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Orgonomie: 1932 kommunistisch, 2022 rechtskonservativ?

15. Januar 2022

Wie paßt das zusammen, daß Reich zwischen 1928 und 1936 ein fanatischer Kommunist sein konnte, der, wie die „Antifa“ heute, kaum einen Unterschied zwischen Konservativen, Reaktionären und „Nazis“ machte; – und daß heute sein gegenwärtig einzig legitimer Nachfolger, Charles Konia, Linksliberale, Sozialdemokraten und Kommunisten unterschiedslos in einen Topf wirft?

Für Konia sind Leute wie Obama, Harris und Biden und alle anderen gegenwärtigen Führer der Demokratischen Partei der USA nichts anderes als rote Faschisten, – genauso wie es für Reich Ende der 1920er Jahre und Anfang der 1930er Jahre keinen Unterschied zwischen dem katholischen Zentrum, den Anhängern der Hohenzollern und den Nationalsozialisten gab.

Um das verstehen, muß man sich die damalige Presse und die damalige Justiz vergegenwärtigen: die ständige Hetze gegen fortschrittliche Leute wie Reich, und Gerichte, die die Schuldigen laufenließ, während Unschuldige, die die falsche politische Gesinnung hatten, mit einem Unrechtsurteil nach dem anderen in die Enge getrieben wurden. Es ist kein Zufall, daß der Justizpalast-Brand in Wien 1927, sein Vor- und Nachspiel, Reich politisch radikalisiert hat. „Funktionell“ betrachtet waren alle Akteure auf der Rechten unterschiedslos Feinde des Lebendigen, d.h. alle ihre Ideologien und entsprechenden Handlungen liefen auf das gleiche hinaus: die restlose Auslöschung der Orgonomie (d.h. des gesellschaftlich wirksamen Lebensimpulses). Es waren in Wien, Berlin, Kopenhagen, Malmö und Oslo unterschiedslos die gleichen Faschisten, ob sie sich nun katholisch, deutsch-national oder sozialdemokratisch gerierten. Sie lieben den Tod und wir lieben das Leben!

Und daran hat sich prinzipiell nichts geändert, obwohl es mittlerweile, beginnend mit den Jahren unmittelbar nach Reichs Tod, zu einer dramatischen „Rotverschiebung“ (Konia) gekommen ist, durch die sich nun das politische Spektrum sozusagen „links staut“ und alle Unterschiede auf der Linken nichtig macht. Die Medien sind nur noch „Rotbestrahlung“ und die Justiz verbreitet durchweg „Roten Terror“. Wir werden vom letzten Stalinistischen Abschaum regiert… Ich brauche das nicht weiter ausführen. Die Orgonomie, d.h. die Verkörperung des Lebendigen, ist die gleiche geblieben, sie ist die einzige letztgültige Wahrheit, nur die Zeitläufe haben sich geändert: aus einer sexualfeindlichen autoritären Gesellschaft ist eine permissive antiautoritäre Gesellschaft geworden; aus dem todestrunkenen Mystizismus der Reaktion ist der nihilistische Wahn des mechanistischen Transhumanismus geworden.

Bert, Klabund und Peter (Teil 1)

21. August 2020

Gedichte wie das folgende ergreifen uns, weil hier der Dichter seine ansonsten verdrängten Strebungen in sublimierter Form zum Ausdruck bringt. Das Dunkle und Undeutbare erweist sich als Ausdruck der „Zensur“ im Freudschen Sinne: unter keinen Umständen dürfen dem Dichter selbst bestimmte Dinge ins Bewußtsein treten. Diesen Konflikten, dieser Spannung kann der Dichter auf zweierlei Wege entgehen: durch komplette Verflachung des Inhalts, etwa in Gestalt von Marxistischen Tendenzstücken, oder durch die komplette Dominanz von Obskurantismus und Subjektivismus, der nicht mehr zu entschlüsseln sind. Brecht wollte sich von letzterem befreien und wandte sich deshalb der vermeintlich „objektiven Wissenschaft“ des Marxismus zu.

