Posts Tagged ‘Hypnose’

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, b. Arzt und Physiker

4. Januar 2026

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, b. Arzt und Physiker

Alexander Lowen (Teil 3)

15. Dezember 2025

Scientology beruht auf Hypnose, die durch das „Auditing“ aufrechterhalten und verstärkt wird. Am Anfang steht der Kommunikationskurs, zu dessen Hauptübungen es gehört, daß sich zwei beliebige Personen gegenübersitzen und sich ohne zu blinzeln oder irgendeine andere Regung zu zeigen zwei Stunden lang anstarren, wobei die Uhr bei jeder Regung von neuem auf null gestellt wird. Für Primaten wie dem Homo sapiens ist das die ultimative Streßsituation, die, wenn Flucht oder Angriff unmöglich gemacht werden, nur durch einen einzigen Mechanismus entschärft werden kann: die Trennung von bioenergetischer Erregung und der Wahrnehmung dieser Erregung. Reich bezeichnete das als „schizophrene Spaltung“. In der Schizophrenie ist diese Spaltung tief verankert, bei Opfern von „Psychotechniken“ ist sie nur oberflächlich und muß deshalb künstlich aufrechterhalten werden, wobei sie sich im Laufe der Zeit natürlich auch tiefer verankert.

Fatalerweise gibt es in der Gestalt der „Bioenergetik“ Alexander Lowens eine Entsprechung beim „Reichianismus“. Hier wird die Trennung von Erregung und Wahrnehmung durch zweierlei erreicht: durch Aufbrechen der Panzerung mittels Folter und durch Überschwemmen des Körpers mit bioenergetischer Erregung, die die Toleranzschwelle weit übersteigt. „Folter“? Erstens ist wohlbekannt, daß man sich Folter nur entziehen kann, wenn man tranceartig „weggeht“ (Spaltung) und zweitens: die biophysische Intervention in der Orgontherapie besteht in nichts anderem als durch Druck an der richtigen Stelle die Muskelpanzerung so zu verstärken, daß sie nachgeben muß. Das kann sehr schmerzhaft sein. „Reichianer“ haben sich ausgerechnet auf diesen Aspekt der Reichschen Therapie kapriziert. Doch während in der Orgontherapie gilt, daß diese Intervention entsprechend einer psychoanalytischen „Deutung“ nur dann angewendet werden darf, wenn nach viel Widerstandanalyse der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist, bombardieren „Reichianer“ mit maximaler Gewalt ihre „Patienten“ mit diesen Interventionen. Das entspricht in etwa den „wilden Deutungen“ in der Psychoanalyse, denen Reich mit seinem Klassiker Charakteranalyse entgegengetreten ist.

Ähnlich wie es in der Psychoanalyse infolge der verfrühten Deutungen zu „chaotischen Situationen“ gekommen ist, erzeugt der blinde und sinnlose Angriff auf den Muskelpanzer ein bioenergetisches Durcheinander, bei dem die obenerwähnte Spaltung biophysische Struktur wird: die oberen Segmente, insbesondere aber das Augensegment, panzern sich vermehrt ab, um die aus den verfrüht entpanzerten unteren Segmenten freigewordene bioenergetische Erregung zu binden. Die Augenpanzerung führt zur Spaltung ähnlich wie bei der Schizophrenie.

Ohnehin erinnert das Geschehen in „bioenergetischen“ Übungsräumen eher an eine Folterkammer als an die Praxis eines Orgontherapeuten. In der Orgontherapie geht es um die Befreiung und den Ausdruck unterdrückter Emotionen, die „Ausdruckssprache des Lebendigen“, also letztendlich dem Orgasmusreflex die Bahn zu ebnen. Das ist etwas grundsätzlich anderes als das Einnehmen von „Streßpositionen“, um emotionale Reaktionen zu erzwingen. Es entspricht wieder dem Gegensatz zwischen einer geregelten Charakteranalyse und dem „Bombardieren“ des Unbewußten mit willkürlichen Deutungen in der Psychoanalyse. Außerdem induziert der Schmerz jeweils eine scharfe bioenergetische Kontraktion, die, da die teilweise seit Jahrzehnten unterdrückten schmerzhaften Emotionen nicht systematisch befreit werden, das bioenergetische System des Organismus noch mehr schädigt, als es ohne diese Form von „Therapie“ ohnehin schon war. Der ursprünglichen Traumatisierung wird eine neue hinzugefügt. Diese Kontraktion bedingt an sich bereits Spaltung, da der Raum zwischen zentraler Erregung und peripherer Wahrnehmung wächst:

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Barbara G. Koopman: Bewußtseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (2. Hälfte)

17. Mai 2025

Barbara G. Koopman: Bewußtseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib?

Das Geheimnis der Azteken (Teil 2)

20. April 2025

Vor dem Hintergrund meiner ständigen unterschiedlichen Interessen seit meinem 13. Lebensjahr, als ich Alfred Adler las, indischen Okkultismus studierte (was mich überhaupt erst zur Orgonomie brachte), meiner Liebe zu Chestertons „Pater Brown“, meiner Faszination für Kulte und Sekten (wie Scientology) und meinem tiefen Interesse an gruseligen und abwegigen Ideen (insbesondere „Besessenheit durch Dämonen“) versuche ich heute ab und an so „un-orgonomisch“ wie möglich zu argumentieren. Warum das? Weil ich, frei nach meinem „zweiten Guru“ Hans Hass, überzeugt bin, daß man nur durch Verfremdung aus der alltäglichen Hypnose heraustritt und das Wesentliche wahrnimmt. Bei Hass ging es beispielsweise darum, Menschenmengen genauso zu betrachten, wie er als Zoologe und Meeresforscher Korallenbänke beobachtete. Dazu filmte er das Geschehen in einer Stadt von oben, so daß Menschen zu Ameisen schrumpften, und er betrachtete diesen Film im Zeitraffer, um das Entscheidende, die Bewegungsmuster, energetische Vorgänge, zu akzentuieren.

