Blogeinträge Januar-April 2017
15. Februar 2022DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 1. Die Apokalypse / Wilhelm Reich
14. Februar 2022David Holbrook, M.D.: KRITISIEREN IST EINE FORM VON ANGST / DIE KUNST DER KOMMUNIKATION
13. Februar 2022Orgonomie und Metaphysik (Teil 32)
12. Februar 2022Es ist ein Irrtum, daß die von der psychoanalytischen Religionskritik abgeleitete sexualökonomische Religionskritik durch Reichs „Spätwerk“, wo viel von „Gott“ die Rede ist, irgendwie relativiert würde. Das Gegenteil ist der Fall! Zumal es nicht nur um Religion, sondern auch bzw. grade um „Spiritualität“ geht.
Der Mensch lebt in zwei Welten: etwa 16 Stunden in der Welt des Tages, wo die Funktion „relative Bewegung“ vorherrscht, und etwa 8 Stunden in der Welt der Nacht, wo die Funktion der „ko-existierenden Wirkung“ überwiegt.

In der Tageswelt drehen sich alle Sehnsüchte um die orgastische Entladung, bei der wir für einen Augenblick in einer „anderen Welt“ sind. Annäherungsweise erleben wir das beim heftigen Nießen, wenn der ganze Körper zuckt und wir für den Bruchteil einer Sekunde „wegtreten“, oder etwa, wenn wir beim herzhaften Lachen die Kontrolle über uns verlieren, etc. (Wenn Männer Frauen Witze erzählen…) Mit anderen Worten dreht sich tagsüber alles um die Zeit: die Erwartung einer zukünftigen Befriedigung.
Im Funktionsbereich der ko-existierenden Wirkung entlädt sich die Energie nicht durch die orgastische Zuckung, sondern beim Träumen, in abgeschwächter Form in Tagträumereien, Phantasien, etc. Von daher ist es kein Zufall, daß insbesondere Buddhisten und andere spirituelle Schulen alles tun, um nicht nur die sexuelle Begierde, sondern auch das „Wegdriften des Geistes“ zu unterbinden. Im Funktionsbereich der ko-existierenden Wirkung dreht sich alles um die Dimension des Raumes: ich bin hier in der Wirklichkeit und betrete eine andere Wirklichkeit, den Bereich der Träume.
In der noch einigermaßen sexuell gesunden Vorzeit und bei heutigen Naturvölkern überwiegt die Vorstellung von einer „Anderswelt“, mit deren Hilfe man diese Welt manipulieren kann (Magie) und in die man eingeht, wenn man aufhört sich bewegen zu können, also vermeintlich „stirbt“. Mit zunehmender sexueller Hemmung (Panzerung) schwand diese Gewißheit und aus schamanistischen Praktiken entwickelten sich Meditationstechniken, Yoga, Mantras (ursprünglich Zauberformeln) etc., um die „Seele“ aus der Welt der Bewegung und ständigen Veränderung für ein statisches „Jenseits“ zu retten. Beispielsweise gehen die exaltierten Hare Krishnas in ein geistige Parallelwelt über, wo alles ist wie hier, nur eben „geistig“ und rein (asexuell). Die mehr intellektuellen, und stets etwas depressiv wirkenden, Typen verfallen dem Buddhismus oder dem Vedanta und gehen ins unterschiedslose „Leere“ bzw. das Brahman ein.
Abgesehen von ihren mystischen Rändern, die ähnliche Vorstellungen hegen, geht es bei Juden, Christen, Moslems, Parsen etc. um das Warten auf eine grandiose Zukunft, nachdem sich in einer letzten Anspannung beim Jüngsten Gericht alles in Wohlgefallen auflösen wird, jedenfalls für die schließlich Erlösten. Die „Ungläubigen“ werden in alle Ewigkeit unbefriedigt bleiben.
Nur gut, daß du nicht mal ahnst, was ich sehe, wenn ich dich anschaue! Deine „Spiritualität“ ist schlichtweg obszön…
Orgonomie und Metaphysik (Teil 31)
10. Februar 2022Gibt es ein Leben nach dem Tode? Zunächst einmal beantwortet sich diese Frage natürlich von selbst, denn wie sollte man den Tod anders als Nichtvorhandensein von Leben definieren?! Reich betrachtet das Phänomen „Leben“ als die Pulsation der materiefreien Orgonenergie in einer materiellen Membran. Man könnte auch auf die Kreiselwellen-Bewegung der Orgonenergie hinweisen, die für die typische „Bohnenform“ allen Lebendigen verantwortlich ist („das Orgonom“). In jedem Fall ist das Leben über Bewegung definiert.
Betrachten wir dazu nochmals die entsprechende orgonometrische Gleichung aus Teil 30:

Wir sehen, daß, erstens, das Leben eine tiefere Ebene haben muß, die „orgonotische Erregung“, und sich, zweitens, das Leben nicht in Bewegung erschöpft, sondern einen zweiten Aspekt hat: die koexistierende Wirkung, d.h. das einheitliche Funktionieren unabhängig von Bewegung und damit von Raum und Zeit. Tatsächlich leben wir (und alle anderen höheren Lebewesen) einen Gutteil des Tages in diesem „Bereich“, nämlich dann, wenn wir nach außen hin bewegungslos sind, d.h. im Schlaf.
Im Traum erfahren wir unmittelbar, was „koexistierende Wirkung“ ist, denn wir treten in eine Welt ein, in der es keinerlei Geräusche und Stimmen gibt, sondern sich die Menschen (die Figuren im Traum) telepathisch unterhalten, also der Raum nicht trennt, und alle Gesetze der Logik, d.h. das „folgerichtige“ Nebeneinander (Raum) und das „folgerichtige“ Nacheinander (Zeit) aufgehoben sind. Die Psychoanalyse und der Surrealismus haben sich eingängig mit dieser Sphäre auseinandergesetzt.
Wir wissen also aus alltäglicher Erfahrung, daß es in der „Bewegungslosigkeit“ des Schlafes, d.h. wenn wir sozusagen „halbtot“ sind und die Funktion „relative Bewegung“ weitgehend zum Erliegen kommt, die Funktion „koexistierende Wirkung“ nicht nur weitergeht, sondern sogar in den Vordergrund tritt.
Es wäre Unsinn auf Grundlage derartiger Überlegungen die Anfangsfrage doch noch bejahen zu wollen, aber wir haben zumindest einen Ansatz, der darauf deutet, daß die Frage nicht ganz so unsinnig ist, wie ich es zu Beginn angedeutet habe!
DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / Vorwort (Fortsetzung)
9. Februar 2022Orgonomie und Metaphysik (Teil 30)
6. Februar 2022Die moderne Orgonomie wird durch folgende Gleichung beschrieben:

Reich hat vor allem die Funktion „relative Bewegung“, d.h. Pulsation und die Kreiselwelle erforscht (siehe Äther, Gott und Teufel und Die kosmische Überlagerung). Freud hingegen hatte zuvor, insbesondere in seiner „Traumforschung“, den Bereich der „koexistierenden Wirkung“ untersucht.
Im Unbewußten geht es um die schnellstmögliche Wunscherfüllung, d.h. es wird halluziniert, wobei auf logische Verknüpfungen, räumliche Trennung und zeitliche Kontinuität, also letztendlich auf Ursache und Wirkung, keine Rücksicht genommen wird und Widersprüche unaufgelöst bestehenbleiben. Das alles erleben wir unmittelbar im Traum. C.G. Jung hat aus diesem „Primärvorgang“ schließlich eines der Hauptbeispiele für „koexistierende Wirkung“ destilliert: die Synchronizität.
Ähnliches bei Marx: ein Plastikbecher, ein Besen und eine Eieruhr haben nichts gemeinsam, will sagen, sie haben vollkommen unterschiedliche Qualitäten („Gebrauchswert“). Sie werden erst durch ihren Wert austauschbar, den quantitativen „Tauschwert“. Dieser wird durch das Geld symbolisiert: 5 Euro = 20 Plastikbecher = 1 Besen = 2 Eieruhren. Im Kapitalismus wird alles zur Ware unabhängig von „logischen Verknüpfungen, räumlicher Trennung und zeitlicher Kontinuität“. Wenn Marx in diesem Zusammenhang vom „Fetischcharakter der Ware und seinem Geheimnis“ spricht, will er damit sagen, daß der Kapitalismus eine Traumwelt ist, die von einem „Primärvorgang“ bestimmt wird.
Reich führt in Die Funktion des Orgasmus (für Freud) und in Menschen im Staat (für Marx) jeweils aus, daß die „Libido“ und die „lebendige Arbeitskraft“ (die einzig und allein den Wert schafft), die diesen beiden „Traumwelten“ zugrundeliegen, einer konkreten Energie entsprechen, dem Orgon.



















