Dale Rosin: Medizinische Orgontherapie mit Kindern (Teil 3)

10. Juni 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Dale Rosin: Medizinische Orgontherapie mit Kindern (Teil 3)

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Einleitung zu PLANET IN TROUBLE

13. April 2014

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Ein Auszug aus Jerome Edens Buch Planet in Trouble (New York 1973): Einleitung zu PLANET IN TROUBLE

Angst in der Orgontherapie, ihre Bedeutung und ihre Behandlung. Ein Fallbericht

11. März 2014

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Dr. Vittorio Nicola: Angst in der Orgontherapie, ihre Bedeutung und ihre Behandlung. Ein Fallbericht

Die wahren Motive des islamischen Terrors (Teil 1)

2. März 2014

In Charakteranalyse (S. 341f) erläutert Reich, daß diejenigen, die an der Emotionellen Pest erkrankt sind, unter einem „strukturellen Zwang“ leiden, der allenfalls mit dem genitalen Liebesbedürfnis vergleichbar ist.

Der emotionell Pestkranke entwickelt regelmäßig strukturell (…) einen Neid, der sich mit tödlichem Haß gegen alles Gesunde paart (…). Der emotionell pestkranke Charakter wird unter allem Umständen und mit allen Mitteln seine Umgebung so zu verändern versuchen, daß seine Lebens- und Denkweise nicht gestört wird; er empfindet alles, was ihm widerspricht, als Provokation und verfolgt es demzufolge mit tiefen Haß; das ist an der Askese besonders deutlich zu sehen. Die asketische Grundhaltung lautet regelmäßig unter diesem oder jenem Vorwand: „Andere sollen es auch nicht besser haben, als ich es hatte, sie sollen ebenso leiden wie ich“; diese Grundhaltung ist in jedem Falle durch eine logisch in sich wohlgeordnete Ideologie und Lebenstheorie (…) verdeckt (…).

Die linksliberalen Vertreter unserer Kultur tun alles, damit Moslems nicht „provoziert“ werden und ihrer „Ideologie und Lebenstheorie“ Achtung entgegengebracht wird. Man hat Angst vor den Ausbrüchen der Emotionellen Pest – und da sie selbst von der Pest infiziert sind, ist es den „Multikulturellen“ ganz recht, wenn die Genitalität mit viehischem Haß verfolgt wird.

Die „Streitschrift“ Der Islam braucht eine sexuelle Revolution der bekannten Islamkritikerin Seyran Ates bezieht sich explizit auf Wilhelm Reichs Buch Die sexuelle Revolution, in dem Reich den Islam nur kurz behandelt.

Im Zweiten Teil von Die sexuelle Revolution beschreibt Reich, wie im islamisch geprägten Süden der Sowjetunion, etwa in Tschetschenien, die Reaktion (der traditionelle Islam) zerschlagen wurde und aus verschleierten Haushaltsgegenständen wieder Menschen wurden. Leider ging diese Verwestlichung sehr bald mit Rotem Faschismus einher, z.B. wurde 1944 das tschetschenische Volk (Kinder, Frauen, Greise, Männer) teilweise massakriert, teilweise in Viehwaggons nach Kasachstan verfrachtet und buchstäblich auf die Steppe gekippt.

Nach dem Untergang der Sowjetunion hat sich in Tschetschenien der wahabitische Fundamentalismus durchgesetzt. Symbol dieses Schwarzen Faschismus sind die „schwarzen Witwen“, die seit Jahren durch die Medien geistern. Im allgemeinen wird das so dargestellt, daß die islamische Gesellschaft infolge des Krieges dermaßen zerrüttet sei, daß nun sogar das einst undenkbare geschähe: Frauen greifen zu den Waffen. Doch in Wirklichkeit ist die „schwarze Witwe“, die Selbstmord begeht und dabei möglichst viele „Ungläubige“ mit sich in den Tod reißt, nur die neuste Variante eines uralten Phänomens, das James DeMeo in seinem Buch Saharasia (S. 147, 289, 361) analysiert hat: ob Polygamie, Witwenverbrennung oder „Hexenverbrennungen“, es geht darum, selbständige und sexuell aktive Frauen im Namen der „Sittlichkeit“ aus dem Verkehr zu ziehen. Heute wird ihnen befohlen, sich selbst zu entsorgen und dabei auch noch einen nützlichen Beitrag zu leisten!

In einem Interview mit dem Spiegel beruft sich Ates bei der Frage, was sie mit „Sexuelle Revolution“ in der islamischen Welt meine, auf Wilhelm Reich und sein gleichnamiges Buch.

Ich glaube, daß die islamische Welt sich mit den Folgen einer starren Sexualmoral auseinandersetzen muß, ganz ähnlich der Art und Weise wie die Sowjetunion, in seiner [Reichs] Beschreibung, damit umgegangen ist entsprechend den eigenen Verhältnissen. Sie [die islamische Welt] muß sich verändern wie jedes andere totalitäre System auch, wenn sie eine demokratische Gesellschaft werden will. Als Teil dieses Prozesses muß die Sexualität als etwas anerkannt werden, was jedes Individuum für sich selbst bestimmt. Institutionen wie die Moral- und Religionspolizei müssen abgeschafft werden. Leute, die Sex vor der Ehe haben, können nicht bestraft oder von der Gesellschaft geächtet werden. Eltern müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, warum sie ihrer 16-jährigen Tochter nicht erlauben, einen Freund zu haben, während ihre Söhne damit prahlen dürfen, wie viele Freundinnen sie haben. Sexualkunde muß im Klassenzimmer unterrichtet werden. Eltern sollten es nicht tun müssen, aber sie sollten akzeptieren, wenn die Schule es tut. Junge und alte Menschen, die in der islamischen Welt bereits eine selbstbestimmte Sexualität leben, müssen selbstbewußter auftreten und ihrer Stimme Gehör verschaffen.

Der Blog Politically Incorrect erwähnt in einem kleinen Hinweis auf Ates‘ Buch, daß Moslems unmittelbar vor bzw. während der Ejakulation im Geiste vor sich hinsagen sollen:

Gelobt sei Gott, der aus dem Wasser (Samen) den Menschen geschaffen.

Oder folgendes Bittgebet:

Oh Allah! Gewähre dem Scheitan (Satan) nicht das, was du mir gewährst!?

Diese sakralisierte Zerstörung des orgastischen Empfindens, diese Verunmöglichung orgastischer Entspannung, erinnert an das „Global Consciousness Project“, das vor einigen Jahren für den 21. Dezember den „globalen Orgasmustag“ ausgerufen hat: „Orgasmen für den Frieden“. Während (!) des „Orgasmus“ solle man an den „Weltfrieden“ denken, um so das „Energiefeld der Erde“ zu verändern. Mit über die ganze Welt verteilten REG-Maschinen (Random Events Generators) soll das Ergebnis objektiviert werden.

Während für Reich die Sexualität ein Selbstzweck ist (was überhaupt erst ermöglicht, einen Orgasmus „zu haben“), instrumentalisiert der Mystizismus die Sexualität. Der Mystiker mag noch so sehr von „Frieden“, „Liebe“, gar „Orgasmus“ reden, in Wirklichkeit ist er die Verkörperung von orgastischer Impotenz und Sadismus!

Zu Seyran Ates morgen mehr.

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Gunnar Heinsohn und die drei Welten

1. März 2014

Krebs (oder genauer gesagt die „Krebsschrumpfungs-Biopathie“, im Gegensatz zu isolierten Tumoren) ist eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt (siehe Reichs Der Krebs). Da der Kommunismus der Zweiten Welt nichts anderes als Krebs auf gesellschaftlicher Ebene war, ist Rußland dem Untergang geweiht. Was wir erleben, sind die letzten Todeszuckungen. Die Russen sind buchstäblich am Aussterben! Zunächst kollabiert die Produktion, dann sogar die Reproduktion.

Wenn einmal die „Energieproduktion“ im Inneren eines Menschen oder einer Gesellschaft (Arbeit, Familie) aufgehört hat, gibt es kein Zurück mehr. Auf das Gesellschaftliche übertragen, ist genau das die Gefahr, die vom Sozialismus ausgeht: daß er „das Produktive“ in der Gesellschaft erstickt. Wenn der Kommunismus Krebs ist, d.h. die „Energieproduktion“ im Kern der Gesellschaft aufhört („Mangelwirtschaft“), dann ist der gegenwärtige Kapitalismus des Westens die Entsprechung einer „kardiovaskulären Biopathie“. Die kardiovaskuläre Biopathie, die Reich als „Angstneurose infolge Abstinenz“ definiert, zeichnet sich dadurch aus, daß die „Energieproduktion“ im bioenergetischen Kern zwar lebendig bleibt, diese aber aufgrund einer peripheren Kontraktion (die vor allem durch eine chronische Inspirationshaltung gekennzeichnet ist) zu einer Stauung führt.

