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Sozialdarwinismus (Teil 1)

24. August 2015

Das soziale Denken des 19. Jahrhunderts spannt sich zwischen zwei Antipoden auf: Karl Marx (1818-1883) und Herbert Spencer (1820-1903).

In seiner umfassenden Universalität war Spencer ein Vorläufer Wilhelm Reichs, befaßt sich doch Spencer in seinem zehnbändigen System der synthetischen Philosophie (1867-96) von der Psychologie, Soziologie, Ökonomie, Geschichte, Biologie, Geologie, Astronomie bis zur Kosmologie schlechthin mit der Welt als funktioneller Einheit, die er mit Hilfe eines quasi orgonometrischen Ansatzes analysiert.

Schon vor Darwin entwickelte Spencer eine vom Evolutionsgedanken ausgehende Theorie. Nach dieser Entwicklungstheorie kommt es zu einer fortschreitenden Integration verschiedener Teile zu immer größeren Einheiten, in denen es dann zu einer ebenfalls ständig fortschreitenden Differenzierung kommt. Dies falle aber schließlich mit Zerfall und Auflösung zu primitiven Organisationsniveaus zusammen, die dann Ausgangspunkt für neue Entfaltung werden.

Dieses „Gesetz der Entwicklung“ entspricht in etwa Reichs Darstellung des Orgonenergie-Metabolismus:

Spencer glaubte, daß sich die Organismen und Menschen nach diesem Gesetz an ihre ökologische bzw. soziale Umwelt durch wachsende Spezialisierung immer besser anpassen. Auch die Gesellschaft als Ganzes betrachtete Spencer als Organismus. Deshalb würden sich, gemäß der gleichzeitigen Integration und Differenzierung, die Gesellschaften zu immer mächtigeren Gebilden entwickeln, in denen aber gleichzeitig, bedingt durch die wachsende Differenzierung, die Freiheit immer weiter zunehme.

So entwickele sich die Menschheit vom militaristischen Staatsabsolutismus orientalischen Gepräges (Zwangsgemeinschaften, die sich aus indifferenten Mischungen sozialer Formen organisiert hatten) folgerichtig in Richtung individueller Freiheit und Demokratie. Der Lebensstrom würde die Menschheit also automatisch zu einem staatenlosen Zustand führen – ein Konzept, das das genaue Gegenteil von Hans Hass’ Vorstellungen der unbeeinflußten Energon-Entwicklung darstellt.

Hans Joachim Störig stellt in seiner Kleinen Weltgeschichte der Philosophie Spencers Anschauungen so dar, daß sie in jeder Beziehung in vollkommener Übereinstimmung mit der orgonomischen Soziologie stehen:

Der Sozialismus gehört nach Spencer in den Bereich der alten absolutistischen Gesellschaftsformen. (…) In einem sozialen Wohlfahrtsstaat sieht Spencer zwei große Gefahren: Erstens würde eine Zuteilung der auf den einzelnen entfallenden Anteile am gemeinsamen Arbeitsertrag durch den Staat nach Maßgabe der Bedürfnisse anstatt nach Fähigkeit und Leistung den natürlichen Wettbewerb, die Bedingung jeder Weiterentwicklung, stören und zu einem Verfall der Gesellschaft innerhalb weniger Generationen führen. Zweitens: Würde der Staat den Versuch machen, den höchst verwickelten Organismus – der unter der automatischen Selbstregulierung durch Angebot und Nachfrage zwar nicht ideal funktioniert, aber doch wenigstens funktioniert – in allen Einzelheiten selbst zu regeln, so würde das zu einer lähmenden totalen Bürokratie führen. Eine trostlose Erstarrung würde eintreten, eine Gesellschaft von Ameisen und Bienen entstehen.

Im krassen Gegensatz zum tragikomischen Schicksal der Marxschen Philosophie wurde wohl kaum je ein Philosoph derartig wie Spencer durch die spätere Entwicklung bestätigt. Trotzdem ist Spencer heute so gut wie vergessen, in den Bibliotheken findet man kaum Bücher von oder über ihn und in Geschichtswerken über Philosophie handelt man den Autodidakten Spencer verächtlich ab – was wieder im krassen Kontrast zum Schicksal Marxens steht.

Wird nicht Spencers Andenken dadurch tatsächlich fragwürdig, daß er (wie angedeutet lange vor Darwin) Wendungen wie „der Kampf ums Dasein“ und „das Überleben der Tüchtigen“ geprägt und den „Sozialdarwinismus“ begründet hat, der so viel Leid über die Menschheit brachte? (Bei Marx tauchen entsprechende „Darwinistische“ Vorstellungen bei der Theorie des „Klassenkampfes“ auf.)

Für den Evolutionsbiologen Hans Hass sind der biologische „Selektionswert“ und die wirtschaftliche „Konkurrenzfähigkeit“ von der Funktion her identisch. In diesem Zusammenhang ist eine Anmerkung interessant, die Stephan Lackner (der in den 1930er Jahren mit Reich in Kontakt stand), in seinem Buch Die friedfertige Natur (München 1982) gemacht hat, wonach die industrielle Revolution mit einer dramatischen Wandlung der Haltung zur Natur zusammenfalle. Habe vorher eine idyllisch-romantische Naturauffassung („friedfertige Natur“) vorgeherrscht, sei zusammen mit dem brutalen Konkurrenzkampf im Frühkapitalismus der Darwinismus mit seinem „Kampf ums Dasein“ aufgekommen. Lackner malt, wohl zu recht, die letzte Konsequenz des Darwinismus auch so aus, daß sie ganz der von Reich beschriebenen emotionalen Wüste entspricht:

Das Dasein ist der Krieg aller gegen alle. Die Erde ist von graugrün getarnten, mit Panzern und Stacheln bewehrten, übelriechenden und giftigen Ungeheuern überlaufen. Kein Wesen vertraut dem anderen.

Man findet sich in dieser „Darwinistischen“ emotionalen Wüste wieder, wenn Hass z.B. geradezu faschistoid schreibt:

Solange es Energone gibt, fußt deren Höherentwicklung auf einem untereinander ausgefochtenen Kampf und der damit verbundenen Eliminierung des Schwächeren. Wenn deshalb vom Menschen gebildete Gruppen die Vernichtung von anderen anstrebt, ja sogar mit vehementen Glücksgefühlen für solche Vernichtung belohnt werden, fällt es keineswegs aus der üblichen Praxis, sondern entspricht jenem rücksichtslosen Willen zur Macht, der die gesamte Evolution kennzeichnet und in dem bereits Nietzsche den tiefsten Wesenszug der Lebensentfaltung sah. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

So nimmt bei Hass der Lebensstrom den gleichen Charakter an, der auch den Hegelschen „Weltgeist“ auszeichnet. Beides sind diabolische Mächte, die von den Individuen Macht ergreifen, sie benutzen, aussaugen und dann als leere Hüllen fallenlassen, wenn sie ihre Funktion erfüllt haben. Beide, der „Weltgeist“ und der „Lebensstrom“ verwirklichen sich schließlich im absoluten Staat.

Natürlich hing auch Marx einem ähnlichen Mythos an, denn schließlich war die ganze Geschichte der Ausbeutung vom Sklavenstaat bis zum brutalen Kapitalismus etwas Gutes, weil notwendiges. Ganz in diesem Sinne schreibt Hass:

Manche Erscheinung seit Auftreten des Menschen, welche in ethischer Sicht höchst verwerflich erscheinen – wie Tyrannei und Ausbeutung –, mögen (…) sehr wohl den Lebensstrom befördert haben, indem der Machtzuwachs einiger seiner Weiterträger dem Fortschritt mehr diente und ihn förderte, als die Unterdrückung und Erpressung anderer sich in seiner Gesamtbilanz negativ niederschlug. (ebd.)

Daß die Wirtschaft von Liebe, Arbeit und Wissen regiert wird, hält Hass für eine oberflächliche Illusion. Wie in der Natur stehen in Wirklichkeit „die einzelnen Erwerbskollegen, diese ‘Brüder’ und Teile in der gleichen Entwicklung, in einem erbitterten Kampf gegeneinander“ (Hass: Naturphilosophische Schriften, Bd. 3, München 1987).

Wer wollte bestreiten, daß dies einen Großteil des wirtschaftlichen Geschehens beschreibt! Doch kann man das ganze auch mit Reichs Augen sehen:

Die praktische Notwendigkeit der Arbeitsdemokratie erfordert, daß man vom wirklichen Charakter seines wirtschaftlichen Gegenübers absieht und sich nur um die objektiven Erfordernisse der Arbeit kümmert. Und auch man selbst kann nicht immer wahrhaftig sein, sondern muß praktisch ständig als Schauspieler auftreten. Das kann man ganz konkret beim Geschenkaustausch der Trobriander beobachten, die nie ihre wahren Gefühle zeigen; so tun, als würden ihnen die Geschenke nichts bedeuten, etc.

Dies heißt nicht, daß Ehrlichkeit in der Arbeitsdemokratie keinen Platz hat, – vielmehr sind wahrheitsfanatische Moralisten, die das Spiel verderben, stets pestilente Charaktere, – die nie ehrlich sind. Ehrlichkeit hat wenig mit Wahrheit zu tun, sondern vielmehr mit Anständigkeit. Anständigkeit bedeutet Rücksicht auf die Umstände zu nehmen, d.h. z.B. daß man die Wahrheit nicht unabhängig von den Umständen sagt, sondern – lügt („Notlüge“).

Die Lüge und Verstellung gehört genauso untrennbar zu einer funktionierenden Wirtschaft, wie sie zur sexuellen Zweierbeziehung gehört. Statt morgens zu sagen: „Du siehst aus wie ein aufgedunsener Leichnam!“ lügt man: „Meine kleine chinesische Jadepuppe!“ So verkörpert sich die Genitalität auch: durch Lug, Trug, Bestechung und Berechnung! Wie sollte es in der Wirtschaft anders sein. Es ist nicht fair, es ist Emotionelle Pest, dem Leben die moralische Elle anzulegen. Und es zeigt emotionale Unreife, an der lügnerischen „Grausamkeit“ des Lebens übermäßig zu leiden.

In Kapitalismus und die Funktion des Orgasmus habe ich den Tausch im Wirtschaftsleben mit dem liebenden „Austausch“ in der Sexualität gleichgesetzt. Doch nach Hans Hass „sind Raub und Tausch nichts voneinander grundsätzlich verschiedenes.“ Diese Theorie entspricht einem typischen Charakterzug des Konservativen, für den der freiwillige arbeitsdemokratische Tauschprozeß ein Zeichen von Schwäche ist. Hierzu gehört auch, daß für Hass Diebe und Erpresser ebenfalls „gleichberechtigt“ als Energone betrachtet werden müssen. Er zitiert dazu den Volkswirtschaftler Werner Sombart:

Nach meiner Definition ist also Arbeit ebenso die Tätigkeit, die der Dieb aufwendet, um einen Einbruch auszuüben, obwohl sie (sozial) schädlich ist.

In Massenpsychologie des Faschismus hat Reich streng zwischen Arbeit und Nichtarbeit, „die den Lebensprozeß schädigt“, unterschieden.

Entsprechend der militaristischen „Zwangsorganisation“ Spencers, die durch die Notwendigkeit der Abwehr äußerer Feinde entsteht, ist für Hass sogar die arbeitsteilige Gemeinschaftsbildung an sich auf den Diebstahl bzw. auf dem Schutz vor ihm begründet, denn dadurch, daß die künstlichen Organe nicht mehr fest mit dem Körper verbunden seien, müsse man sie vor Raub schützen, brauche also die Kooperation mit anderen.

Für Hass ist „der Krieg der Vater aller Dinge“. Wobei er explizit in der Tradition von Konrad Lorenz steht.

Hass spricht davon, daß „manche in totalitären Staaten geläufige Betrachtungsweise gleichsam Sprachrohr der Lebensstrominteressen sind“: Ausmerzung lebensunwerten, funktionslosen Lebens! Erscheinungen wie die, daß manche Leute nicht angeborenermaßen empört darauf reagieren, wenn ein Kind mißhandelt wird, erklärt Hass damit, daß es „bereits eine Unzahl von ‘Abnormalitäten’“ gäbe, „besonders da die Heilkunst alles am Leben zu erhalten bemüht ist.“

Als konservativer Charakter scheint Hass, Jahrgang 1919, jenem Vorgang zum Opfer gefallen zu sein, den er selber wie folgt beschreibt:

In der Pubertät formen die Kinder ihre ethischen Ideale. Was ihnen in dieser Zeit aufgeprägt wird, können sie meist im späteren Leben nicht völlig überwinden.

Aus orgonomischer Sicht verfestigt sich in der Pubertät der Charakter endgültig und dazu gehört auch der soziopolitische Charakter. Hier hat Hass vollkommen recht, wenn er schreibt:

Wie sich allerorts und bei allen Rassen auf das deutlichste zeigt, können Jugendliche, die in dieser sensiblen Periode auf religiöse, doktrinäre oder ideologische Wertvorstellungen ausgerichtet werden, sich im späteren Leben nur schwer über solche hinwegsetzen, weil diese fest in ihnen verankert sind. Ja, sie wollen dies gar nicht – was deutlich zeigt, daß bei ihnen das so Geprägte zum integralen Ausdruck des Ichs und seiner höchstpersönlichen Neigung empfunden wird. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

In den letzten Jahren haben viele konservative Ideologen mit dem Begriff „egoistische Gene“ herumhantiert, um ihre sozialdarwinistischen Thesen wissenschaftlich zu fundieren. Dabei beriefen sie sich auf den englischen Zoologen Richard Dawkins. Nun hat aber ausgerechnet dieser Dawkins der traditionellen Evolutionstheorie des „Survival of the Fittest“ eine Theorie des „Überlebens des Kooperativen“ entgegengestellt.

Demnach zählt im Überlebenskampf die Kooperation weit mehr als der Konflikt. Das Konzept Dawkins ähnelt dem Reichschen Konzept der Arbeitsdemokratie. Beide beruhen darauf, daß man sich dem Mitlebewesen kooperationsbereit nähert.

Nach Hass ist ein rücksichtslos sich durchsetzendes Energon, das im Überlebenskampf mit einer ausbeuterischen Strategie vorgeht und die „dummen“ kooperativen Energone verdrängt, Anwalt der Interessen von Art und Lebensstrom. Jedoch hat Dawkins nachgewiesen, daß genau das Gegenteil wahr ist, nämlich daß jener, der seine Mitenergone auf dem Altar der angeblichen Interessen von Art und Lebensstrom opfert, überhaupt keine Überlebenschance hat – also Art und Lebensstrom schadet! In Wirklichkeit setzen sich jene durch, die der Tit for Tat-Strategie folgen: „Auge um Auge“, oder besser: Leben und Leben lassen!

Tit for Tat funktioniert wie folgt: Man geht innerhalb einer Lebensgemeinschaft nicht ausbeuterisch, sondern kooperativ auf ein Angebot ein. Betrachten wir in einer solchen Lebensgemeinschaft die Individuen A und B, wobei A einen lebensnotwendigen Dienst anbietet, den B, ohne Gegenleistungen zu geben, annimmt. B folgt also einer ausbeuterischen Strategie, verzeichnet einen beträchtlichen Energiegewinn und wird sich durchsetzen, während solche „sucker“ wie A zugrundegehen. In den kranken Hirnen von konservativen Ideologen funktioniert die Natur so, in Wirklichkeit aber geht natürlich nicht der kooperative A, sondern der ausbeuterische B zugrunde. Im natürlichen Ablauf der Dinge wird nämlich A, und auch sonst niemand, für B jemals wieder etwas tun, bzw. solange mit Sanktionen gegen B reagieren, bis auch B sich endlich anständig verhält.

Das ist das Grundgesetz der Natur:

  1. nähere dich einem anderen stets freundlich;
  2. reagiere auf die Freundlichkeit anderer ebenfalls freundlich;
  3. zahle jede Unfreundlichkeit sofort mit gleicher Münze heim; und
  4. verzichte auf jede Rache, wenn sich der Unfreundliche wieder freundlich verhält, d.h. lerne zu vergeben und zu vergessen.

Wie schon Nietzsche gesagt hat, gehört der Geist der Rache den niedrigen, nichtswürdigen Menschen. Das Böse kann nur dort gedeihen, wo man entweder immer die andere Wange hinhält oder wo man nicht vergeben kann. Verhielte sich jeder Mensch rational nach der Tit for Tat-Strategie, würde sich die Arbeitsdemokratie zwangläufig entfalten. Diese Überlegungen lassen sich wie folgt zusammenfassen (a = Strafe, b = Belohnung):

  1. „Christentum“ und liberaler Humanismus (masochistische Erduldung);
  2. Arbeitsdemokratie (Tit for Tat);
  3. Faschismus und Kommunismus (sadistische Rache).

Mit Hilfe des Tit for Tat können wir auch den Unterschied zwischen Arbeit und Antiarbeit schärfer fassen: Arbeit funktioniert immer nach den Gesetzen des Tit for Tat, während Antiarbeit diesen Gesetzen widerspricht.

