Parasiten!

9. September 2013

Ich werde häufig (gut, ab und an) gefragt, wie es denn angehen könne, daß sich die Orgonomie gesellschaftspolitisch um 180° hat drehen können, von KPDlern damals zu AfDlern heute.

Zu Reichs Zeiten, also Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre, galt in der Linken: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!“ Die Reichen, die Kapitalisten, die von ihrer „Rente“ lebten, d.h. von den Arbeitserträgen anderer, wurden als Parasiten betrachtet und entsprechend behandelt. Ilse Ollendorff berichtet:

[Reichs] Einstellung hinsichtlich finanzieller Unterstützungen war in den späten zwanziger Jahren stark von seinem militanten Sozialismus beeinflußt. Jeder mußte arbeiten, um sich selbst zu erhalten. Bürgerliches Parasitentum war für ihn verächtlich. Nach der großen finanziellen Krise im Jahre 1929 wurde er von Verwandten ersucht, eine ziemlich bescheidene Summe monatlich zur Unterstützung seiner Großmutter beizusteuern. Sie hatte ihr gesamtes Einkommen aus Dividenden, von denen sie bis dahin hatte gut leben können, verloren. Man berichtete mir, daß er jede Hilfe mit der Rechtfertigung verweigerte, daß Großmutter ihr ganzes Leben nie gearbeitet und nur von der Arbeit anderer gelebt hätte, so daß es nur gerecht sei, wenn sie jetzt ins Armenhaus gehen müsse. Er wäre andererseits gern bereit, die alte Köchin Sascha zu unterstützen, sollte sie einmal Hilfe benötigen. (Ollendorff: Wilhelm Reich, München 1975, S. 34f)

Diametral entgegengesetzt sieht es heute aus. Das Nichtarbeiten und „Rentieren“ ist zu dem linken Ideal geworden. Jene Linken, die „arbeiten“, „arbeiten“ beim Staat. Die Beamtenschaft ist heute fast durchgehend rot-grün. Überspitzt gesagt, kann man sagen, daß die Schwarzen für die Roten arbeiten: die Beschäftigten in der freien Wirtschaft für die Staatsbediensteten und andere Blutsauger.

Damals glaubten Reich und seine Genossen, daß, wenn man die unproduktiven reichen Parasiten beseitigen würde, es zu einem ungeheuerlichen Produktivitätsschub käme, der die soziale Frage gegenstandslos mache. Das war natürlich Unsinn, da der Unternehmer selbst Mehrwert erwirtschaftet und in seiner Funktion schlichtweg unersetzbar ist. Siehe dazu Der biologische Rechenfehler in der Marxschen Mehrwertlehre.

Ganz anders sieht es heute aus: die heutigen Parasiten sind wirklich Parasiten. Entsprechend vermehren sie sich auch wie die Pest, indem sie so viele weitere Parasiten ins Land holen, wie nur irgend möglich. Die Leittragenden sind die Arbeiter, die wirklich politisch Verfolgten und jene, die aufgrund von Behinderungen wirklich vom Sozialstaat abhängig sind.

Die Orgonomie hat stets die Interessen der produktiv Arbeitenden vertreten. Sie war stets Feind derer, die nicht arbeiten wollen und auf Kosten der Arbeitenden und jener leben, die aufgrund von Behinderungen nicht arbeiten können.

Hinzu kommen die Lügen und die Manipulation, die früher Domäne der Rechten waren, etwa die Dolchstoßlegende und die skandalöse „Klassenjustiz“. Heute ist das fast ausschließlich eine Domäne der Linken. Man denke etwa an die dreiste Behauptung, Deutschland sei ein Einwanderungsland. Was ist das für ein „Einwanderungsland“, in dem die angeblichen „Einwanderer“ überdurchschnittlich arbeitslos sind und von Sozialtransfers leben?! Was ist das für ein Einwanderungsland, das überwiegend Leute ohne Sprachkenntnisse, ohne dringend benötigte Spezialkenntnisse und gar Analphabeten und Kranke ins Land läßt? Dazu noch Leute, die dieses Land offensichtlich hassen.

Das ganze ist an Absurdität nicht zu überbieten. Aus dieser Politik spricht ein abgrundtiefer Haß und eine abgrundtiefe Verachtung für jene, die den Wohlstand in diesem Land erarbeitet haben. Woher kommt dieser Haß?

Es ist der Haß jener, die im Wohlstand aufgewachsen sind, denen ständig Puderzucker in den Arsch geblasen wurde, und die entsprechend entsetzt sind, wenn die Zumutungen des Lebens vor sie treten. Sie reagieren wie Parasiten, die aus ihrem Wirtsorganismus herausgerissen werden. Sie rebellieren gegen ihn, d.h. gegen die eigenen Eltern, den Staat, das „kapitalistische Schweinesystem“, und sie solidarisieren sich mit „allen anderen Zukurzgekommenen“, fühlen sie sich doch selbst wie die „Enterbten dieser Erde“ und fordern allen Ernstes das „bedingungslose Grundeinkommen“. Sie wollen für ihre bloße Existenz bezahlt werden!

Das einzige Erwerbsleben, das ihnen lebenswert erscheint, ist das des rundumversorgten Staatsdieners. Und wenn sie nicht selbst an die Mutterbrust zurück können, dann tun sie zumindest alles, um die „Sache des Sozialismus“ zu fördern.

Im Prinzip sind es die gleichen Leute wie einst Reichs Oma Roninger! Arbeitsscheue Parasiten, denen es nie an irgendetwas gemangelt hat und die wirklich alles tun, um ihre parasitäre Existenz ad infinitum fortzuführen: „Arbeit ist Scheiße!“ Das sagt schon ihr Gehabe, – die vollständige Diskrepanz zwischen der rebellischen Attitüde und den gesellschaftlichen Verhältnissen. Je permissiver die Gesellschaft wird (sogar die Rechtsschreibung wurde auf Idiotenniveau abgesenkt!), desto stärker wird der anti-autoritäre Impuls.

Hier ein beliebiger Schnappschuß vom Aufstand der Parasiten gegen das arbeitende Volk (die „Spießer“ und „Faschos“), das schüchtern seine Meinung zu sagen wagt:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=tl-xleXb68g%5D

Die anti-autoritäre Persönlichkeit

24. August 2013

Bis Anfang der 1960er Jahre wurde der Ödipuskomplex „typischerweise“ durch Anpassung an den und Identifizierung mit dem Vater („der Autorität“) bewältigt, was für eine gewisse Stabilität sorgte: „autoritäre Gesellschaft“. Man eiferte dem Vater nach, versuchte ihn gar zu überflügeln, oder man identifizierte sich zumindest mit den gesellschaftlichen Autoritären. Nicht zuletzt durch die Umwälzungen zweier Weltkriege und die „Umwertung aller Werte“ in jedem Bereich von Kultur und Wissenschaft formte sich schließlich die „anti-autoritäre Gesellschaft“ heraus, die von „Rebellion gegen den Vater“ geprägt ist.

