Posts Tagged ‘Wilhelm Reich’

Diskussionsforum 2010: eine Nachlese (Teil 1)

27. Februar 2015

Zunächst einmal hat Robert auf folgende Quellen hingewiesen. Ein neuer Hinweis auf sie lohnt sich allemal!

Auf einen Hinweis durch Andreas Peglau hin zitierte Robert aus dem Handbuch der Judenfrage, Theodor Fritsch, Hammer-Verlag, Leipzig, 1944, S. 248:

Aber die Psychoanalytiker sind noch nicht die schlimmsten. Weit übler ist, was sich um Magnus Hirschfeld, den Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft, um Herrn Marcuse und Konsorten scharte.

Hier wurde, davon kann man überzeugt sein, ganz bewußt darauf hingearbeitet, die deutsche Seele zu zerstören.

Hier fanden sich die wissenschaftlichen Verteidiger der Homosexualität, ja der widernatürlichen geschlechtlichen Betätigung mit Tieren. Hier wurde die Aufhebung des §175 gefordert, weil die Homosexualität nicht als Entartung, sondern als natürliche Abart des Geschlechtstriebes aufzufassen dem Menschen angeboren sei (J. Meißner). Gewiß ist auch uns bekannt, daß in vielen Fällen die gleichgeschlechtliche Einstellung angeboren ist; wir wissen aber auch, daß in sehr vielen anderen Fällen erst die Verführung den jungen Menschen zum Homosexuellen macht. Wir wissen, daß die alten Kulturvölker ihrem Untergang entgegengingen, als die Knabenliebe in ihnen einen breiteren Raum einnahm, und wir müssen uns dafür einsetzen, daß die Seuche zurückgedämmt wird und sich nicht auch bei uns noch weiter ausbreitet. – Wenn ferner Magnus Hirschfeld in einer vom sozialistischen Schülerbund in das Kölnische Gymnasium einberufenen Versammlung 1928 vor Schülern und Schülerinnen vom 12. Jahre an sagte: „Ein natürlicher Geschlechtsverkehr der Jugend sei, wenn kein Zwang auf den anderen ausgeübt werde, keine Sünde und nichts Unehrenhaftes“, wenn die Herren Dr. Töplitz und Reich sich in ähnlichem Sinne äußerten, nun, so kann man sich nur wundern, wenn die Eltern der Kinder sich solche „Aufklärungen“ gefallen ließen, kann man sich nur wundern, daß sich nicht einmal ein Vater fand, der dem Herrn Magnus Hirschfeld mit der Reitpeitsche zeigte, wo der Weg für ihn war.

Außerdem zitiert Robert aus Gregor Schöllgen: Willy Brandt. Die Biographie, Berlin – München 2001, Propyläen Verlag, S. 16f:

Schließlich hat er Perspektiven: politische – die Fortsetzung der SAP-Arbeit in Oslo – und persönliche. Im Sommer 1933 folgt ihm, wie vereinbart, seine neunzehnjährige Freundin Gertrud Meyer, genannt „Trudel“, nach Oslo, nachdem sie in Lübeck vorübergehend in Haft gewesen ist.

Die beiden ziehen zusammen, wohnen zunächst möbliert, können sich aber bald eine eigene Unterkunft leisten. Es ist die erste eigene Wohnung des inzwischen einundzwanzigjährigen Willy Brandt, und Gertrud Meyer ist die erste von vier Frauen, mit denen er zusammenleben wird.

Verheiratet sind die beiden nicht; allerdings gelten sie in Oslo als Ehepaar. Tatsächlich geht Gertrud im Februar 1936 eine Scheinehe mit dem norwegischen Studenten Gunnar Gaasland ein, um in den Besitz der norwegischen Staatsbürgerschaft zu kommen und so vergleichsweise unbehelligt Kurierdienste nach Deutschland durchführen zu können.

Willy Brandt und Gertrud Meyer-Gaasland leben bis ins Frühjahr 1939 zusammen. Dann geht Gertrud nach New York. Nach eigenem Bekunden tut sie diesen Schritt, um den Psychoanalytiker Wilhelm Reich zu begleiten, dessen Sekretärin und Mitarbeiterin sie in Oslo ist. Vermutlich ist sie durch die Erkenntnis, Brandt nicht dauerhaft an sich binden zu können, in ihrem Entschluß bestärkt worden. Zum ersten Mal im Leben des Willy Brandt geht damit die langjährige Beziehung zu einer Frau in die Brüche.

Wilhelm Reich – „rötliches Gesicht, graue Haare, stechender Blick, bezwingende Sprache“, so Brandt später – ist 1934 über Dänemark nach Norwegen gekommen. Gertruds Arbeit bringt es mit sich, daß Reich und Brandt zeitweilig einen recht intensiven Umgang pflegen. Reich hat 1933 das unter Insidern vielbeachtete Buch Die Massenpsychologie des Faschismus vorgelegt. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit, in gewisser Weise auch im Mittelpunkt dieses Buches steht die Rolle der Sexualität im gesellschaftlichen Leben. In der Theorie hat sich Willy Brandt bislang allenfalls am Rande mit diesem Thema beschäftigt: Neben August Bebels Die Frau und der Sozialismus hat das Erfolgsbuch des Schweizer Arztes Auguste Forel über Die sexuelle Frage zur bescheidenen Lübecker Bibliothek der Frahms gehört. Die Gespräche mit Reich eröffnen dem jungen Sozialisten „einen gewissen Zugang“ zur „Seelenforschung“, und Brandt beginnt zu begreifen, daß Freud und seine Schüler „Türen zu Bereichen“ aufstoßen, die „man früher als Dunkelkammer der Seele“ gefürchtet habe.