Hier das besagte Gedicht avon Mitte der 1920er Jahre kurz bevor sich Brecht von seinem „Subjektivismus“ befreite:

Aber die Händelosen
Ohne Luft zwischen sich
Hatten Gewalt wie roher Äther.
In ihnen war beständig
Die Macht der Leere, welche die größte ist.

Sie hießen Mangel-an-Atem, Abwesenheit, Ohne-Gestalt
Und sie zermalmten wie Granitberge
Die aus der Luft fallen fortwährend.
Oh, ich sah Gesichter
Wie in schnell hinspülendem Wasser
Der abtrünnige Kies
Sehr einförmig. Viele gesammelt
Gaben ein Loch
Das sehr groß war.

Immer jetzt rede ich nur
Von der stärksten Rasse
Über die Mühen der ersten Zeit.

Plötzlich
Flohen einige in die Luft
Bauend nach oben; andere vom höchsten Hausdach
Warfen ihre Hüte hoch und schrien:
So hoch das nächste!
Aber die Nachfolgenden
Nach gewohnten Daches Verkauf fliehend vor Nachtfrost
Drangen nach und sehen mit Augen des Schellfischs
Die langen Gehäuse
Die nachfolgenden.
Denn zu jener Zeit in selbiger Wändefalt
Aßen in Hast

Vier Geschlechter zugleich
Hatten in ihrem Kindheitsjahr
Auf flacher Hand den Nagel im Wandstein
Niemals gesehn.

Ihnen wuchs ineinander
Das Erz und der Stein.
So kurz war die Zeit
Daß zwischen Morgen und Abend
Kein Mittag war
Und schon standen aus altem, gewöhnetem Boden
Gebirge Beton.

Ich will dieses Gedicht, das die emotionale Bewegtheit eines bayrischen Provinzlers in der Weltmetropole Berlin, d.h. die Bewegung der Orgonenergie in ihm und in seiner Umgebung widerspiegelt, nicht groß interpretieren. Er erlebt Berlin ähnlich wie das kalte und unmenschliche Hochgebirge, wo man ebenfalls die „rohe Gewalt“ des Äthers spürt.

Bemerkenswert ist nicht nur Brechts Genie, sondern auch, daß Brecht die Welt eines Klabunds wenig später verlassen sollte und beeinflußt durch den Marxismus sich dröger Propaganda zuwenden sollte, die das Theater nachhaltig zerstört hat, da die Schauspieler in bloße Marionetten verwandelt und damit alle Emotion beseitigt wurde. Bestenfalls wurden die Schauspieler zu Marionettenspielern, die eine hölzerne „Charaktermaske“ vor sich hertrugen. Eine durch und durch verkopfte Angelegenheit. Reich wandte sich zur selben Zeit wie Brecht dem Marxismus zu, ohne dabei das Wesentliche, seine Seele, zu opfern. Gewisserweise blieb er Klabund treu.

Im Manuskript von Reichs 1942 erschienenen wissenschaftlichen Autobiographie Die Funktion des Orgasmus taucht ein vor der Drucksetzung wieder gestrichenes Gedicht auf, daß Reich sechs Jahre später am Ende seiner Rede an den Kleinen Mann doch anbringen sollte:

Ich pflanzte das Panier der heiligen Worte
in diese Welt.
Wenn längst der Palmenbaum verdorrte,
der Fels zerfällt,
wenn die strahlende Monarchen
wie faules Laub im Staub verwehn:
Tragen durch jede Sündflut tausend Archen
mein Wort: Es wird bestehn!

Das Gedicht stammt von Klabund bzw. aus dessen freier Übersetzung eines Gedichtes des iranischen Nationaldichters Hafis.

Als Jugendlicher war Klabund der einzige Dichter (neben vielleicht Hesse), für den ich mich erwärmen konnte. Brecht, der uns von den Lehrern angetragen wurde, habe ich instinktiv abgelehnt und insgeheim verachtet. Er war (so jedenfalls die allgemeine Auffassung) der bedeutendere Dichter, doch nur bei Klabund findet man diesen merkwürdigen Zauber, dieses Brennen – das das Leben selbst ist. Außerdem war Brecht ein passionierter Plagiator und hat sich ausgiebig von Klabund „inspirieren“ lassen. Man denke nur an den Kaukasischen Kreidekreis.