Im Kommunismus befand sich praktisch jeder im Dauerstreik: „Ihr tut so, als wenn ihr uns bezahlt, und wir tun so, als würden wir arbeiten!“ Im Kapitalismus hingegen schuften sich die Leute zu Tode, abgesehen von einigen übelriechenden sozialistischen „Tumoren“. Wir ersticken geradezu an der eigenen Produktivität. Aufgrund der Panzerung der Massen besteht eine Blockade, die zwischen Produktion und Konsumption geschaltet ist. „Es wird an den Bedürfnissen vorbeiproduziert.“ Ein Beispiel sind unsere Städte: Gibt es irgendeinen Menschen, dem die modernen Bauten wirklich gefallen?

Was die Länder der Ersten Welt in der Produktion sind, sind die Länder der Dritten Welt (einschließlich der reichen Ölstaaten) in der Reproduktion. Jeder Zuwachs an materiellen Gütern wird unmittelbar in mehr Kinder umgesetzt, weshalb Entwicklungshilfe insbesondere in Afrika ein gigantisches Mißverständnis ist. Wie verheerend es ist, wenn die Erste Welt (Warenproduktion) und die Dritte Welt (Menschenproduktion) einander durchdringen, kann man anhand der USA und Mexiko ablesen – und in unseren „bikulturellen“ Großstädten unmittelbar beobachten.

Reich hat stets Produktion und Reproduktion, Ökonomie (Probleme der Arbeitsdemokratie) und „Sexualökonomie“, als ein und derselben Ebene zugehörig betrachtet. Derjenige, der dem heute noch am nächsten kommt, ist Gunnar Heinsohn mit seinen Theorien über die „Eigentumsökonomie“ und zur Demographie („Youth Bulge“). Problem ist, daß er nicht die bioenergetischen Zusammenhänge sieht.

Die Frage ist natürlich zunächst einmal, ob die Heinsohnsche Eigentumsökonomie überhaupt realitätsgerecht ist. Meines Wissens hat wirklich jeder Rezensent Heinsohn zugute gehalten, daß dieser zur Begriffsklärung beigetragen hat. Besitz ist nicht gleich Eigentum. Beispielsweise kann ich in den Wald gehen und mir dort eine Hütte bauen, Feldfrüchte anbauen, etc. Wirtschaftliche Dynamik kommt aber erst auf, wenn es mir gelingt, diese Hütte und die umliegenden Felder als mein anerkanntes Eigentum eintragen zu lassen. Mit der hergestellten Rechtssicherheit ist es mir möglich Kredite aufzunehmen und so an der Ökonomie jenseits des lokalen Tausches von Feldfrüchten gegen andere Güter teilzunehmen. Wahrscheinlich werde ich wie ein Irrer schuften müssen, um meine Hütte nicht zu verlieren, d.h. meine Kredite bedienen zu können. Für geraume Zeit werden alle dank dieser Schufterei reicher, doch langfristig kommt es durch die Fallstricke des Kreditwesens dazu, daß sich das Eigentum immer mehr konzentriert und das Spiel dergestalt schließlich zum Erliegen kommt. Die Resettaste muß gedrückt werden: ein zeitweises Unrecht stellt das (Eigentums-) Recht wieder her.

Wie das abläuft, haben wir nach dem Fall des Realsozialismus zumindest in Anklängen gesehen. Ein Spieler, der Staat, hatte alle Karten und hat Almosen vergeben: Bezugsscheine für die Realwirtschaft. Nach der kapitalistischen Revolution wurde der Staatsbesitz willkürlich verteilt. An die Stelle von Bezugsscheinen traten Nachweise für Eigentum, mit denen man Kreditgeschäfte tätigen konnte, bis schließlich nach vielen in die Hose gegangenen Kreditgeschäften wieder eine immer kleiner werdende Oligarchie alles in Händen hat. Diese Konzentration von Eigentum in wenigen Händen sieht man auch an der weltweiten Schuldenkrise: immer mehr Menschen haben bei immer weniger Menschen Schulden, wobei es egal ist, ob sie selbst die Schulden aufnehmen oder ob es der Staat für sie tut.

Das ganze ist ein zutiefst tragisches Weltbild, denn echte Ökonomie, d.h. auf Kredit basierende Ökonomie (Eigentumsökonomie), kann nur funktionieren, wenn das Eigentum einigermaßen gleichmäßig verteilt wird, jedoch führt eben dieses System der Kreditvergabe zwangsläufig (fast so wie bei einem Skatspiel) zu einer immer ungleichmäßigeren Verteilung des Eigentums, bis schließlich alle bei ganz wenigen verschuldet sind und man es an sich wieder mit dem Elend einer kommunistischen Verteilungsdiktatur zu tun hat. Eine solidarische Gesellschaft, in der alle zusammenarbeiten, wäre eine Elendsgesellschaft, da ihr die Dynamik des besagten „Kartenspiels“ abgeht. Selbstregulation und eine „Arbeitsdemokratie“ sind eine Illusion. Es bleibt eine Art Keynsianisches System: der Staat muß mächtig sein, da sich das kapitalistische System ansonsten selbst zerstört. Die Anklänge an Marx sind offensichtlich („Konzentration des Kapitals und damit Selbstaufhebung des Kapitalismus“), mit dem entscheidenden Unterschied, daß bei Heinsohn kein Platz für eine Utopie bleibt, allenfalls die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Ich habe gesagt, daß man Heinsohn die Begriffsklärung zugute halten muß. Aber genau da zeigen sich auch die Risse in seiner Theorie. Beispielsweise wird schlichtweg bestritten, daß es in der DDR Geld gab, denn das kann es nur geben, wenn es Eigentum gibt, das verpfändet werden kann. Aber kann man ernsthaft in Abrede stellen, daß es in der DDR Geld gab? Und, was noch wichtiger ist: Kann man bestreiten, daß sich neben der Planwirtschaft eine funktionierende Schattenwirtschaft entwickelt hat, die das System erst lebensfähig gemacht hat? Also eine wirtschaftliche Dynamik ganz ohne staatlich gesichertes Eigentum? Und was Gesellschaften betrifft, denen der Eigentumsbegriff weitgehend fremd war, wie etwa den Völkern Amerikas vor den Konquistadoren: Dort gab es ein den ganzen Kontinent umfassenden Handel. Dem das Prädikat einer „genuinen Ökonomie“ abzusprechen, ist einfach ein Jonglieren mit selbstgebastelten Definitionen („Begriffsklärung“).

Der funktionelle Kern bei Heinsohn ist, daß die Eigentumsökonomie die Menschen zwingt, wie blöde zu arbeiten, um ihr Eigentum nicht wieder zu verlieren. Das geht heute so weit, daß die zweite Kernfunktion der Gesellschaft, die Reproduktion der Menschen in den Familien, zum Erliegen kommt, sogar die Familie selbst zur Disposition steht.

Die sexuelle Revolution begann Anfang der 1920er Jahre: damals fingen die Geburten pro Frau an sich statistisch dem heutigen Wert zu nähern. Der nachwirkende Jugendüberhang ist im Zweiten Weltkrieg verheizt worden. Seitdem äußert sich der expansive Impuls nur noch in der Produktion und Überproduktion von Waren.

Um diesem Spuk ein Ende zu setzen, bedarf es etwas, was der sexuellen Revolution entspricht. Die Dritte Welt benötigt eine sexuelle Revolution, wie ich morgen erläutern werde. Die Erste Welt benötigt eine „arbeitsdemokratische Revolution“.

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Der Dalai Lama im Dschungelcamp

3. Februar 2014

Der mechanistische Geist steht, schaut er in die Welt, einem vollständigen Chaos gegenüber, da er unfähig ist, gemeinsame Funktionsprinzipien (CFPs, Common Functioning Principles) zu sehen. Was ist das CFP unserer Kultur? Der brave „Reichianer“ wird jetzt vielleicht sagen: „Die Panzerung!“ Nun, das ist kein Funktionalismus, sondern kurzschlüssiger und abstrakter Mystizismus! Die Antwort ist nämlich viel zu unspezifisch und bietet kaum einen Ansatz, um irgendetwas praktisch zu verändern. Es ist bloße „Wahrheitskrämerei“!

