Posts Tagged ‘Über-Ich’

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 8)

18. Juli 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Genau wie Gott, ist der Einzige kein Wald- und Wiesen-Egoist, eben weil er eine Einheit ist. Er ist dadurch gekennzeichnet, daß er alles in sich vereint. Homo normalis, der fremdgesteuerte Neurotiker muß die Vergangenheit (d.h. seine Verpflichtungen) und die Zukunft (d.h. seine Versprechungen) negieren, um überhaupt überleben zu können. Er ist nicht, sondern die Moral bzw. der Verrat an eben dieser Moral regiert ihn. Im Grunde heißt das, daß die Zeit für ihn nicht existiert, d.h. er negiert die bioenergetische Spannung, er ist „gepanzert“ (Über-Ich-reguliert). Er lebt den Imperialismus des „Heute“, der das „Gestern“ und das „Morgen“ negiert. Mit anderen Worten, es ist Verrat: an sich selbst und an denen, mit denen er einen Verein (eine „Ver-Einigung“) eingegangen ist.

Homo normalis faselt gerne von „der Wahrheit“ (d.h. dem, was ihm das Über-Ich diktiert), aber in Wirklichkeit kann er die Mehrdeutigkeit, d.h. die bioenergetische Spannung, nicht ertragen. Er erstrebt den entropischen „Wärmetod seines Universums“, d.h. alles muß sich der gleichen Temperatur annähern. Während in Wirklichkeit die Wahrheit in den Widersprüchen und in der Veränderung liegt!

Der Gott, der von sich sagt, daß er der ist, der er ist, verwirklicht sich in der Zeit, d.h. er ist kein willkürlicher Götze wie Allah, sondern er hat eine Vergangenheit, die auf die Zukunft verweist. Man kann sich auf ihn verlassen, d.h. „glauben“ – der christliche Glaube. Genauso ist es mit Stirners Einzigem und seinem Verein bestellt! Er ist die EINZIGE Grundlage eines „konservativen“ und zukunftsfähigen menschlichen Zusammenlebens.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 4)

26. Juni 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Bernd Laska bestreitet das, aber trotzdem: die Orgontheorie ist untrennbar mit LSR verknüpft. Es ist nur die Frage, wie man das Orgon auffaßt: ob man es mißbraucht, um Reichs Kampf gegen das Über-Ich zuzukleistern – oder ob man mit Hilfe des Orgons die „mechano-mystische Über-Ich-Kultur“ zerschlägt. Laska hat selbst hervorgehoben, daß LaMettrie in seinem Der Mensch als Maschine weniger eine mechanistische als vielmehr eine vitalistische Theorie vertritt. Und was Stirner betrifft: gerade ihm wurde ja immer vorgeworfen, er wolle das egomane triebhafte, sozusagen „vitalistische“ Tier freisetzen. Stirner vertreibt die Flausen aus dem Kopf, zerstört alle Ideen und Ideale – genauso wie der Naturwissenschaftler durch seine Experimente erbarmungslos ganze Weltgebäude aus Ideen und Idealen zum Einsturz bringt. Stirner war der einzige aufklärerische Aufklärer – und Laska sagte irgendwo, daß Reich der einzige wirklich „natur-wissenschaftliche“ Naturwissenschaftler war. Reich war Lebens-Forscher, während die anderen, Knechte des gegen das Lebendige gerichteten Über-Ichs, keine Biologie, sondern „Nekrologie“ betrieben – ganz im Sinne des Freudschen „Todestriebes“. Worum es geht, kristallisiert sich heute in der transhumanistischen Agenda des Great Reset heraus: du wirst nichts besitzen, nicht mal mehr der Eigner deines eigenen Ich sein, das mit „der Maschine“ eins wird…

Orgastische Potenz gibt es schon bei der Amöbe. Wie äußert sich das? Durch die Fähigkeit den inneren orgonotischen Überdruck durch eine Zellteilung abzubauen. Das ist funktionell identisch mit ihrer Vermehrung – also mit ihrer Durchsetzung als Individuum. Sie bevölkert die Welt mit ihren Klonen. Diese innige Verbindung zwischen Orgasmus und Weitergabe der eigenen unverwechselbaren Individualität zeigt wieder, daß (aus, nun gut, recht abstrakter Sicht) Reich und Stirner bestens harmonieren.