Es geht darum, orgonotische Prozesse und Zusammenhänge vollkommen neu und „unorgonomisch“ anzuschauen. So als wäre man ein Außerirdischer, der gerade erst auf dem Planeten „Orgonomia“ gelandet ist. Ungefähr so, wie Reich in einem anderen Zusammenhang seine Bionexperimente angegangen ist. Worauf läuft die Orgonomie, spezifischer die Orgontherapie, in „nicht-orgonomischen“ Begriffen hinaus? Was kein Psychiater tut, ist, sich die bizarrsten psychotischen Äußerungen seiner Patienten wirklich anzuhören. Für die Psychiater ist das alles auf eine zerrüttete Hirnchemie oder eine zerstörte Hirnstruktur zurückzuführen und somit in seiner vermeintlichen Sinnlosigkeit bloßes Symptom, das bedeutungslos in der Luft hängt. Reich hingegen hat versucht, das psychotische Gebrabbel in Bezug auf die Panzerstruktur und aus dem bioenergetischen Kern stammende aber verzerrte Funktionen, die vom Schizophrenen fehlinterpretiert werden, zu entschlüsseln. Doch was ist, wenn die Patienten (und etwa animistische Naturvölker) recht haben und echte Stimmen zu ihnen sprechen? Dann wäre der einzige Weg zur Heilung, diese als das zu behandeln, was sie sind, und sie als das anzusprechen, was sie sind, also als Dämonen, die einen widerrechtlich besetzen: „Ihr habt überhaupt nichts mit mir zu tun. Laßt mich in Ruhe!

Zu dieser abwegigen Vorstellung wurde ich von dem Psychologen Jerry Marzinsky angeregt. Ihm zufolge stellt sich das Problem bei Homo normalis etwas anders dar, als bei Geisteskranken oder etwa Drogenabhängigen, d.h. ist das beim Normalmenschen mit den Dämonen nicht wörtlich zu nehmen. Er ist nicht von Dämonen besessen, sondern von der Gesellschaft. Es ist so, als hätte die Gesellschaft dir schon in jungen Jahren beigebracht, daß du nicht du selbst bist, sondern ein Narr, ein Widerling, ein Stinker, unbeholfen und ein Versager. Damals und seitdem warst du dumm genug, dich mit dieser widerlichen Person, die DIR angedichtet wurde, zu identifizieren; dieser falschen Identität, die dir eingetrichtert wurde. Alles, was du zur Heilung tun mußt, ist, diese Version von „dir“ als fremd und als eine Art „Dämon“ („Introjekt“ im Freud’schen Sinne) zu identifizieren, der absolut nichts mit DIR zu tun hat.

Und wieder: es geht darum, aus der „alltäglichen Hypnose“ herauszutreten, d.h. der okularen Panzerung ein Schnippchen zu schlagen. Nichts anderes sind nämlich die „Dämonen“, die dir irgendeinen destruktiven, selbstzerstörerischen Scheiß einflüstern, und dir weismachen, du seist die groteske Gestalt, die du mit dir selbst verwechselst!

Stellen wir dazu zwei Fragen: Was ist Therapie? Die Sequestration von DOR (die sekundäre Schicht) durch OR (der bioenergetische Kern und die soziale Fassade, soweit sie sich mit Kernfunktionen identifiziert). Wer ist die Person „ich“? Offensichtlich sind wir Funktionen der sozialen Fassade. Das Bewußtsein selbst ist eine SOZIALE Funktion. Ohne andere Personen um einen herum hat man kein Innenleben, kein Ego, kein Bewußtsein, kein nichts, außer einer Kasper-Hauser-artigen autistischen Leere. Ohne ein Du kein „ich“! Wenn dieses „ich“ mit dem Selbst (dem bioenergetischen Kern) harmoniert, ist alles gut. Wird uns hingegen ein fremdes „ich“ aufgedrängt, sind Neurose, Depression, inneres Elend die Folge.

Je stärker die Augenpanzerung wird, insbesondere auch durch Drogen, d.h. je mehr die Welt an Perspektive verliert und alles „näherrückt“, desto mehr verlagert sich das Außen ins Innere. Man hört Stimmen und „Gesichte“ verfolgen einen. Die sekundäre Schicht, die den Gepanzerten beherrscht, gewinnt ein Eigenleben und die besagten Dämonen kommen zum Vorschein. Das ist der Bereich von Gender und Trans, Multiplen Persönlichkeiten, psychotischen Spinnereien und anderen „Tänzen der Teufel“.

Wie Sartre sagte, „sind die anderen die Hölle“ – entweder, indem sie dir ein falsches, vom bioenergetischen Kern getrenntes „ich“ anhefteten („Sozialisation“) oder indem sie dich in Gestalt von „Dämonen“ bevölkern. Man könnte auch sagen, daß der Himmel darin besteht, sein authentisches Selbst unter den anderen authentischen Selbsten zu sein, sich zu behaupten und man selbst zu sein: der „Verein“ im Sinne Max Stirners. Gesundheit und Arbeitsdemokratie sind also ein und dieselbe Sache. Psychiater und Psychotherapeut zu sein, kann so erfüllend sein, weil man tagein, tagaus nichts anderes tut, als zu versuchen, die Hölle in den Himmel zu verwandeln. Aber auch normales alltägliches Interagieren kann ähnlich sein, wenn du dein authentisches Wesen zum Ausdruck bringst und dadurch andere dazu ermutigst, das gleiche zu tun: ein „Einziger“ (Stirner) zwischen anderen „Einzigen“. Gemeinsam sind wir alle damit beschäftigt, die Dämonen, die uns ent-eignen, zu vertreiben, was bedeutet, daß jeder versucht, die sekundäre Schicht zwischen Kern und Fassade in die Zange zu nehmen und das Ungeziefer auszumerzen.

Und was hat das nun mit Orgonomie zu tun? Es hat bis heute drei entscheidende Schritte in der Entwicklung der Orgonomie gegeben. Anfang der 1920er Jahre hat Reich den Begriff des „Charakters“ in die Psychoanalyse eingeführt und sie zur Charakteranalyse weiterentwickelt. Er hat sich dabei ausdrücklich auf Alfred Adler berufen. Macht ihn das zu einem Adlerianer, der die Libidotheorie verdrängt hat? Eine abwegige Frage, aber trotzdem unterstreicht es, den zutiefst sozialen Grundzug der Orgonomie: ohne Du (das Adlersche „Gemeinschaftsgefühl“) kein ich!

Anfang der 1950er Jahre hat Reich im Anschluß an das ORANUR-Experiment das DOR entdeckt und mit der mittleren, sekundären Charakterschicht gleichgesetzt. Das kulminierte in dem Aufsatz über das Wiederauftauchen des einst von ihm widerlegten Konzepts des „Todestriebes“ als DOR („Re-emergence of Freud’s ‚Death Instinct‘ as ‚DOR‘ Energy“), der 1956 zum 100sten Todestag Freuds in Elsworth F. Bakers Zeitschrift Orgonomic Medicine erschienen ist. Macht Reich das doch noch zu einem Freudianer? Absurd! Reich unterstreicht, daß der „Todestrieb“ kein „Trieb“ sei, sondern eine physikalische Realität, das DOR. Aber was ist, wenn es „den Teufel“ doch gibt?

Ende der 1990er Jahr hat Charles Konia das Konzept der „koexistierenden Wirkung“ im Anschluß an beispielsweise Albert Einsteins EPR-Paradoxon als eigenständige orgonotische Funktion neben der relativen Bewegung (Kreiselwelle und Pulsation) eingeführt. Macht ihn das zum Jungianer („Synchronizität“), der die aufklärerische Rationalität der Wissenschaft hinter sich läßt? Ebenfalls Absurd! Es öffnet „jedoch“ die Möglichkeit im DOR der sekundären Schicht jene quasi zu eigenen Entitäten gewordenen „Charakterzüge“ auszumachen, die es zu eliminieren gilt oder, wie Reich es im genannten Aufsatz nannte, zu „sequestrieren“. Es ist als würde sich der „Todestrieb“ personifizieren. „Personen“, die es auszutreiben gilt. Man lese dazu das Kapitel „Die Kinder der Finsternis“ aus Die kosmische Revolution.

„Jetzt ist Nasselstein endgültig durchgedreht!“ Es geht darum, die Welt vorurteilslos, d.h. „unorgonomisch“ zu betrachten. Man lese die Evangelien, die praktisch von nichts anderem handeln, als dem, was katholische Exorzisten bis zum heutigen Tag tun. Diese einfach mal zu Wort kommen lassen, insbesondere aber Jerry Marzinsky. Jeder Konsument der nicht-halluzinogene euphorisierende Droge Crystal Meth sieht „Schattenwesen“, – die mehr zu sein scheinen als bloße Halluzinationen. Millionen Menschen können davon aus eigener Anschauung berichten!

Mit Alex Jones, der mich auf diese Idee brachte, habe ich den Verdacht, daß die Priester der Azteken, die mit Hilfe aller möglichen Drogen mit derartigen „Wesenheiten“ Kontakt aufnahmen, von diesen dazu getrieben wurden, noch zuckende Herzen aus dem Brustkorb von Kriegsgefangenen zu reißen und einen regelrechten Menschenopferkult zu betreiben. Heute würden die globalistischen Eliten diesen Energieparasiten dienen, indem sie die Menschheit zerstören.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 12. Die Kinder der Finsternis / Die Emotionelle Pest

15. September 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 12. Die Kinder der Finsternis / Die Emotionelle Pest

Orgonomie und Metaphysik (Teil 58)

7. Mai 2022

Sekten und Kulte funktionieren auf der Grundlage von künstlich induzierter Augenpanzerung, d.h. Panzerung, die nicht aus der Kindheit stammt, sondern im Erwachsenenalter der bereits bestehenden „anerzogenen“ Panzerung hinzugefügt wird.

Beispielsweise konnte sich der Marxismus nur deshalb ausbreiten, weil seine Theorie derartig unbestimmt ist, daß man automatisch „in den Augen weggeht“, wenn man sich mit diesem „dialektischen“ Unsinn beschäftigt, wobei immer das Gefühl bleibt, man habe das ganze nicht wirklich verstanden. Ähnlich sieht es bei christlichen Sekten mit ihren Bibelstudien aus. Es ist schlichtweg unmöglich (außerhalb des kirchlichen Lehramtes) irgendeinen Sinn im „Wort Gottes“ zu finden. Was bleibt ist ein „dissoziativer“ Geisteszustand, in dem man buchstäblich „neben sich selbst steht“. Biophysikalisch ist das die Trennung von Wahrnehmung und Erregung („schizophrene Spaltung“), wie Reich sie im Schlußkapitel der Charakteranalyse beschrieben hat.

Am gefährlichsten sind Sekten, in denen diese „okulare Spaltung“ direkt durch Übungen induziert und verankert wird. Man denke nur an die verschiedenen Techniken (Yantras, Mantras, Evokation von Gottheiten, etc.) im indischen Guruismus oder tibetischen Lamaismus (vgl. Die Massenpsychologie des Buddhismus). Am effektivsten sind aber wohl die Techniken von Scientology, die ganz spezifisch (geradezu explizit) darauf ausgerichtet sind, eine Augenpanzerung zu induzieren. Den Effekt sieht man am durchschnittlichen Scientologen mit seinem charakteristischen Ausgenausdruck.

Hier die „Grundtechniken der Augenpanzerung“ in Scientology:

Bei TR-0 (training routine zero) geht es darum, ohne jede Regung (nicht mal ein Blinken der Augenlieder ist erlaubt!) dem Instrukteur 120 Minuten in die Augen zu starren. Nach jeder Körperregung wird abgebrochen und die Zeit wird von vorne gezählt, bis der Student schließlich nach schier endlosen Sitzungen es schafft, die 120 Minuten in einem Stück durchzustehen. Das kann ein Mensch nur schaffen, wenn er buchstäblich „seinen Körper verläßt“, d.h. sich die Wahrnehmung von der Erregung abspaltet. Man gerät in einen hypnotischen Zustand, den manche Scientologen ihr Leben lang nie wieder verlassen, sondern höchstens noch vertiefen werden! Dieses TR ist die Grundlage der folgenden TRs und wird in diesen fortgeführt. Deshalb steht jeweils ein „0“ vor der Numerierung.

