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Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 4)

29. Dezember 2022

Ich hatte geschrieben, daß angesichts des heute neu heraufziehenden Nationalsozialismus mit seiner Mischung aus Staatsterror, Dominanz der Großindustrie und sozialistischen Elementen (etwa dem generellen Grundeinkommen), die Neuauflage der Massenpsychologie des Faschismus ein Glücksfall sei. Gleichzeitig ist hier auch ein ungeheures Mißbrauchspotential gegeben, denn Reichs zentrale Angriffsziele sind das Kleinbürgertum (Bauern, Mittelständler, kleine Gewerbetreibende [vom Beamtentum wollen wir an dieser Stelle absehen!]) und der Individualismus.

Man könnte sagen, daß alles Gewachsene und „Widerständige“, das sich der folgerichtigen Entwicklung der Produktionsmittel entgegenstemmt, nunmehr auch mit Hilfe der Psychoanalyse überwunden werden soll. In dieser Form ist das Buch geradezu „anti-orgonomisch“.

Beispielsweise greift Reich die „Zadruga“ an, die, soweit ich es überblicke, vom Herausgeber Andreas Peglau nicht erklärt wird. Auf Wikipedia heißt es dazu:

Die Zadruga (kroatisch bzw. serbisch: Genossenschaft, im Sinne von Hausgenossenschaft; auch: Hauskommunion, Hausgemeinschaft, Großfamilie, Gemeindeschaft) war eine bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei den Südslawen verbreitete, Wirtschafts- und Lebensgemeinschaft, die auf den Prinzipien der patriarchalischen Autorität und der Familie aufbaute. Ihre Mitglieder führten die Landwirtschaft in einem Haushalt und unter einem Familienoberhaupt. (…) Nach einer Theorie ist die Zadruga im 14. Jahrhundert als Ergebnis der Feudalzeit entstanden, als die Bauern eine Organisationsform suchten, um dem Druck durch den herrschenden Stand zu widerstehen. (…) Nach anderer Meinung soll es sich bei Zadruga um eine urslawische Einrichtung gehandelt haben, die ihren Ursprung in dem kollektivistisch denkenden Menschen des Ostens hatte, der seinen Gegensatz zu dem individualistisch denkenden Menschen des Westens hatte. (…) Die Zadruga existierte in vielen Gegenden auch neben anderen individualistischen Lebens- und Wirtschaftsformen.

Das „individualistisch“ ist kein Widerspruch: im Westen entzieht sich das Individuum der zentralen staatlichen Kontrolle, im Osten die lokale Gemeinschaft, die in diesem Sinne „individualistisch“ auftritt. Und genau das ist der Punkt: daß der Kommunist Reich 1933 für das Kollektiv eintritt und die Kollektivierung der Landwirtschaft und Kleinbetriebe in der Sowjetunion bzw. dem zukünftigen „Rätedeutschland“. Er war damit sozusagen Sprachrohr des „Great Reset“: „Du wirst nichts besitzen, aber glücklich sein!“

Daß ist das Perfide dieser Ausgabe der Massenpsychologie des Faschismus: daß sie explizit gegen die NSDAP gerichtet ist, die sich heute als AfD tarne, implizit jedoch das Programm der NSDAP unterstützt, nämlich den besagten Great Reset, den Faschismus, der klassisch definiert ist als Zusammengehen von zentralisierter staatlicher Macht und dem zentralisierten Kapital. Entsprechend bezeichnete Reich in der revidierten und erweiterten dritten Auflage der Massenpsychologie des Faschismus den Stalinismus auch als „Staatskapitalismus“ („roten Faschismus“). Alles „Zadruga-Hafte“, alle lokale Autorität muß beseitigt werden. In diesem Sinne wird von Peglau Reich für die antiautoritäre Gesellschaft, in der an die Stelle der zahllosen lokalen Autoritäten die eine „Zentralautorität“ tritt, nutzbar gemacht.

Eine notwendige Anmerkung: 1940 schrieb Reich an Fritz Brupbacher: „Was sie als neuen Individualismus bezeichnen, glaube ich für meine Person zunächst nur für mich unter dem Begriff ‚Arbeitsdemokratie‘ formuliert zu haben.“

Das ultimative Tabu (Teil 6)

11. September 2021

In einem Interview von 1986 über den Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 sagte der Jugendaktivist des Putsches und spätere SS-Sturmbannführer Gustav Adolf Lenk (Jahrgang 1903) auf Bayern 3 (6. Nov. 1993), daß es drei Vorbilder gegeben hätte, denen er Zeit seines Lebens gefolgt wäre: „Hitler, Rudolf Steiner und General Ludendorff“. 1922 hatte Lenk den „Jugendbund der NSDAP“ gegründet und nachdem die NSDAP verboten wurde, gründete er 1924 die „Großdeutsche Jugendbewegung“ – aus der dann die Hitler-Jugend wurde.