Was ist Liebe? Nach „orgonomischer Lehre“ gibt es ausschließlich die genitale Liebe, d.h. die sich hauptsächlich in den Genitalien äußernde Expansion („ich fühl mich zu Dir hingezogen“) des Biosystems. Bei verschiedengeschlechtlichen Partnern kommt es dabei zur körperlichen Durchdringung. Wahre Liebe beruht auf einem ständigen energetischen Austausch, bei dem der eine soviel nimmt, wie der andere gibt, wobei im Endeffekt mehr dabei herauskommt, als wären die Partner isoliert geblieben. Diese energetische Steigerung (Erstrahlung) geht periodisch so weit, daß es zu einer Verschmelzung kommt (Anziehung). Neurotisch wird es da, wo „selbstlos“ gegeben wird oder man sich sozusagen „selbst-los“ ausbeuten läßt – und genau in solchen „unegostischen“ Fällen kommt es eben nicht zur Überlagerung und vollkommenen Verschmelzung. Das, was als „selbstlose Liebe“ bezeichnet wird, ist gar keine Liebe, sondern das genaue Gegenteil: Angst, Haß und Kontaktlosigkeit. Auch hier gibt es keinen Gegensatz zwischen Reich und Stirner, sondern vollkommene Harmonie.

Siehe auch den grundlegenden Unterschied zwischen LSR und ihren sadomasochistischen Gegenspielern: LaMettrie und deSade, Stirner und Nietzsche, Reich und Freud!

Gehen wir zurück zu den ersten Menschen: Die Kernfrage des LSR-Projektes stellt sich nicht beim Steinzeitmenschen – aber nicht, weil der kein „Ich“ hat, sondern weil er kein Über-Ich hat. Trotzdem gibt es natürlich einen Gegensatz zwischen einem steinzeitlichen Schamanen und der wahren Aufklärung. Es ist der gleiche Unterschied der zwischen einem durchgeknallten Animisten und dem Funktionalisten Reich besteht. Aber das ist kein grundsätzlicher („charakter-struktureller“) Unterschied, beide sind orgastisch potent, sondern einfach einer des Wissens.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 1)

10. Juni 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Es ist dies das Wahrzeichen aller reaktionären Wünsche, daß sie etwas Allgemeines, Abstraktes, einen leeren, leblosen Begriff herstellen wollen, wogegen die Eigenen das stämmige, lebenvolle Einzelne vom Wust der Allgemeinheiten zu entlasten trachten. (Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum, Stuttgart 1981, S. 254)

Der „Panzer“ der Orgonomie und das „Über-Ich“ der Psychoanalyse sind funktionell identisch: ins Innere aufgenommene Außenwelt. Es ist das Trojanische Pferd, der Feind innerhalb der eigenen Mauern, die Überwachungskamera in uns selbst, die Polizei in unserem Inneren, das „Überwachungs-Ich“. „Ich“, weil es durch Identifikation mit dem Feind entsteht, d.h. den Vertretern einer lebensfeindlichen Gesellschaft in unserer Kindheit – unsere Eltern. Diese „inneren Hierarchien“ zu beseitigen bzw. ihre Formierung zu verhindern und so die Selbststeuerung freizusetzen, war das, was Julien Offray de La Mettrie (1709-1751), Max Stirner (1806-1856) und Wilhelm Reich (1897-1957) von allen anderen Denkern abhob. Von daher Bernd A. Laskas Kürzel „LSR“. LSR ist die Aufklärung, ansonsten ist ausnahmslos alles die lebensfeindliche Reaktion.

In der Orgonomie taucht der Begriff „Über-Ich“ nur noch marginal als psychoanalytischer Restbestand auf („der Patient hat ein sadistisches Über-Ich“ und ähnliche Formulierungen). Reichs Mitarbeiter und späterer Biograph Myron Sharaf hat darauf hingewiesen, daß Reich ganz bewußt auf eine psychoanalytische Begrifflichkeit verzichtet hat, um sich vom Freudistischen Paradigma abzuheben. Ausgerechnet Reich, der als einziger das Über-Ich wirklich ernstnahm, hat diesen Begriff nicht mehr verwendet – eben weil er es als einziger ernst nahm. Ohne Elsworth F. Baker wäre heute der Begriff „Über-Ich“ (zusammen mit anderen psychoanalytischen Begriffen) in der Orgonomie tabu! Wenn’s nach seinem innerorgonomischen Kritiker Chester M. Raphael gegangen wäre, könnte man nicht mal mehr vom „Charakter“ sprechen.