In der autoritären Gesellschaft wurde unterschiedslos sowohl die rationale („echte“) als auch die irrationale („unechte“) Autorität anerkannt, in der anti-autoritären Gesellschaft werden sie ebenso unterschiedslos bekämpft, d.h. nicht nur die angemaßte Autorität, sondern auch der erfahrene Experte. Da die Gesellschaft jedoch von der Arbeit der Fachmänner abhängt, dies den „materiellen“ Kern aller gesellschaftlichen Aktivitäten ausmacht (Reich nannte das „Arbeitsdemokratie“ – im Gegensatz zur „formalen Demokratie“, in der „Autorität“ nichts gilt, sondern nur die abstrakte „Stimme“), untergräbt die anti-autoritäre Gesellschaft ihre eigenen Fundamente.

Man denke etwa an die populäre Musik, die in den 1960er und 1970er Jahren noch ausgesprochen anspruchsvoll sein konnte, während heute aus den Kopfhörern nur noch die Deppendisko dröhnt. Statt „Emerson, Lake & Palmer“ haben wird heute „Coco Bambo Ficky Facky“.

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Gerade lese ich in der Tageszeitung, die Regisseurin Sofia Coppola (42) habe gesagt: „Als ich noch jung war, hat man Leute für das, was sie erreicht haben, gefeiert, für ein Talent. Heute sind Leute dafür berühmt, berühmt zu sein.“ Der Zerfall, der Substanzverlust, zieht sich durch alle Bereiche des Lebens, betrifft aber insbesondere die fundamentalsten Benimm- oder Verhaltensregeln, die früher „Eingriffe von oben“ unnötig gemacht haben. Niemand mußte darauf hinweisen, darauf achten und es kontrollieren, daß man nicht alles vollmüllt, wo man geht und steht!

Als Kompensation für die Dekadenz kommt es zu einer zunehmenden Zentralisierung und Verlagerung der Entscheidungsebene vom eigentlichen Arbeitsprozeß hin zu Gremien, die immer weiter vom Kern der „Arbeitsdemokratie“ entfernt sind. Am Ende steht ein kommunistischer Staat. Reich, der, als ehemaliger Kommunist, diese Entwicklung in der Sowjetunion beobachtet hat, hat das als „Roten Faschismus“ bezeichnet. Ein Projekt, das, jedenfalls von den Schriften Lenins her, als radikaldemokratisches Unterfangen seinen Anfang nahm („Sowjets“), endete in der – „Sowjetunion“. Es ist offensichtlich, daß diese Entwicklung in allen „liberalen“ Demokratien angelegt ist, die ja auf der Infragestellung „der Autorität“ beruhen.

Die Lösung ist, Reich zufolge, nicht nur „das richtige Verhältnis von Vertrauen und Kontrolle“. Gesellschaftliche Rationalität kann langfristig nur auf einer, wie Reich sie nannte, „rationalen Struktur“ des typischen Gesellschaftsgliedes beruhen, d.h. eines Menschen, der seine inneren (neurotischen) Konflikte nicht, wie typischerweise heute, auf dem sozialen Schauplatz auslebt, was in unserem Zusammenhang vor allem den Umgang mit „Autorität“ betrifft. Ein solcher Mensch ist in „Kontakt zu seinem bioenergetischen Kern“, d.h. er ist nicht „gepanzert“: er ist authentisch und nimmt die Umwelt so war wie sie ist. Konkret bedeutet dies, daß er keine Politik im üblichen Sinne betreibt, sondern das vertritt, was der Arbeitsprozeß gerade verlangt. Er nimmt schlicht und ergreifend am Leben teil! Kontakt mit sich selbst und Kontakt mit der Umwelt sind funktionell identisch; etwas, was unmittelbar evident wird, wenn man es mit Schizophrenen zu tun hat, die sich in einer psychotischen Episode befinden.

Während in der autoritären Gesellschaft die Menschen zumindest teilweise („verzerrt“) Kontakt mit sich und der Umwelt bewahrt haben („Identität“, „Tradition“), ist der anti-autoritären Gesellschaft die Tendenz zum Kontaktverlust inhärent. Dies wird unmittelbar evident, wenn man die Entwicklung der letzten Jahre verfolgt, wo die „Fortschrittlichen“ immer absurdere, d.h. offensichtlich absurde, Projekte verfolgten, während die letzten Konservativen in einem verzweifelten Kampf um die Bewahrung von Resten von Vernunft in der Gesellschaft rangen. Dies sind nicht nur politische Auseinandersetzungen, sondern Geschehnisse, die auf „charakter-strukturellen“ Prozessen beruhen, die nur der Psychiater ganz erfassen kann.

Zusammenfassend kann man sagen, daß in der autoritären Gesellschaft sowohl rationale Autorität als auch irrationale Autorität anerkannt werden, hingegen in der anti-autoritären Gesellschaft sowohl rationale Autorität als auch irrationale Autorität abgelehnt werden. Da eine Gesellschaft jedoch ohne Autorität nicht überleben kann, wird diese Anarchie schließlich durch eine extrem autoritäre Form der Regulierung abgelöst („Roter Faschismus“). Die einzig gangbare Alternative ist die arbeitsdemokratische Gesellschaft, in der die rationale Autorität anerkannt, aber die irrationale Autorität abgelehnt wird. Das ganze ist naheliegend und logisch, für das gepanzerte Denken hingegen ein unauflösbares Mysterium.

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Die drei Stufen der Panzerung

23. August 2013

Reich wurden die abstrusesten Dinge vorgehalten. Er sei ein obskurantistischer „Gnostiker“, der die Aufklärung verraten habe, weil er beschrieb, wie die kosmische Orgonenergie in einer Membran gefangen wird und danach an „kosmischer Sehnsucht“ leide. Er habe die Komplexität der menschlichen Psyche verkannt und die Errungenschaften seines Lehrers Sigmund Freud verraten, weil er alles „primitiv“ mit einer muskulären Panzerung erklären wollte. Ähnlich „primitiv“ sei seine Soziologie gewesen, die die verwickelten geschichtlich gewordenen sozio-ökonomischen Zusammenhänge, wie sie von Marx aufgedeckt wurden, zugunsten von simplifizierenden und, wie es so schön heißt, „biologistischen“ Spekulationen über die Sexualökonomie und den Charakter der Menschen vernachlässigte.

Diese Kritiker verkennen, daß Reich keine großartige neue „Lebensanschauung“ formulieren wollte, die „orgonomische“. Eine „Reichianische Weltanschauung“ ist tatsächlich das allerletzte, was diese Welt braucht! Nein, Reich hat schlicht seine wissenschaftlichen Beobachtungen jeweils in einen größeren Rahmen gestellt:

  1. Leben ist Lebensenergie, die in einer Membran pulsiert. Das hat Reich bei seinen Bion-Experimenten und im Experiment XX beobachtet. Leben ist „gefangene“ kosmische Energie, aus der durch dieses „Gefangensein“ biologische Energie wird. Reich hat spekuliert, daß religiöse Menschen sich dafür einen Sinn bewahrt haben.
  2. Um Überleben zu können, muß der Organismus fliehen bzw. angreifen können, braucht also eine Muskulatur. Es ist tragisch, daß die Panzerung des Menschen sich ausgerechnet an diesem lebensnotwendigen Verteidigungs- und Überlebenssystem festmacht (Muskelpanzerung).
  3. Leben ist nur in einem sozialen Gefüge denkbar, dazu braucht es Verhaltensprogramme. Es ist tragisch, daß im Faschismus seine stereotypen Zwangshandlungen das Überleben des Menschen gefährden (Charakterpanzer).

