Posts Tagged ‘Gehirn’

Der Rote Faden (Band 2): 45. Alzheimer und Parkinson, Schrumpfungsbiopathien

19. November 2023

DER ROTE FADEN (Band 2): 45. Alzheimer und Parkinson, Schrumpfungsbiopathien

David Holbrook, M.D.: Sentenzen 3

8. November 2023

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Sentenzen 3

David Holbrook, M.D.: SCHLAF / WAS UNS ZURÜCKHÄLT / DEMOKRATIE / SPEKULATION / LIEBE UND HASS / EINFACHHEIT UND KOMPLEXITÄT

29. August 2023

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Schlaf

Wer hält dich zurück?

Dingen nachjagen, die es nicht gibt

Die Neuartigkeit von Freiheit und Demokratie

Spekulation

Spekulative Schlußfolgerungen im Vergleich zu Schlußfolgerungen, die auf Beobachtung beruhen

Was wir gemeinsam haben

Wie man denkt

Vertrauen

Das Gehirn ist weiter als der Himmel

Uneinigkeit

Liebe und Haß

Wenn man glaubt, die Motive anderer Menschen zu kennen

Einfachheit gegen Komplexität

David Holbrook, M.D.: WIE DU ANDERE BEHANDELST / FURCHT UND AUTORITARISMUS / DIE FUNKTIONEN DES STAATES

11. Juni 2023

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Wie du andere behandelst zeigt wer du wirklich bist

Furcht und Autoritarismus

Die Funktionen des Staates, der Wirtschaft, der Freiheit und der Unabhängigkeit im Vergleich zum Zentralen Nervensystem, dem Autonomen Nervensystem, den Emotionen und der spontanen Aktivität im allgemeinen

Kreiselwelle, Pulsation und der Ursprung der Panzerung

25. Mai 2023

In Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht habe ich, teilweise im Rückgriff auf die Ursprünge der Freudschen Psychoanalyse, dargestellt, daß die Genitalität sowohl die Grundlage von allem ist, als auch eine Entwicklung hat, die sich in den libidinösen Stufen niederschlägt: okular, oral, anal, phallisch, genital. Kurz gesagt ist der sich ständig unter orgastischen Zuckungen teilende Einzeller genital und erst nach einer Entwicklung der Mehrzeller von etwa 600 Millionen Jahren war wieder der Mensch (potentiell) genital (orgastisch potent). Das schlug sich auch in der Morphologie und orgonotischen Koordination nieder.

Die Orgonenergie bewegt sich auf zwei Weisen: Kreiselwelle und Pulsation. In Organismen schlägt sich das unmittelbar in ihrer Morphologie nieder. Erstens Orgonomform („Bohnenform“) mit der entsprechenden Bewegung der Energie den Rücken aufwärts zum Kopf und dann auf der Vorderseite abwärts zum Genital. Darauf geht das Zentrale Nervensystem zurück. Zweitens die Kugelform mit einem Zentrum (dem Plexus solaris), einer mittleren Schicht und der Peripherie. Ein Organisationsprinzip, das sich im Vegetativen Nervensystem niederschlägt mit seinen beiden Ästen Parasympathikus (energetische Expansion) und Sympathikus (energetische Kontraktion).

Verfolgt man diese beiden Organisationsprinzipien über die besagten 600 Millionen Jahre hinweg, findet sich eine eindeutige Entwicklung, die im Menschen kulminiert. Wie wir seit der Renaissance wissen, ist der menschliche Körper von kosmischen Proportionen bestimmt, die sich insbesondere auf den Goldenen Schnitt beziehen, was unmittelbar auf die Kreiselwellen-Bewegung der kosmischen Orgonenergie verweist (Stichwort kosmische Überlagerung und Fibonacci-Spirale). Parallel dazu hat sich das Gehirn (das Zentrale Nervensystem) derartig ausgeprägt, daß in und durch uns die kosmische Orgonenergie ihrer selbst bewußt wird und diese Zusammenhänge erkennt.

In nuce finden sich diese Erläuterungen über die Orgonom-Form und ihre Entwicklung in der dritten Auflage der Charakteranalyse (1949) und in Die kosmische Überlagerung (1951). Über die bioenergetische Pulsation, und wie sie sich morphologische niederschlägt, hat sich Reich Mitte der 1930er Jahre in Zusammenhang mit dem „vegetativen Urgegensatz von Lust und Angst“ und den „bio-elektrischen Experimenten“ ausgelassen (siehe Die Funktion des Orgasmus, 1942). Der besagte Niederschlag ist das Vegetative Nervensystem.

