Orgonomie und Metaphysik (Teil 32)

12. Februar 2022

Es ist ein Irrtum, daß die von der psychoanalytischen Religionskritik abgeleitete sexualökonomische Religionskritik durch Reichs „Spätwerk“, wo viel von „Gott“ die Rede ist, irgendwie relativiert würde. Das Gegenteil ist der Fall! Zumal es nicht nur um Religion, sondern auch bzw. grade um „Spiritualität“ geht.

Der Mensch lebt in zwei Welten: etwa 16 Stunden in der Welt des Tages, wo die Funktion „relative Bewegung“ vorherrscht, und etwa 8 Stunden in der Welt der Nacht, wo die Funktion der „ko-existierenden Wirkung“ überwiegt.

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In der Tageswelt drehen sich alle Sehnsüchte um die orgastische Entladung, bei der wir für einen Augenblick in einer „anderen Welt“ sind. Annäherungsweise erleben wir das beim heftigen Nießen, wenn der ganze Körper zuckt und wir für den Bruchteil einer Sekunde „wegtreten“, oder etwa, wenn wir beim herzhaften Lachen die Kontrolle über uns verlieren, etc. (Wenn Männer Frauen Witze erzählen…) Mit anderen Worten dreht sich tagsüber alles um die Zeit: die Erwartung einer zukünftigen Befriedigung.

Im Funktionsbereich der ko-existierenden Wirkung entlädt sich die Energie nicht durch die orgastische Zuckung, sondern beim Träumen, in abgeschwächter Form in Tagträumereien, Phantasien, etc. Von daher ist es kein Zufall, daß insbesondere Buddhisten und andere spirituelle Schulen alles tun, um nicht nur die sexuelle Begierde, sondern auch das „Wegdriften des Geistes“ zu unterbinden. Im Funktionsbereich der ko-existierenden Wirkung dreht sich alles um die Dimension des Raumes: ich bin hier in der Wirklichkeit und betrete eine andere Wirklichkeit, den Bereich der Träume.

In der noch einigermaßen sexuell gesunden Vorzeit und bei heutigen Naturvölkern überwiegt die Vorstellung von einer „Anderswelt“, mit deren Hilfe man diese Welt manipulieren kann (Magie) und in die man eingeht, wenn man aufhört sich bewegen zu können, also vermeintlich „stirbt“. Mit zunehmender sexueller Hemmung (Panzerung) schwand diese Gewißheit und aus schamanistischen Praktiken entwickelten sich Meditationstechniken, Yoga, Mantras (ursprünglich Zauberformeln) etc., um die „Seele“ aus der Welt der Bewegung und ständigen Veränderung für ein statisches „Jenseits“ zu retten. Beispielsweise gehen die exaltierten Hare Krishnas in ein geistige Parallelwelt über, wo alles ist wie hier, nur eben „geistig“ und rein (asexuell). Die mehr intellektuellen, und stets etwas depressiv wirkenden, Typen verfallen dem Buddhismus oder dem Vedanta und gehen ins unterschiedslose „Leere“ bzw. das Brahman ein.

Abgesehen von ihren mystischen Rändern, die ähnliche Vorstellungen hegen, geht es bei Juden, Christen, Moslems, Parsen etc. um das Warten auf eine grandiose Zukunft, nachdem sich in einer letzten Anspannung beim Jüngsten Gericht alles in Wohlgefallen auflösen wird, jedenfalls für die schließlich Erlösten. Die „Ungläubigen“ werden in alle Ewigkeit unbefriedigt bleiben.

Nur gut, daß du nicht mal ahnst, was ich sehe, wenn ich dich anschaue! Deine „Spiritualität“ ist schlichtweg obszön…

Paul Mathews: Besprechung WILHELM REICH, LIFE FORCE EXPLORER von James Wyckoff

11. Februar 2022

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Besprechung WILHELM REICH, LIFE FORCE EXPLORER von James Wyckoff

Orgonomie und Metaphysik (Teil 31)

10. Februar 2022

Gibt es ein Leben nach dem Tode? Zunächst einmal beantwortet sich diese Frage natürlich von selbst, denn wie sollte man den Tod anders als Nichtvorhandensein von Leben definieren?! Reich betrachtet das Phänomen „Leben“ als die Pulsation der materiefreien Orgonenergie in einer materiellen Membran. Man könnte auch auf die Kreiselwellen-Bewegung der Orgonenergie hinweisen, die für die typische „Bohnenform“ allen Lebendigen verantwortlich ist („das Orgonom“). In jedem Fall ist das Leben über Bewegung definiert.

