Ein Bollwerk gegen Barbaren

23. April 2025

Die frühen Zionisten waren im Osmanischen Reich gar nicht in der Lage jemanden zu vertreiben. Sie haben Brachland urbar gemacht und Land gekauft. Nicht viel anders als die Juden vor ihnen, die sich vor und nach den Kreuzfahrern wieder im Heiligen Land angesiedelt hatten. Warum wurde im letzten Jahrhundert daraus so ein haßerfüllter Kampf? War es nicht deshalb, weil die Moslems es nicht ertragen konnten „halbnackte“, selbstbewußte Frauen und ungezwungene Jugendliche vor ihrer Nase zu sehen?! Das lebendige Leben kehrte ins abgestorbene Kernland Saharasias zurück. Saharasia hat sich gewehrt und wehrt sich noch heute und treibt die ganze Welt in den Wahn, daß es kein anderes Problem gibt als ausgerechnet die „Palästinenserfrage“. Die UNO (eine Ansammlung von undemokratischen Regimen, die zu einem Gutteil mit Völkermorden beschäftigt waren und teilweise noch sind) scheint ja kein anderes Thema zu kennen. Das DOR kämpft gegen das frische Orgon.

Das ist keine bloße Theorie, denn wir selbst erleben genau das gleiche tagtäglich, beispielsweise in jeder Schule. Eine alles bestimmende Schwere, Brutalität und vor allem Gruppendruck hält Einzug; Geschlechtertrennung, strenge Verhaltensmaßregelungen, hierarchisches Denken, atavistische Moralvorstellungen. Es sind die gleichen Barbaren, die den Anblick der jungen Zionisten nicht ertragen konnten; Moslems, die heute deutschen (!) Familien das Leben zur Hölle machen.

Es wird akzeptiert, daß Moslems ihre Töchter vom Biologie- und Sportunterricht abmelden und nicht auf Klassenfahrt lassen – weil göttliches Recht weltliches Recht bricht „und daran haben sich die Deutschen zu halten“.

Der Islam-Wissenschaftler Hans-Peter Raddatz zeigt in seinem Buch Allahs Schleier (Die Frau im Kampf der Kulturen) anhand des Kopftuchs, daß der Islam eine wirksame Strategie zur Islamisierung Europas entwickelt habe. Mit der Durchsetzung „verfassungsmäßiger Rechte für islamische Frauen“ wird in Europa die Scharia durchgesetzt. Das Kopftuch ist nicht nur das Zeichen, daß die Frau dem Mann unterworfen ist, sondern repräsentiert das gesamte islamische Recht: die Unterwerfung der Gesellschaft unter den Willen „Gottes“.

Charakteristischerweise wurde weltweit nicht nur von Islamisten, sondern auch von linken „Antirassisten“ gegen das Verbot des Kopftuchs in französischen Schulen demonstriert. Das Kopftuch wird perverserweise zum Symbol von „Modernität“ und „Menschenrechten“.

Zur gleichen Zeit sagte die durch ein „Kopftuch-Urteil“ berühmt gewordene muslimische Lehramtsanwärterin Fereshta Ludin auf einer Veranstaltung in einem evangelischen Gemeindehaus, die Ablehnung ihrer Übernahme in den Schuldienst, weil sie auch vor der Schulklasse ein Kopftuch trage, sei „unvereinbar mit den Vorstellungen von Freiheit, Bürgerrechten und Demokratie in diesem Lande.“ Sie werde diskriminiert. Die Deutschen hätten wenig aus ihrer Geschichte gelernt. „Ich fühle mich wie kurz vor dem Holocaust.“

Sogar die Shoa wird instrumentalisiert, um in diesem Land ungestört eine islamische Subkultur errichten zu können. Im Namen der ermordeten Juden wird von uns verlangt, den Todfeinden Israels mit Toleranz zu begegnen. Wir sollen „Kopftücher“ (in Wirklichkeit die Uniform der Islamisten, die nichts mit traditioneller moslemischer Bekleidung zu tun hat) akzeptieren. Faktisch wird von uns verlangt, freudig zu tolerieren, daß von Haß zerfressene Islamistinnen in einer Art SS-Uniform vor unsere Kinder treten, um sie zu unterrichten. Abertausende (Islamo-) Nazis werden eingebürgert, weil – „wir aus unserer Geschichte gelernt haben“.

In Zum Gedenken an James DeMeo (14.1.1949 – 3.4.2022): Die „Saharasia-Theorie“ (Teil 8) habe ich auf die Aussage von Hans-Peter Raddatz verwiesen, daß es in Deutschland bereits jetzt Elemente der Scharia in der Rechtssprechung gebe: Muslime werden für die gleiche Tat milder bestraft als der Rest der „Be-Völkerung“. Dazu sozusagen von oberster Stelle:

Winfried Hassemer, 1996 bis 2008 Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, will mildere Urteile für Ehrenmorde. Die Täter lebten „nach anderen Mustern“ und es sei ihnen vielleicht gar nicht bewußt, daß ihre Tat in Deutschland als Mord gewertet werde. Man müsse Rücksicht „auf den Zustand eines normativen Bewußtseins“ nehmen, das sei „modern und menschenfreundlich“. Modern und menschenfreundlich!

Ab und an findet man sogar in deutschen Medien so etwas wie Realität. Etwa wenn man folgendes zu lesen bekommt:

Sie heißen Serap, Ayse oder Günay, kommen aus der Türkei, Algerien oder dem Kosovo und sind auf der Flucht vor ihrer Familie. Sie sind 16, 17 Jahre als, also noch halbe Kinder, aber sie sollen verheiratet werden – an den Cousin oder einen Mann aus ihrem Heimatdorf. Krumm von Prügeln und in Todesangst haben sie sich in Frauenhäuser oder vom Jugendamt angemietete Wohnungen geflüchtet. Für die Mädchen geht es tatsächlich um Leben und Tod.

Wie in in den Ursprungsländern dieser Mädchen und Frauen zugeht, beschreibt Souad in ihrer Autobiographie Bei lebendigem Leib. Hier wird der wirkliche, nämlich sexualökonomische, Hintergrund des „Nahostkonflikts“ beleuchtet.

In Sabatina: Vom Islam zum Christentum – ein Todesurteil beschreibt die 21jährige Pakistanerin Sabatina James ihre tragische Lebensgeschichte, die ein bezeichnendes Licht auf die Realität des Islam und die imgrunde reaktionäre Vision einer „multikulturellen Gesellschaft“ wirft.

Als 10jährige folgt Sabatina ihrer Familie in die österreichische Provinz. Sie lebt sich schnell ein. Dabei kollidiert sie immer häufiger mit den Moralvorstellungen ihrer Eltern. Kurz nach ihrem 16. Geburtstag verschleppen sie ihre Eltern nach Pakistan, weil sie ihnen zu westlich geworden ist. In der Koran-Schule wird sie geschlagen und mißhandelt. Zu ihrem 17. Geburtstag wird sie (wie in der islamischen Welt üblich) zur Heirat mit ihrem eigenen Cousin gezwungen! Nach ihrer Rückkehr in den Westen liest sie die Bibel: Nächstenliebe statt Kampf und Vergeltung. Die Konvertitin wird von ihrer Familie zum Tode verurteilt.

Nicht Kulturen sind zu respektieren, sondern Individuen, insbesondere die sexuelle und „spirituelle“ Integrität des Kindes!

