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Peter Töpfer (Teil 17)

5. Januar 2026

Töpfer unterscheidet zwischen „präsexuellen“ und sexuellen Bedürfnissen. Die ersteren könnten zwar etwas „Lustvolles“ haben, aber nichts Geschlechtliches, Sexuelles (Tiefenwahrheit, S. 292-298). Nun, das ist identisch mit Freuds und Reichs Unterscheidung von prägenital und genital! Die sexuellen Perversionen von Erwachsenen kann man lückenlos auf deren prägenitale Sexualität zurückführen. Allein von daher ist die Leugnung einer kindlichen Sexualität widersinnig. Reich definiert „sexuell“ als „lustvolle Expansion“! Im übrigen ist es nicht Reich, der Kinder „sexualisiert“, sondern eine Gesellschaft, die milliardenfach Penisse von Kindern (teilweise schon von Säuglingen!) verstümmelt:

Die sexualverneinende Gesellschaft macht aus praktisch jedem kleinen Mädchen eine Hysterikerin, die schon vor der Pubertät mit x-Beinen und nach innen weisenden Füßen rumläuft, weil das Patriarchat in keinster Weise mit der Sexualität von weiblichen Kindern umgehen kann. Ich erinnere nur an das „berüchtigte“ „Beckenschlagen“ von jungen Mädchen! Was ist mit den unzähligen kleinen Jungs, die schlaflose Nächte haben, wenn sie voller Horror sehen, daß ihre Spielkameradin, die statt männlicher Genitalien eine Wunde hat , offensichtlich kastriert wurde? Nicht wir „Reichianer“ sind die Perversen, sondern die antisexuelle (antigenitale) Drecksgesellschaft, der der vermeintliche „Anarchist“ Töpfer derartig fanatisch verteidigt!

Es ist wie mit Töpfers lächerlichem „Agnostizismus“: sein Angriff auf den „Maschinenmenschen“, der von vegetativen Strömungen durchflossen wird, die sich entladen müssen, entstammt einer tiefsitzenden erzreaktionären Loyalität gegenüber der überkommenen durch und durch verkommenen gepanzerten Gesellschaft.

Daran schließen sich dann 150 Seiten über den pädosexuellen Juden Reich an, dessen ganze Sexualität „schmutzig“ war (S. 315):

Wir können dieses große Thema im Rahmen dieses Buches natürlich nicht erschöpfend behandeln. Hatten Freud und Reich eine Mitschuld an der Verbreitung dieser verbrecherischen Erscheinung in der 68er Bewegung („sexuelle Revolution“) und ganz besonders in der Post-68er Bewegung (Alternative Liste, Partei Die Grünen, bei denen es von Reichianern wimmelte)? Wenn ja, würde das Reichs Gegenwart in einem dem intakten Individuum gewidmeten Projekt LSR schwer in Frage stellen. (S. 299)

Immerhin hatten Freud und Reich erfolgreich die „Lustzonen“ zu sexuellen Zonen umdeklariert, also Nichtsexuelles sexualisiert. Das war ein erster Schritt in Richtung Pädokriminalität. (S. 300)

(…) so ist wohl Reichs Verbleib in der illustren Runde der Radikalen Aufklärer neben Stirner und La Mettrie allein aufgrund der Überschneidungen mit der normalen, wissenschaftlich unapologisierten Pädokriminalität kompromittiert. Es ist – zumal nach der definitiven Enttarnung Reichs als ich-feindlicher Mechanist und dessen Therapie als „ineffizient“ (Laska) – endgültig „an der Zeit“ (Laska), Reich durch Janov und LSR durch LSJ oder am besten gleich durch LST zu ersetzen. (S. 302)

Und wer genau hat Reich letztendlich durch Töpfer ersetzt? Bingo!

Inzwischen scheint Nasselstein aber auch bezüglich der „orthodoxen“, also der unmittelbar von Reich autorisierten Orgonomie desillusioniert zu sein. Er glaubt einerseits immer noch an das Gute in der Orgonomie: „Andererseits wachsen die eigenen Kinder der Orgonomen unter denkbar optimalen Bedingungen auf, doch“, so fährt Nasselstein andererseits fort, „immer wieder gibt es dort neurotische Wracks, Schizophrene, Perverse – und kein Mensch weiß, was passiert ist.“ Das schrieb Nasselstein am 1. August 2024 – da hatte er zwei Monate zuvor schon seine Rezension des ihn erschütternden Buches von Paki S. Wright geschrieben! Da „wußte“ er also schon längst, „was passiert ist“. (S. 306)

Nein, Nasselstein denkt nicht an sexuellen Kindesmißbrauch. Nicht alles Leid der Welt geht auf diesen einen Faktor zurück! Aber weiter in Text:

Man kann aber Nasselstein überhaupt nicht vorwerfen, die Augen vor diesen Verbrechen verschlossen zu haben. Einerseits ist das das mindeste und selbstverständlichste, aber andererseits rechne ich ihm als Orgonomen das trotzdem hoch an, weil ich weiß, was ihm die Orgonomie bedeutet. Aber hier hören der Spaß und die Bedenken wegen „Nestbeschmutzung“ allerspätestens wirklich auf. Das ist Nasselstein absolut klar; dafür will er sicherlich keinen Orden. Wofür ich ihn eigentlich lobe, ist, wie schonungslos und ausführlich er hier die Orgonomie im Grunde auseinandernimmt und zerstört. (S. 306)

Man sieht, daß ich Töpfer verwirrt habe: einerseits, andererseits. Alles geschenkt, aber wie er dann daraus eine Anklage ausgerechnet gegen LASKA schmiedet…

Bei Laska habe ich noch nie eine Andeutung darüber gelesen. Ist Laska das alles vollständig entgangen? Die Bücher von Paki S. Wright und Malcolm J. Brenner sind zwar erst 2002 bzw. 2015 veröffentlicht worden, doch bis zum 14.02.15 hat Laska noch an den 307 Webseiten des LSR-Projektes gearbeitet. Im Jahre 2002 ist immerhin noch etliches an Aktivität auf der Seite feststellbar, aber nichts wird davon erwähnt. Sollte Laska wirklich nichts von „The All Souls‘ Waiting Room“ mitbekommen haben? Oder war ihm – einem der am meisten an Reich Interessierten der Welt – dieses bedeutende Buch keinen kleinen Text wert? Laska hätte doch auch noch nach dem Februar 2015 zur Feder greifen müssen, um das andere Buch – das von Brenner – irgendwie zu erwähnen, so bedeutend für die Reich-Thematik ist auch dieses. (S. 306f)

Unvermittelt wird aus einem Fall Reich ein Fall Laska!

Doch unabhängig von diesen beiden Autoren muß Laska – nicht so ein vergleichsweise eher oberflächlicher Reich-Interessent wie ich – doch mal etwas zu Ohren gekommen sein. – Ist er nie entsprechenden Hinweisen nachgegangen? Selbst Gerüchte, wenn sie solch schwere Anschuldigungen vortrugen, sollte man doch als sonst so überaus akribischer Reich-Forscher ernst nehmen und prüfen – ganz zu schweigen davon, daß auch er – wie ich – darauf hätte kommen können, daß in einer „aktiven Unterstützung der Sexualität von Kindern“ nicht nur etwa eine riesige Gefahr lag, sondern bereits eindeutig kriminelles Handeln. (S. 307)

Der neumodische Whataboutism, d.h. jeder kann Laska alle möglichen Versäumnisse an den Kopf werfen – vom Leid der Palästinenser bis hin zum Klimanotstand, vom Leben nach dem Tode bis hin zur karnivoren Ernährung. Töpfer hat das LSR-Projekt schlichtweg nicht verstanden: an L und S und R war Laska so gut wie alles gleichgültig bis auf den einen Punkt, der sie jeweils zu Parias der Geistesgeschichte gemacht hat. Und was nun spezifisch Reich und den sexuellen Kindesmißbrauch anbelangt: Laska war hier nur an einem Text interessiert, Reichs Aufsatz „Eltern als Erzieher“ von 1926. Dort geht es um den neurotischen „Erziehungszwang“ der Eltern, gegen den Reich auf die „Enthaltsamkeit in der Erziehung“, d.h. äußerste Zurückhaltung bei den Erziehungsmaßnahmen setzt.

Bei Töpfers Anschuldigungen gegen Reich und die Orgonomie in Sachen Kindersex, für die ich, Peter Nasselstein, einzige Quelle bin, wird ständig Laska dazwischengeschoben.

Laska hat sich 1981 explizit in die Diskussion über die „infantile Sexualität“ eingemischt. Wenn jemand – in diesem Falle Hansjörg Hemminger (…) – die Frage „Sexualität beim Kind: ja oder nein?“ mit „nein“ beantwortet, wird er von Laska lächerlich gemacht – „Hemminger glaubt dies entweder selbst“ –, oder Hemmingers Leser werden zu Idioten gemacht: „oder er setzt auf die Unwissenheit seines akademischen Fachpublikums“. (S. 317)

Laska beruft sich auf den Biologen Max Hartmann, einem Zeitgenossen Reichs, für den die Sexualität ein allgemeines Naturphänomen darstellte, das nicht mit Fortpflanzung identisch war. Allein schon dadurch macht sich Laska mitschuldig:

Warum Laska die beiden Fragen – „infantile Sexualität“ und Sex Reproduktions-Verkoppelung – vermischt, haben wir schon durchschaut: Es ist der billige „Alle-Lebewesen-auch-vorpubertäre-Menschen“-Trick, mit dem er die „infantile Sexualität“, eine folgenreiche Spinnerei seiner Helden Freud und Reich, retten will. (S. 319)

Von S. 317 bis S. 344 wird Laskas Haltung zur infantilen Sexualität ausgewalzt, was in folgendem kulminiert:

Ich will nicht abstreiten, daß Reich Beiträge zur Selbststeuerung des Menschen (…) geleistet hat. – Das mit dem „Gesundheitskriterium“ gehört aber schon mal nicht dazu. Aber erst recht ganz und gar nicht gehört die These von der „Sexualität vorpubertärer Menschen“ dazu, weil sie nicht nur Schwachsinn ist – das allein wäre die harmlose Spinnerei eines Verrückten –, sondern weil sie kriminell ist und im Zuge der Umerziehung eine enorme Wirkmächtigkeit gehabt hat und hat. Das Ziel (die orgastische Potenz), fährt Laska in seiner quintessentiellen Einführung fort, sei, so R, durch „Prophylaxe“ zu erreichen. Das heißt nichts anderes als die ekelhafteste und verbrecherischste Propaganda, die tatsächlich heutzutage fanatisch bis in die Kindergärten hineingezwungen wird und schon längst keine bloße Propaganda mehr ist. Eine Beteiligung Laskas, wie aller Reichianer, daran kann und darf – bei allen guten Leistungen Laskas – nicht weggewischt werden. (S. 343f)

Kurioserweise sagt Töpfer „abschließend“, daß in der „Tiefenwahrheit“ natürlich jeder an die infantile Sexualität glauben dürfe: „Hier zählt nur jedermanns eigene Wahrheit“ (S. 344).

Sexualität und Arbeit (Teil 5)

4. August 2025

Frei nach Marx und Engels ist Arbeit kopfgesteuerte Tätigkeit, der Sexualakt wäre demnach sozusagen „genitalgesteuerte Tätigkeit“. Entsprechend sehen Arbeits- und Sexstörungen aus. Kopf und Genital: es sei erwähnt, daß Kopf (Kinn bei nach hinten geworfenem Kopf!) und Genital sich im Orgasmusreflex rhythmisch aufeinander zu und voneinander weg bewegen.

Arbeit und Sexualität sind je nach der soziopolitischen Panzerung anders gewichtet. Für den Konservativen, der die alte autoritäre Gesellschaft dominierte, drehte sich alles um die Arbeit. Problem war, daß das vor allem auf sexueller Verdrängung beruhte und entsprechend pornographische Vorstellungen ständig den Arbeitsfluß zu „zersetzen“ drohten. Deshalb war auch so viel von „Arbeitsmoral“ die Rede, die im Kern sexualfeindliche Moral war. Arbeit diente der Verdrängung.

Heute ist es genau umgekehrt: Traum und entsprechend Politik der Linken ist die Abschaffung der Arbeit und die Etablierung eines sorgenfreien Schlaraffenlandes, in dem nichts anderes als Lust herrscht. Gleichzeitig findet sich die beunruhigende Tendenz im Rahmen der „Emanzipation“ Sex in „Sexarbeit“ zu verwandeln. Wie selbstverständlich verkaufen Frauen bzw. Mädchen ihren Körper, bzw. das Abbild ihres Körpers, und fühlen sich dabei „emanzipiert“. Statt etwas zu sein, dem man sich ausliefert, wird der Geschlechtsakt (und sozusagen sein „Vorfeld“) zu einem Instrument. Zwinker:

Barbara G. Koopman: Der Aufstieg des Psychopathen (1. Drittel)

21. Juni 2025

Barbara G. Koopman: Der Aufstieg des Psychopathen (1. Drittel)

Kreiselwelle, Pulsation und der Ursprung der Panzerung

25. Mai 2023

In Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht habe ich, teilweise im Rückgriff auf die Ursprünge der Freudschen Psychoanalyse, dargestellt, daß die Genitalität sowohl die Grundlage von allem ist, als auch eine Entwicklung hat, die sich in den libidinösen Stufen niederschlägt: okular, oral, anal, phallisch, genital. Kurz gesagt ist der sich ständig unter orgastischen Zuckungen teilende Einzeller genital und erst nach einer Entwicklung der Mehrzeller von etwa 600 Millionen Jahren war wieder der Mensch (potentiell) genital (orgastisch potent). Das schlug sich auch in der Morphologie und orgonotischen Koordination nieder.

Die Orgonenergie bewegt sich auf zwei Weisen: Kreiselwelle und Pulsation. In Organismen schlägt sich das unmittelbar in ihrer Morphologie nieder. Erstens Orgonomform („Bohnenform“) mit der entsprechenden Bewegung der Energie den Rücken aufwärts zum Kopf und dann auf der Vorderseite abwärts zum Genital. Darauf geht das Zentrale Nervensystem zurück. Zweitens die Kugelform mit einem Zentrum (dem Plexus solaris), einer mittleren Schicht und der Peripherie. Ein Organisationsprinzip, das sich im Vegetativen Nervensystem niederschlägt mit seinen beiden Ästen Parasympathikus (energetische Expansion) und Sympathikus (energetische Kontraktion).

Verfolgt man diese beiden Organisationsprinzipien über die besagten 600 Millionen Jahre hinweg, findet sich eine eindeutige Entwicklung, die im Menschen kulminiert. Wie wir seit der Renaissance wissen, ist der menschliche Körper von kosmischen Proportionen bestimmt, die sich insbesondere auf den Goldenen Schnitt beziehen, was unmittelbar auf die Kreiselwellen-Bewegung der kosmischen Orgonenergie verweist (Stichwort kosmische Überlagerung und Fibonacci-Spirale). Parallel dazu hat sich das Gehirn (das Zentrale Nervensystem) derartig ausgeprägt, daß in und durch uns die kosmische Orgonenergie ihrer selbst bewußt wird und diese Zusammenhänge erkennt.

In nuce finden sich diese Erläuterungen über die Orgonom-Form und ihre Entwicklung in der dritten Auflage der Charakteranalyse (1949) und in Die kosmische Überlagerung (1951). Über die bioenergetische Pulsation, und wie sie sich morphologische niederschlägt, hat sich Reich Mitte der 1930er Jahre in Zusammenhang mit dem „vegetativen Urgegensatz von Lust und Angst“ und den „bio-elektrischen Experimenten“ ausgelassen (siehe Die Funktion des Orgasmus, 1942). Der besagte Niederschlag ist das Vegetative Nervensystem.

Auf der „Kreiselwellen-Seite“ (dem „energetischen Orgonom“) ist der Mensch perfekt, d.h. die Evolution ist abgeschlossen, denn die kosmische Energie ist mit ihren Bewegungsgesetzen ganz Struktur geworden. Nur auf der „Pulsations-Seite“ (dem „orgonotischen System“) gibt es Probleme bzw. „Verbesserungsmöglichkeiten“. Der medizinische Orgonom Robert A. Harman hat dazu geschrieben, daß, während die Entwicklung des Zentralen Nervensystem der Vertebraten relativ früh jedenfalls vom Bauprinzip her weitgehend abgeschlossen war, die Evolution des Vegetativen Nervensystem lang andauerte bzw. erst relativ spät begann und anscheinend weitergeht.

Man kann sogar sagen, daß die „Evolution“ des Vegetativen Nervensystems beim Menschen noch lange nicht abgeschlossen ist, denn es gibt Fälle, in denen die Funktion des Vegetativen Nervensystems seiner Struktur noch weit voraus ist. So gibt es beispielsweise wichtige parasympathische Prozesse, die von cholinergen Fasern aus den sympathischen Ganglien entladen werden, wie die cholinerge gefäßerweiternde Erregung der Skelettmuskulatur. Diese sympathischen Strukturen sind noch nicht physisch in parasympathische Strukturen differenziert. (The Autonomic Nervous System and the Biology of Sleep, Part 1. The Journal of Orgonomy 41/1, 2007, S. 36)

Ich habe den Verdacht, daß genau diese „bioenergetische Unausgereiftheit des orgonotischen Systems“ zu einer Unausgewogenheit zwischen energetischem Orgonom und orgonotischen System führen muß, was mit der Anfälligkeit des Menschen für Panzerung einhergeht. Panzerung bedeutet, daß zwei Impulse sich ins Gehege kommen, nicht nur so, daß der Organismus nicht mehr als Einheit funktionieren kann, sondern auch, weil er nicht als Einheit funktioniert.

Im Schlußkapitel von Die kosmische Überlagerung hat Reich den möglichen Ursprung der Panzerung mit, wie der Titel des Buches schon andeutet, der Kreiselwellen-Bewegung in einen nur vage formulierten Zusammenhang gebracht. Vielleicht ist es naheliegender auf die Pulsation zu blicken, zumal Reich die Biopathien explizit als „Pulsationsstörungen“ bezeichnet hat (siehe Der Krebs).

David Holbrook, M.D.: SEX UND LIEBE IN EINEM FALL VON PARANOID-SCHIZOPHRENEM CHARAKTER (Teil 2)

29. November 2022

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Sex und Liebe in einem Fall von paranoid-schizophrenem Charakter

Die orgonomische Soziologie, Teil 3: Historischer Funktionalismus (Ergänzung)

13. November 2022

In Anlehnung an Darwin („Evolution“) und Haeckel („biogenetisches Prinzip“: die Ontogenese wiederholt die Phylogenese) sprach Freud von der psychosexuellen Entwicklung des Menschen, die den Stufen der Libido entspricht: okular (Baker), oral, anal, phallisch und genital.

Das ist eine „vertikale“ zeitliche Abfolge. Reich hat die jeweiligen Stufen räumlich („horizontal“) sozusagen „mit Substanz gefüllt“ durch Segmente der Panzerung: Augensegment, orales Segment, Beckensegment, d.h. den fünf Stufen der Libidoentwicklung entsprechen bei einer gestörten Entwicklung fünf spezifische Muster der Panzerung. Grob gesprochen Verspannungen im Augenbreich, im Mundbereich, im hinteren und schließlich vorderen Beckenbereich.

In Anlehnung an Hegel und mit direktem Verweis auf Darwin haben Marx und Engels das entwickelt, was später Stalin als „Historischen Materialismus“ dogmatisiert hat: die Geschichte ist nur Oberflächlich die politische Abfolge von Dynastien, Republiken etc., vielmehr wird sie von Klassenkämpfen bestimmt, die wiederum von der Entwicklung der Ökonomie abhängen (dem Verhältnis von sich entwickelnden Produktionsmitteln und der Entwicklung hinterherhinkenden Produktionsverhältnissen). Grob ist es die Abfolge von Urkommunismus, Sklavenhaltergesellschaft, Feudalismus, bürgerlichem Kapitalismus, dem sozialistischen Staat und schließlich dem Kommunismus.

In seiner Massenpsychologie des Faschismus hat Reich klargestellt, daß diese Entwicklung (weitgehend unabhängig vom Menschen bestimmt der ökonomische Unterbau den politischen Überbau) in seinem Ablauf durch die Charakterstruktur der Massen gestört wird, so daß sich (in diesem Fall) der Kapitalismus nicht zum Sozialismus weiterentwickeln kann, in dessen Verlauf die Massen lernen, die Produktionsmittel zum eigenen Vorteil zu nutzen. Vielmehr kommt es durch die menschliche Panzerung zum schwarzen und roten Faschismus, also einer Regression zum Feudalismus, teilweise sogar zur Sklavenhaltergesellschaft.

Aus diesen beiden Kombinationen von vertikaler Zeitachse (Freud, Marx) und horizontaler Raumachse (charakteranalytischer Vegetotherapie und Massenpsychologie) entwickelte sich die soziale Orgonomie, d.h. das Konzept der Emotionellen Pest als Gegenspieler der Arbeitsdemokratie („Freud + Marx“) und das Konzept der soziopolitischen Charaktere (Baker), die deutlich machen, was konkret in den Massen vorgeht („Freud + Marx“).

Im Moment erleben wir den krebsigen Zerfall der Arbeitsdemokratie und den Triumpf der Emotionellen Pest (Polarisation der Gesellschaft) und eine generelle Rotverschiebung, die Bakers ursprüngliche Formulierung der soziopolitischen Charaktere grundlegend verzerrt. Charles Konia hat das als Transformation von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft beschrieben.

Allgemein geht es in der Orgonomie auch jenseits der medizinischen und sozialen Orgonomie um die Wechselbeziehung der vorwärtsströmenden primordialen Orgonenergie und den „materiellen“ Produkte eben dieser Orgonenergie, das reicht vom Aufbau und Funktionsweise des Orgonenergie-Akkumulators, über Reichs Forschungen im Zusammenhang mit dem Orgonmotor und ORANUR bis hin zum kosmischen Orgonenergie-Ingenieurswesen (CORE) und der kosmischen Überlagerung, die im übrigen erklärt, wie genau aus der primordialen Orgonenergie Materie hervorgeht.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 47)

17. März 2022

Der Weg zum „höheren Selbst“ geht über das Einstimmen. In indischen Begriffen die Entwicklung des Gemüts über die drei „Guna“: Tamas (Trägheit), Rajas (emotionales Aufgewühltsein) und schließlich Satvas (geistige Abgeklärtheit). An sich entspricht es dem Weg zu immer höherer biophysischer Motilität. Der höheren Bewußtseinszustand ist eine Funktion der Stimmung entsprechend den Schritten „bioenergetischer Stimmung“: okular –> oral –> anal –> phallisch –> genital. Insoweit wiederspricht die Bewußtseinsentwicklung hin zu höheren „Vibrations“ also durchaus der Orgonomie. Das Problem ist halt nur, daß dieses Einstimmen sehr schnell in hysterische Flucht vor der Genitalität umschlagen kann. Die höchste „Reinheit“ und Geistigkeit ist nichts als Sehnsucht nach Genitalität bei gleichzeitiger Flucht vor ihr. Das macht die Anziehungskraft von Religion, Mystik und Esoterik aus.

Ich fühle immer mehr die „Amöbe“ in mir, die sich z.B. bei einem Krebskranken langsam kontrahiert. Siehe dazu Reichs Buch Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst. Wäre die Kontaktaufnahme mit diesem kontraktilen Vegetativum nicht eine spezifisch orgonomische Form der Meditation? Interessant ist, daß die älteste Religionsgemeinschaft der Welt, die indischen Jainas, die altertümlichste Philosophie überhaupt vertreten: daß die menschliche Seele in ihrer Form exakt dem menschlichen Körper entspricht. Natürlich sind es allerschlimmste Mystiker, aber sie verweisen mit ihrer atavistischen Theorie indirekt doch auf eine tragikomische Tatsache: das, was Mystiker für das höchste im Menschen halten (die unsterbliche Seele), ist in Wirklichkeit sein allerniedrigstes – die (unsterbliche) Amöbe.

Noch ernüchternder ist Freud. Psychoanalytisch ist der Geist gleich Kot. Reich führt dazu Mitte der 1920er Jahre aus:

Der Gedanke wird, wie bereits Jones und Abraham nachgewiesen haben, unbewußt ganz allgemein als Ding, speziell als Kot, aufgefaßt. Überaus häufig fällt hartnäckiges Schweigen mit Obstipation zusammen und vergeht wieder, wenn der Stuhlgang vorübergehend geregelt ist. Im Verlaufe einer solchen Analyse ergab sich zwanglos der Ausdruck „Gedankenobstipation“ für das neurasthenische Widerstandsschweigen, das bei anderen Patienten sein Gegenstück in einer nicht zu hemmenden Logorrhoe hat („Wortscheißerei“ nach dem Ausdruck eines Patienten). Ein Neurastheniker bezeichnete die Analyse als den Kübel, in den er seinen „Mist“, i.e. seine Gedanken entleert. Der Gedankenproduktion kommt die unbewußte Bedeutung und der Gefühlswert der Defäkation ganz allgemein, der „Gedankenobstipation“ die der Kotobstipation vielleicht nur in speziellen Fällen zu. (…) Eine Patientin pflegte bewußt Gedanken zu unterdrücken, sobald sie im Verlaufe der Assoziationen zu unangenehmen Themen gelangte. Regelmäßig stellten sich auch Druck im Kopf, Müdigkeit und Übelkeiten ein. Gleichzeitig traten Hitzegefühle auf, die wieder vergingen, sobald die „Gedankenobstipation“ wich. Ebensolche Hitzegefühle begleiteten aber auch die Darmobstipation. („Über die chronische hypochondrische Neurasthenie mit genitaler Asthenie“, Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse 12(1), 1926, S. 25-39).

Unwillkürlich muß man an DOR denken.

1934 glaubte Reich, „daß die Inhalte der psychischen Tätigkeit rationale Gebilde der Außenwelt sind und daß nur die Energiebesetzungen der Innenwelt entstammen.“ Und weiter: „Wir übersehen aber hier nicht das wichtige, noch ungeklärte Problem, wie es der psychische Energieapparat anstellt, Reize der Außenwelt, die ihn treffen, zu Vorstellungen von dieser Außenwelt zu gestalten, die sich dann unabhängig von äußeren Reizen reproduzieren können. Dieses Problem liegt auf der gleichen Linie wie das der Entstehung des inneren Widerspruchs. Es ist fraglos gleichzeitig ein Problem der Entstehung des Bewußtseins überhaupt. Hier gibt es nicht einmal brauchbare Ansätze zu einer befriedigenden Lösung“ (Dialektischer Materialismus, Fußnote 45). Meines Wissens ist noch niemandem aufgefallen, daß diese „dialektisch materialistischen“ Überlegungen Reichs eine fast wörtliche Vorwegnahme seiner angeblich, so Richard Blasband, am weitesten „spirituellen“ Aussagen aus dem Schlußkapitel von Die kosmische Überlagerung sind!

Der Aufstieg des Psychopathen (Teil 2)

17. April 2021

Barbara G. Koopman: Der Aufstieg des Psychopathen

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 50

24. Januar 2020

orgonometrieteil12

50. Reichs Dialektik

Paul Mathews: Der genitale Charakter und die genitale Welt

19. September 2019

 

Paul Mathews:
Der genitale Charakter und die genitale Welt