Posts Tagged ‘zentrales Nervensystem’

Wolfgang von Goethe und Thomas Gast

23. Juni 2023

Thomas Gast ist mein Lieblings-Youtuber:

Ihm zuzuhören lohnt sich immer. Er ist der moderne Faust, den es in ferne exotische Gefilde trieb. Die Ausführungen des ehemaligen deutschen Mitglieds der französischen Fremdenlegion, 17 Jahre, 13 Kriegseinsätze in Afrika, sind stets von Lebenserfahrung gesättigt und von einer tiefen Humanität geprägt. Im obigen Video beschreibt er etwas, was ich – und sicherlich jeder von uns – in homöopathischen Dosen selbst erlebt habe: unter extremer Belastung spaltet man sich in zwei Teile. Der eine Teil ist emotional engagiert und voller Verzweiflung, weil nichts mehr geht, man stirbt fast vor Angst, der andere Teil ist distanziert, reduziert auf kalte Sensation und beobachtet „von oben“, daß alles perfekt funktioniert und cool ist. Ähnliches wird von Nahtodeserfahrungen berichtet.

Kann es sein, daß wir tatsächlich die „zwei Seelen“ haben, von denen Faust bei seinem Osterspaziergang gegenüber Wagner spricht?

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,

Die eine will sich von der andern trennen;

Die eine hält, in derber Liebeslust,

Sich an die Welt mit klammernden Organen;

Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust

Zu den Gefilden hoher Ahnen.

O gibt es Geister in der Luft,

Die zwischen Erd und Himmel herrschend weben

So steiget nieder aus dem goldnen Duft

Und führt mich weg zu neuem, buntem Leben!

Ja, wäre nur ein Zaubermantel mein,

Und trüg er mich in fremde Länder!

Mir sollt er um die köstlichsten Gewänder,

Nicht feil um einen Königsmantel sein.

Der Mensch besteht aus zwei energetischen Systemen. Das im Solarplexus zentrierte und im Vegetativen Nervensystem Struktur gewordene orgonotische System, das in unseren Emotionen mit dem Wechsel von Lust (Expansion) und Angst (Kontraktion) zum Ausdruck kommt. Es entspricht der Pulsation der kosmischen Orgonenergie. Das zweite System ist das Zentrale Nervensystem, also in erster Linie das Gehirn. Es entspricht der orgonotischen Kreiselwelle bzw. dem bohnenförmigen „energetischen Orgonom“ und wird subjektiv als Sensation wahrgenommen:

Unter extremem Streß löst sich dieser zweite, sozusagen mehr „ätherische“ Teil vom mehr „erdgebundenen“ ersten Teil? Es ist das, was Thomas Gast wiederholt erlebt hat und was die Grundlage der meisten „mystischen“ Erfahrungen ist. Kulte versuchen diesen Zustand durch verschiedene Techniken, die auffällig dem militärischen Drill ähneln, künstlich zu induzieren. Auf nichts anderem beruht ein Großteil von Mystik und vermeintlicher „Esoterik“.

David Holbrook, M.D.: WIE DU ANDERE BEHANDELST / FURCHT UND AUTORITARISMUS / DIE FUNKTIONEN DES STAATES

11. Juni 2023

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Wie du andere behandelst zeigt wer du wirklich bist

Furcht und Autoritarismus

Die Funktionen des Staates, der Wirtschaft, der Freiheit und der Unabhängigkeit im Vergleich zum Zentralen Nervensystem, dem Autonomen Nervensystem, den Emotionen und der spontanen Aktivität im allgemeinen

David Holbrook, M.D.: WAS IST „KONTAKT“? / ÜBER „KONTAKT“ UND SINGEN

11. Mai 2023

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Was ist „Kontakt“?

Über „Kontakt“ und Singen (Brief an eine Gesangslehrerin)

David Holbrook, M.D.: WAS IST „KONTAKT“? WAS IST „ARBEITSDEMOKRATIE“? WAS IST „PANZER“? UND WIE HÄNGEN ALL DIESE DINGE ZUSAMMEN?

3. April 2023

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Was ist „Kontakt“? Was ist „Arbeitsdemokratie“? Was ist „Panzer“? Und wie hängen all diese Dinge zusammen?

Die zwei Pole der Antiorgonomie

15. Juni 2022

Manchmal braucht man lange um zu verstehen. Diesen Blogbeitrag hat der geneigte Leser dem Stöbern in meinem Archiv zu danken, wo ich auf einen alten Flyer der „Sigmund Freud PrivatUniversität, Wien“ gestoßen bin. Es geht um eine Veranstaltung zu Reichs 50. Todestag 2007.