Dem Buch Der Multikulti-Irrtum von Seyran Ates zufolge müssen muslimische Mädchen und junge Frauen häufig den Analverkehr über sich ergehen lassen; die Methode würde zuverlässig nicht nur die Empfängnis, sondern vor allem die Entjungferung verhüten. Vernünftige Erhebungen zum Thema kann man sich kaum vorstellen. Man kann nur beispielsweise auf die „sotadische Zone“ verweisen (auf die ich am Ende zurückkommen werde) und auf sich häufende Anekdoten, wie die folgende aus einem „Sexforum“:

hatte mal eine perserin als freundin. diese wurde gezwungen, jemanden zu heiraten den die familie ausgesucht hat. sie musste als jungfrau die ehe eingehen. ich hatte fast ein jahr lang spass mit ihr. sie machte alles ausser normalen gv. fuer sie war anal das beste ueberhaupt. sie konnte nicht genug davon kriegen.

Man lese auch unbedingt den Artikel Artikel „Gefangen im Unaussprechlichen“ aus der Süddeutschen Zeitung:

Kundruns wirklicher Horror aber, das sind eingesperrte und vergewaltigte Ehefrauen, mißbrauchte Töchter. Sie erzählt von einem Mädchen, in deren Mund sich eine Geschlechtskrankheit eingenistet hatte, vom Bruder übertragen. Von einer Fünfjährigen, deren Anus zerrissen ist, weil sie anal mißbraucht wurde, um das Jungfernhäutchen zu schützen. „Tor zwei“ nennen Musliminnen das: Analverkehr, um die Jungfräulichkeit zu bewahren; diese Sexualpraktik nutzen Männer, wenn ein junges Mädchen in der Hochzeitsnacht unberührt wirken soll.

In ihrem Buch Die fremde Braut beschreibt die deutsch-türkische Soziologin Necla Kelek, wie aus Gastarbeitern Türken und aus Türken Moslems wurden. „Importbräute“ (so gut wie immer Cousinen) werden aus der Türkei geholt, hier wie Gefangene gehalten und als Brutmaschinen mißbraucht. Eine vom deutschen „Sozialstaat“ subventionierte systematische Türkisierung bzw. Islamisierung der deutschen – „Be-Völkerung“.

Das besondere an ihrer Arbeit ist der quasi „sexualökonomische“ Blick ins Intimleben. Beispielsweise beschreibt sie, wie sie selbst auf das Eheleben vorbereitet wurde:

Auch ich wurde von meiner Tante in die „Kunst der Liebe“ eingewiesen. Ich war 14, und sie sagte mir, wie man es mit einem Mann machen soll: „Du legst dich hin, machst die Hände zur Faust und schließt die Augen. Und ‚o gelir ve bosalir’, er kommt und entleert sich. Aber wenn du dich bewegst, wird er sich lange an dir aufhalten.“ Seit 25 Jahren mache sie es so, und ihr Mann habe sich noch nie beklagt. (S. 217)

Kelek fordert das Verbot der Verwandtenehe, da die Türken in Deutschland die Tendenz haben, innerhalb der Großfamilie zu heiraten. Der immense Schaden am Genpool wird als „Kismet“ hingenommen (S. 231f).

In einem israelischen Reiseführer lesen wir über das Volk der „Samaritaner“:

Viele der Samaritaner leben in ärmlichen Verhältnissen, einige sind auch geistig zurückgeblieben, was seinen Ursprung darin hat, daß die zahlenmäßig so geringe Gemeinschaft nur innerhalb ihrer Gruppe heiratet.

Daß solche Inzucht zur biologischen Degeneration führt, zeigen z.B. auch die Parsen in Indien. Parsinnen haben zehnmal häufiger Brustkrebs als gleichaltrige Hindu-Frauen.

Zeugungsunfähigkeit und ein schwach entwickeltes Sexualleben sind weit verbreitet unter den Parsen. (…) Viele Parsen sind anämische Erscheinungen, haben Boris-Karloff-Gesichter mit breiten Schattenhöfen um tiefliegende Augen. (Der Spiegel 7/87, S. 131f).

Es ist leicht und risikolos, so etwas über Minderheiten wie die Parsen oder die gerade mal 400 Samaritaner zu sagen. Aus naheliegenden Gründen wird nie erwähnt, daß ganz Saharasia dieser biologischen Katastrophe anheim gefallen ist, denn (ähnlich der von Reich in Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral als [sexual-] ökonomischer Grundmechanismus des Patriarchats analysierten „Kreuz-Vetter-Basen-Heirat“) heiraten Türken, Araber, Perser, Pakistani, etc. fast durchgängig nur innerhalb der Großfamilie. Dadurch ist z.B. in Jordanien erbliche Blindheit mittlerweile ein Massenphänomen.

Die Zahlen sind beunruhigend – im Mittleren Osten ist die Rate der Erbschäden weltweit am höchsten. Fachleute machen die hohe Rate von Ehen zwischen Verwandten verantwortlich.

Daß die Probleme dieser Welt ausschließlich bio-sozialer, d.h. sexual-ökonomischer Natur sind, zeigt auch das Buch Söhne und Weltmacht von Gunnar Heinsohn, das den Effekt einer überproportionalen Ausstülpung der Alterspyramide in der Altersgruppe bis 24 thematisiert. Es geht um die „überschüssigen Söhne“, vor allem im Mittleren Osten, die verzweifelt um Ansehen, Einfluß und Würde ringen und das bilden, was Osama Bin Laden als „Jugend Gottes“ bezeichnet hat: eine zu allem entschlossene, sexuell hochgradig frustrierte Masse, die uns als unreinen, untermenschlichen Dreck betrachten.

Die „Jugend Gottes“ in Deutschland ist Thema des Buches
Auge um Auge, Zahn um Zahn? von Peter Wetzels und Katrin Brettfeld. Es handelt von „Migration, Religion und Gewalt junger Menschen: Eine empirisch-kriminologische Analyse der Bedeutung persönlicher Religiosität für Gewalterfahrungen, -einstellungen und -handeln muslimischer junger Migranten im Vergleich zu Jugendlichen anderer religiöser Bekenntnisse“.

Für 90% aller türkischstämmigen Jugendlichen hat ihre Religionszugehörigkeit große Bedeutung. Das ist deshalb bedenklich, weil je stärker sich junge Muslime zu ihrer Religion bekennen, sie desto eher Gewalt für ein legitimes Mittel der Auseinandersetzung halten. (Bei allen anderen Bekenntnissen ist es umgekehrt. Was die Frage aufwirft, ob man den Islam als „Religion“ betrachten darf – oder als Erscheinungsform der Emotionellen Pest wie Kommunismus oder Nationalsozialismus.)

Türkische Jugendliche erleben in ihren Familien ungewöhnlich viel Gewalt: in Konflikten reagieren die Eltern untereinander gewalttätig und die Erziehung der Kinder ist erst recht durch elterliche Gewaltausbrüche und den Anspruch auf unbedingten Gehorsam geprägt. Und das wird im Laufe der vermeintlichen „Integration“ nicht besser, sondern schlimmer. Vor allem, weil in der Fremde der traditionelle Islam nicht etwa durch den „Euro-Islam“, wie er einst vom Kalifen Heiner Geißler anvisiert wurde, sondern durch einen fundamentalistischen, wahabitischen Islam abgelöst wird.

Mit dem ungeheuren Gewaltpotential sind, Wetzels zufolge, bestimmte Vorstellungen von „Ehre“ und „Männlichkeit“ verknüpft. Leider erwähnt er nicht den sexualökonomischen Hintergrund. Die Türkei gehört zu dem, was Sir Richard Burton im 19. Jahrhundert als „sotadische Zone“ bezeichnet hat (sie ist mit „Saharasia“ deckungsgleich). Ein Kulturkreis, in dem aufgrund jahrhundertelanger Geschlechtertrennung Homosexualität und die damit einhergehenden Rituale, etwa was die Bedeutung des Blickkontakts zwischen Männern („Was guckst Du so?!“) betrifft, das Gefühlsleben prägt. Man fühlt sich ständig „angemacht“ und hinter-gangen. Die Paranoia ist tief verankert und durchdringt alle Bereiche des Lebens.