Wahrheit und Wirklichkeit (Teil 4): PSYCHOLOGIE, SOZIOLOGIE und MEDIZIN – die widersprüchliche Wirklichkeit

9. Juli 2020

Wilhelm Reich, Physiker: 7. Wahrheit und Wirklichkeit

Chronik der Orgonomie (Teil 1)

7. Januar 2019

ChronikderOrgonomie

Ich habe den ersten Teil meiner 414seitigen Reich-Biographie überarbeitet:

CHRONIK DER ORGONOMIE 1897-1939

Langenhorn und Saharasia

7. Mai 2018

Seit 1912 gehört die Landgemeinde Langenhorn zum Hamburger Stadtgebiet, ist aber weitere 100 Jahre ein verschlafenes Nest auf dem Land geblieben. Das sah man schlichtweg daran, daß etwa im Vergleich zu Harburg, Altona und Billstedt es rein deutsch blieb, jedenfalls vom Gefühl her. Seit etwa fünf Jahren normalisiert sich das: Neger, wandelnde Kartoffelsäcke (sogenannte „Muslima“), Eritreer und generell „Südländer“, wohin man sieht. Wir haben sogar schon einen arabischen und einen afghanischen Lebensmittelladen. Langenhorn ist endlich wirklich in Hamburg eingemeindet! Nun, ähhh, aber weiterhin doch nur teilweise. Als „Langenhorn“ bezeichnet man schmale Nutzwaldstreifen zwischen den Feldern und Äckern. Und genauso sieht der Stadtteil auch aus, d.h. der Weg ins Grüne ist nie weit. Eritreer und Konsorten findet man ausschließlich im lauten „urbanen“ Mittelpunkt von Langenhorn. Einem Mork wird man aber nie, wirklich nie, im Wald begegnen. Der ist wirklich ausschließlich deutsch. Wenn ich abends beim Sonnenuntergang dort am See sitze und auf dem Notebook einen Blogeintrag zusammenschmiere: nur deutsche Jogger, Kinderersatz (Köter), der sein durch Psychopharmaka ruhiggestelltes Herrchen spazierenführt und ständig paffende deutsche Kinder (!) und Jugendliche, die sich mit Bier und Schnaps vollaufen lassen. Eine „Zukunft“, die entweder in Lungen- oder Leberkrebs verenden wird…

Dort wo ORgon ist, findet man keine Menschen, die aus Saharasia stammen. Die finden sich nur dort, wo es laut, abgasgeschwängert, DORig bzw. durch ORANUR aufgepeitscht ist, d.h. im „urbanen“ Zentrum von Langenhorn. Da es sich hier nicht so sehr um ökonomische, soziale oder psychologische Prozesse handelt, sondern um (orgon-)energetische, findet man exakt das gleiche auf allen drei Größenebenen: lokal (Langenhorn), national (Metropolen wie München, Berlin, Frankfurt und Bremen, sind schon seit langem keine deutschen Städte mehr, während man auf dem Lande weiter der Mär nachhängen kann, Deutschland sei noch zu retten) und global (DeMeos Saharasia-Theorie).

Aus eigener Erfahrung weiß ich genau, wie sich die DOR-Morks fühlen. Wenn ich die DOR-Glocke über Hamburg verlasse, indem ich eine Tour weiter nach Norden ins realativ DORfreie Schleswig-Holstein mache, wo nicht ohne Grund die glücklichsten Menschen Deutschlands leben, überkommen mich auch Unruhe und Bedrückung. Nicht ohne Grund raßten die Gäste des Rautenferkels regelmäßig aus, wenn sie auf dem Land untergebracht werden sollen.

nachrichtenbrief60

21. August 2017

Der Rote Faden: Die Untermenschen

25. Juni 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

Die Unterwanderung und Übernahme der Orgonomie durch die Kommunisten mittels ideologischer Gleichschaltung der Reich-Biographie

19. Mai 2017

Zunächst wird Reichs Stalinistischer (d.h. in der damaligen Zeit extrem linksradikaler) Fanatismus Ende der 1920er und Anfang 1930er Jahre kleingeredet. Das wird getan, um aus Reich einen charakterstrukturellen Linksliberalen zu machen. Dieser auf den ersten Blick für linke Verschwörer etwas absonderliche Schritt ist notwendig, um einen zweiten vorzubereiten, nämlich glaubwürdig zu machen, daß Reich in Amerika nicht etwa aus grundsätzlichen, sondern aus opportunistischen Gründen sich vom Marxismus distanziert hat.