Der Soziologe Prof. Dr. Helmut Dahmer führte aus, wie es zu Reichs „Verabschiedung der Psychologie zugunsten einer phantastischen Naturwissenschaft (der ‚Orgonologie‘)“ gekommen sei. Reichs Lehrer Freud hatte sich, so Dahmer, von einem materialistischen Physiologen der Helmholtz-Schule zu einem Kulturkritiker entwickelt, der unsere „seelischen und kulturellen Institutionen“ als „Religionen“ enttarnte. Dahmer weiter: „Seine (Freuds) neuartige Wissenschaft – eine Kritik von Pseudonatur, die sich sowohl von der traditionellen Geistes- wie von den traditionellen Naturwissenschaften unterscheidet – präsentierte er (aus verschiedenen Gründen) auch weiterhin als eine Naturwissenschaft.“ Die „Freudsche Linke“, nicht zuletzt Reich, sei diesem Verständnis der Psychoanalyse als Naturwissenschaft treugeblieben, wobei er, Reich, schließlich „die resignative Abkehr von der Geschichtsphilosophie und die Hinwendung zur Naturphilosophie (…) (wiederholte), wie sie schon für die nachhegelsche Philosophie (Schelling, Feuerbach) im 19 Jahrhundert charakteristisch war“.

Mit großen Bildungsgestus spielt Dahmer die alte Leier der Marxisten: Reich war kein richtiger Marxist, weil er den Menschen unkritisch nicht primär als gesellschaftliches Wesen, sondern als Naturwesen betrachtete. Reich konnte darauf nur antworten, daß er der „Ausdruckssprache des Lebendigen“ folgte, in der sich beides zeigte: die durch die Gesellschaft verformte Pseudonatur, der Freud sein Lebenswerk widmete (Muskelpanzerung, sekundäre Triebe, das komplizierte und verwickelte „Unbewußte“), und die wirkliche Natur (die denkbar einfachen primären Triebe), zu der Leute wie Freud und Dahmer keinen Zugang haben, weil sie von der bunten und verwirrenden Welt der Neurosen und Perversionen in Beschlag genommen werden und sich in dieser behaglich suhlen.

In vieler Hinsicht die Gegenposition zum „Freudo-Marxisten“ Dahmer nimmt Dr. med. Heike Buhl ein, die 2007 am gleichen Ort über „Orgonmedizin in der Praxis“ referierte. Dabei fällt der bemerkenswerte Satz: „Wilhelm Reich entwickelte seinen zunächst psychosomatischen Ansatz im Laufe seines Lebens zu einem energetischen Konzept weiter. Seine Arbeit veränderte sich: nicht mehr der Gefühlsausdruck, sondern die Anregung der selbstregulierten Lebenskraft, die er Orgon nannte, stand nun im Vordergrund.“ Nun, das ist eine der Hauptmißverständnisse der Orgontherapie durch orgonomische Laien: daß der Orgontherapeut von innen her das Lebendige gegen den Panzer mobilisiert. Tatsächlich ist es umgekehrt: der Panzer wird von außen Schichtweise abgetragen, genauso, wie am Anfang jedes Cloudbusting zunächst die Beseitigung des DOR steht, das Aufbrechen der „atmosphärischen Panzerung“, bevor man „mit dem Orgon arbeitet“.

Buhl führt auch aus, daß „der energetische Ansatz“ „im übrigen erstaunliche Parallelen zu den östlichen Energiesystemen des Daoismus aufweist“. Es geht also darum, das „selbstregulierte“ Chi, Prana und vermeintliche „Orgon“ zu unterstützen, auf daß die Selbstregulation sozusagen die Macht im Menschen übernimmt. Nun, das ist keine Wissenschaft, sondern genau die „Religion“, die Freud zu Recht kritisiert hatte. Die vermeintliche reine „Lebenskraft“, die Buhl mobilisieren will, ist erstens geprägt durch die gepanzerte Gesellschaft, etwas, was Reich schon in seinen bioenergetischen Experimenten in den 1930er Jahren feststellte („negative bioelektrische Konditionierung“), und zweitens hatte Reich schon in den 1920er Jahren bei der Weiterentwicklung der Psychoanalyse zur Charakteranalyse festgestellt, daß es nur zu Chaos führen kann, wenn man ohne systematische Widerstandanalyse durch Deutungen die Libido sozusagen direkt anspricht. Die Ausdruckssprache des Lebendigen übergehen zu wollen… – grotesker geht es einfach nicht!

Heike Buhl, die den Menschen nicht als gesellschaftliches Wesen, sondern als Naturwesen betrachtet, präsentiert genau den „orgonologischen“ Strohmann „Wilhelm Reich“, den Helmut Dahmer dann mit überlegener Leichtigkeit umhauen kann.

Übrigens sind die klassische Psychoanalyse und die diversen Therapien der „energetischen Medizin“ durchweg für die Katz, vollkommen sinnlos, wenn nicht kontraproduktiv, weil sie einseitig das energetische Orgonom (Zentrales Nervensystem, Sensationen) ansprechen, so daß der Organismus immer ins orgonotische System (Vegetatives Nervensystem, Emotionen) ausweichen kann, wenn die Therapie das neurotische Gleichgewicht gefährdet. Und genau darum geht es pseudo-progressiven „Antiorgonomen“ wie Helmut Dahmer und Heike Buhl in Wirklichkeit: es soll sich ja nichts verändern, genauso wie sich im daoistischen China über Jahrtausende nichts verändert hat am ständigen Massaker am Lebendigen.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 25)

17. Januar 2022

Was Nikolai Levashovs und Richard Blasbands „Fernheilungen“ betrifft, paßt dies an sich sehr gut zu Überlegungen über die Nichtlokalität des Orgons. Vielleicht erfolgt die Heilung ja über Synchronizität: der Heiler stellt sich auf den Kranken ein, was dann eine energetische Wirkung hervorruft ohne eine direkte energetische Überlagerung, ohne einen energetischen Strom. In der Quantenmechanik ist diese „magische“ Nichtlokalität schon lange nachgewiesen. Und David Bohm bringt dies eng mit dem Bewußtsein in Zusammenhang, das untrennbar mit dem Beobachteten zusammenhängt (Die implizite Ordnung).

