[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Warum wollten die Psychoanalytiker Reich vernichten? Wegen Reichs Orgasmustheorie, die doch nur eine logische Fortführung von Freuds eigener Theorie der „Aktualneurose“ war? Kaum! Wegen dem Orgon? Kaum:
Auch bezüglich des elan-vital-Konzeptes des Philosophen und Literaturnobelpreisträgers Henri Bergson gab es Übereinstimmungen. Reich war nicht der einzige Psychoanalytiker, der sich darauf berief. Schon der Gründungspräsident der US-amerikanischen Psychoanalytikerorganisation, der international anerkannte Neurologe James Putnam, hatte 1911 auf dem Weimarer IPV-Kongreß die Analytiker aufgefordert, das Wirken einer „selbsttätigen“, „sich selbst erneuernden“ „Lebensenergie“ zur Kenntnis zu nehmen. Dabei verwies er neben Hegel insbesondere auf Bergson. In einem Brief vom 8. Juli 1915 gestand Freud, erneut von Putnam auf Bergson angesprochen, ebenfalls zu: „Ich weiß, daß jeder einzelne ein Stück Lebensenergie repräsentiert.“ Auch das Libido-Verständnis C.G. Jungs, der Bergson ohnehin sehr schätzte, wies deutliche Verwandtschaft auf zum „elan vital“ – und damit eben auch zum „Orgon“. Doch was bei Freud oder Jung offenbar nicht einmal einer kritischen Erwähnung bedarf, dient bei Reich bis heute als Alibi zum Attestieren einer Geisteskrankheit. Der Umgang der Analytiker mit Reich ist voll mit solcherart Absurditäten (Andreas Peglau: Unpolitische Wissenschaft?, S. 302-311, 416).
Es bleibt etwas, was mit den beiden genannten Faktoren unlösbar verknüpft ist, ohne das die ganze Sache aber unverständlich bleibt und sich ins Gegenteil kehrt (Stichwort C.G. Jung). Es geht um „LSR“, das nur unzureichend mit den Stichworten „Panzerung“ bzw. „Über-Ich“ umrissen wird: die Möglichkeit der Selbstregulierung. Jene, die den Konflikt zwischen Freud und Reich auf die Politik reduzieren wollen, tun dies, um genau diesen Kern zuzukleistern. Gleichzeitig geht es natürlich in der Tat um „Politik“, d.h. die Frage nach der individuellen und gesellschaftlichen Selbststeuerung.
Um mit LaMettrie zu reden: „Machen wir diese häuslichen Feinde [unsere Selbstanklagen] doch endlich nieder; seien wir nicht länger im Krieg mit uns selbst“ (z.n. Ursula Jauch: Jenseits der Maschine, S. 559). Ursprünglich glaubte Reich, komplementär dazu müßten auch sozusagen die „außerhäuslichen“ Feinde, die Ausbeuter niedergemacht werden. Deshalb seine Hinwendung zum Marxismus. Im Laufe der 1930er Jahre erkannte er, daß es tatsächlich um den Kampf gegen die Emotionelle Pest geht, konkret die Auseinandersetzung zwischen der ihrem Wesen nach unaufhebbar rationalen Arbeitsdemokratie und der irrationalen Politik.
Indien ist durch zwei Dinge gekennzeichnet: eine schier unfaßbare sexuelle Repression und zweitens das ständige Bemühen „den Geist zu bändigen“. Wirklich alles dreht sich darum, die Gedankentätigkeit zu fokussieren mittels Atemtechnik, „Mantras“, Konzentrationsübungen, etc. Beides gehört untrennbar zusammen! Zwischen dem freiflottierenden Grübeln und der freiflottierenden unbefriedigten genitalen Erregung besteht ein unmittelbarer Zusammenhang, den wir tagtäglich am eigenen Leibe erfahren.
Ich glaube, die Unfähigkeit, in den Schlaf zu fallen und den Schlaf aufrechtzuerhalten, ist darauf zurückzuführen, daß eine Gestalt nicht geschlossen wird und uns das Bemühen des Abschließens im „Tagesmodus“ hält. Diese Unfähigkeit etwas zu Ende zu denken, ist ein Element der orgastischen Impotenz, die ihrerseits in gewisser Weise auch die Unfähigkeit ist, eine „Gestalt zu schließen“. In beiden Fällen bleibt die Erregung bestehen und damit auch die geistige Aktivität, insbesondere die Phantasie.