Beides ist vollständig abwegig: in Wien und Berlin hat Reich sein Linksradikalismus die Karriere zerstört und ihn in akute Lebensgefahr gebracht, während in New York seine explizite Distanzierung von der UdSSR und den Linken ihm im alles entscheidenden Milieu der Intellektuellen nur Probleme beschert hat.

Reich soll zu dem umgelogen werden, was er in wirklich jeder seiner Phasen wahrhaftig nicht war: zu einem windelweichen, aggressionsgehemmten, opportunistischen Linksintellektuellen a la Otto Fenichel!

Reich hat den Verschwörern ungewollt in die Hände gearbeitet, als er selber in Amerika einerseits seine ehemalige Militanz herunterspielte, andererseits aber partout nicht von Marx und selbst nicht von Lenin lassen wollte. Das eine, wie das andere ist nur allzu verständlich, da es fast unmöglich war, Reichs ehemalige Militanz zu erklären, und andererseits Reich verständlicherweise auch nicht aufgeben wollte, was er in Wien und Berlin erarbeitet hatte. Tragischerweise können die Verschwörer heute durch bloße Akzentverschiebungen daraus eine ganz andere Geschichte machen. Eine, die Reich in den sozialistischen Befreiungskampf „zurückholt“, indem er sozusagen politisch gemainstreamt wird.

nachrichtenbrief6

4. April 2017

Die sexuelle Revolution

7. Januar 2017

Als Reich aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrte und nach einem Semester Jura anfing Medizin zu studieren, organisierte er zusammen mit seinem damaligen Freund Otto Fenichel ein privates Studentenseminar über eine Leerstelle im offiziellen Lehrplan: die Sexologie. Über dieses Seminar kam er in Kontakt mit Freud und wurde sehr schnell Psychoanalytiker. Was ihm bereits damals auffiel, war, wie imgrunde fremd ihm die Herangehensweise der damaligen Sexologen und Psychoanalytiker war, die sich detailversessen an allen möglichen Perversionen abarbeiteten, das eigentliche Thema aber verfehlten: die gewöhnliche Sexualität des Menschen bzw. das, was sich die meisten Menschen als erfüllende Liebe ersehnen. Entsprechend lebte er als Sexualaufklärer in einer vollkommen anderen Welt als etwa Magnus Hirschfeld. Es gab praktisch keinerlei Berührungspunkte. Man muß auch daran denken, daß zu der Zeit, als Reich in Berlin tätig war, Berlin als die „Sexhauptstadt“ der Welt galt. Nichts davon ist in seinem persönlichen Leben oder in seiner „Sexpol“-Arbeit zu finden. Entsprechend verband ihn in Amerika so gut wie nichts mit Leuten wie Henry Miller oder Alfred Kinsey. Vielmehr galt er wegen seines Beharrens auf der Genitalität als prüde und außerdem betrachteten ihn beispielsweise die damaligen Anarchisten, die für „sexuelle Freiheit“ fochten, als eine Gefahr, weil sie befürchteten mit seiner „Pseudowissenschaft“ in einen Topf geworfen zu werden.

In seiner Sexpol-Arbeit beschäftigte er sich natürlich auch mit Perversionen, Hermaphroditen, etc. doch dies nie in seinen öffentlichen Vorträgen, sondern nur in Einzelgesprächen, wo es darum ging, daß das ganze kein Problem der Moral sei, daß sich der betreffende nicht schämen müsse, wo er weitere Hilfe finde, etc. Das kontrastiert auffallend zur „modernen“ Herangehensweise, Minderheitenprobleme in den Mittelpunkt zu stellen und das, was „die Massen“ angeht, an den Rand zu schieben.