Ein anderer SS-Anthroposoph war der Chef der Abteilung III des Reichssicherheits-Hauptamtes, der SS-Obersturmführer Otto Ohlendorf, der seine anthroposophischen Gesinnungsgenossen im Dritten Reich aktiv unterstützte. Jahrgang 1907 trat er 1925 als eines der ersten Mitglieder in die neugegründete NSDAP ein, 1926 kam er zur SS und 1936 zum SD, wo er für „Volkstum“ und den Inlandsnachrichtendienst verantwortlich war und in dieser Eigenschaft den Holocaust plante. Zwischen Juni 1941 und Juli 1942 war er Leiter der „SS-Einsatzgruppe D“, die in Rußland mehr als 91 000 Juden ermordete.

Himmler nannte den Anthroposophen und puritanischen Vertreter der NS-Orthodoxie verächtlich „Gralsritter des Nationalsozialismus“. Am Ende des NS-Regimes versuchte Ohlendorf als SD-Inlands-Chef, und damit als einer der mächtigsten Männer des Reiches, dieses durch anthroposophische „Dreigliederung“ zu retten, wobei die NSDAP zu einem von aller Machtpolitik befreiten „Tempel der Weisheit“ werden sollte. Bis zu seiner Exekution 1951 als Kriegsverbrecher blieb er glühender Nationalsozialist und Anthroposoph.

In den Erinnerungen einer französischen Korrespondentin im Deutschland der 1930er Jahre entdeckte ich folgenden Fall: 1935 durfte Jules Sauerwein vom Paris-Soir als erster ausländischer Journalist ein KZ besichtigen. Als Sauerwein nach Berlin zurückkehrte, fiel der Jounalistin an Sauerwein auf, daß er so begeistert war, wie sie ihn nie zuvor erlebt hatte. Sauerwein war beim Besuch des KZs Sonnenburg von einem jungen SS-Mann aus dem Justizministerium begleitet worden. Der SS-Offizier hatte sich auf der gemeinsamen Reise als glühender Anhänger Steiners erwiesen, was sich gut traf, denn Sauerwein hatte die Bücher Steiners ins Französische übersetzt. Der anthroposophische SS-Mann „Alexander“ erklärte seinem anthroposophischen Glaubensbruder und Duzfreund „Jules“ das KZ wie folgt:

Das ist eine unserer schönsten Einrichtungen. Das sind keine Straflager, sondern Besserungsanstalten. Wir halten unsere Häftlinge nicht für Kriminelle, sondern für Verirrte.

(Offenbar eine Art von Waldorf-Schule!) Dementsprechend enthusiastisch war auch der Bericht des Anthroposophen Sauerwein im Paris-Soir (Stephane Roussel: Die Hügel von Berlin, Hamburg 1986, S. 189-91).

Der Lebensreformer Rudolf Heß las die Schriften Steiners mit großem Interesse, aß nur, was auf anthroposophischen Bauernhöfen angebaut wurde und sogar Hitler selbst bezog seine vegetarische Nahrung ausschließlich von einem anthroposophischen Bauernhof. Sein Stellvertreter nahm die Waldorf-Schulen und die anthroposophische „Christengemeinschaft“ unter seinen persönlichen Schutz, während Walther Darré, der NS-Reichsbauernführer und Landwirtschaftsminister, das gleiche für die anthroposophisch-biodynamische Landwirtschaft tat.

1941 ordnete Himmler eine wissenschaftliche Studie in Auschwitz an, um ein für allemal festzustellen, ob anthroposophische (die Himmler vorzog) oder industrielle Anbaumethoden bessere Resultate erbringen würden. In einem Briefwechsel über seinen Befehl den biodynamischen Anbau in Auschwitz zu untersuchen, erwähnt Himmler einen ungenannten SS-Offizier, der ein agitierender Anthroposoph in Auschwitz sei (Helmut Heiber: Reichsführer! – Briefe an und von Himmler, Stuttgart 1968, S. 89f).

1944 war Thies Christophersen „SS-Sonderführer für Pflanzenzucht“ im Auschwitzer Zweig-KZ Raisko, mit anthroposophischem Anbau. Nach dem Krieg leitete er ein neo-nationalsozialistisches Netzwerk. 1973 veröffentlichte er das Buch Die Auschwitzlüge mit einer Auflage von insgesamt 100 000. Er veröffentlichte die neonazistische Zeitschrift Die Bauernschaft, wo er u.a. den anthroposophischen Anbau propagierte.

