Warum Reich Marx als obsolet betrachtete (Teil 1)

28. Juni 2014

Angesichts der Weltwirtschaftskrise haben „Alternativen zum Kapitalismus“ wieder Hochkonjunktur. Das Erschreckende ist, daß sie über kurz oder lang wieder im Roten Faschismus landen. Sei dies über Silvio Gesell oder gleich ohne Umweg durch eine aufgepeppte Neuauflage des Realsozialismus.

Beispielsweise appelliert der Kolumnist Peter Zudeick in seinem Buch Tschüß, ihr da oben (Vom baldigen Ende des Kapitalismus), wir sollten uns von den Kapitalisten emanzipieren. Wer will dem so recht widersprechen? Der Mann begeht jedoch einen grandiosen Denkfehler, der die Linke geradezu konstituiert: Wenn sich die Massen befreien können, warum haben sie es nicht schon längst getan? Wer oder was hindert uns daran, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und glücklich zu sein? Die Linke antwortet mit Hinweis auf „Strukturen“ und das „System“. Wieder haben sie nicht so Unrecht, schaut man aber, wie das Leben konkret abläuft, erkennt man schnell, daß ausgerechnet jene Dinge uns niederhalten, die uns aufrichten sollen. Der Dschungel der gesetzlichen Regelungen, Sozialstandards und konfiskatorischer Steuern und Abgaben, machen es dem Einzelnen, insbesondere dem, „der von unten kommt“, extrem schwer, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Und man komme mir nicht damit, daß das „von oben“ aufgezwungen wurde! Vielmehr haben die Massen aus ihrer Freiheitsangst heraus selbst die individuelle Panzerung sozusagen „externalisiert“. Es ist wie in einer unerträglichen Beziehung, bei der man sich fragt, warum die beiden überhaupt zusammenbleiben. Der Partner hilft dabei, die eigenen Antriebe in Schach zu halten. Er wurde zum integralen Teil der eigenen Panzerung und wird deshalb verzweifelt umklammert. (Das ist der überwiegende Teil dessen, was heutzutage als „Liebe“ bezeichnet wird!)

Wie sehr Zudeick daneben liegt, zeigt sich an seiner Alternative zum Kapitalismus, die ein Rezensent wie folgt zusammenfaßt:

Zudeicks revolutionärer Furor ist nicht mehr zu stoppen. Er will wirklich ein neues Gesellschaftssystem etablieren, gemäß dem alten Motto: Planwirtschaft ist machbar, Herr Nachbar! Denn anders als zu Zeiten des gescheiterten real existierenden Sozialismus ließen sich heute, so sein Argument, mit Hilfe von allgemeiner Computerisierung alle Bedürfnisse und Gesellschaftszustände berechnen. Hieß es einst in der UdSSR, Sozialismus sei Sowjetmacht plus Elektrifizierung, verficht Zudeick die Parole: Die neue Gesellschaft beruht auf den Säulen Gerechtigkeitsapostel plus Großrechner.

In den 1960er Jahren hat Walter Ulbricht versucht, die Planwirtschaft mit Hilfe der damals aufregend neuen Kybernetik auf Vordermann zu bringen. Honecker ersetzte in den 70er Jahren diesen Ansatz mit seiner „Einheit von Sozial- und Wirtschaftspolitik“, weil die „DDR“-Machthaber einsehen mußten, daß die Menschen keine Maschinen sind, sondern „materieller Anreize“ bedürfen. Zudeick will offenbar zurück zum spätstalinistischen Ansatz!

Gleichzeitig zeigt sich, daß die mechanistische Lebensauffassung untrennbar mit Mystizismus verbunden ist. Irgendjemand muß nämlich „den Computer“ mit Programmen und Daten füttern, was, damit denn „der Plan“ überhaupt funktionieren kann, sinnvollerweise nur von einem allwissenden unfehlbaren Superhirn geleistet werden kann. Wer soll das anderes sein als der promovierte Meisterdenker Zudeick?!

Mir fällt dazu nur das Lied der Who ein: We don’t get fooled again!

Zu Reichs Zeiten waren, außer Ellsworth F. Baker und Michael Silvert, alle Orgonomen mehr oder weniger links eingestellt. Manche, wie etwa Victor Sobey, betrachteten sich sogar als „Marxisten“. Wiederholt hat Reich Baker gefragt, ob diesen seine, Reichs, alten gesellschaftspolitischen Vorstellungen von der Orgonomie entfremden könnten. Er versicherte Baker, daß dieser sich keine Gedanken machen müsse, da Marx‘ Ansatz mittlerweile vollständig irrelevant geworden sei, da die Arbeiter in Amerika genug verdienen würden, um die Fabriken selbst zu übernehmen, wenn sie denn bereit wären, die Verantwortung zu tragen. Nicht die Kapitalisten, sondern ihre eigene charakterstrukturelle Verantwortungsscheu würde sie davon abhalten (R.A. Harman: „Editorial Note: Masses and State“^, Journal of Orgonomy, 32(2), 1998).

Es gibt einen Fall, wo dies umgekehrt war, d.h. den Arbeitern diese Übernahme aufgezwungen wurde. Der Kapitalist Hannsheinz Porst („Photo-Porst“) verstand sich als Marxist und verordnete 1972 seiner Belegschaft die „totale Mitbestimmung“ innerhalb eines „Mitarbeiter-Unternehmens“. Nur so könne es, so Porst, zur „Bewußtseinsbildung der Massen kommen, die sich letzten Endes systemverändernd auswirken muß.“

Er übergab die Hälfte der von ihm kontrollierten Firmengruppe der „Mitarbeiter-Beteiligungs-KG“ (MAB). In ihr fungierte jeder einzelne Mitarbeiter als Gesellschafter. Der MAB sollten alle Gewinne zufließen. Die Vollversammlung der Beschäftigten hatte die Macht, die Geschäftsführer abzuberufen und Mitarbeiterausschüsse konnten über Entlohnung, Arbeitszeit und Urlaub entscheiden.

Interessanterweise opponierte die zuständige Gewerkschaft, die als besonders links geltende Handel, Banken und Versicherungen (HBV), gegen dieses Modell, da die Ausschüsse den Betriebsrat überflüssig machten. Außerdem war ihr die produktivitätsorientierte Lohnpolitik ein Dorn im Auge.