Das tatsächliche CFP unserer gegenwärtigen Kultur läßt sich wie folgt ausdrücken:

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Diese heterogene Funktionsgleichung erklärt sowohl die mechanistische als auch die mystische Seite unserer aktuellen Kultur.

Beispielsweise fragte die BILD-Zeitung angesichts der Ekelorgien im „Dschungelcamp“ einen Zoologen von der Uni Duisburg-Essen, was denn der Wurm fühle, wenn er auf dem Teller landet und dann zerkaut wird. Die „wissenschaftliche“ Antwort: „Er steht ungern im Rampenlicht. Aber Angst hat so ein Wurm nicht.“ Lande er im feuchten und dunklen Mund, sei er „für eine Sekunde (…) im Paradies – bevor er zermalmt wird“.

Auffällig bei allen derartigen Äußerungen ist stets, daß Emotionen (in diesem Fall Angst) geleugnet und stattdessen Sensationen (Signal: „Licht“, Reaktion: „Flucht ins Dunkle, wo es feucht und warm ist“) in den Vordergrund geschoben werden. Daß Lust (bioenergetische Expansion) und Angst (bioenergetische Kontraktion) die fundamentalsten Eigenschaften alles Lebendigen sind, die unmittelbar beobachtet werden können, wie Reich in den 1930er Jahren mit seinen bio-elektrischen und Bion-Experimenten zeigte, ist diesen Wissenschaftlern vollkommen unzugänglich. Für sie sind Würmer nichts anderes als eine Art „Bioroboter“, die ohne Innenleben („Qualität“) auf äußere Reize („Quantität“) reagieren. „Angst“ ist für diese Wissenschaftler ein Phänomen, das erst bei hochentwickelten Organismen mit Ansätzen von Bewußtsein auftritt.

Dieser Sicht liegt eine noch fundamentalere Transformation zugrunde, als die oben dargestellte:

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Jedwede bioenergetische Erregung kann sich nicht entwickeln, sondern wird sofort in Wahrnehmung überführt, die entsprechend ein schizophrenes (oder „schizoides“) Eigenleben führt. Schließlich spielt sich alles nur noch im Kopf ab. Wir alle kennen das „wissenschaftliche“ Diktum, daß das Gehirn das einzige „erogene Organ“ sei. Der Mensch als Maschine mit einem „Geist“. Das, die Rolle des „Bewußtseins“, ist das mystische Element, das sich zwangsläufig in ihre mechanistische Weltsicht einschleicht.

In dieser Kultur gibt es keinen Platz für Emotionen (und damit keinen Platz für die Orgonomie!). Das, was an Emotionen in jedem Menschen vorhanden ist, wird sofort in Sensation transformiert. Das wird jedem Biologen, Psychologen, Soziologen von vornherein als „wissenschaftliche Herangehensweise“ eingetrichtert. Überhaupt wird jedwede bioenergetische Erregung unmittelbar in Wahrnehmung überführt, was zu deren Eigenleben führt. Diese Menschen haben keinen Wurm mit seiner lebendigen Ausdruckssprache vor sich, die man unmittelbar nachempfinden kann, sondern ein abstraktes Konstrukt. Das sehende Auge schwebt über einer toten mechanischen Welt.

Exakt die gleiche bioenergetische Tiefenstruktur findet sich im mystischen Pendant zum allgegenwärtigen Mechanismus:

Die Orgonomie ist der Todfeind jedweder Art von Mystizismus, insbesondere, wenn er sich organisiert, um die freie Entfaltung des Lebendigen zu hintertreiben (Emotionelle Pest). Ein Beispiel für den in den Massen schlummernden Faschismus (Mystizismus ist untrennbar mit Sadismus verbunden) ist die „Heil-Begeisterung“ für den Dalai Lama.

Beispielsweise hat sich der Stern in den letzten Jahren mit enthemmtem Pathos hervorgetan:

Er [der Dalai Lama] ist der Ozean der Weisheit und das wunscherfüllende Juwel. Er ist der verlorene König und der Seelenretter des Westens. Er ist Tibets menschgewordener Gott und die größte Sehnsuchtsleinwand für Sinnsüchtige. Wie ein Gott vertrieben wurde, wie er auszog, sein Land zu befreien, und dabei die Welt das Glücklichsein lehrte.

Bei Empfängen für den Gottkönig werden in der deutschen Hauptstadt tausende Tibetfahnen gehißt. Städte, Gemeinden und Landkreise zeigen in ganz Deutschland auf ihren Rathäusern und Ämtern die Flagge Tibets. Es gibt keinen einzigen kritischen Presseartikel zum Siegeszug des „Gelben Papstes“, dem Europa wie eine reife Frucht in die Hand fällt, wenn dieses sich nicht gegen Saharasia verteidigt. Man lese dazu auch das Essay der Trimonis Der Eskapismus der Gutmenschen und besuche ihre Website www.trimondi.de.

Und was ist die großartige Botschaft seiner Heiligkeit? Sei authentisch, akzeptiere den anderen, übe Vergebung, das Streben nach Glück ist das wichtigste im Leben, etc.pp. Kein vernünftiger Mensch kann etwas gegen diese Allgemeinplätze sagen. Es sollte uns eher zu denken geben, daß der „Ozean der Weisheit“ praktisch nur solche austauschbaren Allgemeinplätze absondert.

Besonders gruselig wird es, wenn der Dalai Lama mit Quantenphysikern diskutiert („Blablablablablablabla“). Eine wissenschaftliche Koryphäe wie Stalin, Hitler, Mao und Ceausescu! Von der psychiatrischen Fachzeitschrift DNP – Der Neurologe & Psychiater wurde der Gelbe Papst im Oktober 2005 sogar zum „Mann des Monats“ erklärt. Er sei für seine „Schwäche für Neurotransmitter, synaptische Verschaltungen und Kernspintomographie“ bekannt! Beispielsweise habe sich seine Heiligkeit in der Eidgenössischen Technischen Hochschule, Zürich das Podium eines Symposiums zum Thema „Furcht und Angst“ mit „namhaften Wissenschaftlern“ geteilt.

In diesem Zusammenhang hat die DNP Sensationelles zu berichten: einer US-Studie aus dem Jahre 2004 zufolge haben tibetische Mönche, die der Dalai Lama ermutigt hatte, an dieser Untersuchung teilzunehmen, während der Meditation (und weniger ausgeprägt auch im Ausgangszustand!) im EEG eine „Gammaaktivität“ von einem Ausmaß gezeigt, das nie zuvor in einem „nichtpathologischen Kontext“ gemessen wurde. Daß das „Gammaband“ mit Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Lernen und bewußter Wahrnehmung in Verbindung gebracht wird – paßt zu unserer Analyse des bioenergetischen Hintergrundes des Buddhismus: die pathologische Transformation von Erregung in Wahrnehmung.

Auf insistieren des Dalai Lamas wurde dieser Zusammenhang vor kurzem erneut nachgewiesen. Maria Kozhevnikov, eine Neurowissenschaftlerin an der George Mason University in Fairfax, Virginia konnte zeigen, daß eine bestimmte Art der Meditation, bei der ein detailliertes mentales Bild der Gottheit geschaffen und erhalten wird, die visuelle Erinnerungsfähigkeit verstärkt. Wenn auch nur vorübergehend. Der Dalai Lama hatte dieses Forschungsprojekt angeregt, als er 2003 an einer neurowissenschaftlichen Konferenz am Massachusetts Institute of Technology teilgenommen hatte.

Die Transformation von Emotion in Sensation erklärt, warum die „Weisheiten“ des Dalai Lamas und sein Lächeln so… – so leer sind. Sie erklärt auch, warum er heutzutage so beliebt ist.

Meinen Buddhismus-Artikel habe ich mit vollem Recht nach Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus benannt. Die Emotionelle Pest etwa im Islam zu durchschauen ist einfach. Beim Buddhismus bedarf es einer tiefergehenden funktionellen Analyse.

