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Die Sexualökonomie der Cheyenne

3. Oktober 2025

1927 beschrieb Reich in der damaligen stark von Freuds Todestriebtheorie („Destruktionstrieb“) geprägten psychoanalytischen Begrifflichkeit den Zusammenhang zwischen „Sexualstauung, Aggression, Destruktion und Sadismus“:

Die Intensität real unbegründeter Destruktionsantriebe, besonders die der Brutalität und des Sadismus, hängt vom jeweiligen Zustand der sexuellen Befriedigtheit beziehungsweise von der Stärke der sexuellen Stauung ab.

Diese Abhängigkeit zeigt sich dem Beobachter sowohl auf körperlichem Gebiet als auch im Bereiche der seelischen Haltungen. In Wirklichkeit sind die seelischen Haltungen und die körperlichen Erregungen natürlich nicht zu trennen.

Schon bei der akuten Neurasthenie, die durch Zersplitterung der Befriedigung entsteht und auf sexueller Stauung beruht, sehen wir ein Anschwellen der Erscheinungen destruktiver Antriebe: Reizbarkeit und Ausbrüche des Ärgers über nichtige Vorkommnisse sowie starke motorische Unruhe. Die Destruktionsantriebe sind identisch mit muskulärer motorischer Spannung. Motorische Unruhe kommt bei Neurosen in der Weise zustande, daß unbefriedigte sexuelle Erregung den Muskelapparat erfaßt; sie erscheint aber hier nicht mehr als Sexualphänomen, sondern als Zerstörungsantrieb. Die unterdrückte Sexualerregung überträgt sich auf die Muskulatur, wenn sie nicht symptomatisch gebunden wird oder als Stauungsangst erscheint.

Wir sehen, daß die motorische Unruhe, die Antriebe, zu zerstören oder zumindest den Muskelapparat zu betätigen, sowie die allgemeine Aggressivität bei sadistisch-triebhaften Charakteren um so stärker werden, je länger sie abstinent leben, und daß diese Impulse schwächer werden, wenn die Abstinenz auch nur für kurze Zeit aufgegeben wird. (Genitalität, S. 182)

Die Indianer des nordamerikanischen Kontinents waren nicht durchgehend matristisch, vielmehr gab es auch hier eher patristische, d.h. eher gepanzerte Stämme, bzw. entsprechende Traditionen, die sich aufgrund der Völkerverschiebungen infolge der Landnahme durch die Weißen ausbreiteten. Schließlich überlebten nur die patristisch geprägten Stämme, weil diese sich gegen die koloniale Aggression wehrten (James DeMeo: Saharasia).

Zu diesen gehörten die Cheyenne. Sie glaubten, was typisch für den Patrismus ist, an einen „obersten Gott“ und es gab bei ihnen eine scharfe Trennung zwischen der Sphäre des Krieges (Destruktion) und jener des Familienlebens (Prokreation). Der Anthropologe John H. Moore hat dies anhand der Kriegshäuptlinge der Cheyenne aufgezeigt.

Im Glauben der Cheyenne kam die Energie zum Leben und dessen Erfolg vom allerhöchsten Gott. Aufgabe des einzelnen Mannes sei es, diese allgemeine Energie in eine zielgerichtete Kraft umzuwandeln. Dann kann sie aber nicht mehr für andere Zwecke verwendet werden, weshalb insbesondere Zölibatsgelübde abgenommen wurden, wenn eine schwere Aufgabe anstand. Entsprechend lebten die Krieger, insbesondere aber ihre Anführer, im zeitweisen, teilweise sogar lebenslangen, Zölibat.

Ähnlich wird es bei entsprechenden Stammesgesellschaften in Afrika und auf dem eurasischen Kontinent ausgesehen haben. Das erklärt m.E. auch den Ursprung des Jainismus, Buddhismus und vielleicht der entsprechenden durchweg extrem sexualfeindlichen hinduistischen Guru-Linien aus der indischen Kriegerkaste. Siehe dazu meinen Aufsatz Die Massenpsychologie des Buddhismus.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 10)

30. September 2025

Die wissenschaftlichen, technischen und kulturellen Beiträge unserer kleinen Nation (die kaum mehr als 1 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht) zum Fortschritt der Menschheit sind erstaunlich. Unter anderem haben die Deutschen erfunden: den Buchdruck, die Glühbirne, das Auto, den Diesel-Motor, den Fernseher (das allererste gesendete TV-Programm war Hitlers Eröffnungsrede bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin), das Farbfernsehen, den Hubschrauber, den Kaffeefilter, den Teebeutel, die Antibabypille, den Computer, Aspirin, das Telefon (Reis machte vor Edison ein Ferngespräch), die Waschmaschine, das Elektronenmikroskop, das Düsenflugzeug, das Luftschiff (Zeppelin), Bier, Homöopathie, Papier, das Periodensystem der Elemente, den Dynamo, Bakteriologie (Koch 1896), die Straßenbahn, das Motorrad, den Plattenspieler, funkgesteuerte Uhren, den MP3-Player, den Airbag, die Kreditkarte, den Mikrochip, die Kernspaltung, das Röntgengerät und den Scanner! In der Liste der zehn wichtigsten technischen Erfindungen In der Geschichte der Menschheit stammen fünf von Deutschen.

Das waren technische Erfindungen, aber der Einfluß der Deutschen auf die internationale Kultur ist ebenso groß! In der Liste der zehn wichtigsten klassischen Komponisten gibt es sechs Deutsche/Österreicher: Beethoven, Mozart, Bach, Haydn, Liszt, Schubert, Brahms, Schönberg, Wagner. In der Liste der zehn wichtigsten Philosophen der Neuzeit gibt es acht Deutsche/Österreicher: Kant, Hegel, Schopenhauer, Marx, Engels, Nietzsche, Husserl, Wittgenstein. Was wäre die Welt der Physik ohne die Früchte der Forschung von Einstein, Hahn, Meitner, Fahrenheit, Röntgen, Gauß, Ohm, Planck, von Braun, Kopernikus, Heisenberg, Born, Euler, Mach, Meißner, von Ardenne, Warburg, Schrödinger, von Weizsäcker? Und was die Anthropologen, Psychologen und Psychiater betrifft: Franz Boas, Begründer der Kulturanthropologie, Wundt, der erste experimentelle Psychologe überhaupt, Kretschmer, Kraepelin, Jaspers, Kurt Schneider, Wagner-Jauregg, bei dem Reich seine Facharztausbildung absolvierte und der bis heute der einzige Psychiater war, der jemals den Nobelpreis erhielt, Reich, Freud, Adler, Melanie Klein, Karen Horney, Kernberg, Eysenck, etc. Unter den Schriftstellern nenne ich nur Goethe. (Man beachte hier bitte den Beitrag der jüdischen Deutschen!)