Funktionelle Ökonomie

20. August 2015

In der (für diesen Blog) relevanten Diskussion um ökonomische Dinge, insbesondere angesichts der Griechenlandkrise, geht es um prinzipiell zwei Positionen: eine „rechte“, die frei nach der Eigentumsökonomik Heinsohns davon ausgeht, daß Schulden etwas Gutes sind, weil erst sie durch ihren Zwang den Kreditnehmer zu einer „wirtschaftlichen Ökonomie“ führen; und eine „linke“, die frei nach Gesell ganz im Gegenteil glaubt, daß der Kreditgeber durch sein egoistisches „Horten“ von Geld für ein ökonomisches Ungleichgewicht gesorgt hat, daß durch den Zins, den er bei Kreditvergabe erwirtschaftet, dann auch noch perpetuiert wird. Früher wurde der angedeutete Gegensatz von der individualistischen Österreichischen Schule (Hayek, etc.), auf die sich „rechte“ Orgonomen beriefen und dem kollektivistischen Marxismus bestimmt, auf den linke Reichianer bezugnahmen.

Für die rechte Seite dreht sich alles um rechtlich verbindliche Eigentumstitel. Das Eigentum schaffe durch Anreize Impulse, die letztendlich allen zugutekommen. Die linke Seite hingegen glaubt, daß Werte nur im gesellschaftlichen Zusammenspiel erarbeitet werden und entsprechend Eigentumstitel Teilbereiche abspalten und so die Entwicklung hemmen. Sie seien ohnehin ungerecht und deshalb nicht rechtens. Für die Rechte sind Eigentumstitel sakrosankt, weil nur sie dafür sorgen, daß produktiv gearbeitet wird. Eigentum generiere Reichtum und sei deshalb das genaue Gegenteil von „Diebstahl“. Hingegen gibt es für die Linke zu jedem gegebenen Zeitpunkt einen gesellschaftlichen Reichtum, der nach der Arbeitsleistung des Einzelnen, im Idealzustand aber nach den Bedürfnissen der Massen verteilt werden sollte – jeweils im Namen der Gerechtigkeit. Das ist der grundlegende Unterschied, der die beiden Seiten voneinander trennt: denen, die bei der Griechenlandkrise auf den geschlossenen Kreditverträgen beharren, und jenen, die Griechenland als Opfer sehen, dem man sofort alle Schulden erlassen und neues Geld geben müsse.

Was beide Seiten nicht sehen, sind die bioenergetischen Grundlagen der Wirtschaft, der energetische Metabolismus der Wirtschaft: Wertaufbewahrung (orgonomisches Potential, Aufladung, Eigentum, „Kapital“) und Tausch (mechanisches Potential, Entladung, Ausgleich, „Arbeit“).

Auf die Nachfrage, bzw. das Konsumverhalten, das der Regelmechanismus der Marktwirtschaft ist, richtete der Marxismus all seinen moralisierenden Haß. Durch den „Fetischismus“ der individuellen „subjektivistischen“ Wert-Schätzung der Güter wird dieser private Bereich des Konsums für den Marxismus so anrüchig wie die Sexualität. Dazu hat André Glucksmann in seinem Buch Die Meisterdenker geschrieben:

Alle modernen revolutionären Theorien ist eine Aufteilung der Welt gemeinsam, die durch den Gegensatz zwischen (guter) Öffentlichkeit und (schlechtem) Privatem gekennzeichnet ist. Die chinesischen Massen [waren in der Kulturrevolution] aufgerufen, „gegen den Egoismus“ zu kämpfen, gegen das individuelle, materielle Interesse, gegen den (sicher kleinbürgerlichen) Subjektivismus, im Namen des öffentlichen Geistes (…). Man findet diesen Gegensatz wieder in der Gegenüberstellung von (staatlichem, also wertmäßig anerkannten) öffentlichem und privatem Recht (Geld- und Sexangelegenheiten, also verabscheuungswürdig) (…).

Geld- und Sexangelegenheiten:

Normalerweise wird mehr Geld angesammelt, als der Mensch für sein tägliches Leben braucht; wenn dies Sparen immer so weiterginge, würde die Wirtschaft schließlich am Angebotsüberhang zugrundegehen. Um ein stabiles, ökonomisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, muß das gesparte Geld in mehr oder weniger regelmäßigen Zeitabständen ausgegeben werden. Diese ökonomische Energieabfuhr ist die Funktion des Konsums.

Hier habe ich Elsworth F. Bakers folgende Darstellung der Orgasmustheorie paraphrasiert, was unmittelbar die funktionelle Identität von sexueller Energie und Geld aufzeigt:

Normalerweise wird mehr Energie aufgebaut, als der Körper entlädt; wenn dies immer so weiterginge, müßte der Organismus ständig wachsen und platzen. Um ein stabiles, ökonomisches Energieniveau aufrechtzuerhalten, muß die überschüssige Energie in mehr oder weniger regelmäßigen Zeitabständen abgeführt werden. Diese ökonomische Energieabfuhr ist die Funktion des Orgasmus.

Baker selber zieht die Verbindung von Geld und (sexueller) Energie, wenn er im Rahmen seiner Darstellung der Orgasmustheorie schreibt:

Normalerweise wird mehr Energie erzeugt, als verbraucht werden kann. Energie wird im Körper angesammelt wie Geld auf der Bank für Notlagen. (…)

Auch in der „Psychoökonomie“ wird Geld mit genitaler Libido gleichgesetzt (Gold mit analer Libido). So steigt der Wert des Dollars in Übereinstimmung mit dem Bild, das wir uns vom amerikanischen Präsidenten, von seiner „Potenz“ machen (dementsprechend steigt der Wert des Goldes, wenn der Präsident als schwach erscheint). Die Psychoökonomie behauptet auch, daß Geld, genauso wie die genitale Libido im moralischen Menschen, mit Schuld verbunden ist und daß deshalb reich gewordene Nationen alles tun, um ihren Reichtum wieder zu verlieren und sich so von den Schuldgefühlen zu befreien – durch Kriege, unsinnige babylonische Großprojekte oder durch „Revolution“ und Umsturz. Die sozialistische Ideologie lebt von diesen Schuldgefühlen!

Zu derartigen Vorstellungen, zu dieser kurzschlußartigen Verbindung von Psychoanalyse und Ökonomie, wäre ähnliches zu sagen wie meine Ausführungen über die „Psychohistorie“, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt sicherlich drinnen.

Was den Energiecharakter des Geldes ganz allgemein betrifft, hat schon Heraklit gesagt:

Alles ist Austausch des Feuers [= Energie] und das Feuer Austausch von allem, gerade wie für Gold [= Geld] Waren und Waren für Gold eingetauscht werden.

Im Tausch liegt das wahre Geheimnis des Geldes. Genauso wie bei den Bionen Energie aus zerfallender Materie fließt, oder wie Reich die Energie aus den Muskelverspannungen löste, macht im wahrsten Sinne des Wortes Geld die Güter „liquide“. Es löst den Wert aus der Materie, es durchbricht die „Panzerung der Güter“ und läßt die Energie zwischen Geber und Nehmer ohne Einschränkung fließen. Erst durch das Geld können wir ein beliebiges Gut „verflüssigen“, erst so Teelöffel gegen eine Briefwaage eintauschen. Ich brauche eine Briefwaage, mein Bürobedarf-Händler aber nicht meine wertvollen Teelöffel, die ich erst beim Antiquitätenhändler in Geld auflösen muß, das mir den Austausch mit dem Händler für Bürobedarf ermöglicht.

Es wäre natürlich lächerlich einfach zu behaupten, daß wir einen Teelöffel in Geld auflösen könnten. Was wirklich „aufgelöst“ wird, ist das „Mana“ im Teelöffel. (Nicht ohne Grund sprach Marx vom „Fetischcharakter der Waren“!) Es ist das Wert-Gefühl, das wir mit dem Teelöffel verbinden. Dies heißt, in Wirklichkeit tauschen wir keine Teelöffel gegen Briefwaagen, sondern die Gefühle, die wir mit ihnen verbinden. Das Geld ist hier einfach nur das Wertzeichen – die Verkörperung des Mana. (Man denke an das Geschehen auf einem Flohmarkt!)

Genau wie die Sexualität wird so auch die Ökonomie nicht von „rationalen“ Überlegungen und rein quantitativ faßbaren Faktoren bestimmt, sondern von Gefühlen. Wert entsteht buchstäblich durch unsere „Bewertung“. Wird die freie Welt nicht vom linksliberalen Charakter kastriert, verhält sie sich in dieser Hinsicht auch nicht anders als jede Gruppe genital gesunder „Wilder“. So schloß Bronislaw Malinowski, auf den sich ja Reich immer wieder berufen hat, aus seiner Untersuchung der Ökonomie der Trobriander in Argonauten des westlichen Pazifik (Frankfurt 1984), daß Wert aus den Emotionen erwächst, die die Dinge umgeben,

die durch Befriedigung menschlicher Bedürfnisse Empfindungen zu wecken vermöge. Auch der Wert handwerklich hergestellter Gebrauchsgegenstände muß aus dem emotionalen Wesen des Menschen erklärt werden (…).

Dem hingegen hat Marx in seiner objektivistischen Wertlehre den „Wert“ vollständig vom Gefühlsleben des Menschen abgetrennt. In Das Kapital erklärt er den Tauschwert mechanistisch als „eine bestimmte gesellschaftliche Manier (…), die auf ein Ding verwandte Arbeit auszudrücken.“ Wie genau in den Gütern „geronnene“ Arbeitszeit es schafft, auf dem Markt die Preise zu bestimmen, hat aber noch nie jemand erklären können. So gaben die Ökonomen die traditionelle scholastische und mechanizistische Arbeitswertlehre auf (Marx war als Ideologe nur ihr konsequentester Vertreter) und ersetzten sie durch die „subjektive Wertlehre“: mechanistische „Physik“ wurde durch Psychologie ersetzt.

Nun werfen die Marxisten gerade Reich den „umfassenden Versuch einer psychologischen Revision des Marxismus“ vor (so z.B. Siegfried Kätzel in seiner ideologiegeschichtlichen Studie Marxismus und Psychoanalyse, Berlin „DDR“ 1987). Unbegreiflicherweise ist aber in der Reich-Marx-Diskussion m.W. noch nie ein Zusammenhang zur Wertlehre hergestellt worden, entstand doch die subjektive Wertlehre um das Jahr 1870 gleichzeitig mit dem Aufkommen des psychologischen Denkens.

Marx ging also vom Produzenten und seinem Arbeitsaufwand aus. Dazu gehörte auch, daß im „Historischen Materialismus“ die Produktion und nicht die biologische Bedürfnisstruktur des Menschen „Unterbau“ der gesellschaftlichen Entwicklung ist. So ist es bezeichnend, daß die Marxisten Reich des weiteren vorhielten, er wäre kein „historischer Materialist“ und daß er stattdessen „einem primitiven Bedürfnismaterialismus, der nur eine Kehrseite des Idealismus ist“, fröne. Kätzel wirft Reich vor, mit der Einordnung der biologischen Grundbedürfnisse in den Unterbau, habe Reich „die marxistische Bestimmung des Verhältnisses von Produktion und Bedürfnis verfehlt“. Denn für Marx habe „die Produktion den Ausgangspunkt und das übergreifende Element der Entwicklung dargestellt, während die Konsumption als Bedürfnis selbst inneres Moment der produktiven Tätigkeit ist“. Demgegenüber habe jedoch Reich durch sein „extrem biologistisches Herangehen“, den Menschen aus dem „letztlich durch sozialökonomische Verhältnisse determinierten Lebensprozeß der Menschen“ herausgerissen.

Kätzel weist darauf hin, daß bereits 1932 der spätere Präsident der „DDR“, Wilhelm Pieck, als Vertreter des ZK der KPD Reich vorhielt: „Ihr geht von der Konsumption aus, wir aber von der Produktion; ihr seid daher keine Marxisten“ (Was ist Klassenbewußtsein?). Auf diese Auslassung Piecks stellte Reich die Frage, „ob die Bedürfnisse um die Produktion willen erfolgen oder ob nicht umgekehrt die Produktion der Bedürfnisbefriedigung diene“.

Wie wir aus den obigen Erläuterungen Kätzels ersehen, spießt genau diese Frage die Unvereinbarkeit der Reichschen und der Marxschen Herangehensweisen auf. Aus dieser theoretischen Konfliktsituation mit dem Marxismus entwickelte Reich langsam ein vollständig neues „Unterbau-Konzept“, das er „Arbeitsdemokratie“ nannte:

Da alle Arbeitsprozesse voneinander abhängen und miteinander organisch verflochten sind; da ferner die Konsumption die Produktion bestimmt, ist eine natürlich gewachsene und organisch funktionierende Organisation in der gesellschaftlichen Basis gegeben. (Massenpsychologie des Faschismus)

Dieser wirtschaftliche Organismus wird von einem ähnlichen orgonotischen Viertakt bestimmt wie der biologische Organismus:

Die funktionelle Identität von Arbeit und Sexualität gehört zu unseren täglichen Grunderfahrungen: Ich habe das Bedürfnis mich in diesem Blogbeitrag auszudrücken, meine Energie fließt zur Peripherie und verrichtet Arbeit, dadurch entsteht eine ständig ansteigende „Arbeitsspannung“, die mich dazu drängt, endlich die Frucht meiner Anstrengungen auf WordPress vor mir zu haben, woraufhin ich mich befriedigt und entspannt zurücklehne. Das daraus resultierende Selbstbewußtsein speist meine Sexualität, genauso wie diese für neue Inspiration und Motivation sorgt. So pendelt das Leben zwischen diesen beiden Polen:

Dem entspricht auch:

Grundlage dieser Pulsation ist die biologische Energie und ihr Viertakt. Marx hat diesen Viertakt negiert, indem er statt der Biologie die sozioökonomischen Verhältnisse als die Grundlage des Wirtschaftens nimmt. Diese Negierung zeigt sich insbesondere in seiner Wertlehre. Die Erstarrung, zu der dies führt, sieht man besonders klar in der von ihm geforderten Abschaffung des Geldes, mit dessen Hilfe wir die Güter „verflüssigen“. Letztlich läuft das ganze auf eine reglementierte Zuteilungswirtschaft hinaus, in der dem Träger des Arbeitsprozesses die Spannungslösung an seinem Arbeitsprodukt vorenthalten wird, was genauso verheerend ist wie ein Coitus interruptus.

Aus Sicht der Energontheorie von Hans Hass kann man Marx eine Drangsalierung des Wirtschaftsorganismus vorwerfen, denn „dem Menschen die Früchte seiner Tätigkeit zu entziehen bedeutet (…), dem Lebensstrom seinen stärksten und ursprünglichsten Impuls zu nehmen.“ Hass schreibt weiter:

Das Streben nach allem, was „Glück“ und Annehmlichkeiten schafft, wurde (…) zum stärksten Impuls für die Energonbildung – zur stärksten aller die Evolution vorantreibenden Kräfte. (Naturphilosophische Schriften, München 1987, Bd. 3)

Gerade diese Kräfte hat Marx mit seiner Dialektik der Entwertung des Lebendigen zerstört.

Trotzdem Hass, was die funktionelle Identität von „Wirtschaftsökonomie“ und Sexualökonomie betrifft, Marx einiges voraus hat, hängt Hass doch inkonsequenterweise der Marxschen Werttheorie an. Für Hass ist Geld „immer und ausschließlich ein Anweisungsschein auf menschliche Arbeitsleistung – deren Wert je nach Angebot und Nachfrage sowie sonstigen Umständen schwankt“. Karl Marx sei ebenfalls dieser Ansicht gewesen, denn nach Marx sei „durch die zu seiner Produktion erheischte Arbeitszeit“ der Wert des Geldes bestimmt und drücke sich „in jedem Quantum jeder anderen Ware aus, worin gleich viel Arbeit geronnen ist“. Hass‘ Anlehnung an Marx ist deshalb inkonsequent, weil Hass ständig die Rolle der Nachfrage hervorhebt und den Wert nach ihr schwanken läßt.

Dazu hat Alfred Stobbe in Gesamtwirtschaftliche Theorie (Berlin 1975) geschrieben:

Die generelle Hypothese, daß die relativen Preise der Güter allein durch die zu ihrer Herstellung gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit erklärt werden können, wird schon durch die Tatsache widerlegt, daß Preise aus Angebot und Nachfrage entstehen und sich demnach erst auf dem Markt entscheidet, wieviel Arbeitszeit gesellschaftlich notwendig ist.

Die Übereinstimmung in der Werttheorie führt bei Hass zu ähnlichen mechanistischen Konsequenzen wie bei Marx. So will Hass das „gerechte Abstimmungsverhältnis“ zwischen Arbeitgeber und -nehmer mit Hilfe des Computers bestimmen. Während heute die „gerechte Abstimmung zwischen Energonen verschiedener Integrationsniveaus“ (Angestellter-Betrieb, Bürger-Staat, Betrieb-Staat, etc.) nur durch „Daumenpeilung, Erfahrung und jeweilige Interessen“ versucht werde, würde man dies mit Hilfe der Energontheorie „nüchtern und gerecht“ durch Computer berechnen können. Andererseits sagt Hass aber auch wieder, daß nur in einer durch die Nachfrage geregelten Marktwirtschaft „die divergierende Interessen von Mensch und Lebensstrom einen Ausgleich finden“.