Betrachten wir dazu nochmals die entsprechende orgonometrische Gleichung aus Teil 30:

Wir sehen, daß, erstens, das Leben eine tiefere Ebene haben muß, die „orgonotische Erregung“, und sich, zweitens, das Leben nicht in Bewegung erschöpft, sondern einen zweiten Aspekt hat: die koexistierende Wirkung, d.h. das einheitliche Funktionieren unabhängig von Bewegung und damit von Raum und Zeit. Tatsächlich leben wir (und alle anderen höheren Lebewesen) einen Gutteil des Tages in diesem „Bereich“, nämlich dann, wenn wir nach außen hin bewegungslos sind, d.h. im Schlaf.

Im Traum erfahren wir unmittelbar, was „koexistierende Wirkung“ ist, denn wir treten in eine Welt ein, in der es keinerlei Geräusche und Stimmen gibt, sondern sich die Menschen (die Figuren im Traum) telepathisch unterhalten, also der Raum nicht trennt, und alle Gesetze der Logik, d.h. das „folgerichtige“ Nebeneinander (Raum) und das „folgerichtige“ Nacheinander (Zeit) aufgehoben sind. Die Psychoanalyse und der Surrealismus haben sich eingängig mit dieser Sphäre auseinandergesetzt.

Wir wissen also aus alltäglicher Erfahrung, daß es in der „Bewegungslosigkeit“ des Schlafes, d.h. wenn wir sozusagen „halbtot“ sind und die Funktion „relative Bewegung“ weitgehend zum Erliegen kommt, die Funktion „koexistierende Wirkung“ nicht nur weitergeht, sondern sogar in den Vordergrund tritt.

Es wäre Unsinn auf Grundlage derartiger Überlegungen die Anfangsfrage doch noch bejahen zu wollen, aber wir haben zumindest einen Ansatz, der darauf deutet, daß die Frage nicht ganz so unsinnig ist, wie ich es zu Beginn angedeutet habe!

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / Vorwort (Fortsetzung)

9. Februar 2022
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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / Vorwort (Fortsetzung)

David Holbrook, M.D.: ÜBER DAS WEINEN / WIE VERSUS WAS BZW. WARUM / SCHLAFLOSIGKEIT

8. Februar 2022

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Über das Weinen: Textaustausch mit einem Patienten

Wie versus Was bzw. Warum

Schlaflosigkeit wird dadurch verursacht, daß man nicht fähig ist, sich selbst zu sehen

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / Vorwort

7. Februar 2022
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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / Vorwort

Orgonomie und Metaphysik (Teil 30)

6. Februar 2022

Die moderne Orgonomie wird durch folgende Gleichung beschrieben:

Reich hat vor allem die Funktion „relative Bewegung“, d.h. Pulsation und die Kreiselwelle erforscht (siehe Äther, Gott und Teufel und Die kosmische Überlagerung). Freud hingegen hatte zuvor, insbesondere in seiner „Traumforschung“, den Bereich der „koexistierenden Wirkung“ untersucht.

Im Unbewußten geht es um die schnellstmögliche Wunscherfüllung, d.h. es wird halluziniert, wobei auf logische Verknüpfungen, räumliche Trennung und zeitliche Kontinuität, also letztendlich auf Ursache und Wirkung, keine Rücksicht genommen wird und Widersprüche unaufgelöst bestehenbleiben. Das alles erleben wir unmittelbar im Traum. C.G. Jung hat aus diesem „Primärvorgang“ schließlich eines der Hauptbeispiele für „koexistierende Wirkung“ destilliert: die Synchronizität.