Funktionalismus bei Hans Hass (Teil 5)

3. Januar 2014

Ein Problem mit dem Reich’schen Konzept einer „natürlichen Arbeitsdemokratie“ liegt in der fehlenden Naturgeschichte. Soll man die „natürliche Arbeitsdemokratie“ etwa aus dem Sozialleben von Affenhorden ableiten? Erstens kennen diese nur eine rudimentäre Arbeitsteilung und zweitens ist ihr Sozialleben kaum „arbeitsdemokratisch“, sondern eher autoritär und von einer Rangordnung bestimmt, die an den Feudalismus erinnert. Wie bei seinen Überlegungen zur Naturgeschichte der Orgasmusfunktion hat Reich unsere unmittelbaren Vorläufer in der Evolution umgangen und auch hier weit zurückgegriffen bis auf das Niveau der Einzeller und ihrer Organisation zu Vielzellern. Ich bin darauf an anderer Stelle eingegangen.

Biologen wie Konrad Lorenz und die modernen Soziobiologen betrachten die Menschen, als wären sie der Endpunkt der Evolution und könnten deshalb in den gleichen Begriffen erfaßt werden, mit denen man sich Wolfsrudeln oder Ameisenhügeln nähert.

Marxistische und post-marxistische Soziologen sehen den Menschen ebenfalls als Endpunkt der Evolution. Der Mensch habe damit die Biologie verlassen und könne nur noch in „gesellschaftlichen“ Begriffen erfaßt werden. Entsprechend werfen sie jedem, der im Menschen immer noch ein Tier sieht, „Biologismus“ vor.

Hans Hass und Reich unterscheiden sich grundsätzlich von diesen beiden Herangehensweisen, denn sie sehen den Menschen als Schnittpunkt der Evolution, d.h. er muß in einer viel umfassenderen, wenn auch immer noch biologischen Weise begriffen werden, als es die Biologen mit ihrem naiven „Biologismus“ bisher taten.

Lorenz hat das Problem des Menschen, mit „innerartlichen“ Schwierigkeiten umzugehen, auf den beim Menschen angeblich besonders ausgeprägten „Aggressionstrieb“ zurückgeführt. Hans Hass, der ja auch Verhaltensforscher war, distanzierte sich im Rahmen seiner Energontheorie von dieser Sicht. Wenn man in der Tierart Mensch nicht den Höhepunkt der Evolution sieht, sondern ein Übergangsglied zu neuen Arten, den Hyperzellern, zwischen deren Mitgliedern ein Konkurrenzkampf herrscht, dann ist es müßig über das Aggressionspotential des Menschentiers zu spekulieren. Zwei Schuster, die in unmittelbarer Nähe ihre Geschäfte haben, können als Menschen zueinander stehen, wie immer sie wollen, als Vertreter der gleichen Berufsart sind sie Todfeinde – wenn der Markt nur einen Hyperzeller ernähren kann, wird der leistungsschwächere der beiden zugrunde gehen. Das gleiche gilt für die Verdrängung alter Arten durch neue, besser angepaßte, etwa die Verdrängung des Gerbers durch den Hersteller von Kunstleder. Der Konkurrenzkampf ist der eigentliche Motor sowohl der ersten als auch der zweiten Hälfte der Evolution.

Generell schreibt Hass über den „Aggressionstrieb“:

Seit dem Buch von Konrad Lorenz Das sogenannte Böse hat man den „Aggressionstrieb“ für die defekte Seite des Menschen weitgehend verantwortlich gemacht. Bestimmt spielt dieser kuriose Trieb, der sich auch gegen den Artgenossen wendet, bei vielen unserer Regungen unfreundlicher Laune und Gestimmtheit eine Rolle, doch nimmt er in der Rangordnung der Instinkte bloß eine eher untergeordnete Stellung ein. Er leistet vor allem bei der Verteidigung von „Territorien“ und bei Kämpfen um Rangordnungen und Führerstellungen bei rudelbildenden Tieren eine selektionsfördernde Funktion. In keiner Weise läßt er sich jedoch mit der elementaren Bedeutung des Triebes nach Nahrung – nach Energie – vergleichen, dessen Wurzeln ebenso weit zurückreichen, wie jene der Lebensentwicklung selbst, und der Voraussetzung für alle weiteren Triebe war und bis heute geblieben ist. Da beim Menschen Kannibalismus zur extremen Seltenheit gehört, sah man nicht ein, wieso der Nahrungstrieb sich gegen den Mitmenschen wenden sollte. Auf Grund des Psychosplits kommt es indes zu diesem Phänomen – ganz abgesehen davon, daß die zusätzlichen Organe des Menschen eine noch weit begehrenswertere Beute für Räuber darstellen als Fleisch, da sie nicht erst gegessen, verdaut und in eigene Leistung umgesetzt werden müssen, sondern ganz so, wie sie sind, machtsteigernd eingesetzt – und außerdem noch durch Verkauf in den Zauberstab Geld verwandelt werden können.

Um die „natürliche Auslese“ etwa zwischen Schustern in einem erträglichen Rahmen zu halten, gibt es den Staat als unverzichtbares „Gemeinschaftsorgan“, das z.B. für lauteren Wettbewerb sorgt oder allein schon dafür, daß die Hyperzeller nicht (verständlicherweise) mit Waffengewalt um ihr schieres Überleben kämpfen. Außerdem ist der Staat, Hass zufolge, deshalb absolut notwendig, weil die zusätzlichen Organe der Hyperzeller nicht nur nicht fest mit ihrem Leistungskörper verbunden, sondern darüber hinaus auch noch für andere Hyperzeller besonders begehrenswert sind, da sie sie in ihren eigenen Leistungskörpern integrieren können. Aus energon-theoretischer Sicht besteht, wie im letzten Teil gezeigt, kein Unterschied zwischen Raub und Tausch – das erstere ist sogar effizienter. Der Staat, der Raub mit Sanktionen belegt, hat die Entwicklung der Hyperzeller also überhaupt erst möglich gemacht.

Jedoch beinhalten alle Aufgaben, die der Staat über seine unverzichtbare Schutzfunktion hinaus noch an sich reißt, die Gefahr, daß er selbst zu einer Erwerbsorganisation wird. Und selbst Militär und Polizei, die Freiheit und Sicherheit der Bürger schützen, stellen in dieser Beziehung eine Gefahr dar, denn im Notfall müssen sie auf blinden Gehorsam zurückgreifen können, was sich wiederum Einzelne zunutze machen können, um den Staat durch Putsch zu einem zusätzlichen Organ ihres eigenen Leistungskörpers, bzw. des Leistungskörpers ihrer Gruppe zu machen. Hass: „Ein Verband mit einem großen Gemeinschaftsorgan des Schutzes wird über Nacht in ein Großunternehmen verwandelt, bei dem im Extremfall sämtliche ‚Aktien‘ in einer Hand sind.“

Der Staat, dieses „kälteste aller kalten Ungeheuer“ (Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Studienausgabe Bd. 4, S. 61), ist die Speerspitze des Entfaltungsstroms. Die „Staatsinteressen“ decken sich weitgehend mit den Interessen des Entfaltungsstroms. Auf diese Weise ist dieses unverzichtbare Gemeinschaftsorgan gleichzeitig auch der Todfeind des Menschen.

Die einzige Lösung dieses scheinbar unauflösbaren Dilemmas ist m.E. die Beschränkung auf möglichst kleine, überschaubare souveräne staatliche Einheiten, da hier einerseits noch die Möglichkeit einer direkten Kontrolle durch die Bürger und einer aktiven, sogar militanten Gegenwehr besteht; und andererseits beim Umkippen des Staates von einem Gemeinschaftsorgan der Gesellschaft zu einer die Gesellschaft aufsaugenden Erwerbsorganisation jeweils nur verhältnismäßig kleine Teile der Weltbevölkerung betroffen sind.

Neben kleinen überschaubaren Einheiten bedarf es einer größtmöglichen Transparenz, um Wirtschaft und Gesellschaft vor dem Zerfall zu bewahren. Das beste Korrektiv ist stets der ungehinderte Informationsaustausch:

Analysieren wir etwa die Vorgänge in Ortschaften oder kleineren Städten der marktwirtschaftlich orientierten „freien“ Welt, dann zeigt sich, daß dort dem halben Räuber enge Grenzen gesetzt sind. Und zwar durch das Korrektiv einer weitgehend transparenten Gesellschaft. Verkauft hier etwa ein Gemüsehändler schlechte Ware oder gute zu überhöhtem Preis, dann wird er nicht lange bestehen können. Die Kundschaft wird dafür sorgen. Sie wird zu einem Konkurrenten abwandern, der sich mehr tauschgerecht verhält. Ist er der einzige im Ort, dann entsteht geradezu ein Sog zur Etablierung eines anderen, besseren. Der schlechte Anbieter wird bald von der Bildfläche verschwinden. Der Vorgang entspricht durchaus der „Natürlichen Auslese des besser Geeigneten“, der bei den Pflanzen und Tieren jenen Arten den Vorzug einräumt, die besser Energie erwerben können und auch allen sonstigen für ihre Lebensform relevanten Umweltbedingungen besser angepaßt sind.