Auf der „Kreiselwellen-Seite“ (dem „energetischen Orgonom“) ist der Mensch perfekt, d.h. die Evolution ist abgeschlossen, denn die kosmische Energie ist mit ihren Bewegungsgesetzen ganz Struktur geworden. Nur auf der „Pulsations-Seite“ (dem „orgonotischen System“) gibt es Probleme bzw. „Verbesserungsmöglichkeiten“. Der medizinische Orgonom Robert A. Harman hat dazu geschrieben, daß, während die Entwicklung des Zentralen Nervensystem der Vertebraten relativ früh jedenfalls vom Bauprinzip her weitgehend abgeschlossen war, die Evolution des Vegetativen Nervensystem lang andauerte bzw. erst relativ spät begann und anscheinend weitergeht.

Man kann sogar sagen, daß die „Evolution“ des Vegetativen Nervensystems beim Menschen noch lange nicht abgeschlossen ist, denn es gibt Fälle, in denen die Funktion des Vegetativen Nervensystems seiner Struktur noch weit voraus ist. So gibt es beispielsweise wichtige parasympathische Prozesse, die von cholinergen Fasern aus den sympathischen Ganglien entladen werden, wie die cholinerge gefäßerweiternde Erregung der Skelettmuskulatur. Diese sympathischen Strukturen sind noch nicht physisch in parasympathische Strukturen differenziert. (The Autonomic Nervous System and the Biology of Sleep, Part 1. The Journal of Orgonomy 41/1, 2007, S. 36)

Ich habe den Verdacht, daß genau diese „bioenergetische Unausgereiftheit des orgonotischen Systems“ zu einer Unausgewogenheit zwischen energetischem Orgonom und orgonotischen System führen muß, was mit der Anfälligkeit des Menschen für Panzerung einhergeht. Panzerung bedeutet, daß zwei Impulse sich ins Gehege kommen, nicht nur so, daß der Organismus nicht mehr als Einheit funktionieren kann, sondern auch, weil er nicht als Einheit funktioniert.

Im Schlußkapitel von Die kosmische Überlagerung hat Reich den möglichen Ursprung der Panzerung mit, wie der Titel des Buches schon andeutet, der Kreiselwellen-Bewegung in einen nur vage formulierten Zusammenhang gebracht. Vielleicht ist es naheliegender auf die Pulsation zu blicken, zumal Reich die Biopathien explizit als „Pulsationsstörungen“ bezeichnet hat (siehe Der Krebs).

Antiorgontherapie (Teil 8)

13. Juli 2022

Der grundlegende Unterschied zwischen der Psychoanalyse à la Theodor Reik („Hören mit dem dritten Ohr“) und der Charakteranalyse von Wilhelm Reich: in der Psychoanalyse werden alle Arten von „Gefühlen“ objektiviert und ins Hier und Jetzt versetzt („Bewußtmachen des Unbewußten“), während in der Charakteranalyse umgekehrt das Hier und Jetzt („Sie beschreiben den Tod Ihrer Mutter. Warum lächeln Sie?“) „emotionalisiert“ wird. Das hat drei Aspekte:

In der Psychoanalyse wird alles sexualisiert, d.h. das Sexuelle im Gehirn „verarbeitet“ und so „überwunden“, während in der Charakteranalyse umgekehrt stets von der Ich-Abwehr ausgegangen wird, um schließlich „von oben nach unten fortschreitend“ den Sexus zu befreien.

In der Psychoanalyse wird der vermeintliche „Kern“ angesprochen; der vermeintliche „Primärvorgang“, den die Surrealisten mit ihrem Suhlen in sekundären Trieben sichtbar machen. Das wird insbesondere an der aus ihr abgeleiteten Jungschen „Analytischen Psychologie“ deutlich: während in der Charakteranalyse „chirurgisch“ von außen nach innen vorgegangen wird und sorgsam Primäres (das authentische Selbst) vom Sekundären (gesellschaftliche Konditionierungen) getrennt wird, wird in diesen Psychotherapien an das „innere Kind“ appelliert und irgendwelche vagen „geistigen Wirkstrukturen“, „Kräfte“ und „Energien“ mobilisiert. Das ganze erinnert eher an religiöse Erweckungsbewegungen und hat nichts mit einer verantwortungsvollen Psychotherapie zu tun.

