Posts Tagged ‘Gott’

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, c. Die Entdeckung des Orgons

7. Januar 2026

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, c. Die Entdeckung des Orgons

Peter Töpfer (Teil 16)

30. Dezember 2025

Reich erinnert mich an Jesus. Worum geht es eigentlich im Neuen Testament? Daß das Alte Testament eine hervorragende Botschaft enthält, die Pharisäer diese Tradition zwar vertreten, aber nicht den Schlüssel haben, um diese Schatztruhe zu öffnen. Jesus ist dieser Schlüssel: Gott IST die Liebe und alle alttestamentarischen Regeln sind von daher zu sehen, sonst dreht sich alles ins Gegenteil und die Regeln ersticken die Liebe. Genauso mit Reich: ohne die Unterscheidung von primären und sekundären Trieben („Jahrtausendentdeckung“) und den Kernsatz, daß das Über-Ich kein kognitives, sondern ein emotional-affektives Problem ist, liegt beispielsweise Stirner brach und kann sogar toxisch sein. Wie wir gesehen haben unterscheidet Töpfer EXPLIZIT nicht zwischen primären und sekundären Trieben, dies sei nicht Stirnerisch, und zweitens bezieht er das emotional-affektive nicht auf das Über-Ich, sondern auf das Ich: man muß sich „postphilosophisch“ ausleben und nicht mehr kognitiv „paraphilosophieren“.

Töpfer ist der Christusmörder par excellence weshalb ich seine „Kritik an der Orgontherapie“, hier nicht wiedergeben werde, zumal er das Gerüst von meiner Wenigkeit, Peter Nasselstein, übernommen hat (Tiefenwahrheit, S. 263f). Töpfers eigener Beitrag erschöpft sich in Häme. Das gleiche gilt für meine durch ihn übernommene Darstellung der verschiedenen Theorien über die Entstehung der Panzerung:

Was ist nur aus dem Reichianismus für ein Blödsinn geworden … Sogar der Wolkenspinner James DeMeo geht hier noch als geerdet durch. (DeMeos Meisterleistung war aber, wie er das Kunststück fertigbrachte, den folgenreichsten aller Wüstenstürme, den jüdischen, einfach wegzulassen.) (S. 269)

Jaja, die Juuuuuden! Das Ausmaß von Töpfers gegen den Therapeuten Reich gerichteten Haß und die abgrundtiefe Verachtung bricht sich immer wieder Bahn und kulminiert in dem Zugeständnis, Reich hätte doch gleich bei der Naturwissenschaft bleiben sollen, wobei Töpfer über die naturwissenschaftliche Orgonomie noch mehr Häme ausgießt – und dabei Reich antisemitisch angreift. Während Töpfer gegenüber Theisten den Agnostiker spielt, schüttet er über den Wissenschaftler Reich nur „atheistische“ Kübel der Verachtung aus. Reich hätte, so Töpfer, einen „ehrlich-anständigen Beruf wie Rinderzüchter oder Milchhändler“ ergreifen sollen. Direkt an Reich persönlich adressiert: „Wenn Sie schon so viel Geld für sinnlose [Orgon-] Spinnereien gebraucht haben, dann hätten Sie besser Ihre Wissenschaft (…) mal weiter als Landwirt zum Einsatz bringen sollen. Da hätten Sie sich nicht so viel ins ‚Leben der Leute verwickeln und verfangen‘, nicht zum bewußten Betrüger und Ausbeuter dieser Leute werden und nicht Ihr schlechtes Gewissen entlasten brauchen.“ In Bezug auf Tiere stimmte die maschinelle Agrarwissenschaft, „– in Bezug auf Menschen stimmte sie nicht. Das war [auf den Menschen angewendete Wissenschaft, etwa die Medizin oder die Psychologie]. Hat die [auf den Menschen angewendete Wissenschaft] gar etwas mit den Gojim (den Tieren) zu tun? Ich beziehe mich hier natürlich immer nur auf das Seeleningenieurswesen, bei Unfallchirurgie sieht es anders aus, das ist [Maschinenwissenschaft], auch wenn sie am Menschen zum Einsatz kommt“ (S 285f). Für den Juden Reich waren wir Gojim nur Vieh!

Ich erspare mir und meinen Lesern eine Besprechung von Töpfers Analyse von „Des Reichianers Elsworth F. Baker theoretisches Wirrwarr“ sowie dem, was Reich „verzapft“ habe (S. 269-288), und zitiere nur:

Besser ein paar Jahre Tiefenwahrheit genommen und genug irrationale Gefühle weggeräumt, um frei und einfühlsam (ohne „Gegenübertragung“) dem Wahrsager [d.i. der jeweilige Klient Töpfers] immer an dessen jeweiliger Oberfläche – und nicht im Gestrüpp seines „Charakters“ – assistieren zu können. Es schadet nichts, den Wahrsager zu kennen – welchen „Charakter“ er hat –, aber das kriege ich als Wahrheitsbegleiter ziemlich schnell mit; ich nenne den „Charakter“ dann nur „Grundproblem“, „Grundgesetz“ oder „immer wiederkehrende Problematik“. (S. 273)