Überhaupt ist das skandinavische Klima für die offene Behandlung solcher Themen günstiger als das deutsche. So gibt eine Gruppe Mediziner aus der Organisation „Mot Dag“ („Dem Tag entgegen“) eine Zeitschrift für sexuelle Aufklärung heraus. In den Diskussionen dieser Gruppe, aber auch in den Gesprächen mit Reich, stellt Willy Brandt erstmals fest, „wie in einer politischen Gemeinschaft sadistische Neigungen sublimiert ausgelebt und masochistische Bedürfnisse anderer befriedigt werden können. Diese psychischen Mechanismen verdienten, offener dargelegt zu werden.

Sexuelle Verklemmtheit scheint für begabte Hasser und Intriganten zu sorgen: Politik als Ersatzliebe tarnt sich nicht selten als selbstlose Unbedingtheit.“ Und Brandt lernt damals verstehen, wie er sich 1982 erinnert, „daß der Nazismus und verwandte Herrschaftsformen in der Tat auch von sexuellen Repressionen bestimmt“ sind.

Robert verwies auch auf Manilowski: „Wer Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral gelesen hat, weiß, daß Reich sich zu großen Teilen auf den polnisch-englischen Ethnologen Bronislaw Malinowski bezieht. Es gibt neuerdings eine BBC-Serie genannt Tales from the Jungle, in der auch Malinowski behandelt wird.“

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=f22VsAlOwbc%5D

Und dazu auf Guido Sprenger: Erotik und Kultur in Melanesien – Eine kritische Analyse von Malinowskis „The Sexual Life of Savages“, Lit Verlag, Hamburg 1997. Robert:

Als Magisterarbeit gedacht, will Sprenger mit Hilfe von Foucaults Dekonstruktivismus Malinowski kritisch hinterfragen.

Es zeigt sich im Laufe seiner Ausführungen, daß sein Ziel gründlich mißlungen ist, weil die Theorien Foucaults keine brauchbaren Ansätze bilden, um in der Ethnologie Kulturen zu erklären.

Sprenger stellt zuerst fest, daß die Sexualität und Erotik in der Ethnologie ein Schattendasein bilden und bietet an, eine eigene Definition zu generieren.

Wilhelm Reichs Buch Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral hat er offenbar nicht gelesen, lediglich ein abwertendes Zitat ist er ihm Wert:

Was die Rezeption von Malinowski außerhalb der Ethnologie angeht, so zeigt sich an ihr wiederum die Brisanz des Themas. Nicht nur erhielten die Trobriander bis in die heutige Zeit das Image der Inseln der Freien Liebe – Malinowskis Aussagen über die Liebesbeziehungen wurden auf bezeichnenderweise Weise falsch gelesen. Ein erhellendes Beispiel ist die Rezeption durch Wilhelm Reich in seinem Buch Invasion of compulsory sex-morality. Der Psychoanalytiker vermochte nicht zu differenzieren zwischen einem Fehlen des Verbots vorehelichen Geschlechtsverkehrs – und nichts anderes hat Malinowski beschrieben – und einer völligen Regellosigkeit in Sachen Sex. Seine Vorstellungen von der strengen Kontrolle, die Kultur über Sexualität ausübt, ermöglichten ihm nur eine Alternative: das Aussetzen eines für den Westen seiner Zeit zentralen Verbotes wurde gleichbedeutend mit dem Aussetzen jedes Gesetzes (Senft 1995a: 485-487). Diese Mißverständnisse sind charakteristisch für zahlreiche spätere Rezipienten, die in die Trobriander ein Gegenmodell ihrer eigenen, als sexuell restriktiv empfundenen Kultur hineinprojizierten. (S. 31) [Senft 1995a = Gunter Senft, „Noble Savages“ and the „Islands of Love“: Trobriand Islanders in popular publications“. In: C. Baak [e.a.] (eds.): Tales from a concave world, Liber Americon Bert Voorhoeve, Leiden, S. 480-510]

Es ist relativ leicht zu verstehen, warum Sprenger Reich dermaßen behandeln muß. Während Reich eine Erforschung und Definition gesunder Sexualität geleistet hat, muß Sprenger hilflos herumrätseln und zu den abwegigsten Beispielen greifen.

Sein Paradebeispiel ethnologischer Sexualität sind ein geheimes Volk, welches von den Ethnologen verborgen wird, weil sie solche absurden päderastischen Sexualriten wie institutionalisiertes Spermaschlucken aufweisen. Darüber hält sich Sprenger lang und weitschweifig aus. Folgerichtig kritisiert er an den Trobriandern, daß sie nicht schwul werden dürfen und hier zeigt sich die ganze Misere der Sexualethnologie, die teilweise von Homosexuellen und Gender-Predigern/innen dominiert werden.

