Notizen zu „Projekt: Reich-Renegaten“ (handschriftlich o.J.)

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Marx wurde mit Stirner fertig, indem er ihn überspitze und dergestalt ins Gegenteil verkehrte. Stirner hatte alles seiner Heiligkeit entkleidet etwa Konzepte wie „Menschheit“ oder „Gerechtigkeit“, also alles, was vermeintlich „kritische“ Geister beseelte. Stirner hatte sich damit unangreifbar gemacht, denn jeder Kritiker konnte nur von irgendeinem „Heiligen“ her argumentieren und sich dergestalt als „fromm“, d.h. reaktionär erweisen.
Um angesichts dieses Dilemmas seine ihm heilige Weltanschauung zu retten, wendete Marx diese „Entheiligungsstrategie“ gegen den „Eigner seiner selbst“ selbst. Der Eigner ist keine „Substanz“, sondern sozusagen nur Schnittstelle von Klasseninteressen, d.h. es gibt ihn gar nicht als „Ding“, wenn man so will „heiliges Ding“, das sein eigenes Eigentum ist. Oder mit anderen Worten: der Mensch ist nur als vergesellschaftetes Wesen denkbar und das zu leugnen, spiegelt nur das Interesse der herrschenden Klasse wider. Du bist eine bloße Funktion ökonomischer Klasseninteressen und dein vermeintlicher Individualismus ist nichts was man ernst nehmen sollte. Von hier zum Stalinistischen Massenmord ist nur ein Schritt. Wer dagegen protestiert, ist bourgeoiser Gefühlsduselei anheimgefallen, ist „fromm“ geworden.
Der Marxist sieht die Welt etwa so, wie im Film Matrix, nämlich als leer. Und das gilt sogar für die natürliche Welt, da unsere Welt-Anschauung gesellschaftlich geprägt ist. Der ganze Transgenderkram, nach dem es das biologische Geschlecht gar nicht gibt, ist nur eine Ausprägung des Marxismus. Marx‘ „Überwindung“ Stirners bestimmt heute den gesamten Diskurs und zerstört unsere Gesellschaft in ihren Grundfesten, weil die Menschen schlicht und ergreifend nicht mehr klar und eindeutig empfinden und denken können. Das ist so, weil man nicht mehr in Kategorien denken kann, NICHT MEHR DENKEN DARF. Du wirst zum Beispiel aggressiv gefragt: „Was ist denn ‚ein Deutscher‘?“ „Was soll das sein ‚der‘ Islam?“ etc. Wir werden der Kategorien beraubt, also unserer Denkwerkzeuge.
Nietzsches Strategie ist sozusagen der Angriff von rechts: Es gilt das Recht des Stärkeren, doch der erweist sich nur in der Überwindung bzw. in der „Auf-Hebung“ des Widerstandes. Wenn der Einzelne am Heiligen sozusagen verblutet, ist das gut, denn das gibt ihm die Möglichkeit über sich selbst hinauszuwachsen oder er muß stärkeren Naturen Platz zu machen, die das leisten, was ihm selbst nicht gelang: selbst zu einem Gott („Übermenschen“) zu werden. Das läuft auf das exakte Gegenteil dessen hinaus, für das Stirner stand: es ist die Feier von Heteronomie und Entselbstung. Dieses „nihilistische“ Fest der Destruktivität („nichts ist es wert erhalten zu bleiben“) geriert sich zwar als illusionslose Naturerkenntnis, doch ist diese „Umwertung aller Werte“ eben nur das: die bloße Umkehrung der gängigen Moralphilosophie. Es ist wie der brave, folgsame Schüler, der zum gewalttätigen Rebell wird und dabei vermeint „frei“ zu sein, obwohl er sich immer noch im vorgegebenen Rahmen bewegt.
Beide „Überwindungen“ Stirners waren nichts anderes als Faschismus. Marx war der Herold des Roten Faschismus, bei dem die irrationalen und destruktiven sekundären Triebe der mittleren Schicht der Panzerstruktur gesellschaftlich gerechtfertigt werden („Klassenkampf“). Nietzsche war der Herold des Schwarzen Faschismus, der anders als der Rote Faschismus nicht von der sozialen Fassade der Panzerstruktur ausgeht, sondern vom mystisch verzerrten Kern, was dazu führt, daß die sadistische sekundäre Schicht als „natürlich“ verkauft wird („Rassenkampf“).

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Die gesamte pseudoliberale (rotfaschistische) Verschwörung gegen Reich, mit ihrer Trinität aus Szientismus, Marxismus und Freudismus, läßt sich im Signum „LSR“ zusammenfassen. Man denke nur an LaMettries Kampf gegen den gefühlstoten „Automatenmenschen“ Albrecht von Haller, der als Vivisektor bekannt wurde – gleichzeitig war er ein tiefgläubiger Mensch. Umgekehrt machte er LaMettrie zum „Opfer eines gewaltigen Rezeptionsmißverständnisses“: er, LaMettrie, wäre DER Vertreter des mechanistischen Menschenbildes (Ursula Jauch: Jenseits der Maschine, S. 283).
Wie Reich landete LaMettrie im Niemandsland: er sei unwissenschaftlich und gleichzeitig antihumanistisch, während man selbst mit der mechanistischen Wissenschaft sowohl die Umwelt als auch den Menschen verfehlt und beide vernichtet. Der Szientismus (auch gerade der, der einer überweltlichen Seele noch Platz läßt) ist nichts anderes als Emotionelle Pest.
Stirners „Haller“ war Marx, der mit seiner Forderung nach Selbstregulierung buchstäblich durch „Enteignung“ fertigwurde: das Selbst wurde zur bloßen Schnittstelle gesellschaftlicher Kräfte, deren freies Walten durch den widerständigen „Eigner“ nur behindert wird. Der Stalinismus („roter Faschismus“) war eine notwendige Folge dieser Bewältigung der Stirnerschen Anthropologie. Entsprechend haben alle, wirklich alle, Marxisten instinktiv allergisch auf Reich reagiert und, in enger Kooperation mit den Szientisten und Psychoanalytikern, alles getan, um ihn zu sequestrieren.
Laskas Hauptanliegen war es stets, den grundlegenden Gegensatz von Freud und Reich herauszuarbeiten, den Freud selbst schon früh erkannt hat, während Reich weitgehend blind für ihn war, obwohl die Ablehnung von Seiten seiner psychoanalytischen „Kollegen“ im Laufe der Zeit immer intensiver wurde. Freud hat zwar das Über-Ich entdeckt bzw. den Begriff geprägt, aber stets die logische Konsequenz abgelehnt. Statt „Wo Über-Ich ist, soll Ich sein!“ war sein Diktum „Wo Es ist, soll Ich sein!“, mit anderen Worten, das Ich sollte an die Stelle der Gesellschaft treten und von sich aus, aus eigener Einsicht in die Notwendigkeit und eigenem Antrieb heraus die Triebe unterdrücken. Auf diese Weise macht das Ich das Über-Ich überflüssig… Das ist imgrunde genau die gleiche Dialektik, die die Marxisten zu Todfeinden Reichs machte.
Auf den einfachsten Nenner gebracht, ist der Szientist, der Marxist und der Psychoanalytiker jeweils von seinen Gefühlen abgetrennt und geht mit viehischem Haß gegen jeden vor, der diese Mauer einzureißen droht. Es droht eine verheerende innere Überflutung! Reichs Schicksal war, daß er der ultimative Mauereinreißer war.
Robert A. Harman hat die These aufgestellt, daß die Gesellschaft durch langfristige Verpflichtungen zusammengehalten wird. Ich schulde dir etwas. Das bindet uns über längere Zeiträume aneinander. So wird das Netz der Arbeitsdemokratie gewoben. Ich gebe dir etwas (Ladung), also schuldest du mir etwas, bis du deine Schuld mir gegenüber begleichst bzw. „entlädst“.
Das hat mich auf den Gedanken gebracht, daß entsprechend jede Religion auf der Erde ursprünglich kaum etwas mit Mystik und „Erlösung“ zu tun hat, vielmehr beinhaltet sie Opfergaben an die Götter als Antwort auf deren „Arbeit“ (es regnen lassen, Früchte produzieren, Feinde fernhalten usw.), so wie unsere Opfergaben sie für uns arbeiten lassen (es regnen lassen, Früchte produzieren, Feinde fernhalten usw.). Das lebt unmittelbar im Katholizismus weiter: die Heiligen sind nicht wirklich tot, sondern genauso Teil der Kirche wie die Lebendigen und im Volksglauben haben sie ähnliche Funktionen übernommen, wie einst bestimmte heidnische Götter. Man denke nur an Petrus, der frappant an Poseidon und Thor erinnert. Die Gläubigen sind dergestalt in ein dichtes Beziehungsgeflecht eingebunden mit „Gaben“, Verpflichtungen und Hoffnungen, die auf die Zukunft gerichtet sind und weit weit in die Vergangenheit zurückreichen.
Religion ist eine Art „Arbeitsdemokratie“, die auf orgonotische Funktionen projiziert wird, die in dem Sinne fehlinterpretiert werden, daß sie personalisiert sind (die Götter). Ich bezweifle, daß bisher jemand die Verbindung zwischen Religion und Arbeitsdemokratie gesehen hat, aber sie ist so offensichtlich, wenn man die tatsächliche Praxis des Katholizismus sieht: ein ziemlich kompliziertes „Geschäft“, das verschiedene Engel und Heilige, Maria, Christus, den Vater und den Heiligen Geist, Opfergaben und Erntedankfeste umfaßt. Der Kathole fühlt sich in diesem Netz geborgen und die Gemeinschaft hat eine fast unzerstörbare Dauer.
Genau deshalb waren Länder wie Polen und Irland stets solche geschlossenen Gesellschaften, die selbst in der Diaspora ihre nationale Identität bewahrten. Von daher auch die Versuche der Weltverschwörer gegenwärtig insbesondere Irland durch forcierte „Migration“ seiner Identität zu berauben und etwa in Amerika seit Jahrzehnten der Versuch durch Städteplanung die geschlossenen Gemeinschaften von Iren, Polen, Italienern, etc. mit ganz ähnlichen Mitteln zu zerschlagen. Kein „ethnisches Gestrüpp“, soll sich dem freien Fluß des Kapitals entgegenstellen. (Was selbstredend auch im Interesse der Kommunisten ist!)
Wir denken, Religion sei die persönliche Beziehung zu Gott oder „Christus“ in der Gegenwart. Ursprünglich war die Religion jedoch Ahnenverehrung, ähnlich der besagten Verehrung der Heiligen im Katholizismus. Im Sinne von Harmans Zeittheorie war es eine arbeitsdemokratische Verpflichtung gegenüber der Vergangenheit, die die Grundlage für unsere Gegenwart bildet. Eine auf den Himmel projizierte Beziehung. Und die Götter waren ein Ausdruck unseres Engagements für die Zukunft, das Ich-Ideal und in gewisser Weise die Kinder der Zukunft, die auf den Himmel projiziert wurden.
Ursprünglich gehört die Religion nicht zum psychologischen Bereich des Einzelnen, sondern eher zum sozialen Bereich. Ethnologen haben nie eine Gesellschaft ohne Religion gefunden. Religion ist eigentlich ein Element der Arbeitsdemokratie, d.h. ein Engagement über Raum und vor allem Zeit hinaus. Das ganze mystische Brimborium mit persönlicher „Erlösung“ ist eine Verfallserscheinung.
Das wird unmittelbar evident, wenn man die Vorgehensweise von christlichen Missionaren bei Naturvölkern betrachtet. Hier werden stets die Außenseiter und Sonderlinge angesprochen, die sich eben nicht im, nennen wir es mal, „Glaubensnetz“ ihrer Gemeinschaft geborgen fühlen und deshalb sozusagen einen „direkten Draht“ zu Gott suchen. Von diesen Randständigen her wird dann langsam von den Missionaren die Gemeinschaft aufgerollt, wobei darauf bedacht gelegt wird, nach und nach das „Netz“ zu zerstören. Das diese Missionare objektiv im Interesse amerikanischer Kapitalinteressen arbeiten, paßt ins Bild.
Übrigens haben wir im Recht etwas ganz ähnliches. Und ist Recht von Religion überhaupt trennbar? Ich denke nicht nur an das Gesetz Mose und die Scharia, sondern auch an die Tabus und Gebote der Naturreligionen. Wieder: von Mystik und „Erlösung“ ist da wenig die Rede.
Die untergründige Identität von Religion, Recht und „bioenergetischer Spannung“ im Sinne Harmans sieht man an der Tatsache, daß auch das Recht in gewisser Weise den Tod nicht kennt. Das bezieht sich natürlich in erster Linie auf das Erbrecht, aber auch generell hat die „juristische Person“; etwas Unkörperliches, etwas, was nicht an Zeit und Raum gebunden ist. Nochmals: mit Mystik hat das zunächst einmal gar nichts zu tun, aber alles mit der Arbeitsdemokratie.
Sowohl Subjekt als auch Objekt der Ökonomie ist das Menschentier. Als solche sind wir grundsätzlich alle gleich:

Aber stimmt das wirklich? Hans Hass hat aus streng evolutionsbiologischer Sicht dargelegt, daß wir eben keine vom Grundsatz her identischen Menschentiere sind, sondern unsere Gesellschaften sind Ökosysteme, die von fundamental unterschiedlichen „Tierarten“ bevölkert werden: Bäcker, Bauer, Schuster, IT-Spezialist, Investmentbanker, Lehrer, Bauarbeiter, Maschinenbauingenieur, Fluglotse, Fußballtrainer, Putzfrau, Historiker, Chirurg, Vermessungstechniker, Logistiker, Schweißer, Geigenbauer, etc.pp. Funktionell betrachtet sind das alles unterschiedliche „Tierarten“, die voneinander abhängig sind. Durch ihr Zusammenwirken bildet sich das Geflecht der Arbeitsdemokratie, wie Reich es am Ende der Massenpsychologie des Faschismus beschrieben hat.
Man denke etwa an den Bäcker und den Bauern, der ihm zuarbeitet, als klitzekleinen Ausschnitt aus diesem arbeitsdemokratischen Gewebe:

Durch individuelles, vor allem aber kooperatives Arbeiten entsteht „Wert“, d.h. etwas, was uns „kostbar“, d.h. „mit hohen Kosten verbunden“ ist, vorwiegend die investierte Arbeitszeit:

Aus einem zeitlichen Vorgang wird ein räumlicher Gegenstand (ich komme darauf zurück). Konkret erfolgt das über die Schöpfungsfunktion (Jacob Meyerowitz):

Diese „wert-vollen“ Produkte werden miteinander ausgetauscht und zwar mittels eines „Wertzeichens“, dem Geld. Dieses „Wertzeichen“ gewinnt seine Eigenschaft durch zwei Funktionen: 1. kann man mit ihm als „Universalschlüssel“ (Hans Hass) wirklich alles eintauschen; und 2. kann man es, im Gegensatz etwa zu Brötchen, beliebig lange aufbewahren.

Ich tausche nur etwas, was seinen Wert behält. Nehmen wir eine Trümmerwüste nach dem Dritten Weltkrieg: Kein Mensch würde Brötchen, die nach wenigen Stunden vertrocknen und ungenießbar werden, gegen etwas anderes tauschen. Etwa einen Hasen gegen 50 Brötchen. Aber bei Zigaretten, die Monate oder gar Jahre brauchbar bleiben, sieht das schon anders aus. Auch würde niemand Brötchen horten, sehr wohl aber Zigaretten. Ideal wäre etwas, was sich „ewig“ erhält und von allen als Universalschlüssel anerkannt wird, etwa Gold.
„Gehortetes“ Gold gelangt erst wieder in den Umlauf, wenn ich ein verlockendes Angebot vorlegen kann, etwa morgens frische Brötchen für das Frühstück. Allein schon das hält die Wirtschaft ingange: daß etwa der Bäcker sich besonders viel Mühe geben muß, damit ich mein „ewiges“ Gold gegen extrem vergängliche Brötchen eintausche.
Diese Dynamik geht tendenziell verloren, wenn das Geld, wie die besagten Brötchen, im Laufe der Zeit selbst an Wert verliert. Das wird besonders bei Hyperinflation deutlich, wenn ohne Überlegung gekauft wird, einfach nur um die immer wertloser werdenden Papierfetzen loszuwerden. Das gegenwärtige Fiatgeld steht dergestalt in einem unaufhebbaren Gegensatz zu beiden Grundfunktionen des Geldes:

Dadurch, daß es absurd ist Fiatgeld sparen zu wollen, weil es zumindest langfristig nichts anderes ist als ein Fetzen Papier, löst sich auch die zweite Grundfunktion des Geldes in nichts auf, denn schließlich will niemand mehr dieses wertlose Altpapier haben:
