig Jahre lang vor meiner Abreise in die USA gelebt habend, war ich ganz sicher, daß das sozialistische Regime eine Schöpfung sozialer Parasiten war mit dem Ziel, den besten Teil der Nation zu zerstören – die starken Menschen, wie sie in der Thora und im Alten Testament genannt wurden – um das Rückgrat der Nation zu brechen und die Übriggebliebenen in Sklaven zu verwandeln… […] Ich möchte darauf hinweisen, daß ich auch in den USA keinerlei Freiheit gefunden habe! Im Gegenteil, ich sah ein weiteres parasitäres System, wo die Menschen zu Sklaven umgewandelt wurden, während sie sich selbst als frei betrachteten…

Soziale Parasiten haben sowohl das sowjetische als auch das amerikanische System geschaffen, um den besten Teil der Nation zu zerstören und so die Nation zu vernichten. „Die starken Menschen, wie sie in der Thora und dem Alten Testament genannt werden“ –, werden von „sozialen Parasiten“ zerstört. Erinnert Sie das an etwas? Etwa an ideologische Versatzstücke des Nationalsozialismus?

Aber zurück zu seiner Arbeit über die Historie Rußlands:

Der Inhalt dieses Buches entspricht den slawisch-arischen Veden und archäologischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte, die durch die „Einwände“ der „echten“ Historiker vollkommen zur Seite gewischt wurden. In gewisser Weise sind sie „im Recht“. Das Wort „Historie“ hat seinen Ursprung in einer Zusammenführung der beiden Wörter „von + Thora“, das bedeutet „Geschichten aus der Vergangenheit des jüdischen Volkes“. Tatsächlich hat das Buch von Veles nichts zu tun mit der Geschichte des jüdischen Volkes, einfach weil es die Vergangenheit des russischen Volkes widergibt. Aber ich sehe persönlich keinerlei Problem in ihm, da es keinen Versuch unternimmt, die Geschichte der Jüdischen zu verzerren oder die irgendeines anderen Volkes. Dieses Buch beschreibt die Vergangenheit der Slawen. Jetzt haben wir eine sehr interessante Situation: Juden haben das Recht, ihre Vergangenheit, ihre Geschichte wie alle anderen Menschen zu haben, außer uns, den Slawen, die ihre Vergangenheit nicht haben dürfen, zumal es eine große ist.

Wie die Juden eine eigene Geschichte haben, stehe den Russen auch eine (nicht-jüdische) Geschichte zu. Übrigens ist die in diesem Zusammenhang von Levashov präsentierte Etymologie gröbster Unfug. „History“ (bzw. russisch история = istorija) kommt vom griechischen Wort historia, das so viel wie „Wissen durch Ergründen“ bedeutet. Und mal ganz abgesehen von der Etymologie: Daß die Russen ein griechisches Fremdwort benutzen, weil es in ihrer eigenen Sprache für „Geschichte“ keines gibt, zeigt doch, daß sie keine Geschichtsschreibung kannten. Wie bei Billy Meier: allein schon wegen dieses erbarmungswürdigen Dilettantismus war für mich dieser Mann sehr bald gestorben. Daß er offensichtlich ein Antisemit zu sein scheint, macht das ganze nur noch schlimmer. (Woran erkennt man einen Antisemiten? Er ist vom Thema „Juden“ besessen und erwähnt es in den unmöglichsten Zusammenhängen. In diesem Fall wird zwanghaft die „Thora“ erwähnt.)

Der eine erfindet Kontakte zu den „Plejaden“, der andere beeindruckt sein Umfeld mit „Mesmerismus“ – um als Prophet, der das Schicksal des Planeten in den Händen trägt, auftreten zu können. Levashovs erstes Buch ist betitelt The Final Appeal to Mankind. Seine Anhänger insinuieren, sein Geist (mit anderen Worten: er) käme von einem anderen Planeten, um die Menschheit zu retten.

Es ist verblüffend, wie leicht man doch aus seinem Gleichgewicht gerissen werden kann. Wie leicht ich doch aus dem Konzept zu bringen bin. Je kruder der Betrug, desto überzeugender. Meiers, na ja, „aufwendige“ UFO-Photos konnten mir nur ein müdes Lächeln entlocken, aber aus Büchern bzw. vom Fernsehschirm abphotographierte Bilder haben mich verunsichert! Hätte Levashov nicht den Fehler gemacht, eine geschmacklose „slavo-arische“ Internetseite zu kreieren, wäre ich wohl heute noch unsicher, ob nicht vielleicht doch etwas dran ist an seinem letzten Weckruf an die Menschheit.

Es liegt mir durchaus fern, Meier und Levashov (pseudo-) rationalistisch abbügeln zu wollen! Wer meine Blogeinträge verfolgt hat, weiß, daß ich durchaus offen bin für Dinge, die von anderen schon vom Tisch gewischt werden, bevor sie sie überhaupt angesehen haben. Ich glaube gerne, daß Meier und Levashov über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen und in ihrem Umfeld Dinge geschehen, die „unerklärlich“ bleiben. Es ist nur immer eine Frage, wo die Quelle dieser Kräfte ist. Nehmen wir dazu ein letztes Beispiel: Benjamin Creme und seine Verkündigung des „Weltenheilandes“ Maitreya, dessen Kommen von gigantischen UFOs angekündigt werden wird.

Creme wurde von dem amerikanischen Journalisten George Noory interviewt. Noory hatte schon mehr als 5000 derartige lange Interviews über „esoterische Fragen“ hinter sich gebracht, fühlte sich aber nach dem Interview mit Creme erstmals so schlecht, daß er befürchtete in Ohnmacht zu fallen, wenn er mit dem Gespräch fortfahre. Es sei das seltsamste und unheimlichste Gefühl, das er je in seinem Leben verspürt habe. Gleichzeitig berichteten Hunderte von Zuhörern der in den USA sehr populären Radiosendung Coast to Coast, daß sie sich nach der Sendung krank gefühlt hätten. Es war, als wäre der Antichrist aus den Pforten der Hölle geschritten…

Orgonometrie (Teil 1): Kapitel VII.4.f.

1. September 2015

orgonometrieteil12

VII. Die Lebensenergie (Orgon) in der Schulphysik

1. Die mathematischen Grundlagen der Schulphysik

a. Algebra

b. Differenzieren

c. Integrieren

d. Vektoren

2. Körper in Bewegung

a. Masse

b. Jenseits der Masse

c. Himmelsmechanik

d. Die Kreiselwelle

e. Kosmische Überlagerung

3. Der Orgonenergie-Akkumulator

a. Die Kreiselwelle (Schwingungen und Wellen)

b. Wellen im Orgonenergie-Medium

c. Von der Thermodynamik zum Orgonenergie-Akkumulator

d. Von der Elektrostatik zum Orgonenergie-Akkumulator

e. Elektrotechnik

f. Orgontechnik

4. Kosmogonie

a. Gravitation im Funktionsbereich „Bewegung“

b. Gravitation im Funktionsbereich „Erstrahlung“

c. Quantenmechanik

d. Spezielle Relativitätstheorie

e. Allgemeine Relativitätstheorie

f. Funktionalismus