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Das Weltgeschehen, die Medien und Modju (Teil 7)

18. August 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.

 

Wie bereits erwähnt, sind die Medien wahrscheinlich das mächtigste soziale Mittel, um die Sichtweisen und das Denken von Menschenmassen zu prägen. Unter den Medien verstehe ich alle Formen der Massenkommunikation von Nachrichten und Ideen: Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Theater, Film, Fernsehen, Radio und die verschiedenen Künste. David Halberstam, ein eher liberaler Reporter, erklärt: „Ich denke, die Medien spielen heute weitgehend die gleiche Rolle, die das politische System früher gespielt hat … Ich denke, dass alle Macht korrumpiert, und ihr Einfluss ist größer, als ich es gerne hätte“ (11).

Kann man berechtigterweise einen Großteil der Medien als bewusste oder unbewusste Agenten der schlimmsten politischen Pest der Geschichte bezeichnen? Die Antwort auf diese Frage beruht auf bestimmten subjektiven und objektiven Kriterien, den eigenen orgonotischen Sinnen, die mit der Auswertung objektiver Beweise gekoppelt werden. In totalitären Gesellschaften werden alle Formen von Medien vom Staat streng reguliert, mit dem ausdrücklichen Ziel, die Massen zu kontrollieren und zu manipulieren – durch Angst und Indoktrination. Zwar gibt es auch in freien Gesellschaften Manipulationen der Massen für kommerzielle, politische oder kulturelle Zwecke. Aber während das Ziel der totalitären Gesellschaft darin besteht, Freiheit und Leben selbst zu unterdrücken, ist das der gesünderen und freieren Gesellschaft weit weniger exotisch: ein Produkt zu verkaufen, einen Amtsträger zu wählen oder ein Publikum in die eine oder andere Richtung zu überzeugen, im Wettbewerb mit Konkurrenten, die andere Produkte und Standpunkte anbieten. Tatsächlich sind die Medien selbst von der staatlichen Kontrolle so unabhängig, dass sie, wie bereits erwähnt, eine Macht für sich selbst werden – zum Guten oder zum Bösen. In totalitären Gesellschaften gibt es keine bedeutsamen Unterschiede bei Produkten oder Standpunkten. Der Status von Ideologie und Politik in einem solchen Land wurde von Reich in „Grundsätzliches zum roten Faschismus“ (12q) treffend beschrieben: „Der rote Faschismus unterscheidet sich von anderen Formen von Politik dadurch, dass er jegliche Mechanismen gegen den Missbrauch der Macht ausschaltet und damit den übelsten Politikern zur Macht verhilft.“

Wie erhält man dann eine freie Gesellschaft aufrecht, wenn die Freiheit von bösen Kräften missbraucht werden kann, um eben diese zu zerstören? Sicherlich würde die Eroberung der Medien die kostbarste Frucht für eine Machtergreifung darstellen. Dies war einer der Haupterlasse Lenins. Hitler erklärte, er habe von den Marxisten und Kommunisten mehr gelernt als jeder andere (13). Wie erkennen wir solche Täuschungsmanöver und Manipulationen und wie können wir sie durchkreuzen? Lassen Sie uns zunächst vier relevante Fragen stellen und beantworten:

F. Was ist die Funktion der Medien in einer freien Gesellschaft?

A. Sie sollen genau informieren, wichtige und notwendige Dienstleistungen erbringen, unterhalten und in einigen Fällen dazu beitragen, wettbewerbsfähige Waren, Dienstleistungen oder Ideen zu verkaufen.

F. Sollten die Medien Einschränkungen unterliegen?

A. Ja, wenn sie die verschiedenen genannten Funktionen nicht in ehrlicher und gerechter Weise erfüllen, oder wenn es den Zielen und Funktionen derjenigen dient, die die Befähigung der Medien, ihre Funktionen zu erfüllen, beseitigen würden, wie etwa Faschisten jedweder Sorte, Kriminelle, Pornographen usw.