Dieses ganze Gewäsch Töpfers über Orgontherapie und Psychotherapie („Hier stellt sich Rech vollends als totaler Versager heraus“ [S. 283]), Dinge von denen Töpfer weder theoretisch noch praktisch Ahnung hat, läuft schlichtweg darauf hinaus, Laskas LSR-Projekt durch eine entkernte Primitivpsychoanalyse („Wahrsagerei“) zu ersetzen, die er sich bereits als 15jähriger aus den Fingern gesogen hat, und das ganze „videographisch“ zu dokumentieren, was dann die „Postphilosophie“ konstituiert, die Laskas kopf- und textlastige „Paraphilosophie“ ersetzen soll. Tatsächlich wird nur eins getan: die Welt wird mit Töpfers ganz persönlicher Neurose geflutet. Das ist Emotionelle Pest (das Ausleben des neurotischen Irrationalismus im Sozialen), was auch durch die ständigen Invektiven gegen Reich und Laska (der doch der eigentliche Held dieses Buches sein soll!) evident wird. Nur einer, auf den dauernd verwiesen und der oft zitiert wird, kommt immer gut weg (z.B. S. 346): Peter Nasselstein. Irgendwie fühle ich mich wie der unfreiwillige Coautor.

Ich weiß nicht, ob es das oder persönliche Sympathie ist, aber ich kann dem Autor gegenüber keine schlechten Gefühle entwickeln trotz allem. Ich sollte wirklich stinksauer sein! Es reicht allein schon die Überlegung, daß Töpfer Reich aus dessen Aussage einen Strick dreht, daß ein krumm gewachsener Baum nicht mehr geradezurichten ist, will sagen, daß die Orgontherapie ihre Grenzen hat. Mit Talmudisch wirkender Dialektik, dreht Töpfer dieses Eingeständnis in einen Betrugsvorwurf um! Anderes Beispiel: „Es gibt natürlich einen Riesenunterschied zwischen Reich und Ron L. Hubbard, aber ihre Theorien und Praktiken haben dennoch eine gewisse Ähnlichkeit. Der Unterschied: Hubbard glaubte wenigstens an seine Theorie“ (S. 284). Ich wünschte, ich hätte mich aufregen können, denn das hätte die teilweise unerträglich langweilige Lektüre erleichtert.

Über Töpfer und Nasselstein schreibt Töpfer:

Ich bin selbst immer noch irgendwie Reichianer, aber man muß doch mal endlich die Kirche im Dorf lassen und das ganze sinnlose Brimborium erkennen. Als Märchen ist das alles vielleicht faszinierend, und ich bewundere Peter Nasselstein dafür, wie er an der Orgonomie festhält. Aber man muß doch mal wieder aus dem Traum erwachen. Nasselstein kritisiert doch andere, im konkreten Falle Heiko Lassek, für deren unerträgliche Orgonmystik – hat aber selbst einen Balken im Auge. Nasselstein findet kein Ende, das Leben mit der Orgonomie zu verwechseln. (S. 287)

Wilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, c. Antifunktionalismus: Der Geist in der Maschine

6. Dezember 2025
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W:ilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, c. Antifunktionalismus: Der Geist in der Maschine

Peter Töpfer (Teil 9)

28. November 2025

Wir sind endlich bei dem alles krönenden, Mitte dieses Jahres erschienenen Hauptwerk Peter Töpfers angelangt: Max Stirner und die Tiefenwahrheit als post-psychotherapeutisches Selbstermächtigungsverfahren (Bernd A. Laskas LSR-Projekt und die Weiterentwicklung der im Kognitiven, Affektiven und Korporellen operierenden Neuen Aufklärung).

Das Buch hebt mit der Aussage an, beim LSR-Projekt ginge es „um die fundamentalsten Dinge unseres Lebens (…) – das Totalprekariat der menschlichen Existenz –, auf die die Gegenaufklärung mit einer Rückwendung zum Transzendenten glaubt antworten zu können“ (S. 18). Nein, geht es nicht! Es geht Laska nicht um die „menschliche Existenz“, mit der ist alles in Ordnung, es geht nicht um das Sein und das Nichts, sondern um die jeweilige prekäre individuelle Existenz in einer durch die individuelle Implementierung eines „irrationalen Über-Ichs“ seit unzähligen Generationen vollkommen irrational gewordenen Gesellschaft. Das mag in der Formulierung kein großer Unterschied sein, doch von Anfang an stimmt Töpfer einen „existentiellen“ quasi „gnostischen“, geradezu „religiösen“ Ton an, der Laskas aufklärerischen Intentionen diametral zu widerläuft und ein 859seitiges Ausweichmanöver einleitet.

Dieses beginnt mit einer, wie stets bei Töpfer, fast unerträglich langatmigen Darstellung der am Jenseits ausgerichteten Lebensauffassung des Holocaustleugners und katholischen Gegenaufklärers Vincent Reynouard. Ja, es ist vollkommen absurd, wegen bloßer Worte, dazu noch Aussagen über die mittlerweile ferne Vergangenheit, ins Gefängnis zu kommen, aber ausgerechnet mit einer solchen Person und ihrem mystischen Gewäsch (man ist ja „Agnostiker“…) das erste Kapitel anzustimmen, in dem es in Folge um Bernd A. Laska, Wilhelm Reich und Laskas Nachfolger Christian Fernandes geht… Was soll das?!