Für Reich war die Panzerung in seiner wissenschaftlichen Entwicklung zunächst ein soziales Problem (Über-Ich), dann ein biologisches Problem (Muskelpanzerung) und schließlich ein kosmisches Problem (das energetische Orgonom im materiellen Orgonom).

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Warum sind Kinder (diese Tierwesen, diese Naturwesen) nicht immun gegen die Unnatur, die „Kultur“? Offenbar gibt es „irgendwas“, was uns für Panzerung anfällig macht. Das Problem ist einfach, daß unsere Schutzmechanismen, die Leben nicht nur erst ermöglichen, sondern auf tiefster Ebene sogar erst konstituieren, sich gegen uns selbst wenden. Ich panzere mich gegen den Feind ab – und bin unversehens Gefangener meiner eigenen Panzerung!

Sogar meine Werkzeuge, meine Maschinen wenden sich schließlich gegen mich. Wie Reich ca. 1942 in Die Massenpsychologie des Faschismus sinngemäß schrieb: „Du mußt dich von deinen Maschinen distanzieren oder du wirst selbst zur Maschine.“

Das ist die Tragik: jeder Schritt zum Selbstschutz oder in die Emanzipation führt erst recht in die Versklavung. Das ist sicherlich auch ein Moment, warum Reich bis zum Schluß von Marxens „Kernthesen“ überzeugt war: als Kapital wende sich die Arbeitskraft gegen ihre eigene Quelle. Entsprechendes findet sich auch bei Hans Hass.

Die Massenpsychologie des Marxismus

5. August 2013

In seinem neuen Buch Neither Left Nor Right schreibt Charles Konia über die Kommunisten:

Der Pseudo-Liberale/Kommunist repräsentiert die Endstufe des verzweifelten Versuchs des Menschen vor seinem biologischen Kern in sein Gehirn zu flüchten. Er tut dies, indem er sich von seinen Gefühlen abschneidet und beharrlich an der Überzeugung festhält, daß durch seinen Intellekt und seinen Intellekt allein alle Probleme der Welt gelöst werden können. Dies ist nicht nur der höchste Ausdruck des Mißbrauchs des Intellekts als Abwehr, sondern es beinhaltet auch, daß praktische Erfahrungen in der Wirklichkeit nicht notwendig sind, um die Welt zu verstehen. (S. 262)

Hier ein beliebiger Ausschnitt aus einem Aufsatz, mit dem ein Marxist zeigen will, wie einfach und logisch doch Marx‘ politökonomische Analyse sei und mit dem er gegen das „Obskure, Unverständliche, Schwülstige und Verworrene“ in der modernen Marx-Exegese polemisiert:

Die Einheitsdimension von Gebrauchswert und Wert ist ohne jeden logischen Widerspruch denkbar. Zunächst gilt der Wert selbst als gesellschaftliche Einheitsdimension von Privatprodukten, was nicht bedeutet, daß er eine Gleichsetzung total verschiedener Dinge in ihrer Verschiedenheit wäre. Die isoliert voneinander produzierten Güter werden als Waren, das heißt durch das Absehen von ihren Gebrauchswerten und das Reduzieren auf Produkte abstrakter Arbeit, in ihrer Wertdimension aufeinander bezogen und so vergesellschaftet. Der Wertgrund ist die abstrakte Arbeit als Realabstraktion. Abstrakte Arbeit als Nominalabstraktion ist eine Eigenschaft, die jeder Ware als Produkt menschlicher Arbeit zugrunde liegt. Das allein macht sie allerdings noch nicht zur Wertsubstanz. Wertsubstanz wird sie erst, sobald Arbeitsprodukte in ihrer Eigenschaft als bloße Produkte menschlicher Arbeit im Tausch aufeinander bezogen werden. Damit ist die Wertsubstanz eine rein relationale Eigenschaft, die nicht-relationale Eigenschaften, nämlich konkrete Arbeiten und Gebrauchswerte, als Träger besitzt. Der Gebrauchswert ist zwar auch eine Relation (die Nützlichkeit von Gegenständen für Menschen), aber erstens ist diese Nützlichkeit nicht ohne objektive Eigenschaften dieser Gegenstände zu denken (Marx’ Rede vom ‚Naturstoff’) und zweitens ist es nicht von bestimmten sozialen Verhältnissen abhängig, daß es überhaupt Gebrauchswerte gibt. In die Werteigenschaft hingegen geht „kein Atom Naturstoff“ ein und sie stellt gerade eine historisch-spezifische soziale Relation dar.

Kann das irgendjemand lesen, ohne in den Augen wegzugehen und jeden Kontakt mit der Realität zu verlieren? Fatalerweise glauben jene, die sich einbilden, den Marxismus verstanden zu haben, daß sie die Welt besser durchschauen als alle, die in der Wirtschaft tätig sind, und auch als alle „bürgerlichen“ Wirtschaftswissenschaftler zusammengenommen.

Dabei geht es gar nicht um den Inhalt derartiger „dialektischer“ Zerebralergüsse, sondern um:

  1. Ersatzkontakt: Man steht, wie Marx selbst, als Unbeteiligter neben dem Produktionsprozeß, hat keine Ahnung vom Leben der Arbeiter oder vom „Geschäftsleben“ (Marx hat trotz seines angeblichen ökonomischen Durchblicks ein Vermögen an der Londoner Börse verspekuliert), aber bildet sich ein, den Illusionszusammenhang, in dem alle anderen stecken, zu durchschauen. Es erinnert an den Onanisten, der beim Anblick von sich küssenden Liebespaaren herablassend über die Biochemie der Liebe räsoniert. Gleichzeitig macht dieser Ersatzkontakt diese Pseudointellektuellen zu einer verschworenen Gemeinschaft.
  2. Verachtung: Das besagte Räsonieren geht mit einem Gefühl der Überlegenheit einher, bei dem Energie aus den Genitalien ins Gehirn verschoben wird. Die Energie wird durch „dialektische“ Verrenkungen gebunden, die undurchschaubar sind, was gleichzeitig diese intellektuelle „Verteidigungsstellung“ unangreifbar macht. Man kann den Marxismus nicht widerlegen. Jedenfalls, viel Spaß bei der Diskussion über „Realabstraktion“ und „Nominalabstraktion“! Der Nichtmarxist wird bei derartigen Debatten am Ende immer als Idiot dastehen.
  3. Stiften von Verwirrung: Damit eine Gesellschaft überleben kann, bedarf es eines gesellschaftlichen Diskurses, dem jeder folgen kann. Man schaue sich etwa an, wie Stalin bei seinem „Aufbau des Sozialismus in einem Land“ den Marxismus zu einem Katechismus kondensierte, der genauso leicht zu verstehen war, wie zuvor der christliche. Nur in der Auseinandersetzung mit dem Westen wurde dialektisches Schwurmeln zur Anwendung gebracht, das nur einen Effekt hat: der Gegner wird immobilisiert und handlungsunfähig, während man selbst Handlungsfreiheit gewinnt, denn „dialektisch“ läßt sich ALLES und das genaue Gegenteil rechtfertigen.