Man sieht den Widerspruch, bzw. die Inkonsequenz: Wird der Wert nun durch Arbeitsleistung bestimmt oder durch den Markt? Und kann man Arbeitsleistung durch die Arbeitszeit bestimmen? Werden Interessen nun durch Computer oder das freie Spiel der Kräfte, bzw. durch Angebot und Nachfrage ausgeglichen? Diese Art von Inkonsequenz findet sich auch dort, wo Hass einen Konflikt zwischen den Konsuminteressen des Individuums und den Interessen des Lebensstroms postuliert, was ja wieder seiner zuletzt zitierten Aussage widerspricht. Hass sagt einerseits:

Wo (…) Luxusstreben zum Selbstzweck wird, Schwäche erzeugt und zur Leistungsverweigerung führt, verliert es seien Selektionswert und wird zur Ursache des Untergangs der Kulturen. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

Also schwächt der Konsum den Lebensstrom? Nein, er schwächt das Individuum, denn an anderer Stelle schreibt Hass, daß, vom einzelnen Energon aus gesehen, alle Gewinne „die in Luxuskanäle fließen, ein klarer Verlust“ sind.

Für den Lebensstrom dagegen sind sie es nicht. Vielmehr heizen sie die Gesamtentwicklung an – nicht unähnlich der kannibalischen Tätigkeit aller tierischen Energone. (ebd.)

Diese Widersprüche in der Energontheorie fußen sicherlich auch in einem mangelnden Verständnis der biosexuellen Funktionen in der Konsumption. Ist doch die Sexualität in sich selbst auch „widersprüchlich“, denn einerseits ist sie eine Entladungsfunktion, andererseits aber gibt sie unserem Energiesystem neuen Schwung und frische Energie. (Der Organismus erhöht automatisch sein Energieniveau, wenn eine geregelte Entladung gesichert ist.)

Die von den Massenmedien propagierte „nicht-koitale“ klitorale, phallische, prägenitale und pornographische Sexualität (in der die Genitalität mehr tabuisiert wird als im reaktionärsten Katholizismus) führt nicht zu Entladung und wohliger Entspannung, sondern erhöht nur die innere Spannung. Das dazu korrespondierende „fickende“ Konsumverhalten führt entsprechend zu innerer Leere und zur Zerstörung der Umwelt. Die Menschen finden keine Erfüllung und Entspannung mehr und suchen deshalb immer zerstörerische Reize. Es gibt demnach eine funktionelle Identität von kontaktloser Promiskuität und kontaktlosem Konsumrausch. Beide sind das Gegenteil dessen, als was sie oberflächlich erscheinen. In Wirklichkeit haben sie mit Sexualität und Konsum nichts zu tun.

Die Identität von Sexualität und Konsum sieht man auch daran, daß beide Ausdrucksformen überschüssiger Energie unglaublich prägbar, sublimierbar und pervertierbar sind. Hierzu schreibt Hass:

Essen, Kleidung, Wohnung, Ehe schaffen einen ziemlich festliegenden, ziemlich klar vorgezeichneten Bedarf. Alles, was darüber hinausgeht, aller „Kultur“- und „Luxusbedarf“, ist dagegen labil und beeinflußbar. Erziehung, Prägung und Mode spielen hier eine entscheidende Rolle. Sind erst die Grundbedürfnisse befriedigt, dann eröffnet sich eine Vielheit von Möglichkeiten, gewonnene Überschüsse annehmlichkeitssteigernd zu verwenden. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 2)

Interessant ist auch, daß sich im Vergleich zum Tierreich erst beim Menschen Sexualität und Konsum ganz entfaltet haben. Hass:

Tiere freuen sich ebenfalls ihres Lebens, rollen zum puren Vergnügen auf dem Boden herum. Viel mehr „Luxus“ können sie sich aber mit ihren Überschüssen nicht leisten. Geht es einem Tier gut – dann pflanzt es sich fort. Beim Menschen ist es ebenfalls noch so – darüber hinaus aber wurde er zu einem Spezialisten in Schaffen von „Annehmlichkeiten“. (ebd.)

Neben der Entladungsfunktion von Sexualität und Konsum gibt es, wie gesagt, den revitalisierenden Aspekt. Durch Verkümmerung von Sexualität (Zwangsmoral) und Konsum (sozialistische Verzichtsideologie) entwickelt sich beim Individuum und im gesellschaftlichen Organismus langsam eine „Schrumpfungbiopathie“. Die Menschen dörren buchstäblich aus, weil ihre „Luxus-Bedürfnisse“ immer wieder frustriert werden und ihnen immer wieder eingebleut wird, sie sollten ihre „biologistischen“ Wünsche dem „sozialistischen“ Wohl opfern. Auch für die Gesellschaft als Ganzes bedeutet dies, daß sie langsam verfault, denn die „menschlichen Luxuswünsche“ sind der Antrieb der zweiten Hälfte der Evolution. Würden sie „erlöschen, dann fiele der gigantische vom Menschen geschaffene Energonbau wie ein Kartenhaus in sich zusammen“ (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978). Genauso wie für alle Tiere letztlich die Pflanzen die Energiequelle sind, ist in der Menschenwelt der Bedarf die Energiequelle der Berufstätigen. Konsumverzicht entspricht also genau einer Dürre in der Umwelt – DOR!

Daß sich eine orgonomische Ökonomie, wie sie Reich schon als „Marxist“ zu formulieren begann, nur im Kapitalismus entfalten kann, verdeutlicht folgende von Hass zitierte Aussage des Nationalökonomen Walter Eucken:

Bei Konkurrenz bestimmen die Konsumenten über Art und Umfang der Produktion, wobei die Unternehmer letztlich, wenn auch mit einem gewissen Spielraum, in ihrem Auftrag handeln.

Und was kapitalistische Besitzverhältnisse in einer Arbeitsdemokratie betrifft, hat Malinowski darauf hingewiesen, daß es keinerlei ethnographische Belege für einen „Urkommunismus“ gibt. Er nennt die Meinung, daß „Wilde keinen individuellen Besitz haben, (…) ein altes Vorurteil, besonders bei der Begründung (…) der sogenannten materialistischen Geschichtsauffassung.“ Obwohl „Großzügigkeit und Teilen der einzige Gegenstand strenger moralischer Grundsätze unter den Eingeborenen ist“, sei diese weitverbreitete falsche Auffassung genauso völlig irrig „wie die entgegengesetzte Phantasievorstellung vom besitzhungrigen, ohne Erbarmen alles zusammenraffenden Eingeborenen.“

In Christusmord warnt Reich vor jenen,

die die kämpferische Liebe zum Menschen (…) zu dem üblen Prinzip entstellten, daß der Mensch alles, was er besitzt, ohne Gegenleistung an Modju abtreten soll.

Sie verewigen nur das menschliche Elend. So „sind Sozialisten Feinde des Menschen“, denn

sozialistische Gesinnung führt unweigerlich zu Dirigismus (…) und zwar in dem Ausmaß, in dem Sozialismus ernstgenommen wurde.

Tatsächlich ist der internationale Kapitalismus und das internationale Finanzkapital, das ihn erst möglich macht, das größte Friedensprojekt der Menschheitsgeschichte. Roman Zakharenko (HSE International College of Economics and Finance) et al. zufolge verringert der Abbau von Handelsschranken zwischen Ländern die Wahrscheinlichkeit eines bewaffneten Konflikts und führt zu einer Senkung der Verteidigungsausgaben. Auch wirkt er sich positiv auf die Situation in benachbarten Ländern und der Welt als Ganzer aus. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf drei Länderpaare: Israel und Jordanien, Nordkorea und Südkorea, Rußland und die Vereinigten Staaten. Was Israel und Jordanien betrifft, führte vermehrter Handel nicht nur zu einem Rückgang der Verteidigungsausgaben der beiden Länder, sondern auch der USA, Ägyptens und Saudi-Arabiens. Zakharenko zufolge führt jede zusätzliche Milliarde Dollar, die zwischen Rußland und den USA gehandelt wird, zu einer Reduzierung der Verteidigungsausgaben in der Welt von 115 Millionen US-Dollar. Entsprechend könnte ein Abbau der gegenwärtigen Handelsschranken zwischen den beiden Ländern aufgrund wechselseitiger Sanktionen zu einer Auflösung der bestehenden Konflikte beitragen. Wäre Rußland der Welthandelsorganisation 10 Jahre früher beigetreten, wäre es, so Zakharenko, vielleicht gar nicht zu Sanktionen gekommen. Die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen und die Entwicklung der Transportinfrastruktur trage dazu bei politische Spannungen zu lindern.

Über die Rolle der orgonotischen Ladung in Biologie, Medizin und Soziologie

16. August 2015

Reich hat stets darauf insistiert, daß Sexualität nicht gleich Fortpflanzung ist. Er konnte dabei auf Mikroorganismen und niedere Organismen verweisen, wo die orgonotischen Prozesse offensichtlich waren. Siehe dazu Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst und Die Bionexperimente. Daß es auch Beispiele bei Vertebraten gibt und daß die daraus entspringenden Nachkommen sich normal entwickeln, zeigt, „zur Überraschung der Wissenschaftler“, der Sägefisch (pristis pectinatus) in Florida. Bislang hatte man so etwas nur in Zoos beobachtet, etwa wenn Schlangenweibchen kein Männchen haben. Desgleichen sogar bei Hühnern und Puten!

Bis jetzt fanden sich Zeugnisse für Parthenogenese bei Wirbeltieren fast nur bei gefangenen Tieren, die in der Regel ihre Halter mit der Geburt überraschten, obwohl sie keine Partner hatten. Wissenschaftler haben vor kurzem zwei weibliche Schlangen in freier Wildbahn gefunden, die jeweils trächtig aufgrund von Parthenogenese waren, ohne daß bekannt wurde, ob diese parthenogenetischen Nachkommen überlebt hätten. Es war weiterhin ungewiß, ob jungfräuliche Geburten in der Natur in erheblichem Umfang vorkommen.

Und speziell über den Sägefisch:

Bei Sägefischen und vielen anderen Kreaturen kommt es zu einer Meiose, bei der sich Zellen teilen, um Geschlechtszellen zu bilden, die jeweils nur die Hälfte des Materials haben, das benötigt wird, um Nachkommen hervorzubringen. Beim weiblichen Sägefisch fanden die Forscher Paare von Geschlechtszellen, die wahrscheinlich verschmolzen waren, um Nachkommen zu erzeugen. Allerdings sind diese Nachkommen nicht Klone der Mutter oder untereinander, da weder die Geschlechtszellen untereinander perfekt identisch sind noch die parthogenetischen Nachkommen, die aus diesen Geschlechtszellen hervorgehen.

Und weiter:

Möglicherweise tritt Parthenogenese hauptsächlich bei kleinen oder schrumpfenden Populationen auf, vielleicht wenn Weibchen während der Paarungszeit keine Männchen finden können. Die Forscher bitten nun andere Wissenschaftler, ihre DNA-Datenbanken von Vögeln, Fischen, Schlangen, Eidechsen, Haien und Rochen auf andere Beispiele für Parthenogenese bei Wirbeltieren in freier Wildbahn zu durchforsten.

„Dies könnte zum Umschreiben der Biologie-Lehrbücher führen“, sagt in einer Stellungnahme der Co-Autor der Studie Kevin Feldheim vom Pritzker Laboratory im Field Museum of Natural History in Chicago, wo die DNA-Fingerabdrücke abgenommen wurden. „Gelegentliche Parthenogenese könnte möglicherweise bei wilden Tierpopulationen viel mehr zur Routine gehören, als wir jemals gedacht haben.“

Wie Reich sagte: Sexualität und Fortpflanzung sind unterschiedliche Funktionen, haben unterschiedliche Aufgaben. Diese Erkenntnis wird nun langsam Einzug in die Biologiebücher halten. Wenn es nach Reich gegangen wäre, hätte man das schon vor 80 Jahren machen müssen!

Das folgende ist in zweifacher Hinsicht interessant. Erstens weicht es weiter nochmals die in diesem Blog häufiger diskutierte Grenze zwischen Tier und Mensch auf, dem „Menschentier“. Zweitens zeigt es die Bedeutung der Bione in unserer Evolution. Wie Reich Mitte der 1930er Jahre zeigte, wird Orgonenergie in Gestalt von „Orgonenergie-Bläschen“ (Bione) durch Kochen freigesetzt – von wegen Rohkost…

Das Kochen gilt als eine Schlüsseltechnologie unserer Vorfahren – möglicherweise war das Erhitzen von Nahrung eine entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung des Menschen. Unklar ist allerdings, wann unsere Vorfahren die kognitiven Voraussetzungen für das Kochen entwickelten. Experimente mit Schimpansen zeigen nun: Theoretisch hätten auch unsere engsten Verwandten das mentale Rüstzeug für diese Kulturtechnik. Sie verstehen das Prinzip des Kochens und haben die Beherrschung, um sich Nahrung extra dafür aufzusparen.

Das Kochen von Nahrung macht nicht nur viele Speisen schmackhafter, das Erhitzen schließt auch Nährstoffe besser auf und macht sie für den Körper verfügbar. „Der Wechsel zu gekochter Nahrung könnte daher die Entstehung größerer Gehirne in der menschlichen Evolution begünstigt haben“, erklären Felix Warneken von der Harvard University und Alexandra Rosati von der Yale University. Denn gerade das Gehirn ist ein besonders energiehungriges Organ.

In sozialistischen Gesellschaften wie Schweden, aber auch im täglich sozialistischer werdenden Deutschland nimmt die Bedeutung eigenen Denkens, des Bewußtseins und anderer höherer Hirnfunktionen zunehmend ab. Es sind Störfaktoren, die insbesondere durch den Terror der Political Correctness immer mehr zurückgedrängt werden, um das reibungslose Funktionieren der sozialistischen Gesellschaft zu gewährleisten. Wie ich an anderer Stelle gezeigt habe, sind sozialistische Gesellschaft funktionelle Entsprechungen von Insektengesellschaften. Dazu nun folgender Bericht:

Die Gesellschaft, in der wir leben, prägt nicht nur unser Verhalten – es hat auf lange Sicht auch Auswirkungen auf die Entwicklung unseres Gehirns. Nach gängiger Theorie war es das Zusammenleben in komplexen sozialen Gruppen, das bei unseren fernen Vorfahren das Wachstum des Gehirns auslöste. Doch die simple Gleichung „komplexe Gesellschaft gleich großes Gehirn“ stimmt nicht für alle Tiere. Bei sozialen Insekten scheint sie sich sogar umzukehren, wie Forscher nun herausfanden: Bestimmte Teile im Gehirn der einzelnen Tiere schrumpfen sogar, wenn sie Kolonien bilden.

Jedenfalls bei Wespen führe das Zusammenleben in sozialen Gemeinschaften „zu einem Schrumpfen der für höhere Funktionen zuständigen Hirnareale“.

Das Wort „Panzer“ zur Beschreibung der muskulären und emotionalen Abwehrmechanismen von Neurotikern leitet sich von der Rüstung der alten Ritter her. Es waren „Exoskelette“ ähnlich denen bei Insekten, die einerseits den Träger schützten, ihn aber andererseits weitgehend bewegungsunfähig machten. In abgeänderter Form kehrt nun die Ritterrüstung zurück in Gestalt des „Roboteranzugs“.

Entwickler eines internationalen EU-Projekts haben den Prototypen eines Exoskeletts für Industriearbeiter präsentiert. „Robo-Mate“ kann mittels Motoren und Sensoren die Belastungen beim Heben auf einen Bruchteil reduzieren und gleichzeitig Haltungsschäden vorbeugen.

Es wird als ungemeine Hilfe für Arbeiter gepriesen, was sie auch zweifellos ist, doch das „Exoskelett“, wird über kurz oder lang auf den Menschen zurückwirken und zwar weitaus radikaler, als es sich selbst Reich im Rückblick auf die bisherigen Werkzeuge des Menschen, die ihn zu einem „Automaten-Ungeheuer“ gemacht hätten, vorstellen konnte.

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=FSrcMaid0mg%5D

1943 hat Reich die biophysisch verheerenden Auswirkungen der ersten industriellen Revolution beschrieben, in deren Folge sich der Mensch mit Dampfmaschinen identifizierte, sodaß er sich selbst in ein maschinenartiges Anhängsel der Maschine verwandelte.

