Posts Tagged ‘Psychiatrie’

ANHANG zu „Stirners Nachschlag, du Affe!“

12. September 2024

Die gängige Psychiatrie versuchte die Patienten über den Körper zu beeinflussen zunächst durch, ja, körperliche Folter (daher der Name „Klapsmühle“), später beispielsweise durch Schocktherapie, Schlafentzug und ähnliches, schließlich über die vermeintliche „Hirnchemie“. Auf der anderen Seite versuchten die Psychoanalyse und davon abgeleitete Systeme die Patienten über deren Ideen zu beeinflussen. Reich hingegen ist das Problem direkt angegangen. Das heißt, er hat sich nicht für die Symptome und die vermeintlich „hinter ihnen stehenden Ideationen“ interessiert, sondern für den konkreten Patienten, sein Gehabe, sein Benehmen, seine Körperhaltung, den Eindruck, den er vermittelt, seinen Charakter. Diesen geht es DIREKT anzugehen und dessen Funktion aufzulösen: die Verhinderung einer frei fließenden Lebensenergie – und letztendlich die Funktion des Orgasmus freizusetzen.

Diese Unmittelbarkeit, die sich weder um vermeintlich „objektive“ noch um vermeintlich „subjektive“ Gegebenheiten kümmert, da das „Objektive“ ideologisch verseucht und das „Subjektive“ das verinnerlichte Fremde ist, weit weg von jedem authentischen Subjekt, – diese Unmittelbarkeit ist durch und durch Stirnersche Geisteshaltung. In der Charakteranalyse bzw. Orgontherapie geht es darum „das Fremde in Eigenes zu verwandeln“ (Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 353), indem die Entzweiung in Subjekt und Prädikat zur ursprünglichen Einheit zurückgenommen wird. Das ursprüngliche Kind ist nicht dies (etwa „süß“) oder das (etwa „ein Sturkopf“), also ein in diesem Fall hysterischer oder Zwangscharakter, sondern es ist schlichtweg es selbst. Ziel der Reichschen Therapie ist es, dich aus einem dank der Erziehung selbstentzweiten Besessenen wieder zu dir selbst zu machen, zum EINZIGEN.

Das, was Reich als „Charakterpanzer“ bezeichnet hat, nannte Stirner „Stabilität“ – im Sinne von Stillstand, „Damm gegen den Fluß“ – Panzerung:

… Wäre Ich nicht an meinen gestrigen Willen heute und ferner gebunden? Mein Wille in diesem Falle wäre erstarrt. Die leidige Stabilität! Mein Geschöpf, nämlich ein bestimmter Willensausdruck, wäre mein Gebieter geworden. Ich aber in meinem Willen, Ich, der Schöpfer, wäre in meinem Flusse und meiner Auflösung gehemmt. Weil Ich gestern ein Narr war, müßte Ich’s zeitlebens bleiben. … (ebd., S. 215)

Alle Prädikate von den Gegenständen sind meine Aussagen, meine Urteile, meine – Geschöpfe. Wollen sie sich losreißen von Mir, und etwas für sich sein, oder gar Mir imponieren, so habe Ich nichts Eiligeres zu tun, als sie in ihr Nichts, d.h. in Mich, den Schöpfer, zurückzunehmen. Gott, Christus, Dreieinigkeit, Sittlichkeit, das Gute usw. sind solche Geschöpfe, von denen Ich Mir nicht bloß erlauben muß, zu sagen, sie seien Wahrheiten, sondern auch, sie seien Täuschungen. Wie Ich einmal ihr Dasein gewollt und dekretiert habe, so will Ich auch ihr Nichtsein wollen dürfen; Ich darf sie Mir nicht über den Kopf wachsen, darf nicht die Schwachheit haben, etwas „Absolutes“ aus ihnen werden zu lassen, wodurch sie verewigt und meiner Macht und Bestimmung entzogen würden. Damit würde Ich dem Stabilitätsprinzip verfallen, dem eigentlichen Lebensprinzip der Religion, die sich’s angelegen sein läßt, „unantastbare Heiligtümer“, „ewige Wahrheiten“, kurz ein „Heiliges“ zu kreieren und Dir das Deinige zu entziehen. (ebd., S. 378f)