Ein typischer Schnappschuß aus dem multikulturellen Leben:

Auf dem Pressefoto sieht der gebürtige Tunesier Nasreddibe M. (40) haargenau wie Che Guevara aus inkl. Barett (bzw. Baskenmütze). Vom Amtsgericht St. Georg (Hamburg) wurde der Familienvater 2006 zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er hatte seine beiden Söhne (11, 13) aus nichtigen Anlässen mit Schlägen, Tritten und regelrechten Folterungen (etwa eine Hand auf die heiße Herdplatte pressen) bestraft. Außerdem zwang er sie, Hinrichtungsvideos aus dem Irak-Krieg anzuschauen. Weil der Angeklagte möglicherweise unter einer schizophrenen Störung leidet, wurde ihm vom Gericht verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt. Trotzdem brüllte er die Richterin an: „Allahu akbar! Sie können ruhig noch ein Jahr drauflegen.“

In Der politische Irrationalismus aus orgonomischer Sicht zeige ich, wie der linksliberale Charakter unsere Gesellschaft zerstört. Im Christusmord (Freiburg 1978, S. 382) schreibt Reich, es wären die Liberalen gewesen, die durch ihre feige und verantwortungslose Politik Deutschland dem Nationalsozialismus ausgeliefert hätten. Heute sind es die gleichen „Humanisten“, die einer neuen „Machtübernahme“ Vorschub leisten.

Max Stirner, Soter (Teil 5)

22. April 2025

Betrachten wir, was Stirners größter, wenn nicht überhaupt sein eigentlicher Widersacher einzuwenden hat: Auch wenn Nietzsche ihn nirgends erwähnt, stellt doch sein Gesamtwerk eine Kritik der optimistischen Anthropologie Stirners dar. Für den „heroischen Pessimisten“ Nietzsche war jedes „eigentlich“ Werden des (für Nietzsche) angeblich entfremdeten Menschen eine Illusion. Man könne sich nicht, so Nietzsche, außerhalb des kranken Getriebes stellen und objektive Kritik üben, wie es alle „Offenbarungen“ tun. Man könne sich nicht, wie Stirner es tut, außerhalb der krankmachenden Moral stellen, da nach Nietzsche alles Moral ist; alles ist Bewertung, Perspektive, d.h. das Aufzwingen von Standpunkten, von „Ideen“. „Die Welt ist Wille zur Macht und nichts außerdem.“ Die Welt selbst hat sozusagen eine sadomasochistische Struktur, so daß das rationale Funktionieren „egoistischer Vereine“ ausgerechnet beim grausamen Raubtier Mensch abwegig sei.

Stirners „Eigner“ hingegen argumentiert nicht aus der Perspektive des Strebens, d.h. des Willens zu Macht, heraus, sondern aus der der bloßen Bewahrung seiner Eigenheit gegen die Enteignung durch die Gesellschaft, d.h. aus der Schwäche heraus, die für Nietzsche gleichbedeutend mit der Lüge ist. Wenn Wahrheit überhaupt einen Sinn mache, dann sei es die Sicht von einer höheren Perspektive, von der größeren Macht her, – die groß genug ist, um sich nicht zu bewahren, sondern „heroisch“ verschwenden zu können. Für Nietzsche gibt es kein authentisches, wahres Leben außerhalb der „Wertsetzungen“, d.h. „Machtsetzungen“. Hinter jeder Maske gäbe es nur wieder eine weitere Maske, ohne zu einer „Eigenheit“, bzw. „Eigentlichkeit“ vordringen zu können. Von daher sei Eigenheit bzw. „Eigentlichkeit“ die Lüge der Schwachen, deren beschränkte Perspektive kaum über die Grasnarbe reiche. Nietzsches implizite Kritik an Stirner bestand in der Entlarvung dieses Ressentiments des Grashüpfers. Nietzsches Moral war, nicht die Schwäche als „Wahrheit“ zu verkaufen, sondern die Wahrheit aus eigener Machtfülle zu „setzen“.

Nietzsches Haltung zu Stirner entspricht ziemlich genau der Haltung Freuds zu Reich: der abgeklärte Blick des desillusionierten Aristokraten hinab auf den ungestümen kindlichen Romantiker, der sich naiv den vermeintlich wahren „eigentlichen“ Gefühlen, der vermeintlich „guten Natur“ hingibt, „sein Steckenpferd reitet“. Aber warum wurde dieser Konflikt nie offen ausgetragen? Warum schwiegen Nietzsche und Freud ihren jeweiligen Antipoden tot? Die Antwort findet sich in den letzten Schaffensperioden der beiden Männer. Nietzsche wandte sich am Ende von seiner Philosophie des „Willens zur Macht“ ab und dem lebendigen Urgrund seines Denkens zu. In seiner wenn man so will „Autobiographie“ Ecce homo war Nietzsches letztes Thema Nietzsche selbst und der Durchbruch zum Authentischen, der ihm ja auch schließlich auf verzerrte Weise durch das Absinken in den Wahn gelungen ist.

Nietzsche konnte sich nicht mit Stirner explizit auseinandersetzen, ohne sich (im doppelten Sinne des Wortes) zu verraten. Ähnlich gelagert war es mit Freud, der zum Schluß doch an der gegenüber Reich verteidigten „Kultur“, mit der das Untier Mensch zu zivilisieren sei, zu zweifeln anfing.

Als Freud vor den Nazihorden 1938 nach England flüchten mußte, machte er Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, daß er an seinen eigenen Spekulationen zweifelte. Vielleicht ließen sich Neurosen vermeiden, schrieb er, wenn man das kindliche Sexualleben frei gewähren ließe, wie es bei vielen Primitiven der Fall war. Er war verunsichert, ob die Ätiologie der Neurosen nicht doch komplizierter sein würde, als er sie ausgeführt habe. Er ließ es dahingestellt, ob nicht eine zu frühzeitige Eindämmung des Sexualtriebes eine negative Wirkung auf die spätere Kulturbereitschaft bewirken könnte. Er sprach zynisch von einem „hochgeschätzten“ Kulturbesitz, von dem vieles auf Kosten des Sexualtriebes erworben wurde. In seinem letzten Brief an Arnold Zweig drückte er seinen Mißmut über Zweigs Bewunderung des Buches Das Unbehagen in der Kultur mit den Worten aus: „Was Sie für trostreiche Aufklärung in meinem Unbehagen entdeckt haben, kann ich nicht leicht erraten. Dies Buch ist mir fremd geworden“. Das Buch, das nach scharfen Auseinandersetzungen mit Reich zustande gekommen war, sollte jetzt nicht mehr gelten. Sollte also Reich doch recht behalten? (Walter Hoppe: Wilhelm Reich, München 1984, S. 65f)

Am Ende stellte sich heraus, daß die „kindlichen ‚kulturfeindlichen‘ ‚Nihilisten’“ Stirner und Reich die Realisten waren, während Nietzsche und Freud bei ihrer lebenslangen Flucht vor sich selbst ihr Leben für das inhaltsleere Spiel der sinnlosen und willkürlichen „Werte“ vertan hatten, für ein kindisches Maskenspiel. Genau das ist Thema der Fälschung Meine Schwester und ich.