Warum also solchen typischen Foucault Schmiersinn lesen? Zum einen ist die moderne Literatur bis 1997 verarbeitet worden und er diskutiert in lesbarer Weise, wo Malinowski Fehlinterpretationen lieferte und zeigt natürlich weitere Ergänzungen zu dessen Forschungen. Er geht sehr ausführlich auf Magie und Kula (Warentausch) ein.

Insgesamt scheitert er an dem, was er leisten wollte. Die Erotik des Volkes zu erklären und am sinnfälligsten wird es am Beispiel der sogenannten Tabu-Ehen, die Reich so hervorragend als ökonomisches System der Kreuz-Vetter-Basen-Heirat enträtselte.

Das Buch ist selbst nicht mehr zu kaufen, lediglich in Universitätsbibliotheken erhältlich.

Medizinische Orgontherapie (Teil 1)

11. Januar 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Howard J. Chavis: Medizinische Orgontherapie (Teil 1)

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Emotionale Gesundheit: Die medizinische Orgontherapie im Vergleich zu anderen Verfahren (Teil 6)

7. Januar 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Richard Schwartzman: Emotionale Gesundheit: Die medizinische Orgontherapie im Vergleich zu anderen Verfahren (Teil 6)

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Suffer the Children

21. September 2014

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Der Text ist wichtig, weil in einer orgonomischen „Niemandszeit“ geschrieben wurde: im Jahr nach dem Tod von Wilhelm Reich. Im Anschluß an Reich macht sich Eden Sorgen über einen „bio-kosmischen“ Zeitumbruch: die „Mechanisierung“ der Atmosphäre und der Menschen, die in dieser Atmosphäre leben. Genau das ist kurz danach eingetreten: um 1960 herum kam es zu einem der dramatischten Einbrüche der Menschheitsgeschichte – aus der autoritären wurde die antiautoritäre Gesellschaft.

Jerome Eden: Suffer the Children: Danksagung und Vorwort

Die drei Stufen der Panzerung

23. August 2013

Reich wurden die abstrusesten Dinge vorgehalten. Er sei ein obskurantistischer „Gnostiker“, der die Aufklärung verraten habe, weil er beschrieb, wie die kosmische Orgonenergie in einer Membran gefangen wird und danach an „kosmischer Sehnsucht“ leide. Er habe die Komplexität der menschlichen Psyche verkannt und die Errungenschaften seines Lehrers Sigmund Freud verraten, weil er alles „primitiv“ mit einer muskulären Panzerung erklären wollte. Ähnlich „primitiv“ sei seine Soziologie gewesen, die die verwickelten geschichtlich gewordenen sozio-ökonomischen Zusammenhänge, wie sie von Marx aufgedeckt wurden, zugunsten von simplifizierenden und, wie es so schön heißt, „biologistischen“ Spekulationen über die Sexualökonomie und den Charakter der Menschen vernachlässigte.

Diese Kritiker verkennen, daß Reich keine großartige neue „Lebensanschauung“ formulieren wollte, die „orgonomische“. Eine „Reichianische Weltanschauung“ ist tatsächlich das allerletzte, was diese Welt braucht! Nein, Reich hat schlicht seine wissenschaftlichen Beobachtungen jeweils in einen größeren Rahmen gestellt:

  1. Leben ist Lebensenergie, die in einer Membran pulsiert. Das hat Reich bei seinen Bion-Experimenten und im Experiment XX beobachtet. Leben ist „gefangene“ kosmische Energie, aus der durch dieses „Gefangensein“ biologische Energie wird. Reich hat spekuliert, daß religiöse Menschen sich dafür einen Sinn bewahrt haben.
  2. Um Überleben zu können, muß der Organismus fliehen bzw. angreifen können, braucht also eine Muskulatur. Es ist tragisch, daß die Panzerung des Menschen sich ausgerechnet an diesem lebensnotwendigen Verteidigungs- und Überlebenssystem festmacht (Muskelpanzerung).
  3. Leben ist nur in einem sozialen Gefüge denkbar, dazu braucht es Verhaltensprogramme. Es ist tragisch, daß im Faschismus seine stereotypen Zwangshandlungen das Überleben des Menschen gefährden (Charakterpanzer).

Für Reich war die Panzerung in seiner wissenschaftlichen Entwicklung zunächst ein soziales Problem (Über-Ich), dann ein biologisches Problem (Muskelpanzerung) und schließlich ein kosmisches Problem (das energetische Orgonom im materiellen Orgonom).

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Warum sind Kinder (diese Tierwesen, diese Naturwesen) nicht immun gegen die Unnatur, die „Kultur“? Offenbar gibt es „irgendwas“, was uns für Panzerung anfällig macht. Das Problem ist einfach, daß unsere Schutzmechanismen, die Leben nicht nur erst ermöglichen, sondern auf tiefster Ebene sogar erst konstituieren, sich gegen uns selbst wenden. Ich panzere mich gegen den Feind ab – und bin unversehens Gefangener meiner eigenen Panzerung!