In der Psychoanalyse wird die Vergangenheit in die Gegenwart getragen („Verdrängtes bewußtgemacht“), während in der Charakteranalyse umgekehrt das gegenwärtige Verhalten schrittweise mit der Vergangenheit verbunden wird, d.h. Verhaltensmuster („Charakter“) werden herausgeschält.

Zur Illustration dieser drei Punkte nehme man etwa die „Urschreitherapie“ (und sämtliche pseudo-Reichianischen Therapien plus den ganzen „Tantra-Komplex“): am Ende steht immer ein wachsendes Desinteresse an sexueller Entladung, weil die Energie vor allem im Gehirn gebunden wird; das „Selbst“ wird zunehmend von „Archetypen“ überwuchert, d.h. der Mensch auch im Kern „vergesellschaftet“ („du wirst zum Buddha, wenn du dich mit Buddha identifizierst“); und man wird Infantilisiert, d.h. abhängig gemacht.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 49)

28. März 2022

Das Gehirn ist nicht der Ursprung unserer Gedanken. Wie sollte auch etwas „Subjektives“ aus „objektiven“ Bauklötzen (Atomen und Elektronen) hervorgehen?! Nein, Gedanken entstehen aus den Sensationen und Emotionen des Körpers, d.h. letztendlich aus der Bewegung und Erstrahlung der organismischen Orgonenergie. Aufgabe des Gehirns ist es, diese zahllosen Einzelelemente zu einer Einheit zusammenzufassen und den „mechanischen“ Gesetzen der Logik und Sprache anzupassen. Was geschieht, wenn es dabei gestört wird, wissen wir alle aus eigener Erfahrung vom Alkohol, durch Krankheiten, etc.

Gehirnkoord

Wenn letztendlich unser Körper die Quelle unserer Gedanken ist, bedeutet das natürlich, daß sich der Zustand unseres Körpers unmittelbar in der Art unseres Denkens widerspiegelt. Gepanzerte, d.h. maschinenhaft entartete Körper, produzieren auch maschinenhafte Gedanken.

Ein treffendes Beispiel ist der technische Direktor von Google, Ray Kurzweil. Vor einigen Jahren sagte er voraus, daß man ab 2020 ganze Gehirne im Computer abspeichern wird können, ab 2045 die Gehirne der gesamten Menschheit und daß gegen Ende des Jahrhunderts unsere kompletten Körper durch Maschinen ersetzt werden, die dann von den Computern gesteuert werden, in denen unsere Gehirne (bzw. natürlich deren Inhalt) stecken. Damit wären wir theoretisch unsterblich. Auch könnten wir uns vollkommen unabhängig machen von unserer Umwelt, denn zahllose „virtuelle Realitäten“ stünden uns dann offen, die sich vom „Realitätsgefühl“ her in nichts von der „wirklichen Realität“ unterschieden.

Kurweil:

Wir werden zunehmend nicht-biologisch werden bis zu dem Punkt, wo der nicht-biologische Teil dominieren wird und der biologische Teil nicht mehr wichtig ist. Tatsächlich wird der nicht-biologische Teil – der Maschinenteil – so mächtig werden, daß er den biologischen Teil vollständig abbilden und verstehen kann. Also selbst wenn der biologische Teil abhanden käme, würde es keinen Unterschied machen.

Wir werden zusätzlich nicht-biologische Körper haben. Wir können Körper mit Nano-Technologie bauen, wir können virtuelle Körper erstellen und virtuelle Realitäten erzeugen, bei der die virtuelle Realität so realistisch sein wird wie die Realität. Die virtuellen Körper werden so differenziert und überzeugend sein wie reale Körper.

Wir brauchen einen Körper, unsere Intelligenz richtet sich nach einem Körper aus, aber es wird nicht dieser gebrechliche, biologische Körper sein, der derartig fehleranfällig ist. Ich denke, wir werden eine Auswahl an Körpern haben und werden sicherlich routinemäßig unseren Ursprungskörper ändern mittels der virtuellen Realität. Bereits heute kann man einen anderen Körper haben in so etwas wie Second Life, aber es ist nur ein Bild auf dem Bildschirm.