Hier haben wir ein Beispiel dafür, daß die technische Entwicklung ganz im Sinne des Lebendigen wirksam sein kann:

Durch Fachzeitschriften, persönliche Information, Marktforschung und nicht zuletzt durch den Computer ist man in der Wirtschaft immer besser über die internationale Angebots- und Nachfragesituation im Bilde. So tritt – ähnlich wie im kleinen Dorf – das Korrektiv der Gemeinschaft wieder in Erscheinung.

Das wichtigste Korrektiv ist jedoch die Orientierung an der Qualität und am Immateriellen, statt am „wägbaren materiellen Erfolg“. Hass hält es beispielsweise für „total falsch“

den Erfolg eines Berufstätigen, eines Unternehmens oder einer sonstigen Organisation nach der jährlichen oder vierteljährlichen Geldbilanz zu beurteilen, denn von nicht minder bedeutendem Einfluß auf den Erfolg ist der Gewinn an Kunden und guten Mitarbeitern, an Vertrauen, an Goodwill, an Image, an Know-how.

Besonders wichtige „immaterielle Werte“ für jedes Unternehmen sind der Kundenstamm und die Kundentreue, das Ansehen, welches das Unternehmen genießt, sein „Image“, das Vertrauen, das seinen Produkten und Dienstleistungen entgegengebracht wird, seine Geltung und Popularität. Kommt es zu Einbußen in diesen Bereichen – etwa in Folge unverläßlicher Lieferung, schlechter Qualität, mangelhaftem Service, überhöhter Preise etc. – dann bleiben die Folgeerscheinungen nicht aus.

Das zeigt sich besonders deutlich, wenn ein Unternehmen durch ein anderes übernommen und der Kaufpreis bestimmt wird. Dann richtet sich der erfahrene Fachmann keineswegs nur nach Bilanzen und Produktionsmitteln – sondern weiß sehr gut den „wirklichen Wert“ annähernd zu schätzen, der um ein mehrfaches größer oder auch erheblich geringer sein kann als der „Buchwert“.

Der Psychosplit behindert diese gesamte Einstellung empfindlich, weil auf Grund des übermächtigen Schlüsselreizes, den Geld auf uns ausübt, unser Interesse und unsere Gedanken ganz automatisch von den „immateriellen Werten“ und ihrer Bedeutung weggelenkt werden.

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Funktionalismus bei Hans Hass (Teil 4)

2. Januar 2014

Hans Hass zufolge ist der Staat der Menschen grundsätzlich verschieden vom Tierstaat, etwa dem bei Ameisen oder Bienen, denn bei den Tieren gibt es nur jeweils eine Art (etwa Termiten), die zusammenleben, während sich der Staat aus zahllosen „Arten“, nämlich Menschen mit unterschiedlichsten Berufen zusammensetzt. Wegen der unaufhebbaren innerartlichen Aggression (die gemeinsamen Ressourcen einer „Berufs-Art“ sind begrenzt) und weil die zusätzlichen Organe nicht fest mit dem Hyperzeller verbunden sind, ist das staatliche Gewaltmonopol zum Schutz vor Gewalt und Diebstahl ein Muß, egal welche Charakterstruktur die Menschen haben, wie „rational“ und „arbeitsdemokratisch“ der einzelne Mensch und die Gesellschaft als Ganzes auch immer sein mögen. Das kommt durch den Spruch „Beim Geld hört die Freundschaft auf!“ sehr gut zum Ausdruck. (Wir sprechen hier nicht von Stammesgesellschaften mit Clanstrukturen, sondern von modernen Staaten!)

Dieses Absehen von der individuellen Charakterstruktur ist dem arbeitsdemokratischen Denken nicht so fremd, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Der Kern der „Arbeitsdemokratie“, die wechselseitige Dependenz, ist vollkommen unabhängig von der individuellen „Triebstruktur“ der Menschentiere, da die Subjekte der Arbeitsdemokratie nicht etwa Menschentiere, sondern Berufskörper sind. Reich selbst bringt diesen Gedanken wie folgt zum Ausdruck: „Es ist völlig gleichgültig, ob ein Baumeister, Arzt, Lehrer, Dreher, Erzieher, etc. Faschist, Kommunist, Liberaler oder Christlicher ist, wenn es darauf ankommt, ein Schulgebäude zu errichten, Kranke zu heilen, Kugeln zu drehen oder Kinder zu betreuen“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 333).

Das aus orgonomischer Sicht Verwirrende bei Hass ist sein Diktum, daß auch Raub Arbeit ist. Nach Hass ist auch „Dieb“ ein Beruf, dazu zitiert er zustimmend Werner Sombart: „Nach meiner Definition ist also Arbeit ebenso die Tätigkeit, die der Dieb aufwendet, um einen Einbruch auszuüben, obwohl sie (sozial) schädlich ist.“

Der Energontheorie zufolge muß der Energieerwerb möglichst ökonomisch erfolgen, d.h. er darf selbst möglichst wenig Energie kosten. Die Devise lautet: Verfahre möglichst so, daß du möglichst schnell und möglichst präzise, bei möglichst geringem eigenen Kraftaufwand, ein Maximum an Gewinn erzielst! Was sollte da effizienter sein als Raub?! Noch besser: den Konkurrenten das von ihnen Erbeutete abjagen. Man selbst darf nichts und niemandem trauen, denn die Beute könnte einem von Konkurrenten entrissen oder man sogar selbst Opfer eines Räubers werden. Genau diese „Vorgehensweise“ beobachten wir alltäglich im Tierreich.

Und nicht nur Tiere verhalten sich so, sondern auch das Menschentier gegenüber den Umwelt. Hass:

Ob es darum ging, nach Früchten und Beeren zu suchen, Insekten aus ihren Verstecken hervorzustochern, Kaninchen aus ihren Bauten zu jagen und zu töten oder in organisierter Treibjagd Großwild den Garaus zu machen: In jedem Fall war irgendeine Rücksichtnahme auf die einmal entdeckte und gestellte Beute völlig fehl am Platz. In jedem Fall war es zweckmäßig, so viel der erbeuteten organischen Substanz zu verwerten und sicherzustellen als möglich (…). In jedem Fall war es zweckmäßig, das Raubhandwerk immer noch besser zu handhaben – jede List, jede Übertölpelung war hier ein Fortschritt und Vorteil.

Warum sollte das bei den Hyperzellern, d.h. im Berufsleben anders aussehen? Auch hier sollten Raub, Mord und Todschlag doch am effizientesten sein? – Nein, sie sind es, so Hass, dezidiert nicht, weil nämlich die Energiegewinnung im Menschenreich vollständig anderer Natur ist als im Tierreich.

Mit den Berufskörpern wird erstmals in der Entwicklung der Energone die lebensnotwendige Energie nicht mehr durch Raub, bei dem immer einer der Gewinner und einer der Verlierer ist, sondern über einen Tauschakt erlangt, bei dem alle nur Gewinner sind. „Rücksichtsloses Verfolgen der eigenen Interessen“ führt deshalb nicht zu Wohlstand, sondern (langfristig) in den Ruin. Die Nähe von Hass‘ Konzept zu dem der Arbeitsdemokratie ist offensichtlich.

Daß sich die Menschentiere entgegen aller ökonomischen Vernunft weiter so verhalten, als wären sie, wie alle Tiere vor ihnen, Räuber („Raubtierkapitalismus“), macht den von Hass beklagten „Psychosplit“ aus: der Kunde bedeutet für den Anbieter Nahrung (er kann mit seiner Hilfe sein Leben fristen) und wie bei einem bedingten Reflex löst der Kunde die Raubinstinkte des Anbieters aus.

