[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Die gesamte pseudoliberale (rotfaschistische) Verschwörung gegen Reich, mit ihrer Trinität aus Szientismus, Marxismus und Freudismus, läßt sich im Signum „LSR“ zusammenfassen. Man denke nur an LaMettries Kampf gegen den gefühlstoten „Automatenmenschen“ Albrecht von Haller, der als Vivisektor bekannt wurde – gleichzeitig war er ein tiefgläubiger Mensch. Umgekehrt machte er LaMettrie zum „Opfer eines gewaltigen Rezeptionsmißverständnisses“: er, LaMettrie, wäre DER Vertreter des mechanistischen Menschenbildes (Ursula Jauch: Jenseits der Maschine, S. 283).
Wie Reich landete LaMettrie im Niemandsland: er sei unwissenschaftlich und gleichzeitig antihumanistisch, während man selbst mit der mechanistischen Wissenschaft sowohl die Umwelt als auch den Menschen verfehlt und beide vernichtet. Der Szientismus (auch gerade der, der einer überweltlichen Seele noch Platz läßt) ist nichts anderes als Emotionelle Pest.
Stirners „Haller“ war Marx, der mit seiner Forderung nach Selbstregulierung buchstäblich durch „Enteignung“ fertigwurde: das Selbst wurde zur bloßen Schnittstelle gesellschaftlicher Kräfte, deren freies Walten durch den widerständigen „Eigner“ nur behindert wird. Der Stalinismus („roter Faschismus“) war eine notwendige Folge dieser Bewältigung der Stirnerschen Anthropologie. Entsprechend haben alle, wirklich alle, Marxisten instinktiv allergisch auf Reich reagiert und, in enger Kooperation mit den Szientisten und Psychoanalytikern, alles getan, um ihn zu sequestrieren.
Laskas Hauptanliegen war es stets, den grundlegenden Gegensatz von Freud und Reich herauszuarbeiten, den Freud selbst schon früh erkannt hat, während Reich weitgehend blind für ihn war, obwohl die Ablehnung von Seiten seiner psychoanalytischen „Kollegen“ im Laufe der Zeit immer intensiver wurde. Freud hat zwar das Über-Ich entdeckt bzw. den Begriff geprägt, aber stets die logische Konsequenz abgelehnt. Statt „Wo Über-Ich ist, soll Ich sein!“ war sein Diktum „Wo Es ist, soll Ich sein!“, mit anderen Worten, das Ich sollte an die Stelle der Gesellschaft treten und von sich aus, aus eigener Einsicht in die Notwendigkeit und eigenem Antrieb heraus die Triebe unterdrücken. Auf diese Weise macht das Ich das Über-Ich überflüssig… Das ist imgrunde genau die gleiche Dialektik, die die Marxisten zu Todfeinden Reichs machte.
Auf den einfachsten Nenner gebracht, ist der Szientist, der Marxist und der Psychoanalytiker jeweils von seinen Gefühlen abgetrennt und geht mit viehischem Haß gegen jeden vor, der diese Mauer einzureißen droht. Es droht eine verheerende innere Überflutung! Reichs Schicksal war, daß er der ultimative Mauereinreißer war.
Von Reichs Schülern in Wien, Berlin, Kopenhagen und Oslo hatte keiner einen größeren Einfluß auf die Geschichte der Orgonomie. Unter Reichs Schülern in New York City bzw. auf Orgonon, Rangeley, Maine ist nur Elsworth F. Baker hervorgetreten bzw. er war der einzige, der ungebrochen weitergemacht hat. Seinerseits ist von Bakers frühen Schülern nur Charles Konia übriggeblieben, der heutige Spiritus rector des American College of Orgonomy und dessen Ausbildungsleiter: Reich (und Wolfe) bis 1949, Baker bis 1986, Konia bis heute.