Der Marxismus, der anderen mangelnde „intellektuelle Tiefe“ vorwirft, lebt dergestalt von zwei Antrieben:

  1. ist sein Pseudo-Intellektualismus Ausdruck der neurotischen Flucht vor dem Genital; und
  2. ist sein Pseudo-Intellektualismus ein perfektes Instrument der Emotionellen Pest, d.h. der „kastrierende“ Angriff auf das Genital.

Wie Konia in seinem Buch The Emotional Plague erläutert hat, ist der Pseudo-Liberale/Kommunist durch „genitale Rache“ geprägt, die durch den Intellekt ausgedrückt wird:

Noch mehr als Liberale wählen Pseudo-Liberale Arbeit in Bereichen, die hirnzentriert ist, wie Medien, Journalismus und die akademische Welt. In der Medizin fühlen sie sich zur Psychiatrie hingezogen. Sie tun dies, um ihre hochentwickelte intellektuelle Abwehr zur Anwendung zu bringen, so daß sie sich gegenüber anderen erheben können, die weniger mit Intellekt ausgestattet sind. Pseudo-Liberale gebrauchen geschickt und mit hoher Effektivität die Macht des gesprochenen und geschriebenen Wortes, in der Regel fehlt ihnen aber ein fundiertes Wissen über das, was sie sagen oder schreiben. Dies wird verständlich, wenn man erkennt, daß sie ausschließlich aus ihrer Fassade und ihrer sekundären Schicht heraus funktionieren. Ihre Ideen kommen entstellt zum Ausdruck, weil sie nicht aus ihrem Kern stammen.

Der Gebrauch von gelehrten Wörtern bei Pseudo-Liberalen und ihre Fähigkeit, einfache Ideen geschickt auszudrücken, verweist auf das Gehirn und nicht den fühlenden Körper als Quelle der Denkprozesse. Diese Klugheit hat eine eigentümlich intellektuelle Qualität, die ihre Überlegenheit über weniger intellektuelle Personen zur Schau stellt und dazu dient, andere anzuziehen, die ideologisch verwandt sind. Sie wird auch verwendet, um Spott und Verachtung für diejenigen auszudrücken, die es nicht sind. Da Pseudo-Liberale aus ihrer oberflächlichen Schicht heraus leben, erreichen sie selten etwas, was dauerhaft und von Wert ist, trotz ihrer Rhetorik und ihren hohen Idealen. Sie sind sehr viel besser darin andere, die produktive Arbeit leisten, destruktiv zu kritisieren und niederzumachen. Die pseudo-liberale Besessenheit mit Wandel und sozialen „Verbesserungen“ gibt die zugrundeliegende Funktion preis, die die Menschen in Verwirrung halten und sie immobilisieren soll, während gleichzeitig echte Erfolge und lebenswichtiges Wissen, das aus der Vergangenheit überliefert wurde, untergraben und zerstört werden.

Obwohl er kaum die Kapazität für echte produktive Arbeit besitzt, ist der Pseudo-Liberale dennoch voller guter Ideen darüber, was für alle anderen am besten ist. (S. 308)

Ich glaube, mit folgender Gleichung beschreibe ich den Marxisten einigermaßen korrekt:

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Am deutschen Wesen wird die Welt genesen!

23. Juli 2013

Laura Robertson et al. (Imperial College London) haben in einer Studie die Auswirkungen von Direktzahlungen mit und ohne Konditionen bei Entwicklungshilfe-Programmen untersucht. Es ging um die Registrierung von Geburten, Teilnahme an Impfprogramme und den Schulbesucht von Kindern in Zimbabwe. Die eine Gruppe von armen Haushalten mit Kindern erhielt alle zwei Monate Direktzahlungen, die andere Gruppe erhielt die gleichen Zahlungen, es wurde aber darauf geachtet, daß das Geld auch wirklich den Kindern direkt oder indirekt zugute kam. Alle Haushalte hatten Zugang zu Elternschulen und erhielten Maissaaten und Dünger. Am Ende wurde abgeglichen, wie viele der Kinder jünger als fünf Jahre eine Geburtsbescheinigung hatten, wie viele an Impfprogrammen teilgenommen hatten und wie viele der Kinder zwischen 6 und 12 zumindest zu 80% der Zeit am Schulunterricht teilgenommen hatten.

Die Direktzahlungen ohne Auflagen erhöhten lediglich die Schulbesuchsquote, während Zahlungen, die mit Auflagen verbunden waren, zusätzlich auch den Anteil an Kleinkindern erhöhte, für die eine Geburtsurkunde ausgestellt wurde. Keine der beiden Zahlungsmodalitäten verbesserte das Impfverhalten.

All diese Maßnahmen mögen ja löblich sein, aber erstens sind die Erfolge minimal und kaum von Dauer und zweitens ist es von vornherein extrem fragwürdig, Menschen einfach so Geld in die Hand zu drücken, selbst wenn man sie danach auch noch betreut. Kann damit wirklich die Bewältigung des Lebens, die Selbststeuerung verbessert werden? Schließlich geht es hier ja nicht um die Opfer von Naturkatastrophen, wo eine solche Hilfe selbstverständlich wäre, sondern um Menschen in ihrem Alltag.

Um wirkliche Veränderungen zu erreichen und den Menschen wirklich zu helfen, muß sich der Charakter der Menschen, d.h. ihr stereotypes Verhalten verändern. Konkret kann das natürlich nicht bedeuten, daß jedem Einzelnen eine Psychotherapie zuteil wird, was prinzipiell unmöglich ist. Auch die individuelle Betreuung durch Sozialarbeiter wird, so hilfreich sie im Einzelfall auch sein mag, kaum weiterhelfen. Was den Menschen in Afrika und weltweit wirklich helfen wird und was auch praktisch möglich ist, ist eine Änderung der Kultur, d.h. „des Charakters der Gesellschaft“.

Solange das Clan- und Stammesdenken, der Aberglaube, das Machotum und die Mentalität von „Jägern und Sammlern“, die nicht an morgen denken, Schwarzafrika beherrschen, wird es kaum Hoffnung geben. Das gleiche gilt für das alles zersetzende geistige Gift des Islam, des Hinduismus und des Katholizismus in anderen Weltgegenden.

Tatsächlich hat es erst vor kurzem eine denkbar drastische Veränderung der gesamten Kultur in einer Gesellschaft gegeben. Ich spreche natürlich von der westlichen Gesellschaft und deren tiefgreifenden Transformation von einer autoritären zu einer antiautoritären Kultur. Es braucht hier nicht erläutert werden, daß diese Umwandlung fast ausschließlich negativ war und langfristig unsere Ökonomie derartig zerstören wird, daß „Zimbabwe“ nicht weit entfernt liegt. Was in diesem Zusammenhang bemerkenswert ist, ist das größte Tabu dieser antiautoritären Gesellschaft. Ein Tabu, das das weltweite Elend verewigen wird. Es lautet: Du darfst andere Kulturen nicht hinterfragen! Wer das tut, ist ein „Rassist“ und er wird dem gesellschaftlichen Tod überantwortet.