Eigentlich ist alles übliche Denken, Grübeln, Theoretisieren, alle übliche „Wissenschaft“, Religion, Philosophie und Kultur nichts anderes als eine Funktion von Energie, die nicht vollständig entladen wurde und nun sozusagen im Leerlauf agiert. Sie hält, ähnlichem einem vollen Magen mit unverdaulichem Zeugs, die Menschen nachts wach und, nachdem die Sonne aufgegangen ist, hält es sie am Träumen („Tagträume“). Die ganze gepanzerte Gesellschaft ist nichts anderes als ein pornographisches Trauerspiel aus nicht entladener genitaler Energie.
Ist das nicht eine verrückte Übertreibung? Nein! Es ist das, was ohnehin jeder glaubt, jedenfalls war genau das die Theorie von Freud: daß die Kultur auf die Unterdrückung der genitalen Lustfunktion zurückzuführen ist und nichts anderes darstellt als umgelenkte Libido.
Man kann nicht einmal ansatzweise verstehen, wie grundlegend revolutionär Reich war, wenn man nicht sieht, daß er die Freudsche Irrsinnstheorie vom Kopf auf die Füße gestellt hat: diese „Kultur“ ist Ersatzbefriedigung und ihre vermeintliche Weisheit und Gelehrsamkeit ist nur „Pornosophie“. Eines Tages wird die Orgonomie diesem unappetitlich ranzigen Chaos, das wir Zivilisation nennen, ein Ende setzen – und die wahre Zivilisation wird anbrechen.
Nochmals: das gesamte gepanzerte Denken ist nicht Philosophie (die Liebe zur Weisheit), sondern Pornosophie (ja, das ist ein Wort!). In der antiautoritären Gesellschaft wird die Pornosophie ganz offen zur Staatsdoktrin.
Und was wird man dagegen tun? Statt zu einer genuin sexuellen Revolution zu führen, werden die Konservativen genau das gleiche tun, wie einst in Indien: der Kreis wird nicht geschlossen werden (orgastische Potenz), sondern der Kreis selbst wird angegangen werden (Abpanzerung). Das Leben selbst wird unter das Joch gespannt (Yoga), auf das die Seele endlich Ruhe und Schlaf findet.
Zwischen 1920 und 1940 zeigte die Orgasmustheorie, daß die Libido physikalisch real ist: das Orgon. Parallel zeigte die Charakteranalyse, daß die Verdrängung (aus Freuds erstem topischen Modell) und das Über-Ich (aus seinem zweiten topischen Modell) nicht nur „psychische“ Mechanismen bzw. Instanzen sind, sondern somatische Realität: die Muskelpanzerung. Das, was abgewehrt wird, und das, was abwehrt, sind also keine bloßen dichterischen Metaphern bzw. wissenschaftliche Konzepte, sondern handfeste Wirklichkeiten, jenseits jedes Meinungsstreits und jeder Ideologie – und damit Jenseits von Verdrängung und Moral (Über-Ich).
Man kann darauf einwenden, dies sei nichts besonderes, da es schon immer Konzepte einer „Energie“ gegeben habe. Die Antwort darauf lautet, daß diese Vorstellungen durchweg mystisch waren (Psyche –> Soma, die „Energie“ organisiert die „Materiebrocken“), genauso wie entsprechend die Konzepte von „Blockaden“ dieser „Energie“ durchweg mechanistisch waren (Soma –> Psyche, die „Materiebrocken“ behindern den freien Fluß der „Energie“). Hinter diesen proto- und pseudo-orgonomischen Auffassungen stecken die beiden Grundaxiome des Mechano-Mystizismus: die Materie wird vom Geist bestimmt („mind over matter“) bzw. der Geist ist in der Materie gefangen („fleischliche Lüste streiten wider die Seele“).