Es hat sich herausgestellt, daß die maschinellen Lebensanschauungen nicht bloß eine „Spiegelung“ der sozialen Prozesse im Seelenleben des Menschen sind, wie Marx annahm, sondern weit mehr als das: Im Laufe der Jahrtausende maschineller Entwicklung hat die mechanistische Lebensauffassung, von Generation zu Generation fortwirkend, sich tief im biologischen System der Menschen verankert. Sie hat dabei das Funktionieren des Menschen tatsächlich maschinell verändert. Der Mensch erstarrte plasmatisch im Prozeß der Abtötung der Genitalfunktionen. Er verpanzerte sich gegen das Natürliche Spontane in ihm, verlor den Kontakt mit der biologischen Selbststeuerungsfunktion und ist von schwerer Angst vor dem Lebendig-Freien erfüllt. (Die Massenpsychologie des Faschismus)

Dabei hätte der Mensch „ohne weiteres auf der einen Seite Maschinen mechanistisch konstruieren und auf der anderen Seite gleichzeitig das Lebendige nicht-maschinell, eben lebendig erfassen können“. Und weiter: „Die Maschine wurde, ist und wird sein gefährlichster Zerstörer bleiben, wenn er sich nicht von ihr differenziert.“

Der tragische Zwiespalt von biologischer und technischer Organisation, von Lebendigem und automatisch Maschinellem im Menschen kommt eindeutig in folgenden Tatsachen zum Ausdruck: Kein Massenmensch auf diesem Planeten wollte den Krieg. Alle, ausnahmslos, sind ihm verfallen, unrettbar, wie einem Automaten-Ungeheuer. Doch dieses Ungeheuer ist der versteifte Mensch selbst. (ebd.)

Zum Schluß ein Verweis auf das von mir schon des öfteren gepriesene Omega-3:

Omega-3 Fettsäuren gelten als wahre Gesundmacher: Sie beugen Herzinfarkten vor, schützen die Gefäße und stärken das Gehirn. Jetzt haben Forscher eine weitere positive Wirkung dieser ungesättigten Fette nachgewiesen: Sie können sogar den Ausbruch einer Schizophrenie verhindern. In einer Langzeitstudie bewahrte eine zwölfwöchige Einnahme von Fischölkapseln junge, psychisch vorbelastete Patienten davor, in die manifeste Psychose abzugleiten. Auch die psychischen Symptome besserten sich merklich. Die Omega-3 Fettsäuren könnten damit eine schonende Alternative zu Psychopharmaka sein, meinen die Forscher.

Es geht darum im Gehirn die orgonotische Ladung aufrechtzuerhalten!

Kapitalismus und die Funktion des Orgasmus (Teil 7)

4. Juli 2015

Das Grundproblem dieser Serie über den Kapitalismus und die Orgasmusfunktion ist die Vermischung zweier Bereiche: die der Bioenergetik (Sexualökonomie) bzw. des Biosozialen (Arbeitsdemokratie) und die der Ökonomie (Kapitalismus). Von daher ist es kein Wunder, daß mancher Leser irritiert ist, entspricht diese Vermischung doch dem schwersten Fehler, den man in Diskursen überhaupt machen kann: dem „Kategorienfehler“.

Inwiefern meine Ausführungen aber doch Sinn machen, möchte ich mit Hilfe der Orgonometrie aufzeigen. Gehen wir von folgender Gleichung aus, die die Beziehung der Funktionen „orgonotische Erregung“, „gleichzeitige Wirkung“ und „relative Bewegung“ aufzeigt:

errfleibew

Betrachten wir zunächst die gleichzeitige Wirkung mit ihren beiden Varianten Erstrahlung und Anziehung. Mit der Funktion „gleichzeitige Wirkung“ läßt sich das Zusammenwirken der Menschen in einer Ökonomie noch am besten erfassen: sie wirken unabhängig von Raum und Zeit auf eine Weise zusammen, die man von außen betrachtet nur als magisch bezeichnen kann. Kein Ökonom wird dieses Netz, das sich über Zeit (insbesondere was das Know How betrifft) und Raum erstreckt, jemals ganz erfassen, geschweige denn „planen“ können!

Dieses ökonomische Geflecht äußert sich in zwei Varianten: der Zusammenarbeit (Funktion „Anziehung“) und der Konkurrenz (Funktion „Erstrahlung“). Man betrachte nur einmal das Kinderspiel, egal ob bei Hunden, Schimpansen oder Menschen, das sich genau aus diesen beiden Komponenten zusammensetzt: dem Zusammenspiel (insbesondere bei Mädchen) und dem Raufen (insbesondere bei Jungen). Daß die Zusammenarbeit die Gemeinschaft und jedes Individuum in ihr voranbringt, ist offensichtlich, aber dies ist auch bei der Konkurrenz gegeben, die dafür sorgt, daß jeder sein Bestes gibt und „Exzellenz“ zur Norm wird. Auf diesem „Willen zur Macht“ beruhte die griechische Kultur und sie blieb bis vor Kurzem der Kern der gesamten abendländischen Kultur – die nicht zuletzt deshalb alle anderen Kulturen dominierte. (Unter anderem deshalb wird das „Friedensprojekt EU“ die europäische Zivilisation, die auf Widerstreit und Konkurrenz beruht, zerstören! Und: wenn manche Reichianer mit entrückten Augen von einer friedlichen, egalitären, weitgehend konfliktfreien „arbeitsdemokratischen“ Gesellschaft schwärmen – dann sehe ich nur Tod, Verderben und Untergang.)

Es ist offensichtlich, daß man vorschnell die eine Funktion („Anziehung“, Zusammenarbeit) mit der Arbeitsdemokratie und die andere („Erstrahlung“, Konkurrenz) mit dem Kapitalismus gleichsetzen kann.

Ich werde darauf gleich zurückkommen, möchte aber vorher eine zweite Betrachtungsweise einführen und zwar nicht von der „Gleichzeitigkeit“, sondern von der „Bewegung“, genauer von der „Pulsation“ her. Die Funktion „Pulsation“ liegt dem orgonotischen System und damit dem Dreischichtenmodell Reichs zugrunde:

arbdemkapsoz

Daß die Arbeitsdemokratie der tiefsten Ebene entspricht, dem bioenergetischen Kern, ist offensichtlich. Der Kapitalismus mit seiner inneren Zerrissenheit (Wettbewerb, Streben nach Dominanz, Überleben des Stärkeren) entspricht augenscheinlich der zweiten Schicht mit ihrem Gestrüpp aus Impuls und Abwehr, wie Reich sie in Die Funktion des Orgasmus beschrieben hat. Hier ist, frei nach dem Orgonomen Peter Crist, sowohl der Bereich der „Charakterstärke“ („mittlere Schicht“), als auch des Charakterpanzers („sekundäre Schicht“). Der Sozialismus schließlich entspricht der sozialen Fassade: es dreht sich alles um „soziale Gerechtigkeit“ (Vorspiegelung der Arbeitsdemokratie, auf die, wie bereits angeschnitten, „Reichianer“ reinfallen) bei letztendlicher Verneinung der Arbeitsfunktion (schließlich auch der Sexualfunktion!). In unserer Gesellschaft findet man diese drei Schichten am ehesten noch nacheinander in den Bereichen Naturwissenschaft (Kern), Wirtschaft (mittlere Schicht) und Sozialstaat mitsamt seinen Ideologen, den Human-„Wissenschaftlern“ (Fassade), verkörpert.

Zum Abschluß wollen wir betrachten, wie sich die Funktionen „gleichzeitige Wirkung“, „Erstrahlung“ und „Anziehung“ auf diesen drei Ebenen äußern, in der Arbeitsdemokratie, im Kapitalismus und im Sozialismus:

In der Arbeitsdemokratie, etwa in einem Forschungslabor, wo alle an einem Strang ziehen und gemeinsam in einer faszinierenden Arbeit aufgehen, wird jeder Einzelne Teil eines übergeordneten Organismus, zu einem Organ, das genauso lebenswichtig ist, wie jedes andere Organ auch. Gleichzeitig bringt jeder seine unaufhebbare Individualität ein und versucht im Wettstreit mit den anderen sein bestes zu geben und, wie man so schön sagt, „über sich selbst hinauszuwachsen“. Es ist ein ständiger Übergang von Anziehung zu Erstrahlung und Erstrahlung zu Anziehung. Hier entspricht der Bereich der Arbeitsenergie weitgehend den Gesetzmäßigkeiten der Sexualenergie (der Wechsel von „Liebesspiel“, das manchmal sogar bis zu einem heftigen Streit geht, und genitaler Umarmung).

Im Kapitalismus wird die Zusammenarbeit weitgehend durch die ökonomischen Zwänge bestimmt, die zur Kooperation zwischen Firmen führt und natürlich zum gemeinsamen Arbeiten innerhalb der Firma. Weit bedeutender ist jedoch die Konkurrenz, was soweit geht, daß der wirtschaftliche Erfolg der Firma in Mitleidenschaft gezogen wird. Beispielsweise werden unter Firmen bei Neuentwicklungen keine gemeinsamen DIN-Normen abgesprochen, weil man bestrebt ist, den Markt mit dem eigenen Produkt zu dominieren. Entsprechend entstehen unterschiedliche Herstellungsketten mit entsprechend höheren Kosten und geringeren Absatzmöglichkeiten für alle. (Beispielsweise will ein Kunde unbedingt und alternativlos ein Produkt der Firma A kaufen, unterläßt das aber, weil er nur Geräte der Firma B hat, die mit diesem Produkt nicht kompatibel sind. Firma B wird dabei geschädigt, weil sich dergestalt Kunden von ihr entfremden.) Noch selbstzerstörerischer sind die Machtkämpfe innerhalb der Firma bis hin zum Mobbing. Teilweise wird die Erfolg der Firma richtiggehend sabotiert, nur um einen „Kollegen“ in die Pfanne zu hauen. Manchmal sind dergestalt irrationale bioenergetische Mechanismen weitaus wirkmächtiger als rationale ökonomische Zwänge. Manche Firmenzusammenbrüche aufgrund von teilweise geradezu groteskem „Fehlmanagement“ sind anders kaum zu erklären. „Charakter primär. Ökonomie sekundär“!

Im Sozialismus hingegen verschwindet die Konkurrenz ganz und gar. Dinge wie den „sozialistischen Wettbewerb“ kann man nicht ernstnehmen. In unserer politisch korrekten (= sozialistischen) Kultur ist es mittlerweile soweit, daß Kindern die Freude von Wettkämpfen verwehrt wird, um die Verlierer nicht zu brüskieren. Die antiken Griechen hätten uns zu Recht als den letzten barbarischen Abschaum betrachtet! Es herrscht eine alles erstickende Gleichmacherei. Konkurrenz gibt es allenfalls, wenn es darum geht, den ideologischen Gegner (den „Nazi“) möglichst plakativ zu denunzieren und aus der menschlichen Gesellschaft auszuschließen. Wer glaubt, hier gäbe es einen grundlegenden Unterschied zwischen der von oben angestachelten Massenhysterie in Nordkorea und einem sozialdemorattisierten Deutschland ist naiv. Der Sozialismus ist eine geschmacklose Karikatur der Arbeitsdemokratie: aus dem Einordnen des Organs in den heterogenen Organismus wird der austauschbare Teil eines homogenen Krebsgewebes und aus dem Einbringen der Individualität wird das Verdammen jedes „Abweichlertums“. Ein Verdammen, bei dem jeder den anderen in Sachen Fanatismus ausstechen will! Das bezeichnet man dann als „Antifaschismus“. Der Sozialismus, der mit der durchaus laudablen Absicht anfing, die Auswüchse des vom Konkurrenzkampf zerfressenen Kapitalismus zu mildern, ist heute die Emotionelle Pest und nichts außerdem. (Bei Firmen finden sich Elemente des Sozialismus beispielsweise bei der immer zentraler werdenden Corporate Identity: unversehens entwickelt sich das Unternehmen in eine Art Sekte!)

Emotionelle Pest? Ja, man findet beliebig viele Beispiele für sie im Kapitalismus, der schließlich der sekundären Schicht entspricht. „Der Mammon ist der Teufel“ – steht schon in der Bibel. Peter Green hat über den „The Green Manalishi“ gesungen. Der Sozialismus, in welcher Ausprägung auch immer, ist aber keine Alternative, sondern: die Fassade tritt in den Dienst der sekundären Schicht. Teilweise ist das wörtlich zu nehmen („Wall Street und Moskau“), wichtiger ist aber der Komplex, der mit dem Begriff „Political Correctness“ umschrieben wird. Man kann sich kaum ein modernes Projekt vorstellen, dessen soziale Konsequenzen nicht verheerender sind als alle Auswüchse des Kapitalismus, etwa die „Energiewende“ oder der forcierte Völkermord an den Deutschen. Themen, bei denen der tumbe „Reichianer“ sich im Siebten Himmel wähnt…

Kapitalismus und die Funktion des Orgasmus (Teil 5)

2. Juli 2015

In Ökonomie und Sexualökonomie habe ich dargestellt, wie die Befreiung der Sexualität aus ihren mittelalterlichen Fesseln den Kapitalismus hervorgerufen hat und daß die planwirtschaftliche Zersetzung des Kapitalismus uns zurück ins Mittelalter treibt (wie bereits 1933 infolge der Weltwirtschaftskrise geschehen).

Durch die Verkümmerung von Sexualität (Zwangsmoral) und Konsum (sozialistische Verzichtsideologie) kommt es beim Individuum und im gesellschaftlichen Organismus langsam zur „Schrumpfungsbiopathie“. Der Marxismus läuft auf eine reglementierte Zuteilungswirtschaft hinaus, in der dem Träger des Arbeitsprozesses die Spannungslösung an seinem Arbeitsprodukt vorenthalten wird, was genauso verheerend ist wie ein Coitus interruptus. Die Beschneidung der Arbeitsenergie rächt sich ähnlich wie die Nichtbeachtung der sexualökonomischen Naturgesetze.

Die „gesellschaftlicher Abpanzerung“ der Sexualenergie ist funktionell identisch mit der „gesellschaftlichen Abpanzerung“ der Arbeitsenergie.

Die beiden humanbiologischen Grundfunktionen Sexualität und Arbeit sind ursprünglich in der gleichen Institution beheimatet: der Familie („Familie“ im weitesten Sinne des Wortes!). Die Familie geht aus der sexuellen Gemeinschaft hervor, die wiederum auf der Überlagerungsfunktion gründet („genitale Umarmung“). Mit der Familie kommt es zur ersten Teilung der Aufgaben im Überlebenskampf: die Funktion „Arbeit“ taucht auf. Diese neue Funktion, mit all ihren „Sachzwängen“, steht in einem gewissen Gegensatz zur Sexualität. Zum Beispiel gibt es, damit das reibungslose Funktionieren der Arbeitsteilung garantiert ist, in ausnahmslos allen Kulturen (die noch nicht ganz vom Patriarchat untergraben wurden) das Inzesttabu, sowie (wenn auch weniger ausgeprägt) die öffentliche Tabuisierung der sexuellen Gemeinschaft der Eheleute. Zum Beispiel ist das schlimmste denkbare Schimpfwort der Trobriander: „Beschlafe deine Frau!“ Ähnlich ist die Sexualität in der späteren arbeitsteiligen Gesellschaft am Arbeitsplatz tabuisiert. Ihr Ort ist die „Freizeit“.

Bei aller Gegensätzlichkeit gibt es in den Bereichen Sexualenergie und Arbeitsenergie ganz ähnliche Störungen aufgrund von Panzerung im Individuum. Zum Beispiel kann man den Kapitalismus als eine Art „gesellschaftlicher Orgontherapie“ betrachten, weil er die Menschen dazu zwingt, aufzustehen und sich zu bewegen. Wer „sitzt“ kommt unter die Räder. (Das ist im übrigen auch der tiefere, bioenergetische Beweggrund für die „Globalisierungsgegner“ in Deutschland: sie wollen angesichts einer sich bewegenden Welt sitzen bleiben.) Genauso ist es in der Sexualität: wer sich nicht ständig bemüht, findet keinen Partner, kann ihn nicht halten oder endet in einer festgefahrenen lustlosen Beziehung, die nur noch die Bequemlichkeit zusammenhält. Das einzige, was uns davon abhält materiell und sexuell erfolgreich, glücklich und reich zu sein, ist unsere Panzerung, die uns dermaßen verkrüppelt, daß jeder Maulwurfshügel zu einem unüberwindbaren Bergmassiv wird. (Auf unverantwortlich freiheitskrämerische Weise spielen sogenannte „Motivationstrainer“ mit dieser Wahrheit – die in ihren Händen zu einer gemeinen Lüge wird.)

Hinzu kommt die „gesellschaftliche Abpanzerung“. Man denke etwa an die Trennung der Geschlechter in islamischen Ländern, die das „Heiratsmarktgeschehen“ behindert, wenn nicht unmöglich macht und zu sexuellen Übergriffen in den Familien führt, wo wegen der Polygamie ohnehin alle Unterschiede verwischt sind. (Tatsächlich werden in islamischen Ländern fast flächendeckend immer die Cousinen bzw. Cousins geheiratet, was in Jordanien z.B. zu einer Epidemie erblicher Blindheit geführt hat.) Diese Art gesellschaftlicher Abpanzerung der Sexualenergie ist funktionell identisch mit der gesellschaftlichen Abpanzerung der Arbeitsenergie, z.B. wenn sich zwischen dem Produzenten und den Konsumenten diverse Zwischenglieder schieben, die, anstatt das Marktgeschehen zu unterstützen, es behindern (Bürokratien, politische Interessenvertreter, Zwischen- und Großhändler, Gewerkschaften, das Rechtssystem, die Einkommenssteuer: kurz alle mittelalterlichen Restbestände aus der vorkapitalistischen, ständischen Welt der Zünfte).

