Was mit der Welt nicht stimmt
Argumentieren und die Drei-Schichten-Struktur
Dämonisierung
Lebe mit Sehnsucht
Verleugnung
Sei ein Liebender
Was mit der Welt nicht stimmt
Argumentieren und die Drei-Schichten-Struktur
Dämonisierung
Lebe mit Sehnsucht
Verleugnung
Sei ein Liebender
Gemeinhin meint man mit Divide et impera „einen Keil zwischen die Menschen treiben“, die man dann, sozusagen als dritte Kraft, gegeneinander ausspielen und so problemlos beherrschen kann. Das ist zweifellos ein zentraler Faktor, doch damit der funktioniert, muß man tiefer gehen, nämlich bioenergetisch ansetzen.
Um Menschen beherrschen zu können, muß man sie auf psychologischer, d.h. emotionaler Ebene unterminieren. Man muß sie bei ihrer Sexualität packen und dergestalt zu Feinden ihrer selbst machen: sie innerlich spalten.
In der autoritären Gesellschaft machte man das, indem man die Sexualität von der Liebe abspaltete und die letztere Funktion zur alles bestimmenden machte. Die Sexualität lebte ein abgespaltenes, verschämtes Nischendasein, während in der Öffentlichkeit alles mit (vermeintlicher) Liebe zugekleistert wurde. Letztendlich galt Keuschheit als DAS Siegel der Liebe!
Heute, in der antiautoritären Gesellschaft, ist es umgekehrt: die vermeintliche „sexuelle Befreiung“ hat das Gefühlsleben der Menschen weitgehend ruiniert. Typischerweise sind Jugendliche bindungsunfähig, weil ja immer die Möglichkeit besteht, einem geileren Jungen bzw. einem geileren Mädchen zu begegnen.
Beides, die Abspaltung der Liebe von der Sexualität und umgekehrt, spaltet die Menschen, zerreißt sie innerlich und macht sie desorientiert und zum Spielball der Mächtigen. Entweder bist du ein kastrierter Tölpel oder ein dauergeiler Tölpel – auf jeden Fall bist du nicht mehr Herr deiner selbst.
Wie fundamental diese Verkrüppelung ist, kann ausschließlich mit Hilfe der Orgonomie erfaßt werden. Dazu betrachten wir die drei folgenden orgonometrischen Gleichungen:

Die Kreiselwellen-Bewegung („energetisches Orgonom“) vom Steißbein nach oben zum Kopf und dann an der Vorderseite des Körpers hinab zum Genital kann man mit der Sexualität gleichsetzen, die bioenergetische Pulsation, deren Zentrum in Herznähe der Plexus solaris ist, mit der Liebe. Die beiden aufeinander gerichteten Pfeile deuten an, daß sich diese beiden Funktionen wechselseitig anziehen und dabei verstärken. Werden sie auseinandergerissen, schädigt das den Organismus auf denkbar fundamentale Weise.
Ähnliches läßt sich über die Funktion „relative Bewegung“ (das gemeinsame Funktionsprinzip von Pulsation und Kreiselwelle) und die Funktion „ko-existierende Wirkung“ sagen. Die Bewegung verankert uns in der Realität, während beispielsweise unser Traumerleben vollkommen von den Gesetzen von Raum und Zeit befreit zu sein scheint: ko-existierende Wirkung. Wie Freud in der Neuen Folge zur Einführung in die Psychoanalyse schreibt: „Es gibt im Es nichts, was man der Negation gleichstellen könnte, auch nimmt man mit Überraschung die Ausnahme von dem Satz der Philosophen wahr, daß Raum und Zeit notwendige Formen unserer seelischen Akte seien“ (Studienausgabe, Bd. 1, S. 511).