Die Geschichte der Orgontherapie (Teil 1)

20. August 2024

Seinen ersten Patienten behandelte Reich als er noch Medizinstudent war. Man wartete darauf, daß der Patient frei zu assoziieren begann und brachte Sinn in den surrealen Fluß der Gedankenfetzen. Der Patient kam auf diese Weise zu immer tieferen Einsichten über seine psychische Entwicklung und gab entsprechend sein unvernünftiges (neurotisches) Verhalten auf.

Problem war, daß die meisten Patienten gar nicht dazu in der Lage waren frei zu assoziieren und die Deutungen größtenteils vollkommen willkürlich waren. Reich regte ein „technisches Seminar“ an, in dem angehende Psychoanalytiker lernen sollten, mit den Widerständen der Patienten gegen das freie Assoziieren umzugehen und angemessene Deutungen zu geben. Aus dieser „Widerstandsanalyse“ entwickelte sich rasch die Charakteranalyse. In diesem Rahmen formulierte Reich erstmals den „phallisch-narzißtischen Charakter“. (Er präsentierte das am 6. Okt. 1926 vor der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung in seinem Vortrag „Über den genital-narzißtischen Charakter“ [Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse 8(2), S. 268, 1927].)

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Reich entwickelte sich schnell zu einem zentralen Lehrer der Psychoanalyse. Insbesondere aus Amerika kamen haufenweise angehende Psychoanalytiker, um von ihm ausgebildet zu werden. Daß er als führender Psychoanalytiker nicht allgemein anerkannt wurde, lag daran, daß er die Charakteranalyse von Anfang an mit seiner Orgasmustheorie verband, d.h. die Charakteranalyse hatte die „orgastische Potenz“ als Ziel. Durch die Orgasmustheorie wurde aus der vagen Vorstellung von der Libido eine konkrete Energie, die „entladen“ werden mußte. Dem konnte und wollte keiner seiner Schüler folgen.

Im skandinavischen Exil entwickelte sich aus der Charakteranalyse die Vegetotherapie, die auch von körperlicher Seite her den Patienten „orgasmusfähig“ machen, d.h. den „Orgasmusreflex“ freilegen sollte. Reich gewann eine Reihe von Schülern für sich, jedoch gelang es ihm wiederum nicht, die Therapie als systematische „Orgasmusbefähigungstherapie“ durchzusetzen.

Im Amerika, wohin er 1939 emigrierte, systematisierte er die Vegetotherapie, indem er die sieben Panzerungssegmente formulierte, die es von oben nach unten nacheinander aufzulösen galt. Aus der Vegetotherapie wurde die „psychiatrische Orgontherapie“, die ab 1946 von einer neuen Generation von Therapeuten unter Führung von Elsworth F. Baker, Chef der Frauenabteilung eines psychiatrischen Hospitals, praktiziert wurde.

1948 wurde die American Association for Medical Orgonomy gegründet, die feste Standards aufstellte. Imgrunde wiederholte sich hier das gleiche wie einst im Technischen Seminar in Wien. Reich war nach wenigen Wochen eigener psychoanalytischer Therapie Psychoanalytiker geworden und entwickelte dann wenig später ein strukturiertes Ausbildungsprogramm für Psychoanalytiker. Zwei Jahrzehnte später war der ausgebildete Psychoanalytiker Baker nach sechs Wochen Therapie bei Reich selbst Orgontherapeut. Ende 1949 war Baker innerhalb der soeben gegründeten Wilhelm Reich Foundation zuständig für die Ausbildung neuer Orgontherapeuten und es wurde ein Ausbildungsprogramm für Psychiater (bzw. angehende Psychiater) entwickelt. Dieses Programm wurde nach dem Ende der Wilhelm Reich Foundation im Jahre 1954 und Reichs Tod im Jahre 1957 von Baker fortgeführt und kontinuierlich weiter systematisiert. Elf Jahre nach Reichs Tod gründete Baker das American College of Orgonomy („College“ im Sinne von „Kollegium“, eine Vereinigung von Orgonomen) in dessen Rahmen dieses Programm bis heute fortgeführt wird.