Untersuchungen haben gezeigt, daß Menschen tatsächlich beginnen sich subjektiv mit ihrem Avatar zu identifizieren. Aber in Zukunft wird es kein kleines Bild in einer virtuellen Umgebung sein, auf das du blickst. Du fühlst, daß dies dein Körper ist, daß du in dieser Umwelt bist, die so realistisch sein kann, wie die wirkliche Wirklichkeit, dein Körper ist dann der virtuelle Körper.

So werden wir routinemäßig in der Lage sein, sowohl unseren Körper als auch unsere Umgebung sehr schnell zu ändern. Hätten wir nur eine radikale Lebenszeitverlängerung, wären wir zutiefst gelangweilt, wüßten nicht, was wir noch tun sollten und hätten keine neuen Ideen. Darum werden wir zusätzlich zur radikalen Lebenszeitverlängerung eine radikale Erweiterung der Lebenswelt haben.

Wir werden Millionen von virtuellen Umgebungen zu entdecken haben, so daß wir buchstäblich unser Gehirn erweitern müssen. Gegenwärtig haben wir nur 300 Millionen Muster in einer großen Hierarchie organisiert, die wir uns selbst erschaffen. Aber wir könnten daraus 300 Milliarden oder 300 Billionen machen. Das letzte Mal, als wir den frontalen Cortex erweiterten, haben wir Sprache, Kunst und Wissenschaft entwickelt. Man male sich mal die qualitativen Sprünge aus, die wir uns heute nicht einmal vorstellen können, wenn wir unsere Großhirnrinde erneut erweitern.

Das Problem ist nicht etwa, daß diese Zukunftsvision aus den Anfangs dargelegten Gründen unmöglich ist, sondern vielmehr, daß sie realistisch ist. Das Lebendige hat nämlich die fatale Tendenz, sich von der Orgonenergie unabhängig zu machen. Wir können so viel mehr als amöboide Wesen, etwa Schleimpilze, die der Orgonenergie so nahe stehen, weil wir tatsächlich mechanisch Körper haben, die ganz nach den Gesetzen der Mechanik operieren. Es gibt eine ganze Disziplin, die sich damit beschäftigt, die „Biomechanik“! Schon heute bewegen sich Spitzensportler wie Bioroboter. Ähnlich ist es mit unseren Gehirnen bestellt, die ganz der mechanischen Logik folgen. Man denke nur an das Schachspiel, bei dem uns die Computer schon heute haushoch überlegen sind. Oder etwa an Programmierer, deren Gehirne zunehmend wie Computer funktionieren, – statt die Computer wie menschliche Gehirne!

Von jeher gab es Menschen, die gar nicht richtig leben. Sie haben keinerlei Innenleben. „Es ist niemand zu Hause.“ Hinter der Fassade, die sie ihren Mitmenschen präsentieren, ist nichts, jedenfalls nicht viel. Anders könnten sie ihre Existenz auch gar nicht ertragen! Das sind die Wunder der Panzerung. Die Technologie unterstützt dieses „Projekt“ – und Kurzweil könnte durchaus ein Prophet sein. Der Mensch wird sich restlos von der Orgonenergie emanzipieren und was bleibt, sind Mechanik und „Schachcomputer“.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 35)

18. Februar 2022

Unser jüdisch-christliches Bewußtsein stellt uns in eine tote, bewegungslose Welt, der Gott von außen das Leben, den Geist, eingehaucht hat. Eine Bewegung, die ständig zu erlöschen droht. Daher stammt unsere Furcht vor dem Tod. Unsere gesamte Zivilisation ist aus dem Drang nach Bewegung hervorgegangen. Fort-Schritt!

Die Todesfurcht der Antike und des Ostens war bzw. ist eine fundamental andere, geradezu entgegengesetzte: im Chaos der ewigen Bewegung errichten wir das Leben, als eine Insel des Seins, doch dieses Sein ist ständig bedroht durch die Bewegung. Deshalb sucht der Osten Stille und Kontemplation, die Bewegungslosigkeit. Erstarrung!

Beide Weltanschauungen sind unmittelbarer Ausdruck der Panzerung, die jede Bewegung der Lebensenergie unterbindet und gleichzeitig dazu führt, daß man eine Todesangst vor dieser Bewegung entwickelt. Einerseits entspricht dies einem Aufbäumen gegen den ständig drohenden Stillstand, gegen den Erstickungstod; andererseits entspricht es einem „Es zerreißt mich!“, weil die Panzerung nicht elastisch nachgeben kann.

