Posts Tagged ‘Wirtschaft’
Die politische Agenda der extremen Linken
2. Januar 2021Die Wirtschaft ist das Lebensblut der Nation
20. Oktober 2020Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 6)
6. Oktober 2020Man kann der Marxschen Wertlehre nur gerecht werden, wenn man das berücksichtigt, was ich als „funktionellen Raum“ bezeichnet habe. Wichtiger als der Raum, den man mit mechanischen Instrumenten mißt, ist der „Raum“ deiner Beziehungen: deine Familie, deine Kollegen, deine Freunde, die allgemeine Arbeitsdemokratie usw. Einiges davon ist nicht einmal physischer, sondern immaterieller Natur wie Bräuche, Meme, Regeln, mathematische Fähigkeiten, was auch immer. Auch die meisten deiner „Organe“ befinden sich tatsächlich außerhalb des „Raumes deines Körpers“: dein Ofen (Eingeweide), dein Auto (Beine), deine Seife (Immunsystem), dein Büro (Energie- [Geld-] Produktion) usw. All dies bildet den Funktionsraum, in dem du lebst. Selbst die rechteckigen „kartesischen“ Räume in denen du lebst: primär ist, daß sie „Funktionsräume“ sind, d.h. deine externe Haut, die dich vor Sonne, Kälte, Wind und Regen schützt. (Siehe dazu meine Ausführungen in Hans Hass und der energetische Funktionalismus.)
Wir sehen unsere Umwelt als die Bühne, auf der all dies geschieht, und betrachten diese Bühne als das Wesentliche. Das kartesische Koordinatensystem ist unser Bezugssystem. Es ist so, als würden wir die Bühne für wichtiger nehmen als das eigentliche Drama von, sagen wir, Shakespeare, das auf dieser Bühne gespielt wird. Orgonometrisch gesehen ist aber der funktionelle Raum der primäre Bezugsrahmen, nicht der materielle Raum aus Beton und Holz! Man schaue sich die Landschaft Deutschlands an: Es stimmt, daß irgendwann zu Urzeiten unsere Urväter einen bestimmten geographischen Raum besiedelten, aber inzwischen, im Jahr 2020, ist alles, jeder Baum und jeder Stein, wegen der menschlichen „Terraformung“ dort, wo er ist. Deutschland ist zuallererst ein funktioneller Raum und nicht einfach nur ein Siedlungsraum („Landstrich“). „Deutschland“ macht nur Sinn im Hinblick auf Geschichte, Wirtschaft, Soziologie und sogar Psychologie! Die tatsächlichen („mechanischen“) Raumkoordinaten sind nicht mehr so wichtig. Oder wie Reich betonte: die Biologie ist fundamentaler als die Physik!
Nun, die Marx’sche Werttheorie kann nur im Sinne dieses funktionellen Raumes verstanden werden, weil Arbeit eine soziale Funktion ist, die nicht richtig verstanden werden kann, wenn man sie auf eine einfache mechanische Tätigkeit reduziert. Arbeit ist immer Teil eines grenzenlos komplizierten Gefüges gesellschaftlicher Zusammenhänge (Arbeitsdemokratie!), so daß die Zeit nicht die „individuelle Arbeit“ (ein Begriff, der überhaupt keinen Sinn macht), sondern den Querschnitt des funktionellen Raumes mißt. Wie mißt man den Funktionsraum eines beliebigen Arbeiters, etwa eines psychotherapeutisch tätigen Psychiaters? Oder besser gesagt: wie kann man einen Querschnitt durch den Funktionsraum, den wir „Orgontherapeut“ nennen, erstellen? Die einzige Möglichkeit, die wir haben, ist, sagen wir, „45 Minuten Orgontherapeut Dr. xyz“, also ein Zeitmaß zu nehmen, genau wie es seine Patienten ja ohnehin tun! Aber wie ich bereits gezeigt habe, ist selbst dieser Ansatz fehlerhaft, wenn man seine Arbeit isoliert betrachtet und von der Gesellschaft trennt (Infrastruktur, all die Menschen, die für ihn direkt und vor allem indirekt arbeiten, usw.).
Die Arbeitswertlehre hantiert also nicht einfach mit „Arbeitszeiten“, sondern mit sozusagen „Querschnitten“ durch einen kollektiven Funktionsraum. Dazu ein Bild – das man nicht überstrapazieren sollte: Wenn ich (beispielsweise) von Hamburg nach Bremen fahre und dazu eine Stunde benötige, spiegelt dieser Wert den Straßenverkehr wider, ist also Ausdruck des kollektiven Verhaltens aller Verkehrsteilnehmer. Was im Einzelnen auf meinem Tacho passiert ist, d.h. wie schnell ich jeweils in kleineren Zeitabschnitten gefahren bin, wie ich gebremst und beschleunigt habe, etc. ist dabei vollkommen gleichgültig. Oberflächlich betrachtet wäre es zwar eine „qualitativere“ Betrachtungsweise, aber tatsächlich gibt der scheinbar rein quantitative Wert „1 Stunde“ die Qualität dieses letztendlich kollektiven Ereignisses weitaus besser wider: dieser Wert hängt nicht so sehr von mir, als von der „Verkehrslage“ ab. Die „Verkehrslage“ wird aber am besten wiedergegeben, wenn man die durchschnittliche Reisezeit aller Verkehrsteilnehmer betrachtet.
Die lebendige Produktivkraft, Arbeitskraft. Wider die heutigen „Stalinisten“!
20. Juni 2018Propaganda für eine vermeintlich „natürliche Wirtschaftsordnung“, Zinskritik, „Geldreform“, die Forderung nach „Vollgeld“, etc. geistern seit geraumer Zeit am abwegigen Rand der Orgonomie herum. Da werden alle möglichen wirtschaftspolitischen Forderungen aufgestellt und das dann irgendwie als „orgonomisch“ hingestellt. Was diesen Leuten nicht bewußt zu sein scheint, ist, daß sich Reich selbst schon vor langem mit ihnen beschäftigt und sie radikal von sich gewiesen hat. Sie sind nämlich funktionell identisch mit den diversen Marxisten der alten Schule, die konsequent bei Marx den einen alles entscheidenden Faktor übersehen haben: die lebendige Produktivkraft, Arbeitskraft. Sie gelte es, so Reich, von ihren Fesseln zu befreien und sich selbst regulieren zu lassen. Siehe dazu das entsprechende Kapitel über Karl Marx in Reichs Buch Menschen im Staat von 1953.
Sehen wir uns eine heutige Entsprechung des damaligen Konflikts zwischen den Vulgär-Marxisten und Reich an, beispielsweise diesen Filmbeitrag:
Auf den ersten Blick sieht das alles folgerichtig aus, kein rationales Gegenargument bietet sich an! Doch tatsächlich werden hier nach alter vulgärmarxistischer Manier nur mechanistische Eingriffe propagiert, ohne jede tiefe Einsicht in die bioenergetischen bzw. biosozialen Zusammenhänge. Folge der angeregten Reformen wird deshalb höchstwahrscheinlich noch mehr menschliches Elend sein! Im Zentrum des Geldproblems steht nämlich nicht die Frage nach „vernünftigen“ oder gar „gerechten“ Mechanismen der Geldschöpfung, sondern einzig und allein die bioenergetisch (charakterologisch) determinierte Arbeitsfähigkeit der Massen und ihre Fähigkeit Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Ohne wahrscheinlich je von Wilhelm Reich und dem Orgonomen Robert A. Harman gehört zu haben, faßt einer der Kommentatoren unter dem obigen Video diese lebendige (orgonomische) Sichtweise sehr schön zusammen:
Die Aussagen in diesem und ähnlichen Beiträgen haben einen großen Mangel: sie erklären nicht was Geld eigentlich ist. Geld ist nichts Mythisches. Es gehört zur realen Wirtschaft (somit zu deren drei Hauptbereichen: Waren, Dienstleistungen und Rechte). Da Geld keinen Wert „an sic“ hat und sich deren Wert ableitet von der realen Wirtschaft, ist Geld also ein Ableitung (Derivat) die dem Inhaber die Möglichkeit (Option) gibt dies oder das damit zu machen. Somit gehört Geld zu den Rechten, konkret, Vertragsrechten – wie Arbeitsverträge, Mietverträge, Patente, Lizenzen etc. Geld ist somit nichts anderes als ein Vertrag zwischen Gläubiger und Schuldner, der sich Kredit nennt und als Zwischentauschmittel (Geld, Zahlungsmittel) funktioniert. Geld entsteht indem Vertragspartner einen entsprechenden Vertrag schließen. Die Bank alleine kann nichts schöpfen (und drucken darf sie ja nicht). Somit ist alles immer in Butter – es sei denn die Vertragsparteien agieren unseriös. Damit Geld, also der Vertrag funktioniert, müssen die Vertragsparteien auch wirklich vertragsfähig sein. Vertragsfähigkeit bedeutet letztlich realwirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Geld ist also immer gedeckt durch die Vertragsfähigkeit der Vertragspartner. Ist die gegeben ist es egal welche Knöpfe gedrückt wurden, ist sie nicht gegeben wären auch verliehene Goldmünzen futsch.
Es geht bei der „realwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit“ um die die lebendige Produktivkraft, Arbeitskraft, d.h. es geht letztendlich um die Frage der Panzerung des Massenindividuums, also um jene Probleme mit denen sich Reich, Elsworth F. Baker und Charles Konia in ihren epochemachenden Werken auseinandergesetzt haben. Die großen pseudo-orgonomischen „Wirtschafstheoretiker“, die uns mit immer neuen weltbewegenden Reformkonzepten behelligen, sind die funktionelle Entsprechung der Stalinisten, mit denen Reich seit Anfang der 1930er Jahre rang.
Was passiert mit Präsident Trump?
2. August 2017Ein Trump-kritischer Text von Dr. Charles Konia:
Was passiert mit Präsident Trump?
Währenddessen hat Dr. Morton Herskowitz eine Breitseite gegen Dr. Konia, Dr. Elsworth F. Baker und Jerome Eden losgelassen. Ich bin auf die Links-„Orgonomen“ und ihre Kritik am ACO bereits öfter eingegangen. Und was Herskowitz selbst betrifft: siehe „Annals of the Institute for Orgonomic Science (1984)“ ab S. 253 meiner Buchbesprechungen „Reichianische“ Bücher (Teil 3).
Die Krebsbiopathie der Wirtschaft
27. September 2016Kommunismus ist vor allem eins: die Krebsschrumpfungs-Biopathie auf dem sozialen Schauplatz. Die Gesellschaft hört damit auf Orgonenergie in Gestalt von Dienstleistungen und Waren zu produzieren, kollabiert und reorganisiert sich auf primitiverer Ebene. Sie kann in den Anfangsstadien weiter vegetieren, so als wäre alles in Ordnung, ähnlich einem Krebskrankem, der weiterlebt, etwa Körperwärme erzeugt, sich bewegen kann, verdauen, sogar sich fortpflanzen etc., doch das Reich-Blutbild zeigt bereits den allgemeinen Zerfall, der schließlich in der Tumorbildung plastisch wird, wo sich der Organismus auf unterster Ebene reorganisiert. Letztendlich zerfällt das Metazoon in Protozoen („Krebszellen“), die wiederum zu einer amorphen Masse von T-Bazillen werden. Der Mensch verfault bei lebendigem Leibe. Ähnliches beobachten wir heute in den Scheinmarktwirtschaften des Westens, besonders deutlich aber im kommunistischen China, das „Kapitalismus“ spielt.
Reich definierte Biopathien als Pulsationsstörungen. Alles Lebendige pulsiert, nicht zuletzt auch die Wirtschaft. Politiker und die wirtschaftliche „Elite“ versuchen dies zu verhindern, da der periodisch auftredende Abwärtstrend der Wirtschaftsdaten schlecht für die Politik und fürs Geschäft ist. In einem kommunistischen Land wie China ist es vollkommen undenkbar, daß die Wirtschaft stagniert oder gar schrumpft. Um dies zu verhindern, wird gegen jeden wirtschaftlichen Sachverstand billiges Geld ins System gedrückt, obwohl es nicht sinnvoll investiert werden kann. Es entstehen beispielsweise „Immobilienblasen“.
Stellen wir nun die Frage, wer eigentlich der letztendliche Gläubiger ist. Wem schulden wir die Abertrillionen, mit dem dieser Planet verschuldet ist? Die gängige Antwort lautet beispielsweise „die Rothschilds“, doch das ist nur ein Teil der Antwort, denn enteigneten wir alle Superreichen, könnten vielleicht für ein halbes Jahr sämtliche Staatsausgaben bestritten werden, wir würden dann aber vor dem Nichts stehen, weil der Kapitalismus mittlerweile kollabiert wäre. (Damit will ich nicht ungerechtfertigte Megavermögen rechtfertigen!) Tatsächlich endet jeder Ökonom in vollständiger Konfusion, wenn er jenseits klassenkämpferischer Polemik erklären soll, bei welchen Leuten oder Stellen wir denn nun in letzter Konsequenz mit solchen astronomischen Summen verschuldet sind! Für wen arbeiten wir? Des Rätsels Lösung bietet Reichs Konzept der Arbeitsdemokratie. Wir sind alle netzartig voneinander abhängig, was sich ökonomisch u.a. als Schuld ausdrückt. Geld ist letztendlich eine Anweisung für menschliche Arbeit, d.h. die Verrichtung einer Dienstleistung (wozu man auch die Produktion eines Gutes zählen kann). Auf diese Weise basiert die gesamte Ökonomie in letzter Konsequenz auf der organismischen Orgonenergie („Arbeitsenergie“). Entsprechend bedeutet eine „Schuldenkrise“ nichts anderes als ein Wegbrechen der Energieproduktion analog dem, was beim Individuum in der Krebsschrumpfungsbiopathie geschieht.
Eine Ökonomie kollabiert, wenn (a) die Arbeitsfunktion der Massen wegbricht, wie es gegenwärtig in der anti-autoritären Gesellschaft geschieht, und (b) die hilflosen Massen mit einer Finanzpolitik ruhiggestellt werden müssen, bei der Geld (= Schulden) in die Wirtschaft gepumpt wird, das immer weniger durch Arbeit gedeckt werden kann. Die Arbeit, d.h. die besagte ominöse „Energieproktuktion“, wird (a) absolut immer kleiner und spielt (b) relativ eine immer geringere Rolle.
Die „Sowjetunion“ geht ein zweites Mal unter. Der diesmal weltweite Magakollaps wird höchstwahrscheinlich und bezeichnenderweise im kommunistischen China anfangen. Und niemand in der Welt wird wissen, was geschieht (Krebs!) und warum es geschieht (Emotionelle Pest)!
Was ist Arbeitsdemokratie?
26. Januar 2015„Arbeitsdemokratie“ ist in der Orgonomie ein eher verschwommener Begriff. Teilweise scheint er sich in Slogans zu erschöpfen. In der Tat ließ Reich in seinem Labor entsprechende Tafeln anbringen, a la „Work, Not Politics!“. Andererseits scheint sie aber auf eine verschwommene „Gedankenwelt“ zu verweisen, die sich einer knappen und eindeutigen Darstellung entzieht.
Bevor ich doch so eine Darstellung versuche, hier einige relevante „Slogans“, die Reich unter dem Titel „Selbstverständlichkeiten“ 1938 in seiner Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie veröffentlicht hat. Sozusagen sein Konzept „Arbeitsdemokratie“ in Rohform:
Liebesglück, Wissen und Arbeit sind die Säfte unseres Lebens! Sie sollen es auch regieren!!
Arbeit ist die Grundlage des Lebens, Liebesglück sein Inhalt!
Arbeit soll nicht Pflicht, sondern ein Stück Lebensfreude sein!
Die Maschine wurde euer Herr! Macht sie zum Werkzeug!
Die nationale Wirtschaft hat der Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse zu dienen.
Heute dient sie der Vernichtung von Leben und Gut!Die Wirtschaft ist international! Ebenso Liebesverlangen und Lebenswille.
Welcher Japaner ist welches Chinesen Feind?
Der arbeitende Mensch hat mehr gemeinsam mit dem eines anderen Landes als mit den Parasiten des eigenen.
Arbeiter aller lebenswichtigen Berufe! Rettet die Gesellschaft vor der Tyrannei der Nichtarbeit!
Die Ehre der Nation verwirklicht sch nur durch Beseitigung der Unehre der menschlichen Not!
Kein Mensch kann für Millionen denken!
Staatspolitik und Diplomatie sind Notberufe!Nicht Kolonien mit Kriegen und Sklaven, sondern international zugängliche friedliche Arbeitssiedlungen.
Kriegersein ist kein lebensnotwendiger Beruf!
(…)
An die Stelle eitler Uniformen setzt natürliches Selbstbewußtsein!
Habt weniger National- und mehr Selbstbewußtsein!
Bettelt nicht – fordert!
Ihr schafft fürs Leben. Ihr habt das Recht es zu bestimmen!
(…)
Baut nicht so sehr auf Überzeugung und Freundschaft als auf praktischer Arbeit fürs Leben!
Gesinnungen werden wie schmutzige Hemden gewechselt! Fragt jeden: Was kannst Du für die Sicherung der Lebensfreude aller tun? Beweise es! Wir hören dich!
(…)
Die ausgelassenen „Slogans“ sind mehr sexualökonomischer Natur.
Reich ging es nicht um eine neue fest umrissene Ideologie, sondern um eine neue grundsätzliche Sicht- bzw. Herangehensweise; eine „neue Gedankenwelt“, die jeder Arbeitende aufgerufen ist, weiter auszuformulieren. (Ich denke da etwa an die „10 Leitlinien“.) Es entspricht in dieser Hinsicht Mechanismus, Mystizismus und Funktionalismus, die ebenfalls jeweils keine festumrissenen „Systeme“, sondern breitgefächerte Gedankenwelten darstellen.
Genitalität verkörpert ein Mensch, der keine Panzerung hat. Eine Definition von Genitalität, die darüber hinaus geht, mag hier und da treffend sein, wird die Genitalität aber nie erfassen können, sondern sie viel eher verfehlen. Entsprechend ist eine Arbeitsdemokratie eine Gesellschaft ohne „gesellschaftliche Panzerung“, d.h. frei von Politik und all den irrationalen Ideologien. Work, Not Politics!
Hier nun eine kurze Zusammenfassung des Konzepts „Arbeitsdemokratie“, das Reich seit 1939 entworfen hat:
- In der Arbeitsdemokratie wird die Zusammenarbeit der Menschen untereinander von biologisch bestimmten subjektiven Arbeitsinteressen und dem Zusammenspiel der objektiven Arbeitsfunktionen bestimmt.
- Arbeitsdemokratie ist weder Unterwerfung unter Autoritäten noch Rebellion gegen sie, sondern die funktionelle Einheit von vollkommener persönlicher Freiheit und strengster Arbeitsdisziplin. Jeder ist frei, nach seinen Interessen und Fähigkeiten sich einen Arbeitsbereich auszusuchen, danach aber unterliegt er unerbittlich den objektiven Regeln des Arbeitsprozesses. Beispielsweise kann ein Waldarbeiter nicht die Bäume fällen, bei denen es besonders viel Spaß macht und sie nach eigenem Gusto in eine beliebige Richtung fallen lassen.
- Ähnlich wie ausnahmslos alle neurotischen Symptome bloße Übertreibungen primärer, gesunder Antriebe sind, gehen alle gesellschaftlichen Institutionen, egal wie irrational sie auch sind, auf rationale arbeitsdemokratische Beziehungen zurück.
- Durch das bloße Fortbestehen der Gesellschaft erweist sich, daß die Arbeitsdemokratie in jedem Augenblick bereits existiert, ähnlich wie ein Organismus durch sein bloßes Dasein zeigt, daß er „pulsiert“, d.h. lebt. Genitalität ist gleichbedeutend mit ungehinderter Pulsation. In diesem Sinne kann auch die Arbeitsdemokratie ein Ziel sein, das angestrebt wird.
- In der Arbeitsdemokratie herrschen keine formalen, sondern funktionelle Hierarchien, d.h. nur jene haben zu entscheiden, die etwas von der Sache verstehen. Das erweist sich durch ihre eigene Arbeitsleistung. Die Entscheidungen werden vom objektiven Arbeitsprozeß bestimmt und sind unabhängig von individuellen ideologischen Einstellungen oder Wertesystemen.
- Was produziert wird bzw. welche Leistungen erbracht werden, bestimmen weder private Profitinteressen noch politische Überlegungen, sondern die Bedürfnisse der Gesellschaft. Es ist jene „lebensnotwendige Arbeit“, die auch ohne monetäre Anreize bzw. politischen Zwang geleistet werden würde. In diesem Sinne bestimmt die Konsumtion die Produktion.
- In ihrer Funktion als Arbeitende sind Menschen dazu gezwungen, sich rational zu verhalten. Diesen Mechanismus gilt es zu verinnerlichen und ein „Fachbewußtsein“ zu kultivieren, das die Massen gegen die politische Irrationalität immunisiert.
- Arbeitsdemokratische Führungspersönlichkeiten unterscheiden sich von politischen Führungspersönlichkeiten dadurch, daß sie die Arbeitenden nicht von der Verantwortung befreien, sondern ihnen das Maß an Verantwortung aufbürden, das sie vernünftiger Weise tragen können. Damit macht sich der arbeitsdemokratische Führer schließlich selbst überflüssig.
- Eine „Demokratie“ ist nur dann ihres Namens wert, wenn sie zu einer Entwicklung beiträgt, in der die arbeitenden Massen immer mehr selbst die Verantwortung für ihr Leben übernehmen und immer mehr Verantwortung im Arbeitsprozeß übernehmen, statt „angeleitet“ zu werden.
- Der Arbeitsprozeß entwickelt sich organisch und der Arbeitende ist ein bloßes Organ dieser funktionellen Logik. Hier kann nichts erzwungen werden.
- Arbeitsdemokraten sind niemals „Aktivisten“, die gegen etwas oder jemanden „zu Felde ziehen“, vielmehr unterwerfen sie sich dem rationalen Arbeitsprozeß, in dessen Verlauf spontan Hindernisse überwunden werden.
- Die Entwicklung der Arbeitsdemokratie hängt vom Verantwortungsbewußtsein des einzelnen Arbeitenden ab, d.h. von seinem Kontakt mit seinen eigenen Empfindungen („Interesse“) und mit den Empfindungen der Menschen in seiner Umgebung (Empathie).
- Der Fortbestand der Arbeitsdemokratie ist davon abhängig, daß die Arbeit des einzelnen Arbeitenden wirklich Teil seines Lebens geworden ist, er also nicht wie ein Roboter funktioniert, sondern aus sich heraus „mit vollem Engagement“ arbeitet.
Ratgeber wie Die Entdeckung der Faulheit. Von der Kunst, bei der Arbeit möglichst wenig zu tun sind schlichtweg Emotionelle Pest und nichts außerdem. Auf amazon wird das Buch wie folgt beschrieben:
Dolce Vita am Arbeitsplatz: das Kultbuch über die Kunst des Nichtstuns im Büro. Wer arbeitet, macht einen Fehler, behauptet die französische Bestsellerautorin Corinne Maier, die mit ihrem Buch „Bonjour paresse“ die Grande Nation in Aufruhr versetzte. Nichts ist heute mehr sicher und selbstverständlich, der Job nicht, die Karriere nicht, und die Rente schon gar nicht. Warum sollte man sich also für seine Firma krumm legen? Corinne Maier, selbst leitende Angestellte beim staatlichen Energiekonzern EDF (Electricite de France), rät in ihrer pointierten Polemik deshalb zur „aktiven Distanzierung“ im Arbeitsleben. Innerhalb seines Unternehmens suche man sich möglichst eine Nische, um mit geringstmöglichem Einsatz und ohne Risiko durch den Büroalltag zu kommen. Laut Umfrage haben sich bereits 17 Prozent der Franzosen diesem subversiven Aufruf zu Individualismus und Ineffizienz angeschlossen.
Ein naheliegender Einwand gegen Reichs Konzept ist, daß es das Produkt eines „Laboratoriumsarbeiters“ sei, der einer interessanten und abwechslungsreichen Arbeit nachgeht, aber was ist mit einem Postboten, einer Kassiererin im Supermarkt, einem Arbeiter an einer Stanzpresse oder dem Kapitän einer Flußfähre? Dieser Einwand ist selbst „elitär“, da er davon ausgeht, daß es nicht auch Leute gibt, die in einfachen Tätigkeiten ihre Erfüllung finden. Jene, die keine Arbeitsstellung gemäß ihrer hohen Intelligenz und ihrer Neigung finden, haben dies (jedenfalls in einem Land wie Deutschland) einzig und allein ihrer eigenen Verantwortungslosigkeit und nicht der angeblichen Unfreiheit der Gesellschaft zu danken. Sie werden aber auch sowieso immer unzufrieden und rebellisch sein, selbst wenn sie durch glückliche Fügung doch noch in ihrem „Traumjob“ landen. Diese widerliche Jammerei ist schlichtweg „anti-arbeitsdemokratisch“.
Die Arbeitsdemokratie „umfaßt jeden, der lebensnotwendige Arbeit leistet“ (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 279).
Unter „lebensnotwendiger Arbeit“ müssen wir jede rubrizieren, die zur Aufrechterhaltung der menschlichen Lebens und der gesellschaftlichen Maschinerie unerläßlich ist. Jede Arbeit also, deren Ausfall den lebendigen Prozeß schädigen und hemmen würde, ist lebensnotwendig. (ebd., S. 337)
Was bedeutet das konkret? Eine Krankenschwester leistet zweifellos lebensnotwendige Arbeit, aber gilt das auch für die Bedienung in einer Parfümerie? Eine Bäckerei ist lebensnotwendig, aber gilt das auch für eine Konditorei?
Man kann dieses Spiel beliebig weiterführen und nie zu einer befriedigenden Definition von „lebensnotwendiger Arbeit“ gelangen. Des Rätsels Lösung ergibt sich, wenn man Reichs Worte weiter zitiert:
[Arbeitsdemokratie] umfaßt jeden, der lebensnotwendige Arbeit leistet, und ist deshalb einzig und allein vorwärts gerichtet.
Das, was lebensnotwendig ist, wird sich in der Zukunft immer plastischer herausschälen, wenn der Einfluß irrationaler linker und rechter Ideologien gebrochen ist und Menschen mehr und mehr die Verantwortung für ihr Leben selbst übernehmen und es nicht mehr an andere abtreten. Mit dem graduellen Abnehmen der „Störgeräusche“ des gesellschaftlichen Chaos wird von selbst evident werden, was „lebensnotwedig“ ist und deshalb auch das Leben bestimmen sollte.
Um beim Beispiel der Parfümerie zu bleiben: Es ist nichts Unnatürliches daran, die „natürlichen“ Körperausdünstungen in Schach zu halten. Selbst Affen benutzen „Parfüm“! Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man „wie ein Iltis riecht“ oder mit seinem Geruch signalisiert, daß man gesund, sexuell aktiv und sozial kompetent ist!
„Liebe, Arbeit und Wissen“ sind nicht voneinander zu trennen. Ihnen gemeinsam ist der Kontakt: zu uns selbst und unseren wirklichen Bedürfnissen, der Kontakt zu unseren Mitmenschen und der Kontakt zur Natur.
Deshalb unterstützt dieser Blog alles, was die Kontaktfähigkeit der Massen erhöht, beispielsweise den libertären Abbau überflüssiger gesetzlicher Regelungen, die das Wirtschaftsgeschehen einschränken, andererseits bekämpft er alles, was die Kontaktfähigkeit der Massen herabsetzt, etwa eine libertäre Drogenpolitik.


