Wenn im Leben eines einzelnen Menschen etwas grundsätzlich falsch läuft, dann liegt das nicht an den „Umständen“, sondern einzig und allein an seinem Charakter. Es ist immer der Charakter. Schicke einen Selfmade-Millionär nackt in die Wüste: nach fünf Jahren wird er in einem Ferrari zurückkommen. Laß einen Hartz-IV-Empfänger den Jackpot im Lotto knacken: nach fünf Jahren wirst du ihn unter den obdachlosen Bahnhofspennern wiederfinden. Dementsprechend ist Afrika nicht mit immer neuer Entwicklungshilfe gedient. Der Kontinent hat die größten Naturressourcen des Planeten. Da dort der Ursprung unserer Art liegt, ist er auf die Bedürfnisse des Menschen perfekt zugeschnitten. Ändert die afrikanische Kultur und alles wird gut.

Es hat in diesem Land schüchterne Ansätze, nein, nicht mal das: schüchterne Andeutungen gegeben, daß Menschen, die sich hier dauerhaft niederlassen, sich doch bitte an der deutschen Leitkultur ausrichten sollten. Das wurde vom rotgrünen linksfaschistischen Gesindel sofort niedergemacht. Jeder, der das Thema auch nur leise andeutet, wird von diesem „progressiven“ Dreckspack verbal todgetreten. Wegen dieser antiautoritären Gesinnung gibt es für diesen Planten keine Hoffnung. Deutschland ist bereits verloren dank der verkommenen Höllenbrut der 68er und ihren übelriechenden Nachgeburten.

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Die Zusammenarbeit der Psychiater mit der Pharmaindustrie und der Versicherungsbranche

19. Juli 2013

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Dr. Charles Konia: Die Zusammenarbeit der Psychiater mit der Pharmaindustrie und der Versicherungsbranche

Der Gegensatz von Alzheimer und Krebs

14. Juli 2013

Massimo Musicco (L’Ospedale Santa Lucia, Roma) et al. konnten erneut und jetzt mit einiger Sicherheit bestätigen, daß Alzheimer und Krebs (und zwar durch die Bank alle Krebsarten) sich weitgehend gegenseitig ausschließen. Es ist zwar nicht unmöglich, daß ein Alzheimer-Patient auch an Krebs erkrankt oder ein Krebs-Patient auch an Alzheimer, aber dieses Zusammentreffen ist äußerst selten. Bisher bestand der Verdacht, daß diese statistische Korrelation einfach darauf zurückzuführen ist, daß Krebspatienten eher sterben und Alzheimer weitgehend eine Alterserscheinung ist, doch die neue Studie konnte diesen Verdacht ausräumen.

Für die Reichsche Krebstheorie ist es stets bedeutsam, wenn es bei Untersuchungen um den Krebs geht, nicht nur um bestimmte Krebsarten. Reich hatte nämlich aus seinen Forschungen erschlossen, daß der Krebs eine „Schrumpfungsbiopathie“ ist, d.h. eine Biopathie die mit einer allgemeinen Senkung des Energieniveaus einhergeht, im Zentrum des Organismus keine Energie mehr „produziert“ wird, bis der Körper bei lebendigen Leibe buchstäblich in Verwesung übergeht. Die Krebstumoren stellen den verzweifelten Versuch des Organismus dar, sich auf einem niedrigeren Organisationsniveau neu zu organisieren. Sie entstehen insbesondere dort, wo die Panzerung besonders stark ist, etwa an Schließmuskeln.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang der oben umrissene antagonistische Gegensatz?

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Alzheimer ist mit einiger Sicherheit so etwas wie „Diabetes des Gehirns“ und damit ebenfalls eine Schrumpfungsbiopathie. Das Spezifische dieser Art von Schrumpfung scheint jedoch eine „zentrale Desorganisation“ zu sein. Jedenfalls ist die Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken bei Menschen, deren Persönlichkeit von Gewissenhaft und Zielstrebigkeit gekennzeichnet ist, deutlich geringer.

Die Erklärung der mechanistischen Wissenschaft für den Gegensatz von Alzheimer und Krebs ist einfach:

Erklärt wird er meistens damit, daß Alzheimer und Krebs in gewisser Hinsicht zwei Seiten derselben Medaille sind: Bei Krebs reagieren die Körperzellen zu wenig auf Signale, die ihnen den Selbstmord befehlen, und wachsen ungebremst drauflos. Bei Alzheimer sind die Nervenzellen dagegen offenbar überempfindlich für solche Signale: Sie sterben ab, obwohl es keinen offensichtlichen Grund dafür gibt. Wer also ein gut funktionierendes Zell-Selbstmord-System in seinem genetischen Code beherbergt, wird seltener Tumoren entwickeln, aber anfälliger für Alzheimer und – ebenfalls bereits belegt – ähnliche Krankheiten wie Parkinson sein. Wer dagegen sehr robuste Zellen besitzt, neigt zwar weniger zu Alzheimer und Parkinson, hat aber eher entartete Zellen im Körper.

Die mechanistische Wissenschaft erklärt den Krebs damit, daß normale Zellen biologisch entarten, durch einen „Programmfehler“ jedoch nicht zerfallen („Zellselbstmord“), sondern sich ganz im Gegenteil wie wild teilen, es also zu Zellwucherungen = Krebs komme. Bei Alzheimer komme es ganz im Gegenteil zu Zellselbstmorden auch bei vollkommen gesunden Gehirnzellen, bis das Gehirn aussieht wie ein Schweizer Käse.

Reichs Forschungen legen ein ganz anderes Szenario nahe: Während Krebs Folge extremer Panzerung ist, die das Leben dermaßen drosselt, daß es buchstäblich anfängt zu faulen, ist Alzheimer durch Kontrollverlust gekennzeichnet. Zwar kommt es zu Krampfanfällen (insbesondere auch bei Parkinson), doch generell ist dieser Zustand von einem Zerfall der Panzerung und einer entsprechenden Enthemmung, insbesondere sexuellen Enthemmung, geprägt. Weil es sich um zwei Biopathien handelt, wird die organismische Energie schon Jahrzehnte vor dem eigentlichen Krankheitsbeginn entsprechend „gepolt“ sein.

Da die Gegensätzlichkeit dieser beiden Krankheitsbilder so fundamental zu sein scheint, wäre auch an den Gegensatz zu denken von energetischem Orgonom (Zentrales Nervensystem, Kontrollverlust, Alzheimer) und orgonotischem System (Vegetatives Nervensystem, Einstellung der zentralen Energieproduktion, Krebs). Als Beispiele denke man an den Alzheimer-Patienten Ronald Reagan, der vital und „bauchgesteuert“ blieb, aber nie als besonders gewissenhaft galt, und vergleiche ihn etwa mit dem Krebspatienten Freud, der bis zuletzt zielstrebig, „zerebral“ und vor allem kontrolliert blieb. Auf gesellschaftlicher Ebene entspricht das dem Gegensatz von „entfesseltem Kapitalismus“ auf der rechten Seite und dem „sozialen Krebstod“ (Kommunismus) auf der linken Seite.