Zu derartigen Vorstellungen kommt es, weil die „Psyche“ die quasi „energetische“ Gesamtfunktion des Organismus ist („die Psyche Herrn Müllers“), während das „Soma“ die materiellen Teilfunktionen umfaßt („die Niere auf Zimmer 2.04“). Erst Reich und im Anschluß an ihn Charles Konia haben die Zusammenhänge geklärt, indem der „horizontale“ Bereich (Psyche – Soma) um den „vertikalen“, energetischen erweitert wurde (Panzerung – Orgon:
Das wirkliche Problem der menschlichen Existenz ist demnach nicht der quasi „horizontale“ Konflikt zwischen Psyche und Soma; ein Konflikt, der ohne Panzerung gar nicht existieren würde, sondern der quasi „vertikale“ Konflikt zwischen Panzerung und Orgonenergie. Es gilt schlichtweg die Panzerung zu beseitigen. Das Problem dabei ist, daß unsere gesamte geistige Kultur und materielle Zivilisation, die nichts weiter als Geschöpfe der Panzerung sind, uns davon abhalten wollen. Gemeinsam sind sie nichts weiter als ein allumfassender „horizontaler“ „Verblendungszusammenhang“, der uns von der „vertikalen“ Wirklichkeit nicht nur abhält, sondern immer weiter von ihr entfernt. Aus diesem Grund war die Entdeckung des Orgons auch ein revolutionärer Akt bzw. DER revolutionäre Akt schlechthin.
Die Kultur und die Zivilisation sind mittlerweile nichts anderes als Neurose, wenn nicht schlichtweg Emotionelle Pest. Das Denken wird immer weiter ein Instrument von Verdrängung und „Moral“ (Über-Ich). Einfachste Fragen wie „Was ist eine Frau?“ oder „Wer ist ein Deutscher?“ münden in Verwirrung und moralischer Indignation. Unsere materiellen Werkzeuge (natürlich inklusive der untrennbar mit ihnen verbundenen „immateriellen“ Algorithmen), die einst als Erweiterungen unseres Organismus gedacht waren, um dessen Freiheitsgrade zu erweitern, wirken zunehmend auf ihn zurück und schränken eben diese immer weiter ein, bis wir zu toten „Cyborgs“ werden.
Die Entdeckung des Orgons ist die einzige Chance, die der Menschheit bleibt, dieser Falle zu entkommen, weil sie erstens etwas physikalisch Greifbares ist, das nicht dem „kulturellen“ Streit der Meinungen unterworfen ist und die zweitens eine neue, der Organik gemäße, „zivilisatorische“ Technik ermöglicht. Diese Chance ist aber nur realisierbar, wenn das ebenfalls praktisch greifbare Faktum der Panzerung auf individueller und gesellschaftlicher Ebene sichtbar gemacht wird, um das Orgon befreien zu können. Aufklärung! Die EINZIGE Aufklärung! DIE Aufklärung!
Nach Elsworth F. Baker wird die autoritäre Gesellschaft von drei Tabus getragen: Sexualität, Politik und Religion. Sie dürfen nicht ernsthaft angesprochen werden, nicht hinterfragt werden, weil das das gesamte Konstrukt der autoritären Gesellschaft zum Kollabieren bringen würde.
Wie sieht das heute in der antiautoritären Gesellschaft mit diesen drei Tabus aus, nachdem die autoritäre Gesellschaft tatsächlich kollabiert ist? Es ist zu einer bemerkenswerten Verschiebung gekommen, die andeutet, daß die gepanzerte Gesellschaft an und für sich vor dem Kollaps steht!
Die antiautoritäre Gesellschaft begann mit der Befreiung der Sexualität: die sogenannte „sexuelle Revolution“ der 1960er und 70er Jahre war ein selbstwidersprüchliches Desaster. Das begann schon mit der Pille, die zwar die Frau schrankenlos verfügbar machte, aber gleichzeitig bei ganzen Generationen von Frauen die Libido abtötete, weil dem Körper mittels entsprechender Hormone eine Dauerschwangerschaft signalisiert wurde. Was übrigens auch für Männer, zumindest unterschwellig, die Frauen auch nicht gerade attraktiver machte! Sodann wurde suggeriert, daß „Sex in Wirklichkeit nur im Kopf stattfindet“. Mit dieser fatalen Kombination – besser kann man die Genitalien gar nicht abtöten – und der umfassenden Pornographisierung und „Tinderisierung“ (Entpersönlichung) der Sexualität enttarnt sich die gesamte mechano-mystische Zivilisation als genau das: Pornographie („die geistige Welt“) und Beziehungslosigkeit („die materielle Welt“). Was fehlt ist schlichtweg die bioenergetische Ladung, die GENITALE ERREGUNG.