Sogar meine Werkzeuge, meine Maschinen wenden sich schließlich gegen mich. Wie Reich ca. 1942 in Die Massenpsychologie des Faschismus sinngemäß schrieb: „Du mußt dich von deinen Maschinen distanzieren oder du wirst selbst zur Maschine.“

Das ist die Tragik: jeder Schritt zum Selbstschutz oder in die Emanzipation führt erst recht in die Versklavung. Das ist sicherlich auch ein Moment, warum Reich bis zum Schluß von Marxens „Kernthesen“ überzeugt war: als Kapital wende sich die Arbeitskraft gegen ihre eigene Quelle. Entsprechendes findet sich auch bei Hans Hass.

Zum Gedenken an Hans Hass (Teil 1)

6. Juli 2013

Dies ist eine Fortführung meines Aufsatzes Zum Tode von Hans Hass.

Hans Hass war ganz wie Reich Funktionalist und Energetiker:

Die Verwandtschaften, die von der Energontheorie her wichtig sind, lassen sich nicht in das Schema Homologie-Analogie pressen. Was hier bedeutsam wird, ist weder der phylogenetische Zusammenhang noch äußerlich ähnliches Aussehen. Ein Antikörper im Blut, ein Stachel und ein Rezept für Fluchtverhalten sind weder homolog noch anlog (und auch nicht „konvergent“) – und doch sind sie gemeinsam zu beurteilen. Sie dienen dem gleichen Funktionskomplex: der Abwehr von Räubern. Sie sind „funktionsverwandt“. In der Bilanz, die das Existenzrückgrat, „Erwerbs- und Konkurrenzfähigkeit“ aufzeigt, gehören sie in die gleiche Rubrik. (Hass: Naturphilosophische Schriften, München 1987, Bd. 3, S. 255)

Daß Hass so gut wie der einzige Weiterführer der Ostwaldschen Energetik ist, liegt an der ernsten Krise, in die die Energetik geriet, als Anfang dieses Jahrhunderts der Nachweis der bis dahin rein hypothetischen Moleküle und Atome gelang, die durch ihre „Wärmebewegung“ die thermodynamischen Gesetze im Rahmen mechanischer Modelle erklärbar machten. Wilhelm Ostwald warf vergebens ein, daß die neue Physik alle Größen, und hier insbesondere die Masse, als veränderlich erwiesen habe und nur der Energieerhaltungssatz sich als unumstößliche Grundlage der Physik bewährt habe. Auch Hans Hass hebt die Energie als die fundamentale Größe schlechthin hervor und beruft sich dabei auf die Quantenmechanik. Nicht die Energie sei eine Funktion materieller Partikel oder Stoffe, vielmehr seien sie umgekehrt eine Erscheinungsform von Energie.

Die energetische Weltsicht ermöglichte eine beträchtliche Vereinfachung des Denkens, da sich mit Blick auf die Energie und ihre Umwandlung sämtliche Strukturen der Lebenswelt in ein und dasselbe Begriffssystem einordnen ließen. So konnten sich Biologen, Wirtschafts- und Staatswissenschaftler austauschen und dabei Erkenntnisse in einem Gebiet zur Erklärung von Phänomenen in einem anderen heranziehen. Die Nähe zum orgonomischen Funktionalismus Reichs ist offensichtlich. In einer energetischen Betrachtung der materiellen Strukturen steht einzig ihr Funktionieren, ihr Energiehaushalt, bzw. ihre Funktion im Energiehaushalt, im Mittelpunkt. In dieser Beziehung haben z.B. eine Pflanze und ein Wirtschaftsunternehmen „auf den ersten Blick“ wirklich nichts miteinander zu tun, betrachtet man sie jedoch abstrakt vom Standpunkt ihrer Energiebilanz her, sind sie funktionell identisch.

Das Konzept, daß eine Erwerbsorganisation ein Organismus ist, ist auch der Orgonomie alles andere als fremd. Reich hat z.B. die organisierte Orgonomie als einen lebendigen Organismus betrachtet, dessen „Organe“ die einzelnen Funktionsträger der Orgonomie sind. Das jeweilige einzelne Organ müsse „langsam, behutsam und geduldig in eine kontinuierliche, wohlgeordnete und (…) ‚disziplinierte‘ Koordination und Kooperation mit der Gesamtfunktion hineinwachsen“ (Reich/Neill: Zeugnisse einer Freundschaft, Köln 1986, S. 576).

Auch läßt sich die Arbeit des „Organisations-Therapeuten“ Martin Goldberg nennen, wie er sie im Journal of Orgonomy dargelegt hat. Goldberg zufolge kann man die „arbeits-psychologische“ Entwicklung von Wirtschaftsunternehmen genauso fassen, wie es die Psychoanalyse und die Orgonomie mit der „sexual-psychologischen“ beim einzelnen Menschen getan haben. Störungen während der „libidinösen“ Entwicklung bestimmen den Charakter der Organisation entsprechend der Charakterentwicklung des Individuums. Entweder geht ein solches System zugrunde oder es entwickelt sich ein neues biopathisches Gleichgewicht, eben der neurotische Charakter des Menschen bzw. der Organisation. Diese neurotischen Charakterstrukturen können behandelt werden, indem man die Panzerungen auflöst.