In der Charakteranalyse legte Reich dar, daß das Über-Ich funktionell identisch mit der Panzerung ist (KiWi, S. 217-219). Er beschreibt zunächst wie das Ich zwischen dem Es und der Außenwelt vermittelt, indem es die frustrierende Außenwelt in sich aufnimmt und so das Über-Ich als Selbstbehauptungsmechanismus ausbildet. Kurz danach beschreibt Reich den Panzer als Schutzmittel gegen die Außenwelt, der sich ebenfalls aus den Elementen der Außenwelt aufbaut.

Das Über-Ich, sozusagen die psychologische Seite der Panzerung, ist demnach, genau wie die Panzerung selbst, ein Schutz gegen die Außenwelt: man paßt sich an, damit einen die feindliche Außenwelt nicht vernichtet. „Anpassung“ und „Autonomie“ schließen sich aber aus. Das Über-Ich ist in die Persönlichkeit inkorporierte Außenwelt und behindert die persönliche Autonomie. Durch die biophysiologische Panzerung (das tiefenpsychologische Über-Ich) wird aber nicht nur die Freiheit behindert, sondern auch das mit der Freiheit untrennbar verbundene Verantwortungsbewußtsein und die Rationalität! Rationalität bedeutet die Harmonie von einerseits innerer Triebnatur und andererseits gesellschaftlicher Organisation von Liebe, Arbeit und Wissen. Rationalität ist nichts anderes als die Harmonie der Funktionen.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 4. Der Christusmord nach Matthäus / Matthäusevangelium (16,21-18,35) (Teil 2)

25. Mai 2022

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 4. Der Christusmord nach Matthäus / Matthäusevangelium (16,21-18,35) (Teil 2)

Orgonomie und Metaphysik (Teil 63)

21. Mai 2022

Wie die Metaphysik (Mystik) ist auch die Politik grundsätzlich von Irrationalität bestimmt, während die Arbeit in sich funktionell und rational ist. Genau wie der Mystik fehlt der Politik eine rationale Grundlage, sie ist unwissenschaftlich, entsprechend sind Politiker genau wie „heilige Männer“ keinerlei Legitimation für ihr Handeln unterworfen. Ein Wissenschaftler hingegen, ja jeder, der arbeitet, muß jede seiner Behauptungen in der Praxis als richtig erweisen. Arbeiter müssen eine bestimmte Ausbildung machen, um ihren Beruf ausüben zu können, Kompetenzen nachweisen; ihr Handeln ist rational bestimmt, während Mystiker und Politiker nur zu fabulieren brauchen.

Der Arbeit liegt eine rationale, organische Entwicklung zugrunde, die man nicht ersetzen oder umgehen kann, während es der mystischen und politischen Irrationalität jedweder organischer Entwicklung ermangelt und die Idee bereits fix und fertig dasteht, bevor überhaupt Beobachtungstatsachen vorliegen und etwas Tragfähiges erarbeitet wurde.

Es liegt hier ein antagonistischer Gegensatz vor. „Jeder rationale Arbeitsprozeß ist spontan aus seinem Wesen heraus gegen irrationale Lebensfunktionen gerichtet“ (Die Massenpsychologie des Faschismus). Umgekehrt sind die gesellschaftlichen Grundfunktionen des Lebens, nämlich Liebe, Arbeit und Wissen, in der gepanzerten Gesellschaft nicht vertreten und werden nicht geschützt, auch nicht in der parlamentarischen Demokratie. In jedweder gepanzerten Gesellschaft herrscht eine Minderheit, eine Art „Olymp“, die katholischen Heiligen oder der hinduistische Götterhimmel, welcher die Irrationalität der Mehrheit verkörpert und diese perpetuiert, wenn natürlich auch in unterschiedlich starker Ausprägung von der „Demokratie“ bis hin zur absolutistischen Diktatur. Auf der anderen Seite kann es nur die eine sozusagen „atheistische“ Arbeitsdemokratie geben, in der die gesellschaftliche Ideologie den lebensfördernden Interessen aller entspricht.