Zehn Jahre später war die MAB pleite. Porst machte dafür, neben Veränderungen im Markt, die gewerkschaftseigene BfG-Bank mitverantwortlich, weil sie den Geldhahn aus den angedeuteten ideologischen Gründen zugedreht hatte.

Dietger Hamacher, damals Sprecher der Geschäftsführung, und Günther Kandlubek, der ein Buch über Porst schrieb, machen jedoch die Mitarbeiter- und Mitbestimmungskonstruktion der Firma für das Scheitern verantwortlich. In der MAB sammelte sich zu wenig Kapital an. Die Löhne lagen rund 20% über dem Branchendurchschnitt. Die Mitbestimmung sei von den Beschäftigten, so Hamacher, teilweise „maßlos ausgenutzt“ worden. Endlose Diskussionen hätten schnelle Entscheidungen verhindert.

Dies zeigt, daß es sich bei der „Ausbeutung im Kapitalismus“ primär um ein charakterologisches Problem handelt. Die Charakterstruktur der Masse der Menschen ist zur Selbstregulation unfähig. Eine „soziale“ Politik und die Gewerkschaften perpetuieren und verschlimmern eine infantile Mentalität von Verantwortungslosigkeit und Hilflosigkeit.

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Orgontherapie: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis (Teil XVI: Kinder und Jugendliche) (Teil 3)

24. Juni 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Orgontherapie: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis (Teil XVI: Kinder und Jugendliche) (Teil 3)

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Die Arbeitsgesellschaft

13. Juni 2014

Wissenschaftler u.a. des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), der Universität Bonn und der Universität Maastricht legten 2011 eine Studie vor, die sich um das Verhältnis von Charakter und Ökonomie drehte. Es wurde ermittelt, daß risikobereite Menschen (also jene, die sich der Angst stellen) mit ihrem Leben zufriedener sind.

Warum, das lässt sich schwer deuten. „Möglicherweise führt eine höhere Risikobereitschaft zu mehr Erfolg im Leben und damit zu einer größeren Zufriedenheit“, sagt der Ökonom Thomas Dohmen von der Universität Maastricht.

Wie Reich in seiner Rede an den Kleinen Mann sagt: „Du bettelst um Glück, aber Sicherheit ist dir wichtiger!“

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Darum geht es bei der Wahl zwischen Rechts und Links, die stets eine sexualökonomische Wahl ist: zwischen dem „Risiko“ einer frei fließenden Lebensenergie (der internationale Kapitalismus) oder der dumpfen „Sicherheit“, die uns die Sozialisten von der SPD, NPD und SED versprechen.

Diese Leute behaupten, daß Angst, etwa vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, die der moderne Kapitalismus mit sich bringt, für diverse „psychosomatische Erkrankungen“ (Biopathien) verantwortlich sei und beispielsweise in Ungarn zwischen dem Ende des Sozialismus und heute dafür sorgte, daß die Lebenserwartung beträchtlich gesunken ist, weil die Existenzangst den Menschen buchstäblich „an die Nieren geht“. Ist das kapitalistische System unmenschlich, unbiologisch und steht damit im Widerspruch zur Orgonomie?

Ebenso könnte man argumentieren, das Nachgeben von Panzerung sei ungesund, denn bei einem „Versagen“ der Panzerung tritt Angst auf! Nur perfekt abgepanzerte Menschen oder Krebskranke, bei denen Kontraktion mangels Expansion keinen Stau (= Angst) mehr erzeugen kann, sind vor der Angst gefeit. Tatsächlich vermitteln beide meist einen ausgesprochen „ausgeglichenen“ und „zufriedenen“ Eindruck. Man denke an Yogis, Lamas, Mönche und andere „Heilige“!

Unter dem Titel „Die Ökonomie des Glücks“ wurde 2005 in der Taz erläutert, auf was für wackeligen Beinen die ökonomische Wissenschaft stehe. Heute könne man „Glück“ mittels der Kernspintomographie objektiv messen. Es sei deshalb mehr als ein „rein subjektiver Faktor“. Außerdem hänge Glück nicht vom steigenden Bruttosozialprodukt, sondern vom sozialen Ausgleich und der sozialen Sicherheit ab. Deshalb sei der europäische Weg der sozialen Absicherung objektiv glücksverheißender als das amerikanische Prinzip der Eigenverantwortung.

Reich hat in seinen bio-elektrischen Experimenten Glück (Lust) objektiv gemessen. Aus seiner Sicht ist Glück eine Funktion der Strömungsempfindungen im Körper – doch die können nur in einem eigenverantwortlichen Leben frei fließen. Die Taz redet dem „Glück“ (Sicherheit) der rundum versorgten, „sitzenden“ Zoo-Tiere das Wort!

Ja, auch die Sozialisten haben „irgendwo Recht“, denn es geht natürlich nicht um Kapitalismus („rücksichtsloses Profitstreben“) per se, sondern, wie stets, um bioenergetische Expansion, d.h. um die Hinwendung zum Mitmenschen. Aber gerade die ist profitabel, wie eine Studie der Universitäten Bonn und Maastricht zeigt.

Positive und negative Reziprozität sind voneinander unabhängige Wesenszüge: Manche Menschen sind eher positiv reziprok, manche eher negativ; wieder andere sind beides. Die Forscher aus Bonn und Maastricht wollten herausfinden, welchen Einfluß diese Charakter-Eigenschaften auf Größen wie „Erfolg“ oder „Lebenszufriedenheit“ haben.

Es zeigte sich, daß sich „Negative Reziprozität” nicht auszahlt! Will sagen, derjenige, der unfaires Verhalten seiner Mitmenschen mit gleicher Münze heimzahlt, ist im Leben unzufriedener, hat weniger Freunde und ist im Schnitt häufiger arbeitslos.

Menschen, die dem Leben zugewandt sind, Risiken eingehen und auf ihre Mitmenschen freundlich und zuvorkommend behandeln, sind glücklicher und erfolgreicher.

In Gestalt der anvisierten Überwindung der „Arbeitsgesellschaft“ feiert die Marxistische Ganovenideologie, der zufolge Arbeit ein Fluch ist, fröhliche Urstände. Dabei sollte ein Blick in den Schweinestall genügen, um zu sehen, was mit jenen passiert, die im „sozialistischen Schlaraffenland“ leben!

