Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 135)

6. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Diderot, Marx, Freud und Konsorten haben die Ausnahmestellung von LaMettrie, Stirner und Reich erkannt, was man von deren Bewunderern und Anhängern in aller Regel nicht sagen kann. Das ist imgrunde das LSR-Projekt in einem Satz.

Bei Wolfgang Röd fand ich folgende Stelle, die zeigt, warum Marx (bereits lange vor dem Einzigen) ein Ohr für Stirners (spätere) Sonderstellung hatte. Nach Hegel gab es nur zwei Wege weiterzugehen – einen beschritt Marx, den anderen Stirner:

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte es nicht nur scheinen, als sei eine bestimmte Gestalt der Philosophie durch ihre Vollendung im Hegelschen System an die Grenze ihrer Entfaltungsmöglichkeiten gelangt, sondern als bereite sich auch die Geburt einer neuen Art Philosophie vor. Daß Marx die Situation so sah, zeigt sich schon in den Vorarbeiten zu seiner Doktor-Dissertation, wo sich der berühmte Hinweis auf Knotenpunkte in der Philosophie findet, an denen die gerade Linie der Entwicklung unterbrochen werde. Nach Marx wurde mit Hegels System ein solcher Knotenpunkt erreicht. Dies äußert sich einerseits in der Hinwendung zur Subjektivität als Reaktion auf den totalen Anspruch einer zur Vollendung gelangten Philosophie [PN: Stirner], andererseits in der Bemühung um Aufhebung der für abgeschlossen gehaltenen Art von Philosophie. An dieser Aufhebung mitzuwirken, sah Marx als seine Aufgabe an. Eine solche Aufhebung war seit längerem vorbereitet, und zwar nicht nur durch die Linkshegelianer und namentlich durch Feuerbach, sondern auch, ja vor allem durch die sogenannten utopischen Sozialisten. Was Feuerbach anbelangt, so zeigt sich bei ihm bereits jene Tendenz zur materialistischen Umstülpung der Hegelschen Philosophie, von der später Marx, Engels und deren Nachfolger sprechen sollten. (Wolfgang Röd: Dialektische Philosophie der Neuzeit, München: C.H.Beck, 1986, S. 196f)

Stirner wird von Röd natürlich nicht erwähnt. Sah Marx schon, lange bevor Stirner in seinen Gesichtskreis trat, die Alternative zwischen „Hinwendung zur Subjektivität“ (d.h. sich dem „absoluten Geist“ entziehen) und „Aufhebung“ (beim Geist kann „Aufhebung“ nur „real werden“ bedeuten). Wenn dem so ist, dann hätte Marx selbst ein „Stirner“ werden können. Er war sich dessen bewußt (natürlich in anderer Begrifflichkeit und deshalb nicht ganz so klar): entweder sich dem Über-Ich entziehen und es liquidieren – oder diesen Geist (die Moral) aufheben, indem man ihn verwirklicht (= das Marxistische Paradies der Gerechtigkeit). Das wäre auch die Erklärung, warum nur er Stirners Bedeutung durchschaut hat. Deshalb hat er sich die Mühe gegeben ein Telefonbuch über Der Einzige und sein Eigentum zu schreiben: Die deutsche Ideologie.

Im Anschluß an Hegel gab es zwei Möglichkeiten: das System verlassen (mit dem Spintisieren aufhören) oder es weiterführen (das Spintisieren mit anderen, geeigneteren Mitteln fortführen). Vielleicht ist mein Röd-Zitat vollkommen belanglos. Das einzige, was ich interessant finde, ist das „Objektive“: daß prinzipiell diese Gabelung bevorstand, egal ob überhaupt jemand den einen Weg genommen hätte und egal, ob Stirner oder Marx je gelebt hätten.

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „DOR-Krankheit” und folgende

5. Juni 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „DOR-Krankheit“ und folgende

Email [Menschen um Reich] (2003)

4. Juni 2024

Email [Menschen um Reich] (2003)

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 134)

3. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Die richtige Vorhersage der Zukunft ist die Quintessenz aller Wissenschaft. Die Physik ist nichts anderes als Zukunftsvorhersage, die Medizin lebt davon, den Krankheitsverlauf richtig vorherzusagen, unser tägliches Leben ist nichts anderes als ständige Vorausschau – Unfälle passieren nur bei unvorhersehbaren Ereignissen. Grundsätzlich sollte man nur jene Leute ernstnehmen, die in der Vergangenheit die Gegenwart richtig vorausgesagt haben. Das ist ein denkbar einfaches Kriterium – und es paßt wirklich zu jedem nur denkbaren Bereich der Wissenschaft und des täglichen Lebens. Sei es nun ein Kollege in der Klinik, der Behandlungsvorschläge gibt oder ein Bekannter, der persönliche Ratschläge gibt. Würden alle diesem Rat folgen, hätten die Betrüger und Gernegroße keine Chance mehr. Alles andere ist faschistische Irrationalität, Ideologie und Religion.