Diese sadomasochistische Verfassung des gepanzerten Menschen führt dazu, daß Todesfurcht stets von Todessehnsucht begleitet wird.

Was dahinter steckt, hat keiner besser ausgedrückt als Alexandre Dumas d.J.: „Nur durch die Liebe und den Tod berührt der Mensch das Unendliche.“

Einen dritten, „energetischen“ Umgang mit dem Tod beschreibt der „Energetiker“ Josef Haid in seinem Buch Lebensrichtig:

Sobald der Mensch sich als eine Konzentrationsform aus Energieteilchen innerhalb der unvergänglichen Energieeinheit des Alls erkennt und lebensrichtig denkt und handelt – die Energieeinheit in ihm sich ihrer selbst bewußt wird –, schwindet seine Furcht vor dem Tod. (CH-Chur, 1984)

Leider ist diese Herangehensweise allzu rationalistisch und sie verkennt, daß „die Energie“, in der wir wie Fische im Wasser schwimmen, ganz bestimmte Eigenschaften hat, insbesondere die Kreiselwelle.

Was dies mit der „Ewigkeit“ zu tun hat, zeigt folgender Ausspruch des griechischen Arztes Alkmaion aus Kroton (ca. 530 v.Chr.): „Menschen müssen sterben, weil sie nicht mehr den Anfang mit dem Ende zu verknüpfen wissen, wie es die Gestirne in ihren kreisförmigen Bahnen tun.“

Die Mystiker erahnen zwar diese Zusammenhänge, doch bleibt ihnen wegen ihrer sexualfeindlichen Struktur der Zugang zum „ewigen Leben“ versperrt.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 29)

2. Februar 2022

Es liegt ein untergründiger Parallelismus vor zwischen Charles Kelley und Richard Blasband, beides Randerscheinungen auf Orgonon der 1950er Jahre. Und beide endeten mit dem Diktum: „Es gibt mehr als Sex.“

Dazu ist zunächst zu sagen, daß dies natürlich auch Reich in Christusmord gesagt hat („mehr als bloßes Ficken“), andererseits hat Reich natürlich über die Mystifizierung der genitalen Christus-Energie geschrieben, wie es sich in der christlichen Kunst zeigt. Ich erinnere auch an den hinduistischen Hare Krishna-Kitsch, wo Krishna (Christus) mit den Milchmädchen spielt, „Gopis“, die die Seelen verkörpern. Hier wird die religiöse Ekstase direkt im Bild der genitalen Umarmung gefaßt. Die Religiösen sagen, dies zeige, daß sie doch gar nicht so sexualfeindlich seien, während Reich sagt, daß alle Irrationalität transformierte Sexualität ist und alles Rationale befriedigter Sexualität entspricht – also absolut asexuell ist.

Es ist aber unbestritten, daß, wie allein schon der Begriff „Orgon“ zeigt, in der Orgonomie (ursprünglich „Sexualökonomie“!) alles auf den Sexus gründet und etwa die Orgontherapie richtigerweise „Orgasmustherapie“ heißen müßte. Kelley und Blasband wollten von dieser Ausschließlichkeit weg. Kelley indem er von „Feeling and Purpose“ sprach. Also in der Therapie sollte es nicht nur um Emotionen bzw. deren Befreiung gehen, sondern vor allem auch um Zielstrebigkeit. Das entspricht ungefähr dem, warum heutzutage junge Männer zur Fremdenlegion gehen: um ihre emotionalen Grenzen auszuloten und um Disziplin bzw. Selbstdisziplin zu lernen. Bei Blasband ging es entsprechend um die „zielgerichtete Intention“ mit der man die diversen „Energiekörper“ (die Schichten der Aura) beeinflussen kann.

Es ist in etwa so wie beim Qi Gong: die Funktion der Vorstellungskraft („der Geist“) ist der Weg zur Manipulation der Orgonenergie bzw. des „Qi“. Die von Koopman und Blasband vorgebrachte „unsterbliche Essenz“ ist nichts weiter als Ballast, ein unnützes mystisches „zusätzliches“, imgrunde tautologisches Konzept mit zweifelhafter funktioneller Bedeutung. Es ist nur die biophysikalische Orgonfunktion der Imagination, mit der Blasband und andere die Orgonenergie manipulieren.