Der Anthroposoph Franz Lippert, Leiter des Heilpflanzenanbaus bei der anthroposophischen Aktiengesellschaft „Weleda“, die anthroposophische Medizin herstellt, wurde ins KZ Dachau abkommandiert, um dort den medizinischen Kräutergarten der SS zu leiten. Auch wurden in Dachau Gefangene unterkühlt bis der Tod eintrat, um die Weleda-Frostschutzcreme zu testen. Ausgeführt wurden diese Versuche von dem KZ-Arzt, Anthroposophen und SS-Hauptsturmführer Dr. Sigmund Rascher.

Raschers wuchs in einer prominenten anthroposophischen Familie auf mit engen Verbindungen zu Steiner persönlich. Ich verweise den geneigten Leser auf den Aufsatz Vom Muttersöhnchen zum Massenmörder – Überlegungen zu einer fatalen Biographie von Hubert Rehm.

nachrichtenbrief184

20. Dezember 2020

In Peters mafiöser Welt ist der Himmel golden und die Straßen sind aus purem Silber:

Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 4)

28. März 2020

Ein weiterer Faktor, der das ganze Elend der bisherigen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zeigt, ist, daß man dessen „klassenkämpferische“ Elemente nie ernst genommen hat bzw. als bloßen Propagandatrick abgetan hat. Das wird insbesondere anhand der drei Eckpunkte des nationalsozialistischen Regimes deutlich: der vermeintliche „Röhm-Putsch“, 1938 die „Blomberg-Affäre“, die deutlich machte, worum es beim „Röhm-Putsch“ wirklich ging, und, genau 10 Jahre später, der tatsächliche Stauffenberg-Putsch.

Was es mit Ernst Röhm, der Reichswehr und dem Putsch auf sich hat, wird durch folgendes absolut bemerkenswertes Dokumentarspiel aus dem Jahre 1967 deutlich:

Es stammt von Axel Eggebrecht, der einst, wie Reich, zum roten Berlin gehört hatte (siehe Der Rote Faden und hier). Trotzdem, oder gerade deshalb, geht er hier vollkommen fair mit Röhm und seinem Umfeld um. Röhm wird als Mensch dargestellt, nicht als blutrünstiges Monstrum, und seine Homosexualität wird nicht auf billige Weise in den Vordergrund gestellt. Diese wurde von seinen sozialdemokratischen und kommunistischen Gegnern skandalisiert, als ginge es um eine Frage der „Moral“. Der gleichen widerwärtigen Taktik bedienten sich die ach so moralischen Saubermänner innerhalb der NSDAP, um Röhm loszuwerden. Tatsächlich war die SA nicht mehr „homosexuell“ als jede andere Organisation zu dieser Zeit. Es ist absolut bemerkenswert, daß ausgerechnet ein Ernst Röhm ein Opfer der Emotionellen Pest war. Ja, so manches vermeintlich „antifaschistisches“ (welch ein Hohn!) Spatzenhirn wird jetzt explodieren!

Worum es Röhm ging, wird durch ein zweites sehr gutes Dokumentarspiel deutlich, „Geheime Reichssache“ aus dem Jahre 1987:

Hier geht es um die „Affäre Blomberg“, wo wieder Göring, die SS und die Führung der Reichswehr (bzw. Wehrmacht) sich eines Menschen entledigten, der genau das infrage gestellt hatte, was bereits Röhm bekämpft hatte, den Standesdünkel und „die Reaktion“. Und genau wie bei Röhm stand auch hier wieder „illigitime Sexualität“ im Mittelpunkt. Reichswehrminister von Blomberg (der übrigens 1934 Hitler mit Verweis auf Hindenburg und die Reichswehr geradezu zur Beseitigung Röhms gezwungen hatte!) hatte ganz im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie eine weitaus jüngere Frau gegen alle Klassenschranken geheiratet, um kurz danach mit einem Polizeidossier über seine Frau konfrontiert zu werden, die einmal wegen Diebstahlverdachts in Haft gewesen, sowie als Model für Pornobilder aktenkundig geworden war. Vom Offizierskorps geächtet, hielt er zu seiner Frau, mußte abdanken und als Resultat unterstand die Wehrmacht nun Hitler unmittelbar.

Als Teile dieser Wehrmacht gegen einen Hitler putschten, in dessen Gegenwart es absolut verboten war sich abfällig über Röhm zu äußern, sah sich dieser tatsächlich von „rechts“ und „Reaktion“ bedroht – oder wie es, historisch korrekt, im Film Der Untergang heißt: „Ich hätte gut daran getan vor Jahren alle höheren Offiziere liquidieren zu lassen wie Stalin.“

Dem typischen „antifaschistischen“ Intellektuellen, der nur in rigiden „mechanischen“ Schablonen denken kann, nicht in „energetischen“ Funktionen, die sich stets im Fluß befinden und sich „materiell“ auf (oberflächlich betrachtet) unterschiedlichste Weise äußern können, entgehen diese Zusammenhänge. Das „naive“ Publikum ist nicht so beschränkt wie das besagte Gesindel und hat zumindest ein vages Gespür dafür, was wieder das „Faszinosum Nationalsozialismus“ erklärt.

DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS in drei Teilen (Teil 1)

24. Januar 2019

Reichs Buch Die Massenpsychologie des Faschismus setzt sich aus drei Teilen zusammen. Eine Einteilung, die durch die dilettantische Herausgeberschaft durch Mary Boyd Higgins mittels einer neuen Kapiteleinteilung zerstört wurde. Im Original von 1946 heben sich klar voneinander ab:

  1. Der modifizierte und ergänzte Text der Originalausgabe von 1933 (Kapitel 1 bis 8)
  2. Reichs Schrift aus dem Jahre 1935 „Masse und Staat“, ebenfalls modifiziert und ergänzt (Kapitel 9)
  3. Und schließlich Kapitel 10 über die Arbeitsdemokratie.

Teil 1 handelt vom schwarzen Faschismus – oder doch eher von dessen Ursprüngen in der sexualfeindlichen, autoritären christlichen Kultur. Alles dreht sich um die Ehre, weil man genau die verloren hat durch das nach oben Buckeln und nach unten Treten; durch eine verkorkste Sexualität, die einen kriecherisch und falsch macht. Eigenschaften, die man auf andere Gruppen projiziert. Bei den Nazis waren es die Juden. Heute sind es – die „Nazis“. Die NSDAP wurde ausschließlich durch den allen Mitgliedern gemeinsamen Antisemitismus vereint. Bei den sexuell verkorksten Mitgliedern der SPD (und den restlichen sozialdemokratisierten Systemparteien) ist es heute der „Kampf gegen rechts“. Sogar die Vernichtungsphantasien entsprechen sich: „Nazis raus!“ Das folgende Video sagt zu dem alles, was zu sagen ist:

Den zweiten Teil werde ich ausführlicher behandeln, weil er am wenigsten aktuell erscheint und, wenn ich das richtig sehe, kaum je beachtet wird.

Höre zu, Kleiner Mann!

13. Oktober 2018

Seit jeher ist einer der Haupteinwände der Links-„Reichianer“, daß man das mit dem „roten Faschismus“ bei Reich nicht überzeichnen dürfe. Reich habe immer nur den Stalinismus gemeint, aber natürlich nie die Linke per se. Die Leute, die diesen klugen Einwand vorbringen, sind die gleichen, die früher Franz Joseph Strauß mit Hitler gleichsetzten und heute die AfD mit der NSDAP, die überall den Schoß des Faschismus Ungeheuer ausbrüten sehen und vom „Kampf gegen Rechts“ nicht genug haben können!

Die Faschisten sind immer die anderen. Ihnen kann man den Zugang zu den sozialen Medien sperren, ihre Autos abfackeln und sie unterschiedslos als „Nazis“ eintüten, aber wehe du trittst einer dieser „zivilgesellschaftlichen“ Systemhuren auf die Füße, während sie ihrer „antifaschistischen“ Mordphantasien frönt. Wir beobachten hier einen Effekt der gesellschaftlichen „Rotverschiebung“. Der Kleine Mann fühlt sich nur in der Mitte wohl und diese „Mitte“ ist heute da, wo früher die Kommunisten waren. Vor diesen konnte man ja noch Achtung haben, aber die wildgewordenen geifernden Kleinbürger heutzutage, die besagte „Zivilgesellschaft“… Was für eine verachtenswerte Brut!

Besprechung von Andreas Peglau: RECHTSRUCK IM 21. JAHRHUNDERT (Teil 1)

13. August 2017

Der folgende Absatz faßt Andreas Peglaus Buch zusammen:

Je intensiver gesunde Gefühle und gesunde Sexualität weiterhin durch patriarchal-autoritäre Normen und Institutionen, durch Kleinfamilien und Kirchen unterdrückt und pervertiert werden, je schlimmere Erniedrigungen, je mehr Existenzangst der neoliberale Kapitalismus dem hinzufügt, desto mehr destruktives Potential steht zur Verfügung – gerade für „rechte“ Bewegungen. Hier läßt sich die anerzogene Unterwürfigkeit beibehalten; sie muß nur auf Ersatzführer und neue Idole umgelenkt werden. Der seit Kindheit angestauten Wut werden zudem sozial Schwächere, oftmals bereits Ausgegrenzte als Feindbilder präsentiert, an denen man sich ohne größeres Risiko abreagieren kann. (S. 85)