Ähnliches bei Marx: ein Plastikbecher, ein Besen und eine Eieruhr haben nichts gemeinsam, will sagen, sie haben vollkommen unterschiedliche Qualitäten („Gebrauchswert“). Sie werden erst durch ihren Wert austauschbar, den quantitativen „Tauschwert“. Dieser wird durch das Geld symbolisiert: 5 Euro = 20 Plastikbecher = 1 Besen = 2 Eieruhren. Im Kapitalismus wird alles zur Ware unabhängig von „logischen Verknüpfungen, räumlicher Trennung und zeitlicher Kontinuität“. Wenn Marx in diesem Zusammenhang vom „Fetischcharakter der Ware und seinem Geheimnis“ spricht, will er damit sagen, daß der Kapitalismus eine Traumwelt ist, die von einem „Primärvorgang“ bestimmt wird.

Reich führt in Die Funktion des Orgasmus (für Freud) und in Menschen im Staat (für Marx) jeweils aus, daß die „Libido“ und die „lebendige Arbeitskraft“ (die einzig und allein den Wert schafft), die diesen beiden „Traumwelten“ zugrundeliegen, einer konkreten Energie entsprechen, dem Orgon.

VORBEMERKUNG zu „Orgonomie und Metaphysik (Teil 30)“

5. Februar 2022

Reich schrieb Anfang der 1940er Jahre:

Heute weiß jeder, daß die marxistischen Wirtschaftsanschauungen das Denken der modernen Menschheit mehr oder minder durchdrungen und beeinflußt haben (…). Begriffe wie „Klasse“, „Profit“, „Ausbeutung“, „Klassenkampf“, „Ware“ und „Mehrwert“ sind menschliches Allgemeingut geworden. Es gibt dagegen heute keine Partei, die als Erbin und lebendige Vertreterin des wissenschaftlichen Guts des Marxismus gelten kann, wenn es um soziologische Entwicklungstatsachen und nicht um Schlagworte geht, die sich mit dem Inhalt nicht mehr decken. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 21)

Wenn man das oberflächlich liest, sieht es so aus, als würde keine Partei etwa die Mehrwerttheorie korrekt vertreten. Reich geht es aber zunächst einmal um etwas ganz anderes:

Die marxistischen Parteien in Europa versagten und gingen unter (…), weil sie den Faschismus des 20. Jahrhunderts, eine grundsätzlich neue Erscheinung, mit Begriffen zu fassen versuchten, die dem 19. Jahrhundert entsprechen. Sie gingen als soziale Organisationen unter, weil sie es versäumten, die lebendigen Entwicklungsmöglichkeiten, die jeder wissenschaftlichen Theorie anhaften, lebendig zu erhalten und fortzuentwickeln. (ebd.)

Diese Fortentwicklung fände sich in Reichs Sexualökonomie und politischen Psychologie, die sich um die charakterstrukturelle Freiheitsunfähigkeit, die „Naturwidrigkeit“ der Massen drehen, und in seinem Konzept der Arbeitsdemokratie, die die Ökonomie in der Biologie fundiert: die natürliche Organisation der Arbeit.

Eine postkapitalistische Gesellschaft sei erst möglich, wenn alle arbeitenden Menschen, nicht nur „das Proletariat“ im engeren Sinne, charakterstrukturell fähig sind, die Produktionsprozesse eigenständig zu organisieren.

Dies ist der wesentlichste soziologische Grund, weshalb sich die Privatwirtschaft des 19. Jahrhunderts überall immer mehr in eine staatskapitalistische Planungswirtschaft verwandelt. Es muß klar ausgesprochen werden, daß es auch in Sowjetrußland keinen Staatssozialismus, sondern einen strengen Staatskapitalismus gibt; dies im streng Marxschen Sinne. Der gesellschaftliche Zustand „Kapitalismus“ ist nach Marx, nicht, wie die Vulgärmarxisten glauben, durch das Vorhandensein individueller Kapitalisten, sondern durch das Vorhandensein der spezifisch „kapitalistischen Produktionsweise“ gegeben. Also durch Warenwirtschaft anstelle von „Gebrauchswirtschaft“, durch Lohnarbeit der Menschenmassen und durch Mehrwertproduktion, gleichgültig ob dieser Mehrwert dem Staat [, der] über der Gesellschaft [steht], oder individuellen Kapitalisten durch private Aneignung der gesellschaftlichen Produktion zugute kommt. In diesem streng Marxschen Sinne besteht aber in Rußland das kapitalistische System fort. Und es wird fortbestehen, solange die Menschenmassen irrational verseucht und autoritätssüchtig sein werden, wie sie jetzt sind. (ebd., S. 25)