Zu dieser Welt jenseits der üblichen Logik gehört auch die Liebe, die „ewige Liebe“, „die stärker ist als der Tod“, „Ozeane können uns nicht trennen“, etc. Die gesamte Liebeslyrik ist eine Beschreibung der „ko-existierenden Wirkung“, während Sexualität denkbar profan ist. – Diese beiden Welten, da heterogen, können ineinander übergehen, wie etwa im Wechsel vom Schlafzustand („Träume“) in den Wachzustand („Aktivität“) und umgekehrt. Erst das macht uns zu vollwertigen Menschen, die autonom agieren können. Ohne dieses Zusammenspiel, diese Variabilität in unserem Funktionieren, sind wir innerlich blockiert: entweder willenlose Sexroboter ohne Tiefe, die man beliebig programmieren kann, oder hilflose Geister, die im nirgendwo schweben – in religiösen Wahnvorstellungen.
Das gemeinsame Funktionsprinzip von relativer Bewegung und ko-existierender Wirkung ist die orgonotische Erregung, deren, ebenfalls heterogener, funktioneller Gegenpart die Wahrnehmung ist. Normalerweise können auch sie ineinander übergehen: Erregung kann dazu führen, daß wir sozusagen „aufwachen“ und aufmerksam werden, Wahrnehmung kann in Erregung übergehen. In der autoritären („neurotischen“) Gesellschaft wurden beide Funktionen eingeschränkt, so daß der Wahrnehmungs- und Erregungspegel stets niedrig blieb. Die neurotischen Massen entsprachen dem Homo normalis. In der antiautoritären Gesellschaft kommt es tendenziell zu einer Spaltung zwischen Erregung und Wahrnehmung. Eine Spaltung, die Reich zufolge die Grundlage der Schizophrenie ist, in der die beiden Funktionen ein weitgehendes Eigenleben führen. Ein perfektes Beispiel ist die Pornographisierung unseres Lebens („Sex findet im Kopf statt“, „das Gehirn ist das erogene Organ“) und die „Perversierung“, bei der sich die Sexualität (Erregung) vom Geschlecht, der Spezies, ja sogar vom Lebendigen selbst löst. Der schiere Wahnsinn starrt uns an:
Genitalität ist definiert, durch das harmonische Zusammengehen von Liebe und Sex, was einfach bedeutet, daß man mit, wie man so schön sagt, „Leib und Seele“ bei der Sache ist, es keinen Konflikt zwischen Zärtlichkeit und „Geilheit“ gibt und die Energie ungestört durch Ambivalenz frei fließen kann. Das gilt für sämtliche Formen der Liebe, sei dies nun die zwischen sehr guten Freunden oder den Eltern zu ihren Kindern mit dem einzigen Unterschied, daß der Drang zur genitalen Überlagerung (die besagte „Geilheit“) vollständig abwesend und schlichtweg unvorstellbar ist. (Andere, sozusagen „nichtspezifische“ Formen der Überlagerung, d.h. der Drang nach Nähe, sind natürlich die Grundlage der Gesellschaft.)
Arbeit muß man vom bewußten „Dienst nach Vorschrift“, also dem unterschwelligen Streiken, auf der einen Seite und dem blinden „Roboten“, auf der anderen Seite unterscheiden. Seit Marx und Engels ist „Arbeit“ definiert als das Zusammengehen von „Hirn und Hand“. Arbeit ist weder bloßes Theoretisieren, noch bloßes Herumwerkeln, sondern sie folgt immer einem Plan, einer Blaupause. Man denke etwa an den Häuserbau. Je harmonischer diese beiden Funktionen auf allen Ebenen vom Architekten bis zum Klempner zusammengreifen, desto besser ist das Ergebnis. Das war das Geheimnis von Deutschlands wirtschaftlichem Erfolg und dem Gütesiegel „Made in Germany“.
Was schließlich das Wissen anbetrifft, geht wahres Wissen darauf zurück, in beide „orgonometrischen Richtungen“ denken zu können, also hin zum Gemeinsamen Funktionsprinzip (CFP) und weg von CFP hin zu den zahllosen Variationen. Das erstere entspricht weitgehend dem kurzschlußartigen Mystizismus (alles wird unvermittelt auf einen „Urgrund“ bezogen) und dem heillos in den Myriaden Variationen sich verzettelnden Mechanismus. Der Funktionalist kann sachbezogen denken und ist dergestalt immer „bei der Sache“ – genauso wie in der Liebe und der Arbeit.