Die erste Hälfte des Buches (50 Seiten), wo es um Reichs Entwicklung bis 1933 geht, dessen Massenpsychologie des Faschismus und, wenn auch sehr kurz, um dessen späteres Schicksal, gehört zum Besten, was ich je über Reich gelesen habe. Hier möchte ich aber sogleich meinen ersten Kritikpunkt anbringen. Die heute verbreitete Version der Massenpsychologie des Faschismus verkleistert durch die wirre Aufteilung in Kapitel, die nicht mit der der Originalversion von 1946 übereinstimmt, daß das Buch aus drei klar voneinander getrennten Teilen besteht: das gering revidierte und mit Zusätzen versehene 1933 erschienene Buch über den Nationalsozialismus, eine Mitte der 30er Jahre verfaßte Abrechnung mit dem Stalinismus und drittens einen Anfang der 40er Jahre verfaßten Abschnitt über die Arbeitsdemokratie. Über diesen letzten Teil verliert Peglau kein einziges Wort! Peglau erwähnt, mit Berufung auf David Boadella, daß Reich am Ende psychisch zunehmend angeschlagener wurde, doch mit keinem Wort wird die Emotionelle Pest erwähnt oder wird erwähnt, daß der McCarthyismus (die „Rechte“ in den USA) bei Reichs Verfolgung keine Rolle spielte.

Wer heute von der Alternative „Kapitalismus oder Klima“ spricht (siehe S. 75), so als würde hier nicht „Wissenschaft“ für bestimmte Interessen manipuliert und instrumentalisiert, ist schlichtweg naiv. Ähnliches ließe sich über die angeblich „lebensbejahende“ Politik der offenen Grenzen sagen, die die Löhne und die Sozialstandards drückt! Übrigens setzt Peglau „Fremdenfeindlichkeit“ durchweg mit „Lebensfeindlichkeit“ gleich (S. 107). Die Biologie sieht das anders – jeder Schimpanse sieht das anders. Ja, jedes Volk auf dem Planeten sieht das anders, bis auf die Weißen. Was sollte daran „lebensbejahend“ sein, nicht für die Interessen der eigenen Gruppe einzutreten? Was sollte daran „lebensbejahend“ sein, Araber mit einem durchschnittlichen IQ von 85 und Afrikaner mit einem von 70 zu Millionen ins Land zu lassen? Was ist daran „lebensbejahend“, sich den Islam ins Land zu holen? Beide Faktoren (niedriger IQ und Islam) sind mit einer Demokratie nicht vereinbar.

In diesem Zusammenhang muß ich eine Stelle im Buch erwähnen, bei der ich laut auflachen mußte. Peglau setzt Demokratie mit „Volksherrschaft“ gleich, was alle Menschen, also auch die Fremden umfasse (S. 103). Der naheliegende Einwand von wegen „Volk“ wird in einer Fußnote abgebügelt: es wäre haltlos von einem ewig abgeschotteten „Staatsvolk“ zu reden, man brauche nur ins Berliner Telefonbuch schauen. Ohne die hier evident werdende „ständige Durchmischung inklusive Zuwanderung“, „dürfte wohl auch heute kein deutscher Staat mehr existieren: Nationalistische ‚Inzucht‘ führt planmäßig zum Aussterben“ (S. 151). Mal abgesehen davon wie abwegig dieser Gedanke bei einem 80 Millionen-Volk ist und daß Peglau hier plötzlich die Biologie anführt: Wie verpeilt ist es, Millionen von Moslems ins Land zu holen, die über viele Generationen hinweg tatsächlich systematisch Inzucht betrieben haben?

Peglau will uns aufklären, uns die Augen öffnen, uns Mitgefühl und Solidarität vermitteln, zeigt aber untergründig eine erschreckende Kälte, Kontaktlosigkeit und Ahnungslosigkeit. Peglau erwähnt den GULAG und Hiroshima, warum nicht das weitaus Näherliegendere: den Alliierten Bombenterror und die Vertreibung aus dem Osten? Warum beklagen deutsche Gutmenschen stattdessen den alliierten Bombenterror in Japan oder die Massenvertreibungen im Nahen Osten? Diese komplette Absurdität, für die Peglau offenbar jedes Sensorium fehlt, ist ein Thema der Massenpsychologie, das man mit Hilfe eines Buches aufschlüsseln kann, welches ich am Ende erwähnen werde. Antisemitismus? Der ist heutzutage wohl eher ein Problem der Linken, die geradezu besessen von „Israel und den Palästinensern“ ist. Sich für tote Juden zu „engagieren“ ist billig! Wer nicht zu Israel steht, soll gefälligst von der Shoa und vom Antisemitismus schweigen! Apropos Juden: die Juden von 1933 werden von Peglau mit den heutigen Moslems, Zigeunern, Homosexuellen und Arbeitslosen verglichen! (S. 84). Da zieht sich bei mir wirklich alles zusammen. Es ist auch geschichtsblind: die Juden waren überdurchschnittlich, teilweise geradezu sensationell erfolgreich… Es ist der helle Wahnsinn Reichs Widerstand gegen die NSDAP mit dem heutigen „Antifaschismus“ gleichzusetzen, der durchweg vollständig risikolos und schlichtweg verachtenswert ist. Die organisierte Emotionelle Pest auf deren Seite sich Peglau stellt – im Namen Wilhelm Reichs!