Der Gegensatz Freud-Reich war nicht der faire Gegensatz „des Einzigen (SF) gegen den Einzigen (WR)“ (Der Einzige, S. 229), sondern der Gesellschaft, vertreten durch den von fixen Ideen besessenen Freud, gegen den Einzigen Reich – also extrem unfair. Genauso unfair und „moralisch“ verwerflich, wie der Gegensatz zwischen Gesellschaft (vertreten durch die psychoanalytisch geschulten Eltern) und Kind, dessen angeborenes eigensinniges „Verbrechertum“ ausgetrieben werden soll, damit es sich für das vermeintlich Höhere opfere.

Leserbrief zu Volkmar Sigusch (1983)

21. April 2025

Leserbrief zu Volkmar Sigusch (1983)

Das Geheimnis der Azteken (Teil 2)

20. April 2025

Vor dem Hintergrund meiner ständigen unterschiedlichen Interessen seit meinem 13. Lebensjahr, als ich Alfred Adler las, indischen Okkultismus studierte (was mich überhaupt erst zur Orgonomie brachte), meiner Liebe zu Chestertons „Pater Brown“, meiner Faszination für Kulte und Sekten (wie Scientology) und meinem tiefen Interesse an gruseligen und abwegigen Ideen (insbesondere „Besessenheit durch Dämonen“) versuche ich heute ab und an so „un-orgonomisch“ wie möglich zu argumentieren. Warum das? Weil ich, frei nach meinem „zweiten Guru“ Hans Hass, überzeugt bin, daß man nur durch Verfremdung aus der alltäglichen Hypnose heraustritt und das Wesentliche wahrnimmt. Bei Hass ging es beispielsweise darum, Menschenmengen genauso zu betrachten, wie er als Zoologe und Meeresforscher Korallenbänke beobachtete. Dazu filmte er das Geschehen in einer Stadt von oben, so daß Menschen zu Ameisen schrumpften, und er betrachtete diesen Film im Zeitraffer, um das Entscheidende, die Bewegungsmuster, energetische Vorgänge, zu akzentuieren.

Es geht darum, orgonotische Prozesse und Zusammenhänge vollkommen neu und „unorgonomisch“ anzuschauen. So als wäre man ein Außerirdischer, der gerade erst auf dem Planeten „Orgonomia“ gelandet ist. Ungefähr so, wie Reich in einem anderen Zusammenhang seine Bionexperimente angegangen ist. Worauf läuft die Orgonomie, spezifischer die Orgontherapie, in „nicht-orgonomischen“ Begriffen hinaus? Was kein Psychiater tut, ist, sich die bizarrsten psychotischen Äußerungen seiner Patienten wirklich anzuhören. Für die Psychiater ist das alles auf eine zerrüttete Hirnchemie oder eine zerstörte Hirnstruktur zurückzuführen und somit in seiner vermeintlichen Sinnlosigkeit bloßes Symptom, das bedeutungslos in der Luft hängt. Reich hingegen hat versucht, das psychotische Gebrabbel in Bezug auf die Panzerstruktur und aus dem bioenergetischen Kern stammende aber verzerrte Funktionen, die vom Schizophrenen fehlinterpretiert werden, zu entschlüsseln. Doch was ist, wenn die Patienten (und etwa animistische Naturvölker) recht haben und echte Stimmen zu ihnen sprechen? Dann wäre der einzige Weg zur Heilung, diese als das zu behandeln, was sie sind, und sie als das anzusprechen, was sie sind, also als Dämonen, die einen widerrechtlich besetzen: „Ihr habt überhaupt nichts mit mir zu tun. Laßt mich in Ruhe!

Zu dieser abwegigen Vorstellung wurde ich von dem Psychologen Jerry Marzinsky angeregt. Ihm zufolge stellt sich das Problem bei Homo normalis etwas anders dar, als bei Geisteskranken oder etwa Drogenabhängigen, d.h. ist das beim Normalmenschen mit den Dämonen nicht wörtlich zu nehmen. Er ist nicht von Dämonen besessen, sondern von der Gesellschaft. Es ist so, als hätte die Gesellschaft dir schon in jungen Jahren beigebracht, daß du nicht du selbst bist, sondern ein Narr, ein Widerling, ein Stinker, unbeholfen und ein Versager. Damals und seitdem warst du dumm genug, dich mit dieser widerlichen Person, die DIR angedichtet wurde, zu identifizieren; dieser falschen Identität, die dir eingetrichtert wurde. Alles, was du zur Heilung tun mußt, ist, diese Version von „dir“ als fremd und als eine Art „Dämon“ („Introjekt“ im Freud’schen Sinne) zu identifizieren, der absolut nichts mit DIR zu tun hat.

Und wieder: es geht darum, aus der „alltäglichen Hypnose“ herauszutreten, d.h. der okularen Panzerung ein Schnippchen zu schlagen. Nichts anderes sind nämlich die „Dämonen“, die dir irgendeinen destruktiven, selbstzerstörerischen Scheiß einflüstern, und dir weismachen, du seist die groteske Gestalt, die du mit dir selbst verwechselst!

Stellen wir dazu zwei Fragen: Was ist Therapie? Die Sequestration von DOR (die sekundäre Schicht) durch OR (der bioenergetische Kern und die soziale Fassade, soweit sie sich mit Kernfunktionen identifiziert). Wer ist die Person „ich“? Offensichtlich sind wir Funktionen der sozialen Fassade. Das Bewußtsein selbst ist eine SOZIALE Funktion. Ohne andere Personen um einen herum hat man kein Innenleben, kein Ego, kein Bewußtsein, kein nichts, außer einer Kasper-Hauser-artigen autistischen Leere. Ohne ein Du kein „ich“! Wenn dieses „ich“ mit dem Selbst (dem bioenergetischen Kern) harmoniert, ist alles gut. Wird uns hingegen ein fremdes „ich“ aufgedrängt, sind Neurose, Depression, inneres Elend die Folge.

Je stärker die Augenpanzerung wird, insbesondere auch durch Drogen, d.h. je mehr die Welt an Perspektive verliert und alles „näherrückt“, desto mehr verlagert sich das Außen ins Innere. Man hört Stimmen und „Gesichte“ verfolgen einen. Die sekundäre Schicht, die den Gepanzerten beherrscht, gewinnt ein Eigenleben und die besagten Dämonen kommen zum Vorschein. Das ist der Bereich von Gender und Trans, Multiplen Persönlichkeiten, psychotischen Spinnereien und anderen „Tänzen der Teufel“.

Wie Sartre sagte, „sind die anderen die Hölle“ – entweder, indem sie dir ein falsches, vom bioenergetischen Kern getrenntes „ich“ anhefteten („Sozialisation“) oder indem sie dich in Gestalt von „Dämonen“ bevölkern. Man könnte auch sagen, daß der Himmel darin besteht, sein authentisches Selbst unter den anderen authentischen Selbsten zu sein, sich zu behaupten und man selbst zu sein: der „Verein“ im Sinne Max Stirners. Gesundheit und Arbeitsdemokratie sind also ein und dieselbe Sache. Psychiater und Psychotherapeut zu sein, kann so erfüllend sein, weil man tagein, tagaus nichts anderes tut, als zu versuchen, die Hölle in den Himmel zu verwandeln. Aber auch normales alltägliches Interagieren kann ähnlich sein, wenn du dein authentisches Wesen zum Ausdruck bringst und dadurch andere dazu ermutigst, das gleiche zu tun: ein „Einziger“ (Stirner) zwischen anderen „Einzigen“. Gemeinsam sind wir alle damit beschäftigt, die Dämonen, die uns ent-eignen, zu vertreiben, was bedeutet, daß jeder versucht, die sekundäre Schicht zwischen Kern und Fassade in die Zange zu nehmen und das Ungeziefer auszumerzen.