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / Das Glaubensbekenntnis des Autors

4. Februar 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / Das Glaubensbekenntnis des Autors

Kriminalität und Arbeitsdemokratie

3. Februar 2022

Kriminalität ist etwas von einem anderen zu nehmen, was dieser nie freiwillig gegeben hätte. Damit wird etwas aufgekündigt, was die Grundlage jedweden menschlichen Zusammenlebens ist, das Vertrauen. Keiner könnte irgendein Geschäft eröffnen, wenn er Angst haben müßte, daß niemand sich an die Regeln hält und alle sich nach Belieben bedienen, ohne zu bezahlen. Soviel Polizei und Überwachung kann es gar nicht geben! Damit entsteht jedoch für den Kriminellen, der sich diesem stillschweigenden Übereinkommen entzieht, ein großes Problem. Er kann beispielsweise ein Auto stehlen und fortan selbst fahren. Macht er daraus aber ein Geschäft und versucht ständig gestohlene Autos weiterzuverkaufen, steht er vor dem Dilemma, daß er von genau jenem „Gesellschaftsvertrag“ abhängig ist, den er selbst aufgekündigt hat. Er kann nie entspannt sein, sondern muß bei seinen „Geschäftskontakten“ sozusagen oder wortwörtlich eine entsicherte Pistole griffbereit haben!

Tatsächlich organisiert sich die Gesellschaft auf krimineller Ebene neu. Es gibt kaum eine Branche, in der genauer auf Ehrlichkeit und Vertragserfüllung geachtet wird – und wo es absolut selbstmörderisch und schlichtweg wahnsinnig ist, den Geschäftspartner zu betrügen. Hat man mit Kriminellen zu tun, sollte man penibel darauf achten, daß man nicht übervorteilt wird, aber noch penibler, daß man etwa die Geldscheine in dem Umschlag, den man übergibt, wirklich ganz genau abgezählt hat. Im ersteren Fall wird man nur mit Verachtung gestraft und wird nie wieder einen Fuß auf den Boden kriegen und im zweiten Fall – kann man sich gleich selbst eine Kugel durch den Kopf jagen. Das ganze ist eine gesteigerte Version der legalen Gesellschaft. In dieser kann man eine Fünf gerade seinlassen, während in der Illegalität alles bis auf das letzte Gramm und den letzten Cent stimmen muß. Entweder unbedingte Pünktlichkeit, Vertragstreue, Verläßlichkeit, Etikette oder maximale Sanktionen!

Unmoral muß zwangsläufig zu Hypermoral führen (und umgekehrt), da bei Zerstörung des natürlichen bioenergetischen (bzw. biosozialen) Lebens, dessen gepanzerte Karikatur an seine Stelle tritt. Wird die gesellschaftliche Sexualökonomie zerstört, tritt der Jesus- und Marienkult, die „Familienehre“, „Reinheit“ und ähnliches an ihre Stelle. Wird die Marktwirtschaft durch Kriminalität zerstört, organisiert sie sich auf primitiver und „brutalisierter“ primitiverer Ebene neu – als Karikatur ihrer selbst. (Gesundes Gewebe, das zerfällt, reorganisiert sich zu Krebsgewebe!)

Man wird kaum irgendwo mehr „Moral“ und „Ehre“ finden als unter Ganoven. Das zeigt einerseits, daß die Arbeitsdemokratie absolut unzerstörbar ist, und andererseits, daß immer dann, wenn „Ethik“ in den Mittelpunkt gerückt wird, statt selbstverständlich zu sein wie Atmen und Essen, man es in Wirklichkeit mit Zerfall und potentiellem Verbrechen zu tun hat. Man sollte die „gute Gesellschaft“ und deren ach so hohe Moral nicht allzu ernstnehmen und umgekehrt nicht allzusehr auf die „schlechte Gesellschaft“ und deren angebliche Unmoral hinabblicken!