Peglau rückt den Neoliberalismus zumindest in die Nähe des Faschismus. Dagegen stellt er Gleichheit und Gerechtigkeit, so als würden diese sich nicht gegenseitig ausschließen. Das sieht man allein schon daran, daß es einen Sozialstaat nur bei geschlossenen Grenzen geben kann. Von einem „neoliberalen System“ in Deutschland zu sprechen, ist schon deshalb abwegig, weil die Staatsquote bei fast 45% liegt. Ebensogut könnte man von einem sozialistischen System sprechen. Aber ich möchte mich gar nicht auf die Diskussion einlassen, beispielsweise trat Friedrich von Hayek für eine staatliche Grundsicherung ein, sondern darauf hinweisen, daß Peglau eine linke Vision präsentiert, andere eine rechte Vision präsentieren könnten, – diese Visionen an sich aber vollkommen irrelevant sind. Sie sind der jeweilige Ausdruck unterschiedlicher Charakterstrukturen. Erst nachdem diese in ihrer Dynamik durchschaut worden sind, kann man sich daran machen, die Welt jenseits der beiden ideologischen Scheuklappen zu betrachten. Peglau selbst führt Reichs Dreischichten-Modell (Kern, sekundäre Schicht, Fassade) an (beispielsweise S. 105f), kommt aber nicht auf den Gedanken, daß der „Liberalismus“ (gemeint ist der Linksliberalismus und Sozialismus) und damit seine, Peglaus im Buch ausgebreitete Theorien direkter Ausdruck der oberflächlichen Schicht ist. Folgt man Elsworth F. Bakers Ausführungen in Der Mensch in der Falle ist Peglau ein „sozialistischer Charakter“.

Daß Peglau kein einfacher Liberaler ist, wird an seiner grundsätzlich positiven Haltung zur sogenannten „DDR“ deutlich (weil diese grundsätzlich antifaschistisch gewesen sei), insbesondere aber aus folgenden beiden Sätzen, die man mehrmals lesen sollte:

Klare „Verordnungen“ der Führenden gegen faschistoide Tendenzen und entsprechendes Handeln könnten einiges [für die antifaschistische Umerziehung] bewirken – trotz der autoritären Strukturen: Wer sich wünscht, einer Obrigkeit zu folgen, käme dadurch zumindest in Konflikt mit seiner Fremdenfeindlichkeit. (S. 114)

Der Terror des antideutschen Merkel-Regimes, der politischen Korrektheit, der Drohung mit der Vernichtung der bürgerlichen Existenz für bloße Meinungsäußerungen grinst uns an! Peglau, will jedweder Entwicklung nach rechts die Grundlage entziehen (S. 116). Für ihn gibt es nur eine einzige Richtung, die akzeptabel ist. Selbst Die Linke ist ihm mittlerweile zu rechts (S. 85).

Peglau analysiert den tiefenpsychologischen Hintergrund des AfD-Anhängers. Man sollte sich eher fragen, was in jemandem vorgeht, der so etwas bejaht wie das Parteiprogramm Der Linken. Elsworth F. Baker hat diese Frage beantwortet:

Der-Mensch-in-der-Falle

Die Saharasia-Theorie im Lichte der Arbeitsfunktion

18. Juni 2015

Es wäre ein Mißverständnis, solle man annehmen, daß ich in Charakter primär, Wissenschaft sekundär James DeMeos Saharasia-Theorie kritisieren oder auch nur ergänzen wollte. Sie steht auf denkbar festen wissenschaftlichen Fundamenten als konsequente Fortführung der Sexualökonomie Wilhelm Reichs, wie er sie in Werken wie Die sexuelle Revolution, Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, Die Massenpsychologie des Faschismus, Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus und Menschen im Staat dargelegt hat. Sexualökonomische Parameter verteilen sich auf dem Globus nicht gleichmäßig, sondern bilden ein Muster, das klimatologisch und historisch erklärbar ist. Liest man diese Werke Reichs, sieht man aber auch, daß es ihm unter dem Einfluß von Karl Marx nicht nur um Sexualität, sondern auch um Arbeit ging. Im Gegensatz zu Freud, war es ihm dabei vor allem um die genitale Sexualität zu tun und Arbeit war nicht nur Aktivität (sozusagen „Roboten“), sondern eine spezifisch menschliche Tätigkeit.