Jerome Eden schrieb dazu:

Aus seiner gepanzerten Struktur heraus produziert ARM [der gepanzerte Mensch, armored man] die Zwillingsbrüder seiner Versklavung – den „Mittelsmann“ und den Politiker. Wie die Mittlere Schicht seiner gepanzerten Struktur besteuert der Mittelsmann die Energie, die Früchte bioenergetischer Arbeit, weil ARM nicht fähig ist, für seine eigene Produktivität, für den Verkauf und die Verteilung seiner selbst erzeugten Güter die Verantwortung zu übernehmen. Der Politiker repräsentiert ARMs oberflächliche Fassade. Beide sind wesentlich für die Fortdauer der gepanzerten Gesellschaft. Sie können in einer arbeitsdemokratischen Gesellschaft nicht geduldet werden. (The Value of Values, Careywood, Idaho: Jerome Eden, 1980)

Hierher gehört auch das Problem des Geldes, das den Austausch zwischen Produzenten und Konsumenten erst ermöglicht. Wird das Geld so manipuliert, daß es seine zentrale Funktion, einen reibungslosen Austausch zwischen den Marktteilnehmern zu gewährleisten, nicht mehr erfüllen kann, also nicht mehr für Gerechtigkeit sorgt, sondern ganz im Gegenteil das Gift der Ungerechtigkeit in die Gesellschaft trägt, trifft das die Arbeitsdemokratie ins Mark.

Orgonomische „Soziobiologie“ (Teil 2)

26. Juni 2015

Kollektivismus ist eines der Hauptcharakteristiken der „Maschinenmenschen-Ameisen“: das Fehlen jeder Individualität, Eigenverantwortlichkeit und Spontanität – das Fehlen jeder wirklichen Gemeinschaft. Die krasseste Ausbildung dieses Syndroms finden wir im Sozialismus. Eine Gesellschaftsformation, die durch den Kollektivisten, bzw. modern liberal character hervorgerufen wurde.

Betrachten wir diesen Charakter etwas genauer:

1. Als Ausdruck einer energetischen Einebnung (mechanisches Potential) strebt er nach sozialer Nivellierung, die, auch bedingt durch seine Kontaktlosigkeit, alles andere als „sozial“ ist, sondern eben seinem Drang nach maximaler Entropie entspricht. Baker zufolge trägt er seine eigene „totale Devitalisierung“ in den gesellschaftlichen Organismus hinein. Deshalb handelt es sich beim modernen Liberalismus in jeder Hinsicht um eine gesellschaftliche „T-Reaktion“ (siehe Reich: Der Krebs), die zwangsläufig zum „gesellschaftlichen Krebs“ (Kommunismus) führen muß.

Krebsgewebe ist äußerst homogen und weniger spezialisiert als gesundes Gewebe („gesellschaftliche Nivellierung“). Nach Reich hört bei der Krebsbiopathie im Körper auch die „Energie-Produktion“ auf – dem entspricht im gesellschaftlichen Organismus die Beseitigung des produktiven Kapitalismus durch den unproduktiven Sozialismus. Gemäß dem mechanischen Potential sinkt das Energieniveau, alle Energieunterschiede werden eingeebnet und die Verantwortungslosigkeit nimmt zu. Ein Blick auf die diversen Gesellschaftexperimente der Sozialdemokraten und Kommunisten reicht aus, um diese Thesen zu untermauern.

2. Auf der anderen Seite führt der energetische Zentralismus (orgonomisches Potential) dazu, das der modern liberal character nach einem starken Sozialstaat strebt, aber auch dies ist nicht „sozial“, sondern Ausdruck dessen, daß der Liberale zentral aus seinem Gehirn heraus lebt. Dies macht ihn, da es zur Abtrennung vom Kern führt, zum Mechanisten. Auch dieser Aspekt ist Teil des krebsigen Zerfalls der Gesellschaft: Nach Reich (Der Krebs) verschiebt sich bei der präkanzerösen Zelle

die Kern-Plasma-Relation in energetischer Hinsicht rasch und drohend zugunsten des Kerns. Der Energieüberschuß im Kern wird im Verhältnis zum erstickenden Plasma allzu groß.

Beim Kollektivisten, dem „präkommunistischen Charakter“, verschiebt sich durch Intellektualisierung die Energie vom Becken zum Hirn, das, Reich zufolge, „wie ein Parasit dem Körper Energie abzapft.“ Dies entspricht ganz der Zentralisierung im Kommunismus. So sprach der modern liberal character Marx davon, daß die (Marxsche) Philosophie der „Kopf“ des Proletariats sei und Trotzki nannte die KP „das historische Organ, durch das die Klasse klassenbewußt wird.“

Diese Einteilung in Funktionäre und Arbeiter entspricht funktionell der Einteilung in Geschlechts- und Arbeitsameisen. Dazu gehört auch die Verteufelung des Egoismus durch die Linke (die organisierte Emotionelle Pest). Dieter Otto in schreibt seinem Buch Die Rote Waldameise (Wittenberg „DDR“ 1962):

Es gehört zur Eigenart eines Insektenstaates, daß die einzelnen Staatenmitglieder Tätigkeiten verrichten, die nicht unmittelbar nur ihren eigenen, individuellen Bedürfnissen oder den Bedürfnissen ihrer eigenen Nachkommen (Brutfürsorge) entsprechen, sondern die dem Gedeihen und der Erhaltung der gesamten Gemeinschaft dienen.

So verkörpert der „DORifizierende“ Kollektivist eine funktionelle Entwicklung hin zur Ameise. Nicht ohne Grund hat man die von den modern liberal characters Marx, Lenin, Bucharin („Menschenmaterial“), Trotzki, Stalin, Mao, Ho Chi-Minh, Castro, Pol Pot entworfenen kommunistischen Paradiese oft mit Ameisenstaaten (die „blauen Ameisen“ Chinas) verglichen.

Ein individuelles Bewußtsein ist in derartigen Ameisengesellschaften nur störend. Wichtig hingegen ist die möglichst hohe Entwicklung der Wahrnehmungsfunktion, um dies monolithische Gebilde zusammenhalten zu können. In seiner Abhandlung über „Krebs und Kommunismus“ schreibt Konia:

Die Gesellschaften der Wirbellosen basieren auf der größtmöglichen Entwicklung der Wahrnehmungsfunktion, während die Gesellschaften von Wirbeltieren von der möglichst umfassenden Entwicklung des Bewußtseins abhängen.

Beim Zerfall dieser „Wirbeltier-Gesellschaften“ hat das Bewußtsein seinen Sitz immer weniger im Individuum, sondern verschmiert sozusagen über die gesamte Gesellschaft (beispielsweise spricht man von „Bewußtseinsindustrie“, die Menschen entwickeln eine politisch korrekte „Einheitsmeinung“).

Was damit gemeint ist, zeigt die folgende Stelle aus Wilhelm Goetsch‘ Buch Die Staaten der Ameisen (Berlin 1953):

Wenn sich bei uns Menschen eine feste Gemeinschaft mit einheitlichem Handeln ergeben soll, dann sind stets besondere Einrichtungen nötig; man muß einander als Glieder dieser Gemeinsamkeit erkennen und man muß sich miteinander irgendwie verständigen können. Zum Erkennen dienen beispielsweise Abzeichen von der Vereinsnadel bis zur Uniform, oder Losungsworte vom Feldgeschrei bis zur Parole; zur Verständigung werden benützt irgendwelche Winkzeichen bis zur Druckschrift, oder Alarmsignale vom Schreckensruf bis zum SOS der drahtlosen Telegraphie. Es handelt sich demnach bei menschlichen Einrichtungen, deren Aufzählung man beliebig fortsetzen könnte, fast immer um Zeichen, die auf unser Auge oder Ohr wirken.

Bei den Ameisen steht der Geruch im Vordergrund.

Weil das individuelle Bewußtsein unterdrückt wird und das Individuum zu einer Art Nervenzelle wird, die nur Informationen empfängt und weitergibt, also jede Kreativität unterdrückt wird und jeder darauf schaut, was die anderen machen und sich dementsprechend verhält, stammte aus den kommunistischen Gesellschaften keine einzige epochemachende Erfindung. Das ist so, weil „das Bewußtsein“, d.h. jede Kreativität unterdrückt wird und jeder darauf schaut, was die anderen machen und sich dementsprechend verhält. Entsprechend war die Sowjetunion wie ein Parasit, der von der Auskundschaftung der geistigen Errungenschaften des Kapitalismus und der Ausbeutung der materiellen Ressourcen des Westens lebte. (Über die islamische Welt läßt sich ähnliches sagen!)

Konia schreibt weiter, daß sich das Bewußtsein parallel zur Sexualität entwickelt hat und daß bei den Insekten jede Freiheit und Sexualität dem Kollektiv geopfert wird (die Arbeitsameisen haben keinerlei Sexualleben), während bei den Wirbeltieren diese Funktionen bei den Individuen bis auf das Äußerste entwickelt sind.

Diskussionsforum 2010: eine Nachlese (Teil 2)

5. Juni 2015

Futjah wendet sich Anfang September 2010 direkt an mich, PN:

Deine Grundeinstellung wirkt auf mich sehr feindselig und VERurteilend.

Ich habe nichts gegen BEurteilungen, aber deine Abfälligkeit ist sehr auffällig.

Versteh mich nicht falsch, dafür möchte ich dich nicht verurteilen, finde es eher unheimlich verständlich, nur wenig hilfreich und damit unlebendig. Damit tust du dir selbst keinen Gefallen!

Ich hoffe du nimmst meine Kritik auf und verstehst, daß ich mich mit dir, dem „breitbeinig dastehenden Araber“ und allen anderen Menschen auf Augenhöhe fühle und ihnen nicht mehr ihre „Schwächen“ vorwerfe, die hat nämlich jeder auf seine Weise.

Botschaft Reichs ist für mich, daß jeder Mensch im Grunde gut bzw. lebendig ist. Was nicht bedeutet, daß ich mein Leben in die Hände anderer legen möchte und ihnen keine Grenzen bzgl. meiner Selbst aufzeigen werde.

Doch i.d.R. nicht ohne Verständnis für den anderen. Werte ich ihn ab, weil er angelblich mehr DOR und weniger Orgon ausstrahlt o.ä., so bin ich mehr „DOR-Verseucht“ als ich mir eingestehen möchte.

Ich hoffe bei dir ist nicht Orgon sowas wie Arier und DOR sowas wie Juden! Das Spiel hatten wir schon, bitte nicht nochmal! Auch wenn die Gefahr sehr groß ist wie man immer wieder mal sieht…

Klingt gut, worum es aber wirklich geht, scheint deutlich durch: die Angst davor, daß es mit dem „Gutsein“ des Menschen nicht sehr weit trägt und daß dies alptraumhafte Konsequenzen hat. „Reichianer“, größtenteils liberale Charaktere ohne jede Tiefe, können meist nicht begreifen, daß Christusmord eine Wasserscheide in Reichs Werk darstellt und Blütenträume über das Gute im Menschen, das man nur freilegen müsse, passé sind – das Böse real ist, keine bloße Oberflächenerscheinung. Ich verweise beispielsweise auf den Blogeintrag Verfilmungen von Reichs Buch CHRISTUSMORD.

Und was die abfällige Art von PN betrifft… Karl Klein wendet sich ebenfalls an mich:

Was die orgonomische Qualität ihrer Nachrichtenbriefe betrifft, möchte ich nur an einen Nachrichtenbrief erinnern, in dem sie ihre „Gegner“, hier Linke, ganz allgemein als „Kinderficker“ beschimpfen.

Ich antwortete damals: „Welchen? Wohl https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2015/05/13/kommunarden%C2%A0kinderficker/ Ich hätte noch ganz anders argumentieren können, insbesondere auf die Anfänge der GRÜNEN verweisen können.“

Was mich wirklich unermeßlich ankotzt, ist die Arroganz der Grünen: daß ausgerechnet dieses DRECKSPACK, diese schmierigen Sexkunde-Onkel und -Tanten, es wagt, die Katholische Kirche wegen deren Vergehen an Kindern anzuklagen. Und so in allem: daß diese „Israelkritiker“ überall „Nazis“ sehen, diese Vogelschredder („Windkraftanlagen“) es wagen, den Begriff „Umweltschutz“ in den Mund zu nehmen. Eine Partei, deren Klientel überwiegend von Steuergeldern lebt, „Ausbeutung“ anklagt. Leute, die „Bürgerrechte“ einklagen, aber gleichzeitig einen bürokratischen und Meinungsterror aufgebaut haben, der seinesgleichen sucht… Diese Pfaffen der Political Correctness hatten uns freie Rede versprochen. Niemand spielt virtuoser auf der Klaviatur der Schuldgefühle, denn die grünen ARSCHLÖCHER! Schluß, ich muß auf meine Herzgesundheit achtgeben.

Mal etwas Grundsätzliches über bestimmte Herrschaften: Jene, die sich in der Partei Die Grünen, im Umfeld der TAZ und nicht zuletzt im Reichianismus zusammengefunden haben, sind Menschen, die alles zerstören, mit dem sie in Kontakt kommen. In der DDR wurden die „Petra Kellys“ von der Stasi erbarmungslos verfolgt, während die Kommunisten freudig zuschauten, wie sie die westlichen Gesellschaften mit immer neuen Absurditäten unterminierten. Wären die Russen zum Atlantik durchmarschiert, wären „Die Grünen“ die ersten gewesen, die man an die Wand gestellt hätte. In dieser Hinsicht kann man von den Kommunisten nur lernen! Wenn die Orgonomie überleben soll, muß man diese Leute durch ständige Provokationen draußen halten. Es sind Zecken, nichts weiter als Zecken. Verpißt euch! Meinetwegen gendergerecht. Aber verpißt euch!

Robert zitiert folgende Stelle, die er hier gefunden hat:

An diesem Punkt möchte ich auf Deleuze und Guattari zu sprechen kommen. Im Anti-Ödipus schreiben sie an einer Stelle, die mir zentral erscheint: „So bleibt die grundlegende Frage der politischen Philosophie immer noch jene, die Spinoza zu stellen wußte und die Reich wieder entdeckt hat. Warum kämpfen die Menschen für ihre Knechtschaft, als ginge es um ihr Heil? Was veranlaßt einen zu schreien: ‚Noch mehr Steuern, noch weniger Brot‘?” Das ist eine sehr aktuelle Erscheinungsform von Askese, sie paart sich mit dem neuen, nicht-asketischen Gestus der Eliten.

Braungebrannte Sportwagenfahrer treten derzeit als politische Führer auf, die den Massen signalisieren, daß sie jetzt um ihre soziale Absicherung gebracht werden. Oder sie kündigen der Bevölkerung, wie der gegenwärtige Finanzminister es genannt hat, einen „Verlust von Annehmlichkeiten“ an. Wenn die Massen daraufhin nicht sagen, „Na gut, das müssen wir einsehen“, sondern statt dessen sogar noch rufen, „Hurra, endlich wird das Sozialsystem, werden die Gewerkschaften zerstört, die uns vor dem amoklaufenden internationalen Kapital vielleicht noch hätten schützen können“, dann zeigt sich hier ein offen einbekannter Hedonismus der politischen Führer mit einem eigenartigen asketischen Geist auf Seiten der Massen gepaart: Was der Führer an Nicht-Askese verkörpert, das verkörpern die Massen nun als asketische Haltung.

PN sagt dazu: So wird Reich für den Sozialismus dienstbar gemacht. Die Massen, die schließlich die Arbeitsdemokratie tragen, werden wie Kinder betrachtet, die geschützt werden müssen. (Bezeichnenderweise immer vor „denen da oben“, aber nie von „denen da unten“!)

Robert an anderer Stelle:

Reich in den Fängen der Stalinisten

In der Yale Universität existiert ein Dokument aus der Sowjetunion von 1936, bei der die meistgesuchten Trotzkisten aufgeführt werden. Folgender Eintrag ist dort zu finden:

10) OTTO KNOBEL (OTTO BRANT) [xxv] – ein ehemaliger Mitarbeiter des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands, der beim Internationalen Jugendverlag in Deutschland gearbeitet hatte und der 1933 ohne Zustimmung der Partei nach Paris emigrierte. [Ihm] wurde kein Status als politischer Emigrant zuerkannt. [Knobel] kehrte nach Deutschland zurück und emigrierte dann erneut. In Paris war [er] mit den Trotzkisten verbunden. [Er] zog, um zu arbeiten, nach Kopenhagen, wo er nicht mit der Partei verbunden war und keine Verbindungen mit der Gemeinde der Emigranten hatte. In Kopenhagen arbeitete [er] im Verlag von Wilhelm Reich [xxvi], der aus der KPD wegen Trotzkismus ausgeschlossen worden war. Ihm zufolge brach er mit Reich wegen persönlicher Differenzen. Einigen Parteigenossen zufolge ging er jedoch mit Reichs Zustimmung nach Berlin und ein Monat später, Ende 1935, kam er über Inturist in die Sowjetunion ohne Verbindungen und ohne Erlaubnis der Partei. Er stand Reich so nahe, daß er [Reichs] Briefe an Trotzki gelesen und sie sogar selbst abgeschickt hat.