Blasband und auch Kelley verwechseln schlicht die Folge mit der Ursache. Die gute Koordination des Organismus vermittelt das Gefühl psychischer Einheit (Soma –> Psyche). Nun kommt Blasband und erklärt die Folge der organismischen Koordination, nämlich die psychische Einheitsempfindung zur Ursache (Psyche –> Soma). Eine auf den Kopf gestellte Welt, die bereits Reich auf die Füße gestellt hatte.

In der Geschichte der Orgonomie sehe ich nur einen einzigen Anknüpfungspunkt zu der Welt von Kelley und Blasband, nämlich ausgerechnet Marx! Zurecht insistiert dieser darauf, daß Arbeit, die Grundlage unserer Existenz, nicht bloßes organismisches Roboten ist, sondern dieses erst zur Arbeit wird, wenn es zielgerichtet, intentional, einem Plan folgend ist. Allenfalls könnte man noch Freuds Überwindung des Lustprinzips durch das Realitätsprinzip nennen.

Bereits Friedrich Albert Lange hat in seinem Buch über die Geschichte des Materialismus (übrigens Pflichtlektüre für jeden angehenden Orgonomen) über die berechtigte und notwendige Ergänzung des Materialismus geschrieben, denn der Materialismus allein könne die Realität nicht erklären. Dieser Neukantianer stimmte der materialistischen naturwissenschaftlichen Methode vollkommen zu, man dürfe darauf aber keine umfassende Weltanschauung bauen, da der Mensch nur immer Bruchstücke der Wirklichkeit erfassen könne. Insbesondere das Bewußtsein ließe sich nicht aus stofflichen Vorgängen erklären, obwohl es offensichtlich von diesen abhängig ist.

„Metaphysik“ erkannte Lange nur als Kinderspiel für Erwachsene, dichterischen Mythos und ideele Fiktion an, die nichtsdestoweniger eine zentrale Funktion hat. Das sieht man z.B. daran, daß im Glauben verankerte Menschen, wobei scheiß egal ist, woran sie glauben, weniger an Krebs erkranken als materialistische Atheisten. Und dem liegt auch die ganze Geistheilerei zugrunde: die funktionelle Bedeutung der Illusion. Man darf nur nicht vergessen, daß es Illusion ist.

Reich erinnert sich:

In der medizinischen Arbeit war ich Mechanist und gedanklich eher allzu systematisch. Von den vorklinischen Fächern interessierten mich am meisten die systematische und topographische Anatomie. Gehirn und Nervensystem beherrschte ich vollkommen. Die Kompliziertheit der Nervenbahnen und die sinnreiche Anordnung der Schaltstationen faszinierten mich. So sammelte ich viel mehr an Wissensstoff, als zum Rigorosum gefordert war. Aber gleichzeitig wurde ich von der Metaphysik gefesselt. Langes Geschichte des Materialismus gefiel mir, weil die Unabkömmlichkeit der idealistischen Philosophie über das Leben klar hervortrat. Manche Kollegen ärgerten sich über meine „Sprunghaftigkeit“ und „Denkinkonsequenz“. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 29)

Ganz ähnlich war Blasband. Charles Konia beschreibt ein Fallbeispiel, hinter dem sich niemand anderes verbirgt als Blasband. Ich paraphrasiere entsprechend: Im Gegensatz zum typischen impulsiven Charakter zeigte sich bei Blasband eine energische und charmante Führungspersönlichkeit der Orgonomie mit einer gewisse Arbeitsfähigkeit, solange er unter dem Leiter der Orgonomie, E.F. Baker, einer starken Autoritätsperson, arbeitete. Solange er unter Bakers Kontrolle stand, war er ein guter Soldat und führte seine Aufgaben einigermaßen gut durch, obwohl man das Gefühl hatte, daß er sie auf Befehl und nicht aus innerer Motivation heraus erledigte. Man hatte den Eindruck, daß er auf sich allein gestellt Schwierigkeiten gehabt hätte, bei seiner Arbeit Verantwortung zu übernehmen. Als Baker plötzlich starb, war Blasband gezwungen, die Verantwortung für den Arbeitsprozeß zu übernehmen. Zunächst machte er seine Sache recht gut, indem er sich an Bakers Vorbild orientierte. Nach und nach verschlechterte sich jedoch seine Arbeitsleistung (chronisches Erschöpfungssyndrom). Er verlor die Fokussierung und ließ sich zunächst heimlich, dann offen mit einem mystischen Heiler (Nikolai Levashov) ein. Seine Arbeitsfähigkeit verschlechterte sich weiter, und er brach seine Tätigkeit in der Orgonomie ab (The Emotional Plague, S. 304).

