Archive for the ‘Wissenschaft’ Category

Was meinte Reich mit „kosmisch“?

21. Mai 2017

Reich meinte mit „kosmisch“ das Gegenteil dessen, was heute „Wilhelm Reich Gesellschaften“ (sic!) vertreten, für die das Orgon sich auf der gleichen Ebene befindet wie „Prana“ oder „Chi“. Alles ist sehr „kosmisch“, im Sinne von nicht greifbar. Für Reich hingegen war „kosmisch“ synonym mit „materialistisch“, d.h. zum Bereich der Naturwissenschaft gehörend. Nehmen wir folgendes Zitat aus dem Jahre 1937:

Die Sexualerregung ist funktionell identisch mit bioenergetischer Aufladung der sexuellen Zonen. Die Angsterregung geht mit einer Verminderung der Oberflächenladung einher. Der Begriff „Libido“ als Maß der „psychischen Energie“ ist keine Metapher mehr, sondern betrifft energetische Vorgänge. Derart reiht sich die Sexualfunktion in das allgemeine elektrische Naturgeschehen ein. (Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 127)

Die gescheiterte Orgonomie (Teil 1)

13. Mai 2017

Es gibt zwei grandiose Mißverständnisse hinsichtlich der Orgonomie, die sich in entsprechende Fragen kleiden lassen:

Wo sind denn die tollen Ergebnisse der Orgontherapie? Wo die umstrukturierten, entpanzerten, gesunden genitalen Expatienten?

Warum hat es nach Reich keine neuen weltbewegenden Entdeckungen und Entwicklungen gegeben?

Die Orgontherapie ist die einzige, die einzige, Therapieform, die ein eindeutig umrissenes, klar definiertes und objektiv nachprüfbares Ziel anvisiert: die orgastische Potenz. Es geht dabei nicht darum, dieses Ziel zu erreichen, sondern die Patienten auf dieses Gleis zu setzen. Das ist der einzige wirkliche Wirkmechanismus. Es ist schon viel erreicht, wenn die Therapie aus schier unerträglichen Nervensägen einigermaßen vernünftige Menschen macht.

Bei der Orgontherapie ist es wie überall in der Soziologie und Psychologie. Um beispielsweise den Einfluß des Protestantismus auf die Menschen zu erforschen, muß man zunächst den Durchschnitt und die historische Entwicklung betrachten, so daß man bei Fallstudien an Einzelnen weiß, was man sinnvoller Weise untersuchen soll, um die Dynamik des Protestantismus im Vergleich zum Katholizismus zu verstehen. Man kann sich also dieser Frage nicht „wertfrei“ nähern! Kurz gesagt können Protestanten klarer denken und „klarer fühlen“, weil sie sich weiter vom heidnischen Obskurantismus entfernt haben. Alles andere ist irrelevant. Ähnlich ist das bei der Bewertung der Orgontherapie: es geht um den Entwicklungsprozeß.

Wie willst du entscheiden, was „gesund“ ist? Es kommen unendlich dumme Einwände a la, daß in katholischen Ländern die Menschen fröhlicher sind und ähnlicher irrelevanter Unsinn.

Und was die mangelnde Produktivität betrifft: Es herrscht allgemein ein Mißverständnis vor, was Wissenschaft und technische Entwicklungen betrifft. Nach einer wissenschaftlichen Revolution (etwa Galilei und Newton, später die Quantenmechanik) oder einer technischen (die Dampfmaschine, der Verbrennungsmotor und der Elektromotor) wird jahrhundertelang dran rumgedoktert, aber es gibt keine wirklich neuen Entdeckungen oder grundlegenden neuen Erfindungen. Die Materie ist wie sie ist, die Orgonenergie ist wie sie ist, d.h. ihre Eigenschaften sind jeweils überschaubar, nachdem jemand den Schlüssel gefunden hat, diesen Raum der Natur zu öffnen.

nachrichtenbrief20

10. Mai 2017

nachrichtenbrief17

30. April 2017

nachrichtenbrief16

28. April 2017

Negative träge Masse und das orgonomische Potential

23. April 2017

In Orgonenergie-Kontinuum und atomare Struktur habe ich ausgeführt, daß suprafluide Materie, in der es keine einzelnen Teilchen mehr gibt, bzw. die Partikel wie ein Kollektiv, d.h. als Welle funktionieren, dem erstaunlich nahe kommen, was Reich als Orgonenergie beschrieben hat.

M. A. Khamehchi, Khalid Hossain, M. E. Mossman, Yongping Zhang, Th. Busch, Michael McNeil Forbes und P. Engels haben nun in in einem „Einstein-Bose-Kondensat“ sogar „negative Masse“ (träge Masse, nicht schwere Masse!) im Labor erzeugt: „Negative-Mass Hydrodynamics in a Spin-Orbit–Coupled Bose-Einstein Condensate”. Es geht darum, daß, wenn man eine Kraft auf diese Materie ausübt, sie sich nicht nach „F = m x a“ beschleunigt von einem weg bewegt („expandiert“), sondern ganz im Gegenteil auf einen zukommt („kontrahiert“).

Dazu wurden Rubidium-Atome in einem winzigen horizontalen Rohr zusammengequetscht und auf nahe den absoluten Nullpunkt abgekühlt. In diesem Zustand sind die Bewegungen der Atome so korreliert, daß sie sich wie eine einheitliche Welle bewegen. Mit Laserlicht kann man nach gängigem Verständnis die Atome aus dem geöffneten Röhrchen hinausdrücken, doch statt in diese Richtung zu expandieren, kontrahiert das „Einstein-Bose-Kondensat“ in die entgegengesetzte Richtung, „kommt einem entgegen“.

Man muß beim Gegensatz von positiver und negativer (träger!) Masse unwillkürlich an den zwischen mechanischem Potential und orgonomischem Potential denken.

nachrichtenbrief14

22. April 2017

nachrichtenbrief13

21. April 2017

nachrichtenbrief12

17. April 2017

Reich und die sowjetische Akademie der Wissenschaften

10. April 2017

Diethard Sawicki macht in seinem Aufsatz „Das wunderbare Leuchten einer erneuerten Welt. Wilhelm Reichs Bionexperimente und seine Entdeckung der Orgonenergie“ (Wunder. Poetik und Politik des Staunens im 20 Jahrhundert, suhrkamp Taschenbuch) die sehr interessante Beobachtung, daß Reich damals nur in der Stalinistischen Sowjetunion eine Chance gehabt hätte wissenschaftlich zu reüssieren. Amerika und der gesamte Westen wurden von der Rockefeller-Stiftung beherrscht, die ausschließlich eine extrem mechanistische und kostspielige Großforschung finanzierte. Leute wie Reich konnten nur in der Sowjetunion eine Nische finden. Nur hier wurden Lamarckistische, lebensenergetische und im weitesten Sinne „dialektisch-materialistische“ Forschungen unterstützt, insbesondere was das Problem der „Urzeugung“ betraf. Während des Kalten Krieges war ausgerechnet die Sowjetunion, deren Staatsphilosophie ein brutaler Materialismus war, Vorreiter in Sachen parapsychologischer Forschung („Psychotronik“). Von daher war es m.E. alles andere als abwegig, daß Reich den Verdacht hegte, die Sowjetunion würde seine Orgonforschung ausspionieren und alles dafür tun, ihn in den USA zu deskreditieren, während sie selbst sie in der UdSSR nutzte.