Im April 1936 meldete die Kaderabteilung Knobels Vergangenheit an die zuständigen Organe. Seine letzte Adresse [war]: Hotel „Novomoskovskaia“.

[xxv] Otto Knobel (Brandt). Geboren 1908 in Schwerin, Deutschland, war seit 1929 Mitglied der KPD. Juni 1935 zog er in die UdSSR und unterrichtete an der deutschen „Karl-Liebknecht-Schule“ in Moskau. Er wurde am 1. Oktober 1936 verhaftet und am 22. Juni 1937 zu fünf Jahren in einem Arbeitslager verurteilt.

[xxvi] Wilhelm Reich (1897-1957). Ein Psychoanalytiker, spezialisiert auf Sexualprobleme und sexuelle Aufklärung, trat 1930 der KPD bei und wurde 1934 ausgeschlossen.

http://www.yale.edu/annals/Chase/Documents/doc20chapt4.htm#_edn25

Zu Knobel fand Robert noch folgenden Eintrag:

Knobel, Otto Ernst (alias Brand). Geb. 8.2.1908 in Schwerin. 1922-1928 Besuch der Karl-Marx-Aufbauschule in Neukölln, Freundschaft mir Bruno Krömke. Mitglied des SSB und Redaktionsmitglied der Zeitschrift Schulkampf. Seit 1927 Mitglied des KJVD, seit 1929 in der KPD, Redakteur der Zeitung Kommunistische Jugendinternationale. Fünf Semester an der Berliner Universität. 1935-1935 Emigration nach Frankreich und Dänemark, im Juni 1935 in die UdSSR. Im Sommer 1935 zeitweilige Arbeit am Moskauer Elektrotechnischen Institut für Nachrichtenwesen. Seit September 1935 Unterricht in der Karl-Liebknecht-Schule (Werken bzw. „Technologie“), seit September 1936 Klassenleiter und Biologielehrer, verantwortlich für das Biologiekabinett. Im Sommer 1936 einer der Leiter bei der Schulreise zum Sewan-See (Armenien). Am 1.10.1936 verhaftet, am 22.6.1937 zu 5 Jahren Arbeitslager verurteilt, vermutlich im Lager ums Leben gekommen. Rehabilitiert 9.3.1989.

Quelle: Natalja Mussienko, Alexander Vatlin: Schule der Träume. Die Karl-Liebknecht-Schule in Moskau (1924–1938), Klinkhardt Verlag 2005, S. 243

martincoldwar

Stalins Rückkehr

2. Juni 2015

Eine „gemäßigte Linke“ ist ein Widerspruch in sich selbst. Man kann das Lebendige nicht kontrollieren, ohne es zu töten. Man kann eine Gesellschaft, die auf Jahrhunderte gewachsene Traditionen ruht, nicht „transformieren“, ohne in der Tyrannei zu landen. Man kann nicht in das diffizil austarierte Ineinandergreifen der Wirtschaft „lenkend“ eingreifen, ohne Massenelend zu erzeugen. (Konkret stehen wir dank der krypto-marxistischen keynesianischen Wirtschaftpolitik heute weltweit vor der grandiosen Alternative: unvorstellbares Massenelend durch Hyperinflation a la Zimbabwe oder ein die Zukunft unserer Kinder negierender Schuldenberg.) Die Linke hat uns „das freie Wort“ versprochen und uns einen erbarmungslosen, rotfaschistischen Meinungsterror beschert. Eine „Bildungsreform“ nach der anderen hat uns nur eins gebracht: Massenverblödung.

Massenpsychologisch haben wir es damit zu tun, daß das, was Reich als liberale, „soziale Fassade“ bezeichnet hat, in den Dienst der „sekundären Schicht“ tritt: der lebensfeindlich entstellten, „faschistischen“ Triebe im Menschen. Siehe dazu Reichs Massenpsychologie des Faschismus.

Die organisierte pseudo-liberale Pest hat zum finalen Schlag gegen die „herrschende Klasse“ angesetzt. Wie in Lenins und Staliens Rußland, Maos China, auf Castros Cuba, etc. geht es um deren biologische Vernichtung. Während jedoch in diesen Ländern nur eine Gesellschaftsschicht mitsamt ihren Traditionen ausgemerzt werden sollte, ist es den westlichen Linken um einen Völkermord zu tun: „der weiße Mensch“ soll ausgerottet werden. Man denke nur mal an den Kult um „Tugce“, „um die ganz Deutschland weint“. Wäre sie blond und blauäugig gewesen, hätte ihr Unfalltod (bei Tugce ist natürlich stets von „Mord“ die Rede) niemanden hinter dem Ofen hervorgelockt. „Weiße“ sind für unsere „aufgeklärte Kulturelite“ nichts weiter als Dreck, den die Schwarzen und Braunen, d.h. die neuen Proletarier nach belieben FICKEN können.

Der Skandal um die muslimischen Vergewaltigungsbanden in Großbritannien wird immer schlimmer. Letzten August berichtete die BBC noch, daß „mindestens“ 1400 Kinder in Rotherham zwischen den Jahren 1997 und 2013 in abstoßendster Weise mißbraucht wurden. Kinder im Alter ab 11 Jahren wurden von verschiedenen Vergewaltigern mißbraucht und in andere Städte verkauft, geschlagen und eingeschüchtert. Fünf Monate später ist nur wenig geschehen, um diese Geißel zu bekämpfen, es ist im Gegenteil in exponentiellen Zahlen gewachsen. Hunderte neuer Fälle wurden entdeckt und eines der Opfer sagte, daß diejenigen, die sie mißbrauchten, „Unberührbar“ seien.

Das sind keine Einzelfälle, sondern es steckt dahinter System. Es geht, wie angedeutet, um ethnische Säuberungen. Hier ein Blick nach Schweden:

Im kulturell hochbereicherten Malmöer Viertel Rosengard mußte gestern ein Kindergarten nach zahlreichen Schikanen und Drohungen aus Sicherheitsgründen schließen. Eine Mitarbeiterin war bereits von einer aus einem Fenster geworfenen Flasche getroffen worden. Täter sind „südländische Jugendliche“, die schon länger die Umgebung bis zur kompletten Verwahrlosung hin (die Rede ist von Dreck und Kakerlaken) bereichern. Rund um den Kindergarten liegen überall Glasscherben, die Wand ziert ein Einschußloch unbekannten Ursprungs.

Zu der schwedischen Originalveröffentlichung wurde folgender Leserbrief geschrieben, der plastisch illustriert, welche Geisteshaltung diesen „menschlichen“ Abschaum in unsere Länder gespült hat und wie dieser „Liberalismus“ fest entschlossen ist, unsere Zivilisation endgültig zu zerstören:

Ich habe in einer Uni in Schweden drei Jahre lang „soziale Integrationsprozesse“ studiert, nur um zu erfahren, als ich nach London ging, daß „Integration“ ein geschichtliches Phänomen ist. In Schweden muß endlich die Assimilation beginnen. Hier [in London] sind die lokalen Behörden stolz!! auf die kulturelle Diversität und ihre Demographie. Von dir wird erwartet, je nach deiner Nachbarschaft, unterschiedlich auszusehen, zu sprechen und dich zu verhalten! Diese Gangs werden solange ihr Territorium verteidigen, bis ihnen die Möglichkeit gegeben wird, Teil von etwas größerem zu werden als nur Besitzer über ein paar Blocks von Rosengard. Gebe ihnen Respekt und Würde. Sie als Idioten zu bezeichnen, führt nicht nach vorne. Kannst du dir irgendeinen großen Politiker oder Weltführer vorstellen, der jene Menschen in seiner Gesellschaft, die am meisten verletzlich und am meisten ausgeschlossen sind, als Idioten bezeichnet??? Nein, nur schwedische Politiker können es sich leisten, so etwas zu tun. Schwedische Politiker sollten über die gelben und blauen Grenzen [Schwedens] hinausblicken, um nach Lösungen zu suchen, die sie in Schweden nicht finden können.

Das ist genau das, was die „südländischen Jugendlichen“ erreichen wollen, wenn sie unsere Gesellschaft vom Kern her zerstören. Wir haben uns anzupassen. Wir müssen unser ganzes Leben neu organisieren, um sie nicht mehr zu provozieren. Wir sollen sie mit Respekt behandeln! Schweden muß endlich liberaler und offener werden!

Linksliberale und Sozialisten, wie unser schwedischer Student, werden nicht eher ruhen, als bis sich der gesamte Planet in ein Rattenloch a la Londonistan verwandelt hat! Das Ende des sozialdemokratischen Projekts ist die Herrschaft der Kakerlake. Man muß blind sein, um nicht zu sehen, daß seit geraumer Zeit eine signifikante Islamisierung unseres Landes stattfindet und daß jeder gesellschaftlichen Selbstmord begeht, der das anspricht oder sich gar dagegen wendet!

Wie Anfang der 1930er Jahre versuchen die rotlackierten Nazis im Verbund mit Faschisten (Beispielsweise den türkischen Nationalsozialisten: die Grauen Wölfe) dieses Land zu zerstören. Der Vernichtungskrieg gegen die Freiheit hat schon längst begonnen:

03.05.2010
Bielefeld: Autonome und Graue Wölfe haben Tour-Konvoi eingekesselt und Pro-NRW-Bus teilweise entglast – Kreistagsabgeordneter Ulrich Manes wurde von mehreren Dutzend autonomen Linksextremisten angegriffen und konnte nur unter massiven Polizeischutz Bielefeld wieder verlassen.
Dramatische Szenen spielen sich derzeit in Bielefeld-Brackwede ab, wo die Brinkmann-Wahlkampftour zum dritten Mal am heutigen Tag Station gemacht hat. Nach einer erfolgreich verlaufenen Veranstaltung, an deren Rande bereits zahlreiche Linksextremisten und Vertreter der Grauen Wölfe ihren Unmut gegen die Demokratie äußerten, wurde der Tour-Konvoi auf dem Kirchplatz von Autonomen eingekesselt. Neben Eiern flogen auch bereits die ersten Steine und entglasten den Brinkmann-Tourbus teilweise. Die Polizei geht momentan leider noch nicht konsequent gegen die laut Augenzeugenberichten offenbar teilweise von der SPD in Wahlkampfbussen herangekarrten Autonomen vor, die mit einer Sitzblockade die Abfahrt des Konvois blockieren.

Stalin009 (2)

Gesellschaftspolitik

19. Mai 2015

Das Elend Deutschlands läßt sich auf ein Wort eindicken: „Gesellschaftspolitik“. Es geht darum, daß Neurotiker statt ihre emotionalen Probleme zu lösen, versuchen die Gesellschaft zu verändern, um so selbst frei zu werden. Das trifft auf all die Marxisten, Kapitalismuskritiker und „Zinskritiker“ zu. Alles, was sie sagen, ist eine Funktion ihrer ganz persönlichen Neurose, ihnen Gehör zu geben, kann deshalb nur in die gesellschaftliche Katastrophe führen, ganau wie einst im Nationalsozialismus, der von einer ähnlichen Dynamik getragen wurde.

Die „Bewegung“, die von den Grünen und der heutigen (!) SPD repräsentiert wird, begann mit einem Knall, der sofort zeigte, worum es wirklich ging und geht: unterdrückte Energien sollen mobilisiert und „repressive Strukturen“ zerschlagen werden. Wir haben es mit Irren zu tun, deren Gemeingefährlichkeit der der Nationalsozialisten in nichts nachsteht!

Am 22. Mai 1967 wurde in Brüssel aus Protest gegen den Vietnamkrieg ein Kaufhaus in Brand gesetzt. 251 Menschen erstickten und verbrannten. In einem Flugblatt vom 24. Mai 1967 hatten die Politclowns der berühmten Berliner „Kommune I“ dazu folgendes zu sagen:

Ein brennendes Kaufhaus mit brennenden Menschen vermittelt zum ersten Mal in einer europäischen Großstadt jenes knisternde Vietnamgefühl, das wir bislang in Berlin noch missen mußten (…) Unsere belgischen Freunde haben endlich den Dreh heraus, die Bevölkerung am lustigen Treiben in Vietnam wirklich zu beteiligen: sie zünden ein Kaufhaus an, dreihundert saturierte Bürger beenden ihr aufregendes Leben, und Brüssel wird Hanoi. Keiner von uns braucht mehr Tränen über das arme vietnamesische Volk bei der Frühstückszeitung zu vergießen. (z.n. Aust: Der Baader Meinhof Komplex, Hamburg 1986, S. 43)

Am 2.4.1968 versuchten Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein das blutrote Leuchtzeichen von Brüssel im Frankfurter „Kaufhof“ zu wiederholen. In einem konkret-Leitartikel rechtfertigte Ulrike Meinhof dieses „Fanal gegen den Einsatz von Napalm in Vietnam“, bei der ein Hausmeisterehepaar nur durch Zufall mit dem Leben davonkam.

1970 folgte die Befreiung Baaders, bei der ein Bibliotheksangestellter einen Lebersteckschuß erlitt, und schließlich kam die RAF. Im Juni 1968 hatte der Schriftsteller Peter Schneider, der später wortgewaltig gegen „rechte Gewalt“ wetterte, in konkret die damalige Gewaltdiskussion auf den Punkt gebracht:

In prinzipieller Hinsicht endet die Frage nach der Gewalt in der Frage, wie wir entschlossen sind, unsere Ziele zu erreichen. (z.n. Röhl: Linke Lebenslügen, Frankfurt 1994, S. 42)

Daß darauf kein neuer Holocaust folgte, hat rein materielle Gründe: der Wille war da, genauso wie die „klammheimliche Freude“.

Die 68er Neonazis? Es ist kein Zufall, daß später einige der damaligen Führer des SDS zu bekennenden Nationalsozialisten mutierten. Man denke nur an Günter Maschke, der als Genosse von Rudi Dutschke und Gudrun Ensslin sich bereits Ende der 60er Jahre zum „Nationalrevolutionär“ wandelte; an Horst Mahler, einst RAF später NPD; oder an Reinhold Oberlercher, der nach 1989 die Verfassung des „Vierten Reiches“ (sic!) ausgearbeitet hat, das im Geiste Hegels das Vermächtnis von Karl Marx und Adolf Hitler verwirklichen soll (sic!).

Ende 1998 veröffentlichten diese drei SDSler eine Kanonische Erklärung zur Bewegung von 1968:

Das deutsche ‘68 war der zweite deutsche Revolutionsversuch gegen die Weltherrschaft des Kapitals. Deswegen wurde es als „linker Faschismus“ tituliert.

Der erste Revolutionsversuch war natürlich ‘33 erfolgt. Und jenen Altachtundsechzigern, die von der „beginnenden Demokratisierung der Gesellschaft“ reden, für die angeblich sie verantwortlich seien, schreibt Peter Sichrovsky ins Stammbuch, sie sollten

vielleicht einmal ihre längst vergessenen Reden und Pamphlete zum Thema Israel, Antisemitismus und Antizionismus lesen. Es ist nicht einfach, daß einem dabei nicht schlecht wird. (Sichrovsky: Der Antifa-Komplex, München 1999, S. 125)

Ich erinnere an die Diskussion über Joschka Fischers Teilnahme an einem PLO-Kongreß in Algier, wo zum „Endsieg“ (sic!) über Israel aufgerufen wurde.

1972 mahnte Ulrike Meinhof anläßlich des Münchner Olympia-Massakers vom 5. September aus dem Gefängnis heraus die westdeutsche Linke, sie könne anhand dieser Aktion, der elf Israelis zum Opfer gefallen waren, ihre

politische Identität wiederfinden – Antifaschismus – antiautoritäres Lager – antiimperialistische Aktion – wenn sie noch nicht ganz der Springerpresse und dem Opportunismus verfallen ist, wenn Auschwitz, Vietnam und Abstumpfung der Massen hier durch das System sie noch was angeht. (z.n. Butz Peters: RAF. Terrorismus in Deutschland, Stuttgart 1991, S. 137)

Bei dieser Aktion ging es dem palästinensischen „Schwarzen September“ darum, Gruppenmitglieder aus israelischen Gefängnissen freizupressen. Eine Politik, die sich nun die RAF zu eigen machte. Wobei der Hochsicherheitstrakt mit Auschwitz gleichgesetzt wurde. Meinhof: „der politische Begriff für den toten Trakt, Köln, sage ich ganz klar – ist: Das Gas“ (ebd., S. 150).