Diese drei waren die einzigen unter den medizinischen Orgonomen, die sich konsequent und langanhaltend mit dem wichtigsten Thema beschäftigt haben, der Emotionellen Pest. „Emotionelle Pest“ ist eine Art Zusatz zur normalen Neurose: die störende Erregung wird nicht einfach verdrängt, sondern aktiv aus der Umwelt verbannt. Spielende Kinder und Liebespaare und Montagsspaziergänger werden zur Räson gebracht. Der einfache Neurotiker leidet einfach still vor sich hin, während der Pestkranke sich ungefähr so verhält wie die Antifa heute, wenn man sie zur Rede stellt: „Verpißt euch!“ Diese Leute können das Lebendige und etwa rationale Diskussionen, d.h. bioenergetische Spannung, einfach nicht ertragen und versuchen sie darum zu ersticken.
Der einfache Neurotiker nimmt die Pest einfach hin, will nicht von ihr Reden und schlichtweg seine Ruhe haben. Es ist seine Todesangst vor starker bioenergetischer Erregung von der die Emotionelle Pest lebt. Sie lebt davon, daß die Sauerei aufrechterhalten wird. Das eigentliche Biotop der Pest bilden dabei die „liberalen“ Leisetreter. Im Editorial zum Journal of Orgonomy (Vol. 11, No. 2) vom November 1977 unterscheidet Baker zwischen jenen, die „unabhängig von ihrer eigenen emotionalen Gesundheit oder deren Fehlen ein Konzept und ein Gefühl dafür bewahrt haben, was natürliche Gesundheit sein sollte, und denjenigen, die dieses Konzept verloren haben und die Gesellschaft und ihre aktuellen Sitten als den notwendigen Leitfaden für das Wohlergehen des Menschen akzeptieren“.
Alle jene, die sich gegen Reichs „Dogmatismus“ wehrten und sich heute gegen den „Dogmatismus“ des American College of Orgonomy wehren, gehören eindeutig in diese Gruppe der Anpasser: „man muß sich der Gesellschaft, dem wissenschaftlichen und sozialen Konsens anpassen, liberaler sein“.
Nur keine Wellen schlagen, nur nicht auf sich aufmerksam machen, ja keine Spannungen aufkommen lassen. (So beschreibt Reich die Psychoanalytiker der 1920er Jahre in Reich Speaks of Freud.) Am Ende hat dann die Pest zwar tatsächlich jedes Interesse an der Orgonomie verloren, aber das nur, weil diese mittlerweile ununterscheidbar vom neurotischen Mainstream geworden ist. Die Anpasser haben das Werk der Emotionellen Pest vollendet.
Das hat eine direkte Entsprechung in der Geschichte der Psychoanalyse, als Reich der einzige war, der sich kompromißlos gegen die Nazipest stellte. Die Anpaßler, allen voran Freud selbst, leisteten der vollständigen Eingliederung der Psychoanalyse in das „Göring-Institut“ (Deutsches Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie) Vorschub – der kompletten Gleichschaltung. Danach hat sich die Psychoanalyse genauso rückgratlos der „Demokratisierung“ angepaßt und neuerdings der Political Correctness. Es geht immer darum, den gesellschaftspolitischen Folgen der eigenen Erkenntnis auszuweichen, was schließlich unausweichlich auf die eigene Theoriebildung rückwirkt: die besagten Erkenntnisse lösen sich dann mehr oder weniger schnell in nichts auf. In einem wohlverstandenen Sinne kann es keine „unpolitische Wissenschaft“ geben!
Reichs in Reich Speaks of Freud veröffentlichtem Interview mit Kurt Eissler 1952 hat zwei Fragen offengelassen: das Verhältnis von Moses und Jesus wie Reich es sah und warum, Reich zufolge, das Judentum nicht so „kosmisch“ ist wie das Christentum. Die erste offene Frage (Eissler sollte nachfragen, hat das aber unterlassen) habe ich in Teil 2 beantwortet: Moses befreite vom äußeren Pharao; Jesus, als eine Art „Max Stirner“, befreite vom „inneren Pharao“. Darum, und um nichts anderes, ging es in der Auseinandersetzung zwischen dem „Juden Freud“ und dem ausdrücklichen „Nichtjuden Reich“.