Arbeitsdemokratie beruht auf Arbeit und nicht auf Politik, entsprechend reguliert sie sich selbst, genauso wie es ein ungepanzerter, d.h. genitaler Organismus tut, der keine gesellschaftlichen Hierarchien verinnerlicht hat, d.h. frei vom „Über-Ich“ ist. „Arbeitsdemokratie ist kein politisches Programm, sie ist eine neuentdeckte biosoziologische, natürliche und grundlegende Funktion der Gesellschaft“ (ebd.). Arbeitsdemokratie ist keine Utopie, sondern untergründig stets vorhanden. Alles, was zu tun ist, ist der Politik und der Mystik entgegenzutreten, auf daß sich das Lebendige gesellschaftlich entfalten kann. Politik und Mystik zusammen ergeben den Faschismus, weshalb die Orgonomie in ihrem Kern antifaschistisch ist. Imgrunde ist die Orgonomie der einzige antifaschistische Faktor auf diesem Planeten.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 60)

11. Mai 2022

Das große Mißverständnis, Reich wäre ein „naiver Rousseauianer“ gewesen, kommt perfekt in folgenden geradezu archetypischen Sätzen der Kritik an Reich zum Ausdruck, die seinen psychoanalytischen Ausgangspunkt in den 1920er Jahren und dessen spätere Folgen umreißen sollen:

Die Natur des Menschen, seine innerste Natur, ist ursprünglich rein und unverdorben. Diese reine innere Natur und angeborene Mitmenschlichkeit wird durch Eingriffe von außen verdorben. Die Zwangsmoral und die autoritäre Erziehung sind es, die bewirken, daß die ursprüngliche Natur deformiert wird, was in sekundären, asozialen und unnatürlichen Triebentfaltungen zum Ausdruck kommt. Die von außen eingreifende Macht kann man sich als die Einrichtungen der autoritären bürgerlichen Gesellschaft vorstellen. Die emanzipatorische Arbeit besteht darin, die ursprüngliche gesunde innere Natur von den äußeren deformierenden Kräften zu befreien. Wie man sieht, ist diese Argumentation keineswegs von großer Dialektik geprägt. Sie enthält den Keim zu einem nahezu religiösen Glauben an eine von der Sozialität gereinigte innere Natur, die sich relativ leicht in die spekulative Naturmystik des  späten Reich überführen lassen wird. (Per Kristensen und Elo Nielsen: „Wilhelm Reich (1897-1957) Psychoanalytiker. In: Willy Dähnhardt/Birgit S. Nielsen (Hrsg.): Exil in Dänemark, Heide: Verlag Boyens & Co., 1993, S. 52)

In die gleiche Kerbe hiebt Hal Cohen in seinem Essay „A Secret History of the Sexual Revolution“ (Linguafranca. The Review of Academic Life, March 1999, S. 24-33):

Im Zentrum von Reichs peripatetischer Karriere steht eine ehrwürdige, wenn auch unzeitgemäße Überzeugung: Unter dem Mantel gesellschaftlicher Konventionen verbirgt sich ein natürliches, instinktives Selbst, und die Befreiung der Energien dieses Selbst von der Unterdrückung durch die Gesellschaft ist der einzige Weg zu psychischer Gesundheit, politischer Gerechtigkeit und geistigem Wohlbefinden. Dieser Gedanke findet heute nur wenige ernsthafte Anhänger. Innerhalb der Akademie verhöhnen die Nachfahren des französischen Poststrukturalismus die Idee eines natürlichen Selbst, während außerhalb der Akademie die konventionelle Weisheit die Tugenden der Unterdrückung wiederentdeckt hat.

Und weiter:

Doch während Freud den Kampf zwischen Verdrängung und Trieb mit großer Ambivalenz betrachtete, stellte sich Reich ohne zu zögern auf die Seite des Triebes. (…) Reich arbeitete seine erste und vielleicht einflußreichste psychoanalytische Idee aus: die Charakterpanzerung. Er glaubte, daß alle Menschen (…) abwehrende Charakterzüge aufweisen; und er empfahl dem Analytiker, diese Panzerung zu identifizieren und zu demontieren, um so (im Gegensatz zu Freud) die Richtung der Therapie zu kontrollieren und den Patienten zu zwingen, seine tiefsten Impulse zum Ausdruck zu bringen, auch mit Gewalt. (…) Die Kultur, so glaubte er, entfremde die Menschen von ihrem wahren Selbst, was bedeute, daß jedes zivilisierte Individuum per Definition neurotisch sei.

