Sittlichkeit ist Grundlage der Gesellschaft von Menschen. Egoismus die des „Vereins von Ichen“ (Der Einzige, S. 196). In der Gesellschaft darf ich nicht ich selbst sein, darf nicht authentisch sein, sondern muß ein anderer sein (Der Einzige, S. 233), d.h. ich muß sittlich sein (Der Einzige, S. 196). Diese „heiligen“ Gebilde hält nämlich der Glaube, die Ideologie (im Nationalsozialismus „das Blut“) zusammen, die aus dem Einzelnen ein bloßes Exemplar macht und ihn so seiner Einzigkeit beraubt: sie existieren auf Kosten des „Einzigen“ (Der Einzige, S. 349), seine Demut ist ihre Lebensgrundlage. Das neue Fundament des Zusammenlebens im Verein hingegen ist schlicht bioenergetischer Kontakt! „Nur wenn Ihr einzig seid, könnt Ihr als das, was Ihr seid, miteinander verkehren“ (Der Einzige, S. 148).
Stirner unterscheidet zwischen „Selbstbefreiung“ und „Emanzipation“ (Freisprechung, Freilassung). Wer das letztere verlangt, zeigt damit, wie unmündig er ist. Und wer mündig ist – der nimmt sich die Freiheit (Der Einzige, S. 185). Stirner ist also alles andere als ein unrealistischer Utopist, zumal die ersehnte Welt, die aus Vereinen von Egoisten besteht, schon jetzt alltäglich funktioniert – entsprechend Reichs „Utopie“ von der Arbeitsdemokratie. Einem seiner Kritiker, der ihm Utopismus vorwarf, entgegnete Stirner:
Sähe Heß [der besagte Kritiker] das wirkliche Leben, worauf er doch soviel hält, aufmerksam an, so würde er hunderte von solchen teils schnell vorübergehenden, teils dauernden egoistischen Vereinen vor Augen haben. Vielleicht laufen in diesem Augenblicke vor seinem Fenster Kinder zu einer Spielkameradschaft zusammen; er sehe sie an und er wird lustige egoistische Vereine erblicken. Vielleicht hat Heß einen Freund, eine Geliebte; dann kann er wissen, wie sich das Herz zum Herzen findet; wie ihrer zwei sich egoistisch vereinen, um aneinander Genuß zu haben, und wie keiner dabei „zu kurz kommt“. Vielleicht begegnet er ein paar guten Bekannten auf der Straße und wird aufgefordert, sie in ein Weinhaus zu begleiten; geht er etwa mit, um ihnen einen Liebesdienst zu erweisen, oder „vereint“ er sich mit ihnen, weil er sich Genuß davon verspricht? Haben sie sich wegen der „Aufopferung“ schönstens bei ihm zu bedanken, oder wissen sie’s, daß sie zusammen auf ein Stückchen einen „egoistischen Verein“ bildeten? Freilich wird Heß es diesen trivialen Beispielen nicht ansehen, wie inhaltsschwer und wie himmelweit verschieden sie von den heiligen Gesellschaften, ja von der „brüderlichen, menschlichen Gesellschaft“ der heiligen Sozialisten sind. (Parerga, S. 204)
Stirner führt, im Gegensatz zum späteren Marx, die kapitalistische Herrschaft auf den Staat zurück. Alles beruht auf „Rechtstitel“ (Der Einzige, S. 125). Man vergleiche das mit Reichs Diktum, daß die Politik der Hauptfeind ist. Reichs Konzept der Arbeitsdemokratie in der Form, wie er es Ende der 1930er Jahre formulierte, ist praktisch identisch mit Stirners Konzept des Vereins, wobei Stirner nicht nur kein Sozialist, sondern auch kein „Kapitalist“ ist:
(…) die Konkurrenz (…) hat (…) gerade dadurch Bestand, daß nicht Alle sich ihrer Sache annehmen und sich über sie miteinander verständigen. Brot ist z.B. das Bedürfnis aller Einwohner einer Stadt; deshalb könnten sie leicht übereinkommen, eine öffentliche Bäckerei einzurichten. Statt dessen überlassen sie die Lieferung des Bedarfs den konkurrierenden Bäckern. Ebenso Fleisch den Fleischern, Wein den Weinhändlern usw.
Die Konkurrenz aufheben heißt nicht soviel als die Zunft begünstigen. Der Unterschied ist dieser: In der Zunft ist das Backen usw. Sache der Zünftigen; in der Konkurrenz Sache der beliebig Wetteifernden; im Verein Derer, welche Gebackenes brauchen, also meine, diese Sache, weder Sache des zünftigen noch des konzessionierten Bäckers, sondern Sache der Vereinten.
Wenn Ich Mich nicht um meine Sache bekümmere, so muß Ich mit dem vorlieb nehmen, was Andern Mir zu gewähren beliebt. Brot zu haben, ist meine Sache, mein Wunsch und Begehren, und doch überläßt man das den Bäckern, und hofft höchstens durch ihren Hader, ihr Rangablaufen, ihren Wetteifern, kurz ihre Konkurrenz einen Vorteil zu erlangen, auf welchen man bei den Zünftigen, die gänzlich und allein im Eigentum der Backgerechtigkeit saßen, nicht rechnen konnte. – Was Jeder braucht, an dessen Herbeischaffung und Hervorbringung sollte sich auch Jeder beteiligen; es ist seine Sache, sein Eigentum, nicht Eigentum des zünftigen oder konzessionierten Meisters. (Der Einzige, S. 306)
Es ist einfach verblüffend zu sehen, wie aktuell Stirners Buch nach über 180 Jahren noch ist: seine Kritik am Kapitalismus und am Kommunismus (er schreibt so, als wäre ihm der Marxismus schon präsent – nun, er war es in Gestalt all der kommunistischen Theoretiker, die Stirner vor Augen hatte und von denen Marx fleißig abschrieb) und dann nimmt er noch den späten Nietzsche vorweg, indem er z.B. den dreifaltigen Liberalismus auf das Christentum zurückführt: „So kehrt in diesem Ende der Neuzeit (Zeit der Neuen) als Hauptsache wieder, was im Anfang derselben Hauptsache gewesen war: die ‚geistige Freiheit’“ (Der Einzige, S. 142). – Stirner hat Marx und Nietzsche bereits überholt, bevor der erste Kommunist war und der zweite überhaupt aus den Windeln raus war!
Die Arbeitsdemokratie ist Liebe, Arbeit und Wissen, sie wird gegenwärtig durch die Emotionelle Pest, an ihrer Spitze Modju Melanor (BlackRock) Merz, frontal und auf allen drei Ebenen angegriffen.
Stichwort Liebe: Seit Einführung des jedwede Arbeitsqualität zerstörenden „Qualitätsmanagements“ und jeder Menge von anderen „Modulen“, an die sich jeder Arbeitende streng zu halten hat, ist das informelle Vertrauensband zwischen den einzelnen Mitarbeitern in den Firmen, das zwischen Angestellten und ihren Abteilungsleitern, das zwischen den verschiedenen Produktions-, Management- und Marketingebenen zerrissen. An die Stelle von „blindem Vertrauen“ ist das Leninistische „Kontrolle ist besser!“ getreten. Das wirkt sich auch auf das Verhältnis der Firma zu Lieferanten, Dienstleistern und Kunden aus. Wer heutzutage noch den „kleinen Dienstweg“ beschreitet („Wir kennen uns. Das regeln wir unbürokratisch.“), also das, was früher die deutsche Wirtschaft, trotz des zu absurden Regeln geronnenen allgemeinen pestilenten Wahnsinns, am Leben hielt, – wird heute zum Chef gerufen und zur Sau gemacht. Eigeninitiative und persönlicher Kontakt behindere die Planwirtschaft! Wobei kurioserweise gerade das, die Restbestände der Arbeitsdemokratie, die Planwirtschaft in der „DDR“ über Jahrzehnte am Leben hielt und bis heute das Zusammengehörigkeitsgefühl der „Ossis“ prägt. Wir zerstören das und machen die Arbeitnehmer zu bloßen voneinander isolierten Arbeitsbienen, die schon morgen durch KI und Roboter ersetzt werden können.