Bei TR-01 liest der Student dem Instrukteur Satz für Satz Stellen aus der krankhaften, wahrscheinlich drogeninduzierten Pädophilengeschichte Alice im Wunderland von Lewis Carroll vor. Es geht darum, trotz der ganzen Absurdität der Sätze, nicht zu lachen oder sonst eine Regung zu zeigen. Damit wird die eigene Kritikfähigkeit lahmgelegt.

Bei TR-02 liest der Instrukteur umgekehrt dem Studenten aus Alice im Wunderland vor und es geht darum, ohne jede Regung diesen Unsinn hinzunehmen. Es wird ein Geisteszustand induziert, in dem man jeden Unsinn L. Ron Hubbards akzeptiert und niemals angesichts des Grotesken lacht. Humor und Lachen würden einen nämlich aus der Trance aufschrecken lassen.

Bei TR-03 frägt der Student seinen Instrukteur immer wieder und wieder zwei Fragen. Entweder „Fliegen Vögel?“ oder „Schwimmen Fische?“ Der Instrukteur gibt alle möglichen Antworten. Kommt schließlich die richtige Antwort, stellt der Student die zweite Frage. Wird die richtig beantwortet, kommt wieder die erste Frage dran. Man darf auf diese blödsinnige eigene Fragerei nicht reagieren, etwa lächeln und unsicher werden, sondern immer wieder und wieder die gleiche Frage stellen. Auf diese Weise wird man selbst zu einem Scientologen, d.h. einem roboter-artigen Menschen, der davon lebt, daß er seine Mitmenschen verunsichert und in einen hypnose-artigen Trancezustand versetzt.

TR-04 ist identisch mit TR-03 mit dem Unterschied, daß der Instrukteur alle möglichen vernünftigen Einwände gegen diese ganze Prozedur vorbringt, die der Student (immer ohne jede emotionale oder körperliche Regung) so beantworten soll, daß das Gegenüber weitermacht. Auf diese Weise soll man lernen, nicht nur die eigenen spontanen Gefühle und den eigenen rationalen Geist zu kontrollieren, sondern auch die des Gegenübers: man wird zum Scientologen.

Mit TR-05 soll man lernen mit Widerständen fertigzuwerden, etwa wenn das Gegenüber partout nicht kooperieren will. Man sagt dem Instrukteur, der die Session verlassen will, daß er „diesen Körper im Stuhl sitzen lassen soll“. Ein Phrase, die man ständig wiederholt, wenn das Gegenüber aufstehen will. Der Student wird dergestalt trainiert, stets als Herr der Situation aufzutreten, d.h. ein guter Scientologe zu sein: sich von oben kontrollieren zu lassen und nach unten (d.h. die Nicht-Scientologen) zu kontrollieren. Gleichzeitig lernt er das Gegenüber (und damit sich selbst) als „Geistwesen“ zu betrachten, das einen Körper hat: eine weitere Spaltung zwischen Wahrnehmung („Geist“) und Erregung („Körper“).

TR-06 ist die logische Fortsetzung von TR-05: der Student führt den sich wehrenden und protestierenden Instrukteur durch den Raum, hält an, ändert die Richtung, führt den Instrukteur, hält an, ändert die Richtung, etc. Der Student wird buchstäblich zu einem „Führer“ und verinnerlicht dabei gleichzeitig das Grundkonzept der Scientology: der Körper ist das ausführende sterbliche Organ des unsterblichen Geistes.

Bei TR-08 geht es darum, die Spaltung zwischen Geist und Körper zu zementieren, indem man einem unbelebten Objekt, etwa einem Aschenbecher, den Befehl gibt, sich zu erheben. Wenn der Student dann den Aschenbecher mit der eigenen Hand hebt, wird diese Muskelaktion schließlich irrelevant im Vergleich zu der „Tatsache“, daß der Aschenbecher tatsächlich unserem Willen folgt und sich erhebt – der eigene Körper wird irrelevant im Vergleich zum allmächtigen Geist. Jeder Furz wird zu einem übernatürlichen Ereignis!

Schließlich geht es in der Scientology darum, den eigenen Körper ganz zu verlassen, etwa indem man zunächst sich selbst anfaßt, dann die Wand, sich selbst, die Wand, sich selbst, die Wand, etc. Macht man das häufig genug und im Zustand der bereits induzierten Spaltung, hat man schließlich tatsächlich das Gefühl den Körper zu verlassen. Die Depersonalisation und Derealisation ist vollendet!

Im Zustand der induzierten Spaltung kann man „audiert“ werden und selbst „audieren“, d.h. mit Hilfe von Fragebögen zu (meist fiktiven!) traumatischen Ereignissen in diesem Leben und in früheren Leben geführt werden, sogar in zukünftigen Leben, da die „Zeitlinie“ des Geistes eine ganz andere ist als die des materiellen Universums (wieder Spaltung).

In höheren Stufen der Scientology wird deine Seele dann vollends zerschreddert, wenn du lernst, daß du von Myriaden fremder Seelen bevölkert bist, die jede ihre eigenen Probleme hat. Es gibt Leute, die ihr gesamtes Erspartes und das Ersparte von Familie und Freunden für diese Dämonenaustreibung ausgegeben haben.

Nachdem die Scientology-Interessierten dergestalt hergerichtet sind, geht es an das Studium der Schriften von L. Ron Hubbard – die ein normal empfindender und denkender Mensch bereits nach dem ersten Durchblättern gelangweilt zur Seite legte. Es ist eben die ganze Unsinnigkeit dieser Ergüsse, die, wie im Marxismus und evangelikalen Christentum, die okulare Panzerung weiter verschlimmert und aufrechterhält.

Es gehört zur Aufgabe der Orgonomie die Bevölkerung über diese Mechanismen aufzuklären und den Faschismus Schritt für Schritt weiter zurückzudrängen. Vernichtet alle Kulte und Sekten, alle Institutionen, die die Autonomie der Individuen und das klare Fühlen und kritische Denken untergraben!

Bei aller künstlich herbeigeführten Psychose ist Scientology imgrunde nur die verschärfte Version des ganz normalen Wahnsinns. Wir alle arbeiten ein ganzes Leben daran, eine Gesellschaft aufrechtzuerhalten, die uns, unsere Familie und unsere Freunde zerstört. Also macht euch nicht über diese Idioten lustig. Wir sind alle miteinander Idioten. Der zentrale Moment dieser Idiotie ist die Augenpanzerung, die von all dem Schwachsinn um uns herum ständig erzeugt und aufrechterhalten wird. Der alltägliche Wahnwitz!