Kurioserweise wurde von Anfang an versucht Reich mit der „sexuellen Revolution“ der 1960er Jahre in Verbindung zu bringen, allein schon wegen des gleichnamigen Buchtitels von Reichs Mitte der 1940er Jahre erschienenen Buches. Doch ist es vollständig abwegig Reich in irgendeine Beziehung etwa zum Playboy oder anderen Vermarktern von „Sex“ zu setzen. Man schaue sich nur den Film What‘s New Pussycat aus dem Jahre 1965 an. Nichts verband ihn mit den Hippies und selbst in der Studentenbewegung, man denke nur an Cohn-Bendit, wurde eindeutig Herbert Marcuse bevorzugt und Reich der „Fetischisierung der Genitalität“ geziehen.

Die wahre „sexuelle Revolution“ hatte für Reich verschiedene Aspekte. Zunächst einmal ging es um die Herstellung einer grundsätzlich sexualpositiven, lebensfreundlichen und das hieß für Reich anfangs vor allem antireligiösen Atmosphäre. Diese stellte er etwa auf den Massenversammlungen der Sexpol in Wien und Berlin her. Heute kann man kaum sagen, daß die gesellschaftliche Atmosphäre „sexualpositiv“ ist, vielmehr ist sie von Angst geprägt nicht irgendwelchen Kriterien zu genügen und ständig wird Angst vor Geschlechtskrankheiten, insbesondere HIV eingeflößt. Hinzu kommt, daß heute „Sex“ weitgehend als Ersatz für familiäre Wärme und emotionalen Kontakt herhalten muß. Bei Migranten herrschen heutzutage ähnliche Verhältnisse wie damals im erzkatholischen Österreich oder in der damaligen deutschen Provinz und selbst die Deutschen sind alles andere als „antireligiös“, vielmehr greift eine „Spiritualität“ um sich, die die Menschen erst recht von ihrer Sexualität entfremdet.

Einer der Hauptgegensätze zwischen Reich und Freud war die Natur des Ödipuskomplexes. Für Freud war er eine biologische Gegebenheit, aus der sich die Kultur entwickelt hat, die deshalb untrennbar mit der Neurose verknüpft sei. Für Reich war er ein Kunstprodukt der patriarchalen Familienstruktur und würde sich, zusammen mit der Neurose, mit dem Verschwinden der Familie, wie wir sie kennen, in Luft auflösen. Er schaute dabei hoffnungsvoll nach Rußland und dessen Experimenten mit „kollektiver Erziehung“. Reich dachte dabei vor allen an von den Kindern selbstgesteuerte „Kinderrepubliken“, in denen kindliche Sexualität ausschließlich zwischen etwa gleichaltrigen Kindern stattfindet. Gleichzeitig erkannte Reich im Laufe der Zeit aber immer deutlicher, wie sehr das Kind vom Augenblick der Geburt an die körperliche und vor allem emotionale Nähe seiner Mutter braucht, um gesund heranzuwachsen. In der sogenannten „sexuellen Revolution“ kam es jedoch, nicht zuletzt durch den Einfluß der orthodoxen Psychoanalyse, die bei zu engem Kontakt zwischen Kindern und Eltern immer eine „Aktivierung des Ödipuskomplexes“ witterte, zu einem Wegbrechen dieses Urvertrauens. Für Kinder und Jugendliche wurde „Sex“ zu einem Ersatz für diese Nähe und Menschen mit pädophilen Tendenzen sahen sich berufen, die Sexualität von Kindern „zu befreien“, wobei sie sich irrwitzigerweise teilweise sogar auf Reich beriefen.

Durch den Zerfall der alten triebgehemmten autoritären Ordnung und ihre schrittweise Ersetzung durch eine triebenthemmte antiautoritäre „Unordnung“ ist es infolge der „sexuellen Revolution“ zu einer grundlegenden Veränderung der Panzerstruktur des Durchschnittsmenschen gekommen, nicht zuletzt auch durch die Verbreitung legaler und illegaler Drogen, insbesondere Marihuana: muskuläre Panzerung wurde weitgehend durch okulare (Augen-) Panzerung ersetzt, was zu einem Zustand allgemeiner Kontaktlosigkeit, einem höheren Angstpegel und allgemeiner Orientierungslosigkeit führt, die die Augenpanzerung immer weiter verstärkt.