Die Zerstörung der Arbeitsdemokratie durch „flache Hierarchien“

11. Juli 2013

In der autoritären Gesellschaft beruhte alles auf Autorität, egal ob diese rational oder irrational war. Daß nicht zwischen den beiden Formen der Autorität unterschieden wurde, machte die Schwäche der autoritären Gesellschaft aus. Gleichzeitig war dieses „Befehl ist Befehl!“ aber auch ihre größte Stärke. Am deutlichsten wird das beim Militär. Hauptsache es werden überhaupt Befehle gegeben, die eine klare Linie erkennen lassen, da ansonsten alles auseinanderfällt, denn Krieg ist vor allem eins: Chaos.

In der antiautoritären Gesellschaft ist es genau umgekehrt, d.h. aus Angst vor irrationaler Autorität (tatsächlich natürlich aus einer emotionalen Ablehnung jedweder Autorität heraus) werden die Hierarchien eingeebnet, niemand weiß mehr was er tun soll und selbst im normalen Leben (also ohne Artilleriebeschuß, Flächenbombardements und Hinterhalte durch Kommandoeinheiten) bricht das vollkommene Chaos aus. Beispielsweise war es früher einem niedergelassenen Arzt ein Leichtes, mit dem zuständigen Kollegen in einer Klinik über einen gemeinsamen Patienten zu sprechen. Heute ist es eine surreale Schnitzeljagd. Niemand ist mehr zuständig, niemand trägt die Verantwortung und niemand kann einem sagen, an wen man sich denn stattdessen wenden soll. Ja, ich überzeichne, aber so ist es, jedenfalls tendenziell, heutzutage in jedem Bereich der Gesellschaft.

Es ist, als Wenn die Affen den Zoo regieren. So überschrieb der Organisationssoziologe Stefan Kühl vor nunmehr zwei Jahrzehnten sein Buch über „Die Tücken der flachen Hierarchien“ (Campus Verlag, 1998, Erstauflage 1994). Bereits damals warnte er eindringlich vor der modischen Enthierarchisierung und Dezentralisierung.

  • Die Unternehmen verlören an Kohärenz und würden buchstäblich auseinanderfließen, wie ein Sandhaufen, der nicht „autoritär“ abgestützt wird: mechanisches statt orgonomisches Potential!
  • Die Mitarbeiter hätten kein klares Bild mehr vom Unternehmen und ihrem eigenen Platz im Unternehmen: okulare Panzerung, wachsende Kontaktlosigkeit!
  • Die Unternehmensausrichtung auf „Innovation und Wandel“ führe zu aufreibenden Auseinandersetzungen: Arbeitsdemokratie wird durch ihr Gegenteil ersetzt, nämlich Politik!
  • Es werde im Rahmen der „Demokratisierung“ versucht, die Komplexität der Unternehmensprozesse zu vereinfachen, was jedoch zu nur noch mehr Komplexität („Durcheinander“) führe: die Selbstregulierung soll „gemanaged“ werden, was zur Zerstörung der Selbstregulierung führt!

Kühl versuchte diesen Dilemmata mit Hilfe der damals modischen „Chaos- und Komplexitätsforschungen“ entgegenzutreten, doch das ist ein hilfloses herumdoktern an den Symptomen, das (wie er ja selbst in seiner Kritik der „flachen Hierarchien“ zeigt!) nur zu einer Verschlimmbesserung führen kann.

Die flachen Hierarchien sind Ausdruck der charakter-strukturellen Dynamik, die hinter der antiautoritären Gesellschaft steckt. Eine gangbare Alternative kann nur mit Kenntnis dieser Zusammenhänge entwickelt werden. Das hat Charles Konia en détail herausgearbeitet:

Zum Gedenken an Hans Hass (Teil 3)

10. Juli 2013

Eines der Grundleistungen der Energone, die Verbesserung ihrer Nachkommen, dient weder dem Individuum, dem durch die Fortpflanzung, d.h. durch die fünfte als Voraussetzung der sechsten Grundleistung, nur Verluste entstehen, noch der Art, die durch die Entstehung neuer, besser angepaßter Arten nur neue Konkurrenz gewärtigen muß, sondern einzig und allein einer Instanz, die über Individuum und Art hinausweist: der Entfaltung des Lebens. Ständig steigert dieser „Entfaltungsstrom“ sein räumliches Volumen und seine Potenz, Arbeit zu leisten. Er ist ein sich ausbreitender Prozeß der Energieballung.

In der zweiten Phase der Evolution wird durch diese alles besiegende Kraft, die immer mehr Materie zusammenballt und organisiert, das gesamte Leben auf diesem Planeten bedroht. Scheinbar kann nichts mehr die Berufskörper und Erwerbsorganisationen davon abhalten, diesen Planeten in einen mit ihren Abfallprodukten übersäten Mond zu verwandeln.

Für Hass ist die Lebensentfaltung nicht heilig, sondern ganz im Gegenteil – nicht verdammens-, aber sehr wohl im Stirnerschen Sinne empörenswert! Daß am „Entfaltungsstrom“ nichts per se „lebenspositives“ ist, sieht man am Energon „Handelsvertreter“: er könnte z.B. Kettensägen in die letzten Winkel Brasiliens bringen. Hier werden die Lebensgrundlagen des Menschen vernichtet, aber die Wirtschaft wird (zumindest kurzfristig) angekurbelt, was den blinden, bewußtseinslosen „Entfaltungsstrom“ anschwellen läßt.

Man muß das durchschauen und sich von der Lebensentfaltung emanzipieren. Kern dieser Aufklärung ist die Empörung des Einzelnen, der seinen Egoismus wiederfindet. Und hier kommt das Über-Ich ins Spiel, denn das Über-Ich ist nichts anderes als „der Gendarm in der Brust“, die Eltern in uns, die Gesellschaft in uns, letztendlich die „zusätzlichen Organe“ in uns.

Wenn z.B. Max Stirner von der „Menschheit“ schreibt, entspricht dies vollkommen, bis hin zum „ich will nicht dem Egoisten ‚Menschheit‘ dienen, sondern selbst Egoist sein“ (Stirner sinngemäß). Im folgenden entspricht „Menschheit“ bei Stirner der „Lebensentfaltung“ bei Hass – man braucht nur die Wörter tauschen und es könnte ebenso von Hass stammen:

Wie steht es mit der Menschheit, deren Sache Wir zur unsrigen machen sollen? Ist ihre Sache etwa die eines Anderen und dient die Menschheit einer höheren Sache? Nein, die Menschheit sieht nur auf sich, die Menschheit will nur die Menschheit fördern, die Menschheit ist sich selber ihre Sache. Damit sie sich entwickelt, läßt sie Völker und Individuen in ihrem Dienste sich abquälen, und wenn diese geleistet haben, was die Menschheit braucht, dann werden sie von ihr aus Dankbarkeit auf den Mist der Geschichte geworfen. Ist die Sache der Menschheit nicht eine – rein egoistische Sache? (Der Einzige und sein Eigentum, S. 4).

Stirners Der Einzige und sein Eigentum ließe sich mit Hass‘ Theorie naturwissenschaftlich ableiten und zwar mit einem zeitgemäßen Akzent: „Konsum“ statt „das Wahre, Gute und Rechte“ wie zu Stirners Zeiten.