Orgonomie und Metaphysik (Teil 35)

18. Februar 2022

Unser jüdisch-christliches Bewußtsein stellt uns in eine tote, bewegungslose Welt, der Gott von außen das Leben, den Geist, eingehaucht hat. Eine Bewegung, die ständig zu erlöschen droht. Daher stammt unsere Furcht vor dem Tod. Unsere gesamte Zivilisation ist aus dem Drang nach Bewegung hervorgegangen. Fort-Schritt!

Die Todesfurcht der Antike und des Ostens war bzw. ist eine fundamental andere, geradezu entgegengesetzte: im Chaos der ewigen Bewegung errichten wir das Leben, als eine Insel des Seins, doch dieses Sein ist ständig bedroht durch die Bewegung. Deshalb sucht der Osten Stille und Kontemplation, die Bewegungslosigkeit. Erstarrung!

Beide Weltanschauungen sind unmittelbarer Ausdruck der Panzerung, die jede Bewegung der Lebensenergie unterbindet und gleichzeitig dazu führt, daß man eine Todesangst vor dieser Bewegung entwickelt. Einerseits entspricht dies einem Aufbäumen gegen den ständig drohenden Stillstand, gegen den Erstickungstod; andererseits entspricht es einem „Es zerreißt mich!“, weil die Panzerung nicht elastisch nachgeben kann.

Diese sadomasochistische Verfassung des gepanzerten Menschen führt dazu, daß Todesfurcht stets von Todessehnsucht begleitet wird.

Was dahinter steckt, hat keiner besser ausgedrückt als Alexandre Dumas d.J.: „Nur durch die Liebe und den Tod berührt der Mensch das Unendliche.“

Einen dritten, „energetischen“ Umgang mit dem Tod beschreibt der „Energetiker“ Josef Haid in seinem Buch Lebensrichtig:

Sobald der Mensch sich als eine Konzentrationsform aus Energieteilchen innerhalb der unvergänglichen Energieeinheit des Alls erkennt und lebensrichtig denkt und handelt – die Energieeinheit in ihm sich ihrer selbst bewußt wird –, schwindet seine Furcht vor dem Tod. (CH-Chur, 1984)

Leider ist diese Herangehensweise allzu rationalistisch und sie verkennt, daß „die Energie“, in der wir wie Fische im Wasser schwimmen, ganz bestimmte Eigenschaften hat, insbesondere die Kreiselwelle.

Was dies mit der „Ewigkeit“ zu tun hat, zeigt folgender Ausspruch des griechischen Arztes Alkmaion aus Kroton (ca. 530 v.Chr.): „Menschen müssen sterben, weil sie nicht mehr den Anfang mit dem Ende zu verknüpfen wissen, wie es die Gestirne in ihren kreisförmigen Bahnen tun.“

Die Mystiker erahnen zwar diese Zusammenhänge, doch bleibt ihnen wegen ihrer sexualfeindlichen Struktur der Zugang zum „ewigen Leben“ versperrt.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 27)

23. Januar 2022

Reich hat geschrieben: „Jeder lebende Organismus ist ein Teil der ihn umgebenden Natur und mit ihr funktionell identisch“ (Der Krebs, Fischer TB, S. 117). Der mechanistische Mystizismus geht hingegen von einer von der Umwelt unabhängigen „Essenz“, einer „Geistseele“ aus (Mystizismus), die auf die Umwelt einwirkt (Mechanismus). Dies ist eine zutiefst beschränkte, einengende Sichtweise, die ausgerechnet für „sprirituelle“ Phänomene (= Phänomene des bioenergetischen Kontakts, z.B. Telepathie) denkbar ungeeignet ist.

Für den Mystiker ist der Geist etwas Statisches und „Festes“, wie ein Objekt. Gleichzeitig zerstört er zurecht die Objekthaftigkeit der materiellen Welt. Wäre er konsequent, würde er auch den Geist dergestalt zerstören – dann wäre er in der Tat Funktionalist. Doch genau wie der Mechanist hält er sich verzweifelt am Absoluten fest (siehe Äther, Gott und Teufel).

Für den Mechanisten ändert sich im Gedankenexperiment an der Welt gar nichts, wenn es den Menschen und dann natürlich auch den Mechanisten selbst nicht gäbe, das Bewußtsein würde einfach aus der Welt verschwinden, wie ein Stuhl, den man aus einem Zimmer nimmt; am Zimmer ändert sich nichts grundlegendes. Beim Mystiker ist es ähnlich, die Welt könnte sich verändern, aber der „Geist“ bliebe gleich, wie ein Stuhl sich gleichbleibt, auch wenn man ihn in ein ganz anderes Zimmer stellt. Für den Funktionalisten hingegen kann man weder den Beobachter von seinem Objekt, noch das Objekt von seinem Beobachter trennen, einfach weil sie als Beobachter, bzw. als Objekt nur in der Beziehung zwischen ihnen überhaupt existieren. Ein „Stuhl“ ist nur ein Stuhl, wenn man drauf sitzen kann, ändert er seine Funktion, etwa indem er dauerhaft zu einer Ablage wird, wird er sich über kurz oder lang auch strukturell verändern. Die Beziehung (Funktion) ist das einzig reale, während „Geist“ (Subjekt) und „Materie“ (Objekt) nur eine sekundäre Realität eigen ist.

Richard Blasbands Geistheilung ist doch sehr mechanistisch. Er hat zwar meinen Sinusitisverschluß geöffnet, aber dies ist prinzipiell nichts anderes, als hätte ein Chirurg einen Schnitt getätigt: der biopathisch-emotionale Kern meiner Kopfprobleme blieb unberührt. In der Orgonomie geht es aber nicht darum, den Patienten von außen zu beeinflussen, sondern es geht um die Aktivierung der autonomen Selbstregulierung. Genauso wie in der Orgontherapie des Krebses nichts dagegen einzuwenden ist, wenn operable Tumore herausgeschnitten werden, ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn ein Geistheiler die Tumore durch „geistige Chirurgie“ beseitigt. Es mag sogar orgonomisch absolut geboten sein. Doch mit der Orgonomie selbst hat die Geistheilung genausowenig etwas zu tun, wie die Orgonomie etwas mit Chirurgen zu tun hat. Chirurgen können die letzten kranken neurotischen Wracks sein und doch gute Chirurgen, auf die ein Orgonom gerne zurückgreift, genauso kann auch ein neurotisches Wrack ein guter Geistheiler sein.