Den sieben Panzersegmenten im Individuum entsprechen die drei funktionellen Grundstrukturen einer Organisation: der „Kopf“, der der Arbeit Richtung verleiht; die mittlere Ebene, die alles für die Produktion bereitstellt und organisiert; und der arbeitende Kern, der die Arbeitsleistung vollführt. Dies entspricht dem leitenden Management, dem mittleren Management und der Arbeitsebene. Aufgabe des ersten Segments ist die grundlegende Ausrichtung der Arbeit, des zweiten die Organisierung des Arbeitsflusses und des dritten die Entladung der Arbeit durch Wechselwirkung mit der Umwelt. Ziel der Goldbergschen „Organisationstherapie“ ist die „Befähigung von chronisch blockierten Systemen ihre Arbeitsenergie wieder frei in einer produktiven, befriedigenden Art und Weise zu entladen“. Dies entspricht genau dem Ziel der individuellen Orgontherapie hinsichtlich der Sexualenergie.

Nach Reich bildet sowohl der Organismus als auch die „Arbeitsdemokratie“ in der Gesellschaft „ein natürliches Kooperativ gleichwertiger Organe verschiedener Funktion“. Mit Hilfe der Energontheorie läßt sich nun diese organismische Vorstellung der Arbeitsdemokratie konkretisieren: es kann Arbeitsdemokratie nur dort geben, wo die „organismischen“ Voraussetzungen gegeben sind, d.h. einzig und allein zwischen Menschen, die sich wechselseitig zu zusätzlichen Organen gemacht haben. Demnach stehen z.B. der Gerber und der Schuhmacher in einem arbeitsdemokratischen Verhältnis. Der Friseur wird zu einem „Pflegeorgan“ seines Kunden, während der Kunde zu einem „Leistungsorgan“ des Friseurs wird (er schafft Geld und weitere Kunden herbei). In der Sklaverei wäre dieses Verhältnis einseitig.

Für jede Kooperation gilt, daß die entstehende Gemeinschaft als neues größeres Energon anzusehen ist, sofern der Nutzen bei getrennter Tätigkeit insgesamt geringer als bei vereinter Tätigkeit ausfällt. Bei Symbiosen, in denen jeder Partner für den anderen bloß eine von diesem benötigte Leistung erbringt, liegt ein aus geringfügig integrierten Teilen bestehendes Energon vor. Je vielseitiger die funktionelle Verflechtung zwischen den Kooperationspartnern wird, desto mehr steigert sich die Integration des von ihnen gebildeten Energons. (Hass und H. Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978, S. 145)

Diese engere arbeitsdemokratische Integration beinhaltet aber gleichzeitig die Gefährdung eben dieser Arbeitsdemokratie. Das kann man sich am Übergang von den unabhängigen Einzellern zum festen Verband des Vielzellers vergegenwärtigen. Einerseits konnte, ganz entsprechend dem Reichschen Konzept der Arbeitsdemokratie, der Einzeller den gesamten Organismus als sein Organ betrachten, doch andererseits wurde der Einzeller auch zu einem austauschbaren Rädchen in einem zum Selbstzweck gewordenen Gesamtgefüge. Beim Übergang von voneinander unabhängigen, „freiberuflichen“ Berufskörpern zum festen Verband einer Erwerbsorganisation ergeben sich entsprechende Vor- und Nachteile, doch hier fallen die letzteren mehr ins Gewicht, da der Erfolg der Erwerbsorganisation mit der Überwindung des „föderativen Aufbaus“ verbunden ist. So ist die Arbeitsdemokratie gerade auf dem Höhepunkt ihrer Naturgeschichte am stärksten gefährdet.

Wie sich wirtschaftliche Probleme aus energontheoretischer Sicht darstellen, wird exemplarisch an folgendem Zitat deutlich:

In der gesamten Lebensentfaltung spielte der Konkurrenzkampf stets eine überaus wichtige Rolle. Er sorgte dafür, daß weniger Geeignetes auf der Strecke blieb und besser Geeignetes sich durchsetzte. Auch Partnerschaft und Synergie unterliegen dieser Auslese. Nur wenn solche Verbindungen zur Ausbildung von Strukturen höherer Leistungskraft führen, also zu stärkerer Konkurrenzfähigkeit, können sie bestehen. In der Wirtschaft führt Abdrosselung des Konkurrenzkampfes – wie etwa bei Monopolstellungen oder in den zentralverwaltungswirtschaftlichen Ländern kommunistischer Prägung – unweigerlich zum Stagnieren des Fortschrittes in wesentlichen Bereichen. Besteht nicht die Möglichkeit, daß Bessergeeignetes sich durchsetzt, dann lohnt es nicht der Mühe, solches zu erzeugen. Andererseits ist allzu harter Konkurrenzkampf (…) ganz ebenso für den Fortschritt nicht förderlich. Die Konkurrenten reiben sich dann in einigen Sektoren untereinander auf, was dem „Verbraucher“ vielleicht in Gestalt von Preisunterbietungen zugute kommt (…) aber insgesamt weder ihm noch der Volkswirtschaft dient. Gibt es in einer Stadt 30 Buchhandlungen, die alle die gerade am meisten gefragten Titel anbieten, dann wirkt jeder gegen den anderen so gut er kann. Richten sich dagegen einzelne auf „Teilzielgruppen“ aus – profilieren sie sich auf verschiedene Nachfragerwünsche – der eine auf Belletristik, der zweite auf wissenschaftliche Literatur, weitere auf Kinder- und Jugendbücher, auf Antiquariat, auf Gartenpflege, auf Taschenbücher etc., dann wird das verfügbare Angebot und die individuelle Betreuung der Kunden in dieser Stadt wesentlich verbessert und der Konkurrenzkampf entschärft. Die Marktwirtschaft ermöglicht ein immer stärker differenziertes Angebot, was zu immer neuen Spezialisierungen führt. Bei der Evolution der Tiere und Pflanzen zeigte bereits die so ungeheuer vielfältige Artenbildung den gleichen Trend, das gleiche sich nun in der Wirtschaft fortsetzende Lebensgesetz. (Hass: Der Hai im Management, München 1988, S 163f)