Und was hat das nun mit Orgonomie zu tun? Es hat bis heute drei entscheidende Schritte in der Entwicklung der Orgonomie gegeben. Anfang der 1920er Jahre hat Reich den Begriff des „Charakters“ in die Psychoanalyse eingeführt und sie zur Charakteranalyse weiterentwickelt. Er hat sich dabei ausdrücklich auf Alfred Adler berufen. Macht ihn das zu einem Adlerianer, der die Libidotheorie verdrängt hat? Eine abwegige Frage, aber trotzdem unterstreicht es, den zutiefst sozialen Grundzug der Orgonomie: ohne Du (das Adlersche „Gemeinschaftsgefühl“) kein ich!

Anfang der 1950er Jahre hat Reich im Anschluß an das ORANUR-Experiment das DOR entdeckt und mit der mittleren, sekundären Charakterschicht gleichgesetzt. Das kulminierte in dem Aufsatz über das Wiederauftauchen des einst von ihm widerlegten Konzepts des „Todestriebes“ als DOR („Re-emergence of Freud’s ‚Death Instinct‘ as ‚DOR‘ Energy“), der 1956 zum 100sten Todestag Freuds in Elsworth F. Bakers Zeitschrift Orgonomic Medicine erschienen ist. Macht Reich das doch noch zu einem Freudianer? Absurd! Reich unterstreicht, daß der „Todestrieb“ kein „Trieb“ sei, sondern eine physikalische Realität, das DOR. Aber was ist, wenn es „den Teufel“ doch gibt?

Ende der 1990er Jahr hat Charles Konia das Konzept der „koexistierenden Wirkung“ im Anschluß an beispielsweise Albert Einsteins EPR-Paradoxon als eigenständige orgonotische Funktion neben der relativen Bewegung (Kreiselwelle und Pulsation) eingeführt. Macht ihn das zum Jungianer („Synchronizität“), der die aufklärerische Rationalität der Wissenschaft hinter sich läßt? Ebenfalls Absurd! Es öffnet „jedoch“ die Möglichkeit im DOR der sekundären Schicht jene quasi zu eigenen Entitäten gewordenen „Charakterzüge“ auszumachen, die es zu eliminieren gilt oder, wie Reich es im genannten Aufsatz nannte, zu „sequestrieren“. Es ist als würde sich der „Todestrieb“ personifizieren. „Personen“, die es auszutreiben gilt. Man lese dazu das Kapitel „Die Kinder der Finsternis“ aus Die kosmische Revolution.

„Jetzt ist Nasselstein endgültig durchgedreht!“ Es geht darum, die Welt vorurteilslos, d.h. „unorgonomisch“ zu betrachten. Man lese die Evangelien, die praktisch von nichts anderem handeln, als dem, was katholische Exorzisten bis zum heutigen Tag tun. Diese einfach mal zu Wort kommen lassen, insbesondere aber Jerry Marzinsky. Jeder Konsument der nicht-halluzinogene euphorisierende Droge Crystal Meth sieht „Schattenwesen“, – die mehr zu sein scheinen als bloße Halluzinationen. Millionen Menschen können davon aus eigener Anschauung berichten!

Mit Alex Jones, der mich auf diese Idee brachte, habe ich den Verdacht, daß die Priester der Azteken, die mit Hilfe aller möglichen Drogen mit derartigen „Wesenheiten“ Kontakt aufnahmen, von diesen dazu getrieben wurden, noch zuckende Herzen aus dem Brustkorb von Kriegsgefangenen zu reißen und einen regelrechten Menschenopferkult zu betreiben. Heute würden die globalistischen Eliten diesen Energieparasiten dienen, indem sie die Menschheit zerstören.

Das Geheimnis der Azteken (Teil 1)

19. April 2025

Vor den Weltkriegen war Amerika ein Ableger Europas, heute blickt der Europäer zur Orientierung nach Amerika. Wie Régis Debray dargelegt hat, ist Amerika eine Zivilisation des Raums und des Image (Oberflächlichkeit), während Europa eine Zivilisation der Zeit und der Schrift war (Tradition). Entsprechend ist Amerika blind für die Komplexität des menschlichen Lebens. Amerikaner schauen dich an, aber sehen nicht in dich hinein, so als wärst du eine seelenlose Schaufensterpuppe – Plastic People wie sie. Bernd Laska hat ähnliche Erfahrungen in Australien gemacht. Er war an sich bereits ausgewandert, um dem drückenden Deutschland in die Freiheit einer neuen Welt zu entfliehen, mußte aber zurück nach Deutschland, weil die Oberflächlichkeit der australischen Menschen einfach unerträglich war.

Ich denke, da draußen „auf dem Mars“ (jenseits der Wüsten Arizonas und des Outbacks an den Ufern des Pazifiks) ist man auf den Raum reduziert. Keine Vergangenheit, keine Tradition, keine Bedeutung, keine Tiefe. Ohne Kultur wird Sprache bedeutungslos und Kunst funktioniert nicht mehr. Luther, Goethe, Nietzsche – es war ein langer Weg, um unsere Identität als deutsche Nation zu finden. Das war die eigentliche Grundlage des „Made in Germany“. Heute werfen wir das ins Klo, wollen Amerikaner oder sogenannte (globalistische) „Europäer“ werden und gehen dergestalt dem unausweichlichen Untergang entgegen.

Man betrachte unsere heutige Jugend, die, was sich sehr bald ändern wird, im ererbten Wohlstand, mit psychologisch geschulten Eltern, seit Krippenzeiten geborgen in Cliquen Gleichgesinnter und mit „Praktika in Neuseeland“, nicht zuletzt aber in sexueller Freiheit aufgewachsen sind. Es sind trotzdem emotionale („psychische“) Wracks, ohne Identität, ohne Orientierung, ohne wirkliches Innenleben, verzweifelt, leer, nihilistisch. Weil es in der amerikanischen Kolonie BRD nur noch „Raum und Image“ gibt, gibt es für sie nur die Gegenwart und die Oberfläche. Da nichts eine Vergangenheit hat, hat auch nichts eine Zukunft. Da alles nur noch Image ist, gibt es keinen Inhalt mehr, keine Tiefe und damit keinen Sinn.

Davor ist Bernd Laska instinktiv Anfang der 1970er Jahre zurück nach dem damals noch immer DEUTSCHEN Deutschland geflohen, nur um im folgenden seine tiefe Abneigung gegen die Kultur (Philosophie, Architektur, Bildende Kunst, Literatur, Theater und Musik) zu kultivieren und beispielsweise die Vorteile von Plansprachen zu propagieren, die „kulturell nicht infiziert“ sind, sondern einfach wertfrei die Sachlage widergeben.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie man in den 1970er Jahre daran ging den Geschichtsunterricht abzuschaffen, um die Kinder nicht mit dem alten überlebten Zeugs zu belasten. Gedichte sollten nicht mehr gelernt werden, überhaupt der gesamte Kulturkanon. Die Klassiker wurden in der Folgezeit allenfalls „dekonstruiert“. Am Ende stand die Rechtschreibreform – der Augenblick, als ich angewidert ins innere Exil ging. Wenn regierungsamtlich „Einbleuen“ durch das in wirklich jeder Beziehung schwachsinnige „Einbläuen“ ersetzt wird, ist das Ende erreicht. Wer die Etymologie ad absurdum führt, zersetzt die Kultur und ist ein – Seelenmörder! Ohne mich!