Ein Schweizer Patient in der nur dort erlaubten psychiatrischen LSD-Therapie (also „bewußtseinsverändernde Therapie“ a la Bewußtseinsforschung) meinte, es hätte die „Energieströme in seinem Körper verändert und seinen Körper entspannt“ und so als einzige Therapie seine Depression besiegt. Baker meinte ja, daß nicht nur bei der Schizophrenie, sondern auch bei den Neurosen die Panzerung primär im Gehirn verankert sei und daß so reine Charakteranalyse auch „körpertherapeutisch“ wirke. „Ich glaube“, so Baker, „daß das Gehirn bei allen Neurosen eine mehr oder weniger starke Kontraktion aufweist, und daß es, wenn es angemessen mobilisiert wird, den übrigen Organismus befähigt, Ausdehnung und Bewegung auszuhalten. Die Kontraktion scheint weitgehend in den vegetativen Zentren stattzufinden. Sie verursacht und unterhält die muskuläre Verspannung“ (Der Mensch in der Falle, S. 92). Vielleicht wirkt das „bewußtseinserweiternde“ LSD (das geradezu das Gegenteil von Rauschgiften wie Heroin, etc. hervorruft) ja in dieser Hinsicht direkt auf das Gehirn mobilisierend und so auf die Panzerung. Da aber auch hier Emotionale nicht ausgelebt wird und nicht schrittweise wie in der Orgontherapie vorgegangen wird, besteht ständig die Gefahr, daß es nach der Expansion zu einer um so heftigeren Kontraktion kommt und man dann ausgebrannte Wracks wie Thimothy Leary oder Osho vor sich hat.

Baker:

Reich fragte einmal, warum so viele Arbeiter die Orgonomie verlassen. Was auch immer der Grund sein mag, nur sehr wenige bleiben, und von denen, die es offen tun, suchen die meisten im Verborgenen nach anderen Allheilmitteln. Dies gilt insbesondere für die medizinischen Orgonomen selbst. (...) Sie rennen in alle Richtungen und mit allen möglichen Mitteln zu jedem Heilsbringer, der seine mystische Einladung ausstreckt, oder sie erstarren in einem unbeweglichen Dogma, das sie prompt für unantastbar erklären und darauf bestehen, daß alle auf die Ankunft eines neuen Reichs warten, was schließlich das Nonplusultra der mystischen Erwartung sein mag.
Man muß sich fragen, warum eine solche Reaktion auf eine Disziplin, die so viel Sinn macht und bei der Behandlung emotionaler Probleme überdurchschnittlich erfolgreich war. Ich glaube nicht, daß sich die medizinischen Orgonomen ihrer Flucht bewußt sind, geschweige denn, daß es einen Grund dafür gibt, aber eine ernsthafte Untersuchung wird zeigen, daß dies seit den frühesten Tagen weit verbreitet ist. (...) Einer, der ausstieg, als Reich noch lebte, begann, LSD in seiner Therapie zu verwenden, und wechselte später zu Megavitaminen. Er verachtete die Orgonomie und sagte, daß die Orgonenergie nicht existiere. (...) Ein zweiter, der immer noch behauptete, Orgontherapie zu betreiben, begann mit Hypothermie, indem er die Temperatur im Raum auf 10 Grad senkte, während alle außer dem Therapeuten, der einen Mantel trug, zitterten. Das Zittern erweckte den Eindruck, daß sich durch das Zittern Spannungen lösten, und alle glaubten, daß etwas passierte. (...) Ein dritter nahm die Ohsawa-Diät auf und formte, indem er sie selbst anwandte, eine Gruppe seiner Patienten zu überzeugten Anhängern von Ohsawa, der selbst durch die Reinheit, die er durch seine makrobiotische Diät erlangte, die Fähigkeit erwarb, die Zukunft vorherzusagen, und sagte, daß New York City bombardiert werden würde. Die Gruppe packte und ging nach Kalifornien. Der Therapeut selbst, etwas enttäuscht von der Diät, nahm seine Familie mit nach England, wo sie sich alle einer LSD-Therapie unterzogen. (...)
Die Flucht hat bei Reichs Trainees nicht aufgehört. Nach wie vor flüchten sie oder finden Ergänzungen zu ihrer Therapie wie Hypnose, Psychoanalyse, Gruppentherapie, Radiästhesie, Bewußtseinskontrolle, Astrologie, Hellsehen und jetzt, ob Sie es glauben oder nicht, Akupunktur. Ich urteile nicht über diese Hilfsmittel. Ich sage nur, daß sie nicht orgonomisch sind.
Dies ist eine ernste Anklage gegen Therapeuten, die mit einer Methode behandeln, die bis zu den Wurzeln des Lebens reicht und sich mit der Lebensenergie selbst befaßt. Warum können sie sich nicht einfach dieser Disziplin widmen und alle anderen, die mechanistisch oder mystisch sein könnten, meiden? Ich glaube, es gibt mehrere Faktoren, die dazu beitragen. Erstens fühlt man sich isoliert, eine Art Rebell gegen die etablierten Methoden, und manche können es nicht ertragen, nicht dazuzugehören. Außerdem ist es eine sehr anstrengende Arbeit, die den ganzen Tag über engen körperlichen und emotionalen Kontakt mit einem Patienten nach dem anderen erfordert. Man sehnt sich nach einem einfacheren Weg, wie zum Beispiel der Verabreichung von Vitaminen. Und wenn man erfolgreich ist, ist der Patient vorsichtig und sagt einem, er sähe nicht, daß man viel zu seiner Genesung beigetragen hat. Nachdem man einige Jahre lang Patienten behandelt hat, läßt die anfängliche Begeisterung nach, und mit ihr schwinden auch die spektakulären Heilungserfolge, die man anfangs kannte. Sie beginnen sich zu fragen, ob sich die ganze Mühe lohnt, und suchen nach Wunderheilungen, versuchen sogar, Reich von den Toten auferstehen zu lassen, um seine Hilfe in Anspruch zu nehmen. (Baker in: Journal of Orgonomy 6(2), Nov. 1972, S. 148f)