Ich sehe darin nur das organische Wachstum einer Wissenschaft. Schließlich hat auch die Quantenphysik die Galilei-Newtonsche Physik nicht ungültig gemacht, aber es wäre wohl kaum zu einer vernünftigen Physik gekommen, wenn man sich zu früh mit der geisterhaften Quantenwelt befaßt hätte. Irgendwie haben die Mystiker durch die Quantenphysik gegenüber den Mechanisten recht behalten, aber dies heißt noch lange nicht, daß die Mystiker damals recht hatten. Wahrheit ist eine Funktion der Zeit.

Blasband wird allen derartigen Argumentationen entgegenhalten, daß der „mind“ das orgonomische Paradigma sprengt und man deshalb zu einer umfassenderen funktionellen Wissenschaft vordringen muß, die auch solche geistigen Phänomene mit in sich schließt. Aber dies ist nicht ohne, denn von Anfang an hat zuerst die Psychoanalyse, dann die Sexualökonomie und schließlich die Orgonomie praktisch nichts anderes getan als vorgeblich „überweltliche“ Phänomene zu erklären. Und ausgerechnet jenes Buch Die kosmische Überlagerung, von dem Blasband behauptet, in ihm sei Reich an die äußere Grenze des orgonomischen Paradigmas angestoßen – ausgerechnet dieses Buch ist der krönende Abschluß dieser binnenweltlichen Erklärung. Es ist ein eklatanter Mißbrauch ausgerechnet daran die Arbeit von Jahrzehnten an Aufklärung sprengen zu wollen. Das ist ungefähr so, wie wenn man aus Nietzsches abschließendem Buch Der Antichrist ableitet, Nietzsche sei ein Christ gewesen – was wirklich ständig passiert; oder aus Freuds Moses-Buch, daß Freud doch an Jahwe geglaubt hat.

Was ich mit „Geist“ meine, verkörpert nichts besser als die Musik. Schopenhauer hat einmal gesagt, der Musiker spräche die höchste Wahrheit in einer Sprache, die seine Vernunft nicht versteht, ähnliches sagt auch Robert Harman (R.A. Harman: „Perception and Consciousness“, Journal of Orgonomy, 26(2), 1992). Aber spricht dieses spontane und doch „vernünftige“ Handeln für oder gegen Blasbands „primordiales Bewußtsein“? Bei (absoluter) Musik, etwa einem indischen Raga, kann man sich schlichtweg gar nichts vorstellen: es ist hörbare Mathematik. Trotzdem, oder grade deshalb, ist es der unmittelbarste Ausdruck von Stimmungen, Emotionen und Sexualität (= Überlagerung).

Blasband hat ja recht, wenn er daran erinnert, daß auch Reich gesagt habe, daß in der Orgonenergie so etwas wie ein zielstrebiges Bewußtsein enthalten sei. Aber andererseits war dies ja auch Nietzsches Punkt, daß so etwas wie „Willen“ in jeder Kraft sei – und trotzdem kann sich Harman mit vollem Recht gerade auf Nietzsche berufen.

Es ging Nietzsche darum die Dualität von äußerer („Energie“) und innerer („Bewußtsein“) Welt im Begriff des „Willen zur Macht“ aufzuheben. Harman beruft sich ganz zu Recht auf Nietzsche, um das Bewußtsein in seiner Bedeutung herabzudrücken – einem Nietzsche, der das Bewußtsein, bzw. den „Willen“ zum Kern der Natur erklärt hat.

Daß Blasband nicht ganz in der Wahrheit ist, sieht man allein schon daran, daß er so tut, als hätte Reich das, was er an ihm so liebt, nämlich Die kosmische Überlagerung („The Rooting of Reason in Nature“), am Ende seiner Laufbahn geschrieben, sozusagen als Reichs Lebenswerk krönenden Vorverweis auf Blasband, vielmehr hat Reich es aber schon 1951 veröffentlicht und verfaßt hatte er es schon Mitte der 1940er Jahre. Auf außerkörperliche Bewußtseinsphänomene ist Reich aber auch schon 1941-42 bei seinem Schizophrenie-Fall und gar schon in den 1930er Jahren bei seinen bioelektrischen Experimenten gestoßen. Es ist nicht gerade etwas Neues oder etwas was wie ein in die Zukunft weisender Leuchtturm isoliert im Reichschen Werk steht! Und auch Elsworth F. Baker hatte schon gesagt, es käme zwischen ihm und dem Patienten zu einem telepathischen Kontakt und auch er würde eine Bewußtseinsqualität im Orgon wahrnehmen.