In der aufgeklärten Welt sollte explizit über Politik geredet, der Alltag politisiert werden, was konkret bedeutete, daß es zu einem generellen Linksumschwung kam. Die Fortschritte der mechanistischen Genetik, Neurologie, Psychologie, also der Sperrspitze der „Aufklärung“, haben aber gezeigt, daß politische Einstellungen BIOLOGISCH verankert sind und rationalen Argumenten nicht nur nicht zugänglich sind, sondern diese die quasi angeborene politische Haltung sogar verstärken. Mit dieser Priorität des Biologischen („Biologismus“ im Wortgeklingel der Marxisten) bricht aber das gesamte Fundament der antiautoritären Gesellschaft in sich zusammen: die „Enttabuisierung“ des Themas Politik führte in Bereiche, die der gesamten linken Ideologie, mit ihrer Fokussierung auf „das Gesellschaftliche“ das Fundament entziehen.
Noch schlimmer sieht die Angelegenheit in Sachen Religion aus. Die autoritäre Gesellschaft beruhte darauf, daß Gott den Menschen erschaffen hatte, die antiautoritäre Gesellschaft beruht auf dem umgekehrten Diktum: frei nach Ludwig Feuerbach wurde Gott durch den Menschen erschaffen. Klingt gut! Das ist sozusagen die Essenz aller Aufklärung. Gott dergestalt zur Disposition zu stellen, ist die quasi religiöse Grundlage der antiautoritären Gesellschaft. Problem ist, daß die Anthropologie nicht mitspielen will, denn man hat noch nie eine gottlose Gesellschaft entdeckt und ähnlich wie im Politischen scheint es eine biologische Disposition in diese Richtung zu geben und „gottgläubige“ Menschen sind objektiv glücklicher und gesünder als bekennende Atheisten. Irgendwas läuft hier grundlegend nicht im Sinne der „Aufklärung“ und im Sinne von „Anti-Autoritarismus“. Gott ist nicht nur nicht totzukriegen, sondern ist vom Menschsein an sich nicht zu trennen. Irgendwo scheint sich da eine grundlegende Fehlberechnung eingeschlichen zu haben… Anstatt irgendeiner „Befreiung“ wartet der Transhumanismus auf uns, wenn wir die „Transzendenz“ leugnen, die sich letztendlich als BIOLOGIE erweist.
Kurz gesagt, krankt die gesamte „Aufklärung“ unter einem einzigen alles umfassenden „biologischen Rechenfehler“ (Reich), nämlich die Verkennung der biologischen (Orgon-) Energie selbst. Lust ist Biologie, Politik ist Biologie, „Gott“ ist Biologie. Reich hat die BIOLOGISCHE Revolution eingeleitet, die dem gegenwärtigen Spuk ein Ende machen wird!
Reich sagte, Freud sei „jüdisch“ gewesen, während er (Reich) „nicht-jüdisch“ sei. Was soll das heißen? Was macht Freuds „Jüdischsein“ aus? Wir kommen hier zum Grundkonflikt zwischen Freud und Reich! Was ist der Unterschied zwischen der „jüdischen“ Freudschen Psychoanalyse und der „nicht-jüdischen“ Reichschen Orgonomie? Nun, es ist der Unterschied zwischen dem hochintellektuellen Stubenhocker Jakob und dem vierschrötigen Naturburschen Esau aus dem Ersten Buch Mose. Jakob war kalkulierend und konnte seine Triebe kontrollieren („sublimieren“) und wurde so zum Stammvater aller Juden, während Esau seine Geburtsrechte unüberlegt wegwarf, weil er emotional („ausa-GIEREND“) war und von seinen tierischen Instinkten getrieben nach dem Linseneintopf griff. Freud war Jakob (Kontrolle der Libido), während Reich Esau war (Orgasmus-Theorie).
Aus Genesis 25:
27. Die Jungen wuchsen heran, und Esau wurde ein geschickter Jäger, ein Mann des offenen Landes, während Jakob sich damit begnügte, zu Hause in den Zelten zu bleiben. (…)
29. Einmal, als Jakob gerade einen Eintopf kochte, kam Esau vom Lande und hatte Hunger.
30. Er sagte zu Jakob: „Schnell, gib mir etwas von dem roten Eintopf! Ich bin am Verhungern!“ (…)
31. Jakob antwortete: „Verkaufe mir zuerst dein Erstgeburtsrecht.“
32. „Sieh mal, ich sterbe vor Hunger“, sagte Esau. „Was nützt mir da das Erstgeburtsrecht?“
33. Jakob aber sagte: „Schwöre mir zuerst!“ Da schwor er ihm einen Eid und verkaufte sein Erstgeburtsrecht an Jakob.
34. Dann gab Jakob Esau etwas Brot und einen Linseneintopf. Er aß und trank, dann stand er auf und ging weg. Da verschmähte Esau sein Erstgeburtsrecht.