Hier wird alles das diskutiert, was so viele spinnerte Orgonomen vor und nach Blasband getan haben. Es ist wirklich absolut überhaupt nichts Neues! Es ist dasselbe, wie damals Anfang der 1950er Jahre, als sich der von Baker erwähnte Cott, einer der wichtigsten Orgonomen, von Reich trennte und stattdessen sich mit Gesundheitsernährung befaßte, weil diese ihm wohl effektiver erschien als das Orgon. Auch damals konnte Reich sicherlich die erstaunlichen Resultate gesunder Ernährung, die Reich sicherlich das Leben gerettet hätte, nicht orgonomisch erklären – aber das hat doch in keinster Weise die Orgonomie gesprengt. Gewissermaßen ist Levashovs Geistheilung der Orgonomie genauso überlegen, wie Cotts Diät der Orgonomie überlegen war! Gewisserweise…

Orgonomie und Metaphysik (Teil 22)

7. Januar 2022

Kurz nachdem er vom Orgonomen zum Schüler des russischen „Geistheilers“ Nikolai Levashov geworden war, hat mir Richard Blasband Anfang der 1990er Jahre persönlich erklärt, daß Meditation (ich nehme an auch Hypnose, die er nicht erwähnt hat), also alle „bewußtseinsverändernden“ Techniken, den Geist für fremde Wesenheiten öffnen, „Critter“ (also „Dämonen“, geistige Parasiten). Stattdessen müsse es, so extrapoliere ich Blasbands Aussage, um die Befreiung und Mobilisierung der menschlichen Intention gehen. Genauso wie L. Ron Hubbard und seine Dianetik/Scientology: dieser hatte verkündet, diese sei das Gegenteil von Hypnose, nämlich die Emanzipation des Geistes, der einzelnen Seele. Tatsächlich sind aber die dianetischen/scientologischen Techniken nichts anderes als Hypnose. Ähnlich bei Levashov. Blasband und Barbara Koopman haben das erstaunlicherweise nicht durchschaut. Wenn etwas als Gegenteil dessen auftritt, was es ist, haben wir es mit der Emotionellen Pest zu tun…

Was ist Hypnose? Die Etablierung eines Autoritätsgefälles, wobei der Hypnotiseur zum Vater/zur Mutter wird, die Hypnotisierte zum Kind. Und dann spezifisch das okulare Segment angehen, etwa indem du das Opfer dazu bringst infantilen Unsinn zu glauben (Kinder sind Platoniker und verwechseln die Dinge mit ihrem Namen und sie sind Magier: sie glauben an die Allmacht der Gedanken) oder zu tun (Kinder können bis die Erwachsenen verzweifeln immer und immer und immer wieder das gleiche tun – mit wachsender Begeisterung). Das hat natürlich alles etwas mit dem Ödipuskomplex der Psychoanalyse zu tun – die sich direkt aus der Hypnose entwickelt hat. Die „Übertragung“ (Autoritätsgefälle!) ist das direkteste Überbleibsel der Hypnose in der Psychoanalyse. Auch denke man daran, daß das „Muskellesen“ und das Beachten kleinster Verhaltensweisen, Tics, etc. in der Hypnose teilweise der Charakteranalyse verblüffend nahekommt.

Esoteriker warnen vor Geistheilern á la Levashov, die ihren Geist in den Geist des Patienten einbringen. Solange die Behandlung dauert, ist alles gut, aber danach besteht die Gefahr, daß sich der Patient nie wieder von dieser „mind control“/„Übertragung“ befreien kann.

Man sollte vielleicht auch noch erwähnen, daß bei Blasband obskurantistische Tendenzen nicht grade neu waren. Ich denke dabei an seine Unterstützung von Trevor Constable bereits Anfang der 70er Jahre! Interessant in diesem Zusammenhang ist folgende Äußerung Blasbands: nachdem er sich 1992 nochmals mit Constable auseinandergesetzt hat, fährt er im darauf folgenden Absatz fort: „Ich habe den Eindruck, daß die bewußte Absicht des [Cloudbuster-] Operateurs eine wichtige Rolle spielt“ (R.A. Blasband: „Orgonomic Weather Control: An Overview“, Journal of Orgonomy 26(1):42-48). Ein Jahr zuvor erwähnte er „den berühmten Hellseher Edgar Cayce“ (Besprechung von Cantwells „The Cancer Microbe”, Journal of Orgonomy 25(1):131-134).

Reich war gleich dreimal hintereinander mit „Blasband“ konfrontiert:

  1. Bergson („Reich als Bergsonianer“);
  2. Blüher (Reich als Wandervogel mit Hans Blüher als Spiritus rector der Wandervogelbewegung, siehe Reichs Blüher-Rezension Mitte der 1920er Jahre); und
  3. DuTeil (der Bergsonianer und „Spiritualist“ war und wie Blasband von der „Essenz“ sprach, die das Leben ausmacht – siehe DuTeils Aufsatz „Leben und Materie“ in Die Bione).

Blasbands Behauptung stimmt ganz einfach nicht, daß Reich am Ende seines Lebens, wäre er nicht zu früh gestorben, zum „Bewußtsein“ gelangt wäre, denn Reich war schon gleich am Anfang seiner Karriere mit dieser Problemstellung konfrontiert, dann nochmals in seiner psychoanalytischen Phase, in der er sich intensiv mit dem damaligen „New Age“ und „Psychoboom“ auseinandersetzte, und schließlich durch DuTeil mit dem zusammen er die eigentliche Orgonomie begründet hat!