Besonders wenn man durch die Nacht wandert und der Wind durch die Baumwipfel streicht, merkt man, daß etwas Lebendiges in der Luft ist, von dem auch Reich sprach und daß er besonders dramatisch im ORANUR-Experiment beobachtet hat. Verglichen mit diesem lebendigen Seufzen des Windes (das in den letzten Jahren abgestorben ist, wie E.F. Baker behauptet hat) ist Blasbands „universales Bewußtsein“ tot. Und auch Blasbands „Essenz“ ist, wie alle derartigen Konzepte, etwas zutiefst Geschlechtsloses, ein blutleeres, geschlechtsloses Abstraktum.

Blasband beruft sich auf folgende Äußerungen Reichs: „Da das ‚Selbst‘ nur eine kleine Einheit organisierter kosmischer Orgonenergie ist, ist diese volle Selbstwahrnehmung – tiefer gesehen – ein Schritt in der funktionellen Entwicklung der kosmischen Orgonenergie an sich“ (Die kosmische Überlagerung, S. 126f, Übersetzung verbessert). „Die Entdeckung kosmischer Orgonenergiefunktionen im Menschentier kann durchaus ein entscheidender evolutionärer Schritt vorwärts sein in Richtung auf eine funktionelle Einheit im Strom der kosmischen und intellektuellen Entwicklungen, in der alle Widersprüche aufgehoben sind“ (ebd., S. 134). Auch Konia gibt dies zu: „Reich drückt die Idee aus, daß eine subjektive, wahrnehmende Funktion irgendwie in der kosmischen Orgonenergie selbst existieren muß.“ Dem hält Konia dann aber entgegen: „Die Interaktion zwischen unbelebten Systemen (z.B. zwischen zwei Bionen oder zwischen einer Wolke und einem Cloudbuster) kann auf der Grundlage rein physikalischer Prozesse verstanden werden, wie z.B. gegenseitige Anziehung und Abstoßung oder orgonotische Erregung mit Energiefluß vom niedrigeren zum höheren Potential. Wir können nicht davon ausgehen, daß die Wahrnehmung, wie wir sie verstehen, auf diesen primitiven Organisationsebenen existiert“ (Konia: „The Perceptual Function“, Journal of Orgonomy, 18(1), 1984, S. 87). Das Problem ist nun aber, daß „mutual attraction, repulsion, and orgonotic excitation“ psycho-biologische Begriffe sind und exakt auf das verweisen, was Reich vom das Bewußtsein im kosmischen Orgonenergie-Ozean behauptet!

Wenn sich Blasband auf Reich beruft, daß ja schon im Orgon (im Unterbau schlechthin) Bewußtsein sei, kann ich nur sagen, daß dies auf einem grundlegenden Mißverständnis beruht, der dadurch entsteht, daß er im englischen Sprachraum großgeworden ist: während im idealistischen deutschen Sprachraum der Begriff „Wille“ (und selbst der „Geist“, also Blasbands „mind“ und „consciousness“!) eher mit den „irrationalen“ Trieben gleichgesetzt, sozusagen vom Solar plexus her interpretiert wurde (z.B. Schopenhauer und selbst Hegel, die ja beide zur Romantik gehörten), wird das gleiche Begriffsfeld im rationalistischen franko-englischen Sprachraum ganz hirnzentriert im Sinne von „willentlicher, gedanklicher Steuerung“ gebraucht. Wie deutsch doch die Orgonomie ist…

Die deutsche Bedeutung von „Wille“ erstreckt sich auch auf Hegels „Geist“, der dem „Orgon“ näher steht als dem englischen „mind“ oder selbst „spirit“. Wenn Reich also dem Orgon „Bewußtsein“ zuspricht, impliziert dies für Reich selbst etwas ganz anderes als für den englisch denkenden Blasband. Für Reich gehört es noch ganz zum triebhaften Unterbau in Übereinstimmung mit Freud und Marx. Nix mit „Neuem Bewußtsein“!

In „Zur Trieb-Energetik“ führte Reich 1923 aus, wie im Trieb Geistiges (Engramme) und Körperliches (Motorfunktion) untrennbar miteinander verbunden sind (Frühe Schriften, Köln 1977). Und in seinem Artikel „Orgonotic Pulsation“ von 1944 (Orgonomic Functionalism Summer 1991, S. 40f) widerspricht Reich der Meinung, daß man nur dem Menschen „Seelisches“ und die „Wahrnehmung“ zusprechen könne, vielmehr kann man aus biophysikalischer Sicht keine Grenze finden, bei der Wahrnehmung zur Pulsation hinzutreten würde. Da die Quantität einer biologischen Erregung mit der Qualität der Wahrnehmung korreliere, seien biologische Erregung und psychische Wahrnehmung funktionell identisch. Deshalb tauche mit der ersten plasmatischen Expansion und Kontraktion schon die Wahrnehmung auf. Auf der anderen Seite gäbe es keinen Hinweis darauf, daß auch die nichtpulsatile, nichtlebende Materie wahrnehme, ohne Pulsation gebe es keine Wahrnehmung – und umgekehrt.