Ich bin ein bewußter Konservativer, nicht weil ich sonderlich „konservativ“ bin (der gepanzerten Gesellschaft nachtrauere), sondern ganz im Gegenteil, weil ich weiß, daß man Menschen nur dann versklaven kann, wenn man ihnen ihre Geschichte und damit ihr Innenleben nimmt.

Die vielleicht beste Darstellung eines Konservativen findet sich in Alan Moores The Watchmen in Gestalt des Vigilanten Rorschach – die ultimative Verkörperung des „Ohne mich!“:

Moore war gläubiger Kommunist, als er diese Comic-Serie in den 1980er Jahren verfaßte. Seine gescheiterten und innerlich zerrissenen Superhelden waren eine Karikatur von „Batman“, „Superman“, „Spiderman“ etc. und sollten das kläglche Scheitern des amerikanischen Traums bloßstellen. Rorschach sollte dabei den beschränkten, einfach gestrickten „Republikaner“ darstellen, der immer noch an all die überkommenen Lügen glaubt. Ein Widerling! Da Linke aber ob ihrer Kontaktlosigkeit charakter-strukturell unfähig sind Meme zu schaffen, die ihrer Agenda dienen, wurde Rorschach zu der Identifikationsfigur der Konservativen. Jemand, der den ganzen seelenlosen Scheiß einfach nicht mehr mitmacht und die letzten überkommenen europäischen Werte in Amerika hochhält. Der letzte und ganz besonders häßliche „alte weiße Mann“!

Vor 1960, d.h. zu Zeiten der autoritären Gesellschaft, war die rigide Moral und der alles erstickende Kulturkanon eine unerträgliche Belastung, gegen die nicht zuletzt Leute wie Reich und Neill opponierten. Die Gegenwahrheit ist, daß Kultur notwendig ist. In seinem konservativen Manifest Christusmord sah Reich ein, daß, wenn er mit seinem Progressismus gesiegt hätte, dies zum unausweichlichen Untergang der westlichen Zivilisation und damit des Menschseins selbst geführt hätte. Drei Jahre nach seinem Tod nahm genau das seinen Anfang!

Man schaue auf die Hochkulturen Mittelamerikas zurück. Sie konnten sich nur entwickeln, weil im Laufe der Jahrhunderte nicht nur der Wildmais kultiviert wurde, sondern weil sich auch eine Kultur herausbildete, die den Zusammenhang der Gesellschaft garantierte und es möglich machte, aus der tiernahen Subsistenzwirtschaft herauszukommen und bis zu den Azteken eine ganze Abfolge großartiger Zivilisationen zu errichten, die uns noch heute in ungläubiges Staunen versetzen.

Max Stirner, Soter (Teil 4)

18. April 2025

„Unsere Atheisten sind fromme Leute“ (Der Einzige, S. 203). „[S]elbst diejenigen Sittlichen, welche den persönlichen Gott leugnen, behalten ja am Guten, am Wahren, an der Tugend ihren Gott und ihre Göttin“ (Parerga, S. 131f). Die Aufklärung ist an ihrer jämmerlichen Inkonsequenz gescheitert. Auf die knappste Formel gebracht: man hat Gott beseitigt, aber die Menschen desto mehr mit jenen „Prädikaten“ belastet, die vorher Gott zugeschrieben wurden. Deshalb konstatiert Stirner sogar eher eine Verschlechterung als eine Verbesserung: habe man zuvor die Massen zur Religion abgerichtet, sollen sie sich nun infolge der vermeintlichen Aufklärung sogar mit „allem Menschlichen“ befassen. Auf diese Weise werde die „Dressur“ der Menschen immer allgemeiner und umfassender (Der Einzige, S. 365). Freudismus! Marxismus!

Stirners zwei große kontemporäre Gegenspieler Feuerbach und Marx waren auch die Gegenspieler Reichs. Freuds „Atheismus“ war nämlich derjenige Feuerbachs: sei ein Mensch, „die Kultur geht vor“, d.h. die Religion ist zwar eine Illusion, aber um so mehr hat die Sittlichkeit die Grundlage des gesellschaftlichen Lebens zu sein (Der Einzige, S. 52).

Dieses normative Zurechtstutzen des Einzelnen ist der Kern des „Atheismus“ von Feuerbach, der jeweils Marx und Freud entscheidend beeinflußt hat. Ein „Atheismus“, bei dem, um nochmals mit Freud zu reden, die Kultur stets vorgeht. Um sie zu retten haben Marx und Freud die kulturfernsten Bereiche unserer materiellen Existenz und sogar unsere „polymorph-perversen Triebe“ ins Feld geführt, damit ja nicht an den sittlichen Grundlagen gerührt wird: wir sollen auf das materialistische „Es“ schauen, es bemeistern lernen – und das idealistische „Über-Ich“ unbeachtet lassen. Entsprechend wirft Marx Stirner vor, daß dieser obskurantistischerweise „wirklich an die Herrschaft des abstrakten Gedanken, der Ideologie in der heutigen Welt (glaubt), er glaubt, in seinem Kampfe gegen die ‚Prädikate‘, die Begriffe, nicht mehr eine Illusion, sondern die wirklichen Herrschermächte der Welt anzugreifen“. Stirner vernachlässige, schreibt Marx, die wirklichen, materialistischen Lebensgrundlagen (nämlich die Notwendigkeit zu produzieren) und verkleistere dergestalt die sich daraus ergebenden Herrschaftsverhältnisse (Marx: Die deutsche Ideologie, In: FRÜHE SCHRIFTEN, Zweiter Band, Darmstadt 1971, S. 276).

Das ist die gleiche Litanei, die alle „materialistischen“ Linken bis zum heutigen Tage gegen Reich angestimmt haben. Ganz ähnlich sieht es bei den Freudisten aus, die Reich eine Verkennung der komplizierten Triebstruktur des Menschen vorhalten. (Freud sogar ausdrücklich gegenüber ausgerechnet – Lou Salome!) Aber man darf sich nicht durch die ausgewogen „realistische“, schmutzig „materialistische“ Hülle täuschen lassen: es geht Marx, Freud und ihren Anhängern darum, daß die „Prädikate Gottes“ (Feuerbach) unberührt bleiben. Es geht diesen vermeintlichen „Aufklärern“ darum, daß eben „die wirklichen Herrschermächte der Welt“ unangetastet bleiben. Es geht ihnen um die Sittlichkeit.

Damit führen sie auf geniale (nämlich bis heute undurchschaute) Weise einen „Klassenkampf von oben“ fort, wie ihn vor ihnen die Priester, Pfaffen und Philosophen gefochten haben. Jedenfalls spricht Stirner von einem „Klassenkonflikt“ zwischen den „Gebildeten“ und den „Ungebildeten“ (vgl. Parerga, S. 77-79). Die einen stellen irgendwelche geistigen Prinzipien auf, für die sie unterwürfigen Respekt einfordern. (Man denke an die Marxisten und Freudisten!) Die anderen, stehen diesen verqueren Gedanken zunächst gleichgültig gegenüber, können sich aber nicht gegen sie erwehren. „Hierarchie ist Gedankenherrschaft, Herrschaft des Geistes!“ Wir werden von jenen unterdrückt, die sich auf heilige Gedanken stützen. Dieser Konflikt setzt sich bis ins Innenleben fort, „denn kein Gebildeter ist so gebildet, daß er nicht auch an den Dingen Freude fände, mithin ungebildet wäre, und kein Ungebildeter ist ganz ohne Gedanken“ (Der Einzige, S. 79f).