Signalisiert jemand einen „Bedarf“, gibt er damit, ähnlich wie ein Reh das lahmt, eine seiner Schwachstellen preis. In der „freien Wildbahn“ würde diese Schwachstelle erbarmungslos ausgenutzt werden und das Reh von seinen Raubfeinden gerissen. In der Wirtschaft sieht das grundlegend anders aus: hier kann ich den Kunden (also die Quelle meiner Energie) nur für mich gewinnen, wenn ich sein Problem zu dem meinigen mache und es behebe. Natürlich hat etwa der Schuster einen kurzfristigen Vorteil, wenn er seinen Kunden mit schlechtem Material und schlechter Verarbeitung übervorteilt, – aber langfristig hat er diesen und, wenn es sich herumspricht, weitere Kunden verloren und sich so seiner eigenen Existenzgrundlage beraubt. Oder mit anderen Worten: die Erfolgsstrategie der ersten Phase der Evolution, nämlich rücksichtsloser Egoismus, führt in der zweiten Phase der Evolution in den Ruin. „Während es für den Räuber ohne Interesse und Relevanz ist, daß das Opfer ‘seiner freundlich gedenkt’, ist dies beim Erwerb über Tauschakte diametral verschieden. Hier beeinflußt ein Erwerbsakt den nächsten in entscheidender Weise.“

Für den Berufskörper sind nicht mehr die in fremdem Zellgewebe gespeicherte Energie und Stoffe die Quelle des Lebens, sondern ganz im Gegenteil der Mangel an Energie und Stoffen, unter dem andere leiden. Ein Schuhmacher braucht nicht mehr auf die Jagd gehen, nichts anpflanzen oder Vieh halten, sondern kann alles, was er benötigt, darunter Nahrung, gegen das von ihm hergestellte zusätzliche Organ „Schuh“ eintauschen, das andere zum Überleben brauchen.

Doch leider wird der Kunde allzuoft vollständig gleichgültig, denn sämtliche Triebkräfte des Anbieters fokussieren sich allzuleicht auf den „Universal-Schlüsselreiz“ Geld. Das Geld wird zum „übernormalen Schlüsselreiz“, weil sich der Anbieter mit dem Geld Nahrung und zusätzliche Organe für seinen Luxus- und Erwerbsbedarf beschaffen kann. Diese Geldfixierung ist kontraproduktiv, da effektiver Gelderwerb die Ausrichtung auf die Interessen des Kunden zur Voraussetzung hat. „Um es noch einfacher zu sagen: Um im Gelderwerb erfolgreich zu sein, ist es richtig, nicht an diesen Erwerb, sondern an die Probleme und Interessen des jeweiligen Nachfragers der eigenen Leistungen zu denken, sich möglichst auf diese zu konzentrieren – während das Geld es zuwege bringt, daß wir dies nicht tun.“

Man denke etwa auch an die von „geostrategischen Realisten“ prophezeite (oder heraufbeschworene) Rivalität zwischen den USA und China: vollkommen sinnlos, überflüssig, ökonomisch kontraproduktiv und einfach in jeder Beziehung schädlich für die USA, China und die restliche Welt. Nur strukturelle Nazis denken „geostrategisch“! Es macht Sinn, wenn sich Affenhorden bekriegen, doch bei Hyperzellern widerspricht eine solche „Interessenpolitik“ – den eigenen Interessen.

Beim Tausch, wenn er zum Gewerbe wird, ist Rücksichtnahme das allerwichtigste Werkzeug. Hier zählt nicht der Profit, den der Augenblick bringt, sondern der Kundenstamm, den man aufbaut, die Bande, mit denen man Interessenten an dem, was man zu bieten hat, an sich fesselt. Hier ist es sogar wichtig, die Notlage, in der sich der Interessent etwa befindet – weil sein Bedarf ein sehr dringender ist –, nicht auszunützen und den Preis für die eigene Leistung nicht entsprechend hoch empor zu schrauben. Das mag zwar einen guten Gewinn bringen, aber dieser Kunde ist dadurch nicht gewonnen, sondern wird sich wahrscheinlich beim nächsten Bedarf an Konkurrenten wenden. Wird dagegen der sich in Zwangslage befindende trotzdem zu einem angemessenen Preis bedient, dann wird er sich wahrscheinlich bei einem weiteren Bedarf dessen erinnern und diese entgegenkommende Haltung zu schätzen wissen. Er wird – wie mit einem Gummiband an diesen Leistungsanbieter gefesselt – sehr wahrscheinlich zu diesem zurückkehren. – Und zwar nicht, weil dieser „gut“ war, sondern weil dieser „klug“ war.

Was Hass so überaus anziehend macht, ist, daß er sich im Gegensatz zu anderen „biologistischen“ Theorien gegen „die Meute“ auf die Seite der Schwachen stellt:

Renne nicht mit dem großen Haufen, sondern suche nach einer Bedarfslücke! Mache nicht das gleiche, was auch die anderen tun, sondern entwickle deine eigene, notfalls engbegrenzte Spezialität! Eine enge Zielgruppe überzeugend besser zu befriedigen als die Konkurrenten, schafft größere Aufstiegschancen, als sich auf die verschiedensten Kunden zu verzetteln!

Man ist erfolgreich, wenn man dem Getümmel der Konkurrenten entwischt. Reiht man sich wieder ein, bekommt man die Folgen zu spüren. Entsprechend sind es gerade die Schwachen, Behinderten, Außenseiter, Unterprivilegierten und alle die von der Norm abweichen, die Erfolg haben können, weil sie nicht mit der Masse gehen und einen eigenen Zugang zu abwegigen Sonderbedürfnissen haben. Aber was sieht man stattdessen: überall das „gesunde“ Herdentier!

hassevo4

Funktionalismus bei Hans Hass (Teil 3)

1. Januar 2014

Hans Hass‘ Energontheorie harmoniert perfekt mit Reichs Ausführungen in Der biologische Rechenfehler im menschlichen Freiheitskampf. Wir haben die Maschinen und Werkzeuge geschaffen, die auf uns zurückwirken und uns (die wir doch eigentlich ihre Herren sein sollten) versklaven.

Orgonometrisch sieht das wie folgt aus:

lebendiemaschine

In einer ungepanzerten Gesellschaft benutzt der Mensch seine zusätzlichen Organe (Maschinen), um die Macht des Lebendigen auszuweiten (Gleichung 1). Gleichzeitig separiert er das Lebendige in sich von der toten Maschine (Gleichung 2).

In einer gepanzerten Gesellschaft hingegen identifiziert sich der Mensch mit der Maschine und wird selbst zur Maschine (Gleichung 1). Gleichzeitig verliert er jede Kontrolle über die Maschine (Gleichung 2).

Darüber hinaus gibt es in der Energontheorie keinen Unterschied zwischen materiellen Werkzeugen (Hammer, Auto, PC, etc.) und immateriellen Werkzeugen (Sprache, Gesetze, Moral, Ethik, Religion, etc.). So gesehen ist in ihr durchaus Platz für das Über-Ich und Charakterpanzer bzw. natürlich Kritik am Über-Ich und am Charakterpanzer, was die obigen orgonometrischen Erörterungen weiter vertieft.

Der Energontheorie zufolge besteht kein funktioneller Unterschied zwischen der Schutzvorrichtung eines Igels (Stacheln) und der eines Kaninchens (die immaterielle Verhaltensvorschrift „Lauf weg!“). Es ist letztendlich gleichgültig ob der Gendarm real vor mir steht oder immateriell in meiner Brust steckt (vgl. Der Einzige und sein Eigentum, Reclam, S. 55).

Wie sich vom Über-Ich, dem „Gendarmen in der Brust“ befreien? In Begriffen der Energontheorie: im Rahmen einer Funktionserweiterung. Wir sind einerseits Tiere (Metazoen, die aus Keimzellen hervorgegangen sind), andererseits wiederum selbst Keimzellen von Hyperzellern. Wir haben die Welt erschaffen, die uns umgibt. Wie haben wir das gemacht? Mit unseren Händen, die ursprünglich dazu geschaffen waren, um sich an Äste zu klammern, und mit unserem Gehirn, das ursprünglich dazu geschaffen war, uns zu intelligenten Tieren zu machen, die das natürliche Nahrungsangebot optimal ausnutzen können. Durch Funktionserweiterung dieser beiden Organe wurden wir zu Keimzellen von Hyperzellern – und im Laufe der Entwicklung wurden wir zu Sklaven unserer von uns erschaffenen Umgebung. Aber genauso, wie wir das Gehirn für die Entwicklung von zusätzlichen Organen (vom Hammer bis zum Space Shuttle, von der Sprache bis zur höheren Mathematik) „mißbrauchten“, steht es uns frei im Rahmen einer weiteren Funktionserweiterung des Gehirns uns kritisch mit unserer Lage auseinanderzusetzen und uns von unseren zusätzlichen Organen, insbesondere dem Über-Ich, wieder zu distanzieren, bzw. sie ganz abzustoßen.