Die Neue Aufklärung, etwa LaMettrie, ist, so Töpfer, ins „Sensuelle, also den Sinn“, sozusagen mitten ins Leben, vorgestoßen und hat „eine metaphysisch indifferente und agnostische Position“ eingenommen, die ein unausgesprochenes Bündnis mit den Gegenaufklärern ermöglichte, während die Alte Aufklärung Gott durch das sinnlose Nichts ersetzt hatte und danach dieses Nichts auch in der Mitte ihres Lebens gähnte (S. 23f).

Ihre Radikalen Kollegen erinnerten sie an den Urschmerz der Vernichtung ihrer Person. Da sie diesen Urschmerz unbedingt von sich fernhalten mußten – die Gegenaufklärer ließen ihn und den Trost dagegen zum Teil zu –, mußten sie die Neuen Aufklärer mörderisch verfolgen oder aber „repulsieren“, wie Laska das nennt. (S. 24)

Problem ist, so Töpfer, daß „das Nichts, die vernichtete Person und der ‚repulsierte‘ Urschmerz natürlich auch die Radikalen Aufklärer selbst betreffen“ (S. 25).

Wir landen bei Töpfer immer wieder konsequent an der Über-Ich-Problematik vorbeizielend beim „Existentiellen“, d.h. dem „Urschmerz“. Man könnte sagen, von dem Elend des neurotischen Charakters (Massenneurose) und dessen Über-Ich-Problematik werden wir abgelenkt hin zum Elend des schizophrenen Charakters, bei dem sich, wegen früher Vernachlässigung, alles um die bloße Existenz des Ich dreht. Ich erinnere an die Rede vom „Totalprekariat der menschlichen Existenz“!

Tatsächlich hat Töpfer hier einen Nerv getroffen, nämlich den, daß Laska den größten Epochenbruch seit 6000 Jahren, als die Panzerung des Menschen im Anschluß an die sexuelle Revolution anfing zu kollabieren, nicht recht ins Kalkül genommen hat. Ich spreche vom 1960 erfolgten Wechsel von der autoritären „neurotischen“ Über-Ich-Gesellschaft hin zu einer antiautoritären „schizophrenen“ Gesellschaft, in der das Über-Ich „isoliert“ ist, die Menschen nicht mal mehr wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind, die Moral auftritt wie der unvorhersehbar agierende sadistische Mörder in einem Horrorfilm und die Menschen zu undifferenzierten Fleischhaufen werden, die sich im „Urschmerz“ winden. Töpfer bzw. seine durch Arthur Janov inspiriertes „post-psychotherapeutisches Selbstermächtigungsverfahren“ („Befreiungs-Urschrei“) ist ein Ausdruck dieses epochalen Zusammenbruchs der Muskelpanzerung der Menschheit und ihre Ersetzung durch okulare Panzerung. Daß Töpfer Laska, die „Jahrtausendentdeckung“ und die Idee der Prophylaxe, dieses letzte Aufkeimen von Rationalität, in diesem Buch dekonstruiert, ist integraler Bestandteil dieses Verfallprozesses. Bezeichnenderweise spielt die verbrecherischste Seite der sexuellen Revolution, Kindersex, bei diesem Vernichtungswerk eine zentrale Rolle, wie wir noch sehen werden. Laska wird sozusagen zwischen den beiden Haupttriggerpunkten der BRD aufgeknüpft: zwischen Holocaustleugnung und Pädophilieverdacht.

Frei nach Karl Kraus ist die Tiefenwahrheit die Krankheit, die sie zu heilen vorgibt! Dazu gehört auch, daß Aufklärung heute eben NICHT „korporell“ sein kann, denn mit der Auflösung der Muskelpanzerung haben wir bereits genug affektives Ausagieren in der Gesellschaft, wohingegen bei all dem antiautoritären Irrationalismus der Appell an die Vernunft und klares Denken immer wichtiger wird. Dazu gehört das Angehen der Oberfläche, der sozialen Fassade, und das Vermeiden wahrheits- und freiheitskrämerisch bei zu tiefen biophysischen Schichten anzusetzen.

Peter Töpfer (Teil 8)

27. November 2025

Es ist bezeichnend, wie Töpfer in Pan-Agnostik mit Bernd A. Laska umgeht, dessen einziges Anliegen die radikale Liquidierung des Über-Ichs („LSR“) war. Für, meiner Einschätzung nach, pseudowissenschaftlichen Quark wie „germanische Medizin“, Jochen Kirchhoff und „Parawissenschaft“ ist in dem voluminösen Band jede Menge Platz, aber keiner für LSR-Relevantes und das bei einem, der am liebsten die „existentiell sinnlose“ Naturwissenschaft abschaffen würde (vgl. S. 234). Daß für Stirner und im Anschluß für Laska ausschließlich die MINT-Fächer sinnvoll, da über-ich-frei, waren, der Rest Dreck, wird auf eine Weise ins Gegenteil verdreht, die sogleich evident werden wird. Zwar sind Töpfers „agnostische“ Ausführungen über die erwähnten metaphysischen Systeme eben das, agnostisch, aber genau das ist das Problem, denn trotz allem Eintreten für die Autonomie und gegen die Heteronomie, bleibt die Tatsache der agnostischen Einstellung gegenüber Gott, d.h. dem – Über-Ich. Vielleicht deshalb diese 467 manisch vollgeschriebenen Seiten: um diesen Widerspruch vor sich selbst zu übertünchen.