Nach Konia („The Perceptual Function“, Journal of Orgonomy, 18(1), 1984) sind die beiden folgenden orgonotischen Formationen funktionell identisch:

  1. Entgegen der mechanistischen „Neuronenlehre“, in der das Neuron als „Schaltelement“ die kleinste funktionelle Einheit des Zentralen Nervensystems ist, gibt es in der Nervenzelle bestimmte „neuroplasmatische Flecken“, die Zentren orgonotischen Funktionierens sind. Dies entspricht den Bionen, die in der Orgonomie die Zellen als kleinste funktionelle Einheiten ersetzen. Spontan erzeugen diese „Flecken“ orgonotische Impulse und sind so die erste Stufe der Strukturalisierung der Wahrnehmungsfunktion der Orgonenergie, die in der Formation des Zentralen Nervensystems endet. Ebenso strukturieren sich auch Sinnesreize die zu energetischen Engrammen führen durch Änderungen in der neuronalen Eiweißsynthese und bestimmter Eigenschaften der neuronalen Zellmembranen und Synapsen.
  2. Der Medizinstudent Reich wurde von R.W. Semon beeinflußt, demzufolge Sinneseindrücke zu permanenten Veränderungen in den Nerven führen würden. Diese Engramme (Spuren) ermöglichen nach Semon die Assoziation und Erinnerung und sie gehen ins Erbgut ein. Alle Engramme zusammen bilden die Mneme, d.h. das biologische Gedächtnis. Konia geht nun davon aus, daß in den Zellen die Gene den „neuroplasmatischen Flecken“ entsprechende Zentren „plasmatischer ‚Erinnerung’“ bilden. Sie sind auch, auf einer primitiveren Ebene, Strukturalisierungen der orgonotischen Wahrnehmungsfunktion.

So sind neuroplasmatisches und genetisches Funktionieren in der Orgonenergie konfundiert. Dies zeigt sich auch darin, daß beide von ihr geordnet werden. Panzert sich z.B. das okulare Segent zu stark (z.B. bei Schizophrenie), wird der Orgonenergie-Metabolismus so schwer geschädigt, daß sich sowohl die psychischen Funktionen, als auch die Anatomie der Neuronen auflösen und Unordnung entsteht. Im Drogenrausch, der Meditation und in Reichianischen Therapien wird dies verbrecherischerweise hervorgerufen.

So werden unser „Geist“, unsere „neuroplasmatische Erinnerung“ und unsere Gene von der Orgonenergie erzeugt und bestimmt. Das Gehirn und das Erbrezept sind nicht die „Zentralregierung“, sondern das Protoplasma und die orgonotischen Funktionen sind das Bestimmende.

David Holbrook, M.D.: DIE FUNKTIONEN VON STAAT, WIRTSCHAFT, UNABHÄNGIGKEIT UND FREIHEIT IM VERGLEICH ZUM ZENTRALEN NERVENSYSTEM, DEM AUTONOMEN NERVENSYSTEM, DEN EMOTIONEN DER DER SPONTANEN AKTIVITÄT / DER MANGEL AN EMPATHIE, DER SICH HINTER DER OBERFLÄCHLICHEN IDEOLOGIE DER LINKEN VERBIRGT

28. Oktober 2021

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Die Funktionen von Staat, Wirtschaft, Unabhängigkeit und Freiheit im Vergleich zum Zentralen Nervensystem, dem Autonomen Nervensystem, den Emotionen und der spontanen Aktivität

Der Mangel an Empathie, der sich hinter der oberflächlichen Ideologie der Linken verbirgt

Orgonomisches Potential und Bewußtsein

20. Mai 2021

Aus funktionalistischer Sicht entwickelte sich das Bewußtsein wie folgt:

  1. der kosmische Orgonenergie-Ozean ist „erregbar“ (Wahrnehmung)
  2. mit der Bildung von Bionen und Einzellern die Pulsation im orgonotischen System (Emotion)
  3. im Verlauf der Evolution die Koordinierung unterschiedlicher Wahrnehmungen und Gefühlsregungen im Zentralen Nervensystem, dem Zentrum des Orgonoms (Bewußtsein)

Entsprechend gibt es drei mechano-mystische Theorien über das Bewußtsein:

  1. Das Gehirn wird als eine Art „Radioempfänger“ betrachten, der ein „Bewußtseinsfeld“ empfängt.
  2. Bewußtsein ist schlicht eine Art „geistiges Wesen“, das den menschlichen Organismus okkupiert.
  3. Es wird als eine Art „innerer Projektionsschirm“ betrachtet. Frei nach Konrad Lorenz und Hans Hass kann man sich das etwa wie folgt vorstellen: Um sicher von Baum zu Baum springen zu können, mußten die Affen den Sprung vorher innerlich simulieren, sozusagen als inneren Film vor dem geistigen Auge abspielen. Daraus hat sich dann nach und nach das Bewußtsein entwickelt.