Die Verbindung von Energontheorie und Triebtheorie liegt darin, daß in der ersten Phase der Evolution die Energone (Pflanzen und Tiere) ihre Energiequellen („Platz an der Sonne“, Pflanzen und andere Tiere) durch Raub („Raubinstinkte“) anzapfen, während sie in der zweiten Phase der Evolution (Hyperzeller: Berufskörper und Erwerbsorganisationen) ihre Energie ganz im Gegenteil dadurch gewinnen, indem sie nicht etwa die Gebrechen ihrer Energiequellen ausnutzen (wie es Raubtiere tun, die junge und kranke Tiere reißen), sondern indem sie behilflich sind, diese Gebrechen zu überwinden. Sie gewinnen so Kunden und damit ein Einkommen (Energie). Sie versuchen, die Kunden an sich zu binden.

Das Problem ist, daß dadurch die gesellschaftliche Tendenz entsteht, die Menschen zu dem zu machen, was gemeinhin mit den Worten „Konsumismus“ und „Markenfixiertheit“ umrissen wird. Genauso wie in der individuellen Über-Ich-Produktion das Kind „ent-eignet“ werden soll, liegt es in der inneren Logik der Lebensentfaltung, dem Konsumenten (die Energiequelle der Hyperzeller) den Eigenwillen zu rauben. Man betrachte sich nur mal, eine beliebige Schulklasse, wo die Kids nur für irgendwelche schwachsinnigen Markenartikel leben und zu willenlosen Vollidioten heranwachsen – und sich dabei allen ernstes einbilden „Egoisten“ und frei zu sein.

Der Grundimpetus der Energontheorie ist ein emanzipatorischer:

[L]etzter Zweck dieser Ausführungen ist es, das, was Glaube, Moral und ethische Wunschvorstellungen seit eh und je anstreben, einer konkreten Verwirklichung näherzubringen – freilich, auf einem anderen als dem bisher beschrittenen Weg. (Der Hai im Management, S. 49).

Die gesellschaftspolitischen Konsequenzen lassen sich aus folgender Aufstellung ableiten, bei denen das Interessen des einzelnen Menschen gegen das Interesse des Lebensstrom (hier mit rot markiert) gestellt werden:

  • Persönliches Interesse
    Lebensstrominteresse.
  • Großer Glücksbezug aus Wenigem.
    Glücksbezug aus möglichst teuren Gütern und Dienstleistungen. Unersättlichkeit.
  • Lange Haltbarkeit und Nutznießung der künstlichen Organe.
    Möglichst schnelles Verschleißen, besonders jener des Luxuskörpers. Unmodern-, Wertloswerden.
  • Zufriedenheit aus Freundschaftsbeziehungen.
    Freundschaftsbeziehungen, die zu Konsum führen (Essen, Trinken, Reisen, Unterhaltung usw.).
  • Bescheidenheit, Glück aus dem eigenen Selbst.
    Unbescheidenheit, kein Glück aus dem eigenen Selbst, Glück aus konsumfördernden Handlungen.
  • Verringerung der unangenehmen Arbeit, Freude an der Arbeit.
    Vermehrung jeglicher Arbeit, Umsatz, Steigerung des Nationalproduktes.
  • Befriedung der Welt, niedrigere Steuern.
    Gefühl der Unsicherheit, das hohe Staatsausgaben für Verteidigung rechtfertigt.
  • Abstimmung der Luxuskörper auf die eigenen Fähigkeiten.
    Keine solche Abstimmung. Jeder soll sich bis zum Tod nach etwas sehnen, das er noch nicht hat.
  • Entwicklung der eigenen Interessen.
    Entwicklung der eigenen Interessen derart, daß sie in konsumführende Kanäle einfließen.
  • Eigene Meinung.
    Ja keine eigene Meinung.
  • Charakter, Ehrenhaftigkeit.
    Charakter und Ehrenhaftigkeit nur insofern, als sie nicht zu einem Stagnieren der Machtsteigerungswünsche führen.
  • Eigener Entschluß.
    Ja kein eigener Entschluß. Die Entschlüsse werden fertig ins Haus geliefert, und zwar so, daß sie zu Konsum führen.
  • Verläßliche Nachrichtenübermittlung.
    Nachrichten werden zum Unterhaltungs- und Beeinflussungsmittel.
  • Unaufdringliche Staatsleitung.
    Aufdringliche Staatsleitung.
  • Gemächlichkeit.
    Steigerung der Schnelligkeit. Die Reise von Europa nach den USA soll nicht fünf, sondern nur mehr zwei Stunden dauern. Das ist ungeheuer wichtig.
  • Beherrschung der menschlichen Technik. Sie soll sein Diener sein, den man selbst ruft, wenn man etwas braucht. Der Diener soll einen nicht unaufhörlich stören, indem er seine möglichen Dienste anpreist.
    Beherrschung des Menschen durch seine Technik. Anhaltendes, rapides Wirtschaftswachstum.

(…) Dieses Modell wird somit von einem Menschen getragen, der darauf ausgerichtet ist, sich von direkter oder indirekter Beeinflussung freizuhalten, sich freiwilliger Selbstbeschränkung zu unterwerfen [PN: rationales Über-Ich], um so die negativen Faktoren der Lebensentfaltung zu beherrschen. [Hass:] „Auf seiner Fahne steht wieder Freiheit, jedoch vielleicht zum erste Mal völlig zurecht [PN: im Zusammenhang wird deutlich, daß Stirners „Eigenheit“ der passendere Begriff im Rahmen der Energontheorie wäre]. Sein zentrales Streben ist: Herr im eigenen Haus zu sein. Es läuft darauf hinaus, das Ich von allen fremddienlichen Einheiten zu befreien – so daß jede tatsächliche Fremddienlichkeit eine durchaus selbstgewollte und somit freie ist. Endziel ist hier ein möglichst freier Wille“. (Andreas Hantschk und Michael Jung: Rahmenbedingungen der Lebensentfaltung. Die Energontheorie des Hans Hass und ihre Stellung in den Wissenschaften, Solingen 1996, S. 196)

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=UONfK3fsF_8%5D

Zum Gedenken an Hans Hass (Teil 2)

8. Juli 2013

Was die Einteilung der Energone betrifft, hält Hass die geläufige Unterteilung in Pflanzen und Tiere bei:

Hier liegen zwei große klar unterschiedene Gruppen vor – ebenso wie im zweiten Evolutionsteil jene der Berufstätigen und Erwerbsorganisationen. Auf diese Weise wird freilich nach verschiedenen Kriterien eingeteilt: erst nach der Art des Energieerwerbes, dann nach der Integrationsstufe. Formal richtiger wäre die Einteilung: Einzeller, Vielzeller, Berufstätige, Erwerbsorganisationen. Da jedoch jedes Einteilungssystem etwas künstlich in die Natur Hineingetragenes ist, scheint mir übertriebene Konsequenz hier nicht am Platz. (Hass: Naturphilosophische Schriften, Bd. 2, München 1987, S. 93)

Man kann das Lebendige auch von Hass‘ „Hyperzeller-Theorie“ aus betrachten: Was wäre ein Wolf ohne Beine? Tot, denn er würde schnell verhungern. Was wäre eine Spinne ohne Netz? Tot, denn sie würde schnell verhungern. Der Unterschied ist nur, daß der Wolf ein Vielzeller ist, dessen sämtliche Organe zu seinem Zellgefüge gehören. Während eine Spinne imgrunde immer nur ein Zellgefüge plus ein zusätzliches Organ (das Netz) ist, das nicht zum Zellgefüge gehört. Deshalb ist die Spinne nicht nur ein Vielzeller, sondern auch ein Hyperzeller. Während sich der Zellkörper nur aus natürlichen Organen zusammensetzt, kann sich der Leistungskörpers zusätzlich auch aus „zusätzlichen Organen“ zusammensetzen. Ohnehin bedeutet „Organ“ (griechisch organon) nichts anderes als „Werkzeug“.