Telepathie (eine extreme Form des energetischen Kontakts, die in jeder guten Orgontherapie auftritt) ist nichts außerhalb der Orgonomie stehendes und, wie wir an den beiden folgenden Zitaten sehen, die energetische Arbeit via das Bewußtsein auch nicht. Selbst das Weiterleben der „Essenz“ nach dem Tode tritt Ansatzweise bei Reich auf:

Die biologische Energiequelle erlischt. Toter Fisch z.B. gibt kurz nach dem Sterben zwar noch orgonotische Erstrahlungsreaktionen am Orgonfeld-Messer, aber die Reaktionen sind schwach und verlieren sich bald. Tote Blattzweige geben im Gegensatz zu lebenden keine Orgonfeldaktion. Das bedeutet: Der sterbende Organismus verliert seine biologische Energie; zuerst schrumpft das Orgonenenergiefeld um den Organismus herum ein, dann folgt der Orgonverlust in den Geweben. Wir müssen daher die Volksmeinung ernstnehmen, die sich durch den Satz ausdrückt, daß man im Sterben seine „Seele aufgebe“. Die „Seele“ wird nicht, wie der Mystizismus glaubt, nun geformt zusammengehalten, um als „Geist“ im Raume zu schweben und Körper neu zu beleben; aber es ist richtig, daß die Orgonladung des Organismus die Lebensempfindungen begründet und daß mit Abnahme der Orgonladung die Lebensempfindungen schwächer werden. (Der Krebs, Fischer TB, S. 258)

Die angeborene Essenz, von der Blasband spricht, taucht auch bei Reich auf: „Jeder Neugeborene hat seine Eigenart, seinen emotionellen Grundton, den zu erfassen Voraussetzung des Verständnisses der einzelnen emotionellen Reaktionen ist“ (Der Krebs, S. 386).

Orgonomie und Metaphysik (Teil 21)

1. Januar 2022

Sich etwas vorzustellen (d.h. vor sich hinzustellen) hat eine unmittelbare Auswirkung auf den Körper (Blutdruck, Muskeltonus usw.). Um so mehr muß die Vorstellungskraft das Orgonenergie-Feld beeinflussen, das seinerseits mit anderen Feldern interagieren kann. Die Vorstellungskraft formt Muster, Flußbetten für den Energiestrom. Geistheiler, die mit konzentrierter Vorstellungskraft arbeiten, zeigen auf greifbare und eindeutige Weise, daß „der Geist“ so Orgonenergie-Ströme kanalisiert. Darauf deuten auch Autogenes Training, Biofeedback, Hypnose nach Milton Erickson und Charakteranalyse hin (d.h. die Arbeit am „Geist“ kann den gesamten Körper verändern, ohne direkte biophysische Arbeit). Nur die Orgonomie kann verstehen, wie dieses „Kanalisieren“ funktioniert, und nur die Orgonomie kann verantwortungsvoll damit umgehen, denn nur die Orgonomie sieht die energetischen Wurzeln des Geistes, während für die Mystik wie auch für die „wissenschaftliche“ Bewußtseinsforschung „Geist“ eine gegebene, autonome „materialistische“ Realität ist. (Die Vorstellung, daß ein „Geist“ oder „Spirit“ ein autonomes Eigenleben erlangt, entspricht der orgonomischen Definition von Mystik. Gleichzeitig wird der Geist dergestalt etwas „Dingliches“, was sein Wesen vollkommen verfehlt.)

Nach Meinung der Orgonomen Barbara Koopman und Charles Konia organisiert das okulare Segment, also das Gehirn, das menschliche Orgonenergie-Feld. Das wird durch Reichs Schizophrenieforschung nahegelegt. Wenn dem aber so ist, dann ist doch prinzipiell nichts dagegen einzuwenden, daß 1. das Bewußtsein ganz entscheidend auf dieses Orgonenergie-Feld einwirkt; 2. man dadurch auch außerkörperliche Energien umleiten kann; und 3. durch Überschneidung der Energiefelder mit dem Bewußtsein des Gegenüber direkt kommunizieren kann und so auch das Orgonenergie-Feld des Gegenüber direkt beeinflussen kann.

Die Theorie, die bildliche Vorstellung sei die „Schnittstelle“ zwischen Orgonenergie-Feld und Körper, stimmt mit den Vorstellungen des Qigong überein. Wegen dieser „Schnittstelle“, die sich im Gehirn befindet, der primitive Kult der Kopfjagd?

Bewußtsein scheint so etwas wie eine „Schnittstelle“ zwischen dem kosmischen Orgonenergie-Ozean und dem individuellen Orgonenergie-System zu sein. Der Mechanismus, über den dieser „Modulationsprozeß“ funktioniert, scheint die Imagination zu sein, d.h. die bildliche, visuelle Vergegenwärtigung. Wenn man sich etwas vorstellt (d.h. vor sich hinstellt), hat dies eine unmittelbare Auswirkung auf den Körper (Blutdruck steigt, etc.), um wieviel mehr muß da die Vorstellung dein Orgonenergie-Feld beeinflussen! Dieses Vorstellen hat nichts mit „Brain Fucking“ zu tun. Man denke nur mal wie Reich seinem Sohn Peter die Geschichte mit John Wayne erzählt hat, daß Wayne krampfhaft etwas erzwingen wollte und sich selber befahl gesund zu werden. Die Arbeit mit der Imagination läuft ganz anders, nämlich dadurch, daß du dir das Erwünschte vorstellst (z.B. Gesundheit), so eine Energiestruktur schaffst, in deren Flußbett sich dann die Energie zwanglos ergießt. Du arbeitest also nicht nach der Art der Panzerung, sondern nach der Art des ungepanzerten Lebens. Auch hat diese Imagination nichts mit einem blockierten okularen Segment und mit Mystizismus zu tun, vielmehr ist die Imagination eine Funktion eines von Panzerung befreiten okularen Segments, d.h. es geht um eine dreidimensionale Qualität, nicht um psychotische Chimären.

Je freier das Augensegment desto plastischer die Träume. Deshalb darf man mit dem Bewußtsein auch nicht rummurksen, wie Esoteriker das verantwortungslos selbstzerstörerisch machen. Man kann sich dem Orgonenergie-Fluß in der besagten Schnittstelle nur hingeben und darf nicht versuchen, neben diesen Prozeß zu treten, denn so bringt man alles heillos durcheinander. Das ist exakt genauso wie in der Sexualität (d.h. bei der „genitalen Schnittstelle“): man kann nur mitfließen oder man wird an einer Biopathie zugrundegehen.