Laska wird nur auf sieben Seiten erwähnt:

S. 25: Hier der bereits in Teil 6 erwähnte Mißbrauch LaMettries als Zeugen Gottes (also des Über-Ichs) mit Verweis auf Laskas Herausgeberschaft von Der Mensch als Maschine.

S. 33: „Religionskritiker wie Feuerbach sind tatsächlich näher an Gott dran als Religiöse. ‚Der agnostische Standpunkt ist auf theologischem Gebiet dem theistischen überlegen‘ ließe sich in Abwandlung einer Feststellung von Panajotis Kondylis auch sagen.“ In einer Fußnote wird das Originalzitat mit Verweis auf Laska als Quelle angegeben. Indirekt wird von Töpfer der fanatische Atheist Laska in den Dunstkreis der Zeugen Gottes (also des Über-Ichs) hineingezogen.

S. 104: „In ihrer Fehleinschätzung und Anbetung des Intellektuellen spotteten die philosophischen Wissenschaftler über ‚Gott‘, ohne zu bemerken, daß ihr ‚Mensch‘ genau so ein ‚höheres Wesen‘ ist, das aber sogar einer noch geistigeren Vorstellung als ‚Gott‘ entstammt, wie es Bernd A. Laska richtig sagt.“ Der Stirnersche Satz, daß „Gott“ durch das Gespenst „der Mensch“ ersetzt wurde, macht aber grundsätzlich nur aus atheistischer Warte Sinn, nicht aus agnostischer. In letzterer verkehrt er sich sogar ins Gegenteil.

S. 190: Im Zusammenhang mit der Physik von Burkhard Heim, welche von zwei zusätzlichen Dimensionen spricht, die das Geistige und das Lebendige erklären sollen, wendet Töpfer ein, man solle sich zuerst der Dimension des „Irdisch-Existentiellen“ nähern. „Das wäre aber kein rein intellektuelles Vorgehen, sondern ein ‚im affektiv-rationalen Bereich operierendes und damit „praktisch“ werdendes‘, denn ‚Stirners Postulat, die alte Aufklärung, die im kognitiv-rationalen Bereich operierte, sei am Ende ihrer Möglichkeiten und deshalb durch eine neue fortzusetzen.‘ (Bernd A. Laska)“ Spökenkiekerische Physik, die mit Taschenspielertricks operiert (zusätzlichen Dimensionen), wird mit der alten rationalistischen Aufklärung gleichgesetzt und das „existentialistische“ Gedöns Töpfers mit Stirners Überwindung des emotionalen Problems Über-Ich gleichgesetzt. Laska, der als Steinbruch für abstruse Beweisführungen benutzt wird, ist hier wieder Mißbrauchsopfer! Ein ganzes Buch an der Über-Ich-Problematik vorbei!

Das ganze ist, jetzt mal unabhängig von unserem Laska-Thema, sowieso Quark, denn, „wie es die Pan-Agnostik aufzeigt“, gibt es keine Beziehung zwischen dem Physikalischen und der Existenz (S. 197). Unser „Agnostiker“ ist, wie ich schon vorher andeutete, demnach ein waschechter Gnostiker, den rein gar nichts mit dem Demiurgen verbindet und der verzweifelt nach dem autonomen Seelenfunken in sich sucht! Was im übrigen durch und durch luziferisch ist. DIE Religion der Weltverschwörer. Aber lassen wir das…

S. 202: Töpfer erwähnt Laskas Hinweis in dessen Reich-Monographie, daß bei diesem die jüdische Herkunft weniger prägend war als bei anderen. Töpfer verweist dann auf mich, daß Reich seine Wurzeln lieber bei „Amöben, Quallen und in der Milchstraße“ gesucht hat. Blasphemie für den vermeintlichen „A-Gnostiker“ Töpfer, für den es keine Beziehung zwischen dem (Bio-) Physikalischen und der Existenz gibt… Aber es ist eh immer dasselbe: statt naheliegender Ausführungen über das Über-Ich und das das damit zusammenhängende jüdische Selbstempfinden bei Freud im Vergleich zu Reich werden wir vermeintlich von Laska ausgehend „cisintellektuell“ ins „Existentielle“ geführt…

S. 226: „Einzig wirklich wichtig für das vorliegende Buch aber ist, daß weder mystische Quantentheoretiker wie Dr. Robert Lanza, noch Anti-Viren-Biologen wie Dr. Stefan Lanka von irgendeiner existentiellen Relevanz sind, dafür aber Bernd A. Laska schon eher, da Laska die Tür in die, wie er sagt, ‚Paraphilosophie‘, anders gesagt in die Postphilosophie und den Cisintellektualismus aufstößt.“

Wohin hier die Reise in diese „Zweite Aufklärung“ geht, zeigt Töpfer auf seiner Website:

In der Zweiten Aufklärung ist nicht nur rational, was sich messen läßt, sondern all die inkommensurablen Dinge auch, die nicht nur mathematisch nicht, sondern die überhaupt nicht sprachlich ausdrückbar sind. Schließlich geht es auch gar nicht um das sprachliche Ausdrücken (das Darüber-sprechen), sondern um das Sein – wozu freilich unbedingt das Ausdrücken zählt; ja, ohne den Ausdruck gibt es gar nichts; nur was sich ausdrückt, lebt; dafür bedarf es aber des transintellektuellen Ausdrucks, lebendiger Ausdruck ist niemals nur intellektuell. Es geht bei der Neuen Aufklärung also nicht nur um das Erfassen und Begreifen dessen, worum die Alte Aufklärung einen großen Bogen machte – damit bliebe die Neue Aufklärung im Bereich des rein Kognitiven –, sondern um das tatsächliche Sein, das die Alte Aufklärung lediglich beschreiben, kategorisieren und enzyklopedieren konnte und wollte.

Laska hätte wohl in Konsequenz seinen Namen tanzen sollen oder was?!

S. 426: Töpfer erwähnt Stirners Schrift Das unwahre Prinzip unserer Erziehung, die auch in den von Laska herausgegebenen Parerga, Repliken, Kritiken Stirners erschienen sei. „Niemand hat im 19. Jahrhundert diese umfassende Unantastbarkeit und Integrität [der Kinder] radikaler reklamiert als Max Stirner (..).“ Und das nicht „bloß“ sexuell, sondern viel weiter, nämlich existentiell.

Gut, klingt zwar merkwürdig verquer (wieso ausgerechnet im Zusammenhang mit Stirner überhaupt das Sexuelle erwähnen?), aber doch alles sehr gut und beruhigend,– wenn da nicht Töpfers zwei Jahre später, also dieses Jahr, erschienenes Buch Tiefenwahrheit (859 manische Seiten!) wäre, denn dort wirft Töpfer Laska eine Rechtfertigung von Pädophilie durch Festhalten am Freudschen Theorem der kindlichen Sexualität vor, wobei aber deutlich wird, daß es hierbei gar nicht um eine sachliche Auseinandersetzung geht, denn was hat ausgerechnet Laska mit dem Thema zu tun? Bei all dem merkwürdig verwaschenen Geschwurbel wird höchstens deutlich, daß Töpfer, der Anarchist, erstaunlicherweise am ebenfalls Freudschen „die Kultur geht vor“ festhält. (Soviel zur „Unantastbarkeit“ der Kinder!) Zudem leitet Töpfer seine Ausführungen über Laska auch noch mit dem Töpferschen Thema Holocaustleugnung ein, wobei es Töpfer zwar hauptsächlich um die Meinungsfreiheit zu tun scheint, realiter aber wird, parallel zur Pädophilie, ausgerechnet Laska mit Holocaustleugnung irgendwie in Verbindung gebracht. Was wird beim Leser haftenbleiben?

Peter Töpfer (Teil 7)

26. November 2025

Wir waren bei dem Bündnis mit dem Theismus. Töpfer sieht die Annäherung insbesondere in der Frage des Gewissens gegeben – ausgerechnet:

Das Gewissen ist das Autonome schlechthin – die tiefste Stimme. Gott, so verstanden, hat nicht nur einen Sinn und Nutzen, er ist dann der oberste oder tiefste Befehlsgeber in existentiell unklaren Lagen und Fragen. Auch wenn es den Anschein haben könnte, als sei das Gewissen eine externe Instanz (Gott), so ist es doch die innerste Instanz – die innere und eigentliche Instanz par excellence. (Hervorhebung hinzugefügt)

Und noch unglaublicher:

Eine Teileinpflanzung des Gewissens muß (…) gar nicht unbedingt schlecht sein, muß der Eigenheit des Kindes nicht widersprechen, ja, das Kind braucht zu seiner Sozialisierung und Kultivierung einen Appell an sein Gewissen. (S 78, Hervorhebung hinzugefügt)

Das ist dermaßen hanebüchen, dermaßen das diametrale Gegenteil von allem wofür LaMettrie, Stirner, Reich und Laskas gesamtes LSR-Projekt stehen… Mir fehlen schlichtweg die Worte! DAS meint also Töpfer mit „Bündnis“: Verrat an LSR!

Apropos Emotionelle Pest: Eines der Hauptmankos derartiger Unternehmungen wie Töpfers Pan-Agnostik ist das Verfehlen der Emotionellen Pest. Stattdessen wird von der angeblich unausweichlichen Tragik des menschlichen Lebens mit seinen „unaufhebbaren Gegensätzen“ schwadroniert, die man „mannhaft“ zu tragen habe. In diesem Zusammenhang zitiert Töpfer Kierkegaard: „Heirate, und du wirst es bereuen. Heirate nicht, und du wirst es ebenfalls bereuen“ (S. 55). Aber erst angesichts des absoluten Nichts würde man wirklich anfangen zu beten, denn „Nichts und Gott (sind) funktional identisch“ (S. 56). Es geht hier nämlich um die letzten Fragen der ins Nichts geworfenen menschlichen Existenz. Aber genau DAS, diese Perspektive, ist „Metaphysik“, die vom Wesentlichen, nämlich der Emotionellen Pest ablenkt – und damit die offensichtliche Funktion der Töpferschen „Pan-Agnostik“ erfüllt, – die doch vorgeblich die Wertlosigkeit der Metaphysik für die Existenz erweisen will.

Wir haben es im Leben immer genau dann mit der Emotionellen Pest zu tun, wenn wir, was immer wir auch tun, wie immer wir uns auch entscheiden, das Falsche machen, etwa heiraten oder Single bleiben. Genauso ist es stets und in jedem Fall nichts weiter als Emotionelle Pest, wenn wir vor „existentielle Dilemmata“ gestellt werden, aus denen es prinzipiell kein entkommen gibt. Am Ende würdest du doch sterben, jede Sinngebung bzw. Sinnhaftigkeit sei letztendlich Illusion, es wäre besser du wärst nie geboren worden, etc. Beides, die Ausweglosigkeit des Alltags und die „metaphysische“ Ausweglosigkeit unserer Existenz, blockiert und verunmöglicht die Lösung konkreter Probleme insbesondere die sexualökonomischer Natur. Reich hat darüber ein ganzes Buch geschrieben, Die sexuelle Revolution. Ich verweise ausdrücklich auf das Motto „Aus dem Tagebuch des Schülers Kostja Rjabzew“: Leben ist die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Die Probleme des Alltags werden wir entsprechend mit einer wirklichen sexuellen Revolution lösen. Und was die unlösbare „existentielle Not“ betrifft: zur Hölle mit Kierkegaard, Heidegger und den restlichen Dunkelmännern mit ihrem unerträglichen lebensuntüchtigen Geseier über den „Urschmerz“! Wir haben es mit dem wirklichen Leben zu tun, nicht mit den „existentiellen“ Problemen lebensferner Randexistenzen.

Ja, das sind auch Probleme, mit denen man sich auseinandersetzen kann, aber es ist wie bei den öffentlichen Sexpol-Abenden Reichs in Wien und Berlin: die genitalen Probleme der Massen werden öffentlich debattiert, während die prägenitalen Perversionen im persönlichen Gespräch mit dem Arzt besprochen werden. Außerdem wird verhindert, daß die perversen Sonderlinge den öffentlichen Raum dominieren, wie es im damaligen Berlin ansatzweise tatsächlich gegeben war. Ja, die Seelenleiden, die „existentielle Not“ und der „Urschmerz“ von schizophrenen Charakteren sind ernst zu nehmen, haben aber im öffentlichen Diskurs nichts, aber auch rein gar nichts zu suchen. Leider ist es so, daß sie heutzutage alles bestimmen und das Lebendige marginalisieren. Reich und Laska haben diese Befindlichkeiten stets ihrerseits marginalisiert!

Ein dritter Punkt, der mich ganz persönlich umtreibt, hat tatsächlich explizit mit „Gott“ zu tun, den der Agnostiker ehrfurchtsvoll auf Abstand hält, wie es die Juden mit ihrem Gott tun, dessen Namen sie nicht mal auszusprechen wagen. Hier tut sich die Lücke auf, in der der Agnostiker Raum für die Moral und „Metaphysik“ schafft, die doch LSR angetreten ist, radikal zu liquidieren. Entsprechend sollten wir „Gott“ im Gegenteil ganz genau und vollkommen distanzlos betrachten. Lieber Theist, ich analysiere, seziere und rekonstruiere deinen „Gott“, diese Über-Ich-Mißgeburt selbstherrlich ohne den leiseste Anflug von Ehrfurcht und „erkenntniskritischer“ Bescheidenheit!

Namen haben eine Bedeutung, da sie einen ganzen Kontext herstellen, der sich in einer Persönlichkeit verkörpert. Töpfer tut so, als wäre „Gott“ etwas, das so jenseitig ist, daß man sich nicht drum kümmern muß. Tatsächlich ist es aber etwas grundlegend anderes, ob eine Gesellschaft ständig „Allah“ evoziert bzw. „herabbeschwört“, den „Waheguru“ der Sikhs, den Wotan der Neuheiden, den Seth der Satanisten oder Jesus, der eine Person des „dreifaltigen Gottes“ ist. Religionen sind so etwas wie „Energiefelder“, die etwas mit der Gesellschaft und dem Einzelnen machen. An seinen Früchten wird man den jeweiligen Gott erkennen. Beispielsweise war der Nationalsozialismus nichts anderes als ein Wotanskult:

Peter Töpfer (Teil 6)

25. November 2025

Wenden wir uns Töpfers Buch Pan-Agnostik von 2023 zu (Für ein theistisch-agnostisches Bündnis im Kampf gegen den Great Reset und Transhumanismus. Erscheinungsformen der Metaphysik und deren Wertlosigkeit für die Existenz).

Auf ein und derselben Seite zu schreiben, daß die Evolution „ein lächerliches Märchen ist“ und gleichzeitig zu behaupten, „die Existenz Gottes in Frage zu stellen (…) wäre ja dermaßen eine Dummheit zum Quadrat, wie man es sich gar nicht vorstellen kann“ (S. 24) – dazu gehört schon Chuzpe! Ich frage mich ernsthaft, welche merkwürdige Verstrickung einen Menschen mit derartigen Ansichten ausgerechnet zu LaMettrie, Stirner, Reich und Laska geführt hat. Zumal er auch noch explizit den Ironisten und Autor der Naturgeschichte der Seele, LaMettrie, als Zeugen Gottes heranzieht und wie folgt zitiert: „Damit will ich nicht sagen, daß ich die Existenz eines höchstens Wesen in Zweifel ziehe; mir scheint im Gegenteil, daß der höchste Grad der Wahrscheinlichkeit für sie spricht“ (S. 25).

Mit jeder Seite wird es schlimmer, denn mit einer verqueren Dialektik bringt es Töpfer nicht nur fertig, LaMettrie als Theisten dastehen zu lassen, sondern darüber hinaus die Theisten gegenüber den Atheisten mit Hilfe Stirners zu verteidigen: während die Atheisten ein Nichts verträten, verträten die Theisten ein Etwas, wenn auch nur einen Gedanken. „Man mag ihn wie Max Stirner als ‚Sparren‘ oder als ‚Spuk‘ bezeichnen, aber dennoch ist dieser Gedanke in der Welt: in den Köpfen der Theisten“ (S. 26). – Man kann dem Wesentlichen nicht radikaler ausweichen, dem LSR-Projekt nicht hinterhältiger die Beine wegziehen!

Um dem ganzen die Krone an Absurdität aufzusetzen schreibt Töpfer über sich selbst:

Die Frage nach der Existenz Gottes und Gott selbst ist für den Agnostiker [womit Töpfer stets sich selbst meint!] nicht interessant, denn er sieht in einem solchen Gedanken keinen Sinn und keinen Nutzen. Er sieht keinen Grund dafür sich mit diesem Gedanken überhaupt zu beschäftigen. (S. 25)

Für LaMettrie, Stirner, Reich und Laska war das die einzige Frage, die überhaupt von Interesse war! Es geht schließlich um das Über-Ich und die mystische Fehldeutung der „vegetativen Strömung“ aufgrund des Über-Ich! Aber Töpfer wirkt wie taub gegenüber dem eigentlichen Thema seines Buches. Es geht immer nur um die Verarbeitung von „Information“ und um den kleinkrämerischen „Nutzen“, so als handele es sich um ein Softwareproblem bei einem Roboter. („…durch Theismus an mehr Informationen rankommen. Aber den ‚Glauben an Gott‘ als ‚Kraft‘ brauche ich nicht“ [S. 58].) Entsprechend wird der Theismus rein rationalistisch betrachtet, statt nach den Gefühlen zu fragen. Selbst da, wo es um Autonomie (Selbstregulierung) und Heteronomie (Über-Ich) beim Theismus geht, verfehlt Töpfer den Knackpunkt. Er erläutert, daß die theistische Herangehensweise an Gott auf eine „Abwesenheit des Subjekts“ hindeute:

Das ist keine Psychologisierung, sondern logisch: Das Subjekt wendet sich ganz offenbar an etwas außer sich Liegendes, das heißt an ein Objekt, im vorliegenden Falle möglicherweise ein Personalobjekt. Das Objekt befindet sich offenbar nicht im Subjekt. (S. 44)

Ich kann aber prinzipiell nur auf ein Objekt hören! Unser Innenleben ist verinnerlichtes Sozialleben. Ohne dieses hätten wir gar kein Ich, „auf das wir hören können“, wären kein Subjekt, sondern nur reiner unreflektierter Affekt.

Einerseits ist, wie wir gesehen haben, für Töpfer die Existenz Gottes absolut evident, andererseits meint er mit „Gott“ „immer alles metaphysisch und spirituell Fremdregulierende“ (S. 55). Dieser Widerspruch ist nur möglich, weil er von seiner ganzen Denkungsart gar nicht erfassen kann, was Gott ist: einerseits die mystifizierte vegetative Strömung, die uns antreibt, und andererseits das hypostasierte Über-Ich. Je nachdem ist das entweder „Gott“ oder der „Teufel“. Stattdessen verfängt sich Töpfer in nicht enden wollenden Spitzfindigkeiten.

Dabei wäre es so einfach! Man schaue sich Reichs Buch Äther, Gott und Teufel an und vergegenwärtige sich, daß der Erzatheist Reich den Theisten durchaus ein „Bündnis“ angeboten hat und zwar zum Entsetzen seiner treuen Schüler. Immerhin konnte er nachvollziehen, daß es etwas „jenseits“ der Alltagserscheinungen gibt, wenn auch nicht mystisch und ungreifbar „wie in einem Spiegel“, aber Reich hatte doch einen gemeinsamen Boden mit den Theisten gefunden – im Gegensatz zum Verhältnis zu den mechanistischen Materialisten. Daß sich Töpfer als letzterer erweist und sich dann auch noch auf die mechano-mystischen „Gottesbekenntnisse“ von Einstein und Planck beruft (S. 23f), für die Gott ein bloßer Lückenbüßer ist wie einst für die „gefühllosen“ Deisten des 18. Jahrhunderts, für die die Welt ein perfektes Uhrwerk war, daß zwar einen Schöpfer erforderte, der sich danach aber zur Ruhe setzen konnte…

Wilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, b. Orgonomischer Funktionalismus

21. November 2025
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Wilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, b. Orgonomischer Funktionalismus

Buchbesprechung [1999]

4. November 2025

Buchbesprechung [1999]

Max Stirner, Soter (Teil 29, Abschluß der Blogserie)

22. September 2025

Stirner zeigt, daß man in dieser Gesellschaft zwar urteilen und kritisieren darf, aber nur vom Standpunkt der „Liebe“ aus, d.h. voll Respekt vor der „Heiligkeit“ der Sache oder der Person. Aber genauso wie Urteile aus Haß, „gehässige Urteile“, Urteile des uns beherrschenden Hasses sind, sind auch Urteile, die uns die Liebe eingibt, gar nicht unsere eigenen Urteile.

Gegen die Welt, besonders gegen die Menschen, soll Ich eine bestimmte Empfindung annehmen, und ihnen von Anfang an mit der Empfindung der Liebe, „mit Liebe entgegenkommen“. Freilich offenbart sich hierin weit mehr Willkür und Selbstbestimmung, als wenn Ich Mich durch die Welt von allen möglichen Empfindungen bestürmen lasse und den krausesten, zufälligsten Eindrücken ausgesetzt bleibe. Ich gehe vielmehr an sie mit einer vorgefaßten Empfindung, gleichsam einem Vorurteil und einer vorgefaßten Meinung; Ich habe mein Verhalten gegen sie Mir im voraus vorgezeichnet, und fühle und denke trotz all ihrer Anfechtungen nur so über sie, wie Ich zu fühlen einmal entschlossen bin. Wider die Herrschaft der Welt sichere Ich Mich durch den Grundsatz der Liebe; denn was auch kommen mag, Ich – liebe. Das Häßliche z.B. macht auf Mich einen widerwärtigen Eindruck; allein, entschlossen zu lieben, bewältigte Ich diesen Eindruck, wie jede Antipathie

Aber die Empfindung, zu welcher Ich Mich von haus aus determiniert und – verurteilt habe, ist eben eine bornierte Empfindung, weil sie eine prädestinierte ist, von welcher Ich selber nicht loskommen oder Mich loszusagen vermag. Weil vorgefaßt, ist sie ein Vorurteil. Ich zeige Mich nicht mehr gegenüber der Welt, sondern meine Liebe zeigt sich. Zwar beherrscht die Welt Mich nicht, desto unabwendbarer aber beherrscht Mich der Geist der Liebe. Ich habe die Welt überwunden, um ein Sklave dieses Geistes zu werden. (Der Einzige, S. 329f)

Es geht um eine „freiwillige“, um eine „eigene“ Liebe, gegen eine „zinspflichtige“ Liebe, die man als „Tribut“ entrichten muß (Der Einzige, S. 341).

Bereits auf der ersten Seite seines Buches (Der Einzige, S. 3) wird deutlich, daß Stirner imgrunde dasselbe sagt, was Reich mit anderen Worten und Akzenten 100 Jahre später in Christusmord sagen wird: wenn Wahrheit und Liebe nicht meine Sache sind, sondern eine „höhere Sache“, sind es eben nicht Wahrheit und Liebe – sondern das Gegenteil.

Jahrtausende der Kultur haben Euch verdunkelt, was Ihr seid, haben Euch glauben gemacht, Ihr seiet keine Egoisten, sondern zu Idealisten („guten Menschen“) berufen. Schüttelt das ab! (…) Erkennet Euch nur wieder, erkennet nur, was Ihr wirklich seid, und laßt eure heuchlerischen Bestrebungen fahren, eure törichte Sucht, etwas Anderes zu sein, als Ihr seid. Heuchlerisch nenne Ich jene, weil Ihr doch alle diese Jahrtausende Egoisten geblieben seid, aber schlafende, sich selbst betrügende, verrückte Egoisten, (…) Ihr Selbstpeiniger. (Der Einzige, S. 181)

Das Streben nach „Freiheiten“ ist „hohle Theorie“, wirkliche Praxis beginnt nicht mit der Frage nach irgendwelchen Träumen und Vorstellungen, sondern bei der Frage nach sich selbst. Sie beginnt damit, daß man sich selbst ganz und gar zum Mittelpunkt und Ausgangspunkt macht (Der Einzige, S. 177). „Genug, es ist ein mächtiger Unterschied, ob Ich Mich zum Ausgangs‘ oder zum Zielpunkte mache. Als letzteren habe Ich Mich nicht, bin Mir mithin noch fremd, bin mein Wesen, mein ‚wahres Wesen‘, und dieses Mir fremde ‚wahre Wesen‘ wird als ein Spuk von tausenderlei Namen sein Gespött mit Mir treiben. Weil Ich noch nicht Ich bin, so ist ein Anderer (wie Gott, der wahre Mensch, der wahrhaft Fromme, der Vernünftige, der Freie usw.) Ich, mein Ich“ (Der Einzige, S. 368). „Ich bin Ich, und Du bist Ich, aber Ich bin nicht dieses gedachte Ich, sondern dieses Ich, worin Wir alle gleich sind, ist nur mein Gedanke. Ich bin Mensch und Du bist Mensch, aber ‚Mensch‘ ist nur ein Gedanke, eine Allgemeinheit; weder Ich noch Du sind sagbar. Wir sind unaussprechlich, weil nur Gedanken sagbar sind und im Sagen bestehen“ (Der Einzige, S. 348).