Eine Studie des „Glücksforschers“ Bengt Brülde (Universität Göteborg, Schweden) besagt, daß nur wer viel arbeitet, wirklich glücklich sein kann. Die Wirkung von Müßiggang, Urlaubsreisen und Luxusgütern verpufft schnell. Vielmehr braucht der Mensch ein Ziel, auf das er hinarbeiten kann. Am glücklichsten ist er, wenn er die Früchte seiner Arbeit gemeinsam mit anderen zu genießen vermag.

Reich zufolge kann man nur glücklich sein, wenn sich Arbeit (Unabhängigkeit!) und Liebe (Hingabe!) periodisch abwechseln.

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Dale Rosin: Medizinische Orgontherapie mit Kindern (Teil 3)

10. Juni 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Dale Rosin: Medizinische Orgontherapie mit Kindern (Teil 3)

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Einleitung zu PLANET IN TROUBLE

13. April 2014

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Ein Auszug aus Jerome Edens Buch Planet in Trouble (New York 1973): Einleitung zu PLANET IN TROUBLE

Angst in der Orgontherapie, ihre Bedeutung und ihre Behandlung. Ein Fallbericht

11. März 2014

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Dr. Vittorio Nicola: Angst in der Orgontherapie, ihre Bedeutung und ihre Behandlung. Ein Fallbericht

Die wahren Motive des islamischen Terrors (Teil 1)

2. März 2014

In Charakteranalyse (S. 341f) erläutert Reich, daß diejenigen, die an der Emotionellen Pest erkrankt sind, unter einem „strukturellen Zwang“ leiden, der allenfalls mit dem genitalen Liebesbedürfnis vergleichbar ist.

Der emotionell Pestkranke entwickelt regelmäßig strukturell (…) einen Neid, der sich mit tödlichem Haß gegen alles Gesunde paart (…). Der emotionell pestkranke Charakter wird unter allem Umständen und mit allen Mitteln seine Umgebung so zu verändern versuchen, daß seine Lebens- und Denkweise nicht gestört wird; er empfindet alles, was ihm widerspricht, als Provokation und verfolgt es demzufolge mit tiefen Haß; das ist an der Askese besonders deutlich zu sehen. Die asketische Grundhaltung lautet regelmäßig unter diesem oder jenem Vorwand: „Andere sollen es auch nicht besser haben, als ich es hatte, sie sollen ebenso leiden wie ich“; diese Grundhaltung ist in jedem Falle durch eine logisch in sich wohlgeordnete Ideologie und Lebenstheorie (…) verdeckt (…).

Die linksliberalen Vertreter unserer Kultur tun alles, damit Moslems nicht „provoziert“ werden und ihrer „Ideologie und Lebenstheorie“ Achtung entgegengebracht wird. Man hat Angst vor den Ausbrüchen der Emotionellen Pest – und da sie selbst von der Pest infiziert sind, ist es den „Multikulturellen“ ganz recht, wenn die Genitalität mit viehischem Haß verfolgt wird.

Die „Streitschrift“ Der Islam braucht eine sexuelle Revolution der bekannten Islamkritikerin Seyran Ates bezieht sich explizit auf Wilhelm Reichs Buch Die sexuelle Revolution, in dem Reich den Islam nur kurz behandelt.

Im Zweiten Teil von Die sexuelle Revolution beschreibt Reich, wie im islamisch geprägten Süden der Sowjetunion, etwa in Tschetschenien, die Reaktion (der traditionelle Islam) zerschlagen wurde und aus verschleierten Haushaltsgegenständen wieder Menschen wurden. Leider ging diese Verwestlichung sehr bald mit Rotem Faschismus einher, z.B. wurde 1944 das tschetschenische Volk (Kinder, Frauen, Greise, Männer) teilweise massakriert, teilweise in Viehwaggons nach Kasachstan verfrachtet und buchstäblich auf die Steppe gekippt.

Nach dem Untergang der Sowjetunion hat sich in Tschetschenien der wahabitische Fundamentalismus durchgesetzt. Symbol dieses Schwarzen Faschismus sind die „schwarzen Witwen“, die seit Jahren durch die Medien geistern. Im allgemeinen wird das so dargestellt, daß die islamische Gesellschaft infolge des Krieges dermaßen zerrüttet sei, daß nun sogar das einst undenkbare geschähe: Frauen greifen zu den Waffen. Doch in Wirklichkeit ist die „schwarze Witwe“, die Selbstmord begeht und dabei möglichst viele „Ungläubige“ mit sich in den Tod reißt, nur die neuste Variante eines uralten Phänomens, das James DeMeo in seinem Buch Saharasia (S. 147, 289, 361) analysiert hat: ob Polygamie, Witwenverbrennung oder „Hexenverbrennungen“, es geht darum, selbständige und sexuell aktive Frauen im Namen der „Sittlichkeit“ aus dem Verkehr zu ziehen. Heute wird ihnen befohlen, sich selbst zu entsorgen und dabei auch noch einen nützlichen Beitrag zu leisten!

In einem Interview mit dem Spiegel beruft sich Ates bei der Frage, was sie mit „Sexuelle Revolution“ in der islamischen Welt meine, auf Wilhelm Reich und sein gleichnamiges Buch.

Ich glaube, daß die islamische Welt sich mit den Folgen einer starren Sexualmoral auseinandersetzen muß, ganz ähnlich der Art und Weise wie die Sowjetunion, in seiner [Reichs] Beschreibung, damit umgegangen ist entsprechend den eigenen Verhältnissen. Sie [die islamische Welt] muß sich verändern wie jedes andere totalitäre System auch, wenn sie eine demokratische Gesellschaft werden will. Als Teil dieses Prozesses muß die Sexualität als etwas anerkannt werden, was jedes Individuum für sich selbst bestimmt. Institutionen wie die Moral- und Religionspolizei müssen abgeschafft werden. Leute, die Sex vor der Ehe haben, können nicht bestraft oder von der Gesellschaft geächtet werden. Eltern müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, warum sie ihrer 16-jährigen Tochter nicht erlauben, einen Freund zu haben, während ihre Söhne damit prahlen dürfen, wie viele Freundinnen sie haben. Sexualkunde muß im Klassenzimmer unterrichtet werden. Eltern sollten es nicht tun müssen, aber sie sollten akzeptieren, wenn die Schule es tut. Junge und alte Menschen, die in der islamischen Welt bereits eine selbstbestimmte Sexualität leben, müssen selbstbewußter auftreten und ihrer Stimme Gehör verschaffen.

