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Auf dem Weg zum „Terminator“

9. Juli 2014

Hans Hass und der energetische Funktionalismus handelt vor allem davon, wie Reich und Hass die Wechselwirkung von Mensch und seinen Werkzeugen zu erfassen suchten. Für beide wird das Werkzeug funktionell zu einem Teil des Körpers. Reich hat sich jedoch nur kursorisch mit diesem Thema befaßt, während Hass mehrere Bücher darüber geschrieben hat.

Die französische Forscherin Lucilla Cardinali vom Institut für Gesundheit und medizinische Forschung (INSERM) in Bron und ihre Kollegen konnten experimentell nachweisem, daß das Werkzeug schon nach einigen wenigen Minuten fest in das interne Bild des Körpers integriert ist.

In ihrem Versuch ließen sie insgesamt 61 Probanden mit und ohne einen mechanischen Greifer verschiedene Aktionen ausführen. Anschließend bewegten die Versuchspersonen auch ihren „unbewaffneten“ Arm langsamer und in einem anderen Winkel als zuvor. Ein Effekt der mindestens eine Viertelstunde anhielt. Offenbar wird der Greifer ins Körperbild inkorporiert und der Arm entsprechend gesteuert. Auch spürten die Teilnehmer nach dem Benutzen des Greifers eine größere Distanz zwischen Ellenbogen und Handgelenk als vorher.

Diese Fähigkeit unserer Körperrepräsentation, sich funktionell so anzupassen, daß sie Werkzeuge eingliedert, ist unserer Ansicht nach die fundamentale Basis von komplexem Werkzeuggebrauch.

In der Massenpsychologie des Faschismus (Fischer TB, S. 296f) beschreibt Reich, wie sich der Mensch im Drang kein (sexuelles) Tier mehr sein zu müssen, derartig mit seinen Maschinen identifizierte, daß sich seine Vorstellungen über seine eigene biologische Organisation an das Modell der Maschine anlehnen. Entsprechend verlieh er den Maschinen „ein Aussehen und eine Mechanik, die tierartig sind. Die Lokomotive besitzt Augen zum Sehen und Beine zum Laufen, ein Maul zum Fressen der Kohlennahrung und Abfuhröffnungen für die Schlacken, Hebelarme und Anordnungen zur Produktion von Lauten.“

Reichs Beispiel ist altertümlich und kaum überzeugend. Da passen die neusten Entwicklungen weitaus besser zu seiner Argumentation:

David Hanson hat „Mimik-Roboter“ entwickelt, mit einem täuschend echt aussehenden menschlichen Antlitz. Hinter den „Augen“ befinden sich Kameras, Minimotoren bewegen die Gesichtsmuskeln. Hanson: „So werden die Roboter der Zukunft aussehen.“

2003 war einem Forscherteam um Peter Fromherz vom Max-Planck-Institut in München erstmals das Verschmelzen einer lebenden Gehirnzelle mit einem Computerchip gelungen. Der Chip registriert die elektrischen Impulse der Zelle, die wiederum auf die elektrischen Signale des Chips reagiert.

Wohin das ganze letztendlich führen wird, zeigt „Saya“, eine „Roboterfrau“, die in Japan testweise Kinder unterrichtet. Der nächste Schritt wäre, die Lehrinhalte direkt in die Gehirne einzuspeichern.

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