Hass hat uns gelehrt, unsere Ehrfurcht vor der Lebensentfaltung zu überwinden: das, was ist und was „natürlich“ ist, muß nicht gut sein. Gut für wen? Für die Hyperzeller (Wirtschaft und Staat). Nicht gut für wen? Für den nackten Menschen, für den Egoisten, für den Einzigen, für das Menschentier. Das bedeutet nicht ein Zurück zur Natur, sondern: die Lebensentfaltung hat uns, hat mir zu dienen.

Ich möchte nie mehr auf das zusätzliche Organ Computer und Internet verzichten – sehr wohl aber auf das Über-Ich. Wie sieht dieses ominöse „Über-Ich“ aktuell aus? Wie werden unsere Kinder im Interesse der Hyperzeller bzw. des Lebensstroms, den sie fortsetzen, verformt? Es liegt im Interesse der Lebensentfaltung, daß sie selbstvergessene, konsumorientierte, unkritische RTL-Gucker werden, die sich einbilden Egoisten zu sein, in Wirklichkeit aber einzig und allein dem Egoismus der Lebensentfaltung dienen. Der größte Feind dieser über die Keimzellen der Hyperzeller hinwegströmenden Lebensentfaltung sind kritische „Egoisten“, die ihre Stellung im Rahmen der Lebensentfaltung kennen. Aus energontheoretischer Sicht sind sie die Stimme der Keimzelle(n) der Hyperzeller. Beispielseise hatte Max Stirner eine recht gute Vorstellung von der Lebensentfaltung in Gestalt der Philosophie Hegels („die Entfaltung des absoluten Geistes“).

Betrachten wir doch einmal Stirners Leben und Werk aus energontheoretischer Sicht: Damals waren Staaten entweder Berufskörper des jeweiligen Königs (wie im absolutistischen Frankreich: „der Staat bin ich“ – so wie der Handwerker sagt: „die Firma bin ich“) oder gigantische Erwerbsorganisationen, etwa Preußen, wo sich der König als erster und höchster Diener des Staates verstand. Hegel war der Ideologe dieser Erwerbsorganisation, in der der Bürger zum Rädchen im Getriebe wird und von Kindheit so gedrillt wird, bis er schließlich „den Gendarmen in seiner Brust hat“. Auch Stirner wurde da hineingepreßt und sollte als Lehrer aus freien Menschentieren Zellen des Hyperzellers „Preußen“ machen. Dagegen empörte er sich in Funktionserweiterung dessen, was er gelernt hatte. Leider blieb seine Argumentation größtenteils „geistesgeschichtlich“. Dagegen stellte Marx sein „materialistisches“ Programm, – das aber nicht viel mehr war als doch nur wieder Hegel.

Stirners „Verein der Egoisten“ ist nichts anderes als eine Ansammlung von Keimzellen, die sich von ihren Hyperzellern emanzipiert haben und mit ihren zusätzlichen Organen wieder frei umgehen.

Stirner stellt (ganz im Sinne von Hans Hass) das Recht (also gewisserweise das „Über-Ich“ der Gesellschaft) als „zusätzliches Organ“ (sozusagen ein immaterielles Werkzeug) dar, daß sich gegen seinen eigenen Schöpfer wendet, ihm sozusagen über den Kopf wächst:

Der Gedanke des Rechts ist ursprünglich mein Gedanke oder er hat seinen Ursprung in Mir. Ist er aber aus Mir entsprungen, ist das „Wort“ heraus, so ist es „Fleisch geworden“, eine fixe Idee. Ich komme nun von dem Gedanken nicht mehr los; wie Ich Mich drehe, er steht vor Mir. So sind die Menschen des Gedankens „Recht“, den sie selber erschufen, nicht wieder Meister geworden: die Kreatur geht mit ihnen durch. Das ist das absolute Recht, das von Mir absolvierte oder abgelöste. Wir können es, indem Wir‘s als absolutes verehren, nicht wieder aufzehren, und es benimmt Uns die Schöpferkraft; das Geschöpf ist mehr als der Schöpfer, ist „an und für sich“. (Der Einzige und sein Eigentum, S. 225)

„Das Recht ist der Geist der Gesellschaft“ (Der Einzige und sein Eigentum, S. 204) – und stempelt mich zum Verbrecher, wenn ich ich bin. Das Recht, ursprünglich ein Interessenausgleich zwischen Individuen, ein Werkzeug meiner Macht, wurde zu einer heiligen fixen Idee, die mich, ihren Schöpfer, auslöschen will. – Die Energontheorie beschreibt nichts anderes: der Mensch erschuf sich seine Umwelt, um leben zu können und brachte es zu einer ungeheuren Machtsteigerung – nur um festzustellen, daß sich alles gegen ihn, den Schöpfer, wendet; manipuliert, abhängig und kurz vor der Auslöschung. – Was bei Stirner der „Einzige“ ist, ist bei Hass die „Keimzelle Mensch“.

Wie drückt man diese Gewalt nun verkehrterweise aus? Man sagt, Ich habe ein Recht auf diesen Baum, oder er sei mein rechtliches Eigentum. Erworben also habe Ich ihn durch Gewalt. Daß die Gewalt fortdauern müsse, damit er auch behauptet werde, oder besser: daß die Gewalt nicht ein für sich Existierendes sei, sondern lediglich im gewaltigen Ich, in Mir, dem Gewaltigen, Existenz habe, das wird vergessen. Die Gewalt wird, wie andere meiner Eigenschaften, z.B. die Menschlichkeit, Majestät usw., zu einem Fürsichseienden erhoben, so daß sie noch existiert, wenn sie längst nicht mehr meine Gewalt ist. Derart ist ein Gespenst verwandelt, ist die Gewalt das – Recht. Diese verewigte Gewalt erlischt selbst mit meinem Tode nicht, sondern wird übertragen oder „vererbt“. (Der Einzige und sein Eigentum, S. 307)

Das entspricht ganz der Panzerung, die ja in der individuellen Geschichte des Menschen am Anfang auch eine rationale Schutzfunktion hatte, d.h. anfänglich ebenfalls sozusagen ein „zusätzliches Organ“ war, dann aber außer Kontrolle geriet: wir haben keine Panzerung mehr, wir sind Panzerung, d.h. wir „haben“ einen Charakter. Ausgeweitet auf die Gesellschaft ist das die jeweilige „Kultur“, die von Generation zu Generation weitergetragen wird.

Seitdem die Abstammung des Menschen aus primitiveren Lebensformen erwiesen sei, liege, so Hass, ein „natürliches und neutrales“ Bezugssystem vor. So wie aus der Lebensentwicklung

jede neue Struktur, jedes neue Phänomen hervorgegangen ist – so sollten auch die Begriffssysteme aller Spezialwissenschaften auf die gemeinsame Wurzel dieser Entwicklung zurückgehen. (…) Es wird nur allzuleicht übersehen, daß (die) Begriffe das höchst persönliche Werk des Menschen sind – nicht aber notwendigerweise ein Spiegel der Wirklichkeit. (…) Diese „Schubladen“, die über Erziehung und Tradition von einem Gehirn auf das nächste übertragen werden, machen uns leicht glauben, daß die Erscheinungen, die in ihnen zusammengefaßt sind, von Natur her zusammengehören, daß diese Einheiten also das „Wesen“ dieser Welt kennzeichnen. Das tun sie aber nur beschränkt – denn jeder Begriff ist bloß eine uns dienliche Einrichtung, ein Werkzeug unseres Geistes – jeder von ihnen, mit einem Wortsymbol versehen, ist ein uns dienender Funktionsträger und in diesem Sinn auch wieder ein erworbenes – ein „künstliches“ Organ. Und (…) hier besteht die Gefahr, daß aus Dienern Herren werden, indem sich diese Schubladen nicht mehr wirklich unseren Zwecken unterwerfen, sondern höchst selbstsüchtig unsere Gedanken in ihre Schablone pressen. (…) Wir brauchen (Worte), wir können ohne sie nicht denken – aber man muß ihnen mit äußerstem Mißtrauen begegnen. (…) Das junge, sich erst bildende Gehirn ist in dieser Hinsicht noch frei und unbehindert. Es kann jeden dieser Diener erst prüfen, ehe es sich ihm anvertraut.

