Posts Tagged ‘Moral’

Was ist mit den jungen Leuten los? (Teil 2)

24. Februar 2025

Kenntnis der „biopsychischen Struktur“ aus 1. Kern, 2. sekundäre Schicht, 3. Fassade setze ich voraus.

Was als erstes bei den heutigen Jugendlichen und Jungerwachsenen ins Auge springt, ist das vollkommene Aufgehen in der sozialen Fassade, d.h. in der äußeren, sozialen Oberfläche der biopsychischen Struktur. Das zieht sich durch alle jugendlichen Gruppierungen von der Antifa bis zu den Neurechten und umfaßt insbesondere auch die, die sich in jeder Hinsicht „mittig“ peinlich genau in den bundesdeutschen Mainstream einpassen (Marke „Junge Union“ oder „Junge Liberale“). Durchweg geht es, wenn auch in den unterschiedlichsten Ausprägungen, um zweierlei: sich in Ermangelung eines eigenen Ich vollkommen in die Gemeinschaft einzupassen und, was nicht im Widerspruch zum ersten Punkt steht, sondern diesen weiter akzentuiert, sich selbst zu „maximieren“ – durch Anpassung.

Die Linken versuchen sich einander in der politisch korrekten Moral und vor allem in einer vermeintlichen „Gewitztheit“ bei der Verteidigung der Undrückten gegenseitig zu überflügeln. Daß sie sich als Kollektivisten vollkommen in der sozialen Oberfläche der Charakterstruktur erschöpfen ist offensichtlich. Ähnliches läßt sich aber auch über den besagten „Mittigen“ sagen, bei dem es ganz mondän und „amoralisch“ darum geht, selbst mehr Erfolg und mehr „Fun“ im Kapitalismus zu haben als das Gegenüber – über das er sich so indirekt definiert. Die neurechten Jungspunde, die sich wähnen Pioniere einer glorreichen neo-feudalistischen Zukunft zu sein, die jene ausscheidet, die nicht „excelsior“ sind, sind nur das Extrem dieser neoliberalkonservativen Hohlheit.

Was diesen drei Gruppen der Jugend abgeht, ist, daß sie erstens nicht befriedigbar sind und zweitens vom bioenergetischen Kern vollkommen abgeschnitten sind. Nichts, rein gar nichts, keine „Gerechtigkeit“ der Welt, wird jemals den Antifanten befriedigen können. Selbst wenn auch noch der letzte Unterdrückte und selbst der letzte empfindende Organismus „befreit“ wurde – wird die Unterdrückung der unbelebten Natur bleiben. Selbst wenn du als junger, aufstrebender Spießer exklusiv die Antarktis besuchen durftest, wird dich ein anderer mit seinen Abenteuern auf den Osterinseln beschämen. Die großartigsten geopolitischen Ideen des rechten „Influencers“ werden von einem noch größeren neu-rechten Klugschwätzer hinweg gewischt werden – da diese sogar noch substanzloser sind.

Diese Jugendlichen sind nicht befriedigbar, weil sozusagen „niemand zu Hause ist, der das Paket empfangen und aufmachen könnte“. Es fehlt an Identität, Echtheit, Eigenheit, kurz am Kontakt zum bioenergetischen Kern. In der autoritären Gesellschaft vor 1960 wurde dieser bioenergetische Kontakt typischerweise durch bioenergetische Expansion hergestellt, bei der man sich selbst bestätigen und sich selbst ausdrücken konnte. Man verwirklichte sein „Ichideal“. Das änderte sich mit der alles verheerenden „sexuellen Revolution“ nach 1960, d.h. der größten Attacke auf die individuelle und gesellschaftliche Panzerung seit mindesten 6000 Jahren. Es kam aufgrund des damit einhergehenden Schocks zu einer universellen Flucht in die Kontaktlosigkeit und Oberflächlichkeit, buchstäblich einer Flucht „nach außen und nach oben“. Das prägt die heutige antiautoritäre Gesellschaft, in der keiner mehr aus sich heraus lebt, sondern auf den anderen als „Ichideal“ schaut, das dergestalt tatsächlich zu einem „Fremdideal“ wurde. Dergestalt wurde bioenergetische Expansion zum Weglaufen vor sich selbst als Lebensprinzip. Man suche heute nach „Charakteren“, wie sie früher das Land bevölkerten. „Remakes“, etwa von Das Boot, sind faktisch unmöglich, weil die jungen Schauspieler alle gleich aussehen und null Ausstrahlung haben. Sie verkörpern kein Fatum mehr!

Die mit der antiautoritären Pseudoexpansion einhergehende verstärkte Augenpanzerung („oben“), anstelle der „traditionellen Muskelpanzerung“ („unten“), sowie die Oberflächlichkeit, die an die Stelle der alten mystisch verzerrten Tiefe getreten ist, machte die absurde antifantische Identifizierung mit Indianern, Negersklaven, „Werktätigen“ etc. möglich. Die ganz im BRD-System aufgehenden angehenden Karrieristen schauen wie Ameisen ganz ideologiefrei, was die andere Ameise tut. Von Authentizität kann keine Rede mehr sein, was auch für die wachsende neurechte Minderheit gilt, die den „Übermenschen“ markiert, ohne auch nur den Anflug einer Ahnung von der Tragik zu haben, von der Nietzsche sprach. – Und genau das ist die Tragik: Gott ist tot und statt erschüttert zu sein, lächeln sie blöde. Der letzte Mensch macht das Licht aus.