Es ist die Hierarchie von „menschlichem“ (idealem) Leben und „bürgerlichem“ (egoistischen) Leben. Ganz oben steht die heilige Nation und der Staat, darunter das profane bürgerliche Leben (Der Einzige, S. 107f). Das wiederholt sich dann Stufenweise von den gebildeten Bürgern und dem ungebildeten „Pöbel“ bis hinab zum Familienleben. Über die Dressur der Kinder in der Familie setzt es sich im Inneren der Menschen fort: das Gewissen, d.h. sich des „Heiligen“ gewahr sein und entsprechend die „Naturtriebe“ auszuspionieren („innere Polizei“ gegen „innerer Pöbel“) (Der Einzige, S. 97).

Als die „Dressur“ noch nicht so weit fortgeschritten war, waren die sittlichen Instanzen noch Personen (die Eltern, der „Landesvater“, etc.) und entsprechende Wahngebilde (etwa „Gott“), denen man persönlich Loyalität schuldete, doch im Unterschied zum Konservativen läßt sich der fortschrittliche Liberale nichts mehr befehlen – er gehorcht nur noch unpersönlichen Gesetzen (Der Einzige, S. 118f). Dieser „Fortschritt“ beruht auf seiner strukturellen Rebellion gegen persönliche Autorität – um sich desto vorbehaltloser einem „unpersönlichen Herrscher“ zu unterwerfen (Der Einzige, S. 119).

Genauso steht es mit der Frage nach persönlichem Besitz: der Sozialist will nicht bloß die rechtlichen, sondern auch die materiellen Unterschiede aufheben, was nichts anderes bedeutet, als daß nicht nur niemand „selbstherrlich“ befehlen soll, sondern auch keiner etwas haben soll, an dem er seine Eigenheit festmachen könnte, vielmehr sollen alle am unpersönlichen Allgemeineigentum teilhaben. Auf diese Weise wird aus der Gesellschaft selbst ein „höchstes Wesen“, dem wir alles schuldig sind (Der Einzige, S. 135). Letztendlich geht es darum, wirklich alle persönlichen Eigenschaften, alle Traditionen von sich zu streifen und nichts als ein Mensch zu sein (Der Einzige, S. 141). So verschwindet schließlich der egoistische und unverwechselbare „Eigene“ vollständig und geht im Menschen auf (Der Einzige, S. 150f). Letztendlich erweist sich die liberale Flucht vor Autorität, Besitz und Tradition (also die Flucht vor dem Vater) als Flucht vor sich selbst – und als vervollkommnete Unterwerfung. „[W]er sich selbst ganz besitzt, wer in das Heiligtum seines eigenen Wesens eingedrungen ist, wer bei sich ist, der ist beim Vater“ (Parerga, S. 42).

Der aus dieser Rebellion entstammende „Atheismus“ tut kaum mehr als den „Gott des Einzelnen“ durch den „Gott Aller“ zu ersetzen (Der Einzige, S. 158). Wird nämlich der Eigenwille eingeschränkt, sucht er Zuflucht im Eigentum, wird dieses weggenommen, sichert es sich in der Eigenheit die Fortdauer. Deshalb muß schließlich auch jede individuelle Meinung aufgehoben werden, denn mit meiner unvernünftigen Meinung, meinem unvernünftigen „Glauben“, bleibt auch mein Gott bestehen. Er muß ersetzt werden durch einen „allgemeinen menschlichen Glauben“, einen „Vernunftglauben“ (Der Einzige, S. 141). Religion wird zum Kultus der Gesellschaft. „Somit hat man allein dann Aussicht, die Religion bis auf den Grund zu tilgen, wenn man die Gesellschaft und alles, was aus diesem Prinzipe fließt, antiquiert“ (Der Einzige, S. 347). Das macht den „Atheismus“ der Kommunisten und Psychoanalytiker („die Kultur [= die Gesellschaft] geht vor“] zu einer Absurdität. In jedem Teil hier Laskas Stirner-Buch!

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Über-Ich” und folgende

17. April 2025

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Über-Ich“ und folgende

Zum Gedenken an Bernd A. Laska, 4. August 1943 – 8. April 2025 (Teil 3)

16. April 2025

Ich habe mich anfangs gesperrt, einen derartigen „persönlichen“ Nachruf zu schreiben, weil sich über vier Jahrzehnte erstreckende Beziehung zwischen Laska und mir nie eng war. Dazu waren wir einfach zu unterschiedlich. Der Katholik Laska war über Karlheinz Deschners Religionskritik und die Anfänge der linken Studentenbewegung Mitte der 1960er Jahre als einer der ersten Nachkriegsdeutschen überhaupt auf Reich gestoßen. Ich war denkbar areligiös und „akulturell“ aufgewachsen und gerade deshalb hatten mich Religion und Kultur (Bildende Kunst und Musik) von früh an in ihren Bann gezogen – Dinge, die Laska, zunächst Bauzeichner und dann Ingenieur (Baustatiker), zeitlebens wirklich vollkommen kalt ließen. Nachdem meine kindlich-jugendlichen „Studien“ im „religiös-kulturellen“ Bereich und auch im naturwissenschaftlichen (ich laß eifrig das „X-Magazin“, „Bild der Wissenschaft“, die Bücher von beispielsweise Hoimar von Ditfurth etc.) nur meine wachsende Verachtung für all dieses Zeugs nährten, stieß ich schließlich auf Reich („Bingo!“) und wollte fortan nichts anderes sein als ein orthodoxer Anhänger der Orgonomie. Für mich war und ist sie die endgültige Wahrheit.

Mein Problem war damals, daß ich als Arbeiterkind (Laska war auch eins!) niemanden kannte, der auch nur im allerentferntesten meine wirklich extrem absonderlichen, da hochgestochenen Interessen teilte, und ich auf die paar Mitte der 1970er Jahre erhältlichen Reich-Bücher und irgendein „Reichianisches“ Zeugs a la Alexander Lowen reduziert war. In einem dieser Bücher stieß ich schließlich auf eine Annonce für Laskas Zeitschrift „Wilhelm Reich Blätter“, fand über diesen Umweg schnell Kontakt zu Jerome Eden, bestellte das „Journal of Orgonomy“ etc. Laska hatte eine ganze Welt für mich geöffnet, die Orgonomie war noch lebendig, wovon ich vorher keinerlei Ahnung hatte. Aber schon bald begann mein Konflikt mit Laska: ich verdammte ihn ob des Einflusses der amerikanischen Orgonomen auf mich sehr bald als „Reichianer“. Er war dabei, zu einem „Feind“ zu werden. Daß er es wagte, Artikel von Alexander Lowen zu veröffentlichen und gewisse andere Leute auch nur zu Wort kommen zu lassen! Ich erlebte über seine Zeitschrift sozusagen „live“ mit, wie er sich immer mehr Max Stirner zuneigte, was für mich der Anlaß war, Stirner auseinanderzunehmen. Einfach nur, weil Laska sich auf ihn berief! Das baldige, wirklich klägliche Scheitern meines Unterfangens Stirner zu „dekonstruieren“ und meine Einsicht, daß Laska in dieser Beziehung vollkommen recht behalten hatte, waren eine nachhaltige Lektion.