Die zweite Frage dreht sich um den Kern der Kabbala selbst: Jesus ist die leibliche Verkörperung des ungeschaffenen Logos, der die Welt erschaffen hat und durchgehend durchwirkt. Damit löst sich auch die eine Frage, die vielleicht die überaus meisten Menschen davon abhält, sich zum Christentum zu bekennen. Wenn Jesus der eine und einzige Weg zu Gott ist, was ist dann mit den Menschen, die nie von Jesus gehört haben, weil sie vor ihm lebten oder auf fernen Kontinenten? Jesus ist identisch mit dem Logos, der für ausnahmslos alle Menschen zugänglich ist, wenn sie um und wenn sie in sich blicken. Ihm zu folgen, das heißt dem Naturgesetz und der inneren Stimme, bedeutet Jesus zu folgen: Secundum naturam bedeutet Jesus zu folgen!
Liest man die Evangelien, dreht sich praktisch alles um Jesu Auseinandersetzung mit den Pharisäern, also jener jüdischen Sekte, die, neben den Christen, als einzige die Zerstörung Jerusalems überlebt hat und heute in Gestalt des talmudischen Judentums weiterlebt. Dabei geht es um die Person Jesu, der selbst Pharisäer war, und um seine Haltung zum jüdischen Gesetz. Jesus erregt Anstoß, weil er auf seine innere Stimme hört und weil er das jüdische Gesetz naturrechtlich, also abweichend vom Wortlaut interpretiert. Man muß unwillkürlich an Reichs Verhalten vor Gericht 1956 denken! Sozusagen: „Ja, ich habe das Gesetz gebrochen, aber seinen Sinngehalt erfüllt, während ihr mit eurem Tun diesen Sinngehalt tagtäglich mit Füßen tritt.“ Man denke etwa an die zutiefst gotteslästerlichen religiösen Institute in Israel, die immer neue Gerätschaften entwickeln, mit denen man die Sabbatruhe umgehen kann, ohne selbst eine Hand zu rühren bzw. einen Schritt zu tun. Der berühmte „jüdische Witz“…
„Jude“, im Sinne von „Pharisäer“, zu sein, bedeutet sich dem Logos zu entziehen. Und genau das war die tiefste Schicht der Auseinandersetzung zwischen Reich und den anderen Psychoanalytikern. Obwohl sie selbst die Libidotheorie und die Lehre vom Unbewußten entwickelt hatten, weigerten sie sich beharrlich die Konsequenzen daraus zu ziehen, d.h. die Orgasmustheorie und die Charakteranalyse und ihre konsequente Weiterentwicklung zur sexualökonomischen Lebensforschung und zur charakteranalytischen Vegetotherapie mitzumachen, stattdessen verstrickten sie sich immer mehr in quasi-kabbalistische Theorien über Myriaden von „Partialstrebungen“ und „ich-psychologischen“ Überlegungen. Für den Logos waren sie nicht nur blind, sondern taten alles, um ihn wieder und wieder ans Kreuz zu nageln.
Man mag einwenden, ob sich nicht die Kabbala, wie bereits erwähnt, genau mit dem „Wort Gottes“ beschäftigt und es zu entschlüsseln trachtet? Dazu mehr in Teil 4.
Es gilt nicht etwa LaMettrie von der Französische Aufklärung her zu verstehen, sondern umgekehrt sind die Aufklärer, insbesondere Rousseau, dessen Einfluß bis heute gar nicht überschätzt werden kann, nur von LaMettrie her einem Begreifen zugänglich. Rousseau verdankte LaMettrie seinen gesamten revolutionären Impuls. Dieser Kern hat die Massen bewegt und gleichzeitig wurde er von Rousseau ins Gegenteil verkehrt. „Der Mensch ist gut“ und „Folge der Natur“, wurde in einen Moralterror und eine Verlogenheit umgekehrt, der bzw. die heute etwa Die Grünen umtreibt. Kinder werden indoktriniert und „gemainstreamt“ (gleichgeschaltet) und die Natur im Namen der „Natürlichkeit“ auf allen denkbaren Ebenen und in jeder denkbaren Weise Gewalt angetan.