Von daher war Laska, seines Zeichens Statiker, alles andere als naturwissenschaftsfeindlich, sondern wählte ganz im Gegenteil diesen Bereich ursprünglich, weil er weitgehend „wertfrei“, d.h. über-ich-frei ist. Aus einem ähnlichen Grund war er ein großer Verfechter der Plansprachen wie Interlingua und Esperanto, die frei von kulturellen Konnotationen und die deshalb eindeutig sind, d.h. nicht zu Mißverständnissen (und damit Unvorhersehbarkeit) führen, wie die gewachsenen Sprachen.

Reich sah entsprechend seine einzige Chance, die Übermacht der Lebensfeinde zu bezwingen, in einer Wissenschaft, die das Gegenteil der faschistischen „Erbwissenschaft“, der „Atomzertrümmerer“ und der chemischen Umweltvergifter war, die Orgonomie.

nachrichtenbrief207

2. Juni 2024

Das Manifest der Kommunistischen Partei

1. Juni 2024

Um Marx richtig einordnen zu können, braucht man an sich nichts anderes lesen, als die Maßnahmen, die 1848 von Marx für die „fortgeschrittensten Länder“ vorgesehen waren und zwar „ziemlich allgemein“:

1. Expropriation des Grundeigentums und Verwendung der Grundrente zu Staatsausgaben.

2. Starke Progressivsteuer.

3. Abschaffung des Erbrechts.

4. Konfiskation des Eigentums aller Emigranten und Rebellen.

5. Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol.

6. Zentralisation des Transportwesens in den Händen des Staats.

7. Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung der Ländereien nach einem gemeinschaftlichen Plan.

8. Gleicher Arbeitszwang für alle, Errichtung industrieller Armeen, besonders für den Ackerbau.

9. Vereinigung des Betriebs von Ackerbau und Industrie, Hinwirken auf die allmähliche Beseitigung des Unterschieds von Stadt und Land.

10. Öffentliche und unentgeltliche Erziehung aller Kinder. Beseitigung der Fabrikarbeit der Kinder in ihrer heutigen Form. Vereinigung der Erziehung mit der materiellen Produktion usw.

Du wirst nichts mehr besitzen – und glücklich sein! Dir wird buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen. Du wirst dich nie hocharbeiten können, auch nicht via deine Nachkommen, weil Einkommenssteuer und Erbrecht erfolgreiches Arbeiten bestrafen. Wehrst Du dich oder fliehst du, wird alles, was du besitzt, ersatzlos konfisziert. Zentralbankgeld, Zentralisation und Militarisierung aller Lebensbereiche, allgemeine Nivellierung, Meinungshoheit („Demokratieerziehung“) von der Kinderkrippe anwärts. Es ist alles wie in Nordkorea oder wie in der EUdSSR.

Ich erwähne sowas immer wieder, weil emotional schwerkranke Individuen die Orgonomie seit Jahrzehnten mit diesem Marxistischem Gedankengut sozusagen aufpeppen wollen. Diese pseudointellektuellen Armleuchter haben sogar die Pertinenz, einen auf die „Frühschriften“ von Marx zu verweisen, wo dieser sich als Humanist erweise. Zunächst einmal, euren „Humanismus“ könnt ihr euch sonstwo hinschieben. Und: bei Kröner gibt es beispielsweise die Ausgabe Die Frühschriften: Von 1837 bis zum „Manifest der Kommunistischen Partei“ 1848. Was soll man dazu sagen?

Kommunismus ist EMOTIONELLE PEST und nichts außerdem! Es ist die Rache von impotenten Seelenkrüppeln, die alle anderen auf ihr energetisches Niveau herabziehen wollen. Wir leben bereits in dieser rotfaschistischen Hölle:

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 133)

31. Mai 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Imgrunde geht es, jedenfalls in Sachbüchern für Fachfremde, immer nur um eins und das betrifft das LSR-Projekt im Kern:

„Leute, ich erkläre euch hier mein Fach. OK, und was folgt aus diesem meinen Fach? Ja, das ist eine Frage des Sollens, da geht es um Werte, damit haben wir naturwissenschaftlichen Experten nichts zu tun, hier bist du, der Leser als politisches Wesen aufgerufen an der Ethik mitzuarbeiten.“ Oder so ähnlich.