Dieser Reich muß ja ein ziemlicher Naivling gewesen sein! Nun, Reich konnte dieses Kompliment nur zurückgeben. Es ist naiv anzunehmen, man könne willkürlich in „natürliche“, was schlicht und ergreifend heißt bewehrte Prozesse eingreifen, ohne Unheil anzurichten. Seit Jahrtausenden ja imgrunde seit Jahrmillionen wußten Frauen, wie man „im nächsten Busch“ Kinder gebärt, bis die Mediziner eingriffen und daraus eine „Operation“ machten. Von jeher wußten die Frauen wie man Babys betreut und Kinder großzieht, bis irgendwelche religiösen Autoritäten eingriffen und neurotische Wracks erzeugten, die alles andere als pflegeleicht sind. Das Leben wurde unglaublich kompliziert und anstrengend: ein einziger Krampf. Das gleiche in dem, was Reich „Arbeitsdemokratie“ genannt hat: jeder Arbeitsprozeß hat „natürlicherweise“ seine eigenen Gesetzmäßigkeiten, bis irgendwelche Ideologen und Politiker eingreifen, ein heilloses Durcheinander anrichten und dann noch die Chuzpe haben von „Dialektik“ zu quatschen!

Genauso ist es mit Reichs angeblicher „Naturmystik“ bestellt. Das Problem der Naturwissenschaft ist schlichtweg, daß sie gar keine ist, da die vermeintlichen „Wissenschaftler“ die Natur nicht reden lassen! Das fing mit Reichs „bio-elektrischen Versuchen“ an, als die Experten vom Kaiser-Wilhelm-Institut, mit denen Reich zusammenarbeitete, derartig darauf bedacht waren, alle Parameter zu kontrollieren, daß jede mögliche Registrierung sehr sensibler emotionaler und sexueller Erregungszustände von vornherein erstickt wurde. Ähnlich bei den Bionversuchen („Brownsche Bewegung“, Luftkeime, der und der bekannte Mikroorganismus) oder etwa bei seinen Auseinandersetzungen mit Einstein. Jedes, wenn man so will, „Signal des Lebendigen“ wurde von vornherein erstickt. SIE sind die Metaphysiker (Platonisten), die jedem Tisch, der nicht ihrer „Idee von Tisch“ entspricht, das Tischsein absprechen, und über die herablassend lächeln, die mit ihren Stühlen an einem undefinierbaren Etwas sitzen und speisen. Das seien „naive Naturmystiker“, die keine Ahnung von wahrer Eßkultur haben!

Der Kern der Sache ist natürlich das, was Bernd A. Laska in seinem LSR-Projekt analysiert hat: die Zerstörung der kindlichen Autonomie („Ich = Es“) durch Heteronomie (Über-Ich). Wir erinnern uns des schwachsinnigen Angriffs auf Reich: „… Sie enthält den Keim zu einem nahezu religiösen Glauben an eine von der Sozialität gereinigte innere Natur, die sich relativ leicht in die spekulative Naturmystik des späten Reich überführen lassen wird.“ Reich-Kritiker sind durchweg – Schwachmaten, die nicht mal ansatzweise begriffen haben, worum es überhaupt geht!

Orgonomie und Metaphysik (Teil 46)

13. März 2022

Auf Spiegel-TV gab es mal ein Feature über die Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS), bei dem ich ständig an Nikolai Levashov und Richard Blasband denken mußte. Zum Beispiel ist folgender Fall dokumentiert:

Eine MPS-Patientin hatte Diabetes und brauchte regelmäßig Insulin, um nicht ins Koma zu fallen und abzukratzen. Wenn sie sich aber in eine andere Person verwandelte, litt sie plötzlich nicht mehr unter Diabetes und brauchte kein Insulin mehr. Dies beweist, daß der mind allmächtig ist. (Der Levashovsche bzw. Blasbandsche mind wird von deutschen Esoterikern als „Intelligenz“ eingedeutscht.) Im Fernsehen war eine Episode zu sehen, wo eine Frau ohne Brille nicht sehen konnte, als sie aber ihre Persönlichkeit änderte, mußte sie die Brille abnehmen, um etwas sehen zu können. Auch hat jede einzelne Persönlichkeit im MPS-Patienten ihre eigene unverwechselbare Handschrift, spezielle Befähigungen, etc. Ich würde mich nicht wundern, wenn querschnittsgelähmte MPS-Patienten aus ihrem Rollstuhl aufstehen würden!