Nicht ähnliches, sondern genau dasselbe schreibt Reich über die Nationalsozialisten. Hier in der Zusammenfassung von Peglau:
[D]er „nationalistische Faschismus [verlege, so Reich,] das Sexualsinnliche in die ‚fremde Rasse‘“. „Nordisch“ werde „gleichbedeutend mit licht, hehr, himmelhaft, rein“, asiatisch oder jüdisch hingegen mit „triebhaft, dämonisch, geschlechtlich, ekstatisch“. Der Nationalsozialist bekämpfe also im Feindbild des Juden auch seine eigene verleugnete Sexualität (S. 81, 84, 92, 94). (S. 259)
Durchgeknallte suprematistische Juden unterscheiden sich in dieser Hinsicht in nichts von „Nazis“! Der zionistische Faschismus verlegt das Sexualsinnliche in die „Goyim“. „Jüdisch“ wird gleichbedeutend mit licht, hehr, himmelhaft, rein, Nicht-jüdisch hingegen mit triebhaft, dämonisch, geschlechtlich, ekstatisch. Der jüdische Fanatiker bekämpft also im Feindbild des Goyim auch seine eigene verleugnete Sexualität. Ich könnte in diesem Zusammenhang auch etwas über die Sexualsymbolik des Davidsterns sagen, dieses Symbol jüdischer Reinheit… Oder darüber, daß Israel ein stinknormales Land ist – voller Rassisten.
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Menschen werden von inneren (in der Kindheit verinnerlichten!) Hierarchien bestimmt und sehen entsprechend die Natur von „Hierarchien“ bestimmt, d.h. betrachten sie mechano-mystisch. Charles Konia schreibt:
Eine wichtige Manifestation der Ahnungslosigkeit der Menschen ist ihre Unfähigkeit zu erkennen, daß die Bereiche der Biologie und Soziologie funktionell, d.h. energetisch, funktionieren und daß aufgrund ihrer Panzerung ihre Wahrnehmungen verzerrt sind und ihre Fähigkeit beeinträchtigt ist, entsprechend der Funktionsweise der Natur zu denken. Stattdessen betrachten gepanzerte Menschen die Natur so, wie sie sich selbst erleben, mechanistisch und mystisch. (Clueless, S. 178)
LSR mag ein Konstrukt sein, aber Konstrukte haben es an sich entweder bald mit einem „substantiellen“ Inhalt gefüllt zu werden oder sich wieder in nichts aufzulösen. Das beste Beispiel ist Freuds Konstrukt „Libido“, das Reich „gefüllt“ hat. Womit wird nun das Konstrukt „LSR“ gefüllt? Für mich ist das „Secundum naturam“, wobei die „Natur“ etwas grundlegend anderes ist als das, was heute Philosophie und Naturwissenschaft als „Natur“ auffassen.
Im folgenden geht es mir in keinster Weise um Einsteins Physik oder gar um seine gesellschaftliche Weltanschauung, sondern um die grundsätzliche Sichtweise, die sich zum Beispiel in seiner Verachtung für Konventionen und darin zeigte, daß er Leute wie Reich und Velikovsky ernstnahm. Angesichts des folgenden Zitats war meine genauso spontane wie absonderliche Idee, daß es doch hätte sein können, daß Einstein in seiner Jungend von Stirner inspiriert wurde (er war 14 als die Reclam-Ausgabe von Der Einzige und sein Eigentum erschien).