Bald wird in deutscher Übersetzung ein entscheidendes Buch erscheinen, das Reich in seinen letzten Jahren stark beeinflußt hat. Es beschäftigt sich mit Nietzsche und dem Sexus und – dem Schicksal… Nietzsches persönlicher Fall ins Nichts wird die Menschheit als ganzes ereilen, wenn… Es gibt kein Weg mehr zurück hinter die Feuerwand der sexuellen Revolution. Genausowenig gibt es ein Vorwärts ins – Nichts. Was bleibt, ist zunächst einmal ein Innehalten und sich bewußt zu werden, was eigentlich geschehen ist, statt blind so weiterzumachen.

David Holbrook, M.D.: Überlegungen und Fragen zu „Moralismus“, „Panzerung“, Geist, Körper, Physiologie, Vernunft, Gefühl und „Orgonomie“

9. Januar 2025

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Überlegungen und Fragen zu „Moralismus“, „Panzerung“, Geist, Körper, Physiologie, Vernunft, Gefühl und „Orgonomie“

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Moral” und folgende

3. Dezember 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Moral“ und folgende

West und Ost: Schließt sich die Wolkendecke?

18. November 2024

Nach Elsworth F. Baker gibt es drei Grundtabus, auf denen gepanzerte Zivilisation beruht, d.h. sie dürfen nicht offen analysiert werden oder alles würde kollabieren: Religion, Politik und Sexualität.

Der Westen zeichnete sich, spätestens seit dem Investiturstreit Anfang des letzten Millenniums, durch die Trennung von weltlicher und geistlicher Macht aus, was den Hebel zur Untergrabung unserer Zivilisation ansetzte. Am Ende des Millenniums trat mit der Befreiung der Moral von der Religion die Emanzipation der Sexualität (wenn man so will der „häuslichen Macht“) hinzu. Parallel dazu haben Reich und Baker Religion (Mystizismus) und Politik (Mechanismus), wie man heute so schön sagt, „dekonstruiert“. Sie entsprechen den beiden Grundformen, wie wir die durch die Panzerung verzerrte Orgonenergie in uns empfinden. In der Religion ist das die Erfahrung „Gottes“ bzw. allgemein des „Ominösen“, die dadurch zustande kommt, daß sich zwischen der Wahrnehmung der Orgonenergie und der orgonotischen Erregung die Panzerung schiebt, die das Orgon in ein „Jenseits“ versetzt. Grundlage der Politik ist, daß die Menschen ihre gesellschaftliche Umwelt entsprechend der Gewichtungen in ihrer eigenen biophysischen Struktur (Fassade, sekundäre Schicht, Kern) einrichten: die Linken aufgrund ihres mangelnden Kernkontakts, die Rechten aufgrund ihres verzerrten Kernkontakts. Und was die Sexualität betrifft: Reich separierte ihre „Entladungsfunktion“ (die Funktion des Orgasmus) von ihrer Fortpflanzungsfunktion (Fortführung des göttlichen Schöpfungsakts und Kinderkriegen für den Staat).

Soweit der Westen, der schließlich die Orgonomie gebar. Der Osten hingegen ist vollkommen anders geprägt. Man betrachte etwa die Orthodoxie: hier bilden Religion, Politik und Sexualmoral eine unlösbare Einheit. Soweit es möglich war, wie im russischen Zarentum, galt das Prinzip der Staatskirche, d.h. die Kirche unterwarf sich vollkommen dem Staat und umgekehrt war die Ideologie des Staates die Religion, so daß für eine separate politische Sphäre gar kein Platz blieb, geschweige denn für so etwas wie „moralische Freiheit“. In der Orthodoxie bedeutet das Verbot jedweder Verhütung, geschweige denn Abtreibung, Unauflöslichkeit der Ehe und Verbot der Wiederverheiratung. Dieses Modell der Einheit von Religion, Politik und Sexualmoral finden wir heute in verschiedenen Variationen im islamischen Saudi-Arabien und im sich zum Neo-Zarismus hinbewegenden Rußland unter Putin, in Indien unter den Hindu-Nationalisten und auch in einem China, das wieder „unter dem Mandat des Himmels steht“, wird dieses Modell immer aktueller.

Im Osten versucht sich die gesellschaftliche Panzerung, die seit mindestens 200 Jahren durch den Westen unter Druck stand, wieder zu konsolidieren, während sie im Westen auf eine katastrophale Weise am endgültigen Kollabieren ist. Ob das ganze tatsächlich in einer Katastrophe mündet und die Welt schließlich wieder von den undurchdringlichen Wolken des Aberglaubens eingehüllt wird, oder die Aufklärung endlich eine neue stabile Ordnung auf der Grundlage von kosmischem Kontakt (statt Religion), gesellschaftlicher Selbststeuerung (statt Politik) und individueller Selbststeuerung, d.h. „tugendhafter Lust“, aus sich heraus gebiert, hängt von uns ab.

Wie Nietzsche im „Zarathustra“ schrieb:

Wohin ist Gott? Ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, ihr und ich. Wir alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen nicht Laternen am Vormittag angezündet werden? Hören wir noch nichts vom Lärm der Totengräber, die Gott begraben? Riechen wir noch nichts von der göttlichen Verwesung? – Auch Götter verwesen! Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet – wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchen Wassern könnten wir uns reinigen? Welche Sühnefeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden müssen? Ist nicht die Größe dieser Tat zu groß für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie eine größere Tat – und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!