1982 stellte er wegen solcher hoffnungslosen Figuren wie mir seine Zeitschrift ein und begann zu erforschen, was die Essenz seiner beiden Helden Reich und Stirner sei. Schon bald kam LaMettrie hinzu und Laskas „LSR-Projekt“ nahm langsam Gestalt an. Ich war einer der erstaunlich wenigen alten Leser, die ihm auf diesem Weg treu blieben und seine Bücher von und über LaMettrie kauften, sowie das eine Buch mit Stirners Parerga. Er bewegte sich aber sozusagen am Rande meiner eklektischen Interessen (Orgonbiophysik, UFOs, Roter Faschismus, Saharasia, Orgonometrie, Hans Hass, christliche Theologie, Nietzsche, etc.), die kaum bis keinerlei Überschneidungspunkte mit ihm hatten. Unser persönliches Verhältnis blieb stets unterkühlt, obwohl wir uns einige Male trafen, wobei ich aber jeweils sozusagen nur „Anhängsel“ anderer war. Seine Website ließ meine alte Begeisterung für seine geistige Klarheit und nicht zu übertreffende „akademische“ Integrität immer wieder von neuem aufflammen bis hin zu regelmäßigen begeisterten „Bekenntnissen“ zu seinem LSR-Projekt. Er war sichtlich konsterniert, derartig enthusiastische Treueschwüre ausgerechnet von meiner Seite zu hören.

Im Vergleich zu ihm, habe ich mich immer als hemmungslosen „Dampfplauderer“ empfunden und es stets bedauert, daß er nicht „mehr Worte gemacht hat“. Welch ein Privileg ihn gekannt zu haben. Er war mein distanzierter Erzieher, ich sein letztendlich doch loyaler Schüler. Danke, Herr Laska!

Laskas Quellen für die „Jahrtausendentdeckung“ in MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS und DIE SEXUELLE REVOLUTION

15. April 2025

Laskas Quellen für die „Jahrtausendentdeckung“ in MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS und DIE SEXUELLE REVOLUTION

Max Stirner, Soter (Teil 3)

14. April 2025

Marx ging es um den „Unterbau“, um vom „Überbau“ (dem Über-Ich) abzulenken, er verkaufte das aber als Überwindung von Max Stirners Ansatz:

Der Sparren, den Sankt Max [also Max Stirner] in den Köpfen der Menschen entdeckt, ist nichts als sein eigner Sparren, der Sparren „des Heiligen“, der die Welt sub specie aeterni betrachten und sowohl die heuchlerischen Phrasen wie die Illusionen der Menschen für die wirklichen Motive ihrer Handlungen versieht; weswegen auch der naive, gläubige Mann getrost den großen Satz ausspricht: „Fast die ganze Menschenwelt hängt am Höheren.“ [Der Einzige, S. 57] Der „Sparren“ ist „eine fixe Idee“, d.h. „eine Idee, die den Menschen sich unterworfen hat“, oder, wie wir später populärer gesagt wird, allerlei Abgeschmacktheiten, die die Leute „sich in den Kopf gesetzt haben“. Mit spielender Leichtigkeit ergibt sich für Sankt Max, daß alles, was die Menschen sich unterworfen hat, z.B. die Notwendigkeit zu produzieren, um zu leben, und die davon abhängigen Verhältnisse eine solche „Abgeschmacktheit“ oder „fixe Idee“ ist. (Marx: Die deutsche Ideologie, In: Frühe Schriften, Zweiter Band, Herausgegeben von Hans-Joachim Lieber und Peter Furth, Darmstadt 1971, S. 180)

Bei „Stirner“ ist auch dies Bewußtsein „alle jeworden“, er glaubt wirklich an die Herrschaft des abstrakten Gedanken der Ideologie in der heutigen Welt, er glaubt, in seinem Kampfe gegen die „Prädikate“, die Begriffe, nicht mehr eine Illusion, sondern die wirkliche Herrschermächte der Welt anzugreifen. Daher seine Manier, alles auf den Kopf zu stellen, daher seine enorme Leichtgläubigkeit, mit der er alle scheinheiligen Illusionen, alle heuchlerischen Beteuerungen der Bourgeoisie für bare Münze nimmt. (Die deutsche Ideologie, S. 276)

Das ist imgrunde die gleiche Litanei, die das Marxisten-Gesindel bis zum heutigen Tage gegen Reich richtet. Mit dem gleichen Duktus!

Marxisten sind Fanatiker der „humanen Vernunftreligion“: „Bleibt die Meinung bestehen, so habe Ich meinen Gott (Gott ist ja nur als ‚mein Gott‘, ist eine Meinung oder mein ‚Glaube‘); also meinen Glauben, meine Religion, meine Gedanken, meine Ideale. Darum muß ein allgemein menschlicher Glaube entstehen, der ‚Fanatismus der Freiheit‘. Dies wäre nämlich ein Glaube, welcher mit dem ‚Wesen des Menschen‘ übereinstimmte, und weil nur ‘der Mensch‘ vernünftig ist (Ich und Du können sehr unvernünftig sein!), ein vernünftiger Glaube“ (Der Einzige, S. 141).

Wir, du und ich, sind in ihren Augen die Unvernunft, nicht etwa weil wir „Kapitalisten“ (Anhänger des Kapitalismus) sind, sondern weil wir nicht an ihren „Gott“, die Vernunft, glauben, die es zu offenbaren gelte. Doch unser höchstes Ziel ist die Selbstoffenbarung (Parerga, S. 91). Der von allem Fremden (Über-Ich) befreite Ich ist Eigner seiner selbst, d.h. ein Mensch, der sich selbst offenbart (Parerga, S. 88).

(…) das Religiöse besteht in der Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Menschen, d.h. mit der Aufstellung einer zu erstrebenden „Vollkommenheit“, in dem „nach seiner Vollendung ringenden Menschen.“ (…) es besteht in der Fixierung eines Ideals, eines Absoluten. Die Vollkommenheit ist das „höchste Gut“, der finis bonorum; das Ideal eines Jeden ist der vollkommene Mensch, der wahre, der freie Mensch usw. (Der Einzige, S. 269)

Ich Meinesteils gehe von einer Voraussetzung aus, indem Ich Mich voraussetze; aber meine Voraussetzung ringt nicht nach ihrer Vollendung, wie der „nach seiner Vollendung ringende Mensch“, sondern dient Mir nur dazu, sie zu genießen und zu verzehren. Ich zehre gerade an meiner Voraussetzung allein und bin nur, indem Ich sie verzehre. Darum aber ist jene Voraussetzung gar keine; denn da Ich der Einzige bin, so weiß Ich nichts von der Zweiheit eines voraussetzenden und vorausgesetzten Ich’s (eines „unvollkommenen“ und „vollkommenen“ Ich’s oder Menschen), sondern, daß Ich Mich verzehre, heißt nur, daß Ich bin. Ich setze Mich nicht voraus, weil Ich Mich jeden Augenblick überhaupt erst setze oder schaffe, und nur dadurch Ich bin, daß Ich nicht vorausgesetzt, sondern gesetzt bin, und wiederum nur in dem Moment gesetzt, wo Ich Mich setze, d.h. Ich bin Schöpfer und Geschöpf in Einem. (Der Einzige, S. 167)

Darum verachtest Du den Egoisten, weil er das Geistige gegen das Persönliche zurücksetzt, und für sich besorgt ist, wo Du ihn einer Idee zu Liebe handeln sehen möchtest. Ihr unterscheidet Euch darin, daß Du den Geist, er aber Sich zum Mittelpunkte macht, oder daß Du Dein Ich entzweist und Dein „eigentliches Ich“, den Geist, zum Gebieter des wertloseren Restes erhebst, während er von dieser Entzweiung nichts wissen will, und geistige und materielle Interessen eben nach seiner Lust verfolgt. (Der Einzige, S. 32)

Besser als Max Stirner, unser Erlöser, kann man das Über-Ich kaum beschreiben!