Stichwort Arbeit: Seit dem 19. Jahrhundert hat das dezentrale Kreditwesen, die deutsche Wirtschaft am Leben gehalten und das Land mit einem lebendigen Gewebe von Produzenten überzogen. Überall gab es kleine Geldinstitute, Banken, Sparkassen etc. die über den persönlichen Kontakt und wegen der Persönlichkeit und Überzeugungskunst von Tüftlern, Erfindern oder einfach nur von Leuten, „die anpacken wollten“, diesen das notwendige Geldkapital für wirtschaftliche Aktivitäten bereitstellten. Über Jahrzehnte hatte sich eine Schicht von Experten ausgebildet, die einfach durch die angesammelte Erfahrung, Menschenkenntnis und ihr Eingebundensein in das lokale Gemeinschaftsleben genau abschätzen konnten, wem man vertrauensvoll das Geld der Sparer anvertrauen konnte und wem lieber nicht. Teilweise wurden so auch Sachen finanziert, deren schließlicher Erfolg jeden Außenstehenden überraschte, während andere Dinge, die gegenwärtig in einer Pleite nach der anderen münden, nie und nimmer das Licht der Welt erblickt hätten. Heute wird das Kreditwesen europaweit zentralisiert, kleine Kreditinstitute zerschlagen und die besagte mittlerweile jahrhundertealte Expertise der Kreditvergabe systematisch zerstört und durch „Algorithmen“ ersetzt, die nichts weiter sind als die zu Computerprogrammen kristallisierte Emotionelle Pest. Am Ende steht eine Sklavenhaltergesellschaft ohne Mittelschicht, schlimmer als das imperiale Rom!
Stichwort Wissen: Die Tagesschau ist schlimmer als die einstige Aktuelle Kamera. Der Tatort ist nur noch Agitprop. An den Schulen und Universitäten wird nur noch vollkommener Unsinn gelehrt, wobei selbst die MINT-Fächer sich etwa auf die „Klimakatastrophe“ konzentrieren müssen, wenn sie denn weiterhin finanziert werden wollen. Statt sich an der objektiven Realität zu orientieren, haben sie sich gefälligst ans „Narrativ“ zu halten. Schon in den Kinderkrippen wird den Kleinen das kritische Hinterfragen ausgetrieben und am Ende stehen die heutigen trans Zombies mit einer gebleichten Einheitspersönlichkeit und einer tumben Einheitsmeinung, die nur ein einziges Ziel haben: Teil des Staates zu werden oder, noch besser, einer staatlichen Nichtregierungsorganisation. Die ältere Generation ist kaum besser: man rede mal mit einer „Oma gegen rechts“, die Jahrzehntelang heute geschaut und Bertelsmann-Printmedien konsumiert hat! Die Menschen in der „DDR“ wußten, selbst wenn sie keine Westmedien schauen konnten, daß sie belogen werden, während die heutigen „Demokraten“ wirklich den durchsichtigsten Unsinn mit einem „antifaschistischen“ Fanatismus nachplappern, der sprachlos macht und dich ständig in einem abgeschmackten Zombie-Film versetzt. Mit solchen seelenlosen Hüllen Wahlen abzuhalten, ist an abgeschmackter Sinnlosigkeit nicht zu überbieten.
Praktisches Beispiel: Bis in die 1980er Jahre hinein wurde in den Lebensmittelabteilungen der großen Kaufhäuser der Inhalt der Regale (natürlich innerhalb der Grenzen des grob vorgegebenen Sortiments) von den angelernten Verkäuferinnen in Zusammenarbeit mit den durchgehend männlichen Vertretern der Lieferfirmen vor Ort noch weitgehend selbst bestimmt, natürlich auch in Rücksprache mit den Kunden im Geschäft. Man kannte sich seit Jahren, es kam zu persönlichen Gesprächen, es wurde geflirtet und harmlos rumgeschäkert bis sich die Balken bogen, gelacht und geklönt, Werbegeschenke wurden überreicht und man tauschte sich darüber aus, „was ging“ und was nicht. Wer sollte besser wissen, wenn nicht die Verkäuferinnen und ihre Familien beispielsweise welche Soßen schmeckten und welche nicht! Die Arbeitsatmosphäre war gut, da man ständig Freunde besuchte bzw. von diesen besucht wurde, der Warenfluß folgte einem persönlichen Vertrauensverhältnis und die Expertise wuchs vor Ort und kam vor Ort zur unmittelbaren Wirkung. Der Informationsfluß ging nicht nur nach unten, sondern vor allem auch nach oben. Das änderte sich durch eine zunehmende Amerikanisierung. Die Bestellungen erfolgten nur noch zentral, die Werbegeschenke blieben aus, da die Lieferanten und die Verkäuferinnen austauschbar wurden. Das Sortiment wurde bis ins kleinste Detail bundeseinheitlich „angebotsorientiert“, d.h. die Verbraucher sollten dressiert werden, und inzwischen könnten sämtliche Menschen in diesem Getriebe durch Roboter ausgetauscht werden. Was bleibt, sind Fahrer, die lustlos und zunehmend nachlässig ihre Strecken abklappern, und übellaunige Verkäuferinnen, die ständig ihre dröge Existenz verfluchen und nur noch Mist bauen.
Das gemeinsame Funktionsprinzip von all dem ist, daß die bioenergetische Spannung des Zusammenlebens (Liebe), die bioenergetische Spannung des Vertrauen auf eine zukünftige Arbeitsleistung (Kredit) und die bioenergetische Spannung des Selberdenkens („kritische Distanz“) verlorengeht und an ihre Stelle das „spannungslose“ Einheitsgewebe des wuchernden putriden Krebsgewebes „unserer Demokratie“ tritt.
Aaron Sell (Griffith University, Australien) et al. haben u.a die politischen Einstellungen von Männern mit deren Muskelkraft abgeglichen. Die Kampfkraft eines Mannes, die durch die Stärke seines Oberkörpers bestimmt wird, wird von den Forschern zwar vor allem aus evolutionsbiologischer Sicht betrachtet, doch wenn man davon abstrahiert, erhält man einen Blick auf die bioenergetischen Prozesse, die den untersuchten Einstellungen zugrundeliegen. Beispielsweise zeigen Sell und seine Kollegen, daß jene Schauspieler in Hollywood, die wegen ihrer körperlichen Stärke ausgewällt wurden, d.h. „Action Stars“, überdurchschnittlich zu einer Republican außenpolitischen Einstellung neigen. Während in dieser Hinsicht Hollywood-Schauspieler fast durchweg links eingestellt sind, neigen Leute wie Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, Chuck Norris und Sylvester Stallone eher zu rechten Einstellungen.
Diverse Studien, die in Amerika, Indien, Bolivien und der Zentralafrikanischen Republik durchgeführt wurden, zeigen, daß körperlich starke Männer jähzorniger sind und eher zu körperlicher Gewalt neigen, wenn sie wütend werden. Der Effekt, den die pure Muskelstärke in dieser Hinsicht ausübt, ist weitaus stärker ausgeprägt als etwa die Auswirkung unterschiedlicher Testosteron-Spiegel. Solche Männer glauben auch weitaus stärker an den Nutzen, der von politischer Aggression ausgeht, um Interessenkonflikte zu lösen.
Ein kräftiger Oberkörper bei erwachsenen Männern scheint eine entscheidende Variable zu sein, die Einfluß auf eine große Reihe von geistigen Mechanismen hat. Diese Mechanismen wurden durch die natürliche Auslese zu einer Zeit geschaffen, als physische Aggression des Einzelnen viel allgemeiner verbreitet war und individuelle Unterschiede in der Fähigkeit zur körperlichen Auseinandersetzung weitaus wichtiger für den Ausgang von Konflikten waren. Trotz der stetigen Abnahme physischer Aggression und von Todesfällen aufgrund von Gewalteinwirkungen im Verlauf der westlichen Zivilisation, wird der menschliche Geist noch immer von der Umwelt unserer Vorfahren geprägt.
Elsworth F. Baker hat in seinem bahnbrechenden Buch Der Mensch in der Falle aufgezeigt, daß Menschen, die im weitesten Sinne dem konservativen und rechten Spektrum zugeordnet werden können, in erster Linie „muskulär gepanzert“ sind und entsprechend einen, wenn auch verzerrten, Kontakt zu ihrem „tierischen“ Kern haben, während Liberale und Linke tendenziell mehr „intellektuell gepanzert“ sind, d.h. mit ihrer bioenergetischen Erregung durch „Gedankenarbeit“ fertigwerden. Sie sind von ihrem bioenergetischen Kern abgetrennt und empfinden entsprechend nichts als tiefste Verachtung für die „primitiven Affen“ von rechts. Man lese eine beliebige Analyse in unserer durchweg „progressiven“ Presse!
Ich habe lange gezögert, auf die beiden folgenden Videos hinzuweisen. Aber, was soll’s… Also, das folgende zeigt Louis Farrakhan, den Führer der rassistischen Nation of Islam, wie er sich zur „Technologie“ von L. Ron Hubbard bekennt. Man könnte jetzt über den schwarzen Nazi Farrakhan und den Okkult-Nazi Hubbard herziehen – blablabla. Wichtiger ist aber, daß Farrakhan hier eine absolut erstaunliche Aussage macht: Erstens räumt er ein, daß er einer faschistischen Organisation vorsteht. Die Nation of Islam hat dieselben schwarz-faschistischen Züge wie einst der deutsche Nationalsozialismus oder der italienische Faschismus. Als „religiöser“ Mensch ist Farrakhan aufgefallen, wie durch und durch krank seine Bewegung ist. Zweitens führt er aus, woran sie krankt: an Menschen, die unter blockierten Emotionen leiden und dies an ihre Untergebenen, ihren angeblichen „Brüdern und Schwestern“, auf das gemeinste auslassen. Insbesondere Frauen müßten darunter leiden.
Daß Farrakhan einen anderen okkulten, schwarz-faschistischen Verein, nämlich die Scientology, heranzieht, ist erst mal nebensächlich. Wichtiger ist, daß man hier sehen kann, wie sich in einer schwarz-faschistischen Bewegung sozusagen in einem schmalen Zeitfenster die Panzerung löst, bevor sie sich um so stärker verkrampfen wird:
Das zweite Video ist ebenfalls recht problematisch, da es ausgerechnet eine Sitzung der deutschen „Skeptiker“ dokumentiert, also von Leuten, die die Orgonomie vom Grunde ihres Herzens verachten. Aber darum geht es hier gar nicht, wichtiger ist, daß Ursula Caberta, Sektenexpertin der Hamburger Innenbehörde, mit ihrem Vortrag „Esoterik – Die spirituelle Verwahrlosung der Republik“ jeden an der Orgonomie interessierten zutiefst betroffen machen sollte. Es ist nämlich so, daß die „Orgonomie“ (oder das, was manche Leute dafür halten) in Deutschland zunehmend ins Fahrwasser der vermeintlichen „Esoterik“ gerät und Leute in etwas gezogen werden, was man nur als „schwarz-faschistische“ Versklavung bezeichnen kann. Das, was die Panzerung aufheben soll, die Orgonomie, wird dazu genutzt, die Panzerung in der Welt nur noch weiter zu verstärken.
Immer wieder von neuem bestätigt sich Reichs Satz, daß „die soziale Existenz des Lebewesen Mensch bioenergetisch betrachtet an sich nur ein kleiner Gipfel auf dem gigantischen Berg seines biologischen Daseins [ist]“ (Ausgewählte Schriften, S. 24).
Michael Bang Petersen von der Universität Aarhus, Dänemark und Daniel Sznycer von der University of California, Santa Barbara sammelten bei Hunderten Amerikanern, Argentiniern und Dänen Daten zur Größe des Bizeps, zum sozioökonomischem Status und der politischen Unterstützung für wirtschaftliche Umverteilung. Es zeigte sich, daß Männer, die körperlich stark sind, insbesondere was die Muskulatur des Oberkörpers betrifft, eher rechtsgerichtete politische Ansichten verfechten und das vollkommen unabhängig von den teils drastisch unterschiedlichen Sozialsystemen der drei Länder und vor allem auch unabhängig vom wirtschaftlichen „Klassenstatus“ der untersuchten Personen. Schwächere Männer hingegen neigen eher zur Unterstützung von Wohlfahrtsstaat und Umverteilung.
Die beiden Forscher erklären das ganze natürlich evolutionsbiologisch, d.h. noch heute werde die soziopolitische Haltung von jenen primitiven Mechanismen bestimmt, die unsere Gene prägten. Ein Wladimir Klitschko konnte sich in der steinzeitlichen Menschenhorde auf seine Muskeln verlassen, während ein Woody Allen von der Solidarität abhängig war. So ließe sich auch erklären, daß es bei Frauen keinen Zusammenhang zwischen soziopolitischer Einstellung und Muskelmasse gibt: sie hatten in der Steinzeit bei körperlichen Auseinandersetzungen mehr zu verlieren als zu gewinnen.
Die Erklärung, die Elsworth F. Baker in Der Mensch in der Falle 1967 gab, lange bevor die mechanistische Wissenschaft auf diese Zusammenhänge stieß, war bioenergetischer Natur.
In seinem Buch (S. 228f) erklärt Baker u.a. die „selektivistische Einstellung“ des Konservativen zum Gemeinschaftsleben und die kollektivistische Einstellung des „Liberalen“ (nach der amerikanischen Nomenklatur, es handelt sich um Sozialdemokraten!) mit zwei grundsätzlich unterschiedlichen Arten der Panzerung. Konservative haben sich ein natürliches Gefühl zum Leben bewahrt, während Liberale mechanistisch entartet sind. Baker führt dazu aus:
Die Abwehr von Gefühlen kann auf zwei Arten erfolgen (…) : (1) Muskelkontraktion, bei der der Kontakt zum Wesenskern nicht verlorengeht, Empfindungen aber, die von dort kommen, vermindert oder entstellt sind, und (2) intellektuelle Abwehr, bei der es dem Betreffenden weitgehend oder ganz gelingt, den Kontakt zum Wesenskern zu verlieren, so daß er hauptsächlich in der [auf das Soziale ausgerichtete] Oberflächenschicht seiner Struktur leben kann. Man darf nicht vergessen, daß dies nicht in erster Linie eine Frage der intellektuellen Fähigkeiten oder der Intelligenz ist, sondern daß es vielmehr von der Verwendung solcher Fähigkeiten als Abwehr gegen die Ängste des Lebens abhängig ist. Dies ist ein späterer oder raffinierterer Abwehrmechanismus als die muskuläre Panzerung. Abgesehen von den wenigen gesunden Individuen, kann man die Menschen grob in diese beiden Typen unterteilen, nämlich jene, die eher ein Verstandes- als ein Gefühlsleben führen, und die anderen, die noch Kontakt zu ihren Grundgefühlen haben, sei er nun echt oder entstellt, und weitgehend von ihnen regiert werden.
Aber wie ist das nun mit dieser bioenergetischen Erklärung bei den Frauen bestellt, bei denen es ja offensichtlich keine Unterschiede im Muskelaufbau zwischen Konservativen und Liberalen gibt? Wenn ich so die politischen Diskussionen in Amerika und Deutschland verfolge, fällt auf, daß linke Frauen, mit Verlaub, generell geradezu abartig häßlich aussehen. Die Spitzenfrauen der Grünen sehen typischerweise aus wie sprechende Klobürsten! Bei konservativen Frauen ist das im Durchschnitt (im Durchschnitt!) vollkommen anders. Sie sind meist attraktiv und tun auch alles, um den Männern zu gefallen. „Sie folgen dem traditionellen Rollenmuster.“ Oder mit anderen Worten: sie sind halt konservativ. Sie stellen sich entsprechend hinter „starke Männer“, d.h. sie identifizieren sich mit ihnen. Die Muskelpanzerung konservativer Frauen ist sozusagen ausgelagert worden. Die liberalen Frauen tun sich mit den schwächlichen liberalen Losern zusammen. Bei Linken verschwimmen aber ohnehin die Geschlechtsunterschiede. Ich für meinen Teil finde, daß viele Männer bei den Grünen wie lesbische Frauen aussehen und viele Frauen bei den Grünen wie abgetakelte Transen. Wirklich abartige Gestalten, die aus reinem Ressentiment mit ihrem degenerierten Multikulti-, Umverteilungs- und Ökowahn uns das Leben zur Hölle machen.
Die Auflösung der Gesellschaft ist der Verkehr oder Verein. Der Verein ist „die eigen gewollte Einheit“ (Der Einzige, S. 254). Den Verein kann man genausowenig auf den Begriff bringen wie den Einzigen: beides sind keine fixen „Gedanken“, sondern stehen jenseits davon, d.h. sind „bestimmungsloses“ Leben (Parerga, S. 202). „Der Verein ist nur dein Werkzeug oder das Schwert, wodurch Du deine natürliche Kraft verschärfst und vergrößerst; der Verein ist für Dich und durch Dich da, die Gesellschaft nimmt umgekehrt Dich für sich in Anspruch und ist auch ohne Dich; kurz die Gesellschaft ist heilig, der Verein dein eigen: die Gesellschaft verbraucht Dich, den Verein verbrauchst Du“ (Der Einzige, S. 351). Stirners Ziel ist „die Anarchie, die Gesetzlosigkeit, die Eigenheit“ (Der Einzige, S. 115), weshalb er gegen die Liberalen war mit ihrer Tyrannei der Vernunft, denn die vertragen „keine Ungezogenheit und darum keine Selbstentwicklung und Selbstbestimmung“ (Der Einzige, S. 116).
Wird durch eine Gesellschaft nur meine Freiheit beschränkt, dann ist sie tatsächlich ein „Verein“, wird aber meine Eigenheit beschränkt, so ist die Gesellschaft „eine Macht für sich, eine Macht über Mir, ein von Mir Unerreichbares, das Ich zwar anstaunen, anbeten, verehren, respektieren, aber nicht bewältigen und verzehren kann, und zwar deshalb nicht kann, weil Ich resigniere. Sie besteht durch meine Resignation, meine Selbstverleugnung, meine Mutlosigkeit, genannt – Demut. Meine Demut macht ihr Mut, meine Unterwürfigkeit gibt ihr die Herrschaft“ (Der Einzige, S. 343f).
Allerdings entsteht auch durch Verein eine Gesellschaft, aber nur wie durch einen Gedanken eine fixe Idee entsteht, dadurch nämlich, daß aus dem Gedanken die Energie des Gedankens, das Denken selbst, diese rastlose Zurücknahme aller sich verfestigenden Gedanken, verschwindet. Hat sich ein Verein zur Gesellschaft kristallisiert, so hat er aufgehört, eine Vereinigung zu sein; denn Vereinigung ist ein unaufhörliches Sich-Vereinigen; er ist zu einem Vereinigtsein geworden, zum Stillstand gekommen, zur Fixheit ausgeartet, er ist – tot als Verein, ist der Leichnam des Vereins oder der Vereinigung, d.h. er ist – Gesellschaft, Gemeinschaft. Ein sprechendes Exempel dieser Art liefert die Partei. (Der Einzige, S. 342)
Man darf den Verein nicht einfach nur als ein einseitiges Instrument betrachten, mit dem der Einzelne seine Mittel multipliziert (Der Einzige, S. 287) und sich dergestalt in eine gottgleiche Position bringt, vielmehr beruht der Verein in einer Welt, in der nichts mehr heilig ist, notwendigerweise auf Gegenseitigkeit, d.h. dem Verkehr zwischen Einzigem und Einzigem zu beiderseitigem Genuß; ein Verkehr gegen den sich die ach so soziale Gesellschaft wehrt, da er ihre Heiligkeit untergräbt (Der Einzige, S. 240f). „Verkehr ist Gegenseitigkeit“, während Gesellschaft nur eine von außen definierte rein mechanische Anordnung ist, – die durch den Verkehr zwischen Einzelnen nur gestört wird. Der wirkliche, d.h. persönliche Verkehr ist vollkommen unabhängig von der Gesellschaft (Der Einzige, S. 239f). In der Gesellschaft darf der Mensch „nicht unbekümmert mit dem Menschen verkehren, nicht ohne ‚höhere Aufsicht und Vermittlung‘“ (Der Einzige, S. 249). „Statt das Volk frei machen zu wollen, hätte er auf die einzig realisierbare Freiheit, auf die seinige, bedacht sein sollen“ (Der Einzige, S. 252). „Aber die Eigenheit, die will Ich Mir nicht entziehen lassen. Und gerade auf die Eigenheit sieht es jede Gesellschaft ab, gerade sie soll ihrer Macht unterliegen“ (Der Einzige, S. 343).
In was für einem Ausmaß wir in einer luftleeren, gespenstischen Scheinwelt leben, in der wir zu ersticken und zu erfrieren drohen, kann man sich an der „Liebe“ vergegenwärtigen: wir lieben nicht etwa, um in ihr unseren Genuß zu finden, sondern aus edler Uneigennützigkeit. Wenn es unser Gegenüber mit uns ebenso macht – „hätten wir das ideale Paar einer Narrenehe: zwei Menschen, die sich in den Kopf gesetzt haben, ohne sich selbst im anderen zu genießen, aus purer Aufopferung eines das andere zu lieben“ (Parerga, S. 221). Noch schlimmer als diese „Liebe“ zwischen altruistischen Irrenhäuslern, ist die „coole“ machiavellistische Manipulation von „Liebe“, wie sie in der westlichen Magie und im östlichen Tantra gelehrt wird und gerade en vogue ist: sie beruht auf den „yogischen“ Verzicht des Selbstgenusses, d.h. Sexualität soll in Macht transformiert werden.
Nur dem Besessenen und Unechten kann Stirner als „autistisch“ und herzlos erscheinen – in Wirklichkeit ist es derjenige, der aus der lebendigen Liebe eine nekrophile Farce macht: derjenige der von der Gesellschaft, der Familie, der Gemeinschaft schwärmt. (Vgl auch Reich über „sexuelle Dauerbeziehung“ und „ewigwährende Zwangsehe“ in Die sexuelle Revolution: dem Katholiken ist das erstere ein herzloser, autistischer, „ironistisch-nihilistischer“ Graus – dem „Reichianer“ ganz entsprechend das letztere.)
Es ist immer das gleiche: statt sich und das Leben zu genießen, opfert man sich und das Leben irgendwelchen Chimären (Der Einzige, S. 361). Stirner geht es einzig und allein um eben diesen egoistischen Selbstgenuß, – weshalb die Gemeinschaft und die Liebe sein Element sind. Konsterniert frägt er seine Kritiker, die ihm „lieblosen Egoismus“ vorhalten, was an der Isoliertheit eigentlich „egoistisch“ sein solle. Was um alles in der Welt sei daran egoistisch, auf den Genuß der Geselligkeit und der Liebe zu verzichten? (Parerga, S. 180). „Wer einen Menschen liebt, ist um diese Liebe reicher als ein anderer, der keinen liebt; aber ein Gegensatz von Egoismus und Nicht-Egoismus ist darin keineswegs vorhanden, da beide nur ihrem Interesse folgen“ (Parerga, S. 181).
Im Grund, d.h. vom emotionalen Gehalt her gesehen, ist Antisemitismus und Antikapitalismus ein und dasselbe. Der freie Austausch von Gütern wird genauso betrachtet, wie der „Austausch“ zwischen den Geschlechtern und ihre wechselseitige „Wert-Schätzung“.
Besonders instruktiv ist in diesem Zusammenhang der nationale Sozialist Adolf Hitler. Der Jude sei „nur von dieser Welt“, und damit dem Christen wesensfremd. Niemals hätten die Juden etwas anderes angebetet als das Geld, das „Goldene Kalb“.
Das Geld ist für Sozialisten so über alle Maßen anrüchig, weil es das eine Gut (in diesem Fall Gold) ist, das in alle anderen Güter umgetauscht werden kann: es ermöglicht den „Verkehr“. Es ist unmittelbar einsichtig, daß Geld vom Gefühl her mit Sexualität identisch ist. Der Zins, der Mietpreis für das Geld, ist das gleiche in Potenz. „Zinswucher“ und „Mädchenhandel“ gehören in den gleichen Gefühlsbereich.
Der Sozialist Proudhon schrieb:
Der Jude ist der Feind des Menschengeschlechtes. Man muß diese Rasse nach Asien zurückschicken oder sie vernichten. (z.n. Michael Ley: Genozid und Heilserwartung, Wien 1993, S. 126)
Ursprünglich nannte Marx das, was er später als „Kapitalismus“ bezeichnete, „Judentum“ und „das Geldsystem“. André Glucksmann schreibt in diesem Zusammenhang über Marx‘ Aufsatz Zur Judenfrage vom Herbst 1843:
Marx hat den Haß auf den Juden zum Haß auf das Geld verlagert. Die Nazis haben diese Verschiebung wieder zurückverlagert. (Die Meisterdenker, Reinbek 1979, S. 107)
Konrad Löw zufolge, bringt Zur Judenfrage
das Judentum mit dem Kapitalismus in Verbindung und zwar dergestalt, daß beide Ausdrücke geradezu Synonyma werden. Alle negativen Elemente des Kapitalismus sind zugleich Eigenschaften des Judentums. (Der Mythos Marx und seine Macher, München 1996, S. 452)
Marx führte in diesem, seinem Pamphlet aus:
Suchen wir das Geheimnis des Juden nicht in seiner Religion, sondern suchen wir das Geheimnis der Religion im wirklichen Juden. Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld. Nun wohl! Die Emanzipation vom Schacher und vom Geld, also vom praktischen, realen Judentum wäre die Selbstemanzipation unserer Zeit. (…) Wir erkennen also im Judentum ein allgemeines gegenwärtiges antisoziales Element, welches durch die geschichtliche Entwicklung, an welcher die Juden in dieser schlechten Beziehung eifrig mitgearbeitet, auf seine jetzige Höhe getrieben wurde, auf eine Höhe, auf welcher es sich notwendig auflösen muß. Die Judenemanzipation in ihrer letzten Bedeutung ist die Emanzipation der Menschheit vom Judentum. (z.n. Löw, S. 452f)
Nachdem Michael S. Voslensky den letzten Satz in seinem Buch über „Die Lehrmeister der Nomenklatura“ zitiert, fragt er: „Eine ‚Endlösung‘?“ und fährt fort:
In der Literatur erörtert man die Frage, ob Hitler seine antisemitischen „Argumente“ diesem Artikel entnommen hatte. Bekanntlich las Hitler die Werke von Marx im Landsberger Gefängnis (1924), aber auch früher. In einer Rede in München am 15. August 1920 zum Thema, warum die Nationalsozialisten Antisemiten seien, behauptete ihr Führer, seine antisemitische Argumentation stamme von „einem Juden“; vermutlich meinte er Marx. (Sterblich Götter, Erlangen 1989, S. 27)
Erst vor diesem Marxistischen Hintergrund kann man Hitlers berühmte Reichstags-Rede vom 30. Januar 1939 verstehen, die den Holocaust ankündigte:
Ich will heute wieder ein Prophet sein: wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.
In Marx‘ Zur Judenfrage heißt es:
Der Jude hat sich auf jüdische Weise emanzipiert, nicht nur, indem er sich die Geldmacht angeeignet, sondern indem durch ihn und ohne ihn das Geld zur Weltmacht und der praktische Judengeist zum praktischen Geist der christlichen Völker geworden ist. Die Juden haben sich insoweit emanzipiert, als die Christen zu Juden geworden sind. (…) der Gott der Juden hat sich verweltlicht, er ist zum Weltgott geworden. Der Wechsel ist der wirkliche Gott des Juden. Sein Gott ist nur der illusorische Wechsel.
Es wird gerne behauptet, Marx hätte die „Judenfrage“ ja nur im Rahmen einer Rezension von Bruno Bauers entsprechenden Thesen berührt und wäre ansonsten nirgends auf dieses Thema zurückgekommen, weshalb es abwegig sei, seine Behauptungen aus der hitzigen Debatte mit Bauer herauszureißen und aus ihm einen Antisemiten zu machen. Gemach, Marx‘ Neue Rheinische Zeitung hetzte in Streicher-Manier gegen diese, so Engels, „schmutzigste aller Rassen“ (z.n. Löw, S. 453).
Aber auch später, z.B. 1856 in einem Beitrag für The New York Tribune konnte Marx hitleresk schreiben:
Wir wissen, daß hinter jedem Tyrannen ein Jude steht, wie hinter jedem Papst ein Jesuit. Wie das Heer der Jesuiten jeden freien Gedanken tötet, würde der Wunsch der Unterdrückten Erfolgsaussichten haben; die Nützlichkeit von Kriegen, angestiftet von Kapitalisten, würde enden, wenn sie nicht für die Juden sein würden, welche die Reichtümer der Menschheit stehlen. Kein Wunder, daß vor 1856 Jahren Jesus die Wucherer aus dem Tempel Jerusalems gejagt hat. Sie waren die zeitgenössischen Wucherer, die hinter Tyrannen und Tyranneien stehen. Die Mehrheit von ihnen ist jüdisch. Die Tatsache, daß die Juden so stark geworden sind, das Leben der Welt in Gefahr zu bringen, veranlaßt uns, ihre Organisation und ihr Ziel zu enthüllen, damit ihr Gestank die Arbeiter der Welt zu Kampf aufrütteln möge, um solch ein Übel auszulöschen. (z.n. Richard Wurmbrand: Der unbekannte Karl Marx, CH-Seewis, 1987, S. 41f)
Das sind alles andere als bloße Marginalien, die nichts mit dem Kern des Marxismus zu tun hätten: der Antisemitismus ist der Kern des Marxismus! Man lese doch Das Kapital:
Der Kapitalist weiß, daß alle Waren, wie lumpig sie immer aussehen oder wie schlecht sie immer riechen, im Glauben und in der Wahrheit Geld, innerlich beschnittene Juden sind und zudem wundertätige Mittel, um aus Geld mehr Geld zu machen.
„Innerlich beschnittene Juden “ bezieht sich auf Paulus (Röm 2:29): zwar seien gentile Christen nicht „äußerlich“ beschnitten, doch seien sie durch ihren Glauben an Christus, der das jüdische Gesetz erfüllt hat, „innerlich“ beschnitten, d.h. wahre Juden. Da für Marx Kapitalismus und Judentum ein und dasselbe sind, will er damit ausdrücken, daß, wie immer sich Waren und Handel nach außen hin auch darstellen mögen, sie innerlich häßlich sind und stinken, d.h. jüdisch = kapitalistisch sind.
Man kann durchweg alle sozialistischen Bewegungen vom Marxismus und seinen Vorläufern bis hin zum Nationalsozialismus und dem heutigen Öko- und Esoterik-Gesindel als verzweifelten Versuch betrachten, eine „biologische Revolution“ zustande zu bringen, d.h. das mechanistisch und mystisch aufgefaßte Lebendige („Proletariat“ da und „die arische Rasse“ dort) von seinen Einschränkungen zu befreien. Man hat das z.B. versucht, indem man im Gulag und in Ausschwitz die „Kapitalistenklasse“ physisch vernichtete. Lenin hat dieses Vorhaben stolz verkündet und zwar ganz im Sinne von Marx. Ein Zeitgenosse erinnerte sich „des schneidend höhnischen, ich möchte sagen, des ausspuckenden Tones“, wenn Marx das Wort „Bourgeois“ aussprach“ (Carl Schurz: Lebenserinnerungen, Bd. 1, Berlin 1906, S. 144).
Bereits 1934 schrieb E.H. Carr in seinem Buch Karl Marx a Study in Fanatism, daß zwischen den Roten und Schwarzen Diktaturen der damaligen Zeit der einzige Unterschied darin liege, „daß die erstere ihre marxistische Abstammung verkündet, während die anderen sie verleugnen“ (z.n. Walter Laqueur: Mythos der Revolution, Frankfurt 1967, S. 127).
Aus charakteranalytischer Sicht setzt sich der moderne Antisemitismus aus zwei konträren Elementen zusammen, deren Gemeinsames Funktionsprinzip die Genitalangst ist: das Bild des alten bärtigen Patriarchen, der unschuldige kleine Christkindlein kastriert; und der glutäugige, großnäsige Jud Süß, der mit viehischer Gier über blonde Jungfrauen herfällt. Vom Bereich der Sexual- in die Arbeitsenergie übertragen, finden wir dieses Gegensatzpaar im jüdischen Kapitalisten und jüdischen Bolschewisten. Bei dieser Dichotomie handelt es sich einfach um den nach außen projizierten Ödipuskomplex. Man rebelliert gegen den kastrierenden und ausbeuterischen Vater, bekommt es mit der Angst zu tun und unterdrückt die Rebellion nach dem Vorbild, das einem der Vater geboten hat.
So glaubte Adolf Hitler, wie er in Mein Kampf schreibt, „im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“ Der Nationalsozialismus vereinigte in sich also die Revolution und die Reaktion. Er konnte die Erlösung bringen: wenn der Jude beseitigt ist, ist auch der Ödipuskonflikt gelöst und die Menschheit befreit. Die Endlösung war die nationalsozialistische Version der Sexuellen Revolution.
Das läßt sich am Ur-Nazi, Richard Wagner, exemplifizieren, dessen ganzes Leben ein einziges Aufbegehren gegen den ungeliebten jüdischen Stiefvater Ludwig Geyer war.
Dieses ödipale Moment findet sich heute insbesondere im sogenannten „Antizionismus“, der alle Probleme der Welt an einem geradezu grotesk unbedeutenden Lokalkonflikt (Israel ist so groß wie Hessen!) festmacht. Man erhebt sich gegen die angeblichen „Herrscher dieser Welt“ (die Freimaurer/Illuminaten/Bilderberger/das Finanzkapital, die glücklicherweise in einem kleinen Territorium greifbar sind) und solidarisiert sich dabei mit der denkbar finstersten Reaktion, dem islamischen Fundamentalismus.
Bei dieser faschistischen Rebellion der Nationalsozialisten und der heutigen Antizionisten (unter denen auch viele Juden sind – die Kapos der Jetztzeit) ging und geht es dabei nur vordergründig um Kapitalismus und „Zinsknechtschaft“. Primär geht es um ein Aufbegehren gegen Gott, das strafende Über-Ich, letztendlich gegen die Panzerung – es geht um Welterlösung.
Wirklich: die gesamte „Bewegung“ seit den 1970er Jahren ist nichts anderes als Hitlerismus in Grün!
Für Hitler unterscheidet sich der materialistische (d.h. „kapitalistische“, „unökologische“) Jude vom vergeistigten Christen dadurch, daß er sich nicht wie der Arier für ein Ideal opfern könne. Demgegenüber sei der opferwillige Arier in der Lage seine rein persönlichen Interessen zurückstellen. Überwindung des Egoismus in der sozialistischen Volksgemeinschaft, Gemeinschaftsgefühl, Glaube an Unsterblichkeit und ewige Werte sowie vor allem Aufopferungswille sei nur beim Arier ausgebildet.
Die grundsätzliche Gesinnung, aus der ein solches Handeln erwächst, nennen wir zum Unterschied vom Egoismus, von Eigennutz – Idealismus. Wir verstehen darunter nur die Aufopferungsfähigkeit des einzelnen für die Gesamtheit, für seine Mitmenschen. (Mein Kampf)
Insbesondere prangert Hitler als Folge der Prostitution die „Verjudung unseres Seelenlebens und Mammonisierung unseres Paarungstriebes“ durch „jüdische Mädchenhändler“ an und bringt das mit alle „Werte“ zerfressender Inflation, Wucher, „Zinsknechtschaft“, Profitgier und „Mädchenhandel“ in Zusammenhang.
Nach der Vorstellung Gottfried Feders, des Wirtschaftsexperten der NSDAP während der „Kampfzeit“, ist die „Zinsknechtschaft“ das eine Hauptübel der Welt, mit dessen Beseitigung sich alle anderen Übel von selbst erledigen würden. 1920 ging in das Parteiprogramm der NSDAP die Federsche Forderung nach „Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens“ und „Brechung der Zinsknechtschaft“, sowie nach der Todesstrafe für „gemeine Volksverbrecher, Wucherer, Schieber“ ein. Im Primärprozeßdenken sind „Schuld“ und „Schulden“ ein und dasselbe!
Feder hob stets hervor, daß 1919 er es gewesen sei, der Hitler seine erste grundlegende politische Erkenntnis vermittelt habe.
Die „rationale“ Funktion des nationalsozialistischen Antisemitismus bestand darin, daß er so gut wie der einzige ideologische Kitt war, der den Nationalsozialismus überhaupt zusammenhielt. (Desgleichen vereinigt heute der „Antizionismus“ die hoffnungslos zersplitterte Linke!)
Das, was für die Nazis und Stalinisten die Unterwanderung der Gesellschaft durch „Juden“ („Kosmopoliten“) und „Saboteure“ war, ist für die Linksliberalen die „soziale Gerechtigkeit“: ein Vorwand, mit dem sich alles rechtfertigen läßt.
Der Holocaust war in der UdSSR und später in allen anderen kommunistischen Staaten ein großes Tabu und wurde fast nie erwähnt, weil natürlich Kommunisten, nicht „zionistische Juden“, die Heroen des Antifaschismus hätten sein sollen. Entscheidender war aber wohl, daß man nicht die eigene „antizionistische“ Propaganda hintertreiben wollte, denn zur Zeit Hitler-Deutschlands und danach gab es in der Sowjetunion die Kampagne gegen den „Trotzkismus“, die eindeutig antisemitische Züge trug und durchtränkt war von der Vorstellung, aus dem Ausland würden politische „Krankheitserreger“ das Mutterland des Sozialismus vergiften.
Ganz wie die Nazis dem „Weltjudentum“ sowohl den „jüdischen Bolschewismus“ als auch den „Wall Street-Kapitalismus“ zur Last legten, galt der „Linksabweichler“ Trotzki als Werkzeug des internationalen Faschismus. Daß das stalinistische mit dem nationalsozialistischen Muster identisch war, zeigte sich aber erst in der Zeit von 1949 bis 1953 mit der Kampagne gegen den „wurzellosen Kosmopolitismus und Zionismus“, der für den zersetzenden Einfluß des prosperierenden, libertären „dekadenten Westens“ stand, der sich dergestalt in den „Zionisten“ (Juden) personalisierte. Sie würden den sowjetischen Volkskörper vergiften und stünden außerdem hinter den angeblichen „zionistischen Sabotage-Aktionen“ des Westens, bei denen krankheitserregende Bakterien und landwirtschaftliche Schädlinge, z.B. Kartoffelkäfer, in den sozialistischen Luftraum eingebracht würden.
Ähnliches geschah 1968 in Polen, als die Partei von „zionistischen Elementen“ gereinigt wurde – und der Kommunismus endgültig sein wahres, nämlich Nazi-Gesicht zeigte. Manche Historiker sehen in den damaligen antisemitischen Ereignissen in Polen, die an schierer Widerwärtigkeit einfach nicht mehr zu überbieten waren, den Anfang vom moralischen Ende des Weltkommunismus.
Und dieses rote Nazitum war kein Ausrutscher: es gehörte durchgehend zum Kommunismus. Das ging soweit, daß die KPD die NSDAP gegen Ende der Weimarer Republik in Sachen Antisemitismus überholen wollte. (Ähnlich der „antizionistischen“ „Antifa“ heute!)
Für die KPD waren „die Nationalsozialisten nichts anderes (…) als die Speerspitze von Bourgeoisie und Großkapital. Da letzteres auch aus Sicht der Kommunisten jüdisch dominiert war, prophezeite Politbüro-Mitglied Hermann Remmele das baldige Verschwinden des zweiten Teils des nationalsozialistischen Schlachtrufs „Deutschland erwache! Juda verrecke!“. In ihrer ideologischen Verblendung gingen sie sogar so weit, im jüdischen Großkapital die Hinterleute Hitlers zu sehen. So hieß es in der Roten Fahne über antisemitische Ausschreitungen der SA im jüdischen Scheunenviertel Berlins: „Die Pogrome, die diese von dem jüdischen Großkapital gut bezahlten Horden durchführen, sind Mörderfeldzüge gegen arme Proletarier, die nicht nur in dem tiefsten Elend dieser kapitalistischen Gesellschaft ihr Dasein fristen, sondern auch Sklaven einer mittelalterlichen Zurückgebliebenheit sind.“ (Ralf Georg Ruth: Hitler. Eine politische Biographie, München 2005)
Wie die Verhältnisse heute sind, nämlich ganz ähnlich, beschreibt hier Henryk M. Broder:
Der Antisemitismus war von Anfang an konstitutionelles Element der sozialistischen Emanzipationsbewegung. Wie August Bebel so schön sagte: „Der Antisemitismus ist der Sozialismus der Dummen.“ Dies sieht man z.B. bei Fourier und Proudhon, sowie natürlich bei Michail Bakunin, der über seinen Jünger Netschajew direkter Vorgänger von Lenin war. 1871 hatte dieser Papst des Anarchismus hitleresk über seine Persönliche Beziehung zu Marx geschrieben:
Nun, diese ganze jüdische Welt, die eine einzige ausbeuterische Sekte, ein Blutegelvolk, einen einzigen fressenden Parasiten bildet, eng und intim nicht nur über die Staatsgrenzen hin, sondern auch über alle Verschiedenheiten der politischen Meinungen hinweg, – diese jüdische Welt steht heute zum größten Teil einerseits Marx, andererseits Rothschild zur Verfügung… Dies mag sonderbar erscheinen. Was kann es zwischen dem Kommunismus und der Großbank gemeinsames geben? O! Der Kommunismus von Marx will die mächtige staatliche Zentralisation, und wo es eine solche gibt, muß heutzutage unvermeidlich eine zentrale Staatsbank bestehen, und wo eine solche Bank besteht, wird die parasitische jüdische Nation, die in der Arbeit des Volkes spekuliert, immer ein Mittel zu bestehen finden…
Aber auch Marx und Engels waren wütende Antisemiten, nicht anders als ihr nationalsozialistischer Gegenspieler Dühring, dessen alles bestimmender Antisemitismus vom Antisemiten Engels im Anti-Dühring bezeichnenderweise nur kurz gestreift wird. Nach Dühring sollte Privateigentum durch autonome republikartige Wirtschaftskommunen ersetzt werden. Aus dieser Bewegung ging einerseits die asketische, antisexuelle, hochneurotisch-kollektivistische Kibbuz-Bewegung über den Dühring-Schüler Franz Oppenheimer hervor, der Wirtschaftsberater Theodor Herzls war (und bei dem der Vater der Sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard 1924 promovierte). Andererseits geht die antitschechische, antiklerikale und antisemitische „Deutsche Arbeiterpartei“ (DAP), die 1904 in Trautenau in Böhmen gegründet wurde, unmittelbar auf Dühring zurück. Nach dem Krieg wurde über diverse Neugründungen daraus schließlich die NSDAP (– und gegen Ende des Nazi-Regimes wurde der indirekte Dühring-Schüler Ludwig Erhard vom Inland-Chef des SD, Otto Ohlendorf beauftragt, Wirtschaftskonzepte für den Fall der Niederlage auszuarbeiten…).
Die Hitler-Tochter Ulrike Meinhof hat in einem Interview gesagt, daß hinter Auschwitz ein wahres, von den Nazis ausgebeutetes antikapitalistisches Gefühl gesteckt habe, bei dem die Juden stellvertretend für die Kapitalisten vernichtet wurden. Diese Äußerung der „antifaschistischen“ Walküre war eine Reflexion von Marxens Gleichsetzung von Kapitalismus und Judentum. Nach der Wiedervereinigung hat ein Neo-Nazi-Führer und Ex-SED-Genosse vor Gericht ausgesagt, daß sein Wechsel vom Real- zum Nationalsozialisten nicht so verwunderlich sei, denn die BRD hasse er genauso wie früher, außerdem hätten schon Marx und Engels den Kapitalismus auf das Judentum zurückgeführt.
Diese Gleichsetzung geht auf Hegel und auf Fichte zurück, der 1808 nach einem Holocaust verlangte. Das war wiederum ein direkter Ausfluß der Lutheranischen kollektivistischen Zwangsmoral, hatte Luther doch schon 1543 in seiner Schrift Von den Juden und ihren Lügen für einen Holocaust plädiert. Die Juden symbolisierten das freie Unternehmertum einer separaten, also freien, amoralischen Menschengruppe, die sich nicht in die Volksgemeinschaft einpassen will und Profite und Zins von ihr abschöpft. Daraus entwickelte sich bruchlos das sozialistische Bild von habgierigen, sündhaften, unmoralischen, entarteten und bösen Kapitalisten, die das arbeitende Volk wie Vampire aussaugen. Im Grunde sind Nazis, Kommunisten (einschließlich originale Marxisten) und die heutigen ökologischen und pazifistischen Dritte Welt-Aktivisten alle von dieser Art christlichem antisexuellen Moralismus geprägt.
Susan Sontag hat 1967 die metaphysische Grundlage der gesamten antiwestlichen, insbesondere aber der antideutschen Politik knapp und bündig ausformuliert:
Wenn Amerika der Höhepunkt der westlichen weißen Zivilisation ist, wie alle von links bis rechts behaupten, dann muß mit der westlichen weißen Zivilisation etwas ganz und gar nicht stimmen. Dies ist eine schmerzhafte Wahrheit; nur wenige von uns wollen so weit gehen…. Die Wahrheit ist, daß Mozart, Pascal, die Boolesche Algebra, Shakespeare, parlamentarische Regierungen, barocke Kirchen, Newton, die Emanzipation der Frau, Kant, Marx, Balanchine-Ballette usw. nicht wieder gutmachen, was diese besondere Zivilisation der Welt angetan hat. Die weiße Rasse ist das Krebsgeschwür der Menschheitsgeschichte; es ist die weiße Ethnie und sie allein – ihre Ideologien und Erfindungen –, die überall, wo sie sich ausbreitet, autonome Zivilisationen auslöscht, die das ökologische Gleichgewicht des Planeten gestört hat, was nun die Existenz des Lebens selbst bedroht.
Von daher der genozidale Vernichtungsfeldzug gegen uns mittels „Feminismus“, die ganze Gender- und Transkackscheiße, die Porno- und Propagandaflut, der umweltzerstörerische Ökowahn, die systematische Zerstörung unserer Ökonomie und nicht zuletzt die Umvolkung. Uns wird von „unseren Demokraten“ ständig ins Gesicht gespuckt, wir werden ökonomisch bis aufs Blut ausgepreßt und versklavt, unsere wenigen Nachkommen zu ewiger Schuldsklaverei verurteilt, bevor sie überhaupt geboren worden sind, und jeder, der das anspricht, steht bereits mit einem Bein im Gefängnis und ist gesellschaftlich tot, ein Aussätziger.
Zusammen mit anderen New Yorker Intellektuellen, etwa der lesbischen Anti-Israel-„Aktivistin“ Sarah Schulman, brachte Sontag nur die Emotionelle Pest zum Ausdruck, die förmlich in der New Yorker Luft lag. Schulman (Jahrgang 1958) erwähne ich nur, weil auch bei ihr, wie überhaupt bei allen New Yorker Intellektuellen seit dem Zweiten Weltkrieg ein distinkter Einfluß von Wilhelm Reich zu spüren ist – bzw. dokumentiert sie diesen. Sontag (Jahrgang 1933) war schon früh mit Namen wie Herbert Marcuse (der in ihrem Haus ein Jahr lang an seiner „Reich-Überwindung“ Eros and Civilisation schrieb) und natürlich dem Reich-Kenner Philip Rieff (ihrem Ehemann) verbunden und verließ nach jahrzentelangem Kampf gegen ihre Depressionen und Krebserkrankungen diese Welt mit einer versuchten „Widerlegung“ von Reichs Krebstheorie. Hier eine längere Passage aus einem Aufsatz über Sontags (AIDS and Its Metaphors) und Schulmans Bücher zu Zeiten von AIDS über AIDS:
Auch Schulmans Titel People in Trouble ist kompliziert. Er benennt gleichzeitig ihr Buch, Kates Kunstwerk [Kate ist eine Figur in Schulmans AIDS-Roman], Menschen mit AIDS und ihre Fürsprecher, Menschen, die Kunst machen, das East Village und die Menschen, die vom Kapitalismus und der Kommerzialisierung der Kultur erdrückt werden. Wie James in der Schlußbotschaft des Buches sagt: „Wir sind ein Volk in Schwierigkeiten“ (228). People in Trouble ist aber auch der Titel eines Buches des Psychoanalytikers Wilhelm Reich aus dem Jahr 1953, ein Buch, das explizit in Schulmans Roman eingeflochten ist. Während sie über das große Kunstprojekt nachdenkt, das sie zu konzipieren versucht, begutachtet Kate ihr Bücherregal: „In der linken oberen Ecke standen alle ihre Bücher von Wilhelm Reich. Aus seinen Theorien war sie längst herausgewachsen, aber die Titel gefielen ihr immer noch. Sie alle erinnerten eindeutig an bestimmte Formen.“ Sie überfliegt die Titel von Reichs berühmtesten Werken, entscheidet sich dann aber für die richtige Wahl, die richtige Form: People in Trouble (50). Sontag, wir erinnern uns, berief sich während ihrer ersten Krebserkrankung auf Reichs Werk und spekulierte (…), daß emotionale und sexuelle Verdrängung tatsächlich die Ursache für ihren Krebs gewesen sein könnte. Letztlich lehnte sie diese Vorstellung von der Ätiologie der Krankheit ab; in Ilness as Metaphor jedenfalls behauptet sie kämpferisch deren Falschheit. Wie viele Intellektuelle der 1950er und 1960er Jahre war auch Sontag von Reichs Ideen beeinflußt. In den Tagebucheinträgen befaßt sie sich mit den Auswirkungen der Unterdrückung auf ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung – mit anderen Worten, sie untersucht die Auswirkungen der Unterdrückung auf das Individuum. Schulman erforscht jedoch eine andere Dimension von Reichs Werk. Reichs People in Trouble, das den Untertitel The Emotional Plague of Mankind trägt, ist eher soziologisch als individuell. Er befaßt sich mit der Rolle der Unterdrückung und versucht, die „emotionale Pest“ zu diagnostizieren, die das menschliche Sozialleben infiziert und die Verwirklichung eines utopischen – und sei es nur ein funktionierendes freies und demokratisches – Sozialsystems verhindert.
Ich kann das alles unmöglich weiter ausführen oder irgendwie belegen, aber mich beschleicht der nicht ganz unbegründete Verdacht, daß die gesamte genozidale Ideologie, wie sie insbesondere die Grünen mit einem schlicht sprachlos machenden Fanatismus vertreten, einen zwiefältigen Urgrund hat: erstens war sie explizit von Reich inspiriert, was man etwa daran sieht, daß zumindest der Gründergeneration der Grünen, Marke Joschka Fischer, der Name „Wilhelm Reich“ etwas sagte und sie in seinem „Dunstkreis“ standen; und zweitens, daß wir es hier mit einer „mißglückten biologischen Revolution“ (Reich) zu tun haben. Man komme mir nicht damit, daß fast alle Protagonisten Juden waren, die sich rächen wollten, das greift zu kurz. Die Verbindung zum einzig vergleichbaren genozidalen Projekt der Nationalsozialisten, die ebenfalls eine ganze „schädliche Rasse“ „ausmerzen“ wollten, geht weitaus tiefer. Wie ich im zweiten Teil dieses Blogeintrags erläutern werde, repräsentierte für den Nationalsozialisten „der Jude“ den „Kapitalisten“ und vor allem das „patriarchale Über-Ich“. Die heutigen Gutmenschen vertreten exakt die gleiche Ideologie: es geht um die Befreiung des Planeten vom „Weißen“ und damit vom „Kapitalismus“ und jedweder „Unterdrückung“ – also vom „Über-Ich“.
Das Kind bedarf aller möglichen intellektuellen Anregungen, also „Kultur“. Man sollte es ihm jedoch selbst überlassen, was es daraus macht. „Die kindliche Eigenwilligkeit und Ungezogenheit hat so gut ihr Recht als die kindliche Wißbegierde“ (Parerga, S. 94). Doch statt neben dem Wissenstrieb auch den „Willenstrieb“ zu fördern, wird der Eigenwille des Kindes gebrochen und ihm alle möglichen Gefühle eingegeben. Gefühle der Ehrfurcht, Ehrerbietung, Untertänigkeit, Unverletzlichkeit und des Schauders gegenüber Gott, irgendwelchen Menschen und „der Moral“. Sind die Kinder dann gehörig mit „eingegebenen Gefühlen“ vollgestopft, gelten sie als mündige Bürger – auch wenn sie in Wirklichkeit zu hilflosen Tollhäuslern verbogen wurden (Der Einzige, S. 70f).
Bleiben die Menschen unverformt, tragen sie ihr Gesetz in sich selbst und leben danach (Der Einzige, S. 223), doch Jahrtausende der Kultur haben sie von ihrer eigentlichen, d.h. „egoistischen“ Natur entfremdet und in den Wahn verstrickt, sie seien zu irgend etwas „berufen“ (Der Einzige, S. 181). Der Mut, d.h. die Fähigkeit zur Empörung, wird gebrochen und so gebeugt, daß „Demut“ entsteht (Der Einzige, S. 88). Sie sollen sich „einrichten“ (Kontraktion) und buchstäblich nie mehr „aufrichten“ (Expansion) (Der Einzige, S. 354). Erziehung soll sie „vernünftig“ machen, d.h. sie sollen nicht mehr auf sich selbst hören, sondern auf die Stimme des Gewissens (Der Einzige, S. 372). Entsprechend sind die Kinder geborene gewissenlose Verbrecher, – einfach weil sie zunächst nicht wissen, was dem Volk und dem Staat, in das sie zufälligerweise hineingeboren werden, als „heilig“ gilt. „Jedes Kind ist von Geburt schon ein Verbrecher gegen das Volk, den Staat“ (Der Einzige, S. 219).
Die Frage der Erziehung ist die wichtigste, wichtiger als alle sozialen Fragen, – die auf der Erziehungsfrage ruhen (Parerga, S. 75). Die heutige Erziehung bringt den „gesunden“, will heißen normalen Charakter, den starren Homo normalis hervor, der sich gegen das Leben und das Leiden abpanzert, d.h. er wird „unerschütterlich“. Der Charakter einer Gesellschaft ist abhängig von dem Charakter ihrer Mitglieder. Es ist Stirners „Massenpsychologie des Faschismus“:
Weil es kaum Jemand entgehen kann, daß die Gegenwart für keine Frage einen so lebendigen Anteil zeigt, als für die „soziale“, so hat man auf die Gesellschaft besonders sein Augenmerk zu richten. Ja, wäre das daran gefaßte Interesse weniger leidenschaftlich und verblendet, so würde man über die Gesellschaft nicht so sehr die Einzelnen darin aus den Augen verlieren, und erkennen, daß eine Gesellschaft nicht neu werden kann, solange diejenigen, welche sie ausmachen und konstituieren, die alten bleiben. (…) Wie Du bist, so gibst Du Dich, so benimmst Du Dich gegen die Menschen: ein Heuchler als Heuchler, ein Christ als Christ. Darum bestimmt den Charakter einer Gesellschaft der Charakter ihrer Mitglieder: sie sind die Schöpfer derselben. So viel müßte man wenigstens einsehen, wenn man auch den Begriff „Gesellschaft“ selbst nicht prüfen wollte. (Der Einzige, S. 231)
Homo normalis reproduziert die gegenwärtige Gesellschaft, während der lebendige, d.h. nicht festgelegte Charakter etwas grundsätzlich Neues hervorbringen würde; etwas, was Stirner als „Verein“ bezeichnet. Der Verein ist keine fixe Formation wie der „gesunde Charakter“ oder eine „wohlgeordnete Gesellschaft“, sondern ewiger Verkehr, ein „unaufhörliches Sich-Vereinigen“ (Der Einzige, S. 342).
„Verkehr ist Gegenseitigkeit“, während Gesellschaft nur eine von außen definierte rein mechanische Anordnung ist, – die durch den Verkehr zwischen Einzelnen nur gestört wird. Die Gesellschaft wird mehr schlecht als recht von heiligen Prinzipien zusammengehalten, der Verein von dem wechselseitigen Austausch zwischen Einzelnen zu beiderseitigem Genuß; ein subversiver Verkehr gegen den sich die ach so soziale Gesellschaft wehrt, da er ihre Heiligkeit untergräbt (Der Einzige, S. 239-241).
Tatsächlich ist es so, daß, je „sozialer“ es zugeht, die Menschen um so kälter miteinander umgehen, man betrachte etwa die Auswirkungen der „Pflegeversicherung“. Oder etwa der vergangene Realsozialismus, der genau dem entsprach, wie Stirner die „Gefängnis-Gesellschaft“ beschreibt, in der jeder Verkehr unterbunden wird, da dieser direkte zwischenmenschliche Kontakt als Keimzelle eines „Komplotts“ betrachtet wird (Der Einzige, S. 240f). „Der Staat kann es nicht dulden, daß der Mensch zum Menschen in einem direkten Verhältnisse stehe; er muß dazwischentreten als – Mittler, muß – intervenieren. (…) Er reißt den Menschen vom Menschen, um sich als ‚Geist‘ in die Mitte zu stellen“ (Der Einzige, S. 282f). Ebenso kann die Gesellschaft persönliche Auseinandersetzungen („Zweikämpfe“, die keinen Dritten irgend etwas angehen) nicht zulassen, – „es sei denn, daß nicht ein Ich auf ein Du losprügele, sondern etwa ein Familienhaupt auf das Kind: die Familie ist berechtigt, und in ihrem Namen der Vater, Ich als Einziger bin es nicht“ (Der Einzige, S. 205).
Die Familie, also die ursprüngliche Gesellschaft der „natürliche Bund“ (genauso wie etwa der Stamm, die Nation, die Menschheit) ist – nicht der Verein (Der Einzige, S. 349). Stirner ist nicht so naiv, daß er von Individuen ausgeht, die sozusagen in die Welt fallen, von Natur aus selbständig handeln können und dann aus rationalem Kalkül zueinanderfinden. Vielmehr ist die Gesellschaft der Naturzustand; eine „Natur“, die ausreichend Mutterboden für die Entfaltung der Individuen bietet.
Nicht die Isoliertheit oder das Alleinsein ist der ursprüngliche Zustand des Menschen, sondern die Gesellschaft. Mit der innigsten Verbindung beginnt unsere Existenz, da Wir schon, ehe Wir atmen, mit der Mutter zusammenleben; haben Wir dann das Licht der Welt erblickt, so liegen Wir gleich wieder an der Brust eines Menschen, seine Liebe wiegt Uns im Schoße, leitet Uns am Gängelbande und kettet Uns mit tausend Banden an seine Person. Die Gesellschaft ist unser Natur-Zustand. Darum wird auch, je mehr Wir Uns fühlen lernen, der früher innigste Verband immer lockerer, und die Auflösung der ursprünglichen Gesellschaft unverkennbarer. Die Mutter muß das Kind, welches einst unter ihrem Herzen lag, von der Straße und aus der Mitte seiner Spielgenossen holen, um es wieder einmal für sich zu haben. Es zieht das Kind den Verkehr, den es mit Seinesgleichen eingeht, der Gesellschaft vor, in welche es nicht eingegangen, in der es vielmehr nur geboren ist. (Der Einzige, S. 342)