Was ist also „die Folge“ von Quantenchromodynamik, Evolutionsbiologie, physikalischer Chemie etc.? Das Über-Ich! Die Wissenschaftler wurschteln so vor sich hin und dann, wenn es um die Resultate und die Vermittlung der Resultate bzw. um deren Konsequenzen geht…: es endet IMMER in einem Appell ans Über-Ich.

Das sieht man bei der Klimadebatte besonders kraß, weil dort seinerseits „das Über-Ich“ auf die Grundlageforschung direkt und unmittelbar rückwirkt. Es ist wirklich wie im finstersten Mittelalter: am Ende (und darum letztendlich auch am Anfang, da Naturwissenschaft von der Gesellschaft abhängt!) steht immer der Priester und die Religion. Heute ist es eher noch weit finsterer als damals. Wenn ich etwa an die „Ethik-Kommission“ für Corona denke, könnte ich mich vor Wut in der Auslegeware festbeißen!

Georges Bataille aufgespießt

30. Mai 2024

Georges Bataille aufgespießt

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „DOR” und folgende

29. Mai 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „DOR“ und folgende

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 132)

28. Mai 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Theodor Reik reduziert in seinem Buch Geständniszwang und Strafbedürfnis die Psychoanalyse auf eine von der Libidotheorie bereinigte Ichpsychologie, die er gleichzeitig scheinbar unlösbar an Freuds neue Todestriebtheorie kettet (wie es übrigens Freud selbst in Das Ich und das Es vorexerziert hat). Sowohl Reik als auch Reich plädieren in ihren Arbeiten dafür, zwischen dem Über-Ich und dem Ich zu vermitteln, doch für Reich ist dies nur ein erster Schritt, an den sich die Vermittlung zwischen Ich und Es anschließen muß, damit es zur realen Triebbefriedigung kommen kann (zumal die Strenge des Über-Ich von der erogenen Fixierung abhängt). Reik sieht aber vollkommen vom Libidogeschehen ab und reduziert alles auf „Signale“ zwischen starren festumrissenen psychischen Einheiten. Reich wendet sich gegen diese Personifikation der psychischen Instanzen, so als wären sie voneinander unabhängige Personen, zwischen denen sich ein Drama abspielt. Reich beharrt darauf, daß der neurotische Konflikt sich zwischen der Außenwelt und dem Lust-Ich abspielt, das sich aus Angst vor Strafe an diese Außenwelt anpaßt und daran scheitert, während nach Reik die Neurose auf dem Konflikt zwischen Trieb und dem Bedürfnis nach Strafe beruht. Der Konflikt ist also für Reik, gemäß Freuds sich im Geständniszwang und Strafbedürfnis manifestierenden Todestrieb, von vornherein im Individuum angelegt und muß nicht erst von der Gesellschaft ins Individuum getragen werden. Reich hebt hervor, wie bequem doch eine solche Theorie für die Gesellschaft ist.

Was wie „Reich vs. Reik“ aussah, war in Wirklichkeit „Reich vs. Freud“. Und was wie „ärztliche Psychoanalytiker vs. Laienanalytiker“ aussah, war in Wirklichkeit „LSR vs. DMF“ – und es hat was, wenn später „emanzipatorische“ und „Marxistische“ „Reichianer“ in der Frage der „Laienanalyse“ stets mit Freud übereinstimmten.

Wenn Reich darauf bestand, daß nur Ärzte Psychoanalystiker sein dürften, ging es ihm explizit darum, daß „Geisteswissenschaftler“ wie Reik eben den „Geist“, d.h. das Über-Ich in die Psychoanalyse tragen. Das gleiche ist dann später auch prompt in der Orgonomie geschehen, als Laien, die sich als „Orgontherapeuten“ gerierten, die Orgonomie geradezu systematisch auf mystische Gleise leiteten.

Es ging um die zentrale widersprüchliche Dichotomie: kein Sollen von unten (aus dem Es), aber Ethik von oben (aus dem Über-Ich). Sozusagen die Welt als Wille (Es) und Vorstellung (Über-Ich). Daß aus dem Sein kein Sollen folge und das dazu parallele „Ethisieren“ ist der Kern der Ideologie des Liberalismus – und des Faschismus.