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Reich, Marx und die Charakterlosigkeit (Teil 1)

2. Juli 2013

In seinem neuen Buch Neither Left Nor Right beschreibt Charles Konia nicht nur die charakterologischen Unterschiede zwischen Linken und Rechten, sondern auch, warum den ersteren charakterologische Unterschiede nicht zugänglich sind:

Für den Konservativen basiert das Konzept Charakter auf Zügen, die aus dem biologischen Kern („guter Charakter“) und der zerstörerischen mittleren Schicht („schlechter Charakter“) abgeleitet werden. Folglich ist er ein Begriff, der stark mit einem pejorativen oder moralischen Unterton behaftet ist. Man vergleiche diese Ansicht mit derjenigen des Liberalen, für den „Charakter“ ein im wesentlichen bedeutungsloses Konzept darstellt. Die Vorstellung, daß eine Person vorgegebene Merkmale besitzt, ist für ihn unverständlich. Er geht davon aus, daß alle Menschen intrinsisch guten Willens sind und unbegrenzt gebessert werden können. (S. 234)

Konia fährt fort:

Ärzte, die das Ausbildungsprogramm des American College of Orgonomy für medizinische Orgonomie durchlaufen und einen liberalen sozio-politischen Charakter besitzen, haben Probleme beim Erfassen und Anwenden der Grundlagen der Charakterdiagnose und Charakteranalyse. Da die meisten Psychiater sowohl zu Reichs Zeiten als auch heute einen liberalen sozio-politischen Charakter haben, stellt diese Einschränkung beim Erkennen und Verstehen der Bedeutung des Charakters einen Grund dafür dar, daß Reichs Beiträge nicht in die Psychiatrie integriert werden konnten und die Praxis dieser Fachrichtung mechanistisch entartete. (ebd.)

Tatsächlich läßt sich fast jede Abspaltung von der Orgonomie damit erklären, daß liberale Charaktere sich dagegen verwahrten, „Menschen zu kategorisieren“.

Von jeher hatten eher liberal gesinnte Orgonomen Probleme mit der Charakterologie. Da wären etwa Ola Raknes und, wenn ich das richtig einschätze, Walter Hoppe zu nennen, aber auch die Orgonomen, die sich seit 1982 im Institute for Orgonomic Science zusammengefunden haben. Die letzteren haben, etwa mit Einführung des „okularen Charakters“, aus der orgonomischen Charakterologie eine Travestie gemacht, die keinerlei praktischen Nutzen mehr hat. Als erstes wäre aber Otto Fenichel zu nennen, der Reichs „Hang zum Schema“ kritisierte und immer alles „differenzierter“ betrachtet wissen wollte. Nach Reichs Tod, distanzierten sich die meisten Orgonomen, repräsentiert von Chester M. Raphael, von Elsworth F. Baker, als dieser Reichs Charakteranalyse systematisierte und Reichs Charaktereinteilung den Erfordernissen der Orgontherapie anglich. Hinzu kam, daß Baker die Charakterdiagnostik auf den soziopolitischen Bereich ausdehnte.

Im Newsletter for Friends of the Wilhelm Reich Museum (No. 35, 1994) das weitgehend Raphaels Auffassung repräsentierte, findet sich folgende Aussage unter der Überschrift „Why is Reich’s Work so Misunderstood“:

Am vierten Tag der Konferenz befaßte sich der Erzieher Wilbur Rippy mit Reichs Soziologie und der Bedeutung von Marx und Engels für seine Bemühungen die Wurzeln des gesellschaftlichen Elends zu verstehen und Wege zu ihrer Verhütung zu finden. Im Verlauf seiner Ausführungen wies Mr. Rippy auch auf die Fehlauslegung Reichs durch die politische Linke und Rechte hin, besonders auf die „schreckliche Travestie“ der Ansichten, die vom Psychiater Elsworth Baker verbreitet werden.