Marx zufolge unterscheidet sich die Arbeit beim Menschen von der „Arbeit“ beim Tier dadurch, daß die menschliche Arbeit geplant ist. Das Gehirn erkennt Muster (den Istzustand), gestaltet sie im Gehirn um, nimmt so einen realisierbaren und vorteilhaften zukünftigen Zustand voraus, und steuert entsprechend die Hände:

Abeitsaharasia

Ähnlich wie es in der menschlichen Sexualität nicht in erster Linie auf die erektive und ejakulative, sondern vor allem auf die orgastische Potenz ankommt (siehe dazu meine Ausführungen in Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht), geht es bei der menschlichen Arbeit vor allem um Intelligenz, d.h. um die Fähigkeit Muster zu erkennen und zu verarbeiten, also genau das, was in Intelligenztests gemessen wird.

Die Saharasia-Theorie beschreibt im Weltmaßstab die Wechselwirkung von orgastisch potenten (matristischen) und orgastisch impotenten (patristischen) Völkern. Man denke etwa an den gegenwärtigen latenten Bürgerkrieg zwischen ansatzweise matristischen „Nordländern“ und extrem patristischen „Südländern“ im Gebiet zwischen Norwegen und Italien!

Vollkommen unabhängig davon gibt es zwischen Rassen (sic!) ein Gefälle, was die Befähigung zu arbeiten betrifft. Während die orgastische Potenz bei allen Menschen zumindest gleich angelegt ist (beim Isländer genauso wie beim Yemeniten, beim Chinesen genauso wie beim Buschmann), gibt es bei der durchschnittlichen Intelligenz (und hier ist immer nur von der durchschnittlichen Intelligenz die Rede!) gravierende angeborene und deshalb weitgehend unveränderliche Unterschiede, genauso unbeeinflußbar wie die Hautfarbe, das Haar oder die Hirnmasse. Schweden haben einen IQ von 100, Jeminiten einen von 85. Bei Chinesen ist es 105, bei Buschmännern 65.

Seit sich die Menschen in Rassen aufspalteten, also mindestens seit 60 000 Jahre (wovon mindestens 54 000 Jahre frei von Saharasia waren, d.h. alle Menschen gleich orgastisch potent waren) sind diese Unterschiede in der Fähigkeit der Menschen im Marxschen Sinne zu arbeiten wirkmächtig. Die intelligenteren haben die weniger intelligenten aus dem jeweiligen Lebensraum verdrängt. Das muß nicht unbedingt gewalttätig erfolgt sein, sondern so, wie etwa in Europa aus Nordamerika eingeschleppte Eichhörnchen die weniger gut angepaßten angestammten Eichhörnchen verdrängen. Ein Revier nach dem anderen wird besetzt, so daß die europäischen Eichhörnchen aufgrund von Nachwuchsmangel sang- und klanglos aussterben. Ähnlich haben die Chinesen über die Jahrtausende weniger intelligente Rassen an den Rand des Kontinents gedrängt bzw. ganz zum Verschwinden gebracht. Vollkommen unabhängig davon, ist die von DeMeo beschriebene „sexualökonomische“ Dynamik der Ausbreitung Saharasias. Hier ist es geradezu umgekehrt: meist dümmere Wüstenvölker haben matristische Hochkulturen überfallen. Ein schlagendes Beispiel ist die Ausbreitung des kulturell schlichten Islam in die antiken Hochkulturen zwischen Nordafrika und Indien!

Diese nicht an der Sexual-, sondern an der Arbeitsfunktion orientierte Sichtweise wird m.E. in der Moderne erneut aktuell. Man nehme insbesondere die Geschichte Europas, die sich spätestens seit 1871 fast ausschließlich um die „deutsche Frage“ dreht. Zwar gibt es keine nennenswerten Intelligenzunterschiede zwischen den germanischen und slawischen Völkern Europas, doch aufgrund natürlicher und kultureller Gegebenheiten (kontinentale Mittelstellung, keine nennenswerten Kolonien, protestantische Arbeitsmoral, die disziplinierenden Nachwirkungen des 30jährigen Krieges und der preußischen Reformen, dezentrale Strukturen, eine extrem differenzierte, klares Denken fördernde Sprache, hochproduktive Minderheiten wie die Hugenotten, Juden, etc.) – fand sich Deutschland in einer Position wieder, die über kurz oder lang zur Dominanz auf dem europäischen Kontinent (und aus damaliger Perspektive) damit auf der Welt geführt hätte. Entsprechend wurde Deutschland der Erste Weltkrieg aufgezwungen – der erst 1945 mit der Teilung Deutschlands endete. Heute dominiert das mittlerweile wiedervereinigte Deutschland Europa erneut.

