Posts Tagged ‘Wirtschaftssystem’

David Holbrook, M.D.: ARBEITSDEMOKRATIE

2. Februar 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Arbeitsdemokratie

 

Arbeitsdemokratie (Teil 2)

21. April 2018

http://orgonomie.net/holbrook1.htm#arbeit

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.16.

11. Juni 2016

orgonometrieteil12

I. Zusammenfassung

II. Die Hauptgleichung

III. Reichs „Freudo-Marxismus“

IV. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

V. Reichs Biophysik

VI. Äther, Gott und Teufel

1. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

2. Spiritualität und die sensationelle Pest

3. Die Biologie zwischen links und rechts

4. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

5. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

6. Die gesellschaftlichen Tabus

7. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

8. Dreifaltigkeit

9. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

10. Die Schöpfungsfunktion

11. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

12. Bewegung und Bezugssystem

13. Der Geist in der Maschine

14. Orgonomie ist Wissenschaft, keine Naturphilosophie!

15. Die Identitätsphilosophie

16. Das Wesen des Marxismus

Der Kapitalismus als Ausdruck des bioenergetischen Kerns

23. November 2015

Der Kapitalismus ist die ökonomische Hülle des bioenergetischen Kerns der Gesellschaft: der Arbeitsdemokratie. Entsprechend ist der ökonomische Erfolg einer gesellschaftlichen Gruppe oder einer ganzen Nation Funktion von Handlungsmaximen, die in Übereinstimmung mit dem bioenergetischen Kern stehen.

Von jeher haben mich zwei Religionen besonders fasziniert: der persische, heute größtenteils indische Parsismus (auch Zoroastrismus, Zarathustrismus oder Mazdaismus genannt) und der indische Jainismus.

Sie zeichnen sich, ähnlich dem vielleicht noch älteren Judaismus, durch ihre „unphilosophische“ Archaik aus. Beispielsweise löst der Parsismus das Problem der Rechtfertigung Gottes („Wie kann ein gerechter Gott Leid zulassen?“) einfach, indem ihm, Ahura Mazda, ein fast gleichstarker böser „Zwilling“ zur Seite gestellt wird, Ahriman. (Zum Thema siehe auch Der Kampf der Götter.)

Zarathustra verlegt den Gegensatz des Guten und Üblen in die metaphysische Grundstruktur der Welt selbst. Zwei Kräfte, die gute und die böse Kraft (zugleich als rein und unrein, hell und dunkel und in anderen Wertgegensätzen gefaßt), liegen miteinander im Kampf. Schauplatz des Kampfes ist auch der Mensch. Das Leiden ist nicht gerechtfertigt, sondern zu bekämpfen. Der Mensch soll der guten Kraft beistehen. Diese Projektion des Wertnegativen in das Absolute (fortgesetzt in der christlichen Gnosis, den Manichäern, dann in untergeordneten christlichen Vorstellungen des Mittelalters, in Hölle und Paradies, Teufel und Gott) kann zu immer neuem religiösen Erleben führen: zu einem Absoluten, zu Gott wird immer wieder Beziehung gewonnen, das Leid war nicht Gott zuzuschreiben, Gott war gerechtfertigt. (Karl Jaspers: Psychologie der Weltanschauungen, Berlin 1971, S. 253)

Diese Zweiteilung ist dabei im originalen Parsismus nicht eine in Seele und Leib, sondern eine in zwei gegensätzliche „Substanzen“, die Seele und Leib gleicherweise betreffen: die eine Substanz verkörpert Licht, Wahrhaftigkeit und Fruchtbarkeit, die andere Finsternis, Lüge und Trockenheit. Das Leben wurde im Parsismus nicht verneint, sondern gefeiert, entsprechend war die Stellung der Frau unvergleichlich höher als etwa heute im Islam.

Es gilt sich auf die Seite von Ahura Mazda zu schlagen, indem man radikal allem Bösen entsagt, also beispielsweise niemals lügt. Lügen, und andere unreine Handlungen, ziehen einen unweigerlich auf die Seite Ahrimans. In anderen Religionen kann man lügen, wenn es der guten Sache nutzt (Takiya im Islam) und sich, wie im Katholizismus, durch magische Handlungen wieder reinwaschen. Im Parsismus ist die Lüge an sich böse, so als wäre sie ein krankmachender oder todbringender Stoff.

Genau dieses Tabu hat in Indien für den unverhältnismäßig großen Erfolg der eingewanderten Parsen geführt. Da sie aus religiösen Gründen niemals betrügen, waren sie begehrte Geschäftspartner und erlangten entsprechend schnell eine hohe wirtschaftliche Stellung. (Was ein interessantes Licht auf den Kapitalismus wirft!)

In seiner Essenz ist der Parsismus kaum mehr als das intuitive Erfassen der Wahlmöglichkeit zwischen der erstrahlenden, lebensspendenden ORgonenergie und dem schwarzen, todbringenden DOR.