Der Blog Politically Incorrect erwähnt in einem kleinen Hinweis auf Ates‘ Buch, daß Moslems unmittelbar vor bzw. während der Ejakulation im Geiste vor sich hinsagen sollen:

Gelobt sei Gott, der aus dem Wasser (Samen) den Menschen geschaffen.

Oder folgendes Bittgebet:

Oh Allah! Gewähre dem Scheitan (Satan) nicht das, was du mir gewährst!?

Diese sakralisierte Zerstörung des orgastischen Empfindens, diese Verunmöglichung orgastischer Entspannung, erinnert an das „Global Consciousness Project“, das vor einigen Jahren für den 21. Dezember den „globalen Orgasmustag“ ausgerufen hat: „Orgasmen für den Frieden“. Während (!) des „Orgasmus“ solle man an den „Weltfrieden“ denken, um so das „Energiefeld der Erde“ zu verändern. Mit über die ganze Welt verteilten REG-Maschinen (Random Events Generators) soll das Ergebnis objektiviert werden.

Während für Reich die Sexualität ein Selbstzweck ist (was überhaupt erst ermöglicht, einen Orgasmus „zu haben“), instrumentalisiert der Mystizismus die Sexualität. Der Mystiker mag noch so sehr von „Frieden“, „Liebe“, gar „Orgasmus“ reden, in Wirklichkeit ist er die Verkörperung von orgastischer Impotenz und Sadismus!

Zu Seyran Ates morgen mehr.

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Gunnar Heinsohn und die drei Welten

1. März 2014

Krebs (oder genauer gesagt die „Krebsschrumpfungs-Biopathie“, im Gegensatz zu isolierten Tumoren) ist eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt (siehe Reichs Der Krebs). Da der Kommunismus der Zweiten Welt nichts anderes als Krebs auf gesellschaftlicher Ebene war, ist Rußland dem Untergang geweiht. Was wir erleben, sind die letzten Todeszuckungen. Die Russen sind buchstäblich am Aussterben! Zunächst kollabiert die Produktion, dann sogar die Reproduktion.

Wenn einmal die „Energieproduktion“ im Inneren eines Menschen oder einer Gesellschaft (Arbeit, Familie) aufgehört hat, gibt es kein Zurück mehr. Auf das Gesellschaftliche übertragen, ist genau das die Gefahr, die vom Sozialismus ausgeht: daß er „das Produktive“ in der Gesellschaft erstickt. Wenn der Kommunismus Krebs ist, d.h. die „Energieproduktion“ im Kern der Gesellschaft aufhört („Mangelwirtschaft“), dann ist der gegenwärtige Kapitalismus des Westens die Entsprechung einer „kardiovaskulären Biopathie“. Die kardiovaskuläre Biopathie, die Reich als „Angstneurose infolge Abstinenz“ definiert, zeichnet sich dadurch aus, daß die „Energieproduktion“ im bioenergetischen Kern zwar lebendig bleibt, diese aber aufgrund einer peripheren Kontraktion (die vor allem durch eine chronische Inspirationshaltung gekennzeichnet ist) zu einer Stauung führt.

Im Kommunismus befand sich praktisch jeder im Dauerstreik: „Ihr tut so, als wenn ihr uns bezahlt, und wir tun so, als würden wir arbeiten!“ Im Kapitalismus hingegen schuften sich die Leute zu Tode, abgesehen von einigen übelriechenden sozialistischen „Tumoren“. Wir ersticken geradezu an der eigenen Produktivität. Aufgrund der Panzerung der Massen besteht eine Blockade, die zwischen Produktion und Konsumption geschaltet ist. „Es wird an den Bedürfnissen vorbeiproduziert.“ Ein Beispiel sind unsere Städte: Gibt es irgendeinen Menschen, dem die modernen Bauten wirklich gefallen?

Was die Länder der Ersten Welt in der Produktion sind, sind die Länder der Dritten Welt (einschließlich der reichen Ölstaaten) in der Reproduktion. Jeder Zuwachs an materiellen Gütern wird unmittelbar in mehr Kinder umgesetzt, weshalb Entwicklungshilfe insbesondere in Afrika ein gigantisches Mißverständnis ist. Wie verheerend es ist, wenn die Erste Welt (Warenproduktion) und die Dritte Welt (Menschenproduktion) einander durchdringen, kann man anhand der USA und Mexiko ablesen – und in unseren „bikulturellen“ Großstädten unmittelbar beobachten.

Reich hat stets Produktion und Reproduktion, Ökonomie (Probleme der Arbeitsdemokratie) und „Sexualökonomie“, als ein und derselben Ebene zugehörig betrachtet. Derjenige, der dem heute noch am nächsten kommt, ist Gunnar Heinsohn mit seinen Theorien über die „Eigentumsökonomie“ und zur Demographie („Youth Bulge“). Problem ist, daß er nicht die bioenergetischen Zusammenhänge sieht.

Die Frage ist natürlich zunächst einmal, ob die Heinsohnsche Eigentumsökonomie überhaupt realitätsgerecht ist. Meines Wissens hat wirklich jeder Rezensent Heinsohn zugute gehalten, daß dieser zur Begriffsklärung beigetragen hat. Besitz ist nicht gleich Eigentum. Beispielsweise kann ich in den Wald gehen und mir dort eine Hütte bauen, Feldfrüchte anbauen, etc. Wirtschaftliche Dynamik kommt aber erst auf, wenn es mir gelingt, diese Hütte und die umliegenden Felder als mein anerkanntes Eigentum eintragen zu lassen. Mit der hergestellten Rechtssicherheit ist es mir möglich Kredite aufzunehmen und so an der Ökonomie jenseits des lokalen Tausches von Feldfrüchten gegen andere Güter teilzunehmen. Wahrscheinlich werde ich wie ein Irrer schuften müssen, um meine Hütte nicht zu verlieren, d.h. meine Kredite bedienen zu können. Für geraume Zeit werden alle dank dieser Schufterei reicher, doch langfristig kommt es durch die Fallstricke des Kreditwesens dazu, daß sich das Eigentum immer mehr konzentriert und das Spiel dergestalt schließlich zum Erliegen kommt. Die Resettaste muß gedrückt werden: ein zeitweises Unrecht stellt das (Eigentums-) Recht wieder her.