Orgonomie und die beiden Superhirne

16. November 2024

Man kann die Politik, wie die des starkköpfigen Habeck und des sprachgewandten Genies Baerbock, geopolitisch (Einflußagenten Amerikas bzw. des WEF, um parallel Deutschland und Rußland zu schwächen, Stichworte: Deindustrialisierung Deutschlands und Zersetzung Rußlands) oder quasi Marxistisch bewerten (eine Klasse von unproduktiven Parasiten im Dienste des Monopolkapitalisten BlackRock) und damit die traditionelle Betrachtungsweise „materialistisch“ transzendieren, die sich auf die Sphäre von Gesellschaftsbild und Ideologie, also die der „Ideen“ beschränkt, uns geht es jedoch gemäß dem orgonomischen Funktionalismus um eine dritte, tiefere Betrachtungsweise: die bioenergetische. Diese faltet sich in folgenden vier Schritten auf:

1. charakteranalytische Sichtweise: Der ödipale Konflikt führt zum Wettstreit mit dem Vater (das rechte, konservative Syndrom) vs. zur Rebellion gegen den Vater (das linke, „progressive“ Syndrom). Papa wird zum unterdrückerischen Schwein, das Mutter Erde ausbeutet, wobei seine reaktionäre Sexualmoral eine entscheidende Rolle spielt. Bis in die 2000er Jahre hinein, waren die USA in dieser Hinsicht der große Buhmann. Mittlerweile versucht man Trump in die Rolle des patriarchalischen Superschweins zu rücken, was aber aus offensichtlichen Gründen einfach nur lächerlich ist. Heute verkörpern Putin und das zur Orthodoxie, also Katholizismus auf Steroiden, zurückkehrende Rußland diese Rolle, was den psychotischen Haß von ödipalen Rebellen wie Habeck und Baerbock erklärt.

2. vegetotherapeutische Sichtweise: Der Konservative ist vor allem muskulär gepanzert, während sich die Abwehrfunktion des „Progressiven“ weitgehend auf den Kopf bzw. zur Augenpanzerung verlagert. Entsprechend neigt die rechte Seite zu pragmatischen, buchstäblich „hemdsärmeligen“ Lösungsansätzen, aktuell etwa im Umgang mit Rußland, während die linke Seite ganz Moral und Ideologie ist – halt „verkopft“ (siehe die anfänglichen Ausführungen über „Materialismus“ und „Idealismus“ oben).

3. biopsychische Struktur: Beim rechten Syndrom bleibt durch die Identifikation mit dem Vater ein, wenn auch durch die Panzerung stark (mystisch) verzerrter, Kontakt zum bioenergetischen Kern erhalten, der beim linken (mechanistischen) Syndrom vollkommen verlorengeht. Das entspricht einer mehr mystischen vs. einer mehr mechanistischen Weltanschauung. Hier kam es ungefähr mit der Jahrtausendwende zu einer bemerkenswerten Umkehr zwischen Ost und West, denn heute steht der orthodoxe Osten für die mystische Weltanschauung, während der einst „christliche Westen“ sich zunehmend ganz dem mechanistischen Materialismus verschreibt. Auch das erklärt die politische Umkehr: in den 1980er Jahren standen die Progressiven auf der Seite Rußlands, heute stehen sie auf der Seite der USA – und beide Male ging es um ein und dasselbe: Mittelstreckenraketen. Das hat alles wenig mit Politik per se zu tun, sondern ist Ausfluß der bioenergetischen Struktur der Menschen.

4. biophysiologische Struktur: Die bisherigen drei Punkte kulminieren in der grundlegenden orgon-energetischen Differenz zwischen zwei Arten von gepanzerten Menschen: durch die Panzerung bedingt leben Rechte fast ausschließlich im Funktionsbereich der orgonotischen Pulsation („orgonotisches System“ mit dem Solar plexus als Zentrum von Expansion und Kontraktion, Vegetatives Nervensystem), während Linke ganz im Funktionsbereich der orgonotischen Kreiselwelle leben („energetisches Orgonom“ mit dem Zentralen Nervensystem als Zentrum). Entsprechend dreht sich das Leben des Rechten vor allem um (BUCHSTÄBLICH) „Grenzziehung“, d.h. die Aufrechterhaltung einer „pulsierenden Membran“, während der Linke entsprechend der Vorwärtsbewegung der Kreiselwelle (BUCHSTÄBLICH) „Grenzen überwinden will“. Der eine ist in diesem Sinne „konservativ“, der andere „progressiv“ – BUCHSTÄBLICH! Politik ist der pathologisch verzerrte Ausdruck letztendlich kosmischer Orgonenergie-Funktionen.

Die hier ausgeführte „dritte, tiefere Betrachtungsweise politischer Vorgänge“ bedeutet natürlich nicht, daß die beiden oberflächlicheren Betrachtungsweisen obsolet sind. Rein ökonomische (inklusive KORRUPTION!) und „geistesgeschichtliche“ Motivationen sollten selbstverständlich stets mit betrachtet werden!

Trump und die tugendhafte Lust

12. November 2024

Lassen wir zu Anfang einen dieser grotesken Links-„Reichianer“ zu Wort kommen. Fundsache aus dem Netz:

Ich denke, daß man [den Sieg Trumps] am besten so verstehen kann, wie Reich es in seiner Massenpsychologie des Faschismus beschreibt. Eine beträchtliche Anzahl, vielleicht sogar die Mehrheit der amerikanischen Wähler, identifiziert sich entweder unbewußt oder bewußt mit seiner Frauenfeindlichkeit, seinem Rassismus, seiner Fremdenfeindlichkeit, seiner sexuellen Gewalt und Grausamkeit. Im Jahr 2016 könnte man sagen, es war Unwissenheit, aber am 5. November wußten die Wähler genau, wer er war, und haben ihn trotzdem gewählt. Er verkörpert ihre sekundären Triebe.