Stellen wir uns nun mal vor, wir würden den werten Leser nackig machen und irgendwo in der russische Tundra aussetzen. Außerdem hätten wir ihn lobotomiert, so daß er die Intelligenz eines durchschnittlichen Säugetiers hat und sich keine Werkzeuge bauen könnte. Er wäre selbst im Sommer innerhalb von Tagen, wenn nicht Stunden tot. Der Mensch kann nur als Hyperzeller überleben. (Seine Vorstellungen vom Paradies beinhalten stets Szenarien, in denen er „nur Vielzeller“ sein kann!)

Er ist noch weit mehr von seinen zusätzlichen Organen abhängig als die Spinne. Zum „Hyperzeller“ wird er dadurch, daß er seinen Beruf ausübt und genauso wie die Spinne mit ihrem Netz mit seinen Werkzeugen und Kenntnissen („immateriellen“ Werkzeugen) Energie gewinnt, um leben zu können (konkret erhält er Anweisungsscheine auf Energie: Geld). Da er aber in einer Firma angestellt ist und alleine seinen Beruf nicht ausüben könnte, ist er nur Teilorgan eines umfassenderen Hyperzellers: der „Soundso GmbH“. Etwa so, wie auch eine einzelne Ameise biologisch betrachtet ein Unding ist und nur als Teil des Ameisenhaufens biologisch sinnvoll funktioniert.

Ich brauche den Leser nicht zu erklären, daß einerseits die Firma, in der er arbeitet, ihm sein Leben garantiert, es aber andererseits zerstört, weil sie keinerlei Rücksicht auf ihn als „nacktes Menschentier“ nimmt. Seine zusätzlichen Werkzeuge kommen über ihn und zerstören ihn. Aus den Sklaven, d.h. den Werkzeugen des Menschen, werden die Meister. So geht es gegenwärtig allen Menschen und zwar nicht nur als Individuen, sondern auch als Tierart, denn die Entwicklung der vom Menschen ausgehenden Hyperzeller (die die Lebensentfaltung der Ein- und Mehrzeller bruchlos fortführen) macht nicht nur aus den Einzelnen Wracks, die ihr Leben nur im Suff ertragen können, sondern sie zerstört auch die Lebensbasis der Tierart Mensch: der Planet geht an der Umweltzerstörung zugrunde.

Über die vierte Art von Energonen (nach Pflanzen, Tieren und Berufskörperen) bzw. den Hyperzeller höherer Integration schreibt Hass:

Ebenso, wie vor mehr als einer Milliarde Jahren manche Arten von Einzellern dazu übergingen, größere, vielzellige Lebewesen zu bilden, kam es auch bei den Hyperzellern zur Bildung von größeren, auf gemeinsame Aufgaben ausgerichtete Erwerbsorganisationen. Und ähnlich, wie im vielzelligen Körper die Zellen größere, leistungsfähigere Organe aufbauen – zum Beispiel die aus vielen Zellen bestehenden Flossen, Augen und Knochen, so bestehen auch in den größeren, von Tausenden von Hyperzellern gebildeten Lebenskörpern „Abteilungen“, die auf bestimmte Aufgaben ausgerichtet sind, in Wirtschaftsunternehmen etwa die aus zahlreichen Hyperzellern gebildete Betriebsleitung samt ihren ausführenden Organen, die Produktionsabteilung, die Verkaufsabteilung und andere. (Hass: Die Hyperzeller, Hamburg 1994)

Damit kann man den Menschen funktionell mit den Einzellern vergleichen, aus denen die Vielzeller hervorgegangen sind. Hass:

Wie bis heute jeder vielzellige Organismus aus einer Einzelzelle – der Keimzelle – hervorgeht, so haben auch die größeren Leistungskörper, die der Mensch aus zusätzlichen Organen aufbaut, stets einen oder mehrere Menschen als steuerndes Zentrum. Ich bezeichne die größeren Lebenseinheiten als Hyperzeller und behaupte, daß sie die Evolution der Einzeller und der Vielzeller unmittelbar fortsetzen. (ebd.)

Anders ausgedrückt: aus Sicht des lebendigen Funktionierens ist nicht der biologische Körper, wie man ihn in Präparatesammlungen begutachten kann, wichtig, sondern das lebendige Leistungsgefüge als ganzes, das aus mehr Einheiten bestehen kann als der bloße Zellkörper.

In der Entwicklung der Energone von den Pflanzen bis zu den Tieren, lassen sich vier Entwicklungsstufen unterscheiden:

  1. das Erbrezept (das Genom) baut Organe auf, die dann nach eigener Kompetenz funktionieren (Pflanzen);
  2. zusätzlich baut das Erbrezept das Zentrale Nervensystem auf, das das Zusammenwirken der Organe koordiniert, wozu zusätzlich Rezepte vererbt werden (die Tiere mit ihren angeborenen Verhaltensprogrammen);
  3. das Zentralnervensystem übernimmt selbst die Bildung dieser Rezepte (das Säugetier als „Lerntier“);
  4. durch Vormachen und Nachahmung („Erziehung“) und durch Sprache, Schrift, etc. können diese erworbenen Rezepte „vererbt“ werden. (Hass: Naturphilosophische Schriften, Bd. 2, S. 47-51)

Das ist eine Entwicklung zu immer mehr Freiheit und Autonomie, die aber gleichzeitig mit einer zunehmenden Gefährdung von Freiheit und Autonomie einhergeht: im Gegensatz zu einem Fisch oder Reptil kann man ein Säugetier dressieren – und einen Menschen kann man fast beliebig „erziehen“, d.h. ihm ein „Über-Ich“ verpassen. Betrachtet man dazu parallel die Entwicklung der Organe von den angeborenen, über die erworbenen zu den selbst hergestellten Organen (Werkzeugen), hat man die Naturgeschichte des menschlichen Elends vor sich: die Einheit von Panzerung („Über-Ich“) und „technischer Zivilisation“:

  1. alle Organe werden vom Genom aus Zellen gebildet;
  2. das Genom enthält Verhaltensrezepte für den Erwerb und Gebrauch zusätzlicher Organe (z.B. der Einsiedlerkrebs und sein Schneckenhaus);
  3. mit Hilfe seines Zentralnervensystems kann der Mensch beliebig viele zusätzliche Organe zur Anwendung bringen;
  4. es kommt zur Ausbildung der technischen Zivilisation, in der der Mensch selbst zum Anhängsel der Maschine wird.
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