Blasband ein Triebhafter Charakter?! Ich finde, diese Diagnose macht schon Sinn, wenn man an sein Verhalten gegenüber Jerome Eden denkt, z.B. sein vollkommen unberechenbares und unverantwortliches Verhalten während der Rio Vista-Expedition; seine Beziehung zu dem pestilenten mystischen Psychopathen Trevor Constable; seine merkwürdige Besprechung eines Buches über Otto Fenichel, wo er den Modju Fenichel als Märtyrer einer guten, rationalen Sache hinstellte (vollkommen irrsinnig!); seine vollkommen blödsinnige Bemerkung mir gegenüber von wegen alle Deutschen sollten schuldbewußt sein; seine pornographische Bemerkung als Guiseppe Cammarellas Frau bei der orgonomischen Konferenz in Nizza mit einem Mikro nicht zurechtkam; sein Ernstnehmen der abstrusesten Theorien, die Levashov präsentierte; sein unverantworliches Verhalten in bezug auf „Körpertherapeuten“ sowie dem profilneurotischen lunatic fringe der Orgonomie, das im krassesten Widerspruch zu dem stand, was er davor vertreten hatte (als er noch ein braver ACO-Soldat war); seine infantilen Allmachts- und Allwissensphantasien; seine Beliebtheit bei allen: der Charmeur, den jeder mag. Ich erinnere auch daran, wie Reich auf Blasband reagierte, als sie sich das erste Mal begegneten: „Auf sanfte Weise erzählte er (Reich) mir von meiner Impulsivität und ging ein wenig auf mein Verhalten ein“ („A Visit to Orgonon“ Journal of Orgonomy 21(2), November 1987, S. 242).

Vor der Orgonomie war es die Welt des Okkulten (es ist kein Zufall, daß er danach noch jahrelang an Constable klebte), dann hat er sich der Führerfigur Baker unterworfen; es ist kein Zufall, daß er den beiden Naiven Eden und Baker gefolgt ist und dem faschistischen Malteser-Ritterorden beitrat und später Mitglied von Levashovs okkulten Orden wurde, der mit mehreren anderen Galaxien und anderen Universen (sic!) in Kontakt steht. Es ist eine Sekte, schlimmer als Scientology!

Übrigens ist der Triebhafte Charakter prinzipiell unheilbar und ähnelt darin (wie auch in anderen Dingen) dem pestilenten Charakter. In vieler Hinsicht ähnelt Blasband Reichs Mitarbeiter Michael Silvert. Reich sagte einmal zu Morton Herskowitz auf die Frage, wie er denn solche Typen, solche „Kommunisten“ wie Silvert, um sich dulden könne: „Auch die Orgonomie braucht ihre Kommunisten!“. Und Silvert hat denn auch dort, wo er unter direkter Kontrolle stand, sehr gute Arbeit geleistet – die die anderen Orgonomen nicht geleistet haben. Ähnliches trifft auf Blasband zu. Die Orgonomie, d.h. Baker brauchte ihn einfach, weil mit den anderen Orgonomen nicht viel los war, was den naturwissenschaftlichen Bereich betrifft. Aber dort wo Blasband selbständig arbeitete, kam es über kurz oder lang genau wie bei Silvert zur Katastrophe.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 16)

12. Dezember 2021

Reich hatte ein Muster in seinem Leben, die „Offensichtlichkeit“: „Libido“ führt folgerichtig zur Orgasmustheorie, obwohl jeder klug genug war, sie niemals anzurühren; Psychoanalyse führt logischerweise zur Erfassung des individuellen Charakters und zur Infragestellung des gesamten sozialen Systems („politische Psychologie“, Massenpsychologie). Auch das Orgon ist unvermeidlich, weil Atome keinen Sinn machen (Moleküle können durch ihr Zusammenspiel kein Bewußtsein „produzieren“) und „Geist“ erklärt gar nichts (Donner wird auf den „Donnergott“ zurückgeführt). Ein unverzichtbares Element von Wissenschaftlichkeit ist die evolutionistische Komponente. Man muß jeweils einen konkreten Entwicklungsverlauf angeben können: der Geist des Menschen muß sich wie alles andere in der Natur (Mineralien und Lebewesen) entwickelt haben. Das letztere kann der Materialismus zwar, aber die Materie ist ihm etwas Gegebenes. Daran ändert das mystische Ereignis „Urknall“ auch nichts.