Mit anderen Worten: „Trump ist wie Hitler!“ Reichs „Generalpsychopath“.

Ich glaube, dieser Haß kommt aus Trumps Umgang mit Schuldgefühlen. Er bzw. sein Ichdeal, das er nach außen projiziert, ist frei vom Über-Ich („ungepanzert“) und das ist genau das, was die Trump-Gegner ihm explizit vorwerfen: Rücksichtslosigkeit; er sei ein Soziopath, sogar ein Psychopath, weil sie sich einen über-Ich-freien (ungepanzerten) Menschen nicht anders vorstellen können. In ihren Augen muß er der „American Psycho“ sein! Auf diese Weise wurde der „Antifaschismus“ zu etwas Erzreaktionärem, d.h. etwas, was die miefige zutiefst sexualfeindliche Moral des Mainstream vertritt.

Trump lebt etwas vor (ein beinhartes Arbeitspensum und das Sexualleben eines Playboys, der jeder Frau in den Schritt greifen könnte), was sich der impotente, ängstliche, aber vor allem angeblich „tugendhafte“, d.h. dem woken Mainstream anhängende Kleine Mann des Jahres 2024 nur erträumen kann. Die angebliche „Tugend“ dieses Kleinen Mannes beruht auf seiner Schwäche, seiner Konformität und seinem Untertanengeist.

Er kann sich in seinem beschränkten Horizont keinen Mann vorstellen, der nicht aufgrund irgendwelcher „Prinzipien“ bzw. aufgrund irgendeiner „Moral“ heraus agiert, sondern einfach, weil er befriedigt ist – oder, besser gesagt, überhaupt befriedigbar ist, entsprechend vor Energie und Tatendrang schier bierst und andere daran teilhaben lassen will, weil geteiltes Glück tatsächlich potenziertes Glück ist. Das sieht man etwa daran, daß Trump, wenn er frei schalten und walten könnte, am liebsten sämtliche Regularien, die das freie Agieren der Wirtschaft und das freie Verbreiten von Information und Meinung behindern, beseitigen würde. Er will die Gesellschaft „entpanzern“.

Liebe, Arbeit und Wissen sollen sich frei entfalten! Aber was ist mit der „Liebe“ (der Sexualität) wird der „Links-Reichianer“ einwenden und auf Abtreibung und „Frauenrechte“ verweisen. Werde dadurch nicht der „tugendhaften Lust“ auf Massenbasis die Grundlage entzogen? Unsinn, denn das Gegenteil ist der Fall: diese „Links-Reichianer“ sind es, die eine Gender- und Transagenda mit Pubertätsblockern und der Amputation von Genitalien und Brüsten vertreten.

Natürlich gibt es rationale Elemente in der Anti-Trump-Hysterie unserer „Links-Reichianer“, denn tatsächlich ist die Rechte im Durchschnitt sexualfeindlicher als die Linke, aber das spielt im antiautoritären Heute wohl kaum eine Rolle. Amerika! 2024! Und, ja, man kann allzuleicht Psychopathen mit genitalen Charakteren verwechseln, einfach weil sie keine Emotionen haben und jedem alles vorspielen können – auch „Empathie“. Das beste Beispiel ist wohl der Frauenschwarm, Traum jeder Schwiegermutter und –alptraumhaft sadistische Frauenmörder Ted Bundy. Ein ähnlicher Charakter war der Friedennobelpreisträger und Kriegsverbrecher Barack Obama…

Reich hat geschrieben, daß Hitler gewählt wurde, da sein Auftreten paßgenau zur durchschnittlichen Massenstruktur der deutschen Bevölkerung paßte. Ähnliches ließe sich über den narzißtischen Kindmann Hussein Obama sagen.

Die Erforschung der massenpsychologischen Wirkung Hitlers mußte von der Voraussetzung ausgehen, daß ein Führer oder der Vertreter einer Idee nur dann Erfolg haben kann (…), wenn seine persönliche Anschauung, seine Ideologie oder sein Programm an die durchschnittliche Struktur einer breiten Schicht von Massenindividuen anklingt. Dann ergibt sich die weitere Frage, welcher historischen und soziologischen Situation diese Massenstrukturen ihr Entstehen verdanken. So verlegt sich die Fragestellung der Massenpsychologie aus der Metaphysik der „Führerideen“ in die Wirklichkeit des gesellschaftlichen Lebens. Nur dann, wenn die Struktur einer Führerpersönlichkeit mit massenindividuellen Strukturen breiter Kreise zusammenklingt, kann ein „Führer“ Geschichte machen. Und ob er endgültig Geschichte macht oder nur vorübergehend, hängt einzig und allein davon ab, ob sein Programm in der Richtung des fortschreitenden gesellschaftlichen Prozesses liegt oder sich dagegen anstemmt. (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 53)

Obwohl sie zu denkbar unterschiedlichen Zeiten auftraten, Hitler in der autoritären Gesellschaft, Obama in der anti-autoritären Gesellschaft, sind die Gemeinsamkeiten doch verblüffend. Beide hatten in ihrem Leben nie gearbeitet. Beide hatten ein sehr fragwürdiges Sexualleben. Beide kamen buchstäblich aus dem Nichts bzw. haben Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um ihre Herkunft zu verschleiern. Beide hatten einen sehr eindringlichen Redestil, der sie unmittelbar mit den Massen verbunden hat. Bei Obama fühlte man sich an einen Prediger der Nation of Islam erinnert. Beide standen für eine „politische Religion“: Es gibt Hoffnung! It can be done!