Im Dezember des gleichen Jahres erklärte sich Horst Mahler in seinem Prozeß ebenfalls solidarisch mit der Aktion in München. Und Meinhof, die als Entlastungszeugin für Mahler auftrat, erklärte, daß es die Linke unterlassen habe, den deutschen Massen die richtige Erklärung für Auschwitz zu geben, denn sie wären erst für die Revolution zu mobilisieren, wenn man sie von der Schuld am Faschismus freispräche. Der berechtigte Haß der Massen auf den Kapitalismus und insbesondere das Finanzkapital sei von den Nazis auf die Juden „als Geldjuden“ umgelenkt worden. Ferner identifizierte sie die eigene Gruppe und ihren Widerstand mit den Juden des Warschauer Ghettos (Robert Wistrich: Der antisemitische Wahn, Ismaning 1987, S. 405).

Das kennzeichnet bis heute die „68er“ und ihre ekligen Nachgeburten: sich als Opfer geben und sich gleichzeitig wie Nazis benehmen. Besonders perfide ist das angesichts der multikulturellen Umgestaltung unserer Gesellschaft, die im Namen der „Menschlichkeit“ erfolgt, tatsächlich aber nur aus einem unbändigen Zerstörungswillen gegen unsere Kultur heraus motiviert ist. „Deutschland verrecke!“

In einem vom kanadischen Journalisten Mark Steyn verfaßten Artikel über den „Selbstmord Europas“ ist ein bewerkenswerter Satz gefallen:

So ziemlich alle Parteien im Westen haben sich dem verschrieben, was man die sekundären Impulse einer Gesellschaft nennen könnte.

Reich hat in Die sexuelle Revolution den Unterschied zwischen primären und sekundären Trieben herausgearbeitet.

Was kann man tun? In einer antiautoritären Gesellschaft, in der jede Art von Konsens zerbrochen ist und Gesetze nur noch auf dem Papier stehen, gilt es, diesen kontaktlosen Zustand aufzuheben, indem man das tut, vor dem die Träger der Emotionellen Pest eine alles zerfressende Angst haben: eine Auseinandersetzung, die kompromißlos beim Kern des Problems bleibt. Man denke nur mal daran, wie sie wild auseinanderstäuben und wie Vampire im Sonnenlicht kollabieren, wenn man sie darauf hinweist, daß jeder ehrliche Sozialarbeiter eingestehen wird, daß die Erhöhung des Hartz-IV-Satzes nicht etwa zu weniger Elend, sondern zu mehr Verwahrlosung führen wird. Daß die Pest in fast jeder Diskussion doch die Oberhand gewinnt, ist der Kontaktangst ihrer Gegner zu schulden, die die „Vampire“ aus vermeintlichem Mitleid feige davonkommen lassen.

Gunnar Heinsohn verlangt vollkommen zurecht: „Sozialhilfe auf fünf Jahre begrenzen“:

… Viertens: Die Abschaffung der Sozialhilfe wirkt für die Betroffenen hilfreicher als ihre Belohnung mit Quasiverbeamtung für immer mehr bildungsferne Kinder.

Diese unbequemen Einsichten haben in der amerikanischen Politik zu einem Umdenken geführt. Letztlich hat der Linksliberale Bill Clinton die entscheidende Wende eingeleitet. Ungeachtet aller „Rassismus“-Vorwürfe aus den eigenen Reihen setzte er zum 1. Januar 1997 die wichtigsten von Murrays Vorschlägen um. Clintons Reform beendete das seit 1935 geltende Recht auf lebenslange Sozialhilfe. An seine Stelle trat ein auf fünf Jahre begrenztes Recht auf Unterstützung bei tatkräftiger Hilfe nicht zu irgendeiner abstrakten Integration, sondern zum Übergang in Arbeit. Der Erfolg dieser Maßnahmen war durchschlagend: Bezogen vor der Reform 12,2 Millionen amerikanische Bürger Sozialhilfe, so waren es 2005 nur noch 4,5 Millionen. Die Frauen der Unterschicht betrieben nun Geburtenkontrolle. So sank die Zahl der „welfare mothers“ drastisch, ebenso die Kriminalität der Söhne dieses Milieus.

Solange die Regierung das Recht auf Kinder als Recht auf beliebig viel öffentlich zu finanzierenden Nachwuchs auslegt, werden Frauen der Unterschicht ihre Schwangerschaften als Kapital ansehen. Allein eine Reform hin zu einer Sozialnotversicherung mit einer Begrenzung der Auszahlungen auf fünf Jahre statt lebenslanger Alimentierung würde wirken – nicht anders als in Amerika. Eine solche Umwandlung des Sozialstaats würde auch die Einwanderung in die Transfersysteme beenden. Deutschland könnte dann im Wettbewerb um ausländische Talente mitspielen, um seinen demographischen Niedergang zu bremsen.

Soweit die „ideologische“ Auseinandersetzung. Sie wird ohne „polizeiliche“ Komponente niemals ausreichen: die Unterdrückung Sekundärer Triebe wirkt, solange konsequent vorgegangen wird. Sie war in der autoritären Gesellschaft bis etwa 1968 effektiv. Man denke nur daran, daß bis zu diesem Zeitpunkt Hollywood niemals Sekundäre Triebe glorifiziert hat. Seit dieser Zeit lebt die Industrie von einer Art Satanskult. Die Unterdrückung und Ausmerzung der Pest kann in Zukunft noch effektiver sein, da die Orgonomie erstmals einen Maßstab liefert, anhand dem primäre und sekundäre Triebe sauber voneinander getrennt werden können.

Was ich will: normale bürgerliche Verhältnisse.

Man trifft immer wieder auf basses Erstaunen, wenn man als jemand, der sich auf Wilhelm Reich bezieht, „konservative“ gesellschaftspolitische Positionen vertritt.

Dazu ist erstens zu sagen, daß „Gesellschaftspolitik“ an und für sich eine Verfallsform ist, denn sie bedeutet nichts anderes als den Einbruch irrationaler politischer Ideologien (seien diese nun links oder rechts) in den Bereich der rationalen Arbeitsdemokratie. Nun ist es aber gerade so, daß die Linke die „Gesellschaftspolitik“ auf ihre Fahnen geschrieben hat. „Gesellschaftspolitisch“ ist ein genuin linker Begriff!

Wie sich die Gesellschaftspolitik konkret auf die Massen auswirkt, hat Henryk M. Broder angesichts einer Debatte um den Hartz-IV-Satz in einem Gedankenexperiment beleuchtet, nachdem er drei Monate in Indien gelebt hatte:

Man nehme 100 000 deutsche Hartz-IV-Empfänger, deren Miete und Krankenversicherung „von oben“ getragen wird und die darüber hinaus ein schönes Taschengeld fürs Nichtstun erhalten, sich aber über die „soziale Kälte“ beklagen, verschiffe sie nach Indien und lade sie in einem der dortigen Slums ab. Gleichzeitig nehme man eine gleich große Gruppe von indischen Slumbewohnern und bringe sie mit einem Startkapital von jeweils, sagen wir, 1000 Euro nach Deutschland. Die Deutschen in Indien werden sich beim Verhungern nach dem Paradies zurücksehnen, während die nach Deutschland versetzten Inder lauter kleine Geschäfte gründen und innerhalb einer Generation zur steuerzahlenden Mittelschicht gehören werden. Das ist überall in der Welt geschehen, wo sich (nicht-moslemische) Asiaten niedergelassen haben!

Die Kommunisten, die Gesinnungsgenossen unserer hiesigen „Gesellschaftspolitiker“, haben dutzende Millionen von Asiaten ermordet, um ihnen diesen kapitalistischen Ungeist auszutreiben! Instinktiv importieren die Roten, die den Marsch durch die Institutionen geschafft haben, massenweise Moslems, die keine derartigen Probleme machen, sondern sich ins Heer der Hartz-IV-Empfänger einordnen.

Und man komme mir nicht mit den ausbeuterischen Kapitalisten! Die Gesellschaftspolitiker schaffen sich ihren eigenen „Markt“. Eine ganze milliardenschwere Sozialindustrie lebt sehr gut davon Menschen emotional zu zerstören – die dafür sehr dankbar sind!

Der Orgonom R.A. Harman hat dazu 1992 einen sehr interessanten Fallbericht veröffentlicht („The Function of Independence“). Darin geht es um eine junge schizophrene Frau, die Dr. Harman während seiner psychiatrischen Arbeit in einem „community mental health center“ traf. Es ging „psychisch“ (d.h. emotional) mit ihr bergab, solange sie, wenn man so sagen kann, von „Hartz IV“ lebte. Dann schlug die „soziale Kälte“ zu: ihr wurden im Rahmen der allgemeinen Sozialkürzungen die Gelder gestrichen und sie war gezwungen selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen. Die Sozialarbeiter sahen ein persönliches Desaster für die Frau voraus. Zunächst kam es tatsächlich zu einem psychotischen Zusammenbruch, doch dann entwickelte sich die Patientin, die einen kleinen Job gefunden hatte, zu aller Überraschung hervorragend. Die Besserung entsprach exakt dem, was theoretisch die Folge einer psychiatrischen Orgontherapie sein sollte. Aber es kam, wie es kommen mußte: die gutmeinenden Sozialarbeiter erstritten gerichtlich, daß eine schwer kranke Frau wie sie doch gar nicht arbeiten müsse. Sie gab die Arbeit auf, „genoß“ ihr von allen Zwängen befreites Leben – und verfiel innerhalb weniger Monate erneut. Die Sozialarbeiter hatten ein Leben, das grade eine hoffnungsvolle Wende genommen hatte, irreparabel zerstört.

Und jetzt schaue man sich in Deutschland um: genau dies geschieht millionenfach.

Die Sozialpolitik macht genau das Gegenteil der Orgontherapie. In der Orgontherapie geht es darum das Energieniveau zu erhöhen, so daß sich Hemmnisse des Energieflusses bemerkbar machen und beseitigt werden können. Die Sozialpolitik hingegen senkt das Energieniveau der Massen, indem sie sie den „erregenden“ arbeitsdemokratischen Beziehungen entzieht.

Das gilt auch für die Arbeitenden, die ein Großteil ihrer Arbeitszeit nicht mehr im primären, gesunden arbeitsdemokratischen Austausch zubringen, sondern durch die sekundäre, krankhafte Sozialstaatsbürokratie malträtiert werden und denen ein Gutteil ihres Arbeitsertrages von der Sozialmafia schlichtweg gestohlen wird. Beispielsweise hat uns das Experiment „multikulturelle Gesellschaft“ bisher die phantastische Summe von 1000 Milliarden Euro gekostet. (Mehr als 30 Milliarden Euro jährlich über mehr als 30 Jahre hinweg.)

Die Umstände, unter denen die oben erwähnten Inder leben müssen, zwingen ihnen ein funktionelles Leben auf, während hier aus Menschen Haustiere gemacht werden.

Rede ich der „sozialen Kälte“ des Wort? Ganz im Gegenteil! Im heutigen System sind die Amtsstuben des Sozialstaates eine einzige Verkörperung bleierner Unmenschlichkeit. Und je „gerechter“ es zugehen soll, desto alptraumhafter wird das System. In einer rationalen Welt wären derartige Institutionen ein Hort der Freude, in denen Menschen der befriedigsten Tätigkeit überhaupt nachgehen: seinen Mitmenschen neue Lebensperspektiven zu eröffnen und aus dem Kreislauf der Abhängigkeit zu lösen. Das American College of Orgonomy bildet im Moment „soziale Orgonomen“ aus, die genau in diesem Bereich tätig werden könnten!

Man nehme als beliebiges Beispiel den Autismus als denkbar schwerwiegende Störung. Heute werden diese Menschen in ein lebenslanges Rentnerdasein gepreßt. Menschen, die zu einem Gutteil geradezu übermenschliche Sonderbegabungen besitzen. Sie könnten damit ein Vermögen verdienen, wenn man nur die eine oder andere Hürde beseitigen würde. Siehe dazu Das übersehene, unterdrückte und verachtete Lebendige (Teil 3).

Eine etwas andere Perspektive findet sich im Beitrag Superhartzie des Blogs Band of Brothers: ob Sozialstaat oder nicht, in diesem scheiß Land hat dank einer absurden, geradezu sadistischen Bürokratie niemand, auch nicht Broders Inder, die Chance, etwas auf die Beine stellen.

Ich werde nie einen Fernsehbeitrag von vor vielleicht 20 Jahren vergessen, in dem es darum ging, daß nach Jahrzehnten einem Beamten plötzlich einfiel, eine alteingesessene kleine Ein-Mann-Autowerkstatt müsse umgehend geschlossen werden, da sie widerrechtlich in einem reinen Wohngebiet stehe. Trotz inständiger Bitten, doch den Ermessensspielraum wie in den Jahrzehnten zuvor zugunsten des alten KFZ-Meisters walten zu lassen, wurde dessen Existenz nach „Recht und Ordnung“ erbarmungslos vernichtet. Was wurde nach der Leerräumung des Geländes dort gebaut? Eine Tankstelle, denn die sind in Wohngebieten zulässig.

Reich und Nietzsche

26. April 2015

Eine Nachbildung von Nietzsches Totenmaske hing an prominenter Stelle in Reichs Arbeitszimmer in Wien.

Also sprach Zarathustra war eines von Reichs „10 Büchern“. Nietzsche stand er in mancher Beziehung näher als Freud, z.B. sagte er in Reich Speaks of Freud ein Strindberg, Ibsen oder Nietzsche hätten keine Angst vor jenen intensiven Gefühlen des Lebens, wo „Freud anscheinend in seinem eigenen Bedürfnis zu ’sublimieren‘ befangen war.“

Für Reich stand Nietzsche mit Marx gegen den Zeitgeist Anfang des Jahrhunderts, als die Schuldidee und die absolute Moralität in den Vordergrund geschoben wurden. Nietzsches Kritik an der Moral öffnete den Weg „in den Bereich des unbewußten Seelenlebens, das von Freud erfaßt und erforscht wurde“ (Äther, Gott und Teufel).

Den Begriff „Es“ hatte Freud bei Georg Groddeck und dieser bei Nietzsche entliehen.

Reich schreibt in Der triebhafte Charakter:

„Im Manne ist ein Kind verborgen, welches spielen will.“ Mit diesen Worten hatte Nietzsche die klassische Formel Freuds über den neurotischen Konflikt antizipiert.

Reichs erster größerer Aufsatz über „Libidokonflikte und Wahngebilde in Ibsens Peer Gynt“ (Frühe Schriften) fängt mit einem Nietzsche-Zitat an, welches wohl auf die Leiden des Menschen an seinen inzestuösen Bindungen anspielen soll:

Ich lehre Euch den Übermenschen. Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Schau. Und ebenso soll der Mensch für den Übermenschen sein: Ein Gelächter oder eine schmerzliche Schau.

Das Genie ist seinen orgonotischen Strömungen gewahrer als Homo normalis, er empfindet die gepanzerte Agonie stärker. Nietzsche war ein solch zutiefst kranker Mensch – der gleichzeitig gesünder war. Reich schreibt:

Die Fähigkeit, Unlust und Schmerz zu ertragen, ohne enttäuscht in die Erstarrung zu flüchten, geht einher mit der Fähigkeit, Glück zu nehmen und Liebe zu geben. Um mit Nietzsche zu reden: Wer das „Himmel-hoch-Jauchzen“ lernen will, muß sich auch für das „Zum-Tode-betrübt“ bereithalten.“ (Die Funktion des Orgasmus)

Als zu viel zu ertragen war, brach der „Wissende“ schließlich doch an seiner Gesund-/Krankheit psychotisch (siehe Charakteranalyse, KiWi, S. 583).

Der homo normalis, der seinen ersten Sinn verloren hat, macht das Leben für derartige Individuen zu schwer und unerträglich.

Nietzsche wurde gebrochen, indem man ihn isolierte, ihn in die Einsamkeit abdrängte. (Reich Speaks of Freud)

In seiner Autobiographie (Die Funktion des Orgasmus) kommt Reich auf seine Beschäftigung mit der Ibsenfigur zurück und beschreibt sie als einen Menschen, der „aus der marschierenden Reihe dieser Menschen herausspringt. Man verlacht ihn, wenn er harmlos ist, man versucht ihn zu vernichten, wenn er kräftig ist.“ Was sie aber nicht davon abhielt den Peer Gynt zu einem Teil ihres „Kultur“gutes zu machen.