Einige von Reichs Schülern, die Reich bis zum Ende treu geblieben sind (den Rest beachten wir hier erst gar nicht) haben ihrerseits selbst Therapeuten ausgebildet, später sogar einige von Bakers Schülern. Da wäre zunächst Ola Raknes zu nennen, der Reich seit dessen Berliner Zeit kontinuierlich begleitet hatte. Auf ihn gehen „Vegetotherapeuten“ in Skandinavien und die „Orgontherapie-Schule“ von Federico Navarro in Italien zurück. Nach Reichs Tod kam es zu einem Bruch innerhalb der American Association for Medical Orgonomy. Beispielsweise bildete der Orgonom Victor Sobey unabhängig von Baker Orgontherapeuten aus (meist Psychologen). Und schließlich kam es innerhalb des American College of Orgonomy selbst 1982 zu einer Abspaltung, als eine Gruppe von Bakers Schülern eine eigene Organisation gründeten, das Institute for Orgonomic Science, da sie dem Urteilsvermögen des auf die 80 zugehenden Baker nicht mehr vertrauten. (Baker wollte das bis dahin informelle „Kollegium“, das nichteimal einen festen, zentralen Sitz hatte, in eine Organisation samt Hauptquartier umgestalten.)

Natürlich lassen sich keine generellen Urteile fällen, aber wenn man beispielsweise die theoretischen Ergüsse von Navarro oder so manchen Artikel in den Annals of the Institute for Orgonomic Science, etwa über den „okularen Charakter“ liest, kommt man doch stark ins Zweifeln. Navarros Buch Die sieben Stufen der Gesundheit (Frankfurt: Nexus, 1986) ist schlichtweg indiskutabel. Beispielsweise führt er Haarausfall auf okulare Panzerung zurück – und andere derartige haltlose „Theorien“, die kaum mehr sind als primitivstes Psychologisieren des Physischen. Ähnlich erstaunlich sind manche Ausführungen in den Annals of the Institute of Orgonomic Science. Dort wird beispielsweise eine Diskrepanz konstatiert zwischen der Behauptung, daß eine starke Augenpanzerung in jedem Fall auf einen „schizophrenen Charakter“ hinweist und der Tatsache, daß kaum einer dieser „schizophrenen Charaktere“ je an Schizophrenie im klinischen Sinne erkrankt. Schon mal die Charakteranalyse gelesen? (Die Diagnose wird nicht nach den Symptomen, sondern nach dem neurotischen Charakter gestellt, der den Symptomen zugrundeliegt!) Was die Schüler von Victor Sobey betrifft, verweise ich auf meine gestrigen Ausführungen.

Einer der Hauptstreitpunkte, der diese gesamte Entwicklung durchzog, war, ob nur Mediziner bzw. Psychiater Orgontherapeuten werden sollen. In den 1920er Jahren hat Reich, in Opposition gegen Freud, eindeutig Stellung gegen die „Laienanalyse“ genommen. Als Reich im Exil zunehmend in Isolation geriet, lockerte sich diese schroffe Ablehnung von Nichtmedizinern. Beispielsweise war Ola Raknes Psychologe. Als dann jedoch ab 1946 vermehrt Psychiater um eine Ausbildung baten, kehrte Reich zu seiner ursprünglichen Position zurück. Beispielsweise legte er Alexander Lowen nahe, ein Medizinstudium zu absolvieren, was dieser auch tat, als ihm danach aber auch noch bedeutet wurde, eine Facharztausbildung zum Psychiater auf sich zu nehmen, verließ er entnervt die Orgonomie.