Hitler verkörperte den damaligen Kleinbürger mit dessen widersprüchlichen Position zwischen allen Stühlen. Einerseits der Horror vor dem Proletariat, in das man abzusinken drohte („der jüdische Bolschewismus“), andererseits die Rebellion gegen das Großbürgertum, das etwa mit Großkaufhäusern, die eigene Existenz gefährdete („das jüdische Finanzkapital“). Zusammengehalten wurde das entsprechende widersprüchliche Weltbild mit Verschwörungstheorien: „Die Welt ist anders als sie scheint!“

Der Führer des deutschen rebellierenden Mittelstandes war selbst Beamtensohn. Er berichtete selbst über einen die kleinbürgerliche Massenstruktur spezifisch kennzeichnenden Konflikt, den er durchzumachen hatte. Sein Vater wollte ihn zum Beamten machen, der Sohn rebellierte aber gegen den väterlichen Plan, beschloß, „unter keinen Umständen“ Folge zu leisten, wurde Maler und geriet dabei in Armut. Aber neben dieser Rebellion gegen den Vater blieb die Hochachtung und Anerkennung seiner Autorität bestehen. Diese zwiespältige Einstellung zur Autorität: Rebellion gegen die Autorität mit gleichzeitiger Anerkennung und Unterwerfung, ist ein Grundzug jeder kleinbürgerlichen Struktur am Übergang von der Pubertät zur völligen Erwachsenheit und besonders ausgeprägt bei materiell eingeschränkter Lebensführung. (ebd., S. 54)

Obama verkörpert etwas ähnliches: einerseits die Rebellion gegen die lokalen Autoritäten, als da wären Eltern, Lehrer, Polizei, lokale Behörden, Mitmenschen, die auf Rücksichtnahme und gutes Benehmen pochen, etc. und andererseits die Sehnsucht nach einer zentralen Autorität. Die „Rebellen“ rufen ständig nach neuen staatlichen Regularien, möglichst auf Bundeseben, besser europaweit oder, ihr Traum, weltweit über verbindliche UN-Beschlüsse.

Die grotesken Gestalten der Musikbranche mit ihrer todschicken rebellischen Aufmachung symbolisieren alles, was zu dieser Form von, man verzeihe mir den Ausdruck, „anti-autoritärem Faschismus“ zu sagen ist: kommerzialisierte gestylte Pseudorebellion, bei der sich keiner mehr traut, eine eigene Meinung zu haben und sich für mutig hält, wenn er mit der breiten Masse marschiert, Dummheit, Verblödung, billige Manipulation, Charakterlosigkeit, MTV – gegen Trump kämpfen.

Einem Filmkritiker ist neulich aufgefallen, daß die jungen Schauspieler in amerikanischen Filmen alle gleich aussehen: leere puppenhafte Gesichter ohne Individualität, konturlos, hohl, wie geklont. Sie verkörpern jene Generation, die Obama an die Macht gebracht hat. Sie ist entstanden durch Rebellion (Streben nach Freiheit) ohne Verantwortung für irgendetwas zu übernehmen, nicht mal fürs eigene Leben.

Trump hat gewonnen, weil es ihm gelang die „bildungsfernen“ und ökonomisch abgehängten Schichten zu mobilisieren, also die, die verhältnismäßig frei sind vom ideologischen, d.h. anti-arbeitsdemokratischen Verblendungszusammenhang, frei von der woken Pseudomoral.

Die Scholz-Regierung aus bio-kosmischer Sicht

31. Oktober 2024

Betrachtet man solche Analysen, ist immer mitzudenken, daß das äußere Leben und das Innenleben funktionell identisch sind, d.h. wirst du im Inneren von der sekundären Schicht, diesem Wirrwarr aus (vermeintlich) hochmoralischen Geboten und Verboten, die böse destruktive Antriebe mehr schlecht als recht in Schach halten, beherrscht, baust du dir eine Gesellschaft auf, die dem Alptraum entspricht, auf den sich Deutschland unaufhaltsam hin entwickelt. Und umgekehrt kann jeder sehen, was die bedrückenden gesellschaftlichen Umstände im Kind anrichten: sie werden Charakterstruktur (sekundäre Schicht) und reproduzieren sich so selbst. Die emotionale Wüste erzeugt reale Wüsten (in diesem Fall Industriebrachen und Slums), reale Wüsten erzeugen die emotionale Wüste in den Menschen und so fort. Das erleben wir gerade real beim Untergang der deutschen Nation mit! Man spreche mit einer beliebigen Grundschullehrerin!

Freud zufolge ist das Ich der Teil des Es, der durch den unmittelbaren Einfluß der Außenwelt verändert worden ist. Man kann die psychische Instanz „Ich“ also durchaus mit der oberflächlichen „sozialen“ Schicht der Reisch’schen Bioenergetik in Verbindung bringen. Ohne die Gesellschaft hätten wir schlichtweg kein Ich. Dennoch repräsentiert das Ich „uns“, d.h. unseren bioenergetischen Kern, oder besser gesagt, es sollte uns repräsentieren. Leider trennt die sekundäre Schicht (bioemotional) uns von uns selbst. Das, diese bioenergetische Atrophie des Ich, wiederum untergräbt die eigentliche Funktion des Ichs, nämlich das (biosoziale) Zusammenspiel mit anderen Ichs („dem Du“) und der Gesellschaft als Ganzes.