K. Lorenz führt das menschliche Vorstellungsvermögen auf die bei höheren Tieren entwickelte „Raum-Repräsentanz“ zurück. Wenn etwa Affen von einem Ast zum anderen springen, müssen sie vorher gleichsam „theoretisch“ ermitteln, ob dieser Sprung praktisch möglich ist. Aus dieser Fähigkeit könnte sich der innere Projektionsschirm unserer „Phantasie“ weiterentwickelt haben. (Hans Hass: Der Hai im Management, München 1988, S. 310)

Alle drei Theorien haben etwas für sich:

  1. Die Vorstellung von „Radioempfänger“ macht in mystischer Verkleidung deutlich, daß man das Bewußtsein nicht auf das Gehirn beschränken kann.
  2. Der „Geist in einer fleischlichen Hülle“ macht deutlich, daß wir tatsächlich primär keine „materiellen Wesen“ sind, sondern freie Orgonenergie, die in einer Membran gefangen ist. Die dergestalt hervorgerufene Trennung zwischen Außen und Innen ist der letztendliche Urgrund des Phänomens Bewußtsein.
  3. Entsprechend macht die Theorie von Konrad Lorenz und Hans Hass deutlich, daß es sich beim Bewußtsein um eine Widerspiegelung der Außenwelt handelt. Wären wir wirklich im Kern „überweltliche“ Wesen, könnten wir kaum überleben.

Das ist das Bewußtsein objektiv betrachtet, aber Kennzeichen von Bewußtsein ist ja gerade seine Subjektivität. Wie kann man diese Seite konzeptionell erfassen?

Die Antwort für diese „unlösbare Frage“ ist denkbar einfach, wenn wir uns überlegen, was denn das Gegenteil von Bewußtsein ist. Chaos! Maximale Entropie.

Hier kommt der Gegensatz von mechanischem Potential (wachsende Entropie) und orgonomischem Potential (abnehmende Entropie) ins Spiel.

Ein mechanisches Uhrwerk, das zu Boden fällt, zerspringt in seine Einzelteile. Die zeitliche Umkehr dieses mechanischen Vorgangs, daß nämlich Schrauben, Federn und Zahnräder sich spontan zu einer laufenden Uhr zusammensetzen, wurde bisher nicht beobachtet. (…) Eine Kanne mit warmem Kaffee kühlt spontan auf die sie umgebende Zimmertemperatur ab. Der umgekehrte Vorgang einer spontanen Mehrerwärmung gegenüber der Zimmertemperatur wurde bisher noch nicht beobachtet. (Klaus Mainzer: Zeit, München 1995, S. 73f)

Wurde doch! Und zwar beim sich spontan erwärmenden Orgonenergie-Akkumulator, wie James DeMeo vor einigen Jahren erneut und zwar wissenschaftlich endgültig nachgewiesen hat. Und was die spontan sich zusammensetzende Uhr betrifft: nichts anderes ist die Entwicklung der Lebewesen, die schließlich im Menschen kulminierte und sich auf höherer Ebene fortsetzte. Um das nachzuweisen habe ich lang und breit Hans Hass Energontheorie präsentiert. (Siehe Die Orgonomie und die Energetik (Teil 3).) Entsprechend kann man auch einfach sagen: daß es Uhren überhaupt gibt, ist der Beweis dafür, daß in der Natur ein Prozeß existiert, der der Entropie entgegenarbeitet.

Entropie ist Information, welche nicht zur Verfügung steht. Es war eine wichtige Entdeckung von Ludwig Boltzmann, daß die Entropie, die zuerst als eine rein thermische Größe definiert worden war, etwas mit Information zu tun hat. In der statistischen Deutung der Thermodynamik wurden die untersuchten Systeme als aus lauter kleinen Teilchen bestehend aufgefaßt. Wenn man nun Kenntnis über den globalen Systemzustand hatte, zum Beispiel über sein Volumen, seine Temperatur und den Druck, dann reicht diese Kenntnis nicht aus, um auch noch Genaues über die unzähligen einzelnen Bestandteile zu wissen. Die Information, die ein allwissender Dämon zu unserer bloß makroskopischen Kenntnis noch hinzugewinnen könnte, ist gerade gleich der Entropie. In diesem Sinne soll der obige Satz verstanden werden. (Thomas Görnitz: Quanten sind anders, Heidelberg 1999, S. 249)

Was die „Maxwellschen Dämonen“ betrifft siehe meine Ausfährungen hier.

Entropie ist Information, welche nicht zur Verfügung steht. Im Umkehrschluß bedeutet das, daß jeder Faktor, der der Zunahme von Entropie, sozusagen der „Zunahme von Nichtwissen“, entgegenarbeitet mit Informationsgewinn verbunden sein muß. Man denke nur an die Lebewesen, die aus einer Planetenoberfläche, die nicht mehr war als ein Haufen Geröll, eine wunderbar geordnete „Landschaft“ gemacht haben, in der „alles seinen Platz“ hat.

Je mehr sich ein System der Tendenz zur zunehmenden Entropie widersetzt, nimmt es desto eindeutiger eine orgonomische Gestalt an. Das reicht von der Orgonomform bestimmter Einzeller bis zur Spiralform der Galaxien. Es ist geradezu zwangsläufig, daß am Ende dieses Prozesses innerhalb von Galaxien auf Planeten schließlich Lebewesen auftreten, die ein Bewußtsein entwickeln. Bewußtsein ist schlichtweg der höchste Ausdruck von Ordnung.