Die MPS läßt sich ursächlich auf grausamste Kindesmißhandlung zurückführen. Die Kinder verlassen ihren Körper, damit eine andere, von ihnen schizophren abgespaltene, Person die Folter auf sich nimmt und sie selbst „gesund“ bleiben können. Diese Leute sind oberflächlich betrachtet, solange sie nicht akut in eine andere Persönlichkeit überwechseln, tatsächlich „gesund“, aber sie bezahlen dies dadurch, daß sie von allen Gefühlen abgeschnitten sind und nur vegetieren.

Für die Orgontherapie wird dies natürlich die Frage auf, ob nicht alle gepanzerten Menschen milde MPs-Fälle sind, denn die Panzerung hat einen traumatischen Ursprung und ist funktionell identisch mit der Identifizierung mit dem Peiniger; sie ist das Über-Ich, sie ist nicht das Ich, und wird entsprechend in der Orgontherapie als fremd abgestoßen.

Die Panzerung schützt uns vor Impulsen von innen und außen. Wird sie brüchig, dringen „höhere Mächte“ bzw. „Wesenheiten“ aus dem „Jenseits“ (dem „Jenseits der Panzerung“) in uns ein: Götter, Engel, Dämonen, etc. Mit ihnen beschäftigen sich Religion, Mystik und Esoterik – sie beschäftigen sich mit durch die Panzerung zersplitterten und fremd gewordenen orgonotischen Impulsen.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 4)

4. November 2021

Mystik ist der verzerrte Kontakt zum bioenergetischen Kern und damit zum kosmischen Orgonenergie-Ozean. Von besonderem Interesse sind die buddhistische, islamische und christliche Mystik, da sie auf einen Zusammenhang verweisen, auf den ich in Max Stirner und die Kinder der Zukunft verwiesen habe:

In der buddhistischen Mystik dreht sich alles um die Aussage „Das bist nicht du!“ Wir verstricken uns ins Unglück, wenn wir uns mit allem möglichen identifizieren, letztendlich sogar mit unserem vermeintlichen „Ich“. Lassen wir das alles fahren, werden wir Glückseligkeit, das Nirwana erlangen. Das ist nichts anderes als die metaphysische Überhöhung und Verabsolutierung dessen, von dem Wilhelm Reich und Max Stirner gesprochen haben: löse dich von deinen „inneren Hierarchien“ (dem Über-Ich, der Panzerung), die du durch Identifikation mit unterdrückerischen Personen (insbesondere den Eltern) verinnerlicht hast, indem du dich mit ihnen identifizierst hast.

Die islamische Mystik ist ähnlich aufgebaut: Ordne Gott nichts anderes bei, denn das ist Götzendienst, der dich versklavt. Genauso die „negative Theologie“ der christlichen Mystik: alles, was man Gott zuschreiben kann, trifft ihn nicht. Um ihn zu erfahren, muß man alles von sich fallenlassen. Was uns wieder zum Buddhismus führt, wenn Meister Eckhart sagt: „Nimm dich selber wahr und wo du dich findest, da laß von dir ab. Das ist das allerbeste.“ Das ist geradezu eine Beschreibung der Orgontherapie!

Mystiker nehmen auf verzerrte (und deshalb letztlich destruktive) Weise das wahr, worum es in der Orgonomie geht! Gewisserweise sind es Wahrheitskrämer, die sich mit Dingen beschäftigen, von denen sie nicht wirklich Ahnung haben, sondern nur eine vage „Ahnung“… Ziel der Orgonomie ist es, Mystik ein für allemal auszumerzen, da sie genau das erzeugt, was sie implizit vorgibt zu bekämpfen: Panzerung!

Der Aufstieg des Psychopathen (Teil 9)

3. Mai 2021

Barbara G. Koopman: Der Aufstieg des Psychopathen

Der Aufstieg des Psychopathen (Teil 8)

30. April 2021

Barbara G. Koopman: Der Aufstieg des Psychopathen