Reich hat die Popularisierer seines Werkes schon in Nietzscheanischer Gewandung durchschaut:

Es gibt geistreichelnde junge Leute, die man in ernsten Kreisen in Europa als „Kulturschmöcke“ zu bezeichnen pflegte. Sie waren klug, aber ihre Intelligenz diente einer Art Kunstbetätigung um ihrer selbst willen, ohne die todernsten Probleme eines Goethe oder Nietzsche je praktisch begriffen oder erlebt zu haben, lieben sie es, einander Klassik vorzuzitieren. Gleichzeitig ist ihr Wesen von Visionen geprägt. Sie betrachten sich als moderne, freisinnige von keiner Konvention belastete Lebewesen. Da sie ernsten Erlebnissen unfähig sind, ist ihnen die Geschlechtsliebe eine Art Kinderspiel. (Charakteranalyse)

Reich und Nietzsche ist es nicht gelungen, die Schweine und Schwärmer aus ihren sauberen Gärten zu halten. Doch trägt Nietzsche ohne Zweifel selber beträchtliche Schuld an dem was später kam. Reich schreibt:

Es hat wenig Sinn (…) sich einen Übermenschen zu erträumen, der sich von den Menschen in der Falle total unterscheidet, wie es Nietzsche getan hat, bis er, selbst in der Falle eines Irrenhauses gefangen, endlich die volle Wahrheit über sich selber schrieb – zu spät… (Christusmord)

So geht es den meisten, die nicht stillehalten, und die anderen wollen sich gar nicht erst blamieren. Sie sind von vornherein klug und überlegen gewesen. (Die Funktion des Orgasmus)

Dem deutschen Orgontherapeuten Walter Hoppe zufolge verband Schopenhauer seinen Begriff des Willens, der eine zentrale Bedeutung in der Philosophie Nietzsches erlangen sollte,

mit der Sexualenergie, die er [Schopenhauer] als identische Kraft mit der Natur schlechthin zur Darstellung bringt. Der Wille schreibt er, ist ebenso wie die Sexualität eine Kraft, der der gesamten Natur zugrunde liegt, die Kraft, die Liebhaber und Planeten anzieht. (Wilhelm Reich und andere große Männer der Wissenschaft im Kampf mit dem Irrationalismus, München 1984)

So ist auch Nietzsches „Wille zur Macht“ zu verstehen, als Ausdruck des orgonomischen Potentials, das Energie vom niedrigeren zum höheren Niveau fließen läßt. Er schreibt 1888:

Das Leben als die uns bekannteste Form des Seins ist spezifisch als Wille zur Akkumulation der Kraft –: alle Prozesse des Lebens haben hier ihren Hebel: Nichts will sich erhalten, alles soll summiert und akkumuliert werden. (Umwertung aller Werte, der gesammelte Nachlaß)

Und „sollten wir diesen Willen nicht als bewegende Ursache auch in der Chemie annehmen dürfen? – und in der kosmischen Ordnung?“

Im Nachlaß sind auch Anklänge an den spezifisch orgonomischen Bewegungsbegriff zu finden:

Die Bewegungen sind nicht „bewirkt“ von einer „Ursache“ (das wäre wieder der alte [aristotelische, PN] Seelenbegriff!) – sie sind der Wille selber, aber nicht ganz und völlig!

1881 oder 82 hat Nietzsche seinen folgenden „Hauptgedanken“ formuliert, der zeigt, wie er wohl den anthropoiden „theistisch patriarchalen Gott“ für tot erklärte, aber gleichzeitig die Entdeckung des wirklichen „Gottes“ als Ausdruck der Vereinigung von organismischer und kosmischer Orgonenergie ohne „mystische Abweichung“ vorwegnahm (der große Mittag und die Ewigkeit“, „das kosmische Ich“, etc.) und damit nach Kopernikus, Bruno und Darwin das letzte illusionäre Zentrum (das Ich) aufhob:

Hauptgedanke! Nicht die Natur täuscht (…) die Individuen (…), sondern die (…) legen sich alles Dasein nach individuellen, das heißt, falschen Maßen zurecht (…) In Wahrheit gibt es keine individuellen Wahrheiten, sondern lauter individuelle Irrtümer – das Individuum selber ist ein Irrtum. (…) Wir sind Knospen an einem Baume, – was wissen wir von dem, was im Interesse des Baumes aus uns werden kann! Aber wir haben ein Bewußtsein, als ob wir alles sein wollten und sollten, eine Phantasterei von „Ich“ und allem „Nicht-Ich“. Aufhören, sich als solches phantastisches Ego zu fühlen! (…) Den Egoismus als Irrtum einsehen! Als Gegensatz ja nicht Altruismus zu verstehen! das wäre die Liebe zu den anderen vermeintlichen Individuen. Nein! Über „mich“ und „dich“ hinaus! Kosmisch empfinden! (Kritische Studienausgabe, Bd. 9, S. 442f)

Wo Nietzsche 1875 schrieb: „auf immer trennt uns von der alten Kultur, daß ihre Grundlage durch und durch für uns hinfällig geworden ist“ und bis auf die Vorsokratiker zurückging, schrieb Reich: „der orgonomische Funktionalismus steht von vornherein außerhalb des Rahmens der maschinell-mystischen Zivilisation“ der letzten 6000 Jahre (Äther, Gott und Teufel).

Beide hatten jenen „Durst nach großen und tiefen Seelen – und immer nur dem Herdentier zu begegnen!“ (Nietzsche) – Reichs „Kleiner Mann“. Beide sind schließlich an gebrochenem Herzen gestorben „alone, like a dog“ (Reich); im Bewußtsein des Kleinen Mannes, der es schon immer besser wußte, in Scham und Schmach verreckt. Nietzsche nannte sich in einer, einen Tag nach seinem endgültigen Zusammenbruch verfaßten, Postkarte „Der Gekreuzigte“.

Wie etwa ein Goethe mußten sie sich in ihrer Einsamkeit mit Christus identifizieren, als Gebende denen ewig die Lust des Nehmens verwehrt sein würde, als Werkzeug einer höheren Macht, unfreiwillig sich opfernd für die Sache des „Übermenschen“ – dem „Kind der Zukunft“.

Ich liebe den, dessen Seele sich verschwendet, der nicht Dank haben will und nichts zurückgibt: denn er schenkt immer und will sich nicht bewahren. (Also sprach Zarathustra)

Ich könnte auch viel Schlechtes über Nietzsche schreiben – ich laß es:

Wer das Hohe eines Menschen nicht sehen willl, blickt um so schärfer nach dem, was niedrig und Vordergrund an ihm ist – und verrät sich selbst damit. (Jenseits von Gut und Böse, S. 228)

Robert hat diesen Aphorismus dahin interpretiert, daß „die Schwächen des anderen auch meine Schwächen (sind) und lehne ich dessen Schwächen ab, so lehne ich auch mich ab – verrate mich also selbst“. Ich hab das anders verstanden: Wer bei den Großen, etwa Freud oder Reich, wie heute in Biographien üblich, das sucht, was die Großen klein („niedrig“) und unbedeutend („Vordergrund“) macht, zeigt nur, „verrät“ nur, daß er selbst klein und unbedeutend ist. Die „Entlarver“ entlarven sich selbst!

Ein Jahr vor der Geburt des fanatischen Wagnerianers Hitler hat Nietzsche in seiner Beschreibung des Wagnerianertums praktisch schon alles über den Nationalsozialismus gesagt:

Dazu gehört bloss Tugend – will sagen Dressur, Automatismus, „Selbstverleugnung“. Weder Geschmack, noch Stimme, noch Begabung: die Bühne Wagner’s hat nur Eins nöthig – Germanen!.. Definition des Germanen: Gehorsam und lange Beine… Es ist voll tiefer Bedeutung, dass die Heraufkunft Wagner’s zeitlich mit der Heraufkunft des „Reichs“ zusammenfällt: beide Thatsachen beweisen Ein und Dasselbe – Gehorsam und lange Beine. – Nie ist besser gehorcht, nie besser befohlen worden. Die Wagnerischen Kapellmeister in Sonderheit sind eines Zeitalters würdig, das die Nachwelt einmal mit scheuer Ehrfurcht das klassische Zeitalter des Kriegs nennen wird. (Der Fall Wagner, A 11)

Trotzdem wurde immer wieder versucht, Nietzsches „Übermenschen“ mit für den rassistischen Nationalsozialismus verantwortlich zu machen. Nun, Hitler hat in Mein Kampf Nietzsches Namen, wie den jeder anderen deutschen Geistesgröße auch, nur als Mythus ausgenutzt und später in den Tischgesprächen gar nicht erwähnt. Wahrscheinlich hat er ihn nie gelesen, denn diesen Autor konnte Hitler nicht durchfliegen, wie es seine Art war, um ein ideologisches Destillat herauszuziehen. Der sich jeder Festlegung verweigernde Nietzsche eignet sich denkbar schlecht für die Verwurstung zur „fanatischen“ Weltanschauung:

Der Einwand, der Seitensprung, das fröhliche Misstrauen, die Spottlust sind Anzeichen der Gesundheit: alles Unbedingte gehört in die Pathologie. (Jenseits von Gut und Böse, A. 154)

Es stimmt, daß Nietzsches Schwester (mit ihrem unseligen Machwerk Der Wille zur Macht) und der Philosoph Alfred Baeumler versuchten, Nietzsche zum reaktionären „soziobiologischen“ Philosophen zu verkürzen. Doch der Versuch ihn zum neuen offiziellen Staatsphilosophen zu machen, war alles andere als erfolgreich. Die Nazis stoppten sogar die offizielle Kritische Gesamtausgabe, denn Nietzsche verkörperte all das, was die Nationalsozialisten haßten: Freigeist, Abweichler, Verächter der Volksgemeinschaft, Staats- und insbesondere Reichsfeind, Sympathisant der Judenheit und Frankreichs, etc. Man konnte beim vermeintlichen philosophischen Urvater der nationalsozialistischen Ideologie nachlesen, daß die Deutschen eine Mischrasse mit überwiegend vorarischen Anteilen seien (Jenseits von Gut und Böse, A 244), und was ihre „rassische Verbesserung“ betraf, fand Nietzsche die Juden als „Ingredienz bei einer Rasse, die Weltpolitik treiben soll, unentbehrlich“ (Studienausgabe Bd. 11, S. 457).

Neben Baeumler beriefen sich die beiden deutschtümelnden Existentialisten Karl Jaspers und Martin Heidegger auf Nietzsche. Aber beide zeigten in ihren Vorlesungen über Nietzsche auf, daß er so ungefähr das Gegenteil der Nazi-Ideologie vertrat. Georg Picht (Nietzsche, Stuttgart 1988) hält Heideggers Vorlesungen sogar für eine der mutigsten und wichtigsten Widerstandshandlungen in Hitlerdeutschland, denn Heidegger habe sich konsequent gegen jede oberflächliche Politisierung von Nietzsche, gegen jede biologistische Fehlinterpretation gewandt, das Gerede vom „wotanischen Archetypus der Macht“ verworfen und den Machtbegriff der Nazis verhöhnt.

Hatte Heidegger anfangs angenommen, „die Bewegung“ würde die Logik des von Nietzsche diagnostizierten Nihilismus überwinden und sich ihr zugewandt, weil sie scheinbar eine „grüne“ antitechnokratische Politik vertrat, sozusagen das Gegenteil der Tötungsfabrik Auschwitz, erkannte er in ihr schließlich die Vollendung des Nihilismus. Heidegger führt Nietzsches Diktum an, daß jeder Versuch, dem unvollständigen Nihilismus, in dem wir leben, zu entgehen, das Gegenteil des Erstrebten hervorrufen wird, nämlich den vollständigen Nihilismus, wenn bei diesem Versuch nicht alle bisherigen Werte umgewertet werden (Holzwege, Pfullingen 1963, S. 208).

Allenfalls kann man Nietzsche mit dem italienischen Faschismus in Zusammenhang bringen, denn Mussolini war in der Tat Nietzscheaner. Betrachtet man Nietzsches Schriften aus diesem Blickwinkel, findet sich dort ohne Zweifel faschistisches Gedankengut. Gleichzeitig hat Nietzsche aber auch die Psychoanalyse (sowohl Freud als auch Adler) vorweggenommen – und manchmal muß man sich beim Lesen die Augen reiben, wenn man über eine der vielen schlechthin orgonomischen Stellen bei Nietzsche stolpert. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären?

Am Ende seines bewußten Lebens wollte Nietzsche eine „Partei des Leben“ gründen und sie gegen die Kräfte des Nihilismus mobilisieren, die das unschuldige Leben „jenseits von Gut und Böse“ unterminieren. Diese Kräfte sind der nihilistische Mystizismus und der nihilistische Sozialismus, d.h. die Entwertung des konkreten Lebens durch eine fiktive ideale Welt. Die „Partei des Lebens“ macht „die Physiologie zur Herrin über alle anderen Fragen“, das bedeutet Höherzüchtung der Menschheit und das Ausrotten alles „Entarteten und Parasitischen“, das sich in der „Partei alles Schwachen, Kranken, Missrathenen, An-sich-selber-Leidenden“ findet.

Diese zweite Partei, die mystische und utopische Partei, wolle Rache am Leben nehmen und das Leben auslöschen, wenn die Partei des Lebens ihr nicht zuvorkommen würde (so Nietzsche in seinen letzten Notizen, Studienausgabe Bd. 13, S. 638 und im Ecce homo Bd. 6, S. 374).

Bereits 1882 hatte er sich notiert:

Wir als die Erhalter des Lebens. Unvermeidlich entstehend die Verachtung und der Haß gegen das Leben. Buddhismus. Die europäische Thatkraft wird zum Massen-Selbstmord treiben. (…) Wenn wir nicht uns selber erhalten, geht alles zu Ende. Uns selber durch eine Organisation. Die Freunde des Lebens. (Studienausgabe Bd. 10, S. 43)

Reich hat mit seiner „Partei des Lebens“ Nietzsches Differenzierung zwischen dem neurotischen Mystiker, der das Leben nihilistisch abtötet, und dem freien, gewissenlosen Menschen aufgenommen. Aber Reich unterschied in der letzteren Gruppe weiter zwischen den freien Menschen, die ihre sekundären Triebe leben, und den freien Menschen, die ihre primären Triebe leben (Emotionelle Pest und Genitalität, die in Nietzsches Vorstellung vom Übermenschen noch eins waren), zwischen Faschismus und Arbeitsdemokratie. Ganz entsprechend hatte sich schon der Nietzscheanismus in zwei Gruppen aufgespalten: Vertreter des faschistischen Herrenmenschentums auf der einen und Verteidiger des Lebendigen auf der anderen Seite.

Die faschistischen Nietzscheaner haben nicht nur primäre und sekundäre Triebe miteinander vermengt (was ja auch Nietzsche selbst getan hatte), sondern überhaupt Nietzsche und „die Partei des Leben“ verraten, indem sie sie von neuem mit der nihilistischen, christlichen Moral vergifteten. Nietzsche wurde von all dem eingeholt, was er überwunden hatte. Dieses national-christliche Gedankengebäude faßte Nietzsches Schwester Elisabeth, die spätere Hohepriesterin des nationalsozialistischen Nietzsche-Kults, noch zu Nietzsches Lebzeiten zusammen, als sie schrieb, gemeinsam mit den Wagnerianer Bernhard Förster, ihrem späteren Ehemann, würde sie „schwelgen“ in „Mitleid, heroischer Selbstverleugnung, Christentum, Heldentum, Vegetarismus, Ariertum, südliche Kolonien“ (Peters: Zarathustras Schwester, München 1983, S. 108).

So ebnete sich der Weg für den nationalsozialistischen Mißbrauch Nietzsches. Hermann Josef Schmidt schreibt dazu:

Auch nationalsozialistische „Nietzsche“interpretation wäre ohne vorherige „christliche“ Nietzscheverkleisterungen, beginnend spätestens 1895 mit der opportunistischen „großen“ Nietzschebiographie seiner Schwester – und ohne eine Serie von Textstellen, die, aus ihrem Zusammenhang gerissen, sich schaurig lesen (z.B. das geklitterte Buch Der Wille zur Macht, PN) – zumindest in ihrer Breitenwirkung nicht möglich gewesen. Auch hier hat deutsches Christentum – man lese nur die Reden und „Abschiedsworte“, die am 28.8.1900 an Nietzsches Grab gehalten bzw. vorgetragen wurden (…) – dem Nationalsozialismus glänzend vorgearbeitet. (Nietzsche absconditus, Berlin 1991, S. 274)

Der radikale Nietzsche darf nicht verwässert werden, wenn man nicht alles zerstören und in sein Gegenteil verkehren will, vielmehr muß man, wie Reich es getan hat, Nietzsche weiter radikalisieren. Dies ist der einzige gangbare Weg. Es gibt keinen Weg zurück.

Man betrachte nur die gegenwärtige moralistische Kampagne in Deutschland gegen den „Fremdenhaß“. Von der äußersten Linken bis zum Papst sind sich, unterstützt von den neusten soziobiologischen Erkenntnissen, alle einig, daß man das teuflische „Tier im Menschen“ mit seinem „angeborenen Rassismus“ überwinden müsse. Es ist kaum etwas gegen das wissenschaftliche Fundament dieses Konzeptes zu sagen, zumal Malinowski sogar bei den Trobriandern rassistische Ressentiments gegen angrenzende Stämme und gegen Polen (Malinowski) festgestellt hat. Müssen wir uns also auf unsere humanistische Wertewelt besinnen, diese steinzeitlichen Triebe durch unsere zivilisatorische Energie überwinden und dergestalt die archaischen Sümpfe trockenlegen? Oder haben wir mit Nietzsche die „Partei des Lebens“ zu ergreifen? Die Orgonomie, die mindestens so weitreichende humanitäre Ziele hat wie die Humanisten, will die Sümpfe nicht in eine Wüste verwandeln, aber auch nicht das Gesetz des Dschungels in die Städte tragen, sondern für einen geregelten Abfluß sorgen, so daß sich eine schöne Auenlandschaft ausbilden kann.