Ich höre dich an, ich lese deine Sachen, ich schaue mir deine Wohnung an – und weiß alles über deinen „Grad an Bewußtsein“ und sogar über die groben Umrisse deiner „Subjektivität“!

Die bioenergetischen Grundlagen der indischen Mystik

23. Januar 2021

Die indische Mystik beruht auf den beiden Energiesystemen im Menschen: 1. das „energetische Orgonom“, wo die Energie vom Steißbein ausgehend den Rücken emporfließt und dergestalt das Zentrale Nervensystem mit Rückenmark und Gehirn nachzeichnet; und 2. das „orgonotische System“ (Pulsation), das sich im Vegetativen Nervensystem niederschlägt (Parasympathikus und Sympathikus), welches im Sonnengeflecht, also im Oberbauch, sein Zentrum hat.

Das erstere System kommt im Kriya-Yoga, wie ihn etwa Paramahansa Yogananda (der Pop-Guru der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts) vertreten hat, noch am besten zum Ausdruck. Durch Atemübungen und Konzentration auf das „Dritte Auge“ auf der Stirn soll die Lebensenergie mobilisiert werden, die ihren Hauptsitz im Zentralen Nervensystem habe. Die mobilisierte und „gereinigte“ (entsexualisierte) Energie soll das Rückenmark hochsteigen und sich im Gipfelpunkt des Schädels in einem „kosmischen Orgasmus“ mit Gott vereinigen.

Das zweite System kommt in der Transzendentalen Meditation von Maharishi Mahesh Yogi (der Pop-Guru der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) zum Ausdruck. Man stellt sich die Gedanken (und damit letztendlich das gesamte Universum) als Luftblasen vor, die vom Seeboden aufsteigen. Mittels der Konzentration auf Mantras gilt es diese „Luftblasen“ auf ihren Ursprung zurückzuverfolgen und mit dem Seeboden (dem „Brahman“) eins zu werden, mit anderen Worten dem „Seelengrund“ – dem Solar plexus.

Schaut man sich unvoreingenommen den typischen indischen „Heiligen Mann“ an, fällt einem sofort ins Auge: „Den kenne ich doch!“ Das Gehabe, der Körperausdruck, das Lächeln, der Augenausdruck, die wohlfeilen „Weisheiten“ – im Westen sind genau so ein Gutteil der Obdachlosen, hirnorganisch Behinderte, insbesondere aber katatone Schizophrene (der den kundigen Briten in Indien stets als erstes ins Auge sprang!):

In ausnahmslos allen Gesellschaften dieser Welt wurden aus diesem unproduktiven Teil der Gesellschaft die Schamanen und Medizinmänner, die sich in Indien in „Yogis“ transformierten. Im Westen machte man sie zu Mönchen und teilweise zu katholischen Priestern.

Ich stelle in keinster Weise in Abrede, daß sie ein inniges Verhältnis zur kosmischen Orgonenergie haben (man lese nur Reichs Fallgeschichte einer Schizophrenen in Charakteranalyse!) und daß sie teilweise schier unfaßbare Fähigkeiten haben (etwa nackte Sadhus, die den Winter im Himalaya überleben), aber mir kann keiner erzählen, daß extreme Pathologie irgendwo hinführt als zu mehr Pathologie. Man schaue sich doch bitte Indien an: mehr Faschismus, mehr Rassismus, mehr Sexualpathologie geht gar nicht:

Der eine Aspekt, der wirklich alle mystischen Lehrer Indiens vereint, ist die Aussage, man solle Kontakt mit seinem „wahren Ich“, dem Selbst aufnehmen. Für uns bedeutet das, Kontakt mit dem bioenergetischen Kern jenseits der Panzerung aufzunehmen. Doch beim indischen „Weisheitslehrer“ bedeutet das etwas grundlegend anderes: die Wahrnehmungsfunktion löst sich von der Erregung, d.h. das Ich zerfällt, und all die Rituale, Atemübungen etc. dienen dazu eine neue Scheinidentität aufzurichten. Es ist ähnlich wie bei Transvestiten, die in ihrer Rolle, Kleidung und Aufmachung als Frau vor Ekstase und Seligkeit schier platzen, „ihr wahres Ich leben“, aber wenn das alles wegfällt, nur noch ein Häufchen Elend sind. Also: immer schön meditieren, die Mantras aufsagen, den Atem kontrollieren und nie das geistige Umfeld verlassen! Om Shanti!