Dieses Bild kompliziert sich, weil die sekundäre Schicht letztlich selbst ein SOZIALES Phänomen ist: Die sekundäre Schicht ist verinnerlichte soziale „Moral“. Auf diese Weise hat, nochmal, das ICH keine Substanz, denn es ist vom bioenergetischen Kern durch die dazwischen liegende sekundäre Schicht abgetrennt, d.h. es ist schwach, deshalb wetterwendisch („vergesellschaftet“) und fällt sowohl der „(ver)inner(licht)en Gesellschaft“ (der sekundären Schicht) als auch der äußeren Gesellschaft leicht zum Opfer.

Ein perfektes Beispiel dafür ist der rotgrüne Gutmensch, dessen Ich sowohl von Schuldgefühlen gequält wird, die aus der sekundären Schicht ihm entgegen sickern („Du mußt woke sein!“), als auch leicht von den rotfaschistischen Parteigranden und ihrer Medienmaschine ausgespielt werden kann.

Der rotgrüne Gutmensch ist schwach, weil sein Ich keine Verbindung zu seinem bioenergetischen Kern hat und sein Ich im sozialen Umfeld dysfunktional ist. Das sieht man allein schon daran, daß es keine rotgrünen Meme gibt und die Rotgrünen verzweifelt den freien Austausch der Nicht-Rotgrünen in den sozialen Medien unterbinden müssen. Es sind soziale Krüppel, bioenergetische Zombys, die nur überleben können, indem sie auch die Gesunden verkrüppeln!

All dies wird von den rotgrünen Spitzenkandidaten selbst verkörpert! Man vergleiche sie mit den Repräsentanten der AfD, deren Ich sowohl mit ihrem bioenergetischen Kern verbunden ist (natürliches Charisma, das Ausstrahlen natürlicher Autorität) und gleichzeitig die Befähigung besitzt, in sozialen Situationen SPONTAN mit anderen zu interagieren. AfDler sind sowohl bioemotional als auch biosozial in Kontakt.

Das Ich des Konservativen ist authentisch und erfüllt gleichzeitig seine eigentliche Funktion im sozialen Umgang: kein Ich ohne ein DU! Letztendlich geht es um wechselseitige bioenergetische Erregung zur gemeinsamen lustvollen Expansion. Er verkörpert die Arbeitsdemokratie im eigenen Organismus und im Umgang mit anderen (vgl. Reichs Äther, Gott und Teufel). Hingegen ist das Ich des Linken isoliert und kann nur existieren, indem es sich an gesellschaftliche Vorgaben anpaßt. Er ist charakterstrukturell ein Mechanist, weil er keinerlei Zugang zu seinem bioenergetischen Kern hat, und ein Kollektivist, weil er ganz in den gesellschaftlichen Vorgaben aufgeht, ohne dabei wirklichen Kontakt zum konkreten, lebendigen „Du“ zu haben. Er ist verloren und dem Untergang geweiht. In seiner Verzweiflung versucht er alles mit in den Abgrund zu ziehen. Daß er Planwirtschaftler ist, ist kein Zufall. Das gleiche gilt für seine Existenz als „Visionär“, als „moralische Instanz“ und nicht zuletzt als vermeintliches „Opfer von Nazis“, d.h. von uns Konservativen: die bioenergetische Isolation des Ich macht wahn-sinnig, größenwahnsinnig und paranoid.

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Ironie” und folgende

22. Oktober 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Ironie“ und folgende

LaMettrie, der „Wilhelm Reich des 18. Jahrhunderts“ – oder warum für jeden Studenten der Orgonomie Christian Fernandes unbedingte PFLICHTLEKTÜRE ist

21. Oktober 2024

Priorität beanspruchte LaMettrie ausschließlich für seine Lehre von den Schuldgefühlen, „und da kein Philosoph zu diesem Thema etwas beigetragen hat, kann mir diesen bescheidenen Erfinderruhm auch keiner nehmen“ (Anti-Seneca, S. 11). Wie Bernd A. Laska ausgeführt hat, entspricht das exakt dem von Freud geprägten Begriff „Über-Ich“ und weiter Reichs Entdeckung der charakterlichen und biophysiologischen „Panzerung“. Das wird dadurch noch bemerkenswerter, daß im Abstand von zwei Jahrhunderten bei beiden dieses Element ihrer jeweiligen Anthropologie unlösbar mit einer „Orgasmustheorie“ verbunden war.

Die erst von Christian Fernandes ins Gespräch gebrachte „These Jacques“ in der Version LaMettries (ab 1746) ist in der Tat eine Orgasmustheorie! Die 1722 von dem Medizin-Professor Gabriele-Antonio Jacques vorgebrachte medizinische Dissertation Ob aus dem Mangel des Beischlafs Krankheiten entstehen (die im krassen Gegensatz zu heute der zu prüfende Student verteidigen mußte!) dreht sich vor allem um die „Säfte“ („Humoralpathologie“), die durch regelmäßigen Geschlechtsverkehr umgeschichtet werden müssen, um keinen körperlichen und psychischen Schaden anzurichten, wozu Eifersucht, Neid, Ungeselligkeit, Gehässigkeit, Rachsucht, Mitleidslosigkeit, Lästereien etc. zählen. Umgekehrt erhält regelmäßiger Geschlechtsverkehr körperlich gesund und fördert in jeder Hinsicht „tugendhaftes“ Verhalten, nicht nur wegen der Entspannung, sondern auch, weil der Geschlechtsakt das Urbild der Gemeinschaft ist: ich kann nur glücklich sein, wenn mein Partner glücklich ist. Fernandes:

Aufgrund des kausalen Zusammenhangs von Sexualität und Tugend sagt Jacques zu Beginn auch, der Geschlechtsverkehr sei „der Gemeinschaft verlockendes Band“. La Mettrie muß fasziniert gewesen sein von dieser neuen Sichtweise auf die Sexualität als Grundlage von Moral und Gesellschaft. (S. 20)

In wenigen Sätzen haben wir hier die Orgasmustheorie mit ihren medizinischen, psychologischen und soziologischen Aspekten sowie das fundamentale Gegensatzpaar von Emotioneller Pest (Eifersucht, Neid, Ungeselligkeit, Gehässigkeit, Rachsucht, Mitleidslosigkeit, Lästereien etc.) und Arbeitsdemokratie vor uns. Zu letzterer zitiere ich wieder Fernandes:

In La Mettries „tugendhafter Lust“ (…) ziehe ich den Nutzen direkt aus dem Glück des anderen (…). Mein Glück hängt unmittelbar von seinem ab. Diese Anthropologie der Mitfreude gründet er auf das Phänomen der sexuellen Lust als „Glück, das sich verdoppelt, indem es sich teilt“, bzw. wichtigstes Instrument der Natur, „um uns glücklich zu machen, indem sie das Objekt glücklich macht, das sich das Glück mit uns teilt“. Die sexuelle „jouissance mutuelle“ [gegenseitiger Genuß] ist aus seiner Sicht verallgemeinerungsfähig und Prinzip der für mich und [für] alle optimalen gesellschaftlichen Ordnung: „Hätte sich die Natur ein köstlicheres Band ausdenken können, um die Gesellschaft zu bilden?“

Auf die erstaunliche Parallelität, die sich bei LaMettrie zur Charakteranalyse findet, werde ich morgen im Zusammenhang mit dem Stichwort „Ironie“ eingehen!

Der Rest, nämlich eine praktisch komplette Vorwegnahme der Sexualökonomie ergibt sich fast von selbst:

Zunächst ist da die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Trieben. In den Worten Fernandes‘: „Wird“, LaMettrie zufolge, „die Lust über das gesunde Maß hinaus eingeschränkt, geht zusammen mit ihr auch die Tugendfähigkeit verloren und es entstehen lasterhafte Charakterzüge.“ Dabei wird aus „Wohl-Lust“, um ein Wort zu verwenden, das Laska in diesem Zusammenhang geprägt hat, „Wüst-Lust“ (S. 86).

Dies geht einher mit der Unterscheidung zwischen eigentlicher, natürlicher Moral und der Zwangsmoral. Fernandes erläutert LaMettries Sichtweise wie folgt: „Die ‚erfundene‘, ‚religiöse‘, ‚gebieterisch befehlende‘ Moral der Kultur erzeugt antisoziale Neigungen, die vorher gar nicht vorhanden waren, die ‚Moral der Natur‘ hegt und pflegt die natürlichen Neigungen, die bereits sozial orientiert sind.“ Fernandes hebt dabei wiederholt hervor, daß „La Mettrie zufolge [die] lustfeindliche Moral das asoziale Verhalten allererst erzeugt, das sie dann zwar unterdrücken soll, aber häufig nicht mehr unterdrücken kann“ (S. 89).

All das hat, wie beim Arzt Wilhelm Reich Ende der 1920er Jahre, auch bei seinem Kollegen LaMettrie politische Konsequenzen, denn dieser „definiert Gesundheit im klinischen Sinne und [sie] ist [für ihn] zugleich Prinzip einer qualitativ besseren Gesellschaft“ (S. 144). Fernandes führt näher aus:

Wenn der medizinische Ansatz so universell ist, daß er auch Sittlichkeit und Vernunftfähigkeit umfaßt, liegt es nahe, sich als Arzt in die Politik einzumischen. Basiert die soziale Ordnung auf der Tugendhaftigkeit der Einzelnen und hängt diese von der Fähigkeit zur „Empfindung der Wollust“ ab, welche durch die soziale Umwelt stark beeinträchtigt wird, so ergibt sich daraus eine konsequente politische Forderung. (…) Einen gewaltsamen Umsturz der Verhältnisse kann La Mettrie aufgrund seiner tiefenpsychologischen Einsichten nicht gemeint haben. Denn eine nach Maßgabe der „tugendhaften Lust“ qualitativ andere Gesellschaft ist nur möglich, wenn die massenhaft manipulierte psychophysische Struktur der Individuen sich ändert. Daher hatte er zuallererst eine Revolution der Pädagogik im Auge, einen Verzicht auf die traditionelle Form der Enkulturation, die in einem „irrationalen Über-Ich“ (Laska) resultiert. (S. 68)

Wir sind beim krönenden Abschluß von Reichs sozialem Engagement, dem Konzept „Kinder der Zukunft“ angelangt. Bei La Mettrie 1746… Fernandes referiert:

Junge und Mädchen werden hier gedanklich in den Naturzustand versetzt. „Allein“, „ohne Erziehung“ würden sie nur der „zärtlichen Neigung der Natur“ folgen, der Lust, „die eine Tugend ist“. Außerhalb des Naturzustandes, unter sozialem Einfluß hätten sie „Vorurteile“ und „Schuldgefühle“, könnten darum dieser tugendhaften Lust nicht uneingeschränkt folgen, was zum Bösewerden ihrer Neigungen führte. Warum? Weil die „Seele“ der „jungen Herzen“ nur deswegen „rein“ ist, weil sie noch nicht von „Reue vergiftet“ wurde. Reue, die auf gesellschaftlich bedingte Vorurteile und Schuldgefühle zurückgeht, macht die Herzen „unrein und verdorben“, also böse, indem sie ihnen die „Freude“ nimmt. Im Naturzustand hingegen würden sie ein glückliches Liebesverhältnis miteinander eingehen. (…)* Sie lebten „glücklich“ unter den „Gesetzen der Natur“. Diese „glücklichen Kinder“ rief La Mettrie zu Beginn der École de la volupté [1746] an. Von ihnen als Inbegriff der „tugendhaften Lust“ wollte er sich bei der Abfassung des Werks inspirieren lassen. (S. 26f)

