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Buchrezension: Wilhelm Reich. The Evolution of His Work (Teil 4)

31. Dezember 2020

von Paul Mathews, M.A.
Brooklyn, N.Y.

 
Ein weiteres Motiv ist die Abneigung und Verachtung des Autors gegenüber Amerika. Er klingt fast schadenfroh bei seinen Äußerungen hinsichtlich der Ironie, dass Reich in den USA endgültig unterdrückt wurde und seinen Untergang fand.o Er übersieht dabei natürlich, dass die Unterdrückung größtenteils von Linken kam, sei es in den Medien oder direkt durch Einzelpersonen. Sogar die FDA war bekannt dafür, dass sie von ihnen durchdrungen war. Die gesamte Geschichte von Reichs Verfolgungen ist mit Linken und Kommunisten verbunden, sei es in der politischen, soziologischen oder wissenschaftlichen Gemeinde (6 und 7). Boadella ärgert sich jedoch über Reichs Terminologie wie „Roter Faschist“, „die Geißel der Menschheit“ usw., als ob dies nicht der Fall wäre! Ist dies nur ein Mangel an Kontakt und funktionellem Verständnis oder gab es gute Gründe für Reichs Verdacht gegenüber Orgonomic Functionalismp in den 1950er Jahren? Reichs Verwendung vieler dieser Begriffe, gegen die Boadella Einwände erhebt, datieren sogar vor dem Oranur-Experiment, das Boadella als Wendepunkt für Reichs geistige Gesundheit erklärt. Wie Sharaf betont, fiel Reichs „Wendepunkt der geistigen Gesundheit“ mit dem Ausmaß zusammen, in dem Gruppen oder Einzelpersonen ihm in die Tiefe seiner Arbeit folgen konnten. Anscheinend war Oranur wirklich Boadellas Wendepunkt – oder war es eine bequeme Ausrede?

Reichs wissenschaftliche Integrität, seine Kreativität und sein Genie, selbst bis zum Ende seines Lebens, bedürfen keiner Verteidigung oder Bestätigung durch mich; ebenso wenig braucht sein Verstand nach Meinung derer einer Verteidigung, die ihm am nächsten standen und in der Lage waren, seinen geistigen Zustand, seine Charakterstruktur und seine Arbeitsfähigkeit zu dieser Zeit zu beurteilen. [8q]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Boadellas Buch dermaßen mit solch absurden Schlussfolgerungen behaftet ist, wie: „Als Ausdruck seines Bedürfnisses, die Anerkennung und das Wohlwollen eines Teils der einflußreichen, meinungsbildenden Kräfte in den Vereinigten Staaten zu gewinnen, ist wohl auch der fanatische Kommunistenhaß zu verstehen, den Reich entwickelte und der seine letzten Lebensjahre prägte“, und durch so viele andere Spitzfindigkeiten, dass das was immer auch an Reichs Werk gut dargelegt wird, letztendlich in den Schmutz gezogen wird.

 

Anmerkungen des Übersetzers

o „Denn nun ließ ihn eine tiefe Furcht davor, durch diesen neuerlichen Angriff wieder ‚heimatlos‘ zu werden, Hilfe und Sicherheit bei einer Instanz suchen, die ihm beides, wie sich zeigen sollte, nicht geben konnte: bei der amerikanischen Verfassung.
1945, in Listen, Little Man, hatte er geschrieben: ‚Derjenige, der das Leben vor der emotionellen Pest zu schützen hat, muß das Recht auf freie Rede zu gebrauchen lernen, wie wir es in Amerika genießen.‘ Wie ironisch wirkt dieser Satz angesichts der späteren Verbrennung seiner Bücher; aber sein Glaube an die amerikanische Demokratie war eine Illusion, die Reich zu diesem Zeitpunkt schon zu nötig brauchte, um noch von ihr lassen zu können. Sie kontrastierte grell mit der erhellenden Klarheit seiner wirklichen Einsichten, und dies war ein Teil ihrer Funktion. Neill schrieb: ‚Einer meiner Briefe, in dem ich die russisch anmutenden Säuberungen des Senators McCarthy verdammt hatte, brachte mir eine zornige Erwiderung von ihm ein. Für ihn, den selbst so Aufrichtigen, bedeutete die Freiheitsstatue genau das, was sie verhieß.‘ Aber diese Art der Selbsttäuschung hat nichts mit Aufrichtigkeit zu tun. Wenn Reich sich selbst gegenüber ehrlich war, sah er, daß die Gesellschaft, in Amerika ebensogut wie irgendwo anders, zutiefst krank war. Wenn er unaufrichtig war und es nötig hatte, sich selbst vor der einen oder anderen Konsequenz der eigenen, schlüssigen Wahrnehmungen zu schützen, neigte er dazu, gewisse Dinge ‚zum Nennwert‘ zu nehmen, nur die Oberfläche zu sehen.“ Boadella, Scherz Verlag, S. 268.

p Siehe „Leserbrief an Paul Ritters Zeitschrift ORGONOMIC FUNCTIONALISM (1959)“
von Paul Mathews in https://nachrichtenbrief.com/2018/06/13/leserbrief-an-paul-ritters-zeitschrift-orgonomic-functionalism-1959/

q Hier dürfte die fehlende Nummierung der Literaturangabe hingehören.

 

Literatur

6. Baker, E. F.: „Wilhelm Reich“, Journal of Orgonomy, 1:23-55, 1967.

7. Sharaf, M.: Book review of Wilhelm Reich: A Personal Biography by Ilse
Ollendorff Reich, Journal of Orgonomy, 3:254-66, 1969.

8. Ganz, M.: „In the Name of Reich-A Chronicle of Distortions“, Journal of Orgonomy, 5:205-14, 1971.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 2, S. 272-276.
Übersetzt von Robert (Berlin)

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