Begriffe, welche sich bei der Ordnung der Dinge als nützlich erwiesen haben, erlangen über uns leicht eine solche Autorität, daß wir ihres irdischen Ursprungs vergessen und sie als unabänderliche Gegebenheiten hinnehmen. Sie werden dann zu „Denkgewohnheiten“, „Gegebenen a priori“ usw. gestempelt. Der Weg des wissenschaftlichen Fortschritts wird durch solche Irrtümer oft für lange Zeit ungangbar gemacht. Es ist deshalb durchaus keine müßige Spielerei, wenn wir darin geübt werden, die längst geläufigen Begriffe zu analysieren und zu zeigen, von welchen Umständen ihre Berechtigung und Brauchbarkeit abhängt, wie sie im einzelnen aus den Gegebenheiten der Erfahrung herausgewachsen sind. Dadurch wird ihre allzu große Autorität gebrochen. Sie werden entfernt, wenn sie sich nicht ordentlich legitimieren können, korrigiert, wenn ihre Zuordnung zu den gegebenen Dingen allzu nachlässig war, durch andere ersetzt, wenn sich ein neues System aufstellen läßt, das wir aus irgendwelchen Gründen vorziehen. (Albert Einstein: „Über Kottlers Abhandlung ‚Einsteins Äquivalenzhypothese und die Gravisation’“, Annalen der Physik 51:639-642, 1916)
Begriffe erlangen über uns leicht eine solche „überweltliche“ Autorität, daß wir ihren rein irdischen Ursprung vergessen und sie als unabänderliche Gegebenheiten hinnehmen, das von LSR bekämpfte Über-Ich.
Bernd Laska schrieb mir vor zwei Jahrzehnten zu dieser Stelle:
Daß Einstein (wie Stalin, Trotzki u.a. Jg. 1879) von Stirner gehört, ihn vielleicht sogar gelesen hat, ist nicht unwahrscheinlich, da dessen „Renaissance“ in seine jungen Jahre fiel. Vielleicht hat Stirner ihn auch inspiriert. Aber was er in obigem Zitat sagt, klingt fast wörtlich nach der Sprachkritik Mauthners und Landauers, die sogar nachweislich sich mit Stirner auseinandergesetzt haben, aber vor „LSR“ zurückgewichen sind (vgl. mein Ein dauerhafter Dissident).
Abschließend zu diesem Teil meiner Reflektionen möchte ich noch folgendes einwerfen: Marx, Freud, Einstein. Alle drei hat Reich angebetet – na jedenfalls den „Kern-Marx“ (lebendige Arbeitskraft), den „Kern-Freud“ (Libidotheorie), den „Kern-Einstein“ („funktionalistische Physik“). Reichs verdammter Vaterkomplex, der ihn nicht sehen ließ, daß sie im Kern gegen ihn waren. Ich glaube, daß Reich persönlich ein „Vater-Imago“ brauchte, um psychisch zu überleben. Aber daß die „Reichianer“ selbst das nachäffen…
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Ich glaube, Reich wollte ergründen, was objektiv hinter der subjektiven „existentiellen Sicherheit“ steht, die Menschen wie Bernd Laska dazu bringt ihr Leben ihrem „Projekt“ zu opfern und sich dabei gegen „alle anderen“ zu stellen. Etwas, wofür das Herdentier Mensch an sich nicht gebaut ist! Reich wollte ergründen, was das ist, das jene Menschen von diesen Menschen unterscheidet: was Reich von den anderen unterscheidet und ob das, was er existentiell fühlt, konkret und nachvollziehbar gemacht werden kann. Deshalb hat Reich „LSR“ auf die Biologie und Physik ausgeweitet.
Meines Wissens hat noch niemand darauf hingewiesen, daß nicht nur „LSR“ eine eigene „Biophysik“ hat, sondern auch DMF (Diderot, Marx, Freud)! Gut, Freud hielt nicht viel von den „libidometrischen“ Untersuchungen von Feitelberg und Bernfeld, die z.B. dem „Todestrieb“ physikalisch nachgehen wollten, aber es war nichtsdestotrotz, wenn man so will, die „DMF-Biophysik“. Und diese DMF-Physik war nichts anderes als die ganz gewöhnliche Schulphysik, auf Freuds Metapsychologie übertragen. Es ist die gleiche Physik, die zur gleichen Zeit zur Entwicklung der Molekularbiologie (DNA) und der Nuklearphysik führte.
[Einschub: Das ganze ist durchaus aktuell, versucht doch Cordelia Schmidt-Helleraus in ihrem Buch Lebenstrieb & Todestrieb, Libido & Lethe (Verlag Internationale Psychoanalyse) endlich die Freudsche Metapsychologie abzuschließen will, u.a. indem sie sie „Lethe“ als „Energiebegriff des Todestriebes“ hinzudichtet. Du hast Depressionen, suchst Hilfe – und dann interpretiert jemand den Zustand Deiner „Lethe“.]