Diese Geisteshaltung kommt in der wunderschönen islamischen Architektur (etwa im Taj Mahal) zum Ausdruck, die nichts, aber auch rein gar nichts mit „islamischer Kultur“ (ein Widerspruch in sich selbst!) zu tun hat, sondern eine direkte Übernahme der klassischen vorislamischen Architektur Persiens ist. Sie entstammte einem von Zarathustras Religion geprägten Geist, in dem Schönheit und Wahrhaftigkeit das höchste Gut waren, während Lüge, Diebstahl, Betrug als absolut unrein galten, – während sie integraler Bestandteil des Islam sind. (Man lese doch bitte den Koran!) Entsprechend hassen und verachten nationalbewußte Iraner den von den Arabern aufgezwungen Islam auch in einem Ausmaß, der alle westliche Islamkritik in den Schatten stellt! Der Islam war wirklich wie eine schwarze, übelriechende Wolke, der das Licht verdrängt hat. (In Gefängnissen sind Moslems überrepräsentiert und „ungläubige“ Kriminelle werden nicht nur in amerikanischen Gefängnissen bevorzugt zu Konvertiten.)

Ganz ähnlich wie mit dem Parsismus ist es mit dem Jainismus bestellt, den es bereits lange vor dem Buddhismus gab. Der Hauptunterschied zum Buddhismus ist an der Auffassung von Seele und Karma festzumachen.

Während der Buddhismus die Existenz einer unsterblichen Seele verneint bzw. in der Illusion eine solche zu besitzen und sich an sie festzuklammern, die Quelle alles Leidens sieht, geht es dem Jainismus um die Erkenntnis, daß wir unsterbliche Seelen sind. Der Weg zur Erlösung führt über die Emanzipation der Seele von Körper und Materie. Entsprechend sollte das Leben jedes Jain-Mönchs im Fasten bis zum Tode kulminieren.

Das Archaische am Jainismus ist die Art und Weise, wie man sich diese Seele vorstellt: nicht als einen abstrakten bzw. „punktförmigen“ Geist, sondern als eine Art feinstofflichen Doppel des Körpers. (Die Begründer des Jainismus haben schlicht ihre organismische Orgonenergie wahrgenommen.) Entsprechend ist auch die Vorstellung vom Karma „substanzhaft“. Im Wikipedia-Eintrag zum Karma-Begriff des Jainismus wird das wie folgt beschrieben:

Die Karmalehre des Jainismus weist im Vergleich mit anderen Religionen indischen Ursprungs eine Besonderheit auf: Karma wird hier nicht nur als eine auf Handlung basierende Gesetzmäßigkeit von Ursache und Wirkung verstanden, sondern zudem als etwas Substanzielles aufgefasst. Jains sprechen in diesem Zusammenhang von feinstofflichen, nicht wahrnehmbaren „Karma-Partikeln“ (…) oder auch von „karmischer Materie“ (…) (…).

Ähnlich wie die Parsen halten sich auch die Jains radikal von Sünden, etwa der Lüge, fern aus Angst vor Kontamination mit dem „substanzierten“ Bösen, einer „bösen Substanz“. Entsprechend ist auch ihre wirtschaftliche Stellung ausgezeichnet: es ist eine Freude mit ihnen Geschäfte zu machen. Hindus und Buddhisten leben hingegen aus einer derartig „hochentwickelten“ Philosophie heraus, daß sie vor sich und anderen mittels „Dialektik“ jede denkbare Untat rechtfertigen können. Beispielsweise kann ein Buddhist ohne Probleme Fleisch essen, solange das Tier nicht extra für ihn getötet wurde, während Jains radikale Veganer sind. Oder man betrachte den Umgang der Hindus mit ihren Heiligen Kühen: sie werden niemals getötet, aber ansonsten als das behandelt, was sie sind, eine unerträgliche Landplage. Tatsächlich brechen europäische Tierschützer regelmäßig in Tränen aus, wenn sie miterleben müssen, auf was für eine unmenschliche Weise in Indien mit Kühen umgegangen wird.

Wie Reich dargelegt hat, paßt die Charakterstruktur des Massenindividuums stets paßgenau zum jeweiligen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem. Da der Charakter in der Kindheit geformt wird, braucht es dazu eine Anpassungszeit von vielleicht 30 Jahren – was in etwa der Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Entwicklung entspricht. Je älter man wird, desto fremder fühlt man sich.

Es finden keine Treffen „der Mächtigen“ statt, wo diskutiert wird, wie man Kinder systematisch so emotional schädigt, daß sie in die neuste Version der gepanzerten Gesellschaft hineinpassen. Reich hat gezeigt, daß vielmehr die Charakterstrukturen ihnen konforme Gesellschaftsysteme erzeugen und diese in einem sich langsam vorwärtsbewegenden Kreislauf wiederum die ihnen entsprechenden Charakterstrukturen und so immer weiter.

In der heutigen Gesellschaft werden die Mütter und die Kinder vor allem durch die Medien geprägt, die fast durchweg von pseudoliberalen „fortschrittlich denkenden Menschen“ bevölkert werden.

James P. Smith et al. von der RAND Corporation und Gillian C. Smith von der Washington University School of Medicine haben eine repräsentative Erhebung über das Leben von 35 000 Amerikanern, bzw. 5000 Familien, die sich über vier Jahrzehnte hinzog, für eine bisher einzigartige Studie genutzt. Sie behandelt den Einfluß von emotionalen Problemen in der Kindheit (Depression, ADHS, Suchterkrankungen, etc.) auf das spätere Leben.

Das besondere der Untersuchung liegt auch darin, daß Menschen mit psychischen Problemen in der Kindheit mit ihren Geschwistern verglichen werden konnten, die gesund blieben. Damit war gesichert, daß das Umfeld für die beiden Gruppen (in der Kindheit psychisch belastete Menschen im Vergleich mit psychisch unbelasteten) gleich war.

In der Kindheit vorbelastete haben eine schlechtere Ausbildung, können im Durchschnitt sieben Wochen weniger im Jahr arbeiten und haben über das ganze Leben gerechnet im Durchschnitt 20 Prozent weniger Einkommen. Es handelt sich um einen Minusbetrag von 10 400 Dollar im Jahr! Der Gesamtschaden für die Volkswirtschaft durch diese Gruppe, etwa 6 Prozent der Bevölkerung, beläuft sich auf 2,1 Billionen Dollar im Jahr.

Das ist natürlich nur die Spitze des Eisberges, denn es betrifft nur offensichtliche neurotische Symptome. Man denke jedoch auch an den ungeheuren volkswirtschaftlichen Schaden, der durch die Schädigung der Arbeitsfunktion der überwiegenden Mehrheit, d.h. über 90 Prozent der Bevölkerung, hervorgerufen wird!

Es sei nur einmal an die Diskussion über „Mobbing“ in der Wirtschaft erinnert, die in den letzten Jahren geführt wurde. All die Milliarden, die durch „Dienst nach Vorschrift“ oder etwa durch das „Porno-Surfen“ während der Arbeitszeit verloren gehen! Geschweige denn durch neurotische Unachtsamkeit, durch Schlafstörungen, Substanzmißbrauch, etc.pp.

Die charakterliche Panzerung der Massen ist deshalb kaum im Interesse der Wirtschaft. Einzige Ausnahme (wenn man von volkswirtschaftlich unbedeutenden Marginalien absieht) ist vielleicht die Pharmaindustrie, die ohne Biopathien vor dem Ruin stünde. Da (jedenfalls was Deutschland betrifft) die Religion wegen Bedeutungslosigkeit kaum betrachtet werden muß, bleibt ansonsten nur eine einzige Gruppe, die am psychischen Massenelend ein Interesse hat: die Politiker im allgemeinen und die linken Ideologen im besonderen. Die Hilflosigkeit der Massen ist ihre einzige Lebensgrundlage.

Der Kapitalismus ist nicht Feind der Orgonomie, sondern ein potentieller Verbündeter, aus dem einfachen Grund, daß sich emotionales Elend nicht rechnet.

Sozialdarwinismus (Teil 2)

25. August 2015

In Teil 1 haben wir uns mit einer Möglichkeit, Arbeit und Antiarbeit voneinander zu unterscheiden, beschäftigt. Eine weitere Herangehensweise läge vielleicht darin, ökologische Betrachtungsweisen auf das Wirtschaftsleben zu übertragen. Demnach wäre Antiarbeit alles, was dem arbeitsdemokratischen „Ökosystem“ schadet.

Leider tut Hans Hass so, als würden die Energone ihre positiven Energiebilanzen im luftleeren Raum erzielen. Er scheint zu vergessen, daß alle Berufstätigen in einem Ökosystem verankert sind, nur daß hier die Fauna nicht aus Tieren, sondern aus anderen Berufstätigen besteht. So wäre z.B. ein Bäcker ohne Schuster, Arzt und Bauer überhaupt nicht in der Lage seine Brötchen zu backen, weshalb er sich ihnen ja auch mit „Tit for Tat“ nähern muß.

Daß Hass dies Eingebundensein so wenig in Betracht zieht, ist umso erstaunlicher, als er ja selber den Berufstätigen nicht auf den berufstätigen Menschen selber beschränkt, sondern auch alle für seine Erwerbstätigkeit notwendigen Einheiten umfassen läßt. Aus dieser Sichtweise ist aber unser Bäcker schon von vornherein in einen übergeordneten Organismus eingeordnet, ohne daß er erst Angestellter in einer Großbäckerei (also einem umfassenderen Energon) werden muß.

Demnach können wir die gesamte Arbeitsdemokratie als „übergeordnetes Lebewesen“ betrachten. In der Biologie wäre das so, als würde man z.B. Wälder, Wiesen oder Teiche so betrachten, wie Stephan Lackner es tut:

Ein gesundes, unbeschädigtes Gehölz schützt und stützt seine Einzelglieder. Der Waldrand mit seinen dichtverwobenen, bis zum Boden hinunter belaubten Ästen, die er der Außenseite zukehrt, ist ein Organ, genauso wie die Haut eines Tieres ein Organ ist. Dieser Mantel ist grundsätzlich anders konstruiert als das hohle, kahlstämmige Waldesinnere, das dem Knochengerüst vergleichbar ist. Zusammen bilden sie einen großen Organismus. (Die friedfertige Natur, München 1982)

Man kann sogar noch weiter gehen und die gesamte Erde als Lebewesen betrachten, das James Lovelock, wie in Die Orgonomie und die Energetik (Teil 2) erwähnt, „Gaia“ nennt. Lovelock sagt, „daß die Biosphäre eine sich selbst regulierende Wesenheit darstellt, dazu befähigt, unseren Planeten gesund zu erhalten, indem sie die chemische und physikalische Umwelt überwacht“.

Man denke auch daran, daß nach Reich sowohl der Mensch als auch die Atmosphäre eine Abpanzerung durch DOR erfahren können, daß also Gaia sich genauso panzern kann wie der Mensch.

Hass lehnt es jedoch strikt ab, Ökosysteme als Lebewesen zu betrachten. Denn im Gegensatz zu Energonen hätten Ökosysteme keinen Wirkungsgrad (die Entropie nimmt ab), sondern wären lediglich Gleichgewichtszustände (die Entropie bleibt konstant). Nach Hass befinden sich jene Systeme im Gleichgewichtszustand, denen nicht „das Kunststück durchschnittlich positiver Energiebilanzen gelingt. Hier zieht der Energonbegriff eine klare Grenzlinie.“ Hier hätten wir „die Kluft, welche die anorganische von den organischen Ordnungen trennt“ (Naturphilosophische Schriften, Bd. 2, München 1987).

Mit dem Orgonenergie-Akkumulator hat Reich gezeigt, daß diese Kluft nicht besteht und daß an der traditionellen Thermodynamik etwas nicht stimmen kann.

Hass‘ engbegrenzter Energonbegriff hat über die Vernachlässigung von (im weitesten Sinne des Wortes) „ökologischer“ Bewertungsmuster sicherlich dazu beigetragen, daß Hass grade jene Staatssysteme, z.B. das kommunistische, als am höchsten entwickelt und den Organismen am weitesten nahekommend betrachtet hat, die aus der Sicht eines Herbert Spencer ganz im Gegenteil am wenigsten entwickelt sind und in denen sich, nach Reich, die Arbeitsdemokratie am geringsten entfaltet hat.

Hass glaubt, daß „die Machtkörper des kommunistischen Ordnungsrezepts (…) den Organismen sehr ähnlich“ sind, da:

  1. die Initiative für Erwerb und Bedarfsbefriedigung dem Einzelnen entzogen und auf die Kompetenz der Gemeinschaft übertragen ist;
  2. die Leistungen des Einzelnen nicht ihm, sondern der Gemeinschaft dienen; und
  3. dem Einzelnen zugeteilt wird, worauf er im Rahmen der Gemeinschaft Anspruch hat. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 4)

Dazu ist grundsätzlich zu sagen, daß diese Argumentation zweifelhaft bleibt, solange Hass nicht zwischen gepanzertem und ungepanzertem Organismus unterscheidet. Geht man nämlich vom gepanzerten Organismus aus, ist es nur ein kleiner Schritt „zur staatlichen Auffassung der menschlichen Gesellschaft oder umgekehrt, von der Idee des absoluten Staates zur mechanistischen Auffassung des Organismus.“ So Reich in Äther, Gott und Teufel, wo er die Arbeitsdemokratie mit dem (ungepanzerten) Organismus gleichsetzt.

Typischerweise fällt sowohl der „mechanistische gepanzerte Organismus“ als auch der „absolute Staat“ in eins mit seinem angeblichen Gegenteil: dem absoluten Chaos. So zeichnet sich der Zwangscharakter durch einen übergroßen Ordnungssinn aus, der jederzeit in sein schlampiges Gegenteil umschlagen kann. Viele Historiker haben sich verwundert darüber gezeigt, wie chaotisch und desorganisiert der nationalsozialistische Staat doch war. Das gleiche Phänomen fand sich im Realsozialismus.

Zwangsordnung und Chaos sind genauso funktionell identisch wie Ordnung und Freiheit. Weil zu viel „Ordnung“ Chaos bedingt, funktionieren weniger zwangsorganisierte Systeme besser und sind deshalb auch höher entwickelt. So ist Hass’ an Thomas Hobbes gemahnende Postulierung, daß der Kommunismus in seiner Organisation am höchsten entwickelt ist und darüber hinaus den natürlichen organismischen Verhältnissen am nächsten kommt, eine krasse Fehleinschätzung. Immerhin warnt aber Hass davor, daß gewaltsame (also sozialistische) Eingriffe in Wirtschaftssysteme den gleichen Effekt haben, wie gewaltsame Eingriffe in Ökosysteme. Und Hass schreibt, daß sowohl in „den Lebensräumen der Natur“ als auch im „liberalen Staat“ das „laisser fair laisser passer“ gewahrt bleiben.

Spencer unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Organisationstypen der Gesellschaft:

Die eine entspringt unmittelbar aus der Verfolgung individueller Zwecke und trägt nur indirekt zur sozialen Wohlfahrt bei; sie entwickelt sich unbewußt und ist nicht zwingender Natur. Die andere, die unmittelbar aus der Verfolgung sozialer Zwecke hervorgeht und nur indirekt zur individuellen Wohlfahrt beiträgt, entwickelt sich bewußt und ist zwingender Natur. (z.n. E.V. Zenker: Der Anarchismus [1895], Berlin 1984)

Spencer spricht hier von der freiwilligen Organisation, dem „industriellen Typus“, und der zwangsweisen Organisation, dem „kriegerischen Typus“, wobei der zweite „eine Folge des Abwehrbedürfnisses der Gesamtheit nach außen ist.“ Heute würden wir vom „unternehmerischen“ und „bürokratischen“ Organisationsmuster sprechen. Beim ersten Typus dient der Staat dem Individuum egoistisch als Organ, während umgekehrt beim zweiten Typus das Individuum „altruistisch“ zum Organ des Staats wird.

Den bürokratischen Typus finden wir im feudalistischen Absolutismus und im sozialistischen „Neofeudalismus“, während wir dem unternehmerischen Typus, der dem Ideal der Arbeitsdemokratie noch am nächsten kommt, im Kapitalismus begegnen. Nach diesem Schema wollen wir jetzt die vier Grundformen des Staates betrachten, die Hans Hass konstatiert (wobei unsere Darstellung in Einzelheiten aber gewichtig von Hass abweicht). Die ersten drei Grundformen gehören dem bürokratischen Typus an:

  1. Warum Spencer den bürokratischen Typus „kriegerisch“ genannt hat, sieht man am klarsten in seiner ersten Ausformung. Hier ist der Staat der Berufskörper des Herrschers, der ein Volk versklavt hat und es ausbeutet. Man denke an die Mongolenherrschaft über Rußland. Wir haben, so Hass, einen „schlechten Herrscher“ vor uns, der blind seine Erwerbsquelle ausplündert und damit seine eigene Lebensgrundlage untergräbt. Auf diese Weise, d.h. aus reinem Machtkalkül heraus, entstehen zwangsläufig Verbesserungen dieses Systems, die mit einer fortschreitenden „Humanisierung“ verbunden sind. In Wirklichkeit findet bei dieser Befriedung jedoch eine noch weitere Ausweitung des Staates statt, der schließlich die gesamte Gesellschaft umfaßt, so daß wir am Ende einen „Ameisenstaat“ vor uns haben. Diese Abfolge können wir uns an der russischen Entwicklung von der Mongolenherrschaft, über das Zarentum, bis zur kommunistischen Utopie vergegenwärtigen.
  2. Die erste Stufe dieser Verbesserung haben wir vor uns, wenn der reine Ausbeuter zu einem „guten Herrscher“ wird, der wie ein Parasit jedes Interesse hat, daß es seinem Wirt, also der Arbeitsdemokratie, einigermaßen gut geht. Das beste Beispiel für diese Entwicklung von Modell 1 zu Modell 2 ist der Wechsel von der SBZ zur „DDR“. Wurde der östliche Teil unseres Vaterlandes nach dem Krieg von den Sowjets noch offen ausgeplündert, änderte sich die reine Ausbeutung zur (naja…) sorgsamen Pflege, als sich das sozialistische Staatensystem ausbildete. Es entstand ein Staat, die „DDR“, der sich aktiv darum bemühte das Wirtschaftsleben funktionsfähig zu erhalten, um dem Parasiten, also der Nomenklatura, eine kontinuierliche Versorgung zu garantieren. Groteskerweise haben so die Kommunisten ihren Staat exakt nach dem Muster aufgebaut, das Marx in Das Kapital vom Staat als „Verwalter von Bourgeoisie-Interessen“ gezeichnet hat. Nach Hass hat Marx hier unser Modell 2 beschrieben, für das „die Scheinheiligkeit ein wichtiger Faktor“ sei. Man betrachte aus dieser Perspektive die Rolle, die die Ideologie im Ostblock einnahm!
  3. Die letzte Stufe der Befriedung des „kriegerischen“ Staatstypus würde dem entsprechen, was Hitler für die Nachkriegszeit als sozialistische „Volksgemeinschaft“ geplant hatte und was Chruschtschow, der letzte große Utopist Osteuropas, als „Volksstaat“ vorschwebte. Damit waren Systeme gemeint, in denen die Scheinheiligkeit überflüssig ist, weil alle Interessenkonflikte in einer allumfassenden Einheit aufgehoben sind – was genau dem Zustand bei den Ameisen entspricht. Selbstverständlich wird dies eine Utopie bleiben, nicht nur weil es den Interessen der Nomenklatura widerspricht, wie ja der Sturz Chruschtschows durch Breschnew gezeigt hat, sondern auch, weil der Mensch einfach nicht zur solidarisch-kollektivistischen Ameise geschaffen ist. Erstens reagiert er auf Zwang und nivellierende Einordnung mit unterschwelliger Rebellion, so fand im Ostblock über 40 Jahre hinweg „Dienst nach Vorschrift“ statt, und zweitens ist er nicht beliebig manipulierbar. Man denke an die Jugend im Ostblock, die vom Säuglingsalter an sozialistisch geformt wurde, nur um sich dann ihrer Natur gemäß dem Westen zuzuwenden.

Demnach war es dem Kommunismus grundsätzlich verwehrt, sich „natürlich“ weiterzuentwickeln und sich so zu stabilisieren. Aus dieser Sackgasse, in die der Rote Faschismus geraten ist, gibt es prinzipiell nur zwei Auswege – die nicht gangbar sind:

  1. Da sich also der Sozialismus von einer Pseudowissenschaft zur reinen Utopie verflüchtigt hat, versucht man krampfhaft das Modell 2 durch Reformen lebensfähig zu erhalten. Aber das führt zu nichts, da die Reformen immer inkonsequent bleiben müssen und deshalb das Chaos nur noch weiter erhöhen. Diese oberflächlichen Lockerungen erzeugen, da die entstandene Unordnung wieder bereinigt werden muß, eine stärkere Verhärtung. Lockert man z.B. das Plansystem und wird, gegen den Protest der Bevölkerung, die Preisgestaltung liberalisiert, muß es unweigerlich zu Ungleichgewichten in der Wirtschaft kommen, die wohl in einem freien Markt schnell wegreguliert werden würden, in einem sozialistischen System aber nur zerstörerisch wirken können. Das ist ähnlich wie bei der Lösung der Panzerung im menschlichen Organismus: wird sie nicht fachgerecht durchgeführt, führt die provozierte Orgasmusangst zu nur noch mehr Panzerung. Entsprechende Erfahrungen mußte die Wirtschaft der „DDR“ in den 1960er Jahren machen, als Reformen eingeleitet wurden, die vergleichbar jenen waren, die später Gorbatschow für die UdSSR anvisierte. In der „DDR“ war das Ergebnis eine verschlechterte Versorgung, weil die weitgehend vom Plan befreiten Betriebe ohne Rücksicht auf die Gesamtwirtschaft sich dort engagierten, wo es für sie am bequemsten und günstigsten war. Da aber die Verteilungswirtschaft grundsätzlich erhalten blieb, hatte dies den gegenteiligen Effekt wie im Westen. In der „DDR“ hatte es zur Konsequenz, daß die Planung verstärkt und die Wirtschaft noch weiter zentralisiert wurde. Die groteskeste Auswirkung solcher Reformen beobachtete man gegen Ende des Realsozialismus, als „die herrschende Klasse“, das in den staatlichen Betrieben beschäftigte Proletariat, langsam verarmte, während die kleinen Kapitalisten im neuen privaten Sektor immer reicher wurden.
  2. Als zweiter Weg aus der Sackgasse steht die Auflösung der Panzerung offen – die Revolution, in der die fachbewußten Werktätigen die kommunistischen Machthaber (die organisierte Emotionelle Pest) stürzen. Aber auch dieser Weg wird zu nichts führen, da alle charakterologischen Voraussetzungen für eine rationale Entwicklung fehlen und die „Revolution“ höchstwahrscheinlich den Roten durch den Schwarzen Faschismus ersetzt. Man darf nicht vergessen, daß sich der Marxismus nie in einigermaßen gesunden, sondern stets in seit Jahrhunderten schwerkranken, durch „Saharasia“ geprägten Gesellschaften durchgesetzt hat; daß er in einer Atmosphäre der Gewalt gedieh, die älter ist als Stalin, Lenin oder Marx. In einem Land wie Rußland existieren einfach keine demokratischen Traditionen. Vielmehr ist ganz ohne Zutun der Kommunisten das gesamte Leben schon von je her vom orientalischen Despotismus durchseucht – der einzig fruchtbare Nährboden für Marxens Leere. Nach der KP kam, verzögert durch einige „demokratische“ Wirren, in Gestalt Putins der KGB an die Macht. Es war ähnlich wie nach Stalins Tod, als in Gestalt von Beria der KGB nach der Macht zu greifen versuchte.

Das krasse Gegenbild zum kriegerischen Typus der oben vorgestellten Modelle 1 bis 3 finden wir dort, wo der Staat einfach nur ein Gemeinschaftsorgan ist. Reich hat dies in der Massenpsychologie des Faschismus im Kapitel „Die Entwicklung des autoritären Staatsapparats aus rationalen sozialen Beziehungen“ dargelegt.

Zumindest als Ideal ist dieses Modell 4, dieses System des „laissez faire, laissez passer“ in den westlichen Demokratien angelegt. Am reinsten wohl in der amerikanischen Verfassung, die seit über 200 Jahren in Kraft ist. Hier haben sozialistische Experimente, gegenwärtig die EUdSSR, immer wieder gezeigt, daß es keinen Kompromiß zwischen dem bürokratischen und dem unternehmerischen Typus geben kann. Man denke nur daran, was in den Jahrzehnten vor Thatcher die Labour-Partei in England angerichtet hat, über deren Herrschaft Reich Anfang 1949 an Neill schrieb, daß

jene sozialistischen Staatsregierungen repräsentieren Politik und Pest in einem weit schlimmeren Maße als je irgendetwas zuvor. Und das ist keine Übertreibung.

Und was ist mit den Krisenzuständen im Kapitalismus? Der Ökonom Milton Friedmann hat darauf hingewiesen, daß für alle Wirtschaftskrisen, die über die natürlichen Schwankungen (orgonotische Pulsation) hinausgingen, einzig und allein die Regierungen und die Notenbanken, nicht der Marktmechanismus, Schuld tragen.

So haben wir wieder die schon von Spencer postulierte Antithese zwischen Freiheit und Sozialismus vor uns:

Dabei darf aber nicht aus den Augen gelassen werden, daß man diesen Antagonismus nicht a priori in ein Rechts-Links-Schema pressen kann. So hat schon Spencer darauf hingewiesen, daß der Sozialismus in den Bereich der alten absolutistischen Gesellschaftsformen gehört und auf Bismarcks staatssozialistische Neigungen hingewiesen. Entsprechend waren auch während der Französischen Revolution nicht etwa die Jakobiner, sondern die Girondisten die wirklichen Revolutionäre! Für Lenin war die deutsche Reichsbahn das Vorbild für den Sozialismus. Marx ging mit seiner Ablehnung der Gewaltenteilung vollkommen konform mit den reaktionärsten Kräften der Restauration. So erscheint auch die geschichtliche Rückbesinnung in der späten „DDR“ in einem besonderen Licht.

Es besteht nicht nur die Gefahr, daß sich ein kommunistischer Staat vom Modell 2 zum Modell 3 weiterentwickelt, sondern auch die, daß das Modell 4 zum Modell 3 degeneriert:

Hass zufolge könnten sich auch die westlichen Staaten in „vollintegrierte Energone“ verwandeln, weil die Anbieter immer mehr versuchen die Nachfrage zu kontrollieren. Das entspricht dann fast den Zuständen in einer sozialistischen Planwirtschaft, wo auch nur das nachgefragt werden konnte, was planwirtschaftlich angeboten wurde, also die Produktion die Konsumption bestimmte. Entsprechend versucht man im Westen über die Werbung künstliche Nachfrage zu erzeugen und die bestehende zu kontrollieren. Zur Degeneration des Westens gehört natürlich auch die Ausbildung von Monopolen, von denen der Verbraucher abhängig wird. Dazu kommt noch, daß die großen Konzerne die „freien Unternehmer“ von Kleinbetrieben in die Abhängigkeit zwingen und dabei mehr versklaven und ausbeuten, als es bei einem rechtlich abgesicherten gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer je möglich wäre.

Erinnert sei auch daran, was durch staatliche (sozialistische) Eingriffe angerichtet wird, die fast durchgehend zugunsten der Konzerne wirken, denen z.B. für Industrieansiedlungen die Millionen hinterhergeworfen werden – die Millionen, die der Staat per Steuer den Handwerkern und Kleinunternehmern raubt. Man denke auch daran, was die „planwirtschaftlichen“ EUdSSR-Bürokraten in der Landwirtschaft zugunsten von Agrarfabriken angerichtet haben.

Die Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU hat immer wieder den schleichenden Verfall der sozialen Marktwirtschaft zur „brutalen Machtwirtschaft“ beklagt. Dieser Ausdruck gemahnt an das, was Spencer „kriegerischen Typus“ genannt hat. In diesem Zusammenhang sind auch Herbert Gruhls Auffassungen von Interesse, wie er sie in seiner Grundsatzrede auf dem Gründungsparteitag der ÖDP (der Alternative zu den Melonen – außen grün, innen rot mit braunen Kernen) am 6. März 1982 zum Ausdruck gebracht hat:

Gruhl hebt hervor, daß die selbstregulatorische, d.h. auf den ständigen Ausgleich von Angebot und Nachfrage beruhende Marktwirtschaft eine „nach ökologischen Prinzipien arbeitende Wirtschaftsform“ ist, die aber u.a. dann nicht funktionieren kann, wenn durch Monopolstellungen die Konkurrenten, „die man im Ökosystem die ‘natürliche Feinde’ nennt“, vernichtet werden. Dann führt Gruhl von der Kartell- bis zur Steuergesetzgebung alles mögliche an, was diesen Verfall der Markt- in eine Machtwirtschaft künstlich verhindert.

Sehr wichtig ist die Feststellung, daß in staatskapitalistischen Ländern viele dieser korrigierenden Einflüsse fortfallen. Infolgedessen ist dort die Machtzusammenballung total – und das heißt gleichzeitig: noch weiter entfernt von ökologischen Prinzipien.

Gut und schön, aber Gruhl scheint sich nicht zu fragen, wie denn eine Marktwirtschaft, die sich doch „ökologisch“ selbst steuert, überhaupt machtwirtschaftlich entarten konnte, d.h. auch, warum überhaupt künstlich korrigierende Eingriffe notwendig sind.

Ein weiteres Moment der Gruhlschen Analyse ist, daß sich „die westliche Version der eingeschränkten Marktwirtschaft“ durch die Einführung der „Wachstumswirtschaft“ selbst aufgehoben hätte, denn „Wachstumswirtschaft und Marktwirtschaft schließen auf die Dauer einander aus“. Man nehme eine abnehmende Nachfrage nach der Marktsättigung nicht mehr hin, sondern erhebe das wirtschaftliche Wachstum zum obersten Gesetz.

Das heißt nichts anderes, als daß die Marktkräfte ausgeschaltet werden müssen, wenn sie nicht steigernd wirken. Bleibt also die Steigerung aus, dann sind Eingriffe in den Markt nicht erlaubt, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Damit besteht auch kein grundsätzlicher Unterschied mehr zur Staatswirtschaft des Ostens, wo die Steigerung mit jedem Fünfjahresplan programmiert wird.

Gruhl bot hier eine Kritik der Hass‘schen und Marxschen Ansichten, wonach sich die Erwerbsorganisationen naturgegeben solang krebsartig ausweiten und anwachsen („Wachstumswirtschaft“) bis sie am ökologischen Kollaps zugrundegehen. Deshalb müsse, Hass zufolge, der Mensch planend eingreifen und diesen Naturprozeß bändigen. Für Gruhl jedoch ist diese Akkumulation kein natürlicher Vorgang, sondern Resultat der durch Eingriffe zerstörten natürlichen Wirtschaftsordnung – was durch neue korrigierende Eingriffe wiedergutgemacht werden muß.

The Journal of Orgonomy (Vol. 45, No. 1, Spring/Summer 2011)

9. März 2013

Der Inhalt von Robert A. Harmans Aufsatz „Practical Functional Economics (Part III): The Form of Movement in Exchange“ (S. 52-83) läßt sich mit der folgenden grundlegenden orgonometrischen Gleichung zusammenfassen. Sie beschreibt einen Gutteil des Funktionierens im Universum auf allen fünf Ebenen der Existenz:

harmanerregung

Die orgonotische Erregung in der Wirtschaft wurde bereits beschrieben: sie hängt mit dem Kreditsystem zusammen. Auf den drei höheren Funktionsebenen äußert sich die orgonotische Erregung auf folgende Weise (wobei jeweils nur Beispiele genannt werden):

  1. Pulsation: Die Erregung (und mit ihr sekundär Geld) fließt gemäß den diversen Wirtschaftszyklen in die ökonomische Peripherie, beispielsweise aus den „Finanzzentren“ (insbesondere New York) zur „Peripherie“ (Expansion), und zurück (Kontraktion). Das sind weitgehend die „Wirtschaftszyklen“, deren Urmuster die von den Jahreszeiten bestimmte Agrarwirtschaft ist: Finanzierung der Aussaat (Expansion) → „Tribute“ ans Zentrum zur Erntezeit (Kontraktion).
  2. Kreiselwelle: Der Bau einer Fabrik ist ein Beispiel für die Pulsfunktion, „die im Kleinen wirkt“. Das geht dann über in die weit ausgreifende Wellenfunktion. Man denke insbesondere an kleine Firmen, die jahrelang, ständig am Rande der Insolvenz stehend, „vor sich hin werkeln“, bis der Durchbruch kommt und die Märkte landes-, wenn nicht weltweit erobert werden. Dieser „lange Atem“ fehlt heute den meisten.
  3. Verbindung: Das beste Beispiel für die orgonotische Funktion „Assoziation“ im Bereich der Wirtschaft ist die Beschäftigung eines Arbeitnehmers. Hier geht es um die Kooperation durch einen speziellen Austausch, in dem der Arbeitnehmer sein Geld zumeist lange vor der Zeit erhält, in der seine Arbeit die entsprechenden monetären Früchte trägt. Erntearbeiter erhalten beispielsweise ihren Lohn lange bevor die Ernte verkauft ist – wenn sie überhaupt verkauft werden kann. Von Seiten des Arbeitnehmers ist die Verbindung kaum weniger tiefreichend, hängt doch seine gesamte Existenz von der Arbeit ab, die den weitaus größten Teil des Tages in Anspruch nimmt.
  4. Trennung: Das funktionelle Gegenstück zur orgonotischen Funktion „Dissoziation“ ist die Arbeitsteilung im Betrieb. Die „Claims“ sind abgesteckt und so eine effektive Zusammenarbeit ohne Reibungsverluste zum Vorteil aller gesichert.
  5. Erstrahlung: Die Konkurrenz, die auf allen Ebenen des Gesamtsystems (sei es die Konkurrenz zwischen Arbeitnehmern oder die zwischen Firmen) für Effektivität sorgt, bringt die Gesamtwirtschaft voran. Wobei diese und die beiden vorangehenden Funktionen (3 und 4) Ausdruck der „koexistierenden Wirkung“ sind. Das bedeutet, die einzelnen Elemente wirken als Einheit, ohne daß es einen trennenden Raum zwischen ihnen zu geben scheint (L → t): Menschen „wirken zusammen“ zum gemeinsamen besten aller.
  6. Koexistierende Wirkung: Diese tiefere Ebene zeigt sich anhand einer Wirtschaftsfunktion, die heute kaum noch eine, früher jedoch die entscheidende Rolle spielte: das Erbe als Geschenk und Verpflichtung. Es ist als gäbe es keine Zeit (t → L): wir arbeiten als Profiteure unsere Vorväter, wobei wir unsere Schuld als Vorleistung für unsere Ungeborenen abarbeiten.

Zum Funktionsbereich der koexistierenden Wirkung siehe auch hier.

Die gleichen sechs Erscheinungen einer durch „Kredit“ aufrechterhaltenen Arbeitsdemokratie finden wir auch, wenn die Emotionelle Pest im Spiel ist, nur entsprechend entstellt. Harman schreibt dazu:

Die umfassende Beschäftigung mit gepanzerten Wirtschaftssystemen hat mich davon überzeugt, daß alle unnatürlichen Bewegungen, etwa Booms, Paniken und andere wirtschaftlich irrationalen Verhaltensweisen, dort auftreten, wo es zu einem Ausbruch der Emotionellen Pest gekommen ist. Solche unnatürlichen Prozesse beinhalten Pest-Funktionen, die den natürlichen Formen der Bewegung, die hier beschrieben werden, entsprechen und sie imitieren. Die Pest-Funktion ähnelt in der Regel oberflächlich der natürlichen Funktion, ist aber auf der tiefsten Ebene das genaue Gegenteil. (S. 78)