Deutsche Sportler gewannen bei den Olympiaden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die meisten Medaillen. Vor allem bei den Olympischen Spielen in Berlin von 1936 dominierten sie alle anderen Länder. Und bis zu seiner Niederlage gegen Lewis war der Deutsche Max Schmeling der weltweit beste Boxer. Auch in der „kulturellsten“ Sportart – dem Schach – waren in den Jahrzehnten vor und nach 1900 die zwei besten Schachspieler der Welt Deutsche/Österreicher (Steinitz und Lasker).

Außerdem denke ich, daß wirklich jeder in der Welt die Namen der 4 Deutschen/Österreicher Luther, Marx, Freud und Einstein kennt. Niemand hat die moderne Welt mehr als diese 4 beeinflußt! Hitler nicht zu vergessen. Wilhelm Reich, der in seinem ganzen Denken sehr „deutsch“ war. (Schließlich erhielt er seinen Vornamen zu Ehren von Kaiser Wilhelm!

Bis vor kurzem galt Deutschland in diversen Umfragen, etwa des BBC, als das beliebteste Land auf der Erde.

Allerdings, obwohl „Nationalstolz“ (Liebe zum eigenen Land, Patriotismus, d.h. Stolz auf die Errungenschaften des eigenen Volkes) ganz natürlich sein sollten, ist dies in Deutschland ein sehr heikles Thema und auch für mich eine mit Konflikten besetzte Angelegenheit. Das ist so, weil unser Stolz (auf die enormen Leistungen der deutschen Geschichte) stets mit starken Schuldgefühlen wegen Deutschlands Rolle im Zweiten Weltkrieg und vor allem in der Schoah vermischt sind. Während Amerikaner „stolz sind, Amerikaner zu sein“, Franzosen und Engländer sehr nationalistisch sind und stolz auf ihre Streitkräfte (einschließlich der Atombombe) und gerne Uniformen tragen, ist bei Deutschen der Nationalstolz irgendwie gehemmt. Beispielsweise wurde vor kurzem jemand von einigen linken Studenten fast zu Tode geprügelt, nur weil er es gewagt hatte, die deutsche Flagge in seinem Garten zu hissen.

In französischen und englischen Städten sind die meisten großen Straßen und öffentlichen Plätze nach den Kriegshelden oder berühmten Schlachten ihrer Nationalgeschichte benannt (wie Avenue Foch, Nelson Square, Trafalgar Square, Waterloo Bridge), und es finden sich überall entsprechende Statuen – während in Deutschland sogar die öffentlich bekundete Bewunderung etwa von preußischen Generälen schlichtweg undenkbar wäre. Es wäre in Deutschland völlig unmöglich, daß eine Straße nach einem unserer großen Siege im Ersten oder Zweiten Weltkrieg oder aus der Zeit der Preußen benannt werden würde. Allein, daß ich sage, es seien unsere Siege gewesen, bringt fast jeden „kritischen Geist“ auf die Palme!

Uniformen, die deutsche Flagge oder das Absingen der deutschen Nationalhymne werden in Deutschland automatisch mit einer rechtsextremen Einstellung verbunden. Diese seltsame Situation resultiert aus gerade mal 12 Jahren Nationalsozialismus (die Hälfte davon ohne Kriegsführung) innerhalb einer deutschen Geschichte von 1200 Jahren, die im allgemeinen weitaus friedlicher verliefen als bei fast allen unseren europäischen Nachbarn.

Wenn du dich also traust zu sagen, daß du „stolz darauf bist, ein Deutscher zu sein“ – wegen Deutschlands enormen Beiträgen zur weltweiten Wissenschaft und Kultur –, kannst du auf die Gegenfrage gefaßt sein: „Wie können Sie es wagen, solche schrecklichen Dinge zu sagen? Haben Sie Auschwitz vergessen?!“ Aber ich habe nie erlebt, daß sich US-Amerikaner Vorwürfe machen wegen der beiden Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, die zigtausende Zivilisten töteten bzw. radioaktiv verstrahlten. Oder daß sich Engländer beschämt oder gar schuldig fühlen wegen der Verbrechen und der Völkermorde des britischen militanten Imperialismus seit Jahrhunderten. Oder das Gefühl, in ihrem Nationalstolz gehemmt zu sein wegen der Opfer der britischen Konzentrationslager in Südafrika, wo sie die Buren internierten. (In einer berühmten Rede sagte Hitler sinngemäß: „Wir haben einfach aus dem Wörterbuch gelernt, was ein Konzentrationslager ist, und das dann von den Briten kopiert!“).

Nicht nur die britischen Konzentrationslager in Südafrika, sondern noch viel mehr die sowjetischen Gulags waren die historischen Vorläufer der späteren deutschen Konzentrationslager. Ich denke, daß die Kompetenz der Kommunisten in Sachen Massenmord von anderen Bewegungen unerreicht ist, einschließlich der der Nationalsozialisten. Heutige Historiker sagen, daß die Opfer des kommunistischen Terrors sich bis auf 100 000 000 Menschen summieren. Man erinnere sich nur all der ethnischen Völkermorde in der UdSSR, der brutalen Schauprozesse der 1930er Jahre, des brutalen Überfalls auf Polen im Herbst 1939, der Folterung von Dissidenten, der Gulags in Sibirien und so weiter und so fort. Ein Teil des polnischen Offizierskorps hat nur überlebt, weil er nicht in sowjetische, sondern in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war. Die Russen haben ausnahmslos alle polnischen Offiziere, derer sie habhaft werden konnten, ermordet.

Es gibt eine einflußreiche Schule in der Geschichtswissenschaft, die die deutschen Kriegsverbrechen und den Holocaust als kaum vermeidbare Gegenreaktion auf den sowjetischen Terror in der UdSSR interpretieren. Es sei auf den Historiker Ernst Nolte und sein berühmtes Diktum, wonach „die Gulags das Prius zu Auschwitz“ waren, verwiesen:

Katholische Familien, die ansonsten kaum etwas mit den Nazis am Hut hatten, wurden zu vehementen Unterstützern der deutschen Invasion in die UdSSR, nachdem sie gehört hatten, wie im spanischen Bürgerkrieg der 1930er Jahre katholische Priester von Kommunisten massakriert und Nonnen vergewaltigt wurden. Viel von dem brutalen Vorgehen der Wehrmacht und der SS in Rußland während des Zweiten Weltkrieges war eine Reaktion auf die unglaubliche Brutalität, die sie beobachtet und von Seiten der Kommunisten erlebt hatten. Wenn zum Beispiel russische Partisanen einen Wehrmachtssoldaten gefangennahmen, folterten sie ihn zu Tode – am häufigsten wurden die Deutschen kastriert und danach mit ihren eigenen abgeschnittenen Genitalien erstickt. Solche bestialischen „asiatischen“ Methoden waren zuvor in Europa unbekannt gewesen!

Nichtsdestotrotz galt die sowjetische Kriegführung gegen Deutschland immer als etwas „Heroisches“, und ich habe nie gesehen, daß je ein Russe ein schlechtes Gewissen wegen der Myriaden von Verbrechen hat, die sich in der russischen Geschichte zugetragen haben – immer wurden nur die Deutschen als die Bösewichte hingestellt. Entsprechend hatte es bei den Nürnberger Prozessen etwas Lächerliches, als die Sowjets forderten, daß alle deutschen Verbrechen streng geahndet werden, während die sowjetischen Ankläger selbst Ozeane von Blut an den eigenen Händen kleben hatten. Auch wurde in Nürnberg z.B. das geheime Zusatzprotokoll zum Hitler/Stalin-Pakt 1939 verschwiegen, aufgrund dessen die sowjetischen Streitkräfte keine zwei Wochen nach dem deutschen Einmarsch in die westliche Hälfte Polens – welcher bis heute als der Beweis schlechthin für die Alleinschuld der Deutschen an der Auslösung des Zweiten Weltkriegs gilt – die östliche Hälfte Polens mit ebenso großer Brutalität annektiert hatten; man erinnere sich an die Opfer von Katyn. England und Frankreich erklärten mit auffälliger Doppelmoral dem Deutschen Reich 1939 wegen des deutschen Einmarschs in Westpolen den Krieg, verbündeten sich aber paradoxerweise mit der UdSSR, die praktisch zeitgleich exakt dasselbe in Ostpolen getan hatte.

Die Nachgeborenen tragen nicht die Schuld, aber sie tragen die Verantwortung, schließlich genießt man ja auch, wie anfangs angedeutet, mit aller Selbstverständlichkeit all das, was an Gutem aus der Vergangenheit stammt. Funktionell betrachtet, gewährten uns unsere Vorväter einen Kredit, den wir abbezahlen, indem wir den Nachgeborenen eine bessere Welt hinterlassen. Zu diesen unseren Aufgaben als Nachlaßverwalter gehört die Aufarbeitung der Vergangenheit, d.h. das Wegräumen des Schutts der Lügen, des Vergessenmachens, der Verdrehungen und der Fehldeutungen, damit ein Neuanfang möglich ist. Das ist die funktionelle Aufgabe des Geschichtsforschers: er dient den Kindern der Zukunft!

Wilhelm Reich, DIE SEXUELLE REVOLUTION, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt, DM 25,80 [ca. 1966]

27. September 2025

Wilhelm Reich, DIE SEXUELLE REVOLUTION, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt, DM 25,80 [ca. 1966]

Warum ausschließlich das AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY? (Teil 3)

13. September 2025

Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten „ICD-10“ ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung in Deutschland. In den USA ist es der entsprechende Diagnose-Schlüssel „DSM-5“ (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders). Beispielsweise könnten Diagnosen wie dem „Apathie-Syndrom“ oder der Ausweitung der Autismus-Kriterien ungerechtfertigterweise Abermillionen Menschen zu Patienten machen. Es wären überlebte, nicht zukunftstaugliche Klassifikationssysteme.

Das ganze wird dadurch flankiert, daß Perversionen zunehmend „entpathologisiert“ werden, während ganz normale Gefühlsäußerungen als Pathologie abqualifiziert werden. Im DSM-5 wurde eine „oppositional defiant disorder“ (oppositionelle Trotzstörung) und ein „apathy syndrome“ (Apathiesyndrom) erfunden, wodurch jedes aufmüpfige Kind und jeder erwachsene Exzentriker, Romantiker oder auch jeder Trauernde zum Fall für die Psychiatrie erklärt werden kann, während auf der anderen Seite Serienvergewaltiger und ähnliche Sexualverbrecher beispielsweise unter die harmlose Rubrik „paraphilic coercive disorder” (mit Zwangsgewalt verbundene paraphile Störung) fallen. Bedauernswerte Kranke, genauso wie jeder andere auch, der nicht ganz „normal“ ist. Alle denkbaren Unterschiede werden verwischt: die kleinsten Abweichungen vom „Homo normalis“ werden pathologisiert und die schlimmsten Perversitäten werden normalisiert oder gar als „gesund“ hingestellt.

Wir erleben hier die Selbstaufhebung der Psychiatrie als Wissenschaft. Die orgonomische Medizin hat gut daran getan in Sachen Nosologie der Charakteranalyse Reichs treu zu bleiben.

Es begann 1926 als Reich den Begriff „phallisch-narzißtischer Charakter“ prägte und zwischen den hysterischen Charakter und den Zwangscharakter plazierte, die zuvor zumindest in den Grundzügen von Freud und Abraham beschrieben worden waren. Aus dieser klassischen Trias hat Elsworth F. Baker dann eine an seiner klinischen Erfahrung als Orgonom ausgerichtete Klassifikation der psychischen Biopathien erarbeitet. Ein knapper Überblick findet sich auf der Weltseite des italienischen Orgonomen Vittorio Nicola. Zu Reichs Lebzeiten leitete Baker die Diagnostic Clinic in New York, die alle an einer Orgontherapie interessierten durchliefen, um von Baker an die für den jeweiligen Fall geeigneten Orgonomen überwiesen zu werden.

Es hat Versuche gegeben, die bio-psychiatrische Nosologie an das DSM anzupassen. Insbesondere wurde der „okulare Charakter“ eingeführt, um frühe Persönlichkeitsstörungen wie Autismus, Borderliner, etc. in eine neue angeblich „orgonomische“ Kategorie zusammenzufassen, die man vom schizophrenen Charakter separieren müsse. Wie absurd diese Herangehensweise ist, zeigt sich allein schon daran, daß sich mittlerweile abzeichnet, daß borderline und bipolar weitgehend identisch sind, was für vollständige Konfusion sorgen würde, hätte die Orgonomie den Unsinn mit dem „okularen Charakter“ als Neuerung akzeptiert. Tatsächlich unterscheiden die Schüler von Bakers Nachfolger, Charles Konia, heute den „exzitatorischen“ (nicht zur Psychose neigenden) vom „perzeptatorischen“ (zur Psychose neigenden) Schizophrenen.

Orgonomisch wird die Diagnose danach gestellt, welches erogene Segment, d.h. welcher Aspekt der Beziehung zur Welt, primär gestört ist. Je schwerer diese Störung ist, desto leichter fällt die Diagnose, die bei weniger ausgeprägten Fällen manchmal erst im Verlauf der Therapie definitiv möglich ist. Man kann deshalb nicht zwischen Schizophrenen und dem „okularen Charakter“ unterscheiden, also einem Charakter mit einer stärkeren und einem mit einer schwächeren okularen Panzerung.

Der in offener Anlehnung an das DMS neu kreierte „okulare Charakter“ ist dermaßen unspezifisch, daß z.B. auch jeder angehende Orgonom darunter fallen würde, denn „okulare Charaktere“ neigten zum „Gefühl, allein, mißverstanden und ‚anders‘ zu sein“.

Lose Assoziation, Inkohärenz, allzu abstrakte oder allzu konkrete Sprache, Neologismen und Verlust von Wortbedeutungen weisen auf eine „formale Denkstörung“ hin. (David Schwendeman: Lebensenergie. Zeitschrift für Orgonomie, Bd. 5, Sommer 1995, Waldbrunn)

Diagnose wird hier zu kaum mehr als Symptombeschreibung und ist damit ohne Wert. Der Wert einer bio-psychiatrischen Diagnose besteht darin, das zukünftige Verhalten oder, besser gesagt, die „Verhaltenstendenz“ vorherzusagen. Die bio-psychiatrische Diagnose beruht auf der Panzerstruktur des Patienten – etwas, zu dem konventionelle Psychiater und Psychotherapeuten gar keinen Zugang haben.

Wie Baker gearbeitet hat, wird anhand des Protokolls „In Seminar with Dr. Elsworth Baker“ (The Journal of Orgonomy, Vol. 25, No. 1, May 1991, S. 57-67) deutlich. In dem hier dokumentierten Seminar trägt einer der Schüler einen Fall vor, den er als „chronisch-depressiven Charakter“ einstuft wegen seiner phallischen Züge und seines sehr geringen Selbstwertgefühls. So kann die Diskussion immer weitergehen, d.h. Symptome und generelle Eindrücke werden gegeneinander abgewogen, wie es die angehenden Orgonomen zuvor bei der Besprechung von Fallgeschichten in ihrer klassischen psychiatrischen Ausbildung gelernt hatten. Bis schließlich Baker eingreift:

Der Patient könne unmöglich ein chronisch-depressiver Charakter sein wegen seiner sehr schwach ausgeprägten Panzerung. Seine Grübelsucht und seine Depersonalisationszustände würden auf eine sehr viel stärkere okulare Panzerung verweisen, als sie vom äußeren Anschein her evident wird. Er könne schon allein deshalb kein chronisch-depressiver Charakter sein, weil sein Kiefer außergewöhnlich wenig gepanzert ist, dafür aber sein Halspanzer um so stärker ausgeprägt ist, während seine Brust wieder weitgehend ungepanzert ist. Hinzu komme, daß der Patient das Gefühl hat, seine Beine würden nicht zu ihm gehören. Die Struktur seines Panzers und seine bioenergetische Selbstempfindung verwiesen eindeutig auf die Diagnose „schizophrener Charakter“.

Ohne die Entdeckung der Panzers und der Orgonenergie schwebt die Psychiatrie haltlos in der Luft. Leute erhalten alle möglichen Diagnosen, die kaum mehr sind als eine Beschreibung der gerade im Vordergrund stehenden Symptome. Das ist so, weil die Psychiater bei sogenannten „psychischen Erkrankungen“ nicht wissen, mit welchen Kräften sie es zu tun haben. Es geht um Emotionen, die auf spezifische und nachvollziehbare Weise blockiert werden, so daß eine korrekte bio-psychiatrische Diagnose zur richtigen Behandlung führt. Das ist so wie in jedem anderen Bereich der Medizin auch. Hingegen sind „Diagnosen“ wie „Apathie-Syndrom“ nichtssagend („der Patient ist apathisch“) und imgrunde gemeingefährliche Quacksalberei.

Email [Reich und Freud] 2009

15. August 2025

Email [Reich und Freud] 2009

Das Wesen der psychiatrischen Orgontherapie (Teil 3)

10. August 2025

Eines der Hauptangriffspunkte der Gegner der Orgonomie ist die Frage nach der Gesundheit. Man schaue sich doch den hochneurotischen Wilhelm Reich selbst an oder präsentiere doch bitte jemanden, der durch Orgontherapie psychisch gesund geworden sei!

Bei den „wissenschaftlichen“ Gegnern Reichs habe ich das Gefühl einer intellektuellen Kontaktlosigkeit, einer krankhaften Abwehr von ozeanischen Gefühlen, Sterilität. Zu dieser Sterilität gehört auch „Reinheit“ in dem Sinne, daß man von sich selber ausgehend Reich eine zu „reine“, „philosophische“ Vorstellung von orgastischer Potenz andichtet, die selbstverständlich in einer realen Welt niemals erreicht werden kann – so ist es leicht, Reich zu widerlegen. Es ist wie mit dem Vakuum oder destilliertem Wasser: man wird niemals ein von allen Molekülen befreites Vakuum oder absolut reines Wasser herstellen oder entdecken können, aber trotzdem macht es Sinn vom „luftleeren Vakuum“ oder „reinem Wasser“ zu reden. Um wieviel weniger kann das Lebendige perfekt „orgastisch potent“ sein!

Imgrunde wirft man der Orgonomie Idealismus vor. Sie würde sich selbst ein Ideal setzen („Gesundheit“), das uneinholbar sei – womit sie sich von vornherein selbst widerlege. Außerdem verschließe sie sich damit den Blick auf das wahre Leben bzw. das, was wirklich wichtig und fundamental sei. Sei doch gerade das Krankhafte, sozusagen „Unideale“, Wegweiser zu den grundlegenden Antrieben. Es ließe sich in diesem Zusammenhang etwa Freud zitieren:

Man muß doch bekennen, in diesen Symptomen der Zwangsneurose, diesen Vorstellungen und Impulsen, die auftauchen, man weiß nicht woher, sich so resistent gegen alle Einflüsse des sonst normalen Seelenlebens benehmen, den Kranken selbst den Eindruck machen, als wären sie übergewaltige Gäste aus einer fremden Welt, Unsterbliche, die sich in das Gewühl der Sterblichen gemengt haben, ist wohl der deutlichste Hinweis auf einen besonderen, vom übrigen abgeschlossenen Bezirk des Seelenlebens gegeben. Von ihnen aus führt ein nicht zu verfehlender Weg zur Überzeugung von der Existenz des Unbewußten in der Seele, und gerade darum weiß die klinische Psychiatrie, die nur eine Bewußtseinspsychologie kennt, mit ihnen nichts anderes anzufangen, als daß sie sie für die Anzeichen einer besonderen Degenerationsweise ausgibt. (Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Fischer-TB, 1992, S. 266f)

Aus dieser Sichtweise, der Sichtweise, die das gesamte moderne Denken durchdringt und bestimmt, ist die Orgonomie nichts weiter als ein geradezu bedauernswerter Anachronismus.

Das Problem dieser Sichtweise ist, wie Reich in Äther, Gott und Teufel und anderen Schriften dargelegt hat, ihre Befangenheit in einem rigiden mechano-mystischen Denken. Nicht die Orgonomie denkt „idealistisch“, sondern ihre Kritiker.

Reich: „Es ist nicht richtig, daß es seelisch gesunde hier und seelisch kranke dort gibt“ (Der Krebs, Fischer-TB, S. 287). Man kann keine abstrakten Grenzen zwischen Krankheit und Gesundheit ziehen, denn Gesundheit betrifft die Funktionsweise des Gesamtorganismus.

Die unbeeinträchtigte Gesamtheit der organismischen Funktionen sowohl im somatischen als auch im psychischen Bereich konstituiert „Gesundheit“ oder „Normalität“ im lebensenergischen Sinn. Jede Störung dieser Ganzheit und Einheit, sei es im somatischen oder psychischen Bereich, wird in einem größeren oder kleineren Ausmaß die Grundlage für Krankheiten bilden. Von hier führt der Weg in die medizinische Pathologie, die nur dann eine funktionelle Pathologie sein kann, wenn man daran geht, den Organismus als biologische Einheit zu behandeln. (Reich: „Spontanous Motility as the Comprehensive Functioning Principle of the Living“, Orgone Energy Bulletin, 4(4), October 1952, S. 189)

Reich sagte voraus, was der kleine, vom mechano-mystischen Denken geprägte, Mann, aus dem Konzept „orgastische Potenz“ machen werde:

An die Stelle des unermüdlichen, geduldigen Kampfes um Verbesserung der Gesundheit, gestützt auf sorgfältig ausgewertete Erfahrungen, wird das absolute Ideal einer schnell normierten „perfekten Gesundheit“ treten und eine neue soziale Schichtung in „gesunde“ und „neurotische“ Menschen hervorbringen. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 334)

Dazu möchte ich aus Charles Konias Beitrag „Orgone Therapy: Part 1. The Psychosomatic Relationship“ (The Journal of Orgonomy, Vol. 19, No. 2, 1985, S. 259-278) zitieren:

Das gepanzerte Denken ist starr, einseitig, und idealistisch. Beispielsweise können bestimmte Einstellungen und Vorstellungen hochgeschätzt und mit Gesundheit und dem Guten gleichgesetzt werden, etwa Liebe, Arbeit, positives Denken, usw. Nicht nur, daß bei diesem Ansatz die Tatsache ignoriert wird, daß sogar Liebe und Arbeit reaktiv sein können und positives Denken Ausdruck einer neurotischen Einstellung sein kann, sondern auch, daß in bestimmten Fällen es für den Patienten notwendig ist, Haß zu fühlen und auszudrücken. Der Funktionalismus geht davon aus, daß nicht bestimmte Vorstellungen, Einstellungen oder Gefühle an sich gesund oder neurotisch sind, sondern daß es darauf ankommt, welche Funktion sie in Bezug auf eine gegebene Charakterstruktur oder in einer bestimmten Situation haben. Zum Beispiel kann im Fall eines Masochisten eine „positive“ Einstellung ein Zeichen von Gesundheit angesichts der gefürchteten Angst vor Expansion sein. In einem anderen Charaktertyp kann dieselbe Einstellung eine Abwehr darstellen.

Max Stirner, Soter (Teil 18)

25. Juli 2025

Max Stirner vertritt die These, daß „der Stein auf der Straße“ und meine Vorstellung von ihm das gleiche Sein haben und durch dieses Sein rein gar nichts gerechtfertigt sei (Der Einzige, S. 383). Alle Prädikate, die ich den Dingen zuschreibe, alle meine Aussagen und Urteile, sind meine – Geschöpfe (Der Einzige, S. 378). Alles ist das „Meinige“, will sagen „Meinung“ (Der Einzige, S. 381f). Schönheit liegt, Stirner zufolge, demnach im Auge des Betrachters. Stirner fehlen die Maßstäbe. Er ist wie der Homosexuelle und Päderast (deren großer Held Anfang des letzten Jahrhunderts er wurde), der subjektiv glücklich ist und sich frägt, warum er sich ändern soll. „Ich bin, wer ich bin!“

Knapp und bündig gegen Stirner: der Einzelne, der „Einzige“, das Subjektive, die „Meinung“ ist niemals schön. Es gibt keine schönen Individuen und je „individueller“ ein Mensch ist, als desto unschöner wird er empfunden. Er ist ein „Charakter“! Als schön werden nur Durchschnittstypen angesehen. Schön ist nur der ideale Mensch, d.h. buchstäblich jenes real nicht existierende „Gespenst“ (um einen Ausdruck Stirners zu verwenden), der entsteht, wenn man alle Menschen überblendet und so das „vollkommene Gattungswesen“ (Feuerbach, Marx) erschafft. In diesem vollkommenen Wesen zeigen sich die Formgesetze der kosmischen Orgonenergie in vollkommenster Form (das Platonische Ideal, Goldener Schnitt, Orgonom-Form, D’Arcy Thompson, „perfekte Statik“, etc.). Ästhetisches Empfinden ist nicht gesellschaftlich andressiert, sondern angeboren; eine biologische Konstante der Spezies Homo sapiens. Genauso bemerkenswert ist, daß diese Ästhetik strengen mathematischen Gesetzmäßigkeiten folgt. Im zweiten Band von Also sprach Zarathustra schreibt Nietzsche entsprechend: „Wenn die Macht gnädig wird und herabkommt in’s Sichtbare: Schönheit heiße ich solches Herabkommen“ (Studienausgabe Bd. 4, S. 152).

Wenn Stirner dermaßen viel Abneigung entgegengebracht wird, hat das nicht nur etwas mit der Über-Ich-Problematik zu tun (Ethik), sondern auch etwas mit der Ästhetik. Leider ist beides über Platons „Alles Gute ist schön!“ unheilvoll miteinander verknüpft. Eine Stirnerianische Ästhetik hingegen ist undenkbar – weshalb jemand wie Reich lieber dem „vollkommenen Gattungswesen“ nachstrebte, sich bei Marx und Freud verfing, alle möglichen, um mit Laska zu sprechen, Palimpsests auftrug und Stirner nur hier und da im vorbeigehen erwähnte. Das war keine Verdrängung von Stirner, sondern eine Entfremdung von ihm. Das Palimpsests-Auftragen war Ausfluß eines Kampfes zwischen Stirner und Plato in Reichs Brust; ein Resultat dessen, daß dieser Kampf nie begrifflich auf den Punkt gebracht wurde. Wer sah beispielsweise bisher die funktionelle Identität von Reichs „Marxismus“ und Die kosmische Überlagerung?

Holen wir weiter aus, indem wie Stirner in fünf Sätzen zusammenfassen: Ausnahmslos alle Menschen sind Egoisten (Christen sind vermeintlich „Altruisten“, weil sie den „himmlischen Lohn“ erwarten!), aber der echte, d.h. zu sich stehende Egoist, weiß von seiner Einzigkeit, d.h. er wird nicht vom „Über-Ich“ (dem „Heiligen“) bestimmt, das alle in „Platonistische“ Muster einpaßt. Er ist frei von Ethik und reguliert sich selbst, ist Eigner seiner selbst. Als bewußter Egoist verfügt er über sein Eigentum. Sein (zumindest potentielles) Eigentum ist alles, dem er die „Heiligkeit“ abspricht. Dieses Eigentum ist sozusagen das Siegel des Einzigen, so wie der Deutsche „einzigartig“ mit Deutschland assoziiert ist.

Wo ist hier Platz für die Ästhetik, also Schönheit? Der Eigner ist potentiell mit dem gesamten Universum assoziiert – ist eben kein „Charakter“! (Siehe dazu meine Interpretation der „Ewigen Wiederkehr“ in Der verdrängte Nietzsche.) Erst nachdem die Willkür des Über-Ichs, d.h. wenn das „Heilige“, gebrochen ist, kann sich das universelle Ideal entfalten. Ein Beispiel ist der „Stirnerianismus“ selbst, der wie bereits angeschnitten, zentral von Perversen, Homosexuellen, Päderasten wie John Henry Mackay und anderen Vertretern des „ich bin schön, so wie ich bin“ bestimmt wurde: „Wir sind allzumal vollkommen! Denn wir sind jeden Augenblick Alles, was Wir sein können, und brauchen niemals mehr zu sein“ (Der Einzige, S. 403f). Sie verwechselten sich mit dem, was die Gesellschaft, das Über-ich aus ihnen gemacht hat: sekundäre „Natur“, so daß die „ideale“ primäre Natur nicht „herabkommen“ konnte.

Wenn die Panzerung aufgehoben ist, waltet nicht mehr die irre Willkür, sondern die Platonischen Naturgesetze, gegen die übrigens Stirner rein gar nichts hatte. Die über Generationen erforschten ewigen mathematischen (und damit physikalischen) Gesetze wollte er nicht missen (Der Einzige, S. 40, 374).

Leute, die durchaus „guten (LSR-) Willens“ sind, wehren sich gegen LSR (z.B. auch Reich gegen Stirner), weil sie sich nach jenem „Kosmischen“ sehnen, was nach der Auflösung der Panzerung kommt. Bei L („der Mensch als Maschine“), S („Verbrechertum“) und R („der Mensch als sich windender Wurm“) finden sie jedoch vermeintlich das genaue Gegenteil. Natürlicherweise wenden sie sich lieber gleich dem Erhabenen zu (Diderot, Marx, Freud): D („höheres Menschentum“), M („vollkommenes Gattungswesen“) und F („Sublimierung“) – was sie in der Falle hält und immer tiefer in den Sumpf zieht. Eine teuflische Dialektik, die Reich mit seiner Orgonforschung aufbrechen wollte.

Wenn Feuerbach vom vollkommenen Gattungswesen spricht und der „sozialistische Humanismus“ Marxens von der „voll entfalteten, gymnastisch gestählten, sozialistischen Persönlichkeit“ ist selbstverständlich immer da Vincis Homo quadratus mit seinen vollkommenen Pythagoreisch/Platonischen Proportionen mit gemeint! Bei Marx geht es um die Beseitigung der Arbeitsteilung, deren Überwindung, etwa durch die Vereinigung von „produktiver Arbeit mit Unterricht und Gymnastik“ (Kraft durch Freude), aus dem spezialbegabten „Teilindividuum“ das allseitig begabte gesellschaftliche Individuum macht. Bezeichnenderweise beruft sich Marx bei dieser „materialistischen“ Fassung des Platonischen „Gattunsgwesens“ auf Robert Owen: „Aus dem Fabriksystem, wie man im Detail bei Robert Owen verfolgen kann, entsproß der Keim der Erziehung der Zukunft, welche für alle Kinder über einem gewissen Alter produktive Arbeit mit Unterricht und Gymnastik verbinden wird, nicht nur als eine Methode zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktion, sondern als die einzige Methode zur Produktion vollseitig entwickelter Menschen“ (Das Kapital I, Ullstein Taschenbuch, S. 439 [MEW Bd. 23, S. 508]).

Ich habe zwar nicht die Aufgabe oder den Beruf bzw. die Berufung Mensch zu sein, aber ich bin Mensch. Dieses Menschsein ist Teil meiner Eigenheit, weshalb ich mich etwa für Primatologie interessieren „sollte“. Das gleiche gilt für mich als Naturwesen und Weltwesen. Zumal ich in der Natur wirklich ich sein kann, denn die ist frei vom Über-Ich. Und mit „in der Natur“ meine ich nicht nur (z.B.) eine Waldwiese, sondern wirklich alles, was nicht vom Über-Ich vermurkst ist. Ich lebe schon in einer „Kinder der Zukunft-Welt“, an deren Maßstäben ich die, for lack of a better term, „Über-ich-Welt“ identifizieren und beseitigen kann.

Marx und die KI

19. Juli 2025

Der aufmerksame Leser des NACHRICHTENBRIEFs wird mitbekommen haben, daß ich auffällig oft mit vier Geistesgrößen ringe, unsicher bin, ins Schwimmen gerate, widersprüchlich argumentiere und bei der Einschätzung ihrer Bedeutung stark fluktuiere: vielleicht Rousseau, vor allem aber Marx, Nietzsche und Freud. Rousseau war Erbe und gleichzeitig der Gegenspieler LaMettries, – zu dem er sich niemals geäußert hat. Das, was uns an Rousseau anzieht, die Rehabilitierung der Natur, war ganz LaMettrie, den er gleichzeitig im alles entscheidenden Punkt verraten hat: das schlechte Gewissen, die Implementierung eines kollektivistischen Über-Ich, wurde zum Zentralpunkt von Rousseaus Lehre und findet sich heute vor allem in der völkermörderischen „anti-weißen“ Agenda, die unser öffentlichen Diskurs zu 100 % bestimmt: der noble Wilde. Marx steht ganz und gar in der Tradition Rousseaus. Seine Inspiration und gleichzeitig sein Gegenspieler war Stirner, dessen Herausforderung er damit bewältigte, daß er den Menschen auf einen bloßen Spielball ökonomischer Kräfte reduzierte, so daß Stirners Forderung nach „Eigenheit“ (Selbstregulation) sich als vermeintlich gegenstandlos erwies. Nietzsche bewältigte seinen Ideengeber Stirner auf ähnliche, wenn auch anstatt auf eine ökonomistische, auf eine quasi biologistische Weise: der sadomasochistische „Wille zur Macht“ machte aus den Menschen eine bloße Marionette. Freud schließlich war nicht nur Reichs Lehrer, sondern sozusagen in Personalunion auch sein eigentlicher Gegenspieler, indem er auf der einen Seite die Genitalität sozusagen „prägenital“ dekonstruierte und von der anderen Seite her mit seinem „die Kultur geht vor“, das Über-Ich rehabilitierte. Alle vier „dekonstruieren“ LaMettries „tugendhafte Lust“ bzw. Stirners „Eigner“ und machen den Raum frei für das Über-Ich!

Trotzdem muß ich kaum hervorheben, wieviel wir, nicht zuletzt aber Reich selbst, diesen vier Männern verdanken: Rousseau unser kulturgeschichtlich und weltweit einmaliges „weißes“ Naturempfinden sowie Nietzsche und Freud die Aufdeckung der „inneren Natur“. Wo bleibt hier Marx? Das möchte ich am hochaktuellen und hochbrisanten Thema KI exemplifizieren:

Trotz oder gerade wegen dem gegenwärtigen Hype und den damit einhergehenden Milliardeninvestitionen wird die KI von Tag zu Tag dümmer, weil sie zunehmend und ab einem bestimmten Punkt nur noch auf sich selbst zurückgreift. Anfangs setzt sie die Elemente zusammen, die der Mensch im Netz hinterlassen hat. Was die Orgonomie betrifft beispielsweise etwa viertausend einzelne Aufsätze zum Thema von einem gewissen Peter Nasselstein. Doch derartige Beiträge werden zunehmend selbst von KI generiert und ins Netz gestellt. Welcher Student in den Laberfächern schreibt heutzutage noch seine Arbeiten wirklich eigenständig? Parallel werden die besagten Studenten selbst von Tag zu Tag dümmer, weil sie nicht mehr ihr Gehirn, sondern ChatGPT benutzen, entsprechend werden sie das Netz nur noch mit Müll füttern. Und genau das erinnert mich unheimlich an die Marxistische Mehrwerttheorie – die einzige Theorie, die EINZIGE, die Reich von Marx übernommen hat.

Nach Marx (und Reich!) kann ausschließlich menschliche „lebendige Arbeitskraft“ Mehrwert produzieren. Was ist Arbeit? Nach Marx‘ Kapital ist „menschliche Arbeit“ nicht nur einfach menschliches Agieren, so wie jeder Tier ständig agiert, sondern das menschenspezifische Agieren nach einem Plan, einer Blaupause, erfahrungs- und intelligenzgesteuert. Arbeit ist „Hände plus Gehirn“. Aufgrund des kapitalistischen Systems sinkt aber der Anteil der „lebendigen Arbeitskraft“ zunehmend, da der Kapitalist gezwungen ist, immer mehr Maschinen und Automatisierung und schließlich sogar künstliche Gehirne (KI) einzusetzen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Mit der verhältnismäßigen Abnahme des Einsatzes menschlicher Arbeit, sinkt aber auch der Mehrwert, der dem Kapitalisten zufällt.

Um diesem Erstickungstod des Kapitalismus entgegenzuwirken, wird das kapitalistische System immer hektischer, die Automatisierung weitet sich noch mehr aus, bis schließlich ein gewisser Grenzwert erreicht ist und alles zusammenbricht, d.h. alles von „der Maschine“ erledigt wird und niemand mehr arbeiten muß. Wir stehen knapp davor! Die weitaus meisten Arbeitsplätze stehen unmittelbar vor der Abwicklung. Fabrikarbeiter? Überflüssig! Lagerarbeiter? Überflüssig! Verwaltungskräfte? Überflüssig! Schon heute kann man die vollautomatisierte Fabrikhalle, das vollautomatisierte Lager und die vollautomatisierte Verwaltung hinstellen und das ganze durch zwei oder drei Hausmeister betreuen lassen! Selbst die Laster, die die Rohmaterialen herankarren und das Endprodukt abtransportieren, könnten schon heute vollkommen autonom fahren. Alles, was man braucht, ist Kapital. Der Faktor Arbeit verschwindet bis auf klägliche Reste fast vollständig! Damit ist das kapitalistische System hinfällig!

Im kapitalistischen Endkampf geht es darum, ob entweder die wenigen verbliebenen Kapitalisten die acht Milliarden unnützen Esser, beispielsweise mit mRNA-Spritzen, umbringen und in einer von Robotern bevölkerten Sklavenhaltergesellschaft ihrem Glück frönen – oder umgekehrt diese, die Massen, sozusagen „die Reichen essen“ und danach in einem kommunistischen Paradies leben, in dem die vom Kapitalismus übriggebliebene Maschinerie alle Güter und Dienstleistungen für die Massen produziert, ohne daß die Notwendigkeit menschlicher Arbeit weiterhin besteht oder zumindest nur ein minimaler Restbedarf daran. Nun, das Problem ist, daß nur das menschliche Gehirn in der Lage ist, auf funktionelle Weise zu denken. Wenn der menschliche Input wegfällt (wie die menschliche Arbeit im Allgemeinen), wird, wie erläutert, dieser „Mehrwert“ des menschlichen funktionellen Denkens durch die Idiotie der Maschine verdrängt und alles, inklusive der besagten vollautomatischen Fabriken, bricht zusammen. Computer scheinen Wunder zu vollbringen, aber im Grunde sind sie dumm wie Brot.

Marx sagte das Ende des Kapitalismus voraus, weil der Mehrwert tendenziell gegen Null geht. „Ich“ sage auch das Ende der postkapitalistischen Welt voraus, kaum daß sie begonnen hat, weil der menschliche Intelligenz-Mehrwert verschwindet. Jeder kann beobachten, wie die Menschen selbst durch die Nutzung von Smartphones und KI zunehmend verblöden – und weil die KI schließlich nur noch mit sich selbst spricht, wird alles in völligem Chaos und in absoluter Dunkelheit enden.

In der industriellen Revolution wurden zunehmend die besagten „Hände“ der menschlichen Arbeit durch Maschinen ersetzt. In der KI-Revolution wird jetzt auch das „Gehirn“ ersetzt. Die Architektur, die in den letzten 100 Jahren immer häßlicher, langweiliger und qualitativ schlechter geworden ist, spiegelt den schwindenden Faktor der lebendigen menschlichen Arbeit wider. In den letzten Jahren ist auch das Innenleben der Menschen häßlich, langweilig und leer geworden. Man höre sich nur die „Musik“-Jauche an, die heutzutage aus den Radios sickert! Bald wird auch KI, dem die „bürgerliche Wissenschaft“, die vorher den Kapitalismus nicht durchschaute, im Moment Wunderdinge zuschreibt, ohne den menschlichen-lebendigen Input, letztendlich also ohne Orgonenergie, vollständig veröden. OR ist auf dem Weg zu verschwinden, DOR befindet sich auf der Bahn zum Triumph!

Nur funktionelles Denken und die Orgonomie können die Menschheit retten. Die Antwort liegt bei LSR: LaMettrie, Stirner, Reich.

Email [Reichs Ausschluß aus der Psychoanalyse] 2010

17. Juli 2025

Email [Reichs Ausschluß aus der Psychoanalyse] 2010

Der Mißbrauch der MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS durch sogenannte „Reichianer“

12. Juli 2025

Der (verzögerte) Einzug des Todesengels mit den bösen Augen in das oberste Gericht Deutschlands ist ein passendes Beispiel: oberflächlich geht es um Sexualökonomie (Schwangerschaftsabbruch), Rationalität (der Staat als Speerspitze der Wissenschaft gegen die irrationalen Impfverweigerer) und Antifaschismus (Verbot der „Nazis“); Dinge, in denen sich die meisten „Reichianer“ suhlen wie Schweine im Dreck, doch tatsächlich geht es ihnen um die Herrschaft einer „Platonischen“ Elite von vermeintlich Aufgeklärten, d.h. um blanken Roten Faschismus. Das sieht man auch an der zweiten Kandidatin der Kommunistischen Partei Deutschlands (der sogenannten „SPD“), bei der sich alles um die „Klimarettung“, Kollektivismus und um Enteignung („Ent-Eignung“) dreht, d.h. um das Ende von Demokratie und Arbeitsdemokratie, da, wie einst in der Sowjetunion, alles von den Vorgaben der Klimadiktatur bestimmt werden soll. Im übrigen: man schaue sich diese Gestalten an und lasse nicht nur ihre mörderischen Worte, sondern vor allem ihren mörderische Ausstrahlung auf einen wirken!

Es gibt Leute, deren gesamtes „Reichianertum“ um diese linke Agenda kreist und die sich gar nicht wieder einkriegen können in ihrer Begeisterung für derartige „antifaschistische“ Helden. Sie Feiern sogar „den Geist des Tages der Bastille“ vom kommenden 14. Juli und setzen die blutige Französische Revolution, diesem mörderische Ausbruch der Emotionellen Pest, implizit mit der „inneren Revolution“ gleich, die die Orgonomie durch Therapie, vor allem aber durch Prophylaxe erreichen will. Dabei sondern diese Leute ständig „Reichianische“ Doktrin ab, von der Funktion des Orgasmus bis zur Entdeckung des Orgons, vom orgonomischen Funktionalismus bis zu ORANUR und CORE, – nur ein Element ist auffällig unterbelichtet; jenes Element, um das sich beim NACHRICHTENBRIEF wirklich alles dreht: die Rolle von Schuld und Scham.

Die gesamte von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (CDU/CSU/SPD/Grüne/Linke) und den von ihr zu 99% kontrollierten Medien und der gleichgeschalteten „Wissenschaft“ propagierte Agenda dreht sich einzig und allein darum dir Schuldgefühe aufzuoktroyieren, weil du für DEINE Tradition, DEINE Interessen, DEIN Eigentum, kurz für DICH eintrittst. Der Schuldkult ist universell: „deutsche Schuld“, Kolonialismus, Rassismus, Sexismus, Spezieismus, Klassismus, Weißismus, Leckmichamarschduverdammterblöderlinkerwichserismus etc. und wird dir 24 Stunden, Baerbocksche 560 Tage im Jahr eingebleut, bis du dich nicht mehr traust, auch nur piep zu sagen. Tust du es trotzdem, klingeln morgens um 6 Uhr die Schergen der BRD-Stasi und beschlagnahmen deine elektronischen Geräte. Hausdurchsuchungen sind das wuchtigste Schwert der Justiz und nur Kapitalverbrechen vorbehalten! Allein daran sieht man die Prioritäten dieses Regimes. Den rotfaschistischen Staat erkennt man immer daran, daß Verbrecher wie „klassennahe Elemente“ gehätschelt und „Dissidenten“ wie Schwerstkriminelle behandelt werden.

Hinzu kommt die Durchsetzung der sozialen Scham, die natürlich letztendlich immer genitale Scham ist. Es ist kein Problem für dieses Unrechtsregime, wenn Islamisten das Kalifat auf deutschem Boden ausrufen und mit ihren schwarzweißen Fahnen durch die Städte ziehen, aber jedes überalterte Grüppchen von „Reichsbürgern“ wird von ihren Rollatoren gerissen und erfährt die volle Härte der Staatswillkür. Bei entsprechenden Demos von Rechten werden schwarzweißrote Fahnen verboten, wie erst vor einer Woche in Münster geschehen. Du mußt ja schon mit Problemen rechnen, wenn du die schwarzrotgoldenen Farben des Heiligen Reiches Deutscher Nation zeigst! In England werden Massengebete von Mohammedanern, die den Verkehr ganzer Stadtteile lahmlegen, mit einem wohlwollenden Lächeln toleriert, während stille (!) Gebete von einzelnen Christen vor Abtreibungskliniken konsequent verfolgt werden und sie ins Gefängnis bringen können. Mit anderen Worten: die einen dürfen auf der Straße ungeniert ihre Notdurft verrichten, während du dich voller Scham verstecken mußt, wenn du dir mit einem Taschentuch nur die Nase putzen willst!

Das ist der Terror der rotfaschistischen Todesengel, die im 20. Jahrhundert 100 000 000 Menschen ermordet haben und deren Blutdurst noch nicht mal annähernd gestillt ist. Ihre Waffen sind seit Rousseau und der Französischen Revolution, seit Marx und der Russischen Revolution und seit Freud und der modernen „freudo-marxistischen“ Unkultur der Schuldkult und die öffentliche Beschämung und Erniedrigung. Die einzige, die EINZIGE, Antwort ist – LSR, die systematische Freilegung und langfristige Beseitigung der individuellen und gesellschaftlichen Panzerung. Liquidar Super-Ego Radicalmente! Julien Offray de La Mettrie! Max Stirner! Wilhelm Reich!

Zum Abschluß noch zwei Punkte:

Die besagten „Reichianer“ erinnern mich an die Christen, die mit Versatzstücken aus dem Neuen Testament, mit „Liebe“ und „Gericht“, nur so um sich werfen, aber vom Kern von „Leben und Lehre Jesu“, wie er von Reich in Christusmord erstmals offengelegt wurde, nicht den blassesten Schimmer haben.

Elsworth F. Baker hat gesagt, daß er als Orgontherapeut an einer entscheidenden Stelle versagt hat, wenn bei Abschluß der Therapie aus einem Liberalen kein Konservativer geworden ist. Die Panzerung (das Über-Ich) ist nicht wirklich besiegt, solange genitale Schuld und Scham, die beim liberalen Charakter wirklich alles bestimmen und wegen seiner sozialen Dominanz die Gesellschaft als ganzes zerstören, nicht restlos ausgemerzt worden sind und stattdessen LaMettries „tugendhafte Lust“ das Leben zu 100% bestimmt.