Reichs Bemühungen wurden von den jeweiligen Wissenschaftsgemeinden nicht akzeptiert. Mit welcher Berechtigung können wir als Laien auf so gut wie allen Gebieten darauf bestehen, daß Reich richtig liegt und die Experten falsch? Es kann nicht darum gehen, sich in technische Einzelheiten oder wissenschaftliche Systematiken zu verlieren, vielmehr muß das folgende herausgearbeitet werden: Im letzten Jahrhundert hat es zwei Menschen gegeben, die die Physik wirklich begriffen haben und die alles andere als beschränkte Fachidioten waren: Einstein und Feynman. Beide haben sogar Konzepte entwickelt, die dem Orgon recht nahe kommen: die krümmbare Raumzeit-„Substanz“ der Allgemeinen Relativitätstheorie und das allgegenwärtige Quantenvakuum der Quantenelektrodynamik (die Theorie die, außer Atomkern und Gravitation, alles erklärt). Und „trotzdem“ hatten sie diese systematische Blindheit, dieses unaufhebbare Unvermögen auch nur ansatzweise das Orgon wirklich, sozusagen „lebenspraktisch“ zu erfassen, d.h. wirklich zu be-greifen. Und diese Barriere ist funktionell identisch mit der Barriere die DMF von LSR trennt, die Bernfelds/Feitelbergs Libidometrie von Reichs „Libidometrie“ trennt.
In Anlehnung an Darwin („Evolution“) und Haeckel („biogenetisches Prinzip“: die Ontogenese wiederholt die Phylogenese) sprach Freud von der psychosexuellen Entwicklung des Menschen, die den Stufen der Libido entspricht: okular (Baker), oral, anal, phallisch und genital.
Das ist eine „vertikale“ zeitliche Abfolge. Reich hat die jeweiligen Stufen räumlich („horizontal“) sozusagen „mit Substanz gefüllt“ durch Segmente der Panzerung: Augensegment, orales Segment, Beckensegment, d.h. den fünf Stufen der Libidoentwicklung entsprechen bei einer gestörten Entwicklung fünf spezifische Muster der Panzerung. Grob gesprochen Verspannungen im Augenbreich, im Mundbereich, im hinteren und schließlich vorderen Beckenbereich.
In Anlehnung an Hegel und mit direktem Verweis auf Darwin haben Marx und Engels das entwickelt, was später Stalin als „Historischen Materialismus“ dogmatisiert hat: die Geschichte ist nur Oberflächlich die politische Abfolge von Dynastien, Republiken etc., vielmehr wird sie von Klassenkämpfen bestimmt, die wiederum von der Entwicklung der Ökonomie abhängen (dem Verhältnis von sich entwickelnden Produktionsmitteln und der Entwicklung hinterherhinkenden Produktionsverhältnissen). Grob ist es die Abfolge von Urkommunismus, Sklavenhaltergesellschaft, Feudalismus, bürgerlichem Kapitalismus, dem sozialistischen Staat und schließlich dem Kommunismus.
In seiner Massenpsychologie des Faschismus hat Reich klargestellt, daß diese Entwicklung (weitgehend unabhängig vom Menschen bestimmt der ökonomische Unterbau den politischen Überbau) in seinem Ablauf durch die Charakterstruktur der Massen gestört wird, so daß sich (in diesem Fall) der Kapitalismus nicht zum Sozialismus weiterentwickeln kann, in dessen Verlauf die Massen lernen, die Produktionsmittel zum eigenen Vorteil zu nutzen. Vielmehr kommt es durch die menschliche Panzerung zum schwarzen und roten Faschismus, also einer Regression zum Feudalismus, teilweise sogar zur Sklavenhaltergesellschaft.
Aus diesen beiden Kombinationen von vertikaler Zeitachse (Freud, Marx) und horizontaler Raumachse (charakteranalytischer Vegetotherapie und Massenpsychologie) entwickelte sich die soziale Orgonomie, d.h. das Konzept der Emotionellen Pest als Gegenspieler der Arbeitsdemokratie („Freud + Marx“) und das Konzept der soziopolitischen Charaktere (Baker), die deutlich machen, was konkret in den Massen vorgeht („Freud + Marx“).