F. Wer sollte die Verstöße der Medien feststellen und welche Restriktionen sollten verfügt werden?

A. In einer gesunden, genitalen Gesellschaft ständen rationale Prozesse und Gedanken sowie orgonotische Sinne zur Verfügung, um Festlegungen zu treffen. In der gepanzerten Gesellschaft wären Gesetze, die auf dem besten Verständnis eines rationalen Konstitutionalismus basieren, die besten Mittler. Diese Gesetze sollten das Verständnis beinhalten, dass eine solche Aussage wie der Erste Zusatz der amerikanischen Verfassung nicht dazu bestimmt war, diejenigen zu immunisieren, die ihn für seine eigene Abschaffung einsetzen würden. Natürlich sollte ein rechtsstaatliches Verfahren eingehalten werden, um die Schuld oder Unschuld des Angeklagten möglichst fair zu bestimmen und die Beschränkungen sollten mit der Schwere der Straftat übereinstimmen, vom Erteilen eines Tadels und Geldstrafen bis hin zum Verlust der Lizenz und Inhaftierung. Wenn ein Krimineller ein Kandidat für ein Gefängnis ist, warum nicht ein „Medienkrimineller“, der allein oder in Komplizenschaft mittels seinem Medieninstrument Verbrechen gegen Freiheit und Wohlergehen der Menschen begeht? Ein Schuhmacher, der seine Ahle zum Schneiden von Leder verwendet, ist ein Handwerker, aber wenn er es zum Beibringen von Verletzungen oder zum Töten benutzte, wäre er ein Verbrecher.

 

Anmerkungen des Übersetzers

qPeople in Trouble, New York 1976, S. 206.
Menschen im Staat, Stroemfeld Vlg. 1995, S. 214.

 

Literatur

11. Halberstam, D.: „Interview on `The Powers That Be´,“ Book Digest,July, 1979.
12. Reich, W.: People in Trouble. Rangeley, Me.: Orgone Institute Press, 1951.
13. Weeks, A. L.: „The Long Shadow of Lenin’s `Worse Is Better´,“ The Christian Science Monitor, April 23, 1980.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 14 (1980), Nr. 2, S. 211-222.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Das Weltgeschehen, die Medien und Modju* ** (Teil 1)

5. August 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.***

 

„Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden in lockende Gestalt….“
Shakespeare – Hamlet

Reich sagt: „Ich betone die Rationalität der primären Emotionen des Lebendigen“ (1)a. Ist es für irgendeinen Beobachter der heutigen Weltkulisse, bei ihren sozialen, politischen und militärischen Ereignissen, möglich – ihre Rationalität zu bestätigen? Das wäre in der Tat sehr zweifelhaft. Die Menschen sind verwirrter denn je. Sie sehen, dass Unterdrückung durch größere Unterdrückung ersetzt wird; sie sehen, wie Umweltbelange in Gestalt wirtschaftlicher, politischer oder militärischer Belastungen zu Buche schlagen; sie sehen, dass die rechtschaffene Ausrottung der Korruption durch die Korruption der Rechtschaffenen ersetzt wird; sie sehen, wie eine Reaktion auf militärische Gewalt sich als Segen erweist für die militärisch und politisch Gewalttätigen; sie sehen die Sorge um Bürgerrechte, Gleichstellung der Geschlechter und Kinderrechte, die von den politisch Ruchlosen manipuliert werden; sie sehen die Suche nach sexueller und emotionaler Gesundheit, die von Pornografen und Gewinnsüchtigen beschmutzt wird. Kann ein solches Durcheinander korrigiert werden oder ist es hoffnungslos? Wenn es Hoffnung gibt, muss dies mit einem Verständnis der Wurzeln unseres Dilemmas einhergehen: dem gepanzerten Zustand der Menschheit und seinen charakterologischen und sozialen Folgen. Leider wehrt sich das gepanzerte Leben mittels Kontaktlosigkeit oder durch emotionale Pest-Angriffe gegen die Einsicht in seine Misere. Reich hat den Fall kurz und bündig dargelegt: „Die soziale Existenz des Menschentieres ist in der Tat bioenergetisch gesehen ein kleiner Gipfel auf dem riesigen Berg seiner biologischen Existenz“ (2)b.

Wenn wir uns darin einig sind, dass der Mensch gepanzert und orgastisch impotent ist, dann folgt daraus, dass dieser „kleine Gipfel“ ziemlich wackelig und gestört sein wird. Man kann die Art der Störung als jene Modi individuellen und sozialen Verhaltens definieren, die durch die Abwehr innerer Angst und Schreckens destruktive Folgen zeitigen. Einige dieser Verhaltensstrukturen und -arten sind:

 

1. Faschistische Charakterstruktur

a. Sehnsucht nach und Unfähigkeit zur Freiheit
b. Verlangen nach einem Führer
c. Massenirrationalität

2. Einfaches neurotisches Verhalten

a. Immobilität
b. Lustangst
c. Apathie und Resignation

3. Emotionale Pest

a. Hohe Energie – unüberwindliche Beckenblockade
b. mörderischer Hass auf das Leben und die genitale Liebe
c. das direkte oder maskierte Böse auf der gesellschaftlichen Bühne
d. charismatische Anziehungskraft und ausgefuchste Manipulation der schlechtesten Eigenschaften der Anhängerschaft.

 

Der Durchschnittsmensch ist sich dieser zugrunde liegenden Kräfte, die hier wirksam werden, nur sehr wenig bewusst. Er versucht, Probleme auf einen eher naiven und fragmentarischen Weg zu lösen. Es gibt wenig oder gar kein Verständnis für die Tiefe und Macht der biologischen Kräfte, die in einem titanischen Kampf zwischen Gut (primär, rational, gesund und genital) und Böse (sekundär, irrational, pervers und von der Pest befallen) wirksam sind. Dies liegt daran, dass durchschnittliche gepanzerte Menschen sich gegen den Kontakt mit ihrem Kern wehren. Wenn ihnen also gesagt wird, dass etwas für den „Frieden“ notwendig ist, glauben sie, dass es gut ist, weil es für ein „gutes“ Ideal ist. Wenn ihnen gesagt wird, dass der Schah des Iran ein brutaler Despot war, glauben sie, dass das Khomeini-Regime irgendwie besser sein müsse. Mit anderen Worten, die meisten Menschen denken gepanzert: mechanistisch oder mystisch. In Wahrheit verstehen sie weder genau was „gut“ noch was „böse“ ist. Sie haben keine Kriterien, die in natürlichen Funktionen und Wahrnehmungen verwurzelt sind. Sie haben kein Verständnis von Gesundheit oder Krankheit, ob sexuell, körperlich, emotional oder sozial. Sie sind vielleicht in der Lage, einen „komplett Gestörten“ oder ein tödlich verlaufendes Karzinom zu erkennen, aber sie haben keinen Sinn für emotionale Ödnis und Resignation bzw. die Existenz einer nicht-tumorösen Schrumpfungsbiopathie.

 

Anmerkungen

* Basierend auf Vorträgen, die an der New York University im Sommer 1980 gegeben wurden.

** „Modju“ ist ein von Reich geprägter Begriff, eine Verschmelzung der Namen zweier bösartiger Männer: Mocenigo, der Giordano Bruno an die Inquisition verraten hat, und Djugashvilli (Stalin).

*** Orgonomischer Berater. Außerordentlicher Assistenzprofessor für Sozialpsychologie, New York University. Sprechkliniker und Oberschullehrer. Mitglied des American College of Orgonomy.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Farrar, Straus and Giroux; First edition (1973), Seite 53.
Äther, Gott und Teufel, Nexus Verlag, 1983, S. 54.

b Ausgewählte Schriften, Köln 1976, S. 24.

 

Literatur

1. Reich, W.: Ether, God and Devil. New York: Orgone Institute Press, 1949
2. Reich, W.: Bibliography on Orgonomy (1920-1952), „Prefatory Note“, Orgone Energy Bulletin 5:1, September, 1953

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 14 (1980), Nr. 2, S. 211-222.
Übersetzt von Robert (Berlin)