Hass stimmt hier vollkommen mit Stirner überein, d.h. die „emanzipatorischen“ Implikationen sind bei beidem identisch. Stirner:

Begriffe sollen überall entscheiden, Begriffe das Leben regeln, Begriffe herrschen. (…) Nach Begriffen wird alles abgeleiert, und der wirkliche Mensch, d.h. Ich werde nach diesen Begriffsgesetzen zu leben gezwungen. (…) Eine unzählige Menge von Begriffen schwirren in den Köpfen umher, und was tun die Weiterstrebenden? Sie negieren diese Begriffe, um neue an deren Stelle zu bringen! (…) So schreitet die Begriffsverwirrung vorwärts. (Der Einzige und sein Eigentum, S. 104f)

Es geht um eine zweifache „Götzendämmerung“: einerseits um die erörterte Befreiung von der Knechtung durch Begriffe, die von unseren zusätzlichen Organen, sich zu Herren über uns aufgeschwungen haben und andererseits um die Empörung gegen jenen Entfaltungsstrom, dessen willenlose Werkzeuge wir bisher waren, der aber doch nur aufgrund unserer Anstrengung leben kann.

Funktionalismus bei Hans Hass (Teil 2)

31. Dezember 2013

Energone müssen ihrer Energiequelle entsprechen, die sie dergestalt zwar nicht herstellt, aber trotzdem ihren Bau bestimmt. Hans Hass:

Jene ihrer Funktionsträger, die das Aufschließen einer Energiequelle besorgen, müssen in Form und Anordnung deren Besonderheiten entsprechen. Die Energiequelle stellt sie nicht her, diktiert aber doch, wie sie beschaffen sein müssen. Wie und auf welche Weise sie zustande kommen, ist somit sekundär; wichtig ist bloß, daß sie die richtigen Eigenschaften haben. Fragen wir somit nach dem „Ursprung“ dieser Eigenschaften, dann dürfen wir diesen nicht beim Hersteller suchen. Diese notwendigen Eigenschaften haben ihren Ursprung in der Beschaffenheit der Energiequelle.

Und weiter:

Die Gestalt der Tiere und Pflanzen erklärt sich somit nicht aus ihrer Herstellungsart, nicht aus dem Weg ihres Zustandekommens. Sie wird vielmehr weitgehend durch die Beschaffenheit der Energie- und Stoffquellen diktiert. Diese haben mit dem Herstellungsvorgang nicht das geringste zu tun – und sind doch für wesentliche Strukturelemente verantwortlich.

Diese „steuerkausale“ Betrachtungsweise kann jedoch die Entwicklung des Lebens nur recht unvollkommen erfassen, da sie von vornherein hinsichtlich der funktionellen Zusammenhänge blind ist. So kann Hass zwar überzeugend darstellen, wie durch die natürliche Auslese die Arten geformt wurden und wie der Artenwandel sich in der Natur vollzogen hat, doch er erklärt nicht die verblüffende morphologische Konstanz, die Reich bei den Lebewesen beobachtet hat. Warum, so ist zu fragen, sind sich fast alle Leistungsgefüge in der Natur morphologisch so verblüffend ähnlich. Reich hat diese Formgesetze in Die kosmische Überlagerung beschrieben und auf Energiebewegung zurückgeführt. Doch nach Hass‘ Theorie, der zufolge allein die Effizienz der erbrachten Leistungen die Evolution bestimmt, müßte die Natur von abenteuerlich gestalteten Monstern bevölkert sein, so wie unsere Maschinenparks von Gestalten geprägt sind, die keinerlei Formgesetzen, sondern einzig und allein Leistungskriterien folgen.

Das Zweckmäßige, also Leistungsgerechte, entstehe, so Hass, rein mechanisch dadurch, daß alles Unzweckmäßige, also alles, was nicht die erforderlichen Leistungen erbringt, nicht überlebt. Auf diese Weise bestimmen die aktuellen Leistungserfordernisse, was an den vorgefundenen Funktionen zweckmäßig ist und was nicht. Entgegen seinem eigenen funktionalistischen Ansatz übernimmt Hass diesen leistungsfixierten, mechanistischen Blickwinkel des Entfaltungsstroms. Der denkbar „unfunktionellen“ Logik der natürlichen Auslese folgend, führt Hass die gesamte Entwicklung der Energone einseitig auf die „Steuerkausalität“ zurück. Die „lebendige Funktion“ wird dergestalt von zwei Seiten her eingeklemmt:

ReiHasFuncmech

Für Hass bezeichnet Funktion „einen auf einer konkreten materiellen Struktur beruhenden aktiven oder passiven Vorgang, der zum Zustandekommen einer benötigten Leistung beiträgt“. So kann nur jemand argumentieren, der nichts von der Entdeckung der kosmischen Orgonenergie weiß.

Hass betrachtet Energie als eine mehr oder weniger eigenschaftslose bzw. rein quantitative Gegebenheit, mit deren Hilfe „Bilanz gezogen wird“, ähnlich dem Geld, das zwar alles in Gang setzt, aber selbst keine Eigenschaften hat.

Die Orgonenergie hingegen ist sozusagen das widerspenstige, „elastische“ Material, das der Steuerkausalität ausgesetzt wird, durch sie aber nur in eng umschriebenen Grenzen verformt werden kann. Entsprechend kann Reich die Grundgestalt einer Giraffe erklären, während Hass verständlich macht, wie aus dieser Grundgestalt unter Selektionsdruck ein langhalsiges „Monstrum“ sich entwickelt hat. So wird erklärlich, wie sich die Orgonom-Form einerseits bei manchen Lebewesen bis zur Unkenntlichkeit verändert hat, andererseits aber doch im Verlauf der Evolution immer wieder durchschlug.

Wie nahe Hass trotz allem Reich steht, wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß auch für ihn Energie allem real Seienden zugrunde liegt und sogar Raum und Zeit konstituiert. Deshalb lehnt er, wie vor ihm Wilhelm Ostwald, den „Materialismus“ ab. Hass:

Denn gerade das, was uns die Materie als etwas Klotziges, Plumpes, von den geistigen Vorgängen und unseren Gefühlen so äußerst Verschiedenes erscheinen läßt, hat gar keine reale Basis. Es ist eine Interpretation unserer höchst mangelhaften Sinne. Dieses Klotzige, Plumpe, „primitiven Gesetzmäßigkeiten blind Gehorchende“ ist in Wahrheit eine Erscheinungsform höchst differenzierter Kräfte. Was wir Materie nennen, besteht ganz und gar aus dem gleichen geheimnisvollen Etwas, das auch den subtilsten Prozessen, auch unseren Denk- und Gefühlsvorgängen zugrunde liegt.

Leider war für Hass in Anlehnung an seinen Lehrer Konrad Lorenz das Bewußtsein nur „Projektionsschirm“ der Außenwelt. Eine energetische Theorie, die nicht vor dem Problem steht, vom „Klotzige, Plumpe, ‚primitiven Gesetzmäßigkeiten blind Gehorchenden’“ auszugehen, hätte in dieser Hinsicht ein Potential, das Reich im Gegensatz zu Hass ausgeschöpft hat.

Aus orgonomischer Sicht stellt sich ohnehin die Frage, ob ein funktionierender Organismus eine Art „Orgonmotor“ ist, für den die zugeführte sekundäre Energie nur so etwas wie eine aktivierende „Anschubenergie“ darstellt. Immerhin reagieren tierische Organismen auf die Witterung genauso wie Reichs Orgonmotor. Man vergegenwärtige sich nur die Verluste bei der Umwandlung der zugeführten Nahrungsenergie in die lebensnotwendigen Leistungen. 80 bis 99 % geht verloren, wenn die in die Muskelzellen gelangende chemische Energie in mechanische Energie umgewandelt wird, bei der Reibung in den Gelenken, etc. Ob der klägliche Rest ausreicht, um (insbesondere) die Maschine Mensch am Laufen zu halten, kann bezweifelt werden.

Nun beruht aber die gesamte Energontheorie auf der Prämisse, daß wegen des horrenden Energieverlusts, der bei der „Umsetzung der vereinnahmten Rohenergie in funktionale Nutzenergie“ auftritt, die Bilanz der Lebewesen „außerordentlich positiv“ sein muß. Bedeutet demnach die Entdeckung der „freien“, d.h. negentropischen, Lebensenergie Orgon, daß die Energontheorie nicht nur Stückwerk ist, sondern null und nichtig? Im hoffe, es wird deutlich, daß dem nicht so ist, sondern daß die Energontheorie, obwohl sie erst durch die Orgonomie ein festes Fundament erhält, eine unverhoffte wie wichtige Ergänzung der Orgonomie darstellt.