Das ist der Kern von LaMettries „Wollustschriften“. Im dazu komplementären Anti-Seneca (1748) hingegen „geht es um die Bekämpfung der repressiven Moral der Kultur, die in der frühkindlichen Erziehung verinnerlicht wird und sich auch später beim Erwachsenen auswirkt, nämlich in unnötigen Schuldgefühlen, die ihm das Leben vergällen“ (S. 88). Ich verweise zurück auf den Anfang dieses Blogeintrags.

* Nachbemerkung: Die mit einem Stern gekennzeichnete Streichung betrifft folgenden Satz, der LaMettries Lehre getreu widergibt: „Sind sie blutsverwandt, so käme das ihrer Liebe sogar zugute. Das soziale Tabu der Geschwisterliebe spielte für sie keine Rolle.“ Siehe dazu den gestrigen Blogeintrag unter den Stichworten „Inzest“ und „Inzucht“!

Die Orgonomie als abtrünnige „Breakaway Civilisation“

17. Oktober 2024

Diejenigen Menschen fühlen sich zur Orgonomie hingezogen, welche sich von der Gesellschaft entfremdet fühlen, als wären sie Außerirdische, während sie selbst tief mit der Natur, Kindern, Wildtieren, dem Wald verbunden sind. Sie sind selber unerziehbare „Wildmenschentiere“. Alle anderen Menschen empfinden sich als Teil der Gesellschaft, identifizieren sich vollkommen mit deren moralischem Code, und haben überhaupt kein Gefühl für die Natur. Sie sind enkulturiert! Es geht um „Leben in der Fassade“ vs. Kernkontakt, Oberflächlichkeit vs. Tiefe.

Funktionalismus, also das ungepanzerte, „wilde“ Denken, ist, ganz einfach, Perspektivismus: Orgonometrie ist nicht eindimensional wie Sprechen und Schreiben, sondern braucht eine zweite Dimension („Bifurkation“). Tiefe ist, wieder ganz einfach, die dritte Dimension. Perspektive IST Kontakt. Die meisten Menschen versuchen die Dimensionen zu reduzieren, indem sie Drogen konsumieren, fernsehen und sich mit geistlosem Smalltalk beschäftigen. Sie sind eingebettet in die Gesellschaft und blicken BUCHSTÄBLICH nicht über den Rand hinaus.

Unsere ganze gegenwärtige Kultur ist darauf angelegt, unsere „Freiheitsgrade“ immer weiter einzuschränken. Die Welt um uns herum wird immer flacher und unser Gefühlsleben immer hohler. Man betrachte nur die Entwicklung der Filmkunst oder der Popularmusik. Unfaßbar seichter Schrott. Und selbst die klassische Musik und der Jazz verlieren zusehends an jedem emotionalen Appeal. Technisch mögen sie hervorragend sein, aber die Seele und die Kreativität, der persönliche Ausdruck, ist verschwunden. „Klassikstars“. Von der seelenlos gewordenen Bildenden Kunst brauchen wir gar nicht erst anfangen.

Selbst die Wissenschaft: seit der Entwicklung der Quantenmechanik in den 1920er Jahren hat sich nichts mehr wirklich Innovatives getan. Es gibt heute schlichtweg keine Naturwissenschaft im eigentlichen Sinne mehr, sondern nur akademischen Leerlauf. Interessanterweise begann Reich Anfang der 1930er Jahre sich dem Labor zuzuwenden, um die Orgasmus-Formel jenseits der Psychotherapie zu untersuchen. Was er spätestens mit den Bion-Versuchen in Angriff nahm, war ein kompletter Neuanfang der gesamten Naturwissenschaft. ER war der einzige, DER EINZIGE, Wissenschaftler weit und breit.

Wir gehen immer weiter in die Tiefe, während der Rest der Menschheit immer flacher wird und sich von der Zweidimensionalität unaufhaltsam weiter auf eine „nulldimensionale“ Singularität zubewegt. Ich sage nur „KI“, „Tansgender“ und „Transhumanismus“. Wir und sie werden bald nichts mehr miteinander zu tun haben.

Viele kämpfen darum, die Orgonomie doch noch irgendwie an den Mann bringen zu können. Nein, die Menschen gehen einen anderen Weg. Beispielsweise interessiert sich niemand mehr für die Orgontherapie, weil man mit Hilfe der Psychopharmaka seinen Gefühlen, insbesondere der Angst, entkommen will – emotional verflachen will. Niemand will mehr in die Tiefe gehen! Niemand will mehr seinen Panzer verlieren, sondern ganz im Gegenteil eine schöne blitzende Rüstung verabreicht bekommen. Diese Leute haben bereits ihr Menschsein aufgegeben. Wie Reich so häufig andeutete: die entfliehen ihrem Tiersein, der Biologie, der Tiefe. Laßt sie verrecken! Die neue Welt beginnt mit uns!

Wem das zu abstrakt ist: man schaue sich die Wahlergebnisse in Deutschland an. Offenbar wollen die Menschen eine DDR 2.0 bzw. ein Kalkutta an der Spree. Morgen dazu mehr.