Reich führt über den Unterschied zwischen toter Materie und dem Lebendigen aus:

Nach den Anschauungen, die sich aus den Bionversuchen ergeben, besteht der Unterschied gar nicht in irgend etwas, das im Lebendigen neu hinzukommt und es zum Lebendigen macht; der Unterschied ist eine besondere Kombination von Funktionen, die man isoliert für sich auch im Leblosen findet. (Die Bionexperimente, Frankfurt 1995, S. 161)

Und weiter: Um das Lebendige erfassen zu können, müsse man die „Ganzheitsfunktion“ auffinden,

die man zwar in Einzelfunktionen physikalischer und chemischer Art zerlegen kann, die man auch im Anorganischen vorfindet, die aber im Anorganischen nicht als einheitliches Ganzes funktionieren. Man übersah bisher, daß die einheitliche Ganzheitsfunktion in keinem Gegensatz zur Summe der Einzelfunktionen steht; das gab den Vitalisten die Grundlage ab, das Unerklärliche metaphysisch zu begründen wie etwa bei Driesch. (…) Notwendig ist die restlose Erfassung des Sprunges von der Summe der Einzelfunktionen zum einheitlichen Funktionieren aller dieser Einzelfunktionen. Es wäre somit ein Kolloidgemisch nicht dann als Leben zu definieren, wenn es die das Lebendige charakterisierenden physikalischen und chemischen Funktionen zeigt, sondern erst dann, wenn diese Funktionen zu einer Einheit des Organismus zusammengefaßt sind, wobei in der Ganzheitsfunktion sich sämtliche Elemente jeder Einzelfunktion finden müssen. (ebd., S. 162f)

Reich fährt fort: „Die Ganzheitsbetrachtung der organischen Systeme stand bisher als metaphysischer Idealismus dem der Teilfunktionsanalyse der gleichen Systeme als mechanischem Materialismus gegenüber; sie waren absolute Gegensätze, unvereinbar. Mit der dialektischen Auflösung dieses Widerspruchs von Ganzheit und Details löst sich das Problem des Lebens in befriedigender Weise durch Ausschaltung des metaphysischen Jenseitsprinzips für die Erklärung des Ganzen“ (ebd., S. 163).

Entsprechend findet man auch in nichtbewußten Vorgängen Elemente des Bewußtseins, doch die müssen erst zusammenfinden, um Bewußtsein im eigentlichen Sinne zu erzeugen: Lust und Angst sind die beiden Grundemotionen die allem Lebendigen gemeinsam sind, sie sind deshalb etwas Außerpsychisches! Lust und Angst hat z.B. auch eine Amöbe, ohne daß wir ihr eine „Psyche“ zuschreiben würden! Bei höheren Lebewesen, insbesondere aber beim Menschen sind die „Herausbewegung“ (Lust) und die „Hereinbewegung“ (Angst) funktionell identisch mit der bewußten Lustempfindung bzw. bewußten Angstempfindung. Wobei das sympathisches Nervensystem mit der Angst und das parasympathische Nervensystem mit der Lust verbunden sind. Bewußte Empfindungen („ich weiß, daß ich weiß“) sind vom Retikularen Aktivierungssystem im Stammhirn abhängig, das alle Nervenimpulse fokussiert und auf die Hirnrinde projiziert: „ich bin gut drauf“ (Lust), „mir ist beklommen zumute“ (Angst).

Im Plasma selbst finden sich die Funktionen Erregung und Wahrnehmung. Aus der letzteren leiten sich dann wie erläutert im Laufe der Phylo- und Ontogenese Emotion, Empfindung und Bewußtsein ab, die jeweils mit bestimmten Erregungsvorgängen verbunden sind: bei der Emotion ist es die radiale Pulsation der organismischen Orgonenergie, bei den Empfindungen ist es das energetische Orgonom und beim Bewußtsein das Zusammenfließen aller höheren Wahrnehmungsfunktionen im Gehirn.