Dem vielleicht ersten der modernen „Reichianischen Therapeuten“, Paul Ritter, schrieb Reich am 9. Oktober 1950 persönlich, daß er auf keinen Fall Leute in „Therapie“ nehmen solle, egal wie sehr es ihn auch dränge ihnen zu helfen. Reich fuhr fort:

Sie (die Orgontherapie) ist nicht mehr und nicht weniger als bio-psychiatrische Chirurgie und kann nur von versierten und gut ausgebildeten Menschen mit der entsprechenden (Charakter-) Struktur auf eine sichere Weise durchgeführt werden. Sie ist deshalb auf Ärzte beschränkt. (Journal of Orgonomy, May 1977)

Nach Reichs Tod hat sich die Psychiatrie in Amerika langsam aber sicher verändert: Psychotherapie wird heute durchweg von Psychologen praktiziert, während sich der Psychiater weitgehend auf diagnostische Gespräche und das Verabreichen von Psychopharmaka beschränkt. Orgonomen sind in dieser Beziehung heute die große Ausnahme.

Parallel dazu hat sich auch die Orgontherapie weiterentwickelt. Obwohl Reich die charakteranalytische Arbeit nie aufgab, verlagerte sich doch sein Augenmerk immer mehr auf die „biophysische Arbeit“, zumal Reich an der eigentlichen „Psychotherapie“ zunehmend das Interesse verlor und am Körper direkt mit der Orgonenergie, bzw. direkt am „Orgonom“ arbeiten wollte. Baker steuerte dieser Tendenz in seinem 1967 erschienen Buch Der Mensch in der Falle entgegen. Der Orgonom Richard Schwartzman erwähnt in seinen Erinnerungen über seine zwölfjährige Therapie, daß ihn Baker nicht ein einziges Mal berührt habe. (Andere Patienten haben gleichzeitig andere Erfahrungen gemacht! Jeder Fall ist anders!)

Am Ende seiner Laufbahn ist Baker zum Schluß gekommen, daß man vielleicht doch Psychologen zulassen sollte, soweit sich diese von jeder „biophysischen Arbeit“ fernhalten. Entsprechend werden heute beim American College of Orgonomy promovierte Psychologen zu „Charakteranalytikern“ ausgebildet.

Zum bisher letzten Bruch ist es vor kurzem gekommen, weil Schwartzman (mittlerweile verstorben) diese Beschränkung weitgehend aufheben wollte, vor allem deshalb, weil es kaum noch Mediziner gibt, die sich zu Orgontherapeuten ausbilden lassen wollen. Die Orgontherapie ist gewisserweise wieder „im Exil“ und muß ums Überleben kämpfen.

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Diagnostik” und folgende

24. Mai 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Diagnostik“ und folgende

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Amöbe” und folgende

22. Februar 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Amöbe“ und folgende

Der Rote Faden (Band 2): 63. Ad hominem

22. Januar 2024

DER ROTE FADEN (Band 2): 63. Ad hominem

BIBLIOGRAPHIE DER ORGONOMIE: Register von The Journal of Orgonomie Vols. 1-56 (1967-2023)

27. Dezember 2023

BibliographiederOrgonomie - Kopie

THE JOURNAL OF ORGONOMY: chronological index vols. 1-56 (1967-2023)

Der Rote Faden (Band 2): 48. Der Reich-Bluttest

4. Dezember 2023

DER ROTE FADEN (Band 2): 48. Der Reich-Bluttest

Der Rote Faden (Band 2): 46. Schizophrenie, eine Schrumpfungsbiopathie

25. November 2023

DER ROTE FADEN (Band 2): 46. Schizophrenie, eine Schrumpfungsbiopathie

Der Rote Faden (Band 2): 40. Anorgonie (2. Fortsetzung)

2. November 2023

DER ROTE FADEN (Band 2): 40. Anorgonie

Charakter ist alles und Genitalität ist alles

19. Oktober 2023

Die gesamte moderne Medizin kann man als eine geradezu systematische Umgehung der Frage nach der Charakterstruktur, d.h. der bioenergetischen Struktur des Organismus, betrachten. Entsprechend stellt die moderne Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie eine einzige Vermeidungsstrategie gegenüber der Genitalität dar.

1.