Über die Verzerrung von Liebe, Arbeit und Wissen hat Charles Konia geschrieben:
Die Liebe verwandelt sich [durch die sekundäre Schicht des Charakters] in alle möglichen Formen von prägenitaler Sexualität. Arbeit wird verdreht zur „üblichen Politik“, zentralistischen Regierung, Korruption in der Wirtschaft, Gier, dem Streben nach und der Ausübung von Macht über andere usw. Wissen wird degradiert zu Information, Daten und mechano-mystischem Denken in den Naturwissenschaften, im Individuum und in der Gesellschaft usw. (Clueless, S. 85)
Ziel muß sein, diese unheilvollen Verzerrungen, die unser Leben in einen nihilistischen Alptraum verwandeln, in der Gesellschaft (Kampf gegen die mechanistische Linke und die mystische Rechte, für Demokratie und Vernunft) und im Einzelnen (eine lebenspositive Erziehung der Kinder) aufzuheben. Am Ende stünde die Arbeitsdemokratie: Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens, sie sollten es auch bestimmen.
Die sexualökonomische Einheit von Sex und Liebe ist der eigentliche Ausgangspunkt und die Grundlage der Orgonomie. Gepanzerter Sex ist mechanische Spannung und Entspannung, mechanische Aufladung und Entladung. Genitalität ist Spannung, die zur Ladung führt, weiter zur Entladung und Entspannung. Es ist eine bioenergetische Abfolge, die sehr „schüchtern“ und leicht zu stören ist, wie Reich in seinen bioelektrischen Experimenten feststellte. Um sich entfalten zu können, braucht es Zärtlichkeit und das Gefühl von Hingabe und Sicherheit. Das ist es, was wir „Liebe“ nennen. Alles andere ist aus sexualökonomischer Sicht sinnloses Ficken mit einem kalten Penis.
Für mich ist die Abtreibungsfrage das perfekte Beispiel für die Emotionelle Pest: Der Konservative kann seinen stets zutiefst sexualfeindlichen Haß auf das Leben ausdrücken, indem er beispielsweise die Liebe unter Jugendlichen mit der Angst vor Schwangerschaft vergiftet, und parallel kann der Liberale seinen tiefen Haß auf die genitale Liebe ausdrücken, indem er millionenfach Menschenopfer („Abtreibungen“) durchführt bzw. propagiert. Es ist alles wie eine Wiederholung des Alten Testaments mit den „konservativen“ Juden gegen die „liberalen“ Heiden, Jahwe gegen Moloch. In diesem Szenario ist Reich so etwas wie die Wiederkunft Jesu, die über die Dichotomie von Pharisäern (Konservativen) und Römern (Progressiven) hinausweist.
Mittlerweile triumphiert der Teufel, der will, daß gar nichts ist. Das Ziel der Linken ist gar nicht mehr „sexuelle Freiheit“, vielmehr ist für sie „sexuelle Selbstbestimmung“ heutzutage nichts anderes ist als Freiheit von Sex. Das wird erreicht durch (a) die Entfremdung der Frauen von ihren angeblichen Unterdrückern (Männern), (b) durch Gender Mainstreaming, d.h. die Auslöschung der Polarität Mann-Frau, und durch die Trans-Bewegung (Genitalverstümmelung durch Hormonblocker und Skalpell), was logischerweise im (c) Transhumanismus, d.h. die Auslöschung des lebendigen Lebens selbst mündet. Es handelt sich um eine Art Neo-Buddhismus: das Ziel ist das Erreichen des „Nirwana“.
In der traditionellen indischen Gesellschaft gab und gibt es noch heute eine Kaste von männlichen Transsexuellen. Wenn sie die von ihrem Guru vorgenommene Amputation von Penis und Hoden überleben, nennen sie den dergestalt erreichten Zustand „Nirwana“! Liberale wollen das Nirwana erreichen – und es ist kein Zufall, daß fast alle Liberalen Buddhisten sind. Es geht um Entladung und Entspannung – das, was Freud als „Todestrieb“ bezeichnete und Reich mit dem DOR verband. Es soll endlich Ruhe sein!