Wie das abläuft, haben wir nach dem Fall des Realsozialismus zumindest in Anklängen gesehen. Ein Spieler, der Staat, hatte alle Karten und hat Almosen vergeben: Bezugsscheine für die Realwirtschaft. Nach der kapitalistischen Revolution wurde der Staatsbesitz willkürlich verteilt. An die Stelle von Bezugsscheinen traten Nachweise für Eigentum, mit denen man Kreditgeschäfte tätigen konnte, bis schließlich nach vielen in die Hose gegangenen Kreditgeschäften wieder eine immer kleiner werdende Oligarchie alles in Händen hat. Diese Konzentration von Eigentum in wenigen Händen sieht man auch an der weltweiten Schuldenkrise: immer mehr Menschen haben bei immer weniger Menschen Schulden, wobei es egal ist, ob sie selbst die Schulden aufnehmen oder ob es der Staat für sie tut.

Das ganze ist ein zutiefst tragisches Weltbild, denn echte Ökonomie, d.h. auf Kredit basierende Ökonomie (Eigentumsökonomie), kann nur funktionieren, wenn das Eigentum einigermaßen gleichmäßig verteilt wird, jedoch führt eben dieses System der Kreditvergabe zwangsläufig (fast so wie bei einem Skatspiel) zu einer immer ungleichmäßigeren Verteilung des Eigentums, bis schließlich alle bei ganz wenigen verschuldet sind und man es an sich wieder mit dem Elend einer kommunistischen Verteilungsdiktatur zu tun hat. Eine solidarische Gesellschaft, in der alle zusammenarbeiten, wäre eine Elendsgesellschaft, da ihr die Dynamik des besagten „Kartenspiels“ abgeht. Selbstregulation und eine „Arbeitsdemokratie“ sind eine Illusion. Es bleibt eine Art Keynsianisches System: der Staat muß mächtig sein, da sich das kapitalistische System ansonsten selbst zerstört. Die Anklänge an Marx sind offensichtlich („Konzentration des Kapitals und damit Selbstaufhebung des Kapitalismus“), mit dem entscheidenden Unterschied, daß bei Heinsohn kein Platz für eine Utopie bleibt, allenfalls die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Ich habe gesagt, daß man Heinsohn die Begriffsklärung zugute halten muß. Aber genau da zeigen sich auch die Risse in seiner Theorie. Beispielsweise wird schlichtweg bestritten, daß es in der DDR Geld gab, denn das kann es nur geben, wenn es Eigentum gibt, das verpfändet werden kann. Aber kann man ernsthaft in Abrede stellen, daß es in der DDR Geld gab? Und, was noch wichtiger ist: Kann man bestreiten, daß sich neben der Planwirtschaft eine funktionierende Schattenwirtschaft entwickelt hat, die das System erst lebensfähig gemacht hat? Also eine wirtschaftliche Dynamik ganz ohne staatlich gesichertes Eigentum? Und was Gesellschaften betrifft, denen der Eigentumsbegriff weitgehend fremd war, wie etwa den Völkern Amerikas vor den Konquistadoren: Dort gab es ein den ganzen Kontinent umfassenden Handel. Dem das Prädikat einer „genuinen Ökonomie“ abzusprechen, ist einfach ein Jonglieren mit selbstgebastelten Definitionen („Begriffsklärung“).

Der funktionelle Kern bei Heinsohn ist, daß die Eigentumsökonomie die Menschen zwingt, wie blöde zu arbeiten, um ihr Eigentum nicht wieder zu verlieren. Das geht heute so weit, daß die zweite Kernfunktion der Gesellschaft, die Reproduktion der Menschen in den Familien, zum Erliegen kommt, sogar die Familie selbst zur Disposition steht.

Die sexuelle Revolution begann Anfang der 1920er Jahre: damals fingen die Geburten pro Frau an sich statistisch dem heutigen Wert zu nähern. Der nachwirkende Jugendüberhang ist im Zweiten Weltkrieg verheizt worden. Seitdem äußert sich der expansive Impuls nur noch in der Produktion und Überproduktion von Waren.

Um diesem Spuk ein Ende zu setzen, bedarf es etwas, was der sexuellen Revolution entspricht. Die Dritte Welt benötigt eine sexuelle Revolution, wie ich morgen erläutern werde. Die Erste Welt benötigt eine „arbeitsdemokratische Revolution“.

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Der Dalai Lama im Dschungelcamp

3. Februar 2014

Der mechanistische Geist steht, schaut er in die Welt, einem vollständigen Chaos gegenüber, da er unfähig ist, gemeinsame Funktionsprinzipien (CFPs, Common Functioning Principles) zu sehen. Was ist das CFP unserer Kultur? Der brave „Reichianer“ wird jetzt vielleicht sagen: „Die Panzerung!“ Nun, das ist kein Funktionalismus, sondern kurzschlüssiger und abstrakter Mystizismus! Die Antwort ist nämlich viel zu unspezifisch und bietet kaum einen Ansatz, um irgendetwas praktisch zu verändern. Es ist bloße „Wahrheitskrämerei“!

Das tatsächliche CFP unserer gegenwärtigen Kultur läßt sich wie folgt ausdrücken:

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Diese heterogene Funktionsgleichung erklärt sowohl die mechanistische als auch die mystische Seite unserer aktuellen Kultur.

Beispielsweise fragte die BILD-Zeitung angesichts der Ekelorgien im „Dschungelcamp“ einen Zoologen von der Uni Duisburg-Essen, was denn der Wurm fühle, wenn er auf dem Teller landet und dann zerkaut wird. Die „wissenschaftliche“ Antwort: „Er steht ungern im Rampenlicht. Aber Angst hat so ein Wurm nicht.“ Lande er im feuchten und dunklen Mund, sei er „für eine Sekunde (…) im Paradies – bevor er zermalmt wird“.