Patienten können die abartigsten, untherapierbarsten somatischen Erkrankungen haben – trotzdem sind diese oberflächlicher als die Charakterstruktur. „Man kann sie als Komplikationen der Charakterneurosen ansehen. … [Sie] können bei jedem Charaktertypus vorkommen und sind nicht auf den spezifischen Charakter, sondern vielmehr auf die spezifische Panzerung zurückzuführen“ (Elsworth F. Baker: Der Mensch in der Falle, S. 286). Ähnlich verhält es sich mit extremen psychiatrischen Störungen, etwa Baerbocks Sprachstörung. Man kann sie vielleicht „heilen“, aber die Charakterpathologie, die ihren Nährboden darstellt, besteht fort.

Das ist nicht so offensichtlich, weil die charakterliche Störung „peripher“ ist, d.h. letztendlich soziale Ursachen hat (auch die Kindererziehung ist eine „soziale Ursache“!). Man nehme etwa Reichs Beschreibung des Zusammenhangs zwischen charakterlicher Resignation und der Krebsschrumpfungsbiopathie, die das bioenergetische Zentrum des Organismus befällt:

Resignation ohne offenen oder geheimen Protest gegen die Versagung der Lebensfreude muß als eine der wesentlichen Grundlagen der Schrumpfungsbiopathie angesehen werden. Die biopathische Schrumpfung wäre demnach eine Fortsetzung chronischer charakterlicher Resignation im Bereich der Zellplasmafunktion. (Reich: Der Krebs, Fischer TB, S. 223f)

Es gibt Schichten des Lebensapparates verschiedener Tiefe um den biologischen Kern herum. Es gibt höhere und tiefer gelegene Schichten im Biosystem. Es gibt demzufolge oberflächliche und tiefergreifende Störungen der Körperfunktion. Eine akute Atemstörung wird dem Kern des Biosystems nichts anhaben. Eine chronische Atemstörung durch Inspirationshaltung wird chronische Angst erzeugen, aber die biologische Zellplasmafunktion nicht berühren, solange die bioenergetischen Funktionen in den Zellen selbst weitergehen, solange der Organismus weiter kräftige Impulse produziert. Ist aber die Impulsproduktion in den Zellen selbst getroffen, hat die periphere charakterliche Resignation das Zellplasmasystem erfaßt, dann haben wir es mit dem Prozeß der biopathischen Schrumpfung zu tun. (ebd., S. 224)

2.

Generell stehen in der Neurose die prä-genitalen Störungen im Vordergrund (phallisch, anal, oral). Am extremsten in der „okularen“ Schizophrenie (ja, keine Neurose, sondern Psychose). Trotzdem arbeitet sich der Therapeut zum Kern dieser Störungen vor und das ist die genital-orgastische Störung. Die prägenitalen „Frühstörungen“ sind in jedem Fall oberflächlicher als der ödipale Konflikt.

Ärzten, Psychiatern, Psychologen ist das so fremd und unverständlich, weil sie nicht so tief vordringen wie Reich. Ihre Arbeit ist erledigt, wenn die oberflächlichen „prägenitalen“ Symptome verschwinden, d.h. ein neurotisches Gleichgewicht hergestellt ist. Ähnlich wie die eingangs beschriebenen „genesenen“ somatisch Kranken, haben die Patienten zwar ihre psychische Auffälligkeit überwunden und sich wieder in die Gesellschaft integriert, aber das wirkliche Problem bleibt unberührt (siehe dazu den gestrigen Blogeintrag).

Beispielsweise kann eine Schizophrenie geheilt werden, wenn der okulare Block beseitigt ist, doch dann fängt die eigentliche Arbeit erst wirklich an, weil nunmehr der tieferliegende ödipale Konflikt angegangen werden muß. Generell kann man sagen, daß in der Therapie „von oben nach unten“ („von okular zu genital“), vom Oberflächlichen zum Tiefen, von der Oberfläche zum Kern, von der Gegenwart in die Vergangenheit fortgeschritten wird, vom Prägenitalen zum Genitalen, (richtig verstanden!!) vom Unwesentlichen zum Wesentlichen.