Im Moment erleben wir den krebsigen Zerfall der Arbeitsdemokratie und den Triumpf der Emotionellen Pest (Polarisation der Gesellschaft) und eine generelle Rotverschiebung, die Bakers ursprüngliche Formulierung der soziopolitischen Charaktere grundlegend verzerrt. Charles Konia hat das als Transformation von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft beschrieben.
Allgemein geht es in der Orgonomie auch jenseits der medizinischen und sozialen Orgonomie um die Wechselbeziehung der vorwärtsströmenden primordialen Orgonenergie und den „materiellen“ Produkte eben dieser Orgonenergie, das reicht vom Aufbau und Funktionsweise des Orgonenergie-Akkumulators, über Reichs Forschungen im Zusammenhang mit dem Orgonmotor und ORANUR bis hin zum kosmischen Orgonenergie-Ingenieurswesen (CORE) und der kosmischen Überlagerung, die im übrigen erklärt, wie genau aus der primordialen Orgonenergie Materie hervorgeht.
Geschichte ist die Entfaltung der vegetativen Energie, die ihren Ursprung in der kosmischen Orgonenergie hat, zum biologischen Organismus wird, der eine entsprechend „reine“ Charakterstruktur ausbildet, die zu einer „biologischen“ (arbeitsdemokratischen) Gesellschaft führt. An dieser Stelle an es zum „Einbruch der sexuellen Zwangsmoral“ kommen. Gesellschaftliche Konflikte werden verinnerlicht, was die Charakterstruktur „verunreinigt“. Die entsprechend geprägte vegetative Energie führt zu veränderten Charakterstrukturen und so weiter.
Die Soziologie steht dergestalt zwischen der „politischen Psychologie“ (die sich mit der Verformung bzw. „Entformung“, d.h. Neustrukturierung des Charakters beschäftigt) und der sexualökonomischen Biologie bzw. „Lebensforschung“ (bei der es um die Gesetze der besagten vegetativen Energie geht). Man denke etwa an die in Der Mensch in der Falle von Elsworth F. Baker ausgeführte individuelle und soziopolitische Charakterologie und deren biologische Grundlagen als da sind die libidinösen Stufen der psychosexuellen Entwicklung, die Funktion des Orgasmus, die Orgasmusformel, die drei Schichten der Panzerstruktur, die organismische Pulsation, die natürliche Organisation des Lebendigen (von Protozoen bis zur Arbeitsdemokratie), Erstrahlung und Anziehung, die Segmente der Panzerung, Überlagerung, ORANUR etc. (man sieht, daß die Biologie hier langsam in die Physik übergeht!). Das alles bestimmt von den Gesetzen der gleichzeitigen Identität und Gegensätzlichkeit.
Angefangen bei der Psychologie drang Reich ab 1919 immer tiefer in die Struktur des Menschen ein. Wobei man die „Tiefen“-Psychologie und das psychoanalytische Gerede von der „Libido“ nicht allzu ernstnehmen sollte. Alles bewegte sich noch im Bereich bloßer Worte, der menschlichen Vorstellungen, und war entsprechend von kulturellen Prägungen bestimmt. Zwar kann man „Psychologie“ mit „Wissenschaft von der Lebenskraft (psyche)“ übersetzen, doch diese „Lebenskraft“ ist nicht wirklich greifbar; es ist trotz aller „biologischen“ Rhetorik doch alles nur Fassade und Oberfläche.
Reich überwand dies, als er Freuds „Unbewußtes“ (also weite Bereiche des Über-Ich, Ich und Es) als gesellschaftlich bedingt entlarvte. Aus der Psychoanalyse entwickelte auf diese Weise die Charakteranalyse und, da so die Biologie zugänglich wurde, daraus schließlich die charakteranalytische Vegetotherapie, d.h. unmittelbarer Umgang mit der tatsächlichen Lebenskraft. Dieser Zugang zur Biologie bot ausschließlich die Soziologie (von socius, der Gefährte), die den Ursprung des „bösen Irrationalismus“, den Freud kurzschlußartig aus der (vermeintlichen) Biologie ableitete (ein schwaches, den Trieben wehrlos ausgesetztes Ich, der Todestrieb). Reich führte hingegen das Unbewußte auf gesellschaftliche Konflikte zurück, die als „sekundäre Schicht“ bzw. „mittlere Schicht“ verinnerlicht wurden. Wobei diese gesellschaftlichen Konflikte letztendlich natürlich auf die ödipalen Konflikte in der Kernfamilie zurückgehen.