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 14)

12. Dezember 2020

In Teil 13 brachte ich die Konservativen, der doch primär „aus dem Bauch heraus“ lebt, mit der „Stimme der Vernunft“ in Zusammenhang. Hier möchte ich die bioenergetischen Hintergründe erläutern:

Der Konservative (gekennzeichnet durch das Vorherrschen der orgonotischen Pulsation, die im Vegetativen bzw. Autonomen Nervensystem [ANS] organisiert ist) und der Liberale (energetisches Orgonom, Zentrales Nervensystem [ZNS]) haben zwei völlig verschiedene Arten von Gewissen (Über-Ich). Das Gewissen des Konservativen ist sein „liberaler“ Verstand, seine Vernunft. Das Gewissen des Liberalen ist sein „konservatives“ Herz, seine Gefühle. Aus diesem Grund insistieren die bauchgesteuerten Konservativen wider Erwarten immer auf die Vernunft („sei vernünftig“), während gerade die „Kinder des Zeitalters der Vernunft“ IMMER das Gefühl auf die unangemessenste Weise beschwören. Plötzlich ist ein schwarzer Kleinkrimineller im Gegensatz zu jedweder Vernunft ein Heiliger, während ausgerechnet Konservative auf ihren Kopf deuten und rufen: „Gebrauche deinen Verstand!“ Die Konservativen verbeugen sich vor dem, was ihnen am meisten mangelt: die „liberale“ vom energetischen Orgonom geprägte „ZNS-Vernunft“. Liberale verneigen sich dementsprechend vor dem komplementären Gott: dem „konservativen“ Herz, Pulsation, ANS. (Nicht von ungefähr hieß die linksradikale Zeitschrift des deutschen „Reichianismus“ emotion!)

Beide Seiten folgen der Stimme ihres „höheren Selbst“. Für den Konservativen (der einseitig auf Pulsieren beruht) muß dieses höhere Selbst natürlicherweise sein fehlender Anteil sein – das energetische Orgonom, das im ZNS organisiert ist: VERNUNFT. Während für den Liberalen (der nur energetisches Orgonom ist) der göttliche, höhere Anteil in ihm die Pulsation sein muß, die im ANS organisiert ist: EMOTION. Beide wollen wieder vollständig, wieder ganz werden und zerstören bei diesem ihrem Selbstheilungsversuch ihr soziales Umfeld. Die Konservativen haben mit ihrer anti-emotionalen Haltung vor allem Kinder terrorisiert: „Sei vernünftig und benimm dich, du primitiver Wilder!“ Die Liberalen hingegen terrorisieren uns mit ihren ach so kostbaren „Gefühlen“. Beide kreuzigen dabei das lebendige Leben.

Zur Illustration denke man bei diesem Streben nach der Einheit von Pulsation und energetischem Orgonom an Platons Gedanken, daß der Mensch ursprünglich eine männlich/weibliche Einheit war, die sich spaltete und seitdem versucht, sich wieder zu vereinen, woraus, nach Plato, die Anziehung der Geschlechter entstand. Ebenso spaltete sich der Mensch in ANS/Pulsation (konservativ) und ZNS/Orgonom (liberal) auf und versucht nun wieder ganz zu werden. Daher kann man Politik als eine Art „Eros“ betrachten: der Konservative BRAUCHT die Auseinandersetzung mit dem Liberalen und umgekehrt. Diese vermeintlich „politische“ Aktivität ist in gewisser Weise „platonischer Sex“.

Ich fasse zusammen: Genitalität ist die harmonische Einheit von Pulsations- und Orgonom-Aktivität. Die Panzerung spaltet die Menschen in eine Person, die entweder von Pulsation (konservativ) oder dem energetischen Orgonom (liberal) dominiert wird. Beide versuchen wieder ganz (genital) zu werden, indem sie entgegen ihrer einseitigen Natur auf „vernünftige Verantwortung“ (wie es der Konservative tut) bzw. „emotionale Freiheit“ (wie es der Liberale tut) insistieren. Der „Gott“ des Konservativen ist die Vernunft, der „Gott“ des Liberalen ist das Gefühl. Politische Aktivitäten, also das Ausleben der Spaltung in Konservative und Liberale, sind ein neurotischer Versuch, diese Spaltung zu heilen und die Arbeitsdemokratie wiederherzustellen. Die Konservativen waren entsetzt, als Obama immer die Emotionen ansprach, die Liberalen sind entsetzt, wenn Trump, „dieses unsensible Schwein“, versucht, die vor allem wirtschaftliche Vernunft anzusprechen. Beide Seiten arbeiteten einst in der autoritären Gesellschaft perfekt zusammen beispielsweise in Amerika, als z.B. beide die gleichen Emotionen in Bezug auf die Nationalhymne, die Gründerväter, Old Glory usw. hatten und beide noch vernünftig waren, beispielsweise in Bezug auf das Funktionieren des Kapitalismus.

Zum Schluß möchte ich zwei Antikommunisten zitieren:

William Schlamm: „Der Marxismus, der sich selbst gerne als exakte Wissenschaft sieht, triumphierte als Gefühl.“

Bertram Wolfe: „Als ein Ismus ist der Marxismus in all seinen vielen Spielarten zutiefst gefühlsbetont und wird von formulierten Argumenten gespeist, die aber Emotionen entspringen. Daher kann er nicht durch bloße rationale oder faktische Zurückweisung von noch so vielen konkreten Vorschlägen erschüttert werden, selbst wenn es sich um wesentliche Bestandteile seines logischen Gebäudes handelt.“