Das läuft auf die Behauptung hinaus, daß die aktuelle Umwelt die Menschen mehr formt als Baker behauptet, also die spätestens seit der Pubertät weitgehend zementierte Panzerung nicht der alles entscheidende Faktor ist. Rippy sieht nicht, daß aber erst von daher, d.h. aus Sicht der Charakterologie, „Marx und Engels“ für die Orgonomie wirklich Sinn machen:

In Die Massenpsychologie des Faschismus legte Reich dar, daß die aktuellen ökonomischen Bedingungen des Individuums so gut wie keine Rolle für dessen Ideologie spielen, sondern fast ausschließlich die charakterlichen Verformungen, die er sich in der Kindheit zugezogen hat. Trotzdem sind „Marx und Engels“ nicht vollkommen nutzlos, denn bei ihnen läuft, wie Reich in Menschen im Staat gezeigt hat, alles auf die zentrale Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft hinaus, die Arbeitsfunktion wird aber genauso wie die Sexualfunktion von der Panzerung, d.h. der Charakterstruktur des Menschen bestimmt.

„Marx und Engels“ haben deshalb in der Orgonomie einen Platz, weil alle anderen ökonomischen Theorien zwar einen begrenzten Erklärungswert haben, etwa für die Euro-Krise, letztendlich aber alles auf die Qualität und Quantität der menschlichen Arbeitsfunktion hinausläuft, Marx’s „lebendige Produktivkraft“, die wiederum von der Struktur der Panzerung, also vom Charakter abhängt.

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Wie Wilhelm Reich von der Nachwelt betrogen wurde

27. Mai 2012

Reichs Hoffnung für die Zukunft war, daß die Panzerung der Menschen, d.h. das einzige Problem, das die Menschheit hat (andere, wirkliche Probleme ließen sich ohne dieses Scheinproblem leicht lösen), durch drei Mechanismen sich nach und nach aufweiche und schließlich weitgehend auflöse. Der Grad der Bedeutung, den er den Mechanismen jeweils zuschrieb, änderte sich im Laufe der Zeit. Es sind:

  1. Die „sexuelle Revolution“, d.h. eine grundlegende Änderung der gesellschaftlichen Atmosphäre. Das sexuelle Lebensglück, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, würde nicht mehr im Namen der „Moral“ bekämpft oder im Namen der „Vernunft“ geduldet, sondern aktiv geschützt und gefördert werden. Dieser grundlegende Wandel hätte Auswirkungen auf die Charakterstruktur der einzelnen Gesellschaftsglieder und es käme in einem sich selbstverstärkenden und selbsterhaltenden Regelkreis zu einer wahrhaftigen „biologischen Revolution“, d.h. an die Stelle des gepanzerten Menschen träte schließlich ein vollkommen neues Wesen, der ungepanzerte Mensch.
  2. Im Projekt „Kinder der Zukunft“ ist das Augenmerk weniger auf die Sexualökonomie, d.h. die „erste Pubertät“ („Ödipuskomplex“) und die „zweite Pubertät“ (Geschlechtsreife) gerichtet, sondern auf Schwangerschaft, Geburt und Säuglingsalter. Man würde, praktisch vom Zeitpunkt der Empfängnis an, alles dafür tun, daß der Mensch keine Panzerung ausbildet. Da dies mit jeder Generation besser gelinge (die „Kinder der Zukunft“ haben selber Kinder), wäre die Menschheit nach wenigen Generationen befreit.
  3. Die Erforschung des Orgons verlange vom Menschen anders zu fühlen und zu denken: ungepanzert zu fühlen und zu denken (Orgonometrie). Dieser objektive Druck würde im Laufe der Zeit die Subjekte entsprechend weicher und „durchlässiger“ machen, d.h. eben die Panzerung verschwinden lassen. Eine Gesellschaft, die von der Orgonenergie so bestimmt wäre, wie die heutige von der Elektrizität, würde sich automatisch selbst entpanzern.

Abgesehen von hoffnungsvollen Einzelerscheinungen hat sich auf breiter gesellschaftlicher Ebene keine dieser drei Hoffnungen bewahrheitet. In vieler Hinsicht ist es sogar schlimmer geworden!

  1. Die „sexuelle Revolution“ war eine einzige Katastrophe aus (zu einem Gutteil drogeninduzierter) Kontaktlosigkeit und Oberflächlichkeit. Statt sich dem bioenergetischen Kern zu nähern, flüchteten die Menschen immer mehr in die oberflächliche soziale Fassade. Sexualität wird zunehmend reduziert auf „Performance“ und vor allem auf die Frage, was das soziale Umfeld „dazu sagt“. Bei Jugendlichen geht es immer weniger um Gefühle als vielmehr um das „Image“ und narzißtische Befriedigung. Die über das Internet überall und jederzeit abrufbare Pornographie und nicht zuletzt eine immer mechanistischer und „verkopfter“ werdende Sexologie tun ein Übriges. Darüberhinaus sind Reichs sexualökonomische Anschauungen aus Sicht der Political Correctness moralisch verwerflich. In dieser Hinsicht ist die antisexuelle Moral vielleicht stärker als jemals zuvor.
  2. Die aktuelle Diskussion um die Säuglingsbetreuung zeigt, daß wir den Kampf auf ganzer Linie verloren haben. Es fängt mit der künstlichen Befruchtung an, wo gegebenenfalls vorher eingefrorene Spermien und Eizellen in orgonotisch toten Reagenzgläsern miteinander vermischt werden, um dann in einer Gebärmutter heranzureifen, die vielleicht nicht ohne Grund zuvor „steril“ war. Künstliche Gebärmütter sind mittlerweile mehr als bloße Science Fiction. Immer mehr Kinder kommen per Kaiserschnitt zur Welt und auch sonst wird das gesamte perinatale und Säuglingsleben nach allen möglichen Interessen, außer den biologischen Bedürfnissen des Kindes ausgerichtet.
  3. Der eigentliche Verrat ereignete sich aber an Reichs größter Hoffnung: er habe „Gott“ mit der Entdeckung des Orgons greifbar gemacht und damit sowohl dem Mystizismus, als auch selbstredend dem Mechanismus den Todesstoß versetzt. Stattdessen haben zwei an sich gegnerische Fraktionen, die Spökenkicker und die Skeptiker, Reichs Entdeckung in die Zange genommen und so gut wie vernichtet. Das Orgon wurde zunehmend zu nichts anderem als eine neue Art von „Prana“ oder „Qi“, d.h. zu einem Vehikel, um extrem lebensfeindliche mystische Ideologien „wissenschaftlich“ zu untermauern. Die Proponenten sprechen dabei jeweils von einer „Weiterentwicklung“ des Reichschen Paradigmas und beklagen sich heftigst über „orthodoxe Reichianer“. Unvermittelt muß sich unsereiner mit C.G. Jung, Swami Durcheinanda und gechannelten Botschaften von Erzengel Achwasel herumplagen. Ein gefundenes Fressen für die mechanistischen Sektierer. Der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder hat die bizarre Welt des „Skeptizismus“ ausführlich analysiert: Das Skeptiker-Syndrom: Zur Mentalität der GWUP.

Um das ganze übersichtlich zu halten, habe ich bisher einen vierten Punkt ausgelassen: Reich hoffte, durch eine „Entpanzerung der Erdatmosphäre“ langfristig auch die Menschen entpanzern zu können. Wenn der „DOR-Panzer“, der den Globus umschließt, mit Cloudbustern aufgebrochen und die übererregte ORANUR-Atmosphäre abgemildert werden könnte, würden auch die Erdbewohner „weicher“ werden.

Derartige Vorstellungen waren der ultimative Beweis, daß Reich in seinen letzten Jahren verrückt geworden ist. Entsprechend wurden seine apokalyptischen Warnungen nicht etwa nur überhört, sondern erst gar nicht wahrgenommen. Im letzten halben Jahrhundert haben wir entsprechend wirklich alles getan, um diesen Planeten in eine DOR- und ORANUR-Hölle zu verwandeln. Der letzte Streich waren die bioenergetisch hochtoxischen „Energiesparlampen“. Zu allem Überfluß kam es in den letzten Jahren zu einer atemberaubenden Explosion des Gebrauchs von „Croft-Cloudbustern“, mit denen „Chemtrails“ bekämpft werden sollen. Tatsächlich wird flächendeckend das Orgonenergie-Feld der Erde in einen künstlichen Expansionszustand versetzt („blauer Himmel“), der sie langfristig abtötet. Es ist ungefähr so wie die Zwangsgabe von Speed oder Kokain: das Opfer wird energetischer, leistungsfähiger, in jeder Beziehung mehr „high“ – und gleichzeitig mechanischer, kontaktloser und schon bald kommt das böse erwachen. Siehe dazu meine Ausführungen über den Kult der Expansion.

Wie zum Hohn werde ich dann auch noch allen Ernstes gefragt, warum ich so verbittert, aggressiv und voller Haß bin!

Was tun? Dazu muß erst einmal die Frage beantwortet sein, was eigentlich geschehen ist. Warum haben sich Reichs Hoffnungen nicht materialisieren können? Seit 1960 hat sich die Gesellschaft grundlegend geändert: aus einer autoritären, „kontraktiven“ wurde eine antiautoritäre, bioenergetisch überexpansive Gesellschaft. Das bedeutet, daß sich die Menschen weiter von ihrem biologischen Kern entfernt haben. Aus der mystifizierten Traum von „der großen Liebe“ wurde ein stupider mechanischer Akt, der Mensch wurde zu einer von der DNA gesteuerten bionischen Maschine und das, was an bioenergetischem Kontakt übrigblieb (denn schließlich sind wir keine bionischen Maschinen), wurde zu einem Mystizismus neuer Prägung. Diese neue Art von „Spiritualität“ ist verkopft, kompliziert und vor allem wirr (im Gegensatz zu genuiner, „bauchgesteuerter“ Mystik).

Wir haben es also mit einem imgrunde soziologischen Problem zu tun. Ein Ansatz, den Charles Konia verfolgt, auf dessen Blog ich nur immer wieder hinweisen kann. Hier sein neuster Beitrag: Communism/Socialism Is A Cancer Of The Social Body.

Tatsächlich vertritt Konia den fünften Ansatz Reichs zur Herstellung einer besseren Zukunft für die Menschheit: die Sozialpsychiatrie. Ich bin darauf an anderer Stelle eingegangen. Dieser Ansatz wurde vielleicht am gründlichsten und vor allem systematisch zerstört durch all den freudo-marxistischen Mumpitz, der seit „1968“ von „Reichianern“ verzapft wurde. Ihre hochintellektuellen Elaborate füllen mittlerweile ganze Bibliotheken! Sie haben den Kampf gegen die „autoritäre Gesellschaft“ immer weiter verschärft.