Email [über Reich, Freud und Rationalität] 1999

Das, was ich gestern über den Baum und den Wald geschrieben habe, läßt sich vom Bereich der Politik auf den der Naturwissenschaft übertragen. Was ist das Grundcharakteristikum der Orgonenergie? Das spontane, nichtmechanische Funktionieren, die unvorhersehbare „Richtungsänderung“! Gleichzeitig zeigt die Orgonenergie auf allen Gesetzesebenen und in allen Naturbereichen auf quasi „Platonistische“ Weise das gleiche Funktionieren.
Ein fundamentales Mißverständnis betreffend der Physik (und damit der gesamten Naturwissenschaft, wie sie sich heute darstellt) betrifft deren Blick auf die Natur. Dieser ist nämlich nur oberflächlich induktiv, in Wirklichkeit aber durch und durch deduktiv, d.h. es werden aus Gesetzen die Einzelfälle abgeleitet. Es stimmt, daß Galileo die Flugbahn etwa einer Kanonenkugel zunächst beobachtet und, soweit das ging, vermessen hat, bevor er die entsprechenden Gesetze mathematisch formuliert hat. Aber diese induktive Herangehensweise wurde nachdem beliebig viele richtige Vorhersagen über das Flugverhalten gemacht werden konnten, durch reine Deduktion ersetzt. Das bedeutet, wenn sich eine Kanonenkugel nicht an die eruierte und danach gesetzlich festgelegte Flugbahn hält: um so schlimmer für die Kanonenkugel.
Das macht natürlich Sinn, weil unsere gesamte Technik auf dem Vertrauen auf diese mathematischen Gesetze beruht. Wir werden durch einen alles bestimmenden Platonismus regiert. Es ist, als würden in einer immateriellen „Ideenwelt“ unverrückbare mathematische Strukturen über uns schweben, die sich in der Materie manifestieren. Wenn sich hier und da die Materie nicht an diese Vorgaben hält: um so schlimmer für die Materie. Der Physiker wird davon überzeugt sein, daß es ein Beobachtungsartefakt oder ein Meßfehler ist. Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Und wie gesagt: die Maschinenzivilisation gibt dem Physiker tagtäglich recht.
Diese letztendlich mystische Naturauffassung, wird durch einen alles bestimmenden Pragmatismus kaschiert. Betrachtet ein Physiker einen Bauernhof, reduziert er ihn, um den mathematischen Apparat handhabbar zu machen, auf das Wesentliche: (schwarzweiß gefleckte) Kugeln nehmen eine (grüne) Substanz A auf und geben eine (weiße) Substanz B ab. Alles andere interessiert nicht und wird grundsätzlich außen vor gelassen, genauso wie Galilei nach einiger Zeit alle wahrgenommenen Abweichungen von der perfekten Flugbahn einer Kanonenkugel ignorierte. Es geht um militärkundliche und agrarkundliche Voraussagen und nicht darum, was wirklich in der Natur geschieht. Dieses hypothetische „Ding an sich“ überlassen die Physiker getrost den Naturphilosophen.
Wie den Physikern das Orgon dergestalt durch die Lappen geht, zeigte sich schon bei der „sexualökonomischen Lebensforschung“ Mitte und Ende der 1930er Jahre. Als Reich 1935 seine bioelektrischen Experimente, also seine „Hautmessungen“, anging und dazu ebenfalls exilierte Forscher des Kaiser-Wilhelm-Instituts engagierte, wollten auch die im übertragenen Sinne zunächst die „ideale Flugbahn der Kanonenkugel“ etablieren, was den gesuchten Effekt hätte verschwinden lassen. Ähnliches gilt für Reichs Bionexperimente von 1936 hinsichtlich Sterilisation und Taxonomie und seine ersten Orgonstrahlungs-Versuche 1939 hinsichtlich Ladungstrennung. Mit anderen Worten: die Physik und die ihr nacheifernden restlichen Naturwissenschaften basieren auf dem Ausschluß von Orgonphänomenen! „Rauschen“, „Kontamination“, „Fehldeutung bekannter Phänomene“, „Meßfehler“ – Abweichungen von der Platonischen Idealbahn der Kanonenkugel.
Da wir es bei der Physik mit einem mechano-mystischen Weltanschauung zu tun haben, ist auch das genaue Gegenteil der Fall! Will sagen, die Flugbahn der Kanonenkugel ist eine Funktion der kosmischen Überlagerung. Das gleiche gilt für alle anderen physikalischen Gesetze. Alles, was nach dem „Niederschlag“ Platonischer Ideen in der Materie aussieht, ist tatsächlich der Fingerabdruck primordialer kosmischer Energiefunktionen. Das zeigt sich von der Spiralstruktur der Galaxie, im Aufbau unseres Sonnensystems bis hinab zur Orgonomform praktisch jedes Lebewesens und jedes Organs innerhalb des Lebewesens. Die Physik kann mit einem Großteil dieser Gesetzmäßigkeiten nichts anfangen und ignoriert sie schlichtweg, weil sie mechanisch nicht erklärbar sind und, da sie spontan auftreten, weil sie nicht im Schritt von der Induktion zur Deduktion in eine mechano-mystische Naturauffassung integrierbar sind. Dazu morgen ein Beispiel.
Mathematisch ist die Kreiselwelle (KRW) nichts anderes als eine „verlängerte Zykloide“. Man legt auf einem Kreis einen Punkt fest und rollt dann diesen Kreis auf einer Fläche. Der Punkt wird in den Raum eine Zykloide zeichnen, d.h. eine Reihe von Halbbögen, die Reich als „Schwung“ bezeichnet hat. Diese Zykloide wird bestimmt durch die Drehachse, die durch den Mittelpunkt des Kreises gekennzeichnet ist und durch den besagten Punkt auf dem Kreis. Legen wir nun auf der Linie zwischen Mittel- und Kreispunkt einen dritten Punkt fest, der einen Kreis innerhalb des äußeren Kreises festlegt und wird nun unser „Rad“ auf diesem inneren Kreis abgerollt, zeichnet der äußere Punkt eine „verlängerte“ Zykloide in den Raum, die KRW, wobei der Graph periodisch in die Tiefe unterhalb der Fläche reicht und dort eine Abfolge von „Schleifen“ hinterläßt.
Während eine immer weiter verlängerte Zykloide sich dem Kreis annähert, wird die immer weiter verkürzte Zykloide schließlich von einer eindimensionalen Linie ununterscheidbar. Dies verweist auf den grundlegenden funktionellen Unterschied zwischen Schwung und Schleife. Der Schwung steht für den, wenn man so will, „Satz des angreifenden Tigers nach vorn“, die schnellstmögliche Verbindung von A nach B. Die Schleife hingegen steht für den „lauernden Tiger“; die angespannte, „vor sich hin mahlende“ Vorbereitung auf den „großen Sprung nach vorn“. Im sozialen Bereich ist es der Unterschied zwischen dem Unternehmer und dem Tüftler. Orgonphysikalisch steht der Schwung für den Übergang von Materie zu Energie (die „Wellen-Funktion“), die Schleife für den Übergang von Energie zu Materie (die „Puls-Funktion“),. Entsprechende Ausführungen würden ein Buch füllen – siehe beispielsweise Ea und die Wellenfunktion.
Das mit den drei Punkten kann man sich auch anders vergegenwärtigen. Nehmen wir einen Kosmos nur aus Erde und Sonne. Die Erde dreht sich gemäß der Schwerkraft um die Sonne und zeichnet einen Kreis in den Raum. Daraus wird eine KRW, wenn wir einen dritten Körper nehmen, der die Sonne mitsamt der um die Sonne kreisenden Erde anzieht. Es kann jeder mit dem Zeigefinger einen Kreis in die Luft zeichnen und dann die Hand nach rechts in die Tiefe des Raumes bewegen und aus dem Kreis wird eine KRW. Drei Punkte: der Mittelpunkt, um den sich die Fingerspitze bewegt und, drittens, der fiktive Punkt, auf den sich die Hand hinbewegt.
Daß das mit den drei Punkten in Bezug auf die Kreiselwelle nicht trivial ist, wird deutlich, wenn man sich das „Drei-Körper-Problem“ visualisiert:
Es gibt natürlich auch „saubere“ periodische Lösungen, wie diese, die fast immer auf irgendeine KRW hinauslaufen. Typischerweise pulsiert diese KRW, wie Reich es im Orgonenergie-Raum beobachten konnte: eine beschleunigte „Schleife“ gefolgt von einem weitausholenden „Schwung“ – wie wir es bei der Dynamik der materiefreien Orgonenergie und ihrer KRW beobachten. Besonders schön in einigen Fällen der Aufstellung hier zu sehen.
Außerdem steht seit Poincare das Drei-Körper-Problem für die Überwindung der klassischen Mechanik und das Aufkommen der Chaostheorie: überschreiten mechanische Systeme eine gewisse Komplexität, wozu schon drei in der Wechselwirkung etwa gleich starke Körper ausreichen, werden Voraussagen unmöglich oder sind zumindest derartig aufwendig zu berechnen, daß bei einem realistischen Rechenaufwand Voraussagen unmöglich sind. Rein mechanische Konfigurationen fangen an sich so unvorhersehbar und „spontan“ zu verhalten, wie die Orgonenergie selbst.
Warum „drei Körper“ bzw. „drei Punkte“? Weil bei der Wechselwirkung zwischen zwei Körpern immer ein Gleichgewicht erreicht wird und sei es ein periodisches. Erst ein „dritter Faktor“ stört dieses Gleichgewicht oder ist zumindest dafür verantwortlich, daß eine KRW entsteht. Das hat etwas mit dem Unterschied zwischen einfachen orgonometrischen „Funktionsgleichungen“ („zwei Elemente“) und orgonometrischen „Entwicklungsgleichungen“ zu tun („drei Elemente“) sowie dem Unterschied zwischen dem zweidimensionalen Raum und der Dimension der Tiefe. Siehe dazu meine Ausführungen in Orgonometrie (Teil 1).

Vergegenwärtigen kann man sich das anhand der Tatsächlichen Bewegung des Sonnensystems im Kosmos: das „flache“ Sonnensystem fällt schraubenförmig „in die Tiefe“, wobei die dreidimensionale Schraube eine Sonderform der zweidimensionalen KRW ist:
LaMettrie war Arzt und entsprechend sind seine ersten philosophischen Schriften Naturgeschichte der Seele und Der Mensch als Maschine plus Der Mensch als Pflanze von der Physiologie geprägt. Hier führte er eine „Proto-Evolutionstheorie“ aus. Die Krux an seinem Maschinen-Bild ist die Kontinuität, die er zwischen Mensch und allen anderen Naturerscheinungen herstellt, bzw. wie er sie herstellt, es geht nämlich in beide Richtungen: der Mensch ist „auch nur eine Maschine“, aber umgekehrt kann die Maschine nur vom Menschen und seinem „Innenleben“ her verstanden werden, d.h. die Materie hat intrinsisch bereits „seelische“ Eigenschaften, die schließlich im Menschen, bedingt durch dessen Komplexitätsstufe, voll zutage treten. Das Bindeglied, das diese Konstruktion zusammenhielt, sollte schließlich der erste wirkliche Evolutionstheoretiker, Jean-Baptiste de Lamarck, finden. Dabei ist bemerkenswert, daß genauso wie LaMettrie im Zwischenbereich zwischen Physiologie, Psychologie und Soziologie mit seiner „tugendhaften Lust“ Reichs Orgasmustheorie vorwegnahm, Lamarck ein halbes Jahrhundert später das gleiche leistete in der erst von ihm von der Physiologie separierten Wissenschaft Biologie.
Aus Lamarcks Aussage, die Arten wären aus einem „inneren Bedürfnis“ (das er mit Aristoteles „Entelechie“ nennt) nach Weiterentwicklung entstanden, sollte Henri Bergson den Begriff „élan vital“ bilden, der Reich den Weg zur Entdeckung der Orgonenergie wies.
Es muß jeden Leser befremden, wenn er bei Reich liest, der Orgasmus sei das Grundphänomen des Lebens und daß die biologische Forschung und ganz allgemein die Wissenschaft nicht vorankomme, solange die Gesellschaft es unterlasse, diese Grundfunktion bei ihren Mitgliedern zu schützen und zu fördern. Dieses Befremden kommt nicht etwa daher, weil diese Aussage an sich befremdlich wäre. Ganz im Gegenteil, die Wissenschaft und das allgemeine Bewußtsein der Menschen in den letzten 200 Jahren hat eine denkbar befremdliche, leben(digkeit)sferne Richtung eingeschlagen.
In seiner 1809 erschienenen Zoologischen Philosophie hat Lamarck ausgeführt, der Orgasmus sei das „allgemeine Phänomen, von dem das Leben abhängt“. [Ich verdanke diesen Hinweis den entsprechenden Ausführungen des Kulturwissenschaftlers Peter Berz („Die andere Biologie des Wilhelm Reich“, In: Johler 2008, S. 109f).] Lamarck spricht in seinem Buch von „wirkenden und ausdehnenden Fluida, die die erregende Ursache der Lebensbewegungen bilden“. Sie dringen, so Lamarck, von außen in den Körper ein und werden wieder „ausgedünstet“ (Johler 2008, S. 55). In diesem Zusammenhang führt er den Begriff „Orgasmus“ ein. Dabei sei jedoch nicht „von dem besonderen Affekt, den man Orgasmus nennt“, die Rede, sondern von dem „eigenartigen Spannungszustand“ der Organe und Organsysteme, „der ihnen die Fähigkeit gibt, zu erschlaffen und sogleich zu reagieren, wenn sie irgendeinen Eindruck erhalten“ (Johler 2008, S. 56). Und weiter: „Der Orgasmus der bildsamen und inneren Teile der Tiere trägt mehr oder weniger zur Erzeugung der organischen Erscheinungen dieser lebenden Organismen bei; er wird hier durch ein (vielleicht auch mehrere) unsichtbares, ausdehnendes und durchdringendes Fluidum unterhalten, das mit einer gewissen Langsamkeit die Teile durchdringt und in ihnen die Spannung oder […] Erethismus [Erregbarkeit] hervorbringt […]“ (Johler 2008, S. 56).
Berz führt aus:
Vor ihm habe man, so Lamarck, „Sensibilität“ und „Reizbarkeit“ allen Organismen zugesprochen. Dann sei die Unterscheidung zwischen einer Sensibilität für Sinneseindrücke, die von einem eigenen Organ, dem Nervensystem, abhängt, und einer Sensibilität ohne Nervensystem eingeführt worden. Sie ist es, die Lamarck neu denkt und Orgasmus nennt. Aufs Ganze des Tierreichs gesehen ist nämlich die Existenz des Nervensystems, also eines Organs mit „Beziehungsmittelpunkt“, nach Lamarck eine äußerst seltene Erscheinung. Verstreute Reizbarkeit dagegen beobachtet man überall, schon „bei den einfachsten tierischen Organismen“. Damit Reizbarkeit bei ihnen sein kann, muß es Orgasmus geben. Plötzliches Zusammenziehen bei Reizung hat ein rasches „Ausströmen des unsichtbaren Fluidums“ an der gereizten Stelle zur Folge, während über die benachbarten Stellen ein „vorübergehendes Zittern“ geht; dann dehnt ein neues Quantum Fluidum die Teile aus: der Organismus wird wieder reizbar. Da sich die Pflanzen nur ganz langsam ausdehnen und zusammenziehen, sie weder reizbar noch sensibel sind, haben sie auch nur einen „dunklen Orgasmus“. Bei den Tieren dagegen, die durch Lungen atmen, ist der Orgasmus sehr stark. Schon das „abwechselnde Ausdehnung und Zusammenziehen“ der Höhle, die ihr Atmungsorgan enthält, zeugt von dieser Stärke. (Johler, S. 110)
Wirklich in jeder Beziehung vermeint man Reich zu lesen! Die tugendhafte Lust entspricht den kosmischen Formgesetzen, für die die konventionelle Biologie blind ist.
Zerteilt man einen Körper um festzustellen, was Leben konstituiert, wird man nach wenigen Schnitten ins Fleisch feststellen, daß das Phänomen „Leben“ unteilbar ist. Man könnte zwar sagen, es gäbe sozusagen „Lebensatome“ in Gestalt der Zellen und meinetwegen der Zellorganellen, etwa der Mitochondrien, aber das sind ja auch nur Körper. Sobald ich die analysiere, d.h. zerteile, in ihre Bestandteile auflöse, verschwindet das Leben. Zwar verschwindet ebenso das Wasser, wenn ich es durch Elektrolyse in seine Bestandteile auflöse und infolge feststelle, daß Wasser sich aus zwei Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom zusammensetzt, aber wenn ich dieses Gas, ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch, verbrenne, entsteht erneut Wasser. Mit Frankensteins Monster ist das leider nicht möglich!
Die kleinsten Einheiten der Materie, Leptonen (also Elektronen) und Quarks (die Protonen bilden), kann man von vornherein nicht zerteilen. Sie haben keine innere Struktur und sind „punktförmig“, d.h. sie sind von der Dimension 0. Trotzdem sind sie die materiellen Bestandteile, aus denen die Physiker das Universum aufbauen. Das Universum ist entsprechend eine Menge von Punkten, die zueinander in Beziehung stehen: der ein- (Gerade), zwei- (Fläche), dreidimensionale Raum. Aber „an sich“ setzt sich das Universum aus „nichts“ zusammen (Mechano-Mystizismus)!
Den Raum kann ich immerhin aufteilen, während, trotz der Uhren, die die Zeit in Sekunden aufteilt, sich dem konzeptionellen Zugriff zu entziehen scheint. Man behilft sich mit dem „Zeitpfeil“, der letztendlich durch die Entropie definiert wird. Ich weiß spätestens dann, ob ein Stummfilm richtigherum abgespielt wird, wenn eine Tasse vom Tisch fällt und auf dem Küchenboden in tausend Einzelteile zerschellt. Das Umgekehrte, tausend Einzelteile setzen sich spontan zu einer Teetasse zusammen, wird im realen Leben niemals passieren. Wenn ich nun den Film selbst in „tausend Einzelteile“ zerschneide, und diese dann ungeordnet neu zu einer Filmrolle zusammenklebe, merke ich sofort, daß ich sozusagen „die Zeit“ zerstört habe. Entsprechend können beispielsweise indigene Völker Filmen nur folgen, wenn es keine Rück- und Vorblenden gibt. „Zeit“ scheint ähnlich unteilbar zu sein wie „Leben“.
Leben, Materie, Raum und Zeit entziehen sich unserem Begreifen, weil wir das Universum nicht funktionell betrachten. Reich hingegen hat von Anfang an das Phänomen „Leben“ nicht vom materiellen Körper her betrachtet, sondern von der Funktion „Pulsation“ her. Die Untersuchung der Funktionsabfolge „Spannung, Ladung, Entladung, Entspannung“ führte ihn über die bioelektrischen Versuche (das „bio-elektrische Feld“) und die Bionversuche („pulsierende Energiebläschen“) zur Entdeckung der primordialen Orgonenergie. Von der aus betrachtete er die Materie (Stichwort „kosmische Überlagerung“) statt umgekehrt, die energetischen Vorgänge der Welt von „Materieklötzchen“ herzuleiten, die letztendlich aus nichts bestehen.
Das Gemeinsame Funktionsprinzip von Länge (L) und Zeit (t) ist die relative Bewegung v:

Es gibt zwei Arten von relativer Bewegung, die Reich beobachten konnte, Pulsation (die Abfolge von Expansion und Kontraktion) und Kreiselwelle (die Abfolge von Welle und Puls). Sie definieren Länge und Zeit. Das, was Raum ist, wird beispielsweise anhand von „Experiment XX“ deutlich, wo sich längliche plasmatische Filamente durch Kontraktion bzw. Überlagerung aus konzentrierter Orgonenergie (Bionwasser) bilden.
Mit dem umgekehrten Vorgang, d.h. der Freisetzung von Energie aus Materie) begann die Orgonbiophysik als Reich durch Kochen, Autoklavieren und Glühen von Materie auf die Bione stieß, zu deren vorrangiger Eigenschaft die Eigenpulsation gehört. Diese „Taktgebung“ macht das Wesen der Zeit aus. Die Bione könnte man als die anfangs erwähnten „Lebensatome“ bezeichnen, doch Reich ging es bei ihnen eben nicht um Struktur (L), sondern um Funktion (1/t). Deshalb auch die „sinnlos hohe“ Auflösung seines Lichtmikroskops, wodurch man zwar keine feineren Strukturen bei den Bionen, aber dafür ihre pulsatile Bewegung besser sehen konnte.