Hier Saharasia hineinzuinterpretieren, wie ich es ansatzweise selbst auch getan habe, geht m.E. an der Sachlage vorbei. Selbst der Verweis auf den Nationalsozialismus ist nicht überzeugend, denn der Antisemitismus und autoritäre Tendenzen waren in praktisch jedem anderen bedeutenden europäischen Land größer (insbesondere in Frankreich und Polen) und der Nationalsozialismus ist nur vor dem Hintergrund des traumatischen Ersten Weltkrieges und der kommunistischen Bedrohung zu verstehen. Der Antisemitismus war der Kitt, der die ansonsten vollkommen substanzlose NSDAP zusammengehalten hat. Mit Deutschland an sich hatte er nichts zu tun. Ich habe mich mit diesem denkbar komplizierten Themenkomplex in Deutschland und die Emotionelle Pest auseinandergesetzt. Ja, zweifellos stand Deutschland im Zweiten Weltkrieg für „DOR“, die Emotionelle Pest und war ein Wiedergänger der imperialistischen Reiche Saharasias, aber das ganze muß man im oben kurz angerissenen Gesamtzusammenhang sehen. Es geht nicht um eine moralisierende, sondern eine funktionelle Sichtweise.

Nehmen wir etwa die Schulen: die waren in England weitaus brutaler und kinderfeindlicher als in Deutschland, in den romanischen Ländern wie Frankreich und Italien war der Umgang mit Babys und Kleinkindern weitaus rücksichtsloser und brutaler als in Deutschland, die englische und französische Armee ist weitaus brutaler mit Rekruten umgegangen als die sprichwörtliche „preußische Armee“, Deutschland war, was die „vertikale“ Klassenstruktur und die „horizontale“ Machtstruktur betrifft (es gab kein Machtzentrum), weitaus durchlässiger und demokratischer als die „großen Demokratien“ Frankreich oder England, der Umgang und das Verhältnis zu Natur und Tier war intensiver und gesünder. Auf dieser Ebene die Saharasia-Theorie mechanisch anzuwenden, führt zu nichts.

Natürlich ist nicht alles, was das generische Deutschland betrifft unproblematisch. Da wäre vor allem die Rigidität des Deutschen. Es ist offensichtlich, daß hier eher gehemmte Charaktere vorherrschen, insbesondere mit analen Zwängen (der Humor und die Kraftausdrücke sind so gut wie ausschließlich analer Natur!), während es in den Nachbarländern eher eine Tendenz zur Enthemmung gibt. Es ist alles „lockerer“. Aus dieser Sicht war der Nationalsozialismus mit seiner Willkür und Anarchie ein untypischer, „antiautoritärer“ Einbruch ins vom Ersten Weltkrieg ausgehölte Deutsche. Man denke nur an die bizarren Führungsfiguren des Nationalsozialismus: „Lauter Hysteriker!“

Warum wurde Deutschland Opfer der Emotionellen Pest? Betrachten wir dazu nochmals die obige orgonometrische Gleichung. In despotischen Systemen wie dem Kapitalismus angelsächsischer Prägung (und auch dem Realsozialismus) gibt es die Spaltung zwischen den „Planern“ und der Masse der unter Anleitung schuftenden Lohnsklaven, die unbeteiligt ihren „Job“ erledigen. In mehr arbeitsdemokratisch organisierten Ländern wie Deutschland zieht sich diese orgonometrische Gleichung durch alle Ebenen, d.h. auch die weiter unten stehenden Teilnehmer am Produktionsprozeß können weitgehend autonom in ihrem Fachbereich tätig sein. Das erstreckte sich sogar auf die weitgehend „arbeitsdemokratische“ Struktur der Wehrmacht. Die Wehrmacht war im Gegensatz zu ihren Gegnern von einer durchgehenden Professionalität geprägt, mit einer dezentralisierten Durchführung des militärischen Gesamtplans auf der Grundlage von Eigeninitiative und –verantwortlichkeit bis hinab zum Truppführer und den einzelnen Soldaten, wie Martin van Creveld ausgeführt hat (Kampfkraft, ARES Verlag, Graz 2007). Angebliche deutsche Patrioten, die in Stauffenberg allen Ernstes einen „Verräter“ sehen, haben unser heiliges Deutschland und seine Mission in der Welt nicht begriffen!