Ähnlich ist es mit Stirner und seinen beiden „Überwindern“ Marx und Nietzsche bestellt. Erstens kann man die beiden nur von Stirner her verstehen, statt umgekehrt – wie es bis heute zu 100% versucht wurde. Genauso wie Rousseau vor ihnen haben sie die befreiende Botschaft, die ihren Philosophien erst Leben und Massenwirksamkeit einflößte, jeweils in einem wohlklingenden Wortschwall mundgerecht gemacht, verwässert und schließlich erstickt. Und zweitens haben sie sie ins genaue Gegenteil verkehrt. Der Eigner seiner selbst wird bei ihnen zu etwas, was überwunden werden muß, weil er ein „Kleinbürger“ ist! Er ist, wie bei Rousseau und Marx zu „vergesellschaften“ bzw., wie bei Rousseau und Nietzsche, muß er einer „harten Zucht“ unterzogen werden.
Bei „Vergesellschaften“ und „harter Zucht“ ließe sich auch an Hegel denken. Auch den kann man nur von Stirner her verstehen, statt umgekehrt. Aber ist das nicht sachlicher und vor allem chronologischer Unsinn, ist doch Stirner von Hegel ausgegangen? Es geht hier darum, was Hegel aus dem aufklärerischen Grundimpuls („der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“) gemacht hat: züchtigt die Kinder, auf daß sie sich dem Weltgeist anpassen!
Und genau so ist auch das Verhältnis von Freud und Reich zu verstehen: Man kann Freud nur von Reich her verstehen, egal wie widersinnig das auch auf den ersten Blick erscheinen mag! Freud hatte an die Grundlagen der Sexualverdrängung gerührt, nur um im Anschluß jeden Psychoanalytiker, der es wagte, aus der Libidotheorie die logische Konsequenz zu ziehen, nämlich Sandor Ferenczi (der seinen Vorstoß zurücknahm und sich Freud anpaßte), Otto Gross und schließlich Wilhelm Reich, umgehend mundtot zu machen. Warum und wie Freud den aufklärerischen Impuls, der ihn erst berühmt gemacht hatte, verriet und ins Gegenteil kehrte, kann man nur von Reich her verstehen.
Die, die heute Reich zu vertreten vorgeben, entlarven sich selbst, wenn sie sich auf Geistesgrößen wie Marx, Nietzsche und Freud berufen. Der Marxismus entstand als verzweifelter Versuch, die Stimme der persönlichen und gesellschaftlichen Selbstregulation zum Schweigen zu bringen und schließlich ganz zu ersticken. Nietzsche wurde einzig und allein deshalb berühmt, weil er eine Möglichkeit anbot, den sich befreienden Lebensimpuls durch hochneurotisches Geschwafel zu ersticken. Anhand von Heidegger kann man heute ungefähr nachvollziehen, wie genau das aussah. Es ist ähnlich wie bei Freud, der es verstand die sich individuell und gesellschaftliche befreiende Genitalität in einem „prägenitalen“ Psychogelaber zu ersticken. Die heutige Entsprechung wären beispielsweise Figuren wie Derrida und Foucault. Schau dir konkret einen beliebigen Marxologen, Nietzscheaner, Psychoanalytiker oder heutigen „Geisteswissenschaftler“ an und du hast plastisch vor Augen, was ich hier zu sagen versuche! Das Lebendige wird diese mediokren Schwafler hinwegfegen wie ekelhafte schwarze Schlacke im Hamburger Hafen: