Archive for the ‘Psychologie’ Category

Bewußtsein und Orgasmusfunktion

29. Juni 2026

Das profane Alltagsbewußtsein ist, frei nach Konrad Lorenz und Hans Hass, kaum mehr als „Probehandeln“. Unsere Vorfahren mußten jeweils „abschätzen“, bevor sie von einem Ast zum anderen sprangen! Allein von daher ist es abwegig zu glauben, daß das Bewußtsein in irgendeiner Weise etwas „Höheres“ sei. Wenn wir schon tiefer ins „Geheimnis Bewußtsein“ tauchen wollen, nähern wir uns seinem eigentlichen Wesen am besten anhand des Träumens, einfach weil das etwas Autonomes ist, was sich unserer Kontrolle entzieht. Hier herrscht das Vegetativum, nicht der „Wille“!

Der Traum ist, frei nach Freud, immer eine animalische Wunscherfüllung. In ihm leben wir uns unwillkürlich aus. Er hat etwas „Sexualökonomisches“ und wir sind in diesem Bereich Tier, ganz Tier. Aus dem Bewußtsein etwas „Überweltliches“ zu machen, ist auch von daher einfach lächerlich. Bewußtsein ist wie der Traum seinem Wesen nach „triebhaft“ und all unsere hehren „hochgeistigen“ Vorstellungen über Gott, das Jenseits, ein Leben nach dem Tode, „höhere Welten“ etc. sind eine Funktion davon. Unsere Imagination ist eine minderwertige Ausformung der Orgasmusfunktion. Man betrachte doch bitte alle Paradiesvorstellungen und alle Vorstellungen einer „geistigen Welt“: die Welt der Glückseligen…

Grundlegend anders als jedes „Computerprogramm“, das seine Daten konsolidieren und die Festplatte „reinigen“ muß, geht es im Traum vor allem um Emotionen. Es ist eine bioenergetische Entladung, die im Schlafen ähnlichen Prozessen im Wachen entspricht, insbesondere der Sexualität. Der Traum ist, frei nach Charles Konia, sozusagen der Orgasmus im Funktionsbereich der koexistenten Wirkung. Da wir im Schlaf körperlich paralysiert sind, entladen wir uns in der Imagination = Bewußtsein!

Wichtig für das Thema „Traum und Bewußtsein“ ist vor allem die Assoziationsleistung. Denkbar separate Dinge werden miteinander verknüpft. Das ist die Grundlage von aller Kreativität und Imagination. Das mag in der mechanistischen Schlafforschung unter „Gedächtniskonsolidierung“ verbucht werden, aber es ist eindeutig mehr. Es ist eine direkte Entsprechung der genitalen Überlagerung. Zwei Funktionsvariationen vereinigen sich und schaffen etwas Drittes.

Daß das Träumen eine Vorform des Tagesbewußtseins ist, sieht man eben daran, daß es nicht nur um die Vergangenheit („Gedächtniskonsolidierung“) geht, sondern vor allem auch um die Zukunft. Nach der Threat Simulation Theory ist auch der Traum von „Probehandlungen“ geprägt, d.h. es werden mögliche Gefahrenlagen für den Tag durchgespielt.

Charakteristisch für die heutige Traumforschung ist die vollständige Fixierung auf Hirnleistungen, d.h. das ZNS, während tatsächlich im Schlaf das Vegetative Nervensystem den Organismus dominiert. Der Tiefschlaf wird durch einen Überhang des Parasympathikus geprägt („Aufladung“), im Traumschlaf tritt der Sympathikus hinzu („Entladung“) – genauso wie der Orgasmus sympathisch innerviert ist. Während sich dergestalt das Vegetativum austobt, ist – zeitgleich mit unserem Wachbewußtsein – die Kontrolle des ZNS über die Skelettmuskulatur abgeschaltet (Schlafparalyse).

Im Traum hören wir nichts und wir sprechen nicht, sondern wir werden zu „Telepathen“. Entsprechend muß unser Wachbewußtsein etwas mit unserem Sprechapparat, der vollständig zur Skelettmuskulatur gehört, zu tun haben. Bewußtsein ist folglich, wenn zur koexistenten Wirkung (traumhafte Imagination) und Pulsation (Vegetativum) die relative Bewegung (Skelettmuskulatur) und die KRW hinzutritt.

Das wird in der Darstellung des Erregungsverlaufs im energetischen Orgonom unten beschrieben. Dazu paßt auch, wie etwa der schizophrene Geisterseher Rudolf Steiner zeitlebens sexuelle Erfüllung in der „geistigen Welt“ suchte und davon überzeugt war, daß eines Tages der Mensch sich nicht mehr mittels der Genital- sondern der Sprachorgane fortpflanzen werde.

Der Überdegoutant

27. Juni 2026

Reich hat den von den Nationalsozialisten so benannten „Untermenschen“ mit dem Begriff „Unterleibsmensch“ kenntlich gemacht. Das ganze „Übermenschen“-Getue ist demnach nichts weiter als Ausdruck von Sexualangst und Sexualverachtung. Ein „Übermensch“ ist einfach derjenige, der „sich im Griff hat“. Er ist schlicht und ergreifend die Verkörperung des Über-Ich! Ein impotentes Arschloch!

Ein solches, Nietzsches Renfield Peter Gast, schrieb 1899 in einem Brief an Nietzsches Freund Overbeck:

Von Hoheit (!) entdecke ich in Stirner äußerst wenig. Seine Denkweise wirkt bei der Niedrigkeit (!) der Interessensphäre, in der sich seine Selbstsucht bewegt, oft widerlich. Wie anders Nietzsches Betonung des Selbst! Sie gilt nur für Leute wie Beethoven, Rubens, Alexander – für andere nicht. Bei Stirner dagegen bewegen wir uns auf dem flachsten Terrain alltäglicher Interessen: Bürger, Ehegatte, Konkurrenz, tausend Taler, Bratengeruch, Präsident, Provinzialrechte usw.

Stirner, ein Unterleibsmensch. Die tragikomische Großmannssucht des Nietzscheaners kann uns gleichgültig lassen, was man nicht ignorieren sollte, ist die Bioenergetik hinter diesem Affekt weg vom Niedrigen zum Hohen. Wie der Stoiker steht der „Übermensch“ gottgleich weit über den Dingen und „beherrscht sich“ und andere. Er will alles sein, nur kein Tier, d.h. kein sexuelles Tier.

Ja, natürlich verleugnet er (man ist ja schließlich aufgeklärt!) nicht das Sexuelle oder „verdrängt“ es, sondern er nutzt es, „sublimiert“ es, verwendet es für „Höheres“, instrumentalisiert es, wie die Nutte ihre Genitalien instrumentalisiert. An die Stelle „bloßen Vergnügens“ tritt die Überwindung des Menschentiers. Es ist Freud mit seiner „Verurteilung“ dessen, was nicht der Kultur dient. Wobei der „Übermensch“ allen Ernstes meint, er sei nicht Produkt der Kultur, sondern deren Überwinder bzw. der souveräne Schöpfer einer neuen Kultur.

Wessen Geistes Kind er wirklich ist, sieht man daran, daß diesem „aristokratischen“ Volldegoutanten nicht aufgeht, daß jede Kultur, die von der Natur getrennt ist bzw. nicht organisch aus ihr gewachsen ist, gar keine Kultur ist, sondern deren pervertierte Travestie, impotente Unkultur.

Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 2. Die Funktion des Orgasmus, e. Biologie jenseits der Biologie

22. Juni 2026

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 2. Die Funktion des Orgasmus, e. Biologie jenseits der Biologie

Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 2. Die Funktion des Orgasmus, b. Sex wozu?

16. Juni 2026

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 2. Die Funktion des Orgasmus, b. Sex wozu?

Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 1. Wilhelm Reich, e. Todestrieb und DOR-Energie

12. Juni 2026

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 1. Wilhelm Reich, e. Todestrieb und DOR-Energie

Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 1. Wilhelm Reich, d. Freuds Kampf gegen Reich

10. Juni 2026

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 1. Wilhelm Reich, d. Freuds Kampf gegen Reich

Das Gegenmittel gegen Peters Vergeßlichkeit und seine Idiotenkinder

7. Juni 2026

Ich war schon immer schrecklich vergeßlich. „Ach ja, stimmt, Tschuldigung!“ Um diesen ewigen Peinlichkeiten und dem sich selbst ein Bein Stellen zu entgehen, habe ich zu dem Trick gegriffen, den Satz, die Zahl, das Wort oder was auch immer aufzuschreiben, wobei es nicht etwa primär darum geht den Zettel aufzubewahren. Es reicht aus, es mit dem Finger in die Luft zu schreiben. Es ist nämlich ein Ammenmärchen, daß der losgelöste „Geist“ irgendetwas speichert. Vielmehr ist es der gesamte Organismus, der sich erinnert. Genau das rechtfertigte die Weiterentwicklung der Psychoanalyse zur „charakteranalytischen Vegetotherapie“!

Entsprechend gehen übrigens auch Erinnerungskünstler vor. Sie speichern nicht etwa willkürliche Zahlenfolgen ab, wie ein Computer es machen würde, sondern haben beispielsweise bestimmten Plätzen in ihrer Wohnung Zahlen zugewiesen und um sich an diese Zahlen zu erinnern, gehen sie in ihrer Vorstellung entsprechend die Wohnung ab. Aus einer willkürlichen wird eine sozusagen „organische“ Zahlenfolge! Auch wenn sie sich dabei nicht physisch bewegen, macht doch ihr Körper gewisserweise mit, ähnlich wie wir im Kinosessel ganz körperlich mit dem Helden leiden. Die Mnemotiker tun, wenn auch nur im Geiste, genau das, was der erinnerungsschwache Peter tut: sie bewegen ihren Körper. Zwar nur in der Imagination, aber, wie gesagt, der Körper geht automatisch mit.

Diese Zusammenhänge werden von der  norwegische Hirnforscherin Audrey van der Meer (Norwegische Universität für Wissenschaft und Technik, NTNU) in Trondheim erforscht. Sie konnte nachweisen, daß das Schreiben mit der Hand, also genau das, was gerade den Kindern an den Schulen offiziell ausgetrieben wird, das Gehirn ganz anders, nämlich weitaus besser aktiviert als das stupide unterschiedslose Tippen auf irgendwelchen Tastaturen. Die EEG-Untersuchungen der Forscherin zeigten dramatische Unterschiede der beiden Schreibmodi, was das Ausmaß der Gehirnaktivität betrifft. Beispielsweise wurden den Probanden Wörter gezeigt, die sie schreiben sollten. Wenn sie mit der Hand schrieben, leuchtete das Gehirn überall gleichzeitig auf. Alle möglichen Hirnregionen feuerten gemeinsam in einem koordinierten Muster, das sich über die gesamte Großhirnrinde ausbreitete. Beim bloßen tippen des gleichen Wortes, brach dieses Muster fast vollständig zusammen, so als wäre eine Lobotomie vorgenommen worden.

Das diffizile, fast künstlerische formen der einzelnen Buchstaben, das synchron verlaufende feine Zusammenspiel von Sensorik und Motorik, aktiviert alle möglichen Hirnareale, insbesondere auch die, die für das Hören zuständig sind, und hinterläßt entsprechend einen bleibenden Eindruck. Entgegen hat das Tippen nicht annähernd diesen Effekt, stumpft ab und die Information verpufft ohne Erinnerung. Das erste ist eine wunderbare Symphonie, das letztere mechanisches Klicken. Das eine kurbelt unsere kreative Denkfähigkeit an, das andere lobotomisiert unsere Kinder.

Wir benötigen einen physischen Widerstand, den Widerstand der Materie, um wirklich energetische Wesen sein zu können und nicht sozusagen ins Nichts zu verpuffen. Letztendlich steht die Materie mit ihrem elastischen Gegendruck für das Orgonenergie-Substrat selbst. Die Welt ist nicht leer, sondern antwortet gemäß Actio und Reactio. Kontakt! Letztendlich hat das etwas mit der orgonotischen Pulsation zu tun: Druck (Kontraktion) und Gegendruck (Expansion). Ich habe das in Überlagerung und Teilung in galaktischen Systemen (9.d. Der funktionelle Raum) ausgeführt. Der zweite Aspekt betrifft die Kreiselwelle: in der Schreibschrift werden wir eins mit ihr. Schreiben mit der Hand ist nicht nur etwas Körperliches, sondern in zweifacher Hinsicht etwas zutiefst Bio-Kosmisches. Versuch das mal einem dieser lobotomisierten, leeren Volldeppen nahezubringen!

Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 1. Wilhelm Reich, b. Wer war Wilhelm Reich?

6. Juni 2026

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 1. Wilhelm Reich, b. Wer war Wilhelm Reich

Wie denkt Peter?

10. Mai 2026

Mir wurde schon einiges an den Kopf geworfen. Ich sei Dialektiker, Opportunist, Agnostiker, Dadaist, Wirrkopf, Ideologe, gar Demokrat (ein absurder. Wirklich unverschämter Vorwurf, der mich tatsächlich persönlich zutiefst verletzt!). Das alles sei ich, weil ich scheinbar ständig meine Meinung ändere, meine Perspektive, meinen Standpunkt. Dabei versuche ich doch nur funktionell zu denken. Was das sein soll, kann man anhand von Reichs Symbol des orgonomischen Funktionalismus ersehen:

Es stellt die Gleichzeitigkeit von oberflächlichem Gegensatz und tiefer Einheit dar. Entsprechend bewegt sich funktionelles Denken horizontal zwischen links und rechts, vertikal zwischen oben und unten. In diesem Beispiel sind entsprechend zu ein und demselben Phänomen (vollständig willkürlich gewählt) 60 Meinungen möglich:

Je nach den Umständen kann man, vielleicht muß man, sich für eines der 60 Möglichkeiten entscheiden. Beispielsweise was die Drogenfreigabe betrifft. Ganz links steht für komplette Freigabe, ganz rechts für absolutes Verbot. Ganz oben steht für eine rein legalistische Argumentation, ganz unten für eine rein bio-kosmische. Wählen wir die vier Extrem- bzw. „Eckpositionen“ als Beispiele:

1: prinzipiell niemand, erst recht nicht der Staat, hat das Recht in meine persönlichen Entscheidungen einzugreifen

6: es gehört zu den Obliegenheiten des Staates, den einzelnen Bürger vor sich selbst zu schützen und auch andere vor der vermeintlichen „Selbstverwirklichung“ ihrer Mitbürger

55: Selbstregulierung (Spontanität ist die Grundeigenschaft der kosmischen Orgonenergie)

60: das Naturgesetz (Gesetzmäßigkeit ist die Grundeigenschaft der kosmischen Orgonenergie)

Zwischen 1 und 6 bzw. 55 und 60 ist dann jeweils sowohl das Gemeinsame zu suchen als auch den Ausgleichen zwischen Oberflächlichkeit (die Ebene von 1 und 6) und bloßer Wahrheitskrämerei (die Ebene von 55 und 60). Ähnliches gilt für den Libertinismus von 1 und 55 versus die Rigidität von 6 und 60. In einer Diskussion kann ich alle 60 Positionen einnehmen. Zwar tendiere ich persönlich nach „rechts unten“, aber in einem bestimmten Augenblick einer konkreten Diskussion könnte ich mich auch „links oben“ wiederfinden, ohne meine Überzeugungen aufzugeben. Ich denke funktionell, d.h. ungepanzert: ich kann mich frei im Rechteck mit seinen 60 Möglichkeiten bewegen. Je gepanzerter (ideologischer, also geistesgestörter) ein Mensch ist, desto eingeschränkter sind seine Bewegungsmöglichkeiten im Rechteck.

Natürlich kann eingewendet werden, daß eine Darstellung mit einem mit der Spitze nach unten weisenden Dreieck, gemäß dem Symbol des orgonomischen Funktionalismus, angebrachter wäre, doch das wäre ein rein bildhaftes, formales Denken, das das Wesen des orgonomischen Funktionalismus verkennt, und stellte bereits eine Einschränkung der besagten Bewegungsmöglichkeiten dar.

Das folgende wäre eine andere Betrachtungsweise frei nach Reich, die selbstredend natürlich korrekt ist, hier aber explizit nicht gemeint ist!

1. Juni 2013: Impressionen und Gedanken über die Jahrestagung der Wilhelm-Reich-Gesellschaft, Berlin zu den ersten Forschungen im Wilhelm-Reich-Nachlaß-Archiv, Boston

30. April 2026

Im ersten Vortrag ist Thomas Harms zu hören. In den Bildern von der Ersten Orgonomischen Konferenz macht er ein „68er-Feeling“ aus. Er mag den Begriff „Emotionelle Pest“ nicht. Das erläutert er auch nochmals in der Abschlußdiskussion der Konferenz, wo er nahe legt, der Kampf um „die wahre Lehre“ in der Orgonomie wäre etwas durchweg Negatives und Destruktives. Um so besser ist sein Vortrag über das Projekt Kinder der Zukunft. Insbesondere was er über Genitalität in der Kindheit zu sagen hat: ein ausgesprochen wertvoller und hörenswerter Beitrag. Das ist Orgonomie! Gut, Reich hat aber auch gesagt:

Es würde an Wahnsinn grenzen, so große Projekte wie „Die Kinder der Zukunft“ (…) in Angriff zu nehmen, ohne begriffen zu haben, wie es möglich war, daß all dies Elend jahrtausendelang unvermindert, unerkannt und unangefochten bestehen konnte; daß nicht ein einziger der vielen glänzenden Versuche zur Erklärung der Situation und zur Linderung der Leiden Erfolg hatte; daß mit jedem Schritt hin zur Erfüllung des großen Traums das Elend nur schlimmer und tiefer wurde (…). Gegenwärtig ist eine sorgfältige Untersuchung des Christusmordes weit wichtiger als die wunderbarsten Kinder, die wir vielleicht aufziehen könnten. Jede Hoffnung, jemals den Sumpf unserer Erziehungsmisere zu durchdringen, wäre unwiderruflich verloren, wenn dieser neue und so hoffnungsvolle Versuch, Kinder auf bessere Art zu erziehen, sich festfahren und in sein genaues Gegenteil verkehren würde, so wie es allen früheren, hoffnungsvollen Unterfangen des Menschen auch ergangen ist. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 40)

Der „Körperpsychotherapeut“ Manfred Tielen erwähnt, daß sich in Reichs Archiv keine Fallgeschichten finden, die die Entwicklung seiner Therapie von der Charakteranalyse über die Vegetotherapie hin zur Orgontherapie detailliert nachvollziehbar machen. Dies unterstreicht m.E. erneut, daß man die Reichsche Therapie ausschließlich von seinen unmittelbaren, von Reich selbst autorisierten Schülern lernen kann. Reich hat einen einzigen Orgontherapeuten diesen Auftrag erteilt: Elsworth F. Baker, der wiederum Charles Konia autorisiert hat.

Nichts gegen den Vortrag von Andreas Peglau über Reich in Berlin, aber – man sollte, so Reichs Meinung, auf einer Konferenz seinen Vortrag niemals vorlesen. Der Vorlesende verkrampft und der Zuhörer mit ihm: denkbar unpassend für eine Konferenz über den Schöpfer der Orgontherapie! Es sind wirklich zwei grundsätzlich verschiedene Medien: das gesprochene und das gelesene Wort! – Daß Reich sich 1930 als Abgeordneter für die KPÖ aufstellen ließ, war mir neu. Soweit zu Reichs Behauptung, er sei nie politischer Kommunist gewesen! Ansonsten kann ich zu Peglaus Vortrag nur sagen: LEUTE, KAUFT DAS BUCH!

Philip Bennets Vortrag über Reichs politische Zurückhaltung in den USA nach dessen Inhaftierung als „Alien Enemy“ wird von Christian Rudolph übersetzt. Er stockt, bricht in Tränen aus, nachdem er eine entsprechende Stelle aus American Odyssey übersetzt, wo sich Reich bitter über die „Ungerechtigkeit und Gemeinheit“ der USA beschwert. (Auch später wird es während der Konferenz recht tränenreich.) Bennet behauptet, daß die Änderungen in der Massenpsychologie des Faschismus zwischen 1933 und 1946 „im Wesentlichen linguistisch und sehr geringfügig“ seien. Stimmt das? Siehe dazu meine Ausführungen in dem Kapitel Marx und die Orgonbiophysik (S. 208). Und selbst wenn es stimmt, was bleibt dann von Reichs angeblichem politischen Opportunismus?

Wenn Bennet recht hat und Reich einfach Angst vor politischer Verfolgung in den USA hatte, warum dann nur „linguistische und sehr geringfügige“ Veränderungen? Man muß Bennet aber recht geben, daß Reich schlichtweg gelogen hat, wenn er später behauptete, kein Kommunist „im politischen Sinne“ gewesen zu sein. Es ist nur die Frage, ob Reich zwischen 1928 und 1933 „er selbst“ war (und damals innerlich mit sich rang) oder ob er es in den 1950er Jahren war. Bennet legt nahe, daß in Amerika Reich sein „wahres Denken“ kaschierte, um zu überleben. So hätten es ja schließlich viele andere linke Analytiker auch getan! Hmmm…

Bennets gesamte Argumentation (Reichs Verhaftung als „Alien Enemy“ habe diesem einen derartigen Schrecken eingeflößt, daß er sich fortan politisch verstellte) ist schlichtweg nicht tragfähig. Beispielsweise fällt Reichs Auseinandersetzung mit seiner sozialistischen Assistentin Gertrud Gaasland, d.h. sein endgültiger Bruch mit dem Sozialismus, vor seine Verhaftung. Siehe dazu Ilse Ollendorffs Reich-Biographie. Außerdem waren bereits in Norwegen die letzten Nummern der Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie demonstrativ unpolitisch.

Am Ende seines Vortrags nervt Bennet einfach, wenn er all die sexuelle Repression in den USA beschreibt, was im übrigen nicht zum Thema seines Vortrages paßt. Die Frage ist, was funktionell wichtig ist: die moderne Permissivität der amerikanischen Gesellschaft oder der überkommene Puritanismus.

In der anschließenden Diskussion verweist Bennet auf Reichs Briefwechsel mit Neill, der Reichs Opportunismus belegen würde. Nun, an keiner Stelle hat sich Reich anti-kommunistischer geäußert. Ständig versucht Reich Neill von dessen Marxistischen Flausen abzubringen. Gerade in seinen in den USA nicht veröffentlichten privaten Äußerungen war er ganz so, wie die Orgonomen um Elsworth F. Baker Reich später beschrieben haben. Bennet hält dagegen, daß Reich bis zum Ende eine gesellschaftspolitische „Vision“ hatte. Immerhin räumt Bennet mit der Mär auf, Reich sei im Gefängnis ermordet worden.

Bennet versucht in seinem zweiten Vortrag, das Reichsche Konzept der „Arbeitsdemokratie“ mit Reichs Marxismus zu verknüpfen. Bennet hat entdeckt, daß Reich 1956 in seiner geplanten Zeitschrift CORE Command Bulletin u.a. seine ersten beiden Schriften zur Arbeitsdemokratie veröffentlichen wollte, die er vorher angeblich aus Angst vor den amerikanischen Behörden nicht auf englisch veröffentlicht hatte. Gleichzeitig konstatiert Bennet bei Reich am Ende seines Lebens „paranoide Züge“. Er deutet an, m.E. zu recht, daß Reich vielleicht damals seine politisch inkriminierenden Tagebücher zwischen 1923 und 1933 verbrannt hat.

Peinlicherweise zitiert Bennet, wie Reich in diesem Zusammenhang eine der zehn oder zwölf Sätze von Marx von sich gibt, die immer wieder und wieder und wieder und wieder ad nauseam von Marxisten genannt werden. In diesem Fall ist es: „Ich bin kein Marxist!“ Genauso peinlich ist es, wenn Bennet Reichs Kritik am amerikanischen Liberalismus teilt, etwa was die Äußerungen von Holocaust-Leugnern und Rassisten betrifft. „Haßverbrechen“, – mit deren Verfolgung der Stalinismus in die westliche Welt seinen Einzug hält! Das ganze läuft bei Bennet darauf hinaus, daß er allen Ernstes Reichs Konzept der Arbeitsdemokratie mit der Occupy-Bewegung gleichsetzt. Praktisch in allem ist Bennet das Negativ von Charles Konia. Ich kann den geneigten Leser nur auf Zeugnisse einer Freundschaft verweisen, um zu sehen, wo Reich heute wahrscheinlich stünde und wie genau es mit dessen Antiliberalismus aussieht!