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Diskussionsforum 2011: eine Nachlese (Teil 1)

30. August 2015

Am 13. März 2011 wurde auf BBC Radio 3 folgende Sendung über Reich gebracht:

http://www.bbc.co.uk/programmes/b00zddlm

Außerdem verwies ich auf den „orgonomischen“ Regisseur Jon East, der ein vierteiliges Drama über Summerhill gedreht hat, die man hier sehen kann:

https://vimeo.com/channels/194093

Robert machte auf zwei Nachrufe, einer zu Alexander Lowen von David Boadella, einer zu Eva Reich von ihrer Tochter Renata aufmerksam:

http://www.traumaheilung.ch/Literatur/literatur.html

Darauf merkte ich an, daß Boadella ein schlimmer Wirrkopf war. Zitat Boadella: „Wohingegen die späten Vegetotherapeuten den Charakter vernachlässigten, hat Lowen die ‚somatische‘ Analyse in seinen therapeutischen Ansatz zurückgebracht. Lowen glaubte sehr an den Wert der emotionalen Katharsis, die Entladung von starken Energien der muskulären Panzerung.“ (sic!)

Des weiteren verwies Robert auf folgendes „ohne Kommentar“: Reichian Growth Work. Melting the Blocks to Life and Love

http://homepage.ntlworld.com/n.totton/reichintro.htm

O. wies auf Wilhelm Reich, das Schreiben, meine Neurose und ich von Jan Decker hin, der wie folgt anfängt:

Das Schreiben entspringt einem neurotischen Bedürfnis, daran besteht gar kein Zweifel. Wer völlig ausgeglichen durch die Welt geht − und das ist doch ein wünschenswerter Zustand − wird nicht zu Papier und Feder greifen, um seine inneren Konflikte auszugleichen. Daß Schreiben heute im Kontext einer für neurotische Zustände anfälligen Gesellschaft stattfindet, macht das Schreibbedürfnis nicht schlechter oder besser. Es richtet sich nicht primär nach der jeweiligen Gesellschaft, in der es stattfindet, eher sucht es in jeder Gesellschaft seine eigenen kanalisierten Wege. Einen Roman der Finanzkrise wird es solange nicht geben, bis ein Schriftsteller sich an diesem Stoff entzündet − und das ist keine Frage der Wahrscheinlichkeit, sondern eher der Unwahrscheinlichkeit.

Klicke, um auf jan-decker-wilhelm-reich-das-schreiben-meine-neurose-und-ich.pdf zuzugreifen

Dazu Peters Kommentar 2015: Diese Leute mögen sich noch so sehr auf Reich berufen, letztendlich sind es doch Freudianer. Alles wird bei ihnen zu einer Kompensation, Reaktionsbildung, Sublimierung, Ersatzhandlung, d.h. Ausdruck der Panzerung. Beispielsweise das Schreiben ist nie einfach nur Ausdruck der Lebensenergie. Offenbar ist für sie der ungepanzerte Mensch nur ein sich lustvoll räkelndes Tier. Das ist die Freudsche unversöhnliche Trennung von Kultur und Natur in einem anderen Gewande.

Robert machte auf folgende Quelle von pdf-Dateien von Reichs Arbeiten aufmerksam:

http://ebookbrowse.com/search/wilhelm-reich

Ich auf das Archiv von Aurora Karrer:

http://oculus.nlm.nih.gov/cgi/f/findaid/findaid-idx?c=nlmfindaid;id=navbarbrowselink;cginame=findaid-idx;cc=nlmfindaid;view=reslist;subview=standard;didno=reich580;focusrgn=C02;byte=30891324

Robert zitierte auch Joseph Wortis: Meine Analyse bei Freud, Verlag Integrative Psychiatrie, Innsbruck, Wien 1994:

14. Dezember 1934: [Joseph Wortis] „Von dem, was ich beobachtet habe“, sagte ich, „scheinen es genau die Menschen zu sein, die ihren Trieben freien Lauf lassen, die dann am freundlichsten und am besten gelaunt sind. Diejenigen, die sich zuviel einschränken, werden mürrisch und verbittert; mir scheint, die unglücklichen Leute sind die gefährlichsten.“

[Sigmund Freud] „Eine berechtigte Behauptung“, erwiderte Freud. „Das ist auch wahr. Es hängt vom Grad und der Qualität ab. Alles mit Maß. Das haben sie offensichtlich auch in Rußland entdeckt. Zuerst wurde alles frei und hemmungslos, aber dann stellte sich heraus, daß es nicht funktionierte. Ein Analytiker namens Wilhelm Reich ging nach Rußland, unterrichtete dort und erzählte soviel von Promiskuität, daß sie ihn schließlich aufforderten zu gehen“. (p. 101)

31. Januar 1935: [Sigmund Freud] „Der kommunistische Preis für intellektuelle Freiheit ist zu hoch. Kommunismus bedeutet intellektuelle Diktatur, und er ist nicht mit der Psychoanalyse vereinbar, weil er zu dogmatisch ist. Reich, ein talentierter Psychoanalytiker, muß wahrscheinlich die psychoanalytische Bewegung verlassen, weil er Kommunist wurde und seine Ansichten änderte. Er glaubt beispielsweise, daß der Aggressionstrieb und die sexuellen Probleme Produkte des Klassenkampfes sind anstatt angeborene biologische Triebe”. (p. 156)

Robert kommentierte: Zu Freuds Bemerkung ist anzumerken, daß Reich zu dieser Zeit auf Wunsch Freuds schon ein Jahr vorher aus der I.P.Vereinigung ausgeschlossen worden war. Womöglich hoffte er, Reich würde seine ‘Fehler’ einsehen und wieder zurück zur Psychoanalyse kommen.

Peter ergänzt 2015, daß Reich am 17. Februar 1955 an Neill über Wortis‘ Fragments of an Analysis with Freud schrieb: „Er ist ein geschickt manipulierter Helfershelfe der amerikanischen rotfaschistischen Verschwörer. Ich glaube nicht, daß Freud jemals so etwas zu ihm gesagt hat. Das Zeugs wurde von Moskauer Gangstern, die mich fürchten, in seinen Text geschleust.“

Robert: Aus der Reihe „Ehemalige Schüler und Studenten Reichs“: Zitat aus dem Buch: Friedrich Stadler (Hg.): Vertriebene Vernunft I. Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft 1930-1940. Reihe: Emigration – Exil – Kontinuität. Schriften zur zeitgeschichtlichen Kultur- und Wissenschaftsforschung, Bd. 1, 2. Auflage, 2004:

Stella Klein-Löw, geb. Herzig, wurde 1904 in Przemysl in Galizien geboren. Sie studierte klassische und moderne Philologie und Psychologie an der Universität Wien. Zu ihren Lehrern zählten Karl und Charlotte Bühler und Wilhelm Reich. Sie war Mitglied des Verbandes der sozialistischen Studenten und ab 1922 auch Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Von 1933 bis 1939 unterrichtete sie an einem jüdischen Privatgymnasium mit Öffentlichkeitsrecht. Als Jüdin und Sozialistin hatte sie keine Chancen auf eine andere Stelle. 1939 erhielt sie eine Einreisebewilligung als Hausgehilfin nach Großbritannien […]

Ich habe von James DeMeos Orgone Biophysical Research Laboratory verlinkt:

1.) Experimental Confirmation of the Reich Orgone Accumulator Thermal Anomaly. Subtle Energies, Vol. 20, No. 3, pp. 17-32

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Abstract: Experimentelle Untersuchungen wurden vom Autor durchgeführt hinsichtlich der thermische Anomalie (To-T) innerhalb des Orgonenergie-Akkumulators (ORAC). Ein Phänomen, das zunächst von Dr. Wilhelm Reich beobachtet wurde, der das ORAC-Gerät erfunden hat. Diese thermische Anomalie entsteht, Reichs Theorie zufolge, durch das dünne, sich pulsierend bewegende Orgonenergie-Kontinuum, das innerhalb der ORAC konzentriert ist und durch Reibung eine thermische Erwärmung der Luft erzeugt. Die experimentellen Beweise, die hinter Reichs Theorie und Behauptungen stehen, werden behandelt und auf ähnliche Konzepte in den modernen Wissenschaften verwiesen. Die Orgonenergie entspricht in vieler Hinsicht dem älteren kosmischen Lichtäther, da es den gesamten Raum erfüllt, es erfüllt aber auch die Rolle einer atmosphärischen-biologische Lebensenergie, da sie pulsiert und erregbar ist und lebendes Gewebe auflädt. Im To-T-Experiment wurde die Lufttemperatur im oberen Teil eines 10 cm großen kubischen ORAC gemessen und mit der Temperatur innerhalb einer thermisch ausgewogen aber nicht orgon-ansammelden Kontrolle verglichen, gemäß den Protokollen Reichs. Außerordentliche Mühen wurden bei der Konstruktion des Gerätes und bei Kontrollverfahren aufgewandt, mit einer Instrumentierung, die bis auf ~0.002 °C kalibriert wurde. Das Experiment wurde in einem gut belüfteten, aber völlig abgeschatteten im Freien stehenden thermischen Unterstand vorgenommen, der speziell für die Auswertungen konstruiert wurde. Unter optimalen Bedingungen für das Funktionieren des ORAC (d.h. niedrige Luftfeuchtigkeit, schwacher oder kein Wind, klarer Himmel) wurde eine zyklische positive thermische Anomalie systematisch festgestellt, mit einem Durchschnitt von +0,13 °C Unterschied in zwei 10-Tage dauernden experimentellen Läufen, die hier vorgestellt werden mit Maxima von täglich etwa +0,5° C wärmer als die Kontrolle und Minima bei etwa –0.1 °C. Die Experimente bestätigten Reichs Behauptungen von einer leichten spontanen Erwärmung innerhalb des ORAC, der keine bekannte Energiequelle hat, wenn man von klassischen auf dem „leeren Raum“ beruhenden Bewertungsmaßstäben ausgeht.

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2.) Following the Red Thread of Wilhelm Reich: A Personal Adventure. Edge Science 5, October-December 2010, p. 11-16.

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Ich las Dr. Wilhelm Reichs Buch Ausgewählte Schriften, als ich noch ein Bachelor-Student war, und fand es spannend und atemberaubend. Ich konnte es kaum weglegen. Das Buch skizziert eine ganze Reihe von neuen Entdeckungen, von der Biologie der Sexualität bis hin zu Emotionen und Krebs und somit zur Biophysik, atmosphärische Wissenschaft und Kosmologie. Mit Erstaunen erfuhr ich, daß seine Bücher verboten und verbrannt worden waren, zuerst in Europa, dann später durch die US Food and Drug Administration, die auch Reichs Tod im Gefängnis bewerkstelligt hat. Dies verstärkte nur meine Neugier. Nur Wissenschaftler von historischer Bedeutung erlitten solch ein Schicksal. Seine Wissenschaft von der Lebensenergie, die er als Orgonomie bezeichnete – nach der Orgonenergie, die er entdeckt hatte – bot derartig viele hoffnungsvolle Entwicklungen für eine leidende Menschheit. Ich konnte nicht einfach ruhegeben, ohne zu wissen, ob es wahr war oder nicht. Und so folgte ich dem roten Faden, den Reich wie im Mythos von Ariadne im Labyrinth hinterlassen hatte, wohin er auch führen würde. …

Im Diskussionsforum wurde auch die „offizielle Stellungnahme der Wilhelm Reich Gesellschaft vom 30.4.1995“ erneut diskutiert. Sie lautete:

Die WRG maßt sich weder eine Alleininterpretationsherrschaft zu den Forschungen und Arbeiten von Wilhelm Reich an, noch wird sie sich gegen wissenschaftlich notwendige Korrekturen stellen … Wir interpretieren den Orgonbegriff Reichs als universelles Lebens- und Liebesprinzip … Während Reichs Erkenntnisse auf biologischen, medizinischen und therapeutischen Gebiet eine zunehmende Evidenz und Bedeutung zukommt, sind Reichs quantitative Formeln als physikalische Definitionen nicht haltbar. Die Begriffe Orgonspannung und Orgonenergie bedürfen einer Korrektur und Neudefinition.

Dazu O.: Eine solche Aussage der WRG wurde meines Wissens nicht zurückgenommen und zeigt eine, wie ich meine, bedenkliche Grundhaltung der WR-Szene. Damit ist das Orgon sicher nicht abgeschafft worden, doch die physikalische Existenz einer Orgonenergie wird hier von der WRG bestritten, ohne eigene Experimente durchgeführt zu haben (…).

Peter kommentierte: Ein vages „Lebensprinzip“ wurde von allen möglichen Leuten „anerkannt“ und auch „genutzt“. Das reicht von „Tantrikern“, über „Shaolin-Mönche“ bis hin zum „Ahnenerbe der SS“. Das besondere an der Entdeckung des Orgons ist seine Greifbarkeit, seine „Unmittelbarkeit“ – sie zwingt den Körper mitzuschwingen, mitzupulsieren, sich hinzugeben. Die besagten „Leute“ hingegen, halten die Lebensenergie sozusagen auf Distanz und reduzieren sie auf möglichst statische Teilfunktionen, etwa „Erstrahlung“. Der Unterschied wird insbesondere am okularen Segment deutlich: während die besagten „Leute“ typischerweise einen verschleierten Blick haben und in einer „zweidimensionalen“, „flachen“ Welt leben, weitet sich bei korrekt durchgeführter Orgontherapie parallel zum wachsenden Kontakt mit der organismischen Orgonenergie und aufkommenden Strömungsempfindungen das okulare Segment und man beginnt genuin dreidimensional zu sehen.

Peter schrieb damals im Diskussionsforum: Neulich habe ich buchstäblich mit offenem Mund vor dem PC gesessen, als ich das von Dorothea Fuckert las – die Quelle ist heute, 2015, aus dem Netz verschwunden:

Heilung ist Entfaltung unserer vielschichtigen Gesamtheit und göttlichen Natur. Denn hinter den Körpersymptomen, emotionalen Beschwerden und negativen Gedanken schlummert ein riesiges Potential, das auf seine Entfaltung wartet. Dies ist als Evolutionsweg im menschlichen Bewußtsein angelegt. Es ist die Göttlichkeit in jedem Einzelnen, denn wurden wir nicht nach göttlichem Ebenbild erschaffen? Diese Annahme wird dadurch belegt, daß wir bisher nur 15% unserer Gehirnfunktionen kennen und nutzen. Das heißt, unser IQ liegt bei 15%, und unser begrenzter Verstand kann noch nicht erfassen, was 100% bedeuten würde. Diese Tatsache ist kein bedeutungsloser Zufall der Natur, sondern besagt, daß noch 85% zu erkennen und zu entwickeln sind. Wo liegt dieses Potential, wie sieht es aus und welches sind die Schlüssel, um es zu erschließen? In unseren 7 feinstofflichen Hauptchakras (Energietransformatoren) sind jeweils 12 unterschiedliche Ressourcen, Qualitäten und Energien eingebettet und warten auf ihre vollständige Aktivierung. Diese 84 Ressourcen können aus den energetischen Verdichtungen der entsprechenden Körperbereiche gelöst und als göttliche Qualitäten gelebt werden. Das letztendliche Ziel dieses Entwicklungsweges ist Liebe als die universale Schöpfungs- und Heilungskraft. Das Seminar bietet gleichzeitig einen Überblick an über die Ausbildung „Chakra-Heilung und Einweihungsweg nach St. Germain“

Ja wirklich: der Graf von Saint Germain! Auf den Unsinn mit den „Gehirnfunktionen“ will ich gar nicht erst eingehen. https://de.wikipedia.org/wiki/Zehn-Prozent-Mythos

O.: Fuckerts rechtfertigen ihren Esoteriktrip wie folgt: ” …Unsere Behandlungsangebote entwickelten sich mit unserer eigenen Entwicklung. Nicht zuletzt wäre auch Reich nicht auf dem damaligen Stand stehen geblieben, sondern hätte ganz sicher seine energetische Forschung und Therapiemethode weiterentwickelt. Er gelangte in den letzten Jahren vor seinem Tod in spirituelle, kosmische Bereiche und wäre wohl dort auch weitergegangen.” http://www.fuckert.de/wilhelm-reich-institut/uber-unser-institut

Warum dann noch mal auf Reich sich beziehen? Fällt der Abschied so schwer? Hr. Dr. Fuckert tritt aus dem Schatten seiner Frau und gibt sich die Ehre mit der Mischung Homöopathie und Reich. Ich hoffe er versteht wenigstens von einer Sache etwas und kann es auch verständlich erklären, ansonsten bleibt es bei einer geschüttelten homöopathischen Dosis über Reich. Es ist völlig unverständlich, warum nach dem Achtziger Artikel über die Wundheilungen, nichts mehr wesentliches folgte. (s. Müschenich & Gebauer 1986) Die Fuckerts wollen nun – so angekündigt, die „Reichsche Forschung“ verlassen. – Thanks for leaving this Sector!

Peter 2015: Zu Homöopathie und Orgonomie siehe meinen Beitrag Buchbesprechung: LEBENSKRAFT UND KRANKHEITSDYNAMIK von Manfred Fuckert .

Peter: Sie ist Mitglied beim Institute for Orgonomic Science (IOS) und veröffentlicht in deren Annals. Dazu mein folgender Eintrag 2011: Herskowitz war, als letzter Schüler Reichs, diesem bis zu seinem Tod treu. Danach ist er (neben Duval) der einzige amerikanische Orgonom der alten Garde gewesen, der Baker treu geblieben ist. Nach dessen Tod wechselte er zum IOS, das zuvor einige Orgonomen (darunter Bakers Sohn) gegründet hatten, weil sie glaubten, daß mit Baker das passiert sei, was allen alten Leuten früher oder später widerfährt: als erstes geht die Urteilskraft flöten. Ob das bei Baker der Fall war, ist fraglich. (Es ging darum, ob man Millionen in eine Zentrale im ultrateuren, aber prestigeträchtigen Princeton stecken sollte. Um irgendwelche theoretischen Fragen ging es – jedenfalls zunächst – nicht.) Ich fürchte jedoch, daß das mit dem Verlust der Urteilskraft auf Herskowitz definitiv zutrifft. Es gibt aber m.W. nicht auch nur den kleinsten Hinweis darauf, daß Herskowitz zum Mystiker geworden wäre oder sonst irgendwas vertreten würde, was… ähhhh – daneben ist.

Robert passend zum Thema: Es wird langsam immer wahnsinniger:

http://www.orgoniseafrica.com/

In Indien nennt man es Prana, in China Chi, in der westlichen Welt beschäftigte sich die Physik bis Anfang des vorigen Jahrhunderts mit dem so genannten Äther-Medium und Wilhelm Reich prägte schließlich den Begriff des Orgon. Gemeint ist immer ein sehr ähnliches Konzept einer universellen Lebensenergie, die alles durchdringt und aus der alles in gewisser Weise bestehen soll. Gast der Sendung ist der in Südafrika lebende Deutsche Georg Ritschl, der im Rahmen des Projekts „Orgonise Africa“ seit dem Jahr 2002 praktische Ansätze zur Energetisierung der Umwelt verfolgt und bereits ca. 20 000 kleinere Orgon-Akkumulatoren, sowie ca. 60 Orgonit-Cloudbuster in Süd- und Ostafrika installiert hat.

http://cropfm.at/mp3/sendung_orgonise.mp3

O. verwies auf:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=S1hpmqB9KGE%5D

und ich verwies auf:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=FzWOwwNX6Rk%5D

Und dann ist da natürlich Steven Katz, zu dessen Helden, seiner Face Book-Seite zufolge, u.a. Reagan und Che Guevara gehören. Er hatte 2011 das Buch Wilhelm Reich – Liberation Theologian of Cosmic Energy veröffentlicht. http://skatz.magcloud.com/

Diese Arbeit untersucht die spirituellen Implikationen der letzten Jahre des Erfinders, Wissenschaftlers und Philosophen, Dr. Wilhelm Reich. Neue Fakten werden über Dr. Reichs UFO-Kontakte und seine Entdeckung eines metaphysischen Portals während des Oranur-Experiments enthüllt. Dies sind die geheimen und unterdrückten Beweise für Reichs Durchbruch in das Okkulte.

Peter 2011: Das Buch enthält beispielsweise Angriffe auf Elsworth Baker und Paul Mathews. Und so einen „mystisch-kommunistischen“ schizophrenen Schrott wie: „Insbesondere verglich sich Reich mit Martin Luther, als er sich dem abgekarteten Spiel der kapitalistischen Justiz entgegenstellte, der er ausgesetzt war wegen dem Versand von Orgonenergie-Akkumulatoren über inneramerikanische Staatsgrenzen hinweg (um den Organismus mit revolutionärer Energie biologisch aufzuladen).” Mein Gott, das ist ja schlimmer als das Buch über das „Orgasmotron“ von Christopher Turner! Nur ein weiteres Beispiel: “Eden, Jerome, Planet in Trouble. The UFO Assault On Earth (Careywood, ID, Jerome Eden Co., 1973) (Diese Arbeit beschreibt feindliche Formen von UFOs. Diese Raumschiffe stehen im Bündnis mit den Kapitalisten, um die Bevölkerung in Angst zu versetzen und zu verhindern, daß Menschen Kontakt mit den kommunistischen extraterrestrischen Raumschiffen aufzunehmen.)” sic!

Klaus ergänzt Diskussionsforum 2010: eine Nachlese (Teil 3): Habe nun dieses ‘Rotorgon’ gebaut (wie schlecht auch immer): Scheint sich nur zu bewegen, wenn es oben und an der offenen Seite nicht abgedeckt ist – spricht dafür, daß da nur Luftbewegungen am Werk sind. Wie schade.

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=DhDBdIwGU3U%5D

Martin (Regensburg) merkt an:

Man sollte keinesfalls glauben, daß die Wissenschaft per se eine honorige Angelegenheit ist. Auch in dieser Sparte wird oft mehr vertuscht als aufgeklärt; das Interesse der Macht gebietet sogar kategorisch, dem Volk zuviel wissen zu lassen.

Im 19.Jahrhundert wurde von Gauß und seinen Schülern in Göttingen die moderne Physik revolutioniert durch geniale Versuche. Der Arzt und Mathematiker Helmholtz wurde als Gegenpol in Berlin installiert und massiv gefördert. Auf diese Weise wurden die stringenten praktischen Untersuchungen der Göppinger durch mathematisch-metaphysische Konstrukte ersetzt. Man wird eines Tages einsehen müssen, daß der Stillstand in der Physik mit Einstein zementiert wurde. Seither gibt es keine vorurteilsfreie Forschung mehr, Urknall und E = mc² verhindern die freie Sicht.

Ein genialer Schüler von Gauß, sein Nachfolger Weber, fuhr kurz nach Faradays Tod nach London, um dessen hinterlassene Aufzeichnungen durchzusehen. Enttäuscht fuhr er zurück, denn es war fast alles auf mysteriöse Weise verschwunden. Natürlich werden diese Zusammenhänge von den Physikern bestritten, aber leider ist nichts schwerer aus den Köpfen zu bekommen, wie ein über lange Jahre angelerntes Vorurteil. Was würde geschehen, falls tatsächlich ein genialer Kopf den „Äther“ als Energiequelle anzapfen könnte? Über Nacht verlören die Mächtigen ihre Macht, weil jeder Bürger von den ihn versklavenden Energielieferungen frei wäre. Der Tod von Reich im Gefängnis wird unaufgeklärt bleiben und seine Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind verschwunden.

Peter 2015: Nun ja, der deutlich vorgealterte Reich war zweifellos seit mindestens Anfang der 1950er Jahre schwer herzkrank. Selbst wenn er sich hätte konventionell behandeln lassen, konnte man solchen Patienten zur damaligen Zeit kaum helfen. Seine letzten Manuskripte sind tatsächlich verschwunden. Ob sie mehr enthalten haben als Contact with Space?

James DeMeos Buch über den Orgonenergie-Akkumulator ziert ein bemerkenswertes Photo, das ein blaues orgonotisches Erstrahlungsfeld um den Körper eines Astronauten zeigt, der auf dem Mond, d.h. im Vakuum steht. Dazu merkte O. an: „DeMeo behauptet das originale Bild der Nasa auf dem Mond habe ein blaues Leuchten um den Anzug des Astronauten gehabt. Nimmt man jedoch an, daß die Mondlandung nirgendwo anders als in einem Londoner Studio stattgefunden hat, wie hat DeMeo dann das orgotische Leuchten des Astronauten aufs Bild bekommen und was beweist es dann?“

Ich verwies auf DeMeos http://www.orgonelab.org/astronautblues.htm, worauf O. anwortete:

Das sind schöne „Mondbilder“ auf DeMeos Seite. Ratzfatz läuft man da zum Rand des Mondes. Wenn man das Leuchtphänomen mal außen vor läßt, gibt’s ja noch die auf dem Mond aufgestellten Scheinwerfer … interessant wäre die Spiegelung im Visier des Mannes zu vergrößern … ich stelle mal die Hypothese auf, daß das Gerät auf dem Mond in keinem Kindergarten einen TÜV kriegen würde.

Peter 2015: Das zeigt, wie zerstörerisch Verschwörungstheorien sind: sie sorgen für Verwirrung, bringen den arbeitsdemokratischen Prozeß durcheinander und binden Energie im Gehirn. Hier wird von O. (ernsthaft?) darauf angespielt, ausgerechnet Stanley Kubrick, der vor McCarthy aus den USA geflohen war, mit dem Equipment von 2001 der NASA ausgeholfen hätte… Alle „Argumente“ dieser Verschwörungstheorie zeugen von einer naturwissenschaftlichen Naivität, die einfach nur peinlich ist. Beispiele: Zweifellos waren die Astronauten einer ungeheuren Strahlenbelastung ausgesetzt, als sie den Van-Allen-Gürtel durchflogen, aber sie war für diese relativ kurze Zeit vertretbar. Die Mondoberfläche reflektiert die Sonneneinstrahlung außergewöhnlich gut, wie jeder weiß, der bei Vollmond schon mal die Zeitung gelesen hat. Wer also glaubt, die „ausgeleuchteten“ Schatten auf den Photos vom Mond wiesen auf Studioscheinwerfer hin… Ja, in der Sonne ist es auf dem Mond unvorstellbar heiß, aber das bedeutet nicht, daß die Astronauten mit ihren Anzügen in einen Hochofen hineinspazieren hätten können, denn es handelt sich auf dem Mond um ein Hochvakuum. Schon mal eine moderne „Vakuum-Thermosflasche“ angefaßt, in der kochendheißer Kaffee ist? Und so in allem. Verschwörungstheoretiker sind meist von einer naturwissenschaftlichen Ahnungslosigkeit gezeichnet, die atemberaubend ist. Das gilt auch für „Experten“, etwa Photographen, die sich allen Ernstes fragen, wie denn die empfindlichen Filmrollen auf dem Mond eine Hitze überstanden hätten, die instantan Blei zum Schmelzen bringen würde. Seufz… Und so bei fast allen Verschwörungstheorien: als würde man mit Kleinkindern diskutieren!

Klaus warf ein: „wie hat DeMeo dann das orgonotische Leuchten des Astronauten aufs Bild bekommen und was beweist es dann?” Leute, was soll es denn beweisen?! So ratzfatz geht das mit dem Beweisen (und Beweisen wovon?) nicht. Man kann einen Hinweis darin sehen und ihm nachgehen. Beweisen kann man dann ALLENFALLS Hypothesen, die ausreichend klar formuliert werden müssen. Ich sehe nachts um jede Straßenlaterne ähnliche „Strahlenkränze“. Spannender sind z.B. Erscheinungen, die man mit einer Lupe vergrößern kann, wie es nach Meinung einiger ja z. B. bei den von Anaxagoras „Tilai“ genannten „Sonnenstäubchen“ der Fall ist (mir ist es noch nicht gelungen). Vgl.

Sonnenstäubchen paart mit Sonnenstäubchen
Sich in trauter Harmonie,
Sphären ineinander lenkt die Liebe,
Weltsysteme dauren nur durch sie.
(Schiller, Phantasie an Laura)

und Monets klare Darstellung des Phänomens auf einem Bild (v.a. Himmel):

Diskussionsforum 2010: eine Nachlese (Teil 4)

7. Juni 2015

Robert weiter über Reichs Mitarbeiter:

Jonathan Høegh Leunbach (1884-1955)

In den 1920er Jahren war der Arzt J.H. Leunbach die zentrale Figur der Auseinandersetzungen um eine Sexualreform in Dänemark, die im „Kampf der Ideologien“ (Henning Kehler) zwischen den Anhängern und Anhängerinnen der materialistisch-biologistischen und der konservativ-spiritualistischen Weltanschauung ausgetragen wurden.

Leben und Werk

L wurde am 16. Dezember 1884 in Lidemark bei Bjæverskov/Jütland (damals zu Deutschland gehörend) geboren. Über seine Eltern konnte nur in Erfahrung gebracht werden, daß sein Vater ein deutscher Priester adeliger Abstammung war, der sein Adelsprädikat jedoch abgelegt hatte. Nach dem Abitur begann der junge L. mit dem Studium der Medizin, übersiedelte nach der Promotion 1912 nach Dänemark und legte dort das dänische Staatsexamen ab. Er arbeitete zunächst in verschiedenen Kopenhagener Krankenhäusern, bis er 1922 in der Hauptstadt eine Praxis als Allgemeinmediziner eröffnete.

Sein sexualreformerisches Engagement begann eher zufällig, nachdem er für die dänische Zeitung Social-Demokraten ein Buch über Geburtenkontrolle rezensiert hatte und daraufhin von einer Gruppe kommunistischer Arbeiterinnen gebeten wurde, einen Vortrag über Sexualaufklärung und Verhütungsmittel zu halten. Daraus entwickelte sich in der Folgezeit eine rege Vortragstätigkeit. Auch verfaßte L. zahlreiche, zum Teil populärwissenschaftlich gehaltene Publikationen, in denen er sich für die Freigabe von Verhütungsmitteln, das Recht auf Abtreibung und Sexualaufklärung einsetzte. Zusammen mit dem „Kommunistik Kvindesekrerariat“ (Kommunistisches Frauenbüro) richtete er 1923 die erste dänische Sexualberatungsstelle in Kopenhagen ein, in der er zweimal wöchentlich kostenlos Beratungen anbot – eine Initiative, die sowohl unter ärztlichen Kollegen als auch beim konservativen Verein „Dänischer Frauenverband“ auf heftige Kritik stieß. Die Proteste hinderten ihn nicht daran, gemeinsam mit der radikalen Feministin und Schriftstellerin Thit Jensen im Jahr 1924 die „Foreningen for seksuel Oplysning“ (FSO), die Vereinigung Für sexuelle Aufklärung, zu gründen. Die Organisation engagierte sich für Fragen des Mutterschutzes, der sexuellen Hygiene und Sexualaufklärung. Ein Jahr später begann er die Zusammenarbeit mit dem „Arbejderkvindernes Oplysninsforbund“ (AO). Der Arbeiterinnen-Aufklärungsverband – stand der Kommunistischen Partei Dänemarks (DKP) nahe – war die erste Frauenvereinigung Dänemarks, die den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Sexualpolitik legte. 1932 eröffnete der AO mit L.s Hilfe Sexualkliniken in Kopenhagen und Ejsberg. Im Mitteilungsblatt des Verbandes war L. für die Rubrik „Gesundheit und sexuelle Beziehung“ zuständig, einer Art Briefkasten für Anfragen. 1932 wurden die Briefe unter dem Titel Kvinder i Nod: Breve til en Læge (Frauen in Not: Briefe an einen Arzt) veröffentlicht (Leunbach 1932). Eng arbeitete L. auch mit der schwedischen Journalistin und Syndikalistin Elise Ottesen-Jensen zusammen, der Gründerin des 1933 ins Leben gerufenen schwedischen „Riksförbundet för sexuell upplysning“ (RFSU), dem nationalen Reichsverband für sexuelle Aufklärung.

1928 unterstützte L. den Berliner Sexualarzt Magnus Hirschfeld bei der Organisation eines Kongresses für Sexualreform in Kopenhagen, auf dem sich am 3. Juli die Weltliga für Sexualreform (WLSR) konstituierte. L. arbeitete zunächst als Generalsekretär, ab 1931 fungierte er zusammen mit Hirschfeld und dem liberalen englischen Sexualreformer Norman Haire als einer der drei Präsidenten der WLSR. Das 20-Punkte-Programm der Liga umfaßte neben Forderungen zur Reformierung der Ehegesetzgebung und Gleichberechtigung der Geschlechter, Fragen zur Geburtenregelung, Eugenik, Bekämpfung der Prostitution, Entkriminalisierung von Homosexualität sowie zu einer planmäßigen Sexualerziehung und Aufklärung. Auf dem 4. Kongreß der Liga, der 1930 in Wien stattfand, zählte die WLSR bereits 183 Einzelmitglieder und unter Einbeziehung aller angeschlossenen Verbände nach eigenen Angaben 130 000 Personen. Bei einem Veranstaltungsabend im Rahmen des Kongresses trat L. in Wilhelm Reichs Verein „Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung“ als Referent auf.

Im Sommer 1932 war L. Ziel und Mittelpunkt einer Pressekampagne, da in der von ihm geleiteten Klinik des AO eine Frau an den Folgen einer Abtreibung verstorben war. Als Ergebnis der heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen wurde die Abtreibungsgesetzgebung in Dänemark verschärft und gegen L. Anklage erhoben. Kurz nach Einleitung der Voruntersuchungen ließ sich L. als unabhängiger Kandidat für die Liste der Dänischen Kommunistischen Partei (DKP) zu den Reichstagswahlen aufstellen. In den Mittelpunkt seines Wahlkampfes, der vom AO intensiv unterstützt wurde, stand die Abtreibungsfrage. L. erhielt in seinem Wahlkreis weit über 1 000 Stimmen und ermöglichte damit der DKP, erstmals in ihrer Geschichte mit zwei Abgeordneten in den Reichstag einzuziehen. Nachdem Wilhelm Reich im Mai 1933 nach Dänemark emigriert war, verschrieb sich L. voll und ganz dem Aufbau der skandinavischen Sexpol-Bewegung. Er leitete deren dänische Gruppe und bestimmte zusammen mit Jørgen Neergaard und Tage Philipson entscheidend deren politischen Kurs. Damit eng verbunden waren in den Folgejahren L.s Bestrebungen zur Abgrenzung der Sexpol von den Positionen der WLSR.

Mit L.s Einschwenken auf Reichs Positionen begann der Kampf um die Führungsposition innerhalb der WLSR. Da sich die Sexualität vom Politischen nicht trennen lasse, könne die Liga – so L. 1935 – als unpolitische Bewegung nicht weitergeführt werden und sei aus diesem Grund, vor allem aber auch nach dem Sieg des Nationalsozialismus, eine Utopie. Den Versuch der WLSR, innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft den Kampf für Reformen zu führen, sah er als gescheitert an. Kurz nach der Kritik an der WLSR starb Magnus Hirschfeld im französischen Exil. In seinem Nachruf auf Hirschfeld kündigte L. bereits das Ende der „in Auflösung begriffenen“ WLSR an, die ihrem Gründer „wahrscheinlich bald […] ins Grab folgen“ werde.

Die Abgrenzung der Sexpol von der WLSR und ihre Etablierung als eigenständige sexualpolitische Bewegung muß im Zusammenhang mit dem Abtreibungsprozeß gegen L. gesehen werden, der drei Jahre nach Anklageerhebung im Mai 1935 vor einem Kopenhagener Geschworenengericht stattfand. Der Prozeß endete, wie die Exilgruppe der deutschen Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) in Kopenhagen in einem internen Rundschreiben festhielt, mit einem „sensationellen“ Freispruch. Der erfolgreiche Prozeßausgang gab Anlaß zum Optimismus. Nach der Stimmung innerhalb des sozialdemokratischen Flügels der Sexualreformbewegung zu urteilen, erschien der Sexpol eine Radikalisierung und Übernahme von Teilen der WLSR als realistisch. Wenige Wochen nach Prozeßende kam es zu einer grundsätzlichen Kontroverse zwischen L. und Haire, die in der Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (ZPPS), dem Organ der Sexpol, ausgetragen wurde. In seiner Antwort auf L.s Kritik hielt Haire an der unpolitischen Haltung der Sexualreformbewegung fest und verteidigte die Position, das Reformprogramm mittels einer Politik der kleinen Schritte durchführen zu wollen. Dies bedeutete den endgültigen Bruch. Im Sommer 1935 erklärten L. und Haire die WLSR für aufgelöst. Bereits im folgenden Heft der ZPPS kündigte die Sexpol an, „dass ein grosser und wichtiger Teil der Funktionen der Weltliga […] ins revolutionäre Lager geführt, von der Sexpol übernommen wurde“.

Tatsächlich konnte davon jedoch keine Rede sein, denn in der Folgezeit arbeitete nur der RFSU als einzige sexualpolitische Massenorganisation mit der Sexpol aktiv zusammen. Während sich der deutsche Sexualarzt Max Hodann im (vorübergehenden) dänischen Exil auf die Seite der Sexpol stellte, kam von Seiten des ehemaligen Präsidenten des österreichischen Freidenker-Verbandes, Theodor Hartwig, scharfe Kritik. Er warf der Sexpol vor, sie sei noch nicht einmal zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft bereit und der „Kinderkrankheit des Radikalismus“ verfallen. In seiner Erwiderung machte L. Haire für die Auflösung der WLSR verantwortlich, mit der er sich „völlig einverstanden“ erklärt hätte, fügte aber gleichzeitig hinzu: „Selbstverständlich müssen wir uns bestreben, unsere Gegner zu spalten und versuchen, die fortschrittlichsten und ‚idealistisch gesinnten‘ für uns zu gewinnen“ (Leunbach an Hartwig).

Der Ausschluß Reichs aus der Kommunistischen Partei hatte 1933 auch die Kooperation zwischen L. und der DKP beendet. Indem die DKP Reich und damit indirekt auch L Illoyalität vorwarf, konnte sie um so leichter die mittlerweile lästig gewordene Sexualpolitik aus ihrem Programm streichen. 1934 wurde der AO für aufgelöst erklärt. Jedoch konnte sich die DKP nicht davor drücken, den gegenüber L. zugesicherten Vorschlag zu einer neuen Sexualgesetzgebung (er hatte ihn mit Sexpol-Sachverständigen und in Verbindung mit der DKP ausgearbeitet) in den Reichstag einzubringen. Als dies schließlich geschah, hatte die DKP „wesentliche Punkte“ daraus gestrichen, ohne der Sexpol dafür die „sachlichen Gründe“ zu nennen. Um so überraschender war für L. das Angebot von Aksel Larsen, dem Vorsitzenden der DKP, im Herbst 1935 als Vertreter der Sexpol bei den Reichstagswahlen in Einheitsfront mit der Kommunistischen Partei zu kandidieren. Im Namen der Sexpol forderte L., die DKP müsse auch „in der Zukunft die revolutionäre Sexpol“ und die „Verbreitung von Sexpol-Schriften unterstützen“; ihre „Anschauungen und das Programm […] sollten auch nach der Wahl uneingeschränkt diskutiert und propagiert werden können“ und „freie Diskussionen darüber in den Mitgliederkreisen der Partei gestattet“ werden (Leunbach am 5. Oktober 1935 an das ZK der DKP). Unter dem Motto „Leunbachs Appell“ propagierte die Sexpol in ihrer Wahlkampfzeitung ein rein sexualpolitisches Programm, das vor allem Präventivmaßnahmen enthielt, wie etwa eine „sexualbejahende Volksaufklärung“, die Reformierung der Ehegesetzgebung und die Übernahme der Kosten für die Kinderversorgung durch die Gesellschaft sowie deren „direkte Kontrolle durch die Bevölkerung“, des weiteren das Recht der Jugend auf freie Sexualität, Gleichberechtigung der Geschlechter, „freier, kostenloser und öffentlicher Zugang zu Sexualaufklärung, Schwangerschaftsvorbeugung und Verhütungsmitteln“, die Legalisierung der Abtreibung, Mutterschutz vor der Geburt und die Einrichtung von Säuglingsheimen und Kindergärten.

Allerdings währte die Einheitsfront zwischen der Sexpol und der DKP nicht lange. In seinem letzten Beitrag in der ZPPS stellte Leunbach 1937 resigniert fest, daß „die revolutionären Parteien – vielleicht mit Ausnahme der Anarchisten – in der bürgerlichen Sexualideologie steckengeblieben“ seien. Im Sommer 1936 wurde L. zusammen mit Tage Philipson im Zuge der Verhaftung der deutschen Arztin Käte Reinhardt (an die beide Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch vermittelt hatten) erneut unter Anklage gestellt, da eine Frau an den Folgen des Eingriffs verstorben war. Obwohl die Anklage in der dänischen Presse wiederum hitzige Debatten auslöste, konnte die dänische Sexpol im Herbst 1936 ihre erste Sexualklinik in Kopenhagen eröffnen. Anfang Dezember 1936 begann schließlich der Prozeß vor einem Kopenhagener Geschworenengericht, der Reich zufolge zur „erste(n) Probe“ für „die Tragfähigkeit“ der Sexpol werden sollte. Zwar versuchte Reich vor Prozeßbeginn, die norwegische Sexpolgruppe zu mobilisieren, aber selbst seine Drohung, die Sexpol aufzulösen, blieb weitgehend wirkungslos. L. und Philipson wurden zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen verurteilt, außerdem wurden ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte für fünf bzw. drei Jahre entzogen, womit das Verbot der Berufsausübung verbunden war. Wenig später teilte Reich Hodann seinen Entschluß mit, sich aus der Politik zurückzuziehen (Hodann an Asmus Orga am 27. Dezember 1936). Während L. und Philipson im Gefängnis einsaßen, starb Jørgen Neergaard im Alter von 27 Jahren in einem Osloer Krankenhaus an Knochenkrebs. Alles zusammen genommen, bedeutete das das Ende für die dänische Sexpol.

Die Verurteilung schädigte L.s Ansehen schwer. Viele seiner einstigen Sympathisantinnen wandten sich in der Folgezeit von ihm ab. Nach seiner Entlassung arbeitete er in Reichs Osloer „Institut für Sexualökonomische Forschung“ an den Bion-Experimenten mit, bis Reich 1939 in die USA emigrierte. Nach der Okkupation Dänemarks durch Hitler-Deutschland flüchtete L. nach Schweden, wo er bis zum Ende des Krieges blieb. In seinen letzten Lebensjahren litt er unter der Parkinson-Erkrankung.

Während eines Urlaubs in Norditalien beging er am 24. September 1955 in Camoglie im Alter von 71 Jahren Selbstmord.

Im Mittelpunkt seines Lebenswerkes standen die Prävention sexueller Störungen und der Kampf für das Selbstbestimmungsrecht der Menschen über ihre Fortpflanzung. Er forderte eine uneingeschränkte Sexualaufklärung sowohl durch Volkshochschulkurse als auch in Schulen sowie die freie Abgabe von Verhütungsmitteln und eine kostenlose ärztliche Unterweisung in ihrer Anwendung. In seiner 25-jährigen ärztlichen Tätigkeit wies er nach eigenen Angaben über 40 000 Frauen in den Gebrauch des Pessars ein. Er plädierte für die Legalisierung der Abtreibung und kritisierte die unzureichende Sexualaufklärung von Kindern und Jugendlichen. In der Geburtenregelung erkannte er eine „der brennendsten Fragen der Gegenwart“. Ganz im Zeichen der damaligen Zeit stand sein Interesse für die Eugenik. Als „Hauptbedingung für die Verwirklichung der Eugenik“ müßte die „Fortpflanzung dem bewußten Willen des Menschen unterworfen sein“. Die frühere planlose Fortpflanzung solle durch eine rationale Auswahl abgelöst werden. Diese freiwillige Geburtenkontrolle müsse durch eine erzwungene Sterilisierung von Geisteskranken ergänzt werden. Zwar räumte er allen Individuen das Recht auf eine von bürgerlichen Moralvorstellungen freie sexuelle Befriedigung ein, jedoch nicht auf Fortpflanzung. Seine Einstellung zur Homosexualität änderte sich im Laufe der Jahre. Hatte er Homosexualität zunächst als „zwar abweichende Form, aber nichtsdestoweniger vollauf natürliche Erscheinung“ anerkannt, interpretierte er ab Mitte der 1930er Jahre Homosexualität nicht als „konstitutionelle Andersartigkeit“, die „völlig gleichwertig und gleichberechtigt mit der Heterosexualität“ sei, sondern unter Bezugnahme auf Reichs Sexualökonomie als Folge von die Sexualität unterdrückenden Erziehungsmethoden.

(Artikel etwas gekürzt; Personenlexikon der Sexualforschung)

Seine Erinnerungen an Eva Reich schildert Heiko Lassek in einer berührenden Weise: http://www.heikolassek.de/39994.html (unter den Fotos und dem nächsten Seminartermin)

Aus der norwegischen Wikipedia wurde der Artikel zu Ola Raknes übersetzt. Artikel und Übersetzung stammen vom Urenkel. http://en.wikipedia.org/wiki/Ola_Raknes

Zum Schluß Roberts verdienstvoller Verweis auf den israelischen und deutschen Orgonomen Dr. med Walter Hoppe.

Walter Hoppe in Palästina

Dr. Walter Hoppe emigrierte 1932 nach Palästina.* Dort veröffentlichte er mehrere Artikel**, die man glücklicherweise digitalisiert auffinden kann. So ist die Palestine Post verfügbar.***

Ich (Robert) konnte folgendes finden:

– Ein Brief von Felicytas Hoppe-Rosenfeld aus Krakau (11.Aug 1942)

– Buchbesprechung über die Mass Psychology (10.April 1947)

– Eine Anzeige für die Mass Psychology (12.Mai 1947)

– Air Chambers (28. Oktober 1947)

– Public Warning (15. Aug 1949)

In Palästina/Israel veröffentlichte er auch eine Zeitschrift, die INTERNATIONALE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE, deren ersten 3 Nummern von Martin Feuchtwanger in seinem Verlag Edition Olympia, Tel Aviv, herausgegeben wurden. Die vierte Nummer wurde wegen des Todes von Feuchtwanger direkt in den Orgone Institute Research Laboratories, Tel Aviv, herausgegeben.

Martin Feuchtwanger war der Bruder von Lion Feuchtwanger**** und war früher als Verleger tätig. In seinem kleinen Verlag Edition Olympia gab er größtenteils Judaica heraus. Ernähren konnte er seine Familie mit dem Verlag aber nicht und so blieb ihm nichts anderes übrig, als seine Wohnung mittags und abends in ein Restaurant umzuwandeln und als Koch tätig zu werden.

* http://www.trettin-tv.de/hoppe.htm
** http://www.orgonomie.net/hdobiblio5.htm
*** http://www.jpress.nli.org.il/Olive/APA/NLI/?action=search&text=walter%20hoppe
**** http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Feuchtwanger

Nicht zu vergessen: http://www.flensburg-online.de/orgonomie/walter_hoppe/biopsychische-und-biophysische-krebsentstehung-im-lichte-der-orgonomie.html

wr9

Diskussionsforum 2010: eine Nachlese (Teil 3)

6. Juni 2015

Klaus fragte Ende Juni 2010 nach dem „Rotorgon“, „ob es funktioniert und – wenn ja – , ob es wegen Orgon klappt“.

Hier das Rotorgon-Gerät in Aktion:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=c_h-0t4-4M4%5D

Klaus:

Nach meiner Frage zum „Rotorgon“ eine weitere zu neueren Eso-Themen, die Reichs Orgongeräte verwursten: Die Chemtrail-These führt – wie man einem Forum entnehmen kann (http://www.cb-forum.com/Forum/index.php/topic,4227.0.html) – zu einem zunehmenden Einsatz von als Cloudbuster bezeichneten Geräten (ich weiß noch nicht so recht, woraus sie genau bestehen). Falls sie wie Cloudbuster wirken, könnte das eine derbe Gefahr sein. Sie sollen allerdings inzwischen an allen Ecken und Enden (z.B. mitten in Berlin) herumstehen und stundenlang im Einsatz sein, was wohl eher gegen eine typische Cloudbusterwirkung spricht.

Wie unglaublich populär diese Kackscheiße ist, sieht man daran, daß ich (PN), als ich beim Zusammenstellen dieses Blogeintrags auf den von Klaus präsentierten Link tippte, auf folgendes stieß: „Bandwidth Limit Exceeded. The server is temporarily unable to service your request due to the site owner reaching his/her bandwidth limit. Please try again later.“

Den „Chembuster“ beschreibe ich hier ganz kurz.

Juli 2010 verweist Robert auf „Desert Greening mit Himmelsakupunktur“: http://www.alpenparlament.tv/mediathek/natur-umwelt-energie/154-desert-greening

Mein damaliger Kommentar: „Desert Greening mit Himmelsakupunktur“ ist ein typisches Beispiel für das zerstörerische Wirken von orgonomischen Laien, die massenhaft in der „Körperpsychotherapie“ Schaden anrichten und nun in einem schier entsetzlichen Ausmaß sogar beim Cloudbusting. Ein perfektes Beispiel für EMOTIONELLE PEST!

Klaus im Anschluß daran zum Cloudbuster und ORAC:

Deswegen ärgert es mich immer wieder, daß Reichianer orgontechnische Bauanleitungen verbreiten, als wäre es wünschenswert, die Geräte zu verbreiten. Vor vielen Jahren experimentierte ich nach ein paar Jahren Erfahrungen mit ORACs verschiedener Bauarten ein wenig mit einem kleinen DOR-Buster. Subjektiv war die Wirkung so stark (weniger als eine Minute auf zentrale Stellen des Körpers, etwa Nacken, gerichtet), daß ich mir der mit einem Cloudbuster verbundenen Gefahren ziemlich bewußt bin. Ich frage mich immer wieder: Warum kursieren im Internet Filme von Cloudbuster-Operationen (sogar in dichtbesiedelten Gebieten Deutschlands) so, als hätte da jemand segensreich gewirkt?

Zum Kotzen – ich kann das Wort “energetisch” u. ä. nicht mehr ertragen:[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=0jStp_bCYQs%5D

Klaus im Juli 2010:

Mal wieder einen Eindruck aus der Reichistenszene gewonnen: Ein gewisser Herr, der das Internet seit Längerem mit Orgonkram überschwemmt, sich einen erfundenen akad. Titel zulegte und Orgasmusreflextherapie (auch schon mal mit Rabatt) anbietet, macht mich staunen: Das alte Buch Der Orgonakkumulator nach Wilhelm Reich, das als von Jürgen Fischer verfaßt gilt, wird von seinem alten Mitkommunarden Trettin nun ohne jede Verfasserangabe angeboten. Das völlige Nichterwähnen Fischers (was auch immer man von ihm halten mag) hat schon etwas von den sowjetischen Fotos mit wegretuschiertem Trotzki. http://www.trettin-tv.de/wrgbuch.htm

Robert über die Herausgabe der Reichschen Werke:

Der Schrott der deutschen Ausgaben

Haben Sie sich auch schon gewundert, warum man in dem Buch Die Funktion des Orgasmus in der hinteren Abbildung des autonomen Nervensystems nichts erkennen kann? Ganz einfach. Die Abbildung ist in Grautönen, so erkennt man jene Teile nicht, auf die es ankommt. In der Ausgabe der Orgone Institute Press ist die Zeichnung dagegen farbig und alles gut erkennbar.

In Die kosmische Überlagerung fehlt das Bild der Vakuumröhre aus unerfindlichen Gründen (Fig. 37).

Und in Hör zu kleiner Mann fehlt mindestens eine Zeichnung von William Steig.

Robert hat wieder einige interessante Quellen zur Orgonomie aufgetan:

Wilhelm Reich: Cosmic Orgone Engineering. OROP Desert in englischer Sprache: http://www.rexresearch.com/orgone/core.pdf

Orgone Biophysical Research: http://www.lauralee.com/index.cgi?pid=3064

1930 kam WR nach Berlin.
Wer Berlin-Atmosphäre dieser Zeit schnuppern möchte, sollte sich den Film Berlin wie es war ansehen. Die Filmaufnahmen sind von 1930, der Ton von 1950. http://de.wikipedia.org/wiki/Berlin_wie_es_war

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=v3BLPiffwcA%5D

Robert verweist auch auf den Kanal des Wilhelm-Reich-Museums auf Youtube: http://www.youtube.com/user/wilhelmreichtrust

„Übrigens macht der Trust mit seinen Orgonon-Besuchstagen und seinem Büchershop finanziellen Verlust.“

Auf http://www.docstoc.com kann man verschiedene Dateien zu Reich finden, lesen und speichern. Zum Beispiel
a) THE STRANGE CASE OF WILHELM REICH
b) LISTEN LITTLE MAN WILHELM REICH
c) Last Will and Testament of Wilhelm Reich – March 8, 1957
und anderes mehr

Auch auf Script gibt es zu WR einige Ressourcen: http://www.scribd.com/tag/wilhelm%20reich?l=9&page=1

Robert: In einem Interview sagt der jugoslawische Regisseur Dušan Makavejev von W.R. – Die Mysterien des Organismus, daß er wegen dem Ärger mit dem Film zwei Jahre später das Land Jugoslawien verließ und nach den USA auswanderte. „Die ganze Angelegenheit wurde schlimmer und schlimmer und endete schließlich damit, daß ich zwei Jahre später das Land verließ.“ http://home.snafu.de/fsk-kino/archiv/wr.html

Robert über Reichs Mitarbeiter:

Christiane Rothländer
Karl Motesiczky (1904-1943). Eine biographische Rekonstruktion
Verlag: Turia & Kant 2009, 379 S., 32 Euro

Dies ist eines der besten Bücher zu Wilhelm Reich und insbesondere seiner linkspolitischen Aktivitäten. Die Biographie Karl Motesiczkys spielt zwar eine große Rolle, doch das Buch beinhaltet weitaus mehr. Darin werden auch Reichs politische Theorien, seine Bücher und der Aufbau und die Geschichte der Sexpol besprochen. Die Mitarbeiter der Sexpol werden ziemlich detailliert dargestellt. Viele bisher unbekannte Quellen, wie z.B. die internen Mitteilungsblätter der Sexpol werden ausgewertet. Da das Buch aus einer Doktorarbeit von 2004 hervorging, konnte noch nicht das Reich-Archiv ausgewertet werden. Rothländer gibt Reichs Theorien erstaunlich sachlich, unverfälscht und objektiv wieder. Daran stören auch nicht die wenigen Zitate von Dahmer oder Foucault, deren praxisferne Gedankenakrobatik ohnehin keine Relevanz für Reichs Forschungen besitzt.

Spannend sind auch einige bisher unbekannte Abbildungen von Mitarbeitern und Publikationen. Es zeigt sich, daß Reich durchaus auf sehr fruchtbaren Boden stieß, als er nach Nordeuropa emigrierte und überhaupt nicht als ein Außenseiter oder Verrückter galt. Die bekanntesten linkskulturellen Kreise nahmen seine Ideen begierig auf und einige berühmte und herausragende Persönlichkeiten wurden Reichs Mitkämpfer oder Schüler.

Geradezu unglaublich ist zu lesen, daß die Dänische Kommunistische Partei 1935 ein Wahlprogramm auf Grundlage der Sexpol aufstellte. Jedoch wurde die Sexpol von den Kommunisten bald im Stich gelassen.

Noch nie wurden die Theorien der Sexpol, die Artikel in der Zeitschrift für politische Psychologie und Sexualökonomie, Reichs politische Ambitionen und Fehleinschätzungen dermaßen detailliert diskutiert und wiedergegeben.

Erstaunlich ist auch, daß Rothländer Reichs Hautwiderstandsmessungen absolut objektiv wiedergibt, was für eine Historikerin nicht selbstverständlich ist.

Daß sie letzten Endes doch nicht begriffen hat, worüber sie forschte, zeigt ihre befremdliche Schlußeinschätzung, Wilhelm Reichs Fixierung falle „durch seine rastlose Suche nach dem vollendeten Orgasmus“ auf, die jedoch wie ein Fremdkörper im Buch wirkt, so als wollte sie dem wissenschaftlichen Mainstream ihre politische Korrektheit vorweisen.

Diskussionsforum 2010: eine Nachlese (Teil 2)

5. Juni 2015

Futjah wendet sich Anfang September 2010 direkt an mich, PN:

Deine Grundeinstellung wirkt auf mich sehr feindselig und VERurteilend.

Ich habe nichts gegen BEurteilungen, aber deine Abfälligkeit ist sehr auffällig.

Versteh mich nicht falsch, dafür möchte ich dich nicht verurteilen, finde es eher unheimlich verständlich, nur wenig hilfreich und damit unlebendig. Damit tust du dir selbst keinen Gefallen!

Ich hoffe du nimmst meine Kritik auf und verstehst, daß ich mich mit dir, dem „breitbeinig dastehenden Araber“ und allen anderen Menschen auf Augenhöhe fühle und ihnen nicht mehr ihre „Schwächen“ vorwerfe, die hat nämlich jeder auf seine Weise.

Botschaft Reichs ist für mich, daß jeder Mensch im Grunde gut bzw. lebendig ist. Was nicht bedeutet, daß ich mein Leben in die Hände anderer legen möchte und ihnen keine Grenzen bzgl. meiner Selbst aufzeigen werde.

Doch i.d.R. nicht ohne Verständnis für den anderen. Werte ich ihn ab, weil er angelblich mehr DOR und weniger Orgon ausstrahlt o.ä., so bin ich mehr „DOR-Verseucht“ als ich mir eingestehen möchte.

Ich hoffe bei dir ist nicht Orgon sowas wie Arier und DOR sowas wie Juden! Das Spiel hatten wir schon, bitte nicht nochmal! Auch wenn die Gefahr sehr groß ist wie man immer wieder mal sieht…

Klingt gut, worum es aber wirklich geht, scheint deutlich durch: die Angst davor, daß es mit dem „Gutsein“ des Menschen nicht sehr weit trägt und daß dies alptraumhafte Konsequenzen hat. „Reichianer“, größtenteils liberale Charaktere ohne jede Tiefe, können meist nicht begreifen, daß Christusmord eine Wasserscheide in Reichs Werk darstellt und Blütenträume über das Gute im Menschen, das man nur freilegen müsse, passé sind – das Böse real ist, keine bloße Oberflächenerscheinung. Ich verweise beispielsweise auf den Blogeintrag Verfilmungen von Reichs Buch CHRISTUSMORD.

Und was die abfällige Art von PN betrifft… Karl Klein wendet sich ebenfalls an mich:

Was die orgonomische Qualität ihrer Nachrichtenbriefe betrifft, möchte ich nur an einen Nachrichtenbrief erinnern, in dem sie ihre „Gegner“, hier Linke, ganz allgemein als „Kinderficker“ beschimpfen.

Ich antwortete damals: „Welchen? Wohl https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2015/05/13/kommunarden%C2%A0kinderficker/ Ich hätte noch ganz anders argumentieren können, insbesondere auf die Anfänge der GRÜNEN verweisen können.“

Was mich wirklich unermeßlich ankotzt, ist die Arroganz der Grünen: daß ausgerechnet dieses DRECKSPACK, diese schmierigen Sexkunde-Onkel und -Tanten, es wagt, die Katholische Kirche wegen deren Vergehen an Kindern anzuklagen. Und so in allem: daß diese „Israelkritiker“ überall „Nazis“ sehen, diese Vogelschredder („Windkraftanlagen“) es wagen, den Begriff „Umweltschutz“ in den Mund zu nehmen. Eine Partei, deren Klientel überwiegend von Steuergeldern lebt, „Ausbeutung“ anklagt. Leute, die „Bürgerrechte“ einklagen, aber gleichzeitig einen bürokratischen und Meinungsterror aufgebaut haben, der seinesgleichen sucht… Diese Pfaffen der Political Correctness hatten uns freie Rede versprochen. Niemand spielt virtuoser auf der Klaviatur der Schuldgefühle, denn die grünen ARSCHLÖCHER! Schluß, ich muß auf meine Herzgesundheit achtgeben.

Mal etwas Grundsätzliches über bestimmte Herrschaften: Jene, die sich in der Partei Die Grünen, im Umfeld der TAZ und nicht zuletzt im Reichianismus zusammengefunden haben, sind Menschen, die alles zerstören, mit dem sie in Kontakt kommen. In der DDR wurden die „Petra Kellys“ von der Stasi erbarmungslos verfolgt, während die Kommunisten freudig zuschauten, wie sie die westlichen Gesellschaften mit immer neuen Absurditäten unterminierten. Wären die Russen zum Atlantik durchmarschiert, wären „Die Grünen“ die ersten gewesen, die man an die Wand gestellt hätte. In dieser Hinsicht kann man von den Kommunisten nur lernen! Wenn die Orgonomie überleben soll, muß man diese Leute durch ständige Provokationen draußen halten. Es sind Zecken, nichts weiter als Zecken. Verpißt euch! Meinetwegen gendergerecht. Aber verpißt euch!

Robert zitiert folgende Stelle, die er hier gefunden hat:

An diesem Punkt möchte ich auf Deleuze und Guattari zu sprechen kommen. Im Anti-Ödipus schreiben sie an einer Stelle, die mir zentral erscheint: „So bleibt die grundlegende Frage der politischen Philosophie immer noch jene, die Spinoza zu stellen wußte und die Reich wieder entdeckt hat. Warum kämpfen die Menschen für ihre Knechtschaft, als ginge es um ihr Heil? Was veranlaßt einen zu schreien: ‚Noch mehr Steuern, noch weniger Brot‘?” Das ist eine sehr aktuelle Erscheinungsform von Askese, sie paart sich mit dem neuen, nicht-asketischen Gestus der Eliten.

Braungebrannte Sportwagenfahrer treten derzeit als politische Führer auf, die den Massen signalisieren, daß sie jetzt um ihre soziale Absicherung gebracht werden. Oder sie kündigen der Bevölkerung, wie der gegenwärtige Finanzminister es genannt hat, einen „Verlust von Annehmlichkeiten“ an. Wenn die Massen daraufhin nicht sagen, „Na gut, das müssen wir einsehen“, sondern statt dessen sogar noch rufen, „Hurra, endlich wird das Sozialsystem, werden die Gewerkschaften zerstört, die uns vor dem amoklaufenden internationalen Kapital vielleicht noch hätten schützen können“, dann zeigt sich hier ein offen einbekannter Hedonismus der politischen Führer mit einem eigenartigen asketischen Geist auf Seiten der Massen gepaart: Was der Führer an Nicht-Askese verkörpert, das verkörpern die Massen nun als asketische Haltung.

PN sagt dazu: So wird Reich für den Sozialismus dienstbar gemacht. Die Massen, die schließlich die Arbeitsdemokratie tragen, werden wie Kinder betrachtet, die geschützt werden müssen. (Bezeichnenderweise immer vor „denen da oben“, aber nie von „denen da unten“!)

Robert an anderer Stelle:

Reich in den Fängen der Stalinisten

In der Yale Universität existiert ein Dokument aus der Sowjetunion von 1936, bei der die meistgesuchten Trotzkisten aufgeführt werden. Folgender Eintrag ist dort zu finden:

10) OTTO KNOBEL (OTTO BRANT) [xxv] – ein ehemaliger Mitarbeiter des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands, der beim Internationalen Jugendverlag in Deutschland gearbeitet hatte und der 1933 ohne Zustimmung der Partei nach Paris emigrierte. [Ihm] wurde kein Status als politischer Emigrant zuerkannt. [Knobel] kehrte nach Deutschland zurück und emigrierte dann erneut. In Paris war [er] mit den Trotzkisten verbunden. [Er] zog, um zu arbeiten, nach Kopenhagen, wo er nicht mit der Partei verbunden war und keine Verbindungen mit der Gemeinde der Emigranten hatte. In Kopenhagen arbeitete [er] im Verlag von Wilhelm Reich [xxvi], der aus der KPD wegen Trotzkismus ausgeschlossen worden war. Ihm zufolge brach er mit Reich wegen persönlicher Differenzen. Einigen Parteigenossen zufolge ging er jedoch mit Reichs Zustimmung nach Berlin und ein Monat später, Ende 1935, kam er über Inturist in die Sowjetunion ohne Verbindungen und ohne Erlaubnis der Partei. Er stand Reich so nahe, daß er [Reichs] Briefe an Trotzki gelesen und sie sogar selbst abgeschickt hat.

Im April 1936 meldete die Kaderabteilung Knobels Vergangenheit an die zuständigen Organe. Seine letzte Adresse [war]: Hotel „Novomoskovskaia“.

[xxv] Otto Knobel (Brandt). Geboren 1908 in Schwerin, Deutschland, war seit 1929 Mitglied der KPD. Juni 1935 zog er in die UdSSR und unterrichtete an der deutschen „Karl-Liebknecht-Schule“ in Moskau. Er wurde am 1. Oktober 1936 verhaftet und am 22. Juni 1937 zu fünf Jahren in einem Arbeitslager verurteilt.

[xxvi] Wilhelm Reich (1897-1957). Ein Psychoanalytiker, spezialisiert auf Sexualprobleme und sexuelle Aufklärung, trat 1930 der KPD bei und wurde 1934 ausgeschlossen.

http://www.yale.edu/annals/Chase/Documents/doc20chapt4.htm#_edn25

Zu Knobel fand Robert noch folgenden Eintrag:

Knobel, Otto Ernst (alias Brand). Geb. 8.2.1908 in Schwerin. 1922-1928 Besuch der Karl-Marx-Aufbauschule in Neukölln, Freundschaft mir Bruno Krömke. Mitglied des SSB und Redaktionsmitglied der Zeitschrift Schulkampf. Seit 1927 Mitglied des KJVD, seit 1929 in der KPD, Redakteur der Zeitung Kommunistische Jugendinternationale. Fünf Semester an der Berliner Universität. 1935-1935 Emigration nach Frankreich und Dänemark, im Juni 1935 in die UdSSR. Im Sommer 1935 zeitweilige Arbeit am Moskauer Elektrotechnischen Institut für Nachrichtenwesen. Seit September 1935 Unterricht in der Karl-Liebknecht-Schule (Werken bzw. „Technologie“), seit September 1936 Klassenleiter und Biologielehrer, verantwortlich für das Biologiekabinett. Im Sommer 1936 einer der Leiter bei der Schulreise zum Sewan-See (Armenien). Am 1.10.1936 verhaftet, am 22.6.1937 zu 5 Jahren Arbeitslager verurteilt, vermutlich im Lager ums Leben gekommen. Rehabilitiert 9.3.1989.

Quelle: Natalja Mussienko, Alexander Vatlin: Schule der Träume. Die Karl-Liebknecht-Schule in Moskau (1924–1938), Klinkhardt Verlag 2005, S. 243

martincoldwar

Diskussionsforum 2010: eine Nachlese (Teil 1)

27. Februar 2015

Zunächst einmal hat Robert auf folgende Quellen hingewiesen. Ein neuer Hinweis auf sie lohnt sich allemal!

Auf einen Hinweis durch Andreas Peglau hin zitierte Robert aus dem Handbuch der Judenfrage, Theodor Fritsch, Hammer-Verlag, Leipzig, 1944, S. 248:

Aber die Psychoanalytiker sind noch nicht die schlimmsten. Weit übler ist, was sich um Magnus Hirschfeld, den Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft, um Herrn Marcuse und Konsorten scharte.

Hier wurde, davon kann man überzeugt sein, ganz bewußt darauf hingearbeitet, die deutsche Seele zu zerstören.

Hier fanden sich die wissenschaftlichen Verteidiger der Homosexualität, ja der widernatürlichen geschlechtlichen Betätigung mit Tieren. Hier wurde die Aufhebung des §175 gefordert, weil die Homosexualität nicht als Entartung, sondern als natürliche Abart des Geschlechtstriebes aufzufassen dem Menschen angeboren sei (J. Meißner). Gewiß ist auch uns bekannt, daß in vielen Fällen die gleichgeschlechtliche Einstellung angeboren ist; wir wissen aber auch, daß in sehr vielen anderen Fällen erst die Verführung den jungen Menschen zum Homosexuellen macht. Wir wissen, daß die alten Kulturvölker ihrem Untergang entgegengingen, als die Knabenliebe in ihnen einen breiteren Raum einnahm, und wir müssen uns dafür einsetzen, daß die Seuche zurückgedämmt wird und sich nicht auch bei uns noch weiter ausbreitet. – Wenn ferner Magnus Hirschfeld in einer vom sozialistischen Schülerbund in das Kölnische Gymnasium einberufenen Versammlung 1928 vor Schülern und Schülerinnen vom 12. Jahre an sagte: „Ein natürlicher Geschlechtsverkehr der Jugend sei, wenn kein Zwang auf den anderen ausgeübt werde, keine Sünde und nichts Unehrenhaftes“, wenn die Herren Dr. Töplitz und Reich sich in ähnlichem Sinne äußerten, nun, so kann man sich nur wundern, wenn die Eltern der Kinder sich solche „Aufklärungen“ gefallen ließen, kann man sich nur wundern, daß sich nicht einmal ein Vater fand, der dem Herrn Magnus Hirschfeld mit der Reitpeitsche zeigte, wo der Weg für ihn war.

Außerdem zitiert Robert aus Gregor Schöllgen: Willy Brandt. Die Biographie, Berlin – München 2001, Propyläen Verlag, S. 16f:

Schließlich hat er Perspektiven: politische – die Fortsetzung der SAP-Arbeit in Oslo – und persönliche. Im Sommer 1933 folgt ihm, wie vereinbart, seine neunzehnjährige Freundin Gertrud Meyer, genannt „Trudel“, nach Oslo, nachdem sie in Lübeck vorübergehend in Haft gewesen ist.

Die beiden ziehen zusammen, wohnen zunächst möbliert, können sich aber bald eine eigene Unterkunft leisten. Es ist die erste eigene Wohnung des inzwischen einundzwanzigjährigen Willy Brandt, und Gertrud Meyer ist die erste von vier Frauen, mit denen er zusammenleben wird.

Verheiratet sind die beiden nicht; allerdings gelten sie in Oslo als Ehepaar. Tatsächlich geht Gertrud im Februar 1936 eine Scheinehe mit dem norwegischen Studenten Gunnar Gaasland ein, um in den Besitz der norwegischen Staatsbürgerschaft zu kommen und so vergleichsweise unbehelligt Kurierdienste nach Deutschland durchführen zu können.

Willy Brandt und Gertrud Meyer-Gaasland leben bis ins Frühjahr 1939 zusammen. Dann geht Gertrud nach New York. Nach eigenem Bekunden tut sie diesen Schritt, um den Psychoanalytiker Wilhelm Reich zu begleiten, dessen Sekretärin und Mitarbeiterin sie in Oslo ist. Vermutlich ist sie durch die Erkenntnis, Brandt nicht dauerhaft an sich binden zu können, in ihrem Entschluß bestärkt worden. Zum ersten Mal im Leben des Willy Brandt geht damit die langjährige Beziehung zu einer Frau in die Brüche.

Wilhelm Reich – „rötliches Gesicht, graue Haare, stechender Blick, bezwingende Sprache“, so Brandt später – ist 1934 über Dänemark nach Norwegen gekommen. Gertruds Arbeit bringt es mit sich, daß Reich und Brandt zeitweilig einen recht intensiven Umgang pflegen. Reich hat 1933 das unter Insidern vielbeachtete Buch Die Massenpsychologie des Faschismus vorgelegt. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit, in gewisser Weise auch im Mittelpunkt dieses Buches steht die Rolle der Sexualität im gesellschaftlichen Leben. In der Theorie hat sich Willy Brandt bislang allenfalls am Rande mit diesem Thema beschäftigt: Neben August Bebels Die Frau und der Sozialismus hat das Erfolgsbuch des Schweizer Arztes Auguste Forel über Die sexuelle Frage zur bescheidenen Lübecker Bibliothek der Frahms gehört. Die Gespräche mit Reich eröffnen dem jungen Sozialisten „einen gewissen Zugang“ zur „Seelenforschung“, und Brandt beginnt zu begreifen, daß Freud und seine Schüler „Türen zu Bereichen“ aufstoßen, die „man früher als Dunkelkammer der Seele“ gefürchtet habe.

Überhaupt ist das skandinavische Klima für die offene Behandlung solcher Themen günstiger als das deutsche. So gibt eine Gruppe Mediziner aus der Organisation „Mot Dag“ („Dem Tag entgegen“) eine Zeitschrift für sexuelle Aufklärung heraus. In den Diskussionen dieser Gruppe, aber auch in den Gesprächen mit Reich, stellt Willy Brandt erstmals fest, „wie in einer politischen Gemeinschaft sadistische Neigungen sublimiert ausgelebt und masochistische Bedürfnisse anderer befriedigt werden können. Diese psychischen Mechanismen verdienten, offener dargelegt zu werden.

Sexuelle Verklemmtheit scheint für begabte Hasser und Intriganten zu sorgen: Politik als Ersatzliebe tarnt sich nicht selten als selbstlose Unbedingtheit.“ Und Brandt lernt damals verstehen, wie er sich 1982 erinnert, „daß der Nazismus und verwandte Herrschaftsformen in der Tat auch von sexuellen Repressionen bestimmt“ sind.

Robert verwies auch auf Manilowski: „Wer Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral gelesen hat, weiß, daß Reich sich zu großen Teilen auf den polnisch-englischen Ethnologen Bronislaw Malinowski bezieht. Es gibt neuerdings eine BBC-Serie genannt Tales from the Jungle, in der auch Malinowski behandelt wird.“

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=f22VsAlOwbc%5D

Und dazu auf Guido Sprenger: Erotik und Kultur in Melanesien – Eine kritische Analyse von Malinowskis „The Sexual Life of Savages“, Lit Verlag, Hamburg 1997. Robert:

Als Magisterarbeit gedacht, will Sprenger mit Hilfe von Foucaults Dekonstruktivismus Malinowski kritisch hinterfragen.

Es zeigt sich im Laufe seiner Ausführungen, daß sein Ziel gründlich mißlungen ist, weil die Theorien Foucaults keine brauchbaren Ansätze bilden, um in der Ethnologie Kulturen zu erklären.

Sprenger stellt zuerst fest, daß die Sexualität und Erotik in der Ethnologie ein Schattendasein bilden und bietet an, eine eigene Definition zu generieren.

Wilhelm Reichs Buch Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral hat er offenbar nicht gelesen, lediglich ein abwertendes Zitat ist er ihm Wert:

Was die Rezeption von Malinowski außerhalb der Ethnologie angeht, so zeigt sich an ihr wiederum die Brisanz des Themas. Nicht nur erhielten die Trobriander bis in die heutige Zeit das Image der Inseln der Freien Liebe – Malinowskis Aussagen über die Liebesbeziehungen wurden auf bezeichnenderweise Weise falsch gelesen. Ein erhellendes Beispiel ist die Rezeption durch Wilhelm Reich in seinem Buch Invasion of compulsory sex-morality. Der Psychoanalytiker vermochte nicht zu differenzieren zwischen einem Fehlen des Verbots vorehelichen Geschlechtsverkehrs – und nichts anderes hat Malinowski beschrieben – und einer völligen Regellosigkeit in Sachen Sex. Seine Vorstellungen von der strengen Kontrolle, die Kultur über Sexualität ausübt, ermöglichten ihm nur eine Alternative: das Aussetzen eines für den Westen seiner Zeit zentralen Verbotes wurde gleichbedeutend mit dem Aussetzen jedes Gesetzes (Senft 1995a: 485-487). Diese Mißverständnisse sind charakteristisch für zahlreiche spätere Rezipienten, die in die Trobriander ein Gegenmodell ihrer eigenen, als sexuell restriktiv empfundenen Kultur hineinprojizierten. (S. 31) [Senft 1995a = Gunter Senft, „Noble Savages“ and the „Islands of Love“: Trobriand Islanders in popular publications“. In: C. Baak [e.a.] (eds.): Tales from a concave world, Liber Americon Bert Voorhoeve, Leiden, S. 480-510]

Es ist relativ leicht zu verstehen, warum Sprenger Reich dermaßen behandeln muß. Während Reich eine Erforschung und Definition gesunder Sexualität geleistet hat, muß Sprenger hilflos herumrätseln und zu den abwegigsten Beispielen greifen.

Sein Paradebeispiel ethnologischer Sexualität sind ein geheimes Volk, welches von den Ethnologen verborgen wird, weil sie solche absurden päderastischen Sexualriten wie institutionalisiertes Spermaschlucken aufweisen. Darüber hält sich Sprenger lang und weitschweifig aus. Folgerichtig kritisiert er an den Trobriandern, daß sie nicht schwul werden dürfen und hier zeigt sich die ganze Misere der Sexualethnologie, die teilweise von Homosexuellen und Gender-Predigern/innen dominiert werden.

Warum also solchen typischen Foucault Schmiersinn lesen? Zum einen ist die moderne Literatur bis 1997 verarbeitet worden und er diskutiert in lesbarer Weise, wo Malinowski Fehlinterpretationen lieferte und zeigt natürlich weitere Ergänzungen zu dessen Forschungen. Er geht sehr ausführlich auf Magie und Kula (Warentausch) ein.

Insgesamt scheitert er an dem, was er leisten wollte. Die Erotik des Volkes zu erklären und am sinnfälligsten wird es am Beispiel der sogenannten Tabu-Ehen, die Reich so hervorragend als ökonomisches System der Kreuz-Vetter-Basen-Heirat enträtselte.

Das Buch ist selbst nicht mehr zu kaufen, lediglich in Universitätsbibliotheken erhältlich.

Diskussionsforum 2009: eine Nachlese

25. Januar 2015

Ich habe mich entschieden im Abstand von etwa fünf Jahren die alten Diskussionsforen auszuräumen und in Auszügen in dieser Reihe mit aktuellen Kommentaren neu zu präsentieren. Im Laufe der Zeit sammelt sich zu viel Text an, der durch seine schiere, meist vollkommen irrelevante Masse den einen oder anderen Punkt verschwinden läßt, an den ein Erinnern sich vielleicht verlohnt.

Der erste Leserbrief betraf Islam und Rassismus:

Dieses Land kann nicht lebenswert bleiben, wenn man ständig Angst haben muß, von jungen aggressiven muslimischen Männern angegriffen zu werden. Wer traut sich abends noch ohne innere Anspannung raus und kann guten Gewissens seine Kinder in die Schule schicken?

Darauf mein Leser: „Sowas nennt man auch Paranoia, vieleicht mal einen Arzt aufsuchen!“

Es ist wirklich frappant, daß linke Gutmenschen immer die gleichen beiden „Argumente“ vorbringen:

  1. Du bist dumm, weil du nicht differenzieren kannst. Beispielsweise gäbe es nicht den Islam. Und überhaupt hätte alles Negative, was man vorbringen könne, nichts mit dem Islam zu tun. – Was für eine Logik!
  2. Du bist seelisch krank, weil du Angst vor „Minderheiten“ hast und diese als vermeintlich „seelisch krank“ ausgrenzt.

Damals antwortete ich darauf:

Oder beim nächsten Volksfest Autoskooter fahren!

Zugegeben, ich sollte echt aufhören Jihad Watch Deutschland anzuklicken.

Oder Videos wie das folgende reinzuziehen:

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=t98GAat08gY%5D

Später fügte ich hinzu:

Hier noch ein Bericht aus meinem Hamburg, über einen, der fast genauso aufgewachsen ist wie ich, nur daß ich kein Türke bin:

http://kruppzeuch.wordpress.com/2009/11/09/cem-glay-wir-hassen-euch-ihr-hasst-uns-das-ist-nun-mal-fakt-und-das-hat-grnde/

Cem Gülay sagte damals voraus: „Es werden keine Vorstädte brennen wie in Paris. Nein, die Innenstädte werden brennen.“

Der zweite Leserbrief stammte von dem mittlerweile verstorbenen Berliner Reichianer Heiko Lassek, der Ende 2009 nicht ohne Grund und Berechtigung schrieb:

Bitte, lieber Peter Nasselstein, nicht immer diese Gerüchte um die Berliner Bewegung; in dem ansonsten recht fundierten Arikel immer wieder seltsame Unterstellungen in Bezug auf Berlin (wo Bernd Senf und ich, besonders aber Volker Knapp unterschiedlichste Herangehensweisen vertraten – und vertreten ): wo bitte hat die Wilhelm-Reich-Gesellschaft denn nun das Orgon abgeschafft? Das muss doch nun doch einmal nach zwölf Jahren Vorsitzender und nun Ehrenpräsident und Ehrenmitglied des Wiener Reich-Instituts doch einmal von Ihnen erfahren …
Trotzdem lieben Gruß, ich lese interessiert weiter …

Ich gebe das und das folgende erneut wider, weil es von „historischem“ Interesse ist. Zunächst zitierte ich Auszüge aus dem Protokoll der Vorstandssitzung der Berliner Wilhelm-Reich-Gesellschaft vom 29./30. April 1995:

Während Reichs Erkenntnisse auf biologischen, medizinischen und therapeutischen Gebiet eine zunehmende Evidenz und Bedeutung zukommt, sind Reichs quantitative Formeln als physikalische Definitionen nicht haltbar. Die Begriffe Orgonspannung und Orgonenergie bedürfen einer Korrektur und Neudefinition.

Wir interpretieren den Orgonbegriff Reichs als universelles Lebens- und Liebesprinzip, welches als gemeinsames Funktionsprinzip die Grundlage des gesamten- physikalischen, biologischen, seelischen und geistigen Naturgeschehens bildet.

Und ich fügte hinzu: „Über diese Aussagen wurde abgestimmt – und die ‚Wilhelm Reich Gesellschaft‘ machte mit überwältigender Mehrheit aus der Orgonenergie so etwas wie ein naturphilosophisches Prinzip.“ Ich hätte noch hinzufügen sollen, daß deshalb sich Eva Reich enttäuscht und verärgert zurückzog.

Lassek anwortete:

Lieber Peter Nasselstein,

schade das unser Film Ihnen nicht gefällt!

Aber etwas anderes, wichtigeres:

Nun gebe ich Ihnen Recht, das dieser Protokollauszug falsch verstanden werden kann. Aber in 12 Jahren als erster Vorsitzender und nun Ehrenpräsident der WRG kann man ja auch mal ein Protokoll nicht gänzlich überprüft haben.

Von [xyz] wurde dieser Ausschnitt öffentlich und in einer eigenen Übersetzung an den immer empfindlichen James DeMeo geschickt (Jimmi hatte davor an hunderte Personen eine email geschickt, in der er ernsthaft (!) behauptete, ich hätte ihn “Hitler” (!) genannt; sein Sprachcomputer hatte meinen Satz “DeMeo als Führer der Waldheilungsgruppe…” entsprechend übersetzt!), der ihn in eigener Rückübersetzung weiter zirkulierte… Die Formulierung in dem Protokoll stammt von meinem Freund Dr. med. Hanspeter Seiler, früher Chefarzt der Bircher–Benner–Klinik in Zürich. Prof. Dr. Jerszy Miskowski hatte argumentiert, man sollte “die Formeln der Orgonphysik wie einen entzündeten Blinddarm aus der Reichschen Forschung herausschneiden.”

Kennen Sie ein rein orgonphysikalisches Experiment oder eine mathematische Formel Reichs, das oder die im dem Nachvollzug nachhaltig wiederholbar war (Ich rede ausdrücklich nicht von ORAC – Wirkungen auf BIOLOGISCHE Systeme).

Laurence Rockefeller, enger Freund von Dr. Blasband, finanzierte die aufwendigsten Untersuchungen im Privatlabor von Dick UND in Princeton, alle mir bekannten ernsthaften Forscher fanden keine – das natürlich Joachim Trettin immer eine findet, nehme ich beglückend zur Kenntnis…

Auch über M. Fuckerts Anordnung, die er persönlich vorstellte, mache ich hier keinen Kommentar …

Muss ein Genie wie Reich denn wirklich in ALLEM recht gehabt haben?

Wenn Sie eine andere als die aus Ärzten und Naturwissenschaftlern 38 köpfige WRG kennen, die fast ausnahmslos alle Experimente Wilhelm Reichs in den letzten 23 Jahren kritisch nachvollzogen hat, lassen Sie es mich wissen.. Und natürlich gibt es die Orgonenergie.

Herzlichen Gruß aus Berlin.

Darauf ich:

Hallo Herr Lassek,

das Protokoll habe ich aus dem Netz von einer der zahllosen Trettin-Seiten zitiert. Ihre Erklärung muß ich so akzeptieren. Was ansonsten die Geschehnisse betrifft, die Sie beschreiben: wir alle wissen, daß untergründige Animositäten (Gefühle) nach irgendeiner Rechtfertigung suchen, um endlich an die Oberfläche treten zu können. Ob diese Gefühle selbst rational sind, steht auf einem anderen Blatt. Was die quantitative Orgonometrie betrifft muß man zwischen einfachen Meßwerten (etwa To-T) und den Reichschen Formeln (etwa Org = [To-T] t f³) unterscheiden. Ich halte von diesen Formeln nichts, zumal sie nicht-metrische Einheiten enthalten und vom Dimensionsprodukt her sinnlos sind. Nach Reichs Tod hat sie aber auch wirklich niemand (jedenfalls niemand, der etwas veröffentlicht hat) mehr verwendet. Im genannten Beispiel reicht To-T ohnehin vollkommen aus. Was To-T-Messungen betrifft muß man m.E. unterscheiden: dienen sie sozusagen „intern“ dazu beispielsweise den DOR-Index abzugleichen oder soll „extern“ beispielsweise einem Physikprofessor gegenüber eine thermodynamische Absonderlichkeit aufgezeigt und im Anschluß daran das Orgon nachgewiesen werden. Im ersteren Fall reicht insbesondere Manfred Fuckerts Versuchsaufbau vollkommen aus. Er funktioniert und man kann vernünftige Schlußfolgerungen daraus ziehen, die mit anderen gemessenen Parametern vollkommen harmonieren. Reich selbst hat stets auf das harmonische Gesamtgefüge der beobachteten Phänomene und Meßergebnisse verwiesen. Wie Reich in seiner Auseinandersetzung mit Einstein erfahren mußte, beharren Physiker jedoch auf einzelnen Messungen und kommen dann nach einigen Überlegungen mit allen möglichen grundsätzlichen Gegenargumenten daher, die teilweise wirklich haarspalterisch, wenn nicht sogar abwegig sind, aber leider Gottes berücksichtigt werden müssen. Da fängt das Elend an: komplizierte (und teure) Versuchsaufbauten, die den Effekt jedoch nicht ersticken dürfen, und Standortanforderungen („trocken und energetisch gesund“), bei denen sich jeder Physiker verarscht vorkommen muß, weil er nicht abschätzen kann, was da eigentlich abgeschirmt werden soll. Dr. Blasband wollte das leisten, Dr. DeMeo ist gerade dabei.

Mittlerweile hat DeMeo seine Ergebnisse veröffentlicht. Ich verweise auf seinen Artikel Experimental Confirmation of the Reich Orgone Accumulator Thermal Anomaly. Das Problem mit Physikern ist zweierlei. Erstens werden sie darauf insistieren, die Versuche „unter kontrollierten Bedingungen“ im eigenen Labor nachzuvollziehen, d.h. unter energetisch toten, extremen ORANUR-Bedingungen. Das ist ungefähr so sinnvoll, als wollte man Neutrinos im Labor eines physikalischen Instituts nachweisen, statt tief in einem Bergwerk weit weg von der störenden kosmischen Strahlung! Und zweitens werden sie diese Versuche mit einer von Verachtung geprägten Nachlässigkeit durchführen, weil sie den physikalischen Laien Reich, der sich in dieser Hinsicht immer wieder peinliche Schnitzer erlaubt, schlicht nicht ernstnehmen können.

Wie Wilhelm Reich von der Nachwelt betrogen wurde

27. Mai 2012

Reichs Hoffnung für die Zukunft war, daß die Panzerung der Menschen, d.h. das einzige Problem, das die Menschheit hat (andere, wirkliche Probleme ließen sich ohne dieses Scheinproblem leicht lösen), durch drei Mechanismen sich nach und nach aufweiche und schließlich weitgehend auflöse. Der Grad der Bedeutung, den er den Mechanismen jeweils zuschrieb, änderte sich im Laufe der Zeit. Es sind:

  1. Die „sexuelle Revolution“, d.h. eine grundlegende Änderung der gesellschaftlichen Atmosphäre. Das sexuelle Lebensglück, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, würde nicht mehr im Namen der „Moral“ bekämpft oder im Namen der „Vernunft“ geduldet, sondern aktiv geschützt und gefördert werden. Dieser grundlegende Wandel hätte Auswirkungen auf die Charakterstruktur der einzelnen Gesellschaftsglieder und es käme in einem sich selbstverstärkenden und selbsterhaltenden Regelkreis zu einer wahrhaftigen „biologischen Revolution“, d.h. an die Stelle des gepanzerten Menschen träte schließlich ein vollkommen neues Wesen, der ungepanzerte Mensch.
  2. Im Projekt „Kinder der Zukunft“ ist das Augenmerk weniger auf die Sexualökonomie, d.h. die „erste Pubertät“ („Ödipuskomplex“) und die „zweite Pubertät“ (Geschlechtsreife) gerichtet, sondern auf Schwangerschaft, Geburt und Säuglingsalter. Man würde, praktisch vom Zeitpunkt der Empfängnis an, alles dafür tun, daß der Mensch keine Panzerung ausbildet. Da dies mit jeder Generation besser gelinge (die „Kinder der Zukunft“ haben selber Kinder), wäre die Menschheit nach wenigen Generationen befreit.
  3. Die Erforschung des Orgons verlange vom Menschen anders zu fühlen und zu denken: ungepanzert zu fühlen und zu denken (Orgonometrie). Dieser objektive Druck würde im Laufe der Zeit die Subjekte entsprechend weicher und „durchlässiger“ machen, d.h. eben die Panzerung verschwinden lassen. Eine Gesellschaft, die von der Orgonenergie so bestimmt wäre, wie die heutige von der Elektrizität, würde sich automatisch selbst entpanzern.

Abgesehen von hoffnungsvollen Einzelerscheinungen hat sich auf breiter gesellschaftlicher Ebene keine dieser drei Hoffnungen bewahrheitet. In vieler Hinsicht ist es sogar schlimmer geworden!

  1. Die „sexuelle Revolution“ war eine einzige Katastrophe aus (zu einem Gutteil drogeninduzierter) Kontaktlosigkeit und Oberflächlichkeit. Statt sich dem bioenergetischen Kern zu nähern, flüchteten die Menschen immer mehr in die oberflächliche soziale Fassade. Sexualität wird zunehmend reduziert auf „Performance“ und vor allem auf die Frage, was das soziale Umfeld „dazu sagt“. Bei Jugendlichen geht es immer weniger um Gefühle als vielmehr um das „Image“ und narzißtische Befriedigung. Die über das Internet überall und jederzeit abrufbare Pornographie und nicht zuletzt eine immer mechanistischer und „verkopfter“ werdende Sexologie tun ein Übriges. Darüberhinaus sind Reichs sexualökonomische Anschauungen aus Sicht der Political Correctness moralisch verwerflich. In dieser Hinsicht ist die antisexuelle Moral vielleicht stärker als jemals zuvor.
  2. Die aktuelle Diskussion um die Säuglingsbetreuung zeigt, daß wir den Kampf auf ganzer Linie verloren haben. Es fängt mit der künstlichen Befruchtung an, wo gegebenenfalls vorher eingefrorene Spermien und Eizellen in orgonotisch toten Reagenzgläsern miteinander vermischt werden, um dann in einer Gebärmutter heranzureifen, die vielleicht nicht ohne Grund zuvor „steril“ war. Künstliche Gebärmütter sind mittlerweile mehr als bloße Science Fiction. Immer mehr Kinder kommen per Kaiserschnitt zur Welt und auch sonst wird das gesamte perinatale und Säuglingsleben nach allen möglichen Interessen, außer den biologischen Bedürfnissen des Kindes ausgerichtet.
  3. Der eigentliche Verrat ereignete sich aber an Reichs größter Hoffnung: er habe „Gott“ mit der Entdeckung des Orgons greifbar gemacht und damit sowohl dem Mystizismus, als auch selbstredend dem Mechanismus den Todesstoß versetzt. Stattdessen haben zwei an sich gegnerische Fraktionen, die Spökenkicker und die Skeptiker, Reichs Entdeckung in die Zange genommen und so gut wie vernichtet. Das Orgon wurde zunehmend zu nichts anderem als eine neue Art von „Prana“ oder „Qi“, d.h. zu einem Vehikel, um extrem lebensfeindliche mystische Ideologien „wissenschaftlich“ zu untermauern. Die Proponenten sprechen dabei jeweils von einer „Weiterentwicklung“ des Reichschen Paradigmas und beklagen sich heftigst über „orthodoxe Reichianer“. Unvermittelt muß sich unsereiner mit C.G. Jung, Swami Durcheinanda und gechannelten Botschaften von Erzengel Achwasel herumplagen. Ein gefundenes Fressen für die mechanistischen Sektierer. Der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder hat die bizarre Welt des „Skeptizismus“ ausführlich analysiert: Das Skeptiker-Syndrom: Zur Mentalität der GWUP.

Um das ganze übersichtlich zu halten, habe ich bisher einen vierten Punkt ausgelassen: Reich hoffte, durch eine „Entpanzerung der Erdatmosphäre“ langfristig auch die Menschen entpanzern zu können. Wenn der „DOR-Panzer“, der den Globus umschließt, mit Cloudbustern aufgebrochen und die übererregte ORANUR-Atmosphäre abgemildert werden könnte, würden auch die Erdbewohner „weicher“ werden.

Derartige Vorstellungen waren der ultimative Beweis, daß Reich in seinen letzten Jahren verrückt geworden ist. Entsprechend wurden seine apokalyptischen Warnungen nicht etwa nur überhört, sondern erst gar nicht wahrgenommen. Im letzten halben Jahrhundert haben wir entsprechend wirklich alles getan, um diesen Planeten in eine DOR- und ORANUR-Hölle zu verwandeln. Der letzte Streich waren die bioenergetisch hochtoxischen „Energiesparlampen“. Zu allem Überfluß kam es in den letzten Jahren zu einer atemberaubenden Explosion des Gebrauchs von „Croft-Cloudbustern“, mit denen „Chemtrails“ bekämpft werden sollen. Tatsächlich wird flächendeckend das Orgonenergie-Feld der Erde in einen künstlichen Expansionszustand versetzt („blauer Himmel“), der sie langfristig abtötet. Es ist ungefähr so wie die Zwangsgabe von Speed oder Kokain: das Opfer wird energetischer, leistungsfähiger, in jeder Beziehung mehr „high“ – und gleichzeitig mechanischer, kontaktloser und schon bald kommt das böse erwachen. Siehe dazu meine Ausführungen über den Kult der Expansion.

Wie zum Hohn werde ich dann auch noch allen Ernstes gefragt, warum ich so verbittert, aggressiv und voller Haß bin!

Was tun? Dazu muß erst einmal die Frage beantwortet sein, was eigentlich geschehen ist. Warum haben sich Reichs Hoffnungen nicht materialisieren können? Seit 1960 hat sich die Gesellschaft grundlegend geändert: aus einer autoritären, „kontraktiven“ wurde eine antiautoritäre, bioenergetisch überexpansive Gesellschaft. Das bedeutet, daß sich die Menschen weiter von ihrem biologischen Kern entfernt haben. Aus der mystifizierten Traum von „der großen Liebe“ wurde ein stupider mechanischer Akt, der Mensch wurde zu einer von der DNA gesteuerten bionischen Maschine und das, was an bioenergetischem Kontakt übrigblieb (denn schließlich sind wir keine bionischen Maschinen), wurde zu einem Mystizismus neuer Prägung. Diese neue Art von „Spiritualität“ ist verkopft, kompliziert und vor allem wirr (im Gegensatz zu genuiner, „bauchgesteuerter“ Mystik).

Wir haben es also mit einem imgrunde soziologischen Problem zu tun. Ein Ansatz, den Charles Konia verfolgt, auf dessen Blog ich nur immer wieder hinweisen kann. Hier sein neuster Beitrag: Communism/Socialism Is A Cancer Of The Social Body.

Tatsächlich vertritt Konia den fünften Ansatz Reichs zur Herstellung einer besseren Zukunft für die Menschheit: die Sozialpsychiatrie. Ich bin darauf an anderer Stelle eingegangen. Dieser Ansatz wurde vielleicht am gründlichsten und vor allem systematisch zerstört durch all den freudo-marxistischen Mumpitz, der seit „1968“ von „Reichianern“ verzapft wurde. Ihre hochintellektuellen Elaborate füllen mittlerweile ganze Bibliotheken! Sie haben den Kampf gegen die „autoritäre Gesellschaft“ immer weiter verschärft.