Auffällig bei allen derartigen Äußerungen ist stets, daß Emotionen (in diesem Fall Angst) geleugnet und stattdessen Sensationen (Signal: „Licht“, Reaktion: „Flucht ins Dunkle, wo es feucht und warm ist“) in den Vordergrund geschoben werden. Daß Lust (bioenergetische Expansion) und Angst (bioenergetische Kontraktion) die fundamentalsten Eigenschaften alles Lebendigen sind, die unmittelbar beobachtet werden können, wie Reich in den 1930er Jahren mit seinen bio-elektrischen und Bion-Experimenten zeigte, ist diesen Wissenschaftlern vollkommen unzugänglich. Für sie sind Würmer nichts anderes als eine Art „Bioroboter“, die ohne Innenleben („Qualität“) auf äußere Reize („Quantität“) reagieren. „Angst“ ist für diese Wissenschaftler ein Phänomen, das erst bei hochentwickelten Organismen mit Ansätzen von Bewußtsein auftritt.

Dieser Sicht liegt eine noch fundamentalere Transformation zugrunde, als die oben dargestellte:

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Jedwede bioenergetische Erregung kann sich nicht entwickeln, sondern wird sofort in Wahrnehmung überführt, die entsprechend ein schizophrenes (oder „schizoides“) Eigenleben führt. Schließlich spielt sich alles nur noch im Kopf ab. Wir alle kennen das „wissenschaftliche“ Diktum, daß das Gehirn das einzige „erogene Organ“ sei. Der Mensch als Maschine mit einem „Geist“. Das, die Rolle des „Bewußtseins“, ist das mystische Element, das sich zwangsläufig in ihre mechanistische Weltsicht einschleicht.

In dieser Kultur gibt es keinen Platz für Emotionen (und damit keinen Platz für die Orgonomie!). Das, was an Emotionen in jedem Menschen vorhanden ist, wird sofort in Sensation transformiert. Das wird jedem Biologen, Psychologen, Soziologen von vornherein als „wissenschaftliche Herangehensweise“ eingetrichtert. Überhaupt wird jedwede bioenergetische Erregung unmittelbar in Wahrnehmung überführt, was zu deren Eigenleben führt. Diese Menschen haben keinen Wurm mit seiner lebendigen Ausdruckssprache vor sich, die man unmittelbar nachempfinden kann, sondern ein abstraktes Konstrukt. Das sehende Auge schwebt über einer toten mechanischen Welt.

Exakt die gleiche bioenergetische Tiefenstruktur findet sich im mystischen Pendant zum allgegenwärtigen Mechanismus:

Die Orgonomie ist der Todfeind jedweder Art von Mystizismus, insbesondere, wenn er sich organisiert, um die freie Entfaltung des Lebendigen zu hintertreiben (Emotionelle Pest). Ein Beispiel für den in den Massen schlummernden Faschismus (Mystizismus ist untrennbar mit Sadismus verbunden) ist die „Heil-Begeisterung“ für den Dalai Lama.

Beispielsweise hat sich der Stern in den letzten Jahren mit enthemmtem Pathos hervorgetan:

Er [der Dalai Lama] ist der Ozean der Weisheit und das wunscherfüllende Juwel. Er ist der verlorene König und der Seelenretter des Westens. Er ist Tibets menschgewordener Gott und die größte Sehnsuchtsleinwand für Sinnsüchtige. Wie ein Gott vertrieben wurde, wie er auszog, sein Land zu befreien, und dabei die Welt das Glücklichsein lehrte.

Bei Empfängen für den Gottkönig werden in der deutschen Hauptstadt tausende Tibetfahnen gehißt. Städte, Gemeinden und Landkreise zeigen in ganz Deutschland auf ihren Rathäusern und Ämtern die Flagge Tibets. Es gibt keinen einzigen kritischen Presseartikel zum Siegeszug des „Gelben Papstes“, dem Europa wie eine reife Frucht in die Hand fällt, wenn dieses sich nicht gegen Saharasia verteidigt. Man lese dazu auch das Essay der Trimonis Der Eskapismus der Gutmenschen und besuche ihre Website www.trimondi.de.

Und was ist die großartige Botschaft seiner Heiligkeit? Sei authentisch, akzeptiere den anderen, übe Vergebung, das Streben nach Glück ist das wichtigste im Leben, etc.pp. Kein vernünftiger Mensch kann etwas gegen diese Allgemeinplätze sagen. Es sollte uns eher zu denken geben, daß der „Ozean der Weisheit“ praktisch nur solche austauschbaren Allgemeinplätze absondert.

Besonders gruselig wird es, wenn der Dalai Lama mit Quantenphysikern diskutiert („Blablablablablablabla“). Eine wissenschaftliche Koryphäe wie Stalin, Hitler, Mao und Ceausescu! Von der psychiatrischen Fachzeitschrift DNP – Der Neurologe & Psychiater wurde der Gelbe Papst im Oktober 2005 sogar zum „Mann des Monats“ erklärt. Er sei für seine „Schwäche für Neurotransmitter, synaptische Verschaltungen und Kernspintomographie“ bekannt! Beispielsweise habe sich seine Heiligkeit in der Eidgenössischen Technischen Hochschule, Zürich das Podium eines Symposiums zum Thema „Furcht und Angst“ mit „namhaften Wissenschaftlern“ geteilt.

In diesem Zusammenhang hat die DNP Sensationelles zu berichten: einer US-Studie aus dem Jahre 2004 zufolge haben tibetische Mönche, die der Dalai Lama ermutigt hatte, an dieser Untersuchung teilzunehmen, während der Meditation (und weniger ausgeprägt auch im Ausgangszustand!) im EEG eine „Gammaaktivität“ von einem Ausmaß gezeigt, das nie zuvor in einem „nichtpathologischen Kontext“ gemessen wurde. Daß das „Gammaband“ mit Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Lernen und bewußter Wahrnehmung in Verbindung gebracht wird – paßt zu unserer Analyse des bioenergetischen Hintergrundes des Buddhismus: die pathologische Transformation von Erregung in Wahrnehmung.

Auf insistieren des Dalai Lamas wurde dieser Zusammenhang vor kurzem erneut nachgewiesen. Maria Kozhevnikov, eine Neurowissenschaftlerin an der George Mason University in Fairfax, Virginia konnte zeigen, daß eine bestimmte Art der Meditation, bei der ein detailliertes mentales Bild der Gottheit geschaffen und erhalten wird, die visuelle Erinnerungsfähigkeit verstärkt. Wenn auch nur vorübergehend. Der Dalai Lama hatte dieses Forschungsprojekt angeregt, als er 2003 an einer neurowissenschaftlichen Konferenz am Massachusetts Institute of Technology teilgenommen hatte.

Die Transformation von Emotion in Sensation erklärt, warum die „Weisheiten“ des Dalai Lamas und sein Lächeln so… – so leer sind. Sie erklärt auch, warum er heutzutage so beliebt ist.

Meinen Buddhismus-Artikel habe ich mit vollem Recht nach Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus benannt. Die Emotionelle Pest etwa im Islam zu durchschauen ist einfach. Beim Buddhismus bedarf es einer tiefergehenden funktionellen Analyse.

Funktionalismus bei Hans Hass (Teil 5)

3. Januar 2014

Ein Problem mit dem Reich’schen Konzept einer „natürlichen Arbeitsdemokratie“ liegt in der fehlenden Naturgeschichte. Soll man die „natürliche Arbeitsdemokratie“ etwa aus dem Sozialleben von Affenhorden ableiten? Erstens kennen diese nur eine rudimentäre Arbeitsteilung und zweitens ist ihr Sozialleben kaum „arbeitsdemokratisch“, sondern eher autoritär und von einer Rangordnung bestimmt, die an den Feudalismus erinnert. Wie bei seinen Überlegungen zur Naturgeschichte der Orgasmusfunktion hat Reich unsere unmittelbaren Vorläufer in der Evolution umgangen und auch hier weit zurückgegriffen bis auf das Niveau der Einzeller und ihrer Organisation zu Vielzellern. Ich bin darauf an anderer Stelle eingegangen.

Biologen wie Konrad Lorenz und die modernen Soziobiologen betrachten die Menschen, als wären sie der Endpunkt der Evolution und könnten deshalb in den gleichen Begriffen erfaßt werden, mit denen man sich Wolfsrudeln oder Ameisenhügeln nähert.

Marxistische und post-marxistische Soziologen sehen den Menschen ebenfalls als Endpunkt der Evolution. Der Mensch habe damit die Biologie verlassen und könne nur noch in „gesellschaftlichen“ Begriffen erfaßt werden. Entsprechend werfen sie jedem, der im Menschen immer noch ein Tier sieht, „Biologismus“ vor.

Hans Hass und Reich unterscheiden sich grundsätzlich von diesen beiden Herangehensweisen, denn sie sehen den Menschen als Schnittpunkt der Evolution, d.h. er muß in einer viel umfassenderen, wenn auch immer noch biologischen Weise begriffen werden, als es die Biologen mit ihrem naiven „Biologismus“ bisher taten.

Lorenz hat das Problem des Menschen, mit „innerartlichen“ Schwierigkeiten umzugehen, auf den beim Menschen angeblich besonders ausgeprägten „Aggressionstrieb“ zurückgeführt. Hans Hass, der ja auch Verhaltensforscher war, distanzierte sich im Rahmen seiner Energontheorie von dieser Sicht. Wenn man in der Tierart Mensch nicht den Höhepunkt der Evolution sieht, sondern ein Übergangsglied zu neuen Arten, den Hyperzellern, zwischen deren Mitgliedern ein Konkurrenzkampf herrscht, dann ist es müßig über das Aggressionspotential des Menschentiers zu spekulieren. Zwei Schuster, die in unmittelbarer Nähe ihre Geschäfte haben, können als Menschen zueinander stehen, wie immer sie wollen, als Vertreter der gleichen Berufsart sind sie Todfeinde – wenn der Markt nur einen Hyperzeller ernähren kann, wird der leistungsschwächere der beiden zugrunde gehen. Das gleiche gilt für die Verdrängung alter Arten durch neue, besser angepaßte, etwa die Verdrängung des Gerbers durch den Hersteller von Kunstleder. Der Konkurrenzkampf ist der eigentliche Motor sowohl der ersten als auch der zweiten Hälfte der Evolution.

Generell schreibt Hass über den „Aggressionstrieb“:

Seit dem Buch von Konrad Lorenz Das sogenannte Böse hat man den „Aggressionstrieb“ für die defekte Seite des Menschen weitgehend verantwortlich gemacht. Bestimmt spielt dieser kuriose Trieb, der sich auch gegen den Artgenossen wendet, bei vielen unserer Regungen unfreundlicher Laune und Gestimmtheit eine Rolle, doch nimmt er in der Rangordnung der Instinkte bloß eine eher untergeordnete Stellung ein. Er leistet vor allem bei der Verteidigung von „Territorien“ und bei Kämpfen um Rangordnungen und Führerstellungen bei rudelbildenden Tieren eine selektionsfördernde Funktion. In keiner Weise läßt er sich jedoch mit der elementaren Bedeutung des Triebes nach Nahrung – nach Energie – vergleichen, dessen Wurzeln ebenso weit zurückreichen, wie jene der Lebensentwicklung selbst, und der Voraussetzung für alle weiteren Triebe war und bis heute geblieben ist. Da beim Menschen Kannibalismus zur extremen Seltenheit gehört, sah man nicht ein, wieso der Nahrungstrieb sich gegen den Mitmenschen wenden sollte. Auf Grund des Psychosplits kommt es indes zu diesem Phänomen – ganz abgesehen davon, daß die zusätzlichen Organe des Menschen eine noch weit begehrenswertere Beute für Räuber darstellen als Fleisch, da sie nicht erst gegessen, verdaut und in eigene Leistung umgesetzt werden müssen, sondern ganz so, wie sie sind, machtsteigernd eingesetzt – und außerdem noch durch Verkauf in den Zauberstab Geld verwandelt werden können.

Um die „natürliche Auslese“ etwa zwischen Schustern in einem erträglichen Rahmen zu halten, gibt es den Staat als unverzichtbares „Gemeinschaftsorgan“, das z.B. für lauteren Wettbewerb sorgt oder allein schon dafür, daß die Hyperzeller nicht (verständlicherweise) mit Waffengewalt um ihr schieres Überleben kämpfen. Außerdem ist der Staat, Hass zufolge, deshalb absolut notwendig, weil die zusätzlichen Organe der Hyperzeller nicht nur nicht fest mit ihrem Leistungskörper verbunden, sondern darüber hinaus auch noch für andere Hyperzeller besonders begehrenswert sind, da sie sie in ihren eigenen Leistungskörpern integrieren können. Aus energon-theoretischer Sicht besteht, wie im letzten Teil gezeigt, kein Unterschied zwischen Raub und Tausch – das erstere ist sogar effizienter. Der Staat, der Raub mit Sanktionen belegt, hat die Entwicklung der Hyperzeller also überhaupt erst möglich gemacht.

Jedoch beinhalten alle Aufgaben, die der Staat über seine unverzichtbare Schutzfunktion hinaus noch an sich reißt, die Gefahr, daß er selbst zu einer Erwerbsorganisation wird. Und selbst Militär und Polizei, die Freiheit und Sicherheit der Bürger schützen, stellen in dieser Beziehung eine Gefahr dar, denn im Notfall müssen sie auf blinden Gehorsam zurückgreifen können, was sich wiederum Einzelne zunutze machen können, um den Staat durch Putsch zu einem zusätzlichen Organ ihres eigenen Leistungskörpers, bzw. des Leistungskörpers ihrer Gruppe zu machen. Hass: „Ein Verband mit einem großen Gemeinschaftsorgan des Schutzes wird über Nacht in ein Großunternehmen verwandelt, bei dem im Extremfall sämtliche ‚Aktien‘ in einer Hand sind.“

Der Staat, dieses „kälteste aller kalten Ungeheuer“ (Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Studienausgabe Bd. 4, S. 61), ist die Speerspitze des Entfaltungsstroms. Die „Staatsinteressen“ decken sich weitgehend mit den Interessen des Entfaltungsstroms. Auf diese Weise ist dieses unverzichtbare Gemeinschaftsorgan gleichzeitig auch der Todfeind des Menschen.

Die einzige Lösung dieses scheinbar unauflösbaren Dilemmas ist m.E. die Beschränkung auf möglichst kleine, überschaubare souveräne staatliche Einheiten, da hier einerseits noch die Möglichkeit einer direkten Kontrolle durch die Bürger und einer aktiven, sogar militanten Gegenwehr besteht; und andererseits beim Umkippen des Staates von einem Gemeinschaftsorgan der Gesellschaft zu einer die Gesellschaft aufsaugenden Erwerbsorganisation jeweils nur verhältnismäßig kleine Teile der Weltbevölkerung betroffen sind.

Neben kleinen überschaubaren Einheiten bedarf es einer größtmöglichen Transparenz, um Wirtschaft und Gesellschaft vor dem Zerfall zu bewahren. Das beste Korrektiv ist stets der ungehinderte Informationsaustausch:

Analysieren wir etwa die Vorgänge in Ortschaften oder kleineren Städten der marktwirtschaftlich orientierten „freien“ Welt, dann zeigt sich, daß dort dem halben Räuber enge Grenzen gesetzt sind. Und zwar durch das Korrektiv einer weitgehend transparenten Gesellschaft. Verkauft hier etwa ein Gemüsehändler schlechte Ware oder gute zu überhöhtem Preis, dann wird er nicht lange bestehen können. Die Kundschaft wird dafür sorgen. Sie wird zu einem Konkurrenten abwandern, der sich mehr tauschgerecht verhält. Ist er der einzige im Ort, dann entsteht geradezu ein Sog zur Etablierung eines anderen, besseren. Der schlechte Anbieter wird bald von der Bildfläche verschwinden. Der Vorgang entspricht durchaus der „Natürlichen Auslese des besser Geeigneten“, der bei den Pflanzen und Tieren jenen Arten den Vorzug einräumt, die besser Energie erwerben können und auch allen sonstigen für ihre Lebensform relevanten Umweltbedingungen besser angepaßt sind.

Hier haben wir ein Beispiel dafür, daß die technische Entwicklung ganz im Sinne des Lebendigen wirksam sein kann:

Durch Fachzeitschriften, persönliche Information, Marktforschung und nicht zuletzt durch den Computer ist man in der Wirtschaft immer besser über die internationale Angebots- und Nachfragesituation im Bilde. So tritt – ähnlich wie im kleinen Dorf – das Korrektiv der Gemeinschaft wieder in Erscheinung.

Das wichtigste Korrektiv ist jedoch die Orientierung an der Qualität und am Immateriellen, statt am „wägbaren materiellen Erfolg“. Hass hält es beispielsweise für „total falsch“

den Erfolg eines Berufstätigen, eines Unternehmens oder einer sonstigen Organisation nach der jährlichen oder vierteljährlichen Geldbilanz zu beurteilen, denn von nicht minder bedeutendem Einfluß auf den Erfolg ist der Gewinn an Kunden und guten Mitarbeitern, an Vertrauen, an Goodwill, an Image, an Know-how.

Besonders wichtige „immaterielle Werte“ für jedes Unternehmen sind der Kundenstamm und die Kundentreue, das Ansehen, welches das Unternehmen genießt, sein „Image“, das Vertrauen, das seinen Produkten und Dienstleistungen entgegengebracht wird, seine Geltung und Popularität. Kommt es zu Einbußen in diesen Bereichen – etwa in Folge unverläßlicher Lieferung, schlechter Qualität, mangelhaftem Service, überhöhter Preise etc. – dann bleiben die Folgeerscheinungen nicht aus.

Das zeigt sich besonders deutlich, wenn ein Unternehmen durch ein anderes übernommen und der Kaufpreis bestimmt wird. Dann richtet sich der erfahrene Fachmann keineswegs nur nach Bilanzen und Produktionsmitteln – sondern weiß sehr gut den „wirklichen Wert“ annähernd zu schätzen, der um ein mehrfaches größer oder auch erheblich geringer sein kann als der „Buchwert“.

Der Psychosplit behindert diese gesamte Einstellung empfindlich, weil auf Grund des übermächtigen Schlüsselreizes, den Geld auf uns ausübt, unser Interesse und unsere Gedanken ganz automatisch von den „immateriellen Werten“